Sinowij Borissowitsch blieb noch eine Woche auf der Mühle, und seine
Frau ergötzte sich diese ganze Zeit allnächtlich bis an den lichten Tag
mit Ssergej.
In diesen Nächten wurde im Schlafzimmer Sinowij Borissowitschs gar viel
Wein aus dem Keller des Schwiegervaters ausgetrunken, viel Süßes
gegessen, viel geküßt und viel mit den schwarzen Locken auf den weichen
Kopfkissen gespielt. Die Landstraße ist aber nicht immer so eben wie
eine Tischdecke, es gibt auch Löcher und Buckel.
Boris Timofejitsch konnte keinen Schlaf finden. Der Alte irrte in seinem
bunten Kattunhemd durch das stille Haus, trat bald an das eine, bald an
das andere Fenster und sah plötzlich das rote Hemd Ssergejs langsam den
Balken unter dem Fenster der Schwiegertochter hinuntergleiten. Eine
schöne Bescherung! Boris Timofejitsch ging in den Hof und packte den
Burschen bei den Beinen. Dieser holte zuerst zu einem Schlage aus,
überlegte sich aber, daß es zu viel Lärm geben würde.
»Sag einmal,« fragte Boris Timofejitsch, »wo warst du eben, du Dieb?«
»Wo ich war, da bin ich nicht mehr, Boris Timofejitsch,« antwortete
Ssergej.
»Hast du bei der Schwiegertochter übernachtet?«
»Das ist meine Sache, Herr, wo ich übernachtet habe. Höre aber auf meine
Worte, Boris Timofejitsch: was gewesen ist, läßt sich nicht mehr ändern.
Tu wenigstens deinem Kaufmannshause keine Schande an. Sag mir, was
willst du jetzt von mir? Was für eine Genugtuung soll ich dir geben?«
»Du sollst, Verruchter, fünfhundert Peitschenschläge bekommen,«
antwortete Boris Timofejitsch.
»Die Schuld ist mein, der Wille ist dein,« sagte der Bursche. »Sag,
wohin ich dir folgen soll, trinke mein Blut.«
Boris Timofejitsch führte Ssergej in seine gemauerte Vorratskammer und
schlug ihn so lange mit der Peitsche, bis sein Arm erlahmte. Ssergej gab
keinen Ton von sich, zerkaute aber die Hälfte seines Hemdärmels mit den
Zähnen.
Boris Timofejitsch ließ Ssergej in der Kammer liegen, bis sein
blutiggeschlagener Rücken verheilen würde, stellte ihm einen irdenen
Krug mit Wasser hin, versperrte die Kammer mit einem großen Schloß und
schickte nach dem Sohn.
Auch heute noch legt man hundert Werst auf einer russischen Landstraße
nicht an einem Tag zurück, Katerina Lwowna kann aber ohne ihren Ssergej
auch nicht eine Stunde aushalten. Ihre ganze zügellose Natur kam zum
Durchbruch, und sie wurde sehr kühn und entschlossen. Sie erfuhr, wo
Ssergej eingesperrt war, sprach mit ihm durch die Eisentüre einige Worte
und machte sich auf die Suche nach den Schlüsseln. »Väterchen, laß doch
den Ssergej heraus!« wandte sie sich an den Schwiegervater.
Der Alte wurde ganz grün vor Wut. Von seiner sündigen, bisher aber noch
immer gehorsamen Schwiegertochter hatte er eine solche Frechheit nicht
erwartet.
»Was fällt dir ein?« Und er fiel über Katerina Lwowna mit Schimpfworten
her.
»Laß ihn heraus,« bestürmte sie ihn, »ich schwöre dir bei meinem
Gewissen, daß es zwischen uns nichts Schlimmes gegeben hat.«
»So, es hat nichts Schlimmes gegeben!« sagt er und knirscht mit den
Zähnen. »Was habt ihr dann in den Nächten getrieben? Die Kissen deines
Mannes durchgeklopft?«