IV

Sinowij Borissowitsch blieb noch eine Woche auf der Mühle, und seine

Frau ergötzte sich diese ganze Zeit allnächtlich bis an den lichten Tag

mit Ssergej.

In diesen Nächten wurde im Schlafzimmer Sinowij Borissowitschs gar viel

Wein aus dem Keller des Schwiegervaters ausgetrunken, viel Süßes

gegessen, viel geküßt und viel mit den schwarzen Locken auf den weichen

Kopfkissen gespielt. Die Landstraße ist aber nicht immer so eben wie

eine Tischdecke, es gibt auch Löcher und Buckel.

Boris Timofejitsch konnte keinen Schlaf finden. Der Alte irrte in seinem

bunten Kattunhemd durch das stille Haus, trat bald an das eine, bald an

das andere Fenster und sah plötzlich das rote Hemd Ssergejs langsam den

Balken unter dem Fenster der Schwiegertochter hinuntergleiten. Eine

schöne Bescherung! Boris Timofejitsch ging in den Hof und packte den

Burschen bei den Beinen. Dieser holte zuerst zu einem Schlage aus,

überlegte sich aber, daß es zu viel Lärm geben würde.

»Sag einmal,« fragte Boris Timofejitsch, »wo warst du eben, du Dieb?«

»Wo ich war, da bin ich nicht mehr, Boris Timofejitsch,« antwortete

Ssergej.

»Hast du bei der Schwiegertochter übernachtet?«

»Das ist meine Sache, Herr, wo ich übernachtet habe. Höre aber auf meine

Worte, Boris Timofejitsch: was gewesen ist, läßt sich nicht mehr ändern.

Tu wenigstens deinem Kaufmannshause keine Schande an. Sag mir, was

willst du jetzt von mir? Was für eine Genugtuung soll ich dir geben?«

»Du sollst, Verruchter, fünfhundert Peitschenschläge bekommen,«

antwortete Boris Timofejitsch.

»Die Schuld ist mein, der Wille ist dein,« sagte der Bursche. »Sag,

wohin ich dir folgen soll, trinke mein Blut.«

Boris Timofejitsch führte Ssergej in seine gemauerte Vorratskammer und

schlug ihn so lange mit der Peitsche, bis sein Arm erlahmte. Ssergej gab

keinen Ton von sich, zerkaute aber die Hälfte seines Hemdärmels mit den

Zähnen.

Boris Timofejitsch ließ Ssergej in der Kammer liegen, bis sein

blutiggeschlagener Rücken verheilen würde, stellte ihm einen irdenen

Krug mit Wasser hin, versperrte die Kammer mit einem großen Schloß und

schickte nach dem Sohn.

Auch heute noch legt man hundert Werst auf einer russischen Landstraße

nicht an einem Tag zurück, Katerina Lwowna kann aber ohne ihren Ssergej

auch nicht eine Stunde aushalten. Ihre ganze zügellose Natur kam zum

Durchbruch, und sie wurde sehr kühn und entschlossen. Sie erfuhr, wo

Ssergej eingesperrt war, sprach mit ihm durch die Eisentüre einige Worte

und machte sich auf die Suche nach den Schlüsseln. »Väterchen, laß doch

den Ssergej heraus!« wandte sie sich an den Schwiegervater.

Der Alte wurde ganz grün vor Wut. Von seiner sündigen, bisher aber noch

immer gehorsamen Schwiegertochter hatte er eine solche Frechheit nicht

erwartet.

»Was fällt dir ein?« Und er fiel über Katerina Lwowna mit Schimpfworten

her.

»Laß ihn heraus,« bestürmte sie ihn, »ich schwöre dir bei meinem

Gewissen, daß es zwischen uns nichts Schlimmes gegeben hat.«

»So, es hat nichts Schlimmes gegeben!« sagt er und knirscht mit den

Zähnen. »Was habt ihr dann in den Nächten getrieben? Die Kissen deines

Mannes durchgeklopft?«

Eine Teufelsaustreibung, und andere Geschichten · 第 42 / 74 题