Ich diente bei der Kavallerie. Das Regiment lag in mehreren Dörfern des
T-schen Gouvernements in Quartier; der Regimentskommandeur und sein Stab
hielten sich aber natürlich in der Gouvernementsstadt selbst auf. Die
Stadt war auch damals schon sauber und freundlich und hatte ein Theater,
einen Adelsklub und ein riesengroßes, übrigens recht unsinnig angelegtes
Hotel, dessen größten Teil wir mit Beschlag belegt hatten. Die Zimmer
waren zum Teil von den Offizieren bewohnt, die sich ständig in der Stadt
aufhielten, zum Teil für die Offiziere reserviert, die periodisch aus
ihren Dorfquartieren in die Stadt kamen. Diese Zimmer wurden niemals an
gewöhnliche Passanten vermietet. Sobald der eine Offizier auszog, kam
sofort ein anderer gefahren, und diese »Offizierszimmer« waren immer
besetzt.
Unser Zeitvertreib bestand natürlich im Kartenspiel und im Dienste des
Bachus, sowie auch der Göttin der Herzensfreuden.
Man spielte zuweilen -- besonders im Winter, während der Wahlen zur
Adelsversammlung -- sehr hoch. Man spielte nicht im Klub, sondern in den
Hotelzimmern, wo man die Röcke ablegen durfte und sich überhaupt
ungezwungener fühlte. Auf diese Weise verbrachte man Tage und Nächte. Es
gibt wohl keinen sinnloseren und öderen Zeitvertreib, und Sie können
daraus wohl selbst schließen, was für Menschen wir damals waren und was
für Ideen uns begeistern konnten. Wir lasen wenig und schrieben noch
weniger; letzteres nur nach großen Verlusten, wenn es galt, unsere
Eltern anzulügen und von ihnen eine Extrasumme zu erpressen. Kurz und
gut, man konnte von uns nichts Gutes lernen. Wir spielten teils unter
uns, teils mit den durchreisenden Gutsbesitzern, die nicht viel ernster
waren als wir; in den Zwischenpausen betranken wir uns, schlugen uns mit
den Beamten herum und entführten Kaufmannsfrauen und Schauspielerinnen,
die wir gleich darauf wieder laufen ließen.
Die Gesellschaft war furchtbar stupid und verbummelt; die Jüngeren
eiferten den Älteren nach, und die einen wie die anderen zeigten nichts
Gescheites und Beachtenswertes.
Über die Fragen der Ehre und des Anstandes wurde bei uns niemals
gesprochen. Man trug seine Uniform und lebte nach der einmal
eingeführten Sitte, -- man bummelte und war bemüht, Herz und Seele gegen
alles Erhabene, Empfindsame und Ernste abzustumpfen. Und doch gab es
auch in unserem seichten Sumpfe die »latente Wärme«, die sonst nur
tiefen Wassern eigen ist.