[13] Da auch das Unheimliche des Doppelgängers von dieser Gattung ist,

wird es interessant, die Wirkung zu erfahren, wenn uns einmal das Bild

der eigenen Persönlichkeit ungerufen und unvermutet entgegentritt.

_E. Mach_ berichtet zwei solcher Beobachtungen in der »Analyse der

Empfindungen«, 1900, Seite 3. Er erschrak das eine Mal nicht wenig,

als er erkannte, daß das gesehene Gesicht das eigene sei, das andere

Mal fällte er ein sehr ungünstiges Urteil über den anscheinend

Fremden, der in seinen Omnibus einstieg, »Was steigt doch da für ein

herabgekommener Schulmeister ein«. -- Ich kann ein ähnliches Abenteuer

erzählen: Ich saß allein im Abteil des Schlafwagens, als bei einem

heftigeren Ruck der Fahrtbewegung die zur anstoßenden Toilette

führende Türe aufging und ein älterer Herr im Schlafrock, die

Reisemütze auf dem Kopf, bei mir eintrat. Ich nahm an, daß er sich

beim Verlassen des zwischen zwei Abteilen befindlichen Kabinetts in

der Richtung geirrt hatte und fälschlich in mein Abteil gekommen war,

sprang auf, um ihn aufzuklären, erkannte aber bald verdutzt, daß

der Eindringling mein eigenes vom Spiegel in der Verbindungstür

entworfenes Bild war. Ich weiß noch, daß mir die Erscheinung gründlich

mißfallen hatte. Anstatt also über den Doppelgänger zu erschrecken,

hatten beide -- _Mach_ wie ich -- ihn einfach nicht agnosziert. Ob

aber das Mißfallen dabei nicht doch ein Rest jener archaischen

Reaktion war, die den Doppelgänger als unheimlich empfindet?

Anders verhält es sich mit dem Unheimlichen, das von verdrängten

infantilen Komplexen ausgeht, vom Kastrationskomplex, der

Mutterleibsphantasie usw., nur daß reale Erlebnisse, welche diese Art

von Unheimlichem erwecken, nicht sehr häufig sein können. Das

Unheimliche des Erlebens gehört zumeist der früheren Gruppe an, für die

Theorie ist aber die Unterscheidung der beiden sehr bedeutsam. Beim

Unheimlichen aus infantilen Komplexen kommt die Frage der materiellen

Realität gar nicht in Betracht, die psychische Realität tritt an deren

Stelle. Es handelt sich um wirkliche Verdrängung eines Inhaltes und um

die Wiederkehr des Verdrängten, nicht um die Aufhebung des _Glaubens an

die Realität_ dieses Inhalts. Man könnte sagen, in dem einen Falle sei

ein gewisser Vorstellungsinhalt, im anderen der Glaube an seine

(materielle) Realität verdrängt. Aber die letztere Ausdrucksweise dehnt

wahrscheinlich den Gebrauch des Terminus »Verdrängung« über seine

rechtmäßigen Grenzen aus. Es ist korrekter, wenn wir einer hier

spürbaren psychologischen Differenz Rechnung tragen und den Zustand, in

dem sich die animistischen Überzeugungen des Kulturmenschen befinden,

als ein -- mehr oder wenig vollkommenes -- _Überwundensein_ bezeichnen.

Unser Ergebnis lautete dann: Das Unheimliche des Erlebens kommt

zustande, wenn _verdrängte_ infantile Komplexe durch einen Eindruck

wieder belebt werden, oder wenn _überwundene_ primitive Überzeugungen

wieder bestätigt scheinen. Endlich darf man sich durch die Vorliebe für

glatte Erledigung und durchsichtige Darstellung nicht vom Bekenntnis

abhalten lassen, daß die beiden hier aufgestellten Arten des

Unheimlichen im Erleben nicht immer scharf zu sondern sind. Wenn man

bedenkt, daß die primitiven Überzeugungen auf das innigste mit den

infantilen Komplexen zusammenhängen und eigentlich in ihnen wurzeln,

wird man sich über diese Verwischung der Abgrenzungen nicht viel

verwundern.

Das Unheimliche der Fiktion -- der Phantasie, der Dichtung -- verdient

in der Tat eine gesonderte Betrachtung. Es ist vor allem weit

reichhaltiger als das Unheimliche des Erlebens, es umfaßt dieses in

seiner Gänze und dann noch anderes, was unter den Bedingungen des

Erlebens nicht vorkommt. Der Gegensatz zwischen Verdrängtem und

Überwundenem kann nicht ohne tiefgreifende Modifikation auf das

Unheimliche der Dichtung übertragen werden, denn das Reich der Phantasie

hat ja zur Voraussetzung seiner Geltung, daß sein Inhalt von der

Realitätsprüfung enthoben ist. Das paradox klingende Ergebnis ist, _daß

in der Dichtung vieles nicht unheimlich ist, was unheimlich wäre, wenn

es sich im Leben ereignete, und daß in der Dichtung viele Möglichkeiten

bestehen unheimliche Wirkungen zu erzielen, die fürs Leben wegfallen_.

Zu den vielen Freiheiten des Dichters gehört auch die, seine

Darstellungswelt nach Belieben so zu wählen, daß sie mit der uns

vertrauten Realität zusammenfällt, oder sich irgendwie von ihr entfernt.

Wir folgen ihm in jedem Falle. Die Welt des Märchens z. B. hat den Boden

der Realität von vornherein verlassen und sich offen zur Annahme der

animistischen Überzeugungen bekannt. Wunscherfüllungen, geheime Kräfte,

Allmacht der Gedanken, Belebung des Leblosen, die im Märchen ganz

gewöhnlich sind, können hier keine unheimliche Wirkung äußern, denn für

die Entstehung des unheimlichen Gefühls ist, wie wir gehört haben, der

Urteilsstreit erfordert, ob das überwundene Unglaubwürdige nicht doch

real möglich ist, eine Frage, die durch die Voraussetzungen der

Märchenwelt überhaupt aus dem Wege geräumt ist. So verwirklicht das

Märchen, das uns die meisten Beispiele von Widerspruch gegen unsere

Lösung des Unheimlichen geliefert hat, den zuerst erwähnten Fall, daß im

Reiche der Fiktion vieles nicht unheimlich ist, was unheimlich wirken

müßte, wenn es sich im Leben ereignete. Dazu kommen fürs Märchen noch

andere Momente, die später kurz berührt werden sollen.

Der Dichter kann sich auch eine Welt erschaffen haben, die minder

phantastisch als die Märchenwelt, sich von der realen doch durch die

Aufnahme von höheren geistigen Wesen, Dämonen oder Geistern Verstorbener

scheidet. Alles Unheimliche, was diesen Gestalten anhaften könnte,

entfällt dann, soweit die Voraussetzungen dieser poetischen Realität

reichen. Die Seelen der Danteschen Hölle oder die Geistererscheinungen

in _Shakespeares_ Hamlet, Macbeth, Julius Caesar mögen düster und

schreckhaft genug sein, aber unheimlich sind sie im Grunde ebensowenig

wie etwa die heitere Götterwelt Homers. Wir passen unser Urteil den

Bedingungen dieser vom Dichter fingierten Realität an und behandeln

Seelen, Geister und Gespenster, als wären sie vollberechtigte

Existenzen, wie wir es selbst in der materiellen Realität sind. Auch

dies ist ein Fall, in dem Unheimlichkeit erspart wird.

Anders nun, wenn der Dichter sich dem Anscheine nach auf den Boden der

gemeinen Realität gestellt hat. Dann übernimmt er auch alle Bedingungen,

die im Erleben für die Entstehung des unheimlichen Gefühls gelten, und

alles was im Leben unheimlich wirkt, wirkt auch so in der Dichtung. Aber

in diesem Falle kann der Dichter auch das Unheimliche weit über das im

Erleben mögliche Maß hinaus steigern und vervielfältigen, indem er

solche Ereignisse vorfallen läßt, die in der Wirklichkeit nicht oder nur

sehr selten zur Erfahrung gekommen wären. Er verrät uns dann

gewissermaßen an unseren für überwunden gehaltenen Aberglauben, er

betrügt uns, indem er uns die gemeine Wirklichkeit verspricht und dann

doch über diese hinausgeht. Wir reagieren auf seine Fiktionen so, wie

wir auf eigene Erlebnisse reagiert hätten; wenn wir den Betrug merken,

ist es zu spät, der Dichter hat seine Absicht bereits erreicht, aber ich

muß behaupten, er hat keine reine Wirkung erzielt. Bei uns bleibt ein

Gefühl von Unbefriedigung, eine Art von Groll über die versuchte

Täuschung, wie ich es besonders deutlich nach der Lektüre von

_Schnitzlers_ Erzählung »Die Weissagung« und ähnlichen mit dem

Wunderbaren liebäugelnden Produktionen verspürt habe. Der Dichter hat

dann noch ein Mittel zur Verfügung, durch welches er sich dieser unserer

Auflehnung entziehen und gleichzeitig die Bedingungen für das Erreichen

seiner Absichten verbessern kann. Es besteht darin, daß er uns lange

Zeit über nicht erraten läßt, welche Voraussetzungen er eigentlich für

die von ihm angenommene Welt gewählt hat, oder daß er kunstvoll und

arglistig einer solchen entscheidenden Aufklärung bis zum Ende

ausweicht. Im ganzen wird aber hier der vorhin angekündigte Fall

verwirklicht, daß die Fiktion neue Möglichkeiten des unheimlichen

Gefühls erschafft, die im Erleben wegfallen würden.

Alle diese Mannigfaltigkeiten beziehen sich streng genommen nur auf das

Unheimliche, das aus dem Überwundenen entsteht. Das Unheimliche aus

verdrängten Komplexen ist resistenter, es bleibt in der Dichtung -- von

einer Bedingung abgesehen -- ebenso unheimlich wie im Erleben. Das

andere Unheimliche, das aus dem Überwundenen, zeigt diesen Charakter im

Erleben und in der Dichtung, die sich auf den Boden der materiellen

Realität stellt, kann ihn aber in den fiktiven, vom Dichter geschaffenen

Realitäten einbüßen.

Es ist offenkundig, daß die Freiheiten des Dichters und damit die

Vorrechte der Fiktion in der Hervorrufung und Hemmung des unheimlichen

Gefühls durch die vorstehenden Bemerkungen nicht erschöpft werden. Gegen

das Erleben verhalten wir uns im allgemeinen gleichmäßig passiv und

unterliegen der Einwirkung des Stofflichen. Für den Dichter sind wir

aber in besonderer Weise lenkbar, durch die Stimmung, in die er uns

versetzt, durch die Erwartungen, die er in uns erregt, kann er unsere

Gefühlsprozesse von dem einen Erfolg ablenken und auf einen anderen

einstellen, und kann aus demselben Stoff oft sehr verschiedenartige

Wirkungen gewinnen. Dies ist alles längst bekannt und wahrscheinlich von

den berufenen Ästhetikern eingehend gewürdigt worden. Wir sind auf

dieses Gebiet der Forschung ohne rechte Absicht geführt worden, indem

wir der Versuchung nachgaben, den Widerspruch gewisser Beispiele gegen

unsere Ableitung des Unheimlichen aufzuklären. Zu einzelnen dieser

Beispiele wollen wir darum auch zurückkehren.

Wir fragten vorhin, warum die abgehauene Hand im Schatz der Rhampsenit

nicht unheimlich wirke wie etwa in der _Hauff_schen »Geschichte von der

abgehauenen Hand«. Die Frage erscheint uns jetzt bedeutsamer, da wir die

größere Resistenz des Unheimlichen aus der Quelle verdrängter Komplexe

erkannt haben. Die Antwort ist leicht zu geben. Sie lautet, daß wir in

dieser Erzählung nicht auf die Gefühle der Prinzessin, sondern auf die

überlegene Schlauheit des »Meisterdiebes« eingestellt werden. Der

Prinzessin mag das unheimliche Gefühl dabei nicht erspart worden sein,

wir wollen es selbst für glaubhaft halten, daß sie in Ohnmacht gefallen

ist, aber wir verspüren nichts Unheimliches, denn wir versetzen uns

nicht in sie, sondern in den anderen. Durch eine andere Konstellation

wird uns der Eindruck des Unheimlichen in der _Nestroy_schen Posse »Der

Zerrissene« erspart, wenn der Geflüchtete, der sich für einen Mörder

hält, aus jeder Falltüre, deren Deckel er aufhebt, das vermeintliche

Gespenst des Ermordeten aufsteigen sieht und verzweifelt ausruft: Ich

hab' doch nur _einen_ umgebracht. Zu was diese gräßliche Multiplikation?

Wir kennen die Vorbedingungen dieser Szene, teilen den Irrtum des

»Zerrissenen« nicht, und darum wirkt, was für ihn unheimlich sein muß,

auf uns mit unwiderstehlicher Komik. Sogar ein »wirkliches« _Gespenst_

wie das in _O. Wildes_ Erzählung »Der Geist von Canterville« muß all

seiner Ansprüche, wenigstens Grauen zu erregen, verlustig werden, wenn

der Dichter sich den Scherz macht, es zu ironisieren und hänseln zu

lassen. So unabhängig kann in der Welt der Fiktion die Gefühlswirkung

von der Stoffwahl sein. In der Welt der Märchen sollen Angstgefühle,

also auch unheimliche Gefühle überhaupt nicht erweckt werden. Wir

verstehen das und sehen darum auch über die Anlässe hinweg, bei denen

etwas Derartiges möglich wäre.

Von der Einsamkeit, Stille und Dunkelheit können wir nichts anderes

sagen, als daß dies wirklich die Momente sind, an welche die bei den

meisten Menschen nie ganz erlöschende Kinderangst geknüpft ist. Die

psychoanalytische Forschung hat sich mit dem Problem derselben an

anderer Stelle auseinandergesetzt.

[ Im folgenden werden alle geänderten Textzeilen angeführt, wobei

jeweils zuerst die Zeile wie im Original, danach die geänderte Zeile

steht.

ghastly, von einem Hause: haunted, von einem Menschen a repulsive

ghastly, von einem Hause: haunted, von einem Menschen: a repulsive

wie Hiob 11, 6; 15, 8, Weish. 2, 22; 1. Kor. 2, 7 etc. und so auch

wie Hiob 11, 6; 15, 8; Weish. 2, 22; 1. Kor. 2, 7 etc. und so auch

»_Heimlich_; adj. und adv. vernaculus, occultus; mhd. heimelîch,

_Heimlich_; adj. und adv. vernaculus, occultus; mhd. heimelîch,

wurden geschlagen an heimlichen örten. 1 Samuel 5, 12 ...

wurden geschlagen an heimlichen örten. 1 Samuel 5, 12 ...)

aber Coppelius[1]) lacht: »wartet nur, der kommt schon herunter von

aber Coppelius[1] lacht: »wartet nur, der kommt schon herunter von

auftaucht, ein solches infantiles Moment für die Enstehung des

auftaucht, ein solches infantiles Moment für die Entstehung des

unheimlichen Gefühls in Anspruch zu nehmen; werden wir auch zum Versuch

unheimlichen Gefühls in Anspruch zu nehmen, werden wir auch zum Versuch

_S. Seligman_[10] eine gründliche Behandlung gefunden hat. Die Quelle,

_S. Seligmann_[10] eine gründliche Behandlung gefunden hat. Die Quelle,

die Albrecht _Schäffer_ in dem Buche »_Josef Montfort_« mit poetischer

die Albrecht _Schaeffer_ in dem Buche »_Josef Montfort_« mit poetischer

_E. Mach_ berichtet zwei solcher Beobachtungen in der Ȁnalyse der

_E. Mach_ berichtet zwei solcher Beobachtungen in der »Analyse der

doch über diese hinausgeht. Wir reagieren auf seine Fiktionen so, wir

doch über diese hinausgeht. Wir reagieren auf seine Fiktionen so, wie

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Das Unheimliche · 第 3 / 3 段