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[ Anmerkungen zur Transkription:
Der Text stammt aus: Imago. Zeitschrift für Anwendung der
Psychoanalyse auf die Geisteswissenschaften V (1919). S. 297-324.
Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden übernommen;
lediglich offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert. Eine Liste
der vorgenommenen Änderungen findet sich am Ende des Textes.
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]
Das Unheimliche.
Von SIGM. FREUD.
I.
Der Psychoanalytiker verspürt nur selten den Antrieb zu ästhetischen
Untersuchungen, auch dann nicht, wenn man die Ästhetik nicht auf die
Lehre vom Schönen einengt, sondern sie als Lehre von den Qualitäten
unseres Fühlens beschreibt. Er arbeitet in anderen Schichten des
Seelenlebens und hat mit den zielgehemmten, gedämpften, von so vielen
begleitenden Konstellationen abhängigen Gefühlsregungen, die zumeist der
Stoff der Ästhetik sind, wenig zu tun. Hie und da trifft es sich doch,
daß er sich für ein bestimmtes Gebiet der Ästhetik interessieren muß,
und dann ist dies gewöhnlich ein abseits liegendes, von der ästhetischen
Fachliteratur vernachlässigtes.
Ein solches ist das »Unheimliche«. Kein Zweifel, daß es zum
Schreckhaften, Angst- und Grauenerregenden gehört, und ebenso sicher ist
es, daß dies Wort nicht immer in einem scharf zu bestimmenden Sinne
gebraucht wird, so daß es eben meist mit dem Angsterregenden überhaupt
zusammenfällt. Aber man darf doch erwarten, daß ein besonderer Kern
vorhanden ist, der die Verwendung eines besonderen Begriffswortes
rechtfertigt. Man möchte wissen, was dieser gemeinsame Kern ist, der
etwa gestattet, innerhalb des Ängstlichen ein »Unheimliches« zu
unterscheiden.
Darüber findet man nun so viel wie nichts in den ausführlichen
Darstellungen der Ästhetik, die sich überhaupt lieber mit den schönen,
großartigen, anziehenden, also mit den positiven Gefühlsarten, ihren
Bedingungen und den Gegenständen, die sie hervorrufen, als mit den
gegensätzlichen, abstoßenden, peinlichen beschäftigen. Von seiten der
ärztlich-psychologischen Literatur kenne ich nur die eine, inhaltsreiche
aber nicht erschöpfende, Abhandlung von _E. Jentsch_ (Zur Psychologie
des Unheimlichen, Psychiatr.-neurolog. Wochenschrift 1906 Nr. 22 u. 23).
Allerdings muß ich gestehen, daß aus leicht zu erratenden, in der Zeit
liegenden Gründen die Literatur zu diesem kleinen Beitrag, insbesondere
die fremdsprachige, nicht gründlich herausgesucht wurde, weshalb er denn
auch ohne jeden Anspruch auf Priorität vor den Leser tritt.
Als Schwierigkeit beim Studium des Unheimlichen betont _Jentsch_ mit
vollem Recht, daß die Empfindlichkeit für diese Gefühlsqualität bei
verschiedenen Menschen so sehr verschieden angetroffen wird. Ja, der
Autor dieser neuen Unternehmung muß sich einer besonderen Stumpfheit in
dieser Sache anklagen, wo große Feinfühligkeit eher am Platze wäre. Er
hat schon lange nichts erlebt oder kennen gelernt, was ihm den Eindruck
des Unheimlichen gemacht hätte, muß sich erst in das Gefühl
hineinversetzen, die Möglichkeit desselben in sich wachrufen. Indes sind
Schwierigkeiten dieser Art auch auf vielen anderen Gebieten der Ästhetik
mächtig; man braucht darum die Erwartung nicht aufzugeben, daß sich die
Fälle werden herausheben lassen, in denen der fragliche Charakter von
den meisten widerspruchslos anerkannt wird.
Man kann nun zwei Wege einschlagen: nachsuchen, welche Bedeutung die
Sprachentwicklung in dem Worte »unheimlich« niedergelegt hat, oder
zusammentragen, was an Personen und Dingen, Sinneseindrücken,
Erlebnissen und Situationen das Gefühl des Unheimlichen in uns wachruft,
und den verhüllten Charakter des Unheimlichen aus einem allen Fällen
Gemeinsamen erschließen. Ich will gleich verraten, daß beide Wege zum
nämlichen Ergebnis führen, das Unheimliche sei jene Art des
Schreckhaften, welche auf das Altbekannte, Längstvertraute zurückgeht.
Wie das möglich ist, unter welchen Bedingungen das Vertraute unheimlich,
schreckhaft werden kann, das wird aus dem Weiteren ersichtlich werden.
Ich bemerke noch, daß diese Untersuchung in Wirklichkeit den Weg über
eine Sammlung von Einzelfällen genommen und erst später die Bestätigung
durch die Aussage des Sprachgebrauchs gefunden hat. In dieser
Darstellung werde ich aber den umgekehrten Weg gehen.
Das deutsche Wort »unheimlich« ist offenbar der Gegensatz zu heimlich,
heimisch, vertraut und der Schluß liegt nahe, es sei etwas eben darum
schreckhaft, weil es _nicht_ bekannt und vertraut ist. Natürlich ist
aber nicht alles schreckhaft, was neu und nicht vertraut ist; die
Beziehung ist nicht umkehrbar. Man kann nur sagen, was neuartig ist,
wird leicht schreckhaft und unheimlich; einiges Neuartige ist
schreckhaft, durchaus nicht alles. Zum Neuen und Nichtvertrauten muß
erst etwas hinzukommen, was es zum Unheimlichen macht.
_Jentsch_ ist im ganzen bei dieser Beziehung des Unheimlichen zum
Neuartigen, Nichtvertrauten, stehen geblieben. Er findet die wesentliche
Bedingung für das Zustandekommen des unheimlichen Gefühls in der
intellektuellen Unsicherheit. Das Unheimliche wäre eigentlich immer
etwas, worin man sich sozusagen nicht auskennt. Je besser ein Mensch in
der Umwelt orientiert ist, destoweniger leicht wird er von den Dingen
oder Vorfällen in ihr den Eindruck der Unheimlichkeit empfangen.
Wir haben es leicht zu urteilen, daß diese Kennzeichnung nicht
erschöpfend ist, und versuchen darum, über die Gleichung unheimlich =
nicht vertraut hinauszugehen. Wir wenden uns zunächst an andere
Sprachen. Aber die Wörterbücher, in denen wir nachschlagen, sagen uns
nichts Neues, vielleicht nur darum nicht, weil wir selbst Fremdsprachige
sind. Ja wir gewinnen den Eindruck, daß vielen Sprachen ein Wort für
diese besondere Nuance des Schreckhaften abgeht[1].
[1] Für die nachstehenden Auszüge bin ich Herrn Dr. _Th. Reik_ zu Dank
verpflichtet.
_Lateinisch_: (nach _K. E. Georges_, Kl. Deutschlatein. Wörterbuch 1898)
ein unheimlicher Ort -- locus suspectus; in unh. Nachtzeit -- intempesta
nocte.
_Griechisch_ (Wörterbücher von _Rost_ und von _Schenkl_) ~xenos~ -- also
fremd, fremdartig.
_Englisch_ (aus den Wörterbüchern von _Lucas_, _Bellow_, _Flügel_,
_Muret-Sanders_) uncomfortable, uneasy, gloomy, dismal, uncanny,
ghastly, von einem Hause: haunted, von einem Menschen: a repulsive
fellow.
_Französisch_ (_Sachs-Villatte_) inquiétant, sinistre, lugubre, mal à
son aise.
_Spanisch_ (_Tollhausen_ 1889) sospechoso, de mal aguëro, lugubre,
siniestro.
Das Italienische und Portugiesische scheinen sich mit Worten zu
begnügen, die wir als Umschreibungen bezeichnen würden. Im Arabischen
und Hebräischen fällt unheimlich mit dämonisch, schaurig zusammen.
Kehren wir darum zur deutschen Sprache zurück.
In _Daniel Sanders'_ Wörterbuch der Deutschen Sprache 1860 finden sich
folgende Angaben zum Worte _heimlich_, die ich hier ungekürzt
abschreiben und aus denen ich die eine und die andere Stelle durch
Unterstreichung hervorheben will: (I. Bd., p. 729.)
Heimlich, a. (-keit, f. -en): 1. auch Heimelich, heimelig, zum Hause
gehörig, nicht fremd, vertraut, zahm, traut und traulich, anheimelnd
etc. a) (veralt.) zum Haus, zur Familie gehörig oder: wie dazu
gehörig betrachtet, vgl. lat. familiaris, vertraut: Die Heimlichen,
die Hausgenossen; Der heimliche Rat. 1. Mos. 41, 45; 2. Sam. 23, 23.
1. Chr. 12, 25. Weish. 8, 4., wofür jetzt: Geheimer (s. d 1.) Rat
üblich ist, s. Heimlicher -- b) von Thieren zahm, sich den Menschen
traulich anschließend. Ggstz. wild, z. B. Tier, die weder wild noch
heimlich sind etc. Eppendorf. 88; Wilde Thier ... so man sie h. und
gewohnsam um die Leute aufzeucht. 92. So diese Thierle von Jugend
bei den Menschen erzogen, werden sie ganz h., freundlich etc. Stumpf
608a etc. -- So noch: So h. ist's (das Lamm) und frißt aus meiner
Hand. Hölty; Ein schöner, heimelicher (s. c) Vogel bleibt der Storch
immerhin. Linck, Schl. 146. s. Häuslich. 1 etc. -- c) traut,
traulich anheimelnd; das Wohlgefühl stiller Befriedigung etc.,
behaglicher Ruhe u. sichern Schutzes, wie das umschlossne wohnliche
Haus erregend (vgl. Geheuer): Ist dir's h. noch im Lande, wo die
Fremden deine Wälder roden? Alexis H. 1, 1, 289; Es war ihr nicht
allzu h. bei ihm. Brentano Wehm. 92; Auf einem hohen h--en
Schattenpfade ... längs dem rieselnden rauschenden und plätschernden
Waldbach. Forster B. 1, 417. Die H--keit der Heimath zerstören.
Gervinus Lit. 5, 375. So vertraulich und heimlich habe ich nicht
leicht ein Plätzchen gefunden. G. 14, 14; Wir dachten es uns so
bequem, so artig, so gemütlich und h. 15, 9; In stiller H--keit,
umzielt von engen Schranken. Haller; Einer sorglichen Hausfrau, die
mit dem Wenigsten eine vergnügliche H--keit (Häuslichkeit) zu
schaffen versteht. Hartmann Unst. 1, 188; Desto h--er kam ihm jetzt
der ihm erst kurz noch so fremde Mann vor. Kerner 540; Die
protestantischen Besitzer fühlen sich ... nicht h. unter ihren
katholischen Unterthanen. Kohl. Irl. 1, 172; Wenns h. wird und leise
/ die Abendstille nur an deiner Zelle lauscht. Tiedge 2, 39; Still
und lieb und h., als sie sich / zum Ruhen einen Platz nur wünschen
möchten. W. 11, 144; Es war ihm garnicht h. dabei 27, 170 etc. --
Auch: Der Platz war so still, so einsam, so schatten-h. Scherr Pilg.
1, 170; Die ab- und zuströmenden Fluthwellen, träumend und
wiegenlied-h. Körner, Sch. 3, 320 etc. -- Vgl. namentl. Un-h. --
Namentl. bei schwäb., schwzr. Schriftst. oft dreisilbig: Wie
»heimelich« war es dann Ivo Abends wieder, als er zu Hause lag.
Auerbach, D. 1, 249; In dem Haus ist mir's so heimelig gewesen. 4,
307; Die warme Stube, der heimelige Nachmittag. Gotthelf, Sch. 127,
148; Das ist das wahre Heimelig, wenn der Mensch so von Herzen
fühlt, wie wenig er ist, wie groß der Herr ist. 147; Wurde man nach
und nach recht gemütlich und heimelig mit einander. U. 1, 297; Die
trauliche Heimeligkeit. 380, 2, 86; Heimelicher wird es mir wohl
nirgends werden als hier. 327; Pestalozzi 4, 240; Was von ferne
herkommt ... lebt gw. nicht ganz heimelig (heimatlich,
freundnachbarlich) mit den Leuten. 325; Die Hütte, wo / er sonst so
heimelig, so froh / ... im Kreis der Seinen oft gesessen. Reithard
20; Da klingt das Horn des Wächters so heimelig vom Thurm / da ladet
seine Stimme so gastlich. 49; Es schläft sich da so lind und warm /
so wunderheim'lig ein. 23 etc. -- _Diese Weise verdiente allgemein
zu werden, um das gute Wort vor dem Veralten wegen nahe liegender
Verwechslung mit 2 zu bewahren._ vgl.: _»Die Zecks sind alle h. (2)«
H...? Was verstehen sie unter h..? -- »Nun ... es kommt mir mit
ihnen vor, wie mit einem zugegrabenen Brunnen oder einem
ausgetrockneten Teich. Man kann nicht darüber gehen, ohne daß es
Einem immer ist, als könnte da wieder einmal Wasser zum Vorschein
kommen.« Wir nennen das un--h.; Sie nennen's h. Worin finden Sie
denn, daß diese Familie etwas Verstecktes und Unzuverlässiges hat?_
etc. _Gutzkow_ R. 2, 61[2]. -- d) (s. c) namentl. schles.: fröhlich,
heiter, auch vom Wetter, s. Adelung und Weinhold. -- 2. versteckt,
verborgen gehalten, so daß man Andre nicht davon oder darum wissen
lassen, es ihnen verbergen will, vgl. Geheim (2), von welchem erst
nhd. Ew. es doch zumal in der ältern Sprache, z. B. in der Bibel,
wie Hiob 11, 6; 15, 8; Weish. 2, 22; 1. Kor. 2, 7 etc. und so auch
H--keit statt Geheimnis. Math. 13, 35 etc. nicht immer genau
geschieden wird: H. (hinter Jemandes Rücken) Etwas thun, treiben;
Sich h. davon schleichen; H--e Zusammenkünfte, Verabredungen; Mit
h--er Schadenfreude zusehen; H. seufzen, weinen; H. thun, als ob man
etwas zu verbergen hätte; H--e Liebe, Liebschaft, Sünde; H--e Orte
(die der Wohlstand zu verhüllen gebietet). 1. Sam. 5, 6; Das h--e
Gemach (Abtritt) 2. Kön. 10, 27; W. 5, 256 etc., auch: Der h--e
Stuhl. Zinkgräf 1, 249; In Graben, in H--keiten werfen. 3, 75;
Rollenhagen Fr. 83 etc. -- Führte, h. vor Laomedon / die Stuten vor.
B. 161b etc. -- Ebenso versteckt, h., hinterlistig und boshaft gegen
grausame Herren ... wie offen, frei, theilnehmend und dienstwillig
gegen den leidenden Freund. Burmeister g B 2, 157; Du sollst mein h.
Heiligstes noch wissen. Chamisso 4, 56; Die h--e Kunst (der
Zauberei). 3, 224; Wo die öffentliche Ventilation aufhören muß,
fängt die h--e Machination an. Forster, Br. 2, 135; Freiheit ist die
leise Parole h. Verschworener, das laute Feldgeschrei der öffentlich
Umwälzenden. G. 4, 222; Ein heilig, h. Wirken. 15; Ich habe Wurzeln
/ die sind gar h., / im tiefen Boden / bin ich gegründet. 2, 109;
Meine h--e Tücke (vgl. Heimtücke). 30, 344; Empfängt er es nicht
offenbar und gewissenhaft, so mag er es h. und gewissenlos
ergreifen. 39, 22; Ließ h. und geheimnisvoll achromatische Fernröhre
zusammensetzen. 375; Von nun an, will ich, sei nichts H--es mehr
unter uns. Sch. 369b. -- Jemandes H--keiten entdecken, offenbaren,
verrathen; H--keiten hinter meinem Rücken zu brauen. Alexis. H. 2,
3, 168; Zu meiner Zeit / befliß man sich der H--keit. Hagedorn 3,
92; Die H--keit und das Gepuschele unter der Hand. Immermann, M. 3,
289; Der H--keit (des verborgnen Golds) unmächtigen Bann / kann nur
die Hand der Einsicht lösen. Novalis. 1, 69; Sag an, wo du sie
verbirgst ... in welches Ortes verschwiegener H. Sch. 495b; Ihr
Bienen, die ihr knetet / der H--keiten Schloß (Wachs zum Siegeln).
Tieck, Cymb. 3, 2; Erfahren in seltnen H--keiten (Zauberkünsten).
Schlegel Sh. 6, 102 etc. vgl. Geheimnis L. 10, 291 ff.
Zsstzg. s. 1 c, so auch nam. der Ggstz: Ún-: unbehagliches, banges
Grauen erregend: Der schier ihm un-h., gespenstisch erschien.
Chamisso 3, 238; Der Nacht un-h. bange Stunden. 4, 148; Mir war
schon lang' un-h., ja graulich zu Mute. 242; Nun fängts mir an,
un-h. zu werden. Gutzkow R. 2, 82; Empfindet ein u--es Grauen.
Heine, Verm. 1, 51; Un-h. und starr wie ein Steinbild. Reis, 1, 10;
Den u--en Nebel, Haarrauch geheißen. Immermann M, 3, 299; Diese
blassen Jungen sind un-h. und brauen Gott weiß was Schlimmes. Laube,
Band 1, 119; _Unh. nennt man Alles, was im Geheimnis, im Verborgnen
... bleiben sollte und hervorgetreten ist._ _Schelling_, 2, 2, 649
etc. -- Das Göttliche zu verhüllen, mit einer gewissen U--keit zu
umgeben 658 etc. -- Unüblich als Ggstz. von (2), wie es Campe ohne
Beleg anführt.
[2] Sperrdruck (auch im folgenden) vom Referenten.
Aus diesem langen Zitat ist für uns am interessantesten, daß das
Wörtchen heimlich unter den mehrfachen Nuancen seiner Bedeutung auch
eine zeigt, in der es mit seinem Gegensatz unheimlich zusammenfällt. Das
heimliche wird dann zum unheimlichen; vgl. das Beispiel von _Gutzkow_:
»Wir nennen das unheimlich, Sie nennen's heimlich.« Wir werden überhaupt
daran gemahnt, daß dies Wort heimlich nicht eindeutig ist, sondern zwei
Vorstellungskreisen zugehört, die, ohne gegensätzlich zu sein, einander
doch recht fremd sind, dem des Vertrauten, Behaglichen und dem des
Versteckten, Verborgen gehaltenen. Unheimlich sei nur als Gegensatz zur
ersten Bedeutung, nicht auch zur zweiten gebräuchlich. Wir erfahren bei
_Sanders_ nichts darüber, ob nicht doch eine genetische Beziehung
zwischen diesen zwei Bedeutungen anzunehmen ist. Hingegen werden wir auf
eine Bemerkung von _Schelling_ aufmerksam, die vom Inhalt des Begriffes
Unheimlich etwas ganz Neues aussagt, auf das unsere Erwartung gewiß
nicht eingestellt war. Unheimlich sei alles, was ein Geheimnis, im
Verborgenen bleiben sollte und hervorgetreten ist.
Ein Teil der so angeregten Zweifel wird durch die Angaben in _Jacob_ und
_Wilhelm Grimm_: Deutsches Wörterbuch, Leipzig 1877 (IV/2, p. 874 f)
geklärt:
_Heimlich_; adj. und adv. vernaculus, occultus; mhd. heimelîch,
heimlîch, heînlich.
S. 874: In etwas anderem sinne: es ist mir heimlich, wohl, frei von
furcht ....
b) heimlich ist auch der von gespensterhaften freie ort ...
S. 875: ~b~) vertraut; freundlich, zutraulich.
4. _aus dem heimatlichen, häuslichen entwickelt sich weiter der
begriff des fremden augen entzogenen, verborgenen, geheimen, eben
auch in mehrfacher Beziehung ausgebildet ..._
S. 876: »links am see
liegt eine matte heimlich im gehölz.«
Schiller, Tell I, 4.
... frei und für den modernen Sprachgebrauch ungewöhnlich ...
heimlich ist zu einem verbum des verbergens gestellt: er verbirgt
mich heimlich in seinem gezelt. ps. 27, 5. (... heimliche orte am
menschlichen Körper, pudenda ... welche leute nicht stürben, die
wurden geschlagen an heimlichen örten. 1 Samuel 5, 12 ...)
c) beamtete, die wichtige und geheim zu haltende ratschläge in
staatssachen ertheilen, heiszen heimliche räthe, das adjektiv nach
heutigem sprachgebrauch durch geheim (s. d.) ersetzt: ... (Pharao)
nennet ihn (Joseph) den heimlichen rath. 1. Mos. 41, 45;
S. 878. 6. heimlich für die erkenntnis, mystisch, allegorisch:
heimliche bedeutung, mysticus, divinus, occultus, figuratus.
S. 878: anders ist heimlich im folgenden, der erkenntnis entzogen,
unbewuszt: ...
dann aber ist heimlich auch verschlossen, undurchdringlich in bezug
auf erforschung: ...
»merkst du wohl? sie trauen mir nicht,
fürchten des Friedländers heimlich gesicht.«
Wallensteins lager, 2. aufz.
9. _die bedeutung des versteckten, gefährlichen, die in der vorigen
nummer hervortritt, entwickelt sich noch weiter, so dasz heimlich
den sinn empfängt, den sonst unheimlich_ (gebildet nach heimlich 3,
b) sp. 874) _hat_: »mir ist zu zeiten wie dem menschen der in nacht
wandelt und an gespenster glaubt, jeder winkel ist ihm heimlich und
schauerhaft.« Klinger, theater, 3, 298.
Also heimlich ist ein Wort, das seine Bedeutung nach einer Ambivalenz
hin entwickelt, bis es endlich mit seinem Gegensatz unheimlich
zusammenfällt. Unheimlich ist irgendwie eine Art von heimlich. Halten
wir dies noch nicht recht geklärte Ergebnis mit der Definition des
Unheimlichen von _Schleiermacher_ zusammen. Die Einzeluntersuchung der
Fälle des Unheimlichen wird uns diese Andeutungen verständlich machen.
II.
Wenn wir jetzt an die Musterung der Personen und Dinge, Eindrücke,
Vorgänge und Situationen herangehen, die das Gefühl des Unheimlichen in
besonderer Stärke und Deutlichkeit in uns zu erwecken vermögen, so ist
die Wahl eines glücklichen ersten Beispiels offenbar das nächste
Erfordernis. _E. Jentsch_ hat als ausgezeichneten Fall den »Zweifel an
der Beseelung eines anscheinend lebendigen Wesens und umgekehrt darüber,
ob ein lebloser Gegenstand nicht etwa beseelt sei« hervorgehoben und
sich dabei auf den Eindruck von Wachsfiguren, kunstvollen Puppen und
Automaten berufen. Er reiht dem das Unheimliche des epileptischen
Anfalls und der Äußerungen des Wahnsinnes an, weil durch sie in dem
Zuschauer Ahnungen von automatischen -- mechanischen -- Prozessen
geweckt werden, die hinter dem gewohnten Bilde der Beseelung verborgen
sein mögen. Ohne nun von dieser Ausführung des Autors voll überzeugt zu
sein, wollen wir unsere eigene Untersuchung an ihn anknüpfen, weil er
uns im weiteren an einen Dichter mahnt, dem die Erzeugung unheimlicher
Wirkungen so gut wie keinem anderen gelungen ist.
»Einer der sichersten Kunstgriffe, leicht unheimliche Wirkungen durch
Erzählungen hervorzurufen,« schreibt _Jentsch_, »beruht nun darauf, daß
man den Leser im Ungewissen darüber läßt, ob er in einer bestimmten
Figur eine Person oder etwa einen Automaten vor sich habe, und zwar so,
daß diese Unsicherheit nicht direkt in den Brennpunkt seiner
Aufmerksamkeit tritt, damit er nicht veranlaßt werde, die Sache sofort
zu untersuchen und klarzustellen, da hiedurch, wie gesagt, die besondere
Gefühlswirkung leicht schwindet. _E. T. A. Hoffmann_ hat in seinen
Phantasiestücken dieses psychologische Manöver wiederholt mit Erfolg zur
Geltung gebracht.«
Diese gewiß richtige Bemerkung zielt vor allem auf die Erzählung »Der
Sandmann« in den »Nachtstücken« (dritter Band der _Grisebach_schen
Ausgabe von _Hoffmanns_ sämtlichen Werken), aus welcher die Figur der
Puppe Olimpia in den ersten Akt der _Offenbach_schen Oper »_Hoffmanns
Erzählungen_« gelangt ist. Ich muß aber sagen, -- und ich hoffe die
meisten Leser der Geschichte werden mir beistimmen -- daß das Motiv der
belebt scheinenden Puppe Olimpia keineswegs das einzige ist, welches für
die unvergleichlich unheimliche Wirkung der Erzählung verantwortlich
gemacht werden muß, ja nicht einmal dasjenige, dem diese Wirkung in
erster Linie zuzuschreiben wäre. Es kommt dieser Wirkung auch nicht
zustatten, daß die Olimpiaepisode vom Dichter selbst eine leise Wendung
ins Satirische erfährt und von ihm zum Spott auf die Liebesüberschätzung
von seiten des jungen Mannes gebraucht wird. Im Mittelpunkt der
Erzählung steht vielmehr ein anderes Moment, nach dem sie auch den Namen
trägt, und das an den entscheidenden Stellen immer wieder hervorgekehrt
wird: das Motiv des _Sandmannes_, der den Kindern die Augen ausreißt.
Der Student Nathaniel, mit dessen Kindheitserinnerungen die
phantastische Erzählung anhebt, kann trotz seines Glückes in der
Gegenwart die Erinnerungen nicht bannen, die sich ihm an den rätselhaft
erschreckenden Tod des geliebten Vaters knüpfen. An gewissen Abenden
pflegte die Mutter die Kinder mit der Mahnung zeitig zu Bette zu
schicken: Der Sandmann kommt, und wirklich hört das Kind dann jedesmal
den schweren Schritt eines Besuchers, der den Vater für diesen Abend in
Anspruch nimmt. Die Mutter, nach dem Sandmann befragt, leugnet dann
zwar, daß ein solcher anders denn als Redensart existiert, aber eine
Kinderfrau weiß greifbarere Auskunft zu geben: »Das ist ein böser Mann,
der kommt zu den Kindern, wenn sie nicht zu Bette gehen wollen und wirft
ihnen Hände voll Sand in die Augen, daß sie blutig zum Kopf
herausspringen, die wirft er dann in den Sack und trägt sie in den
Halbmond zur Atzung für seine Kinderchen, die sitzen dort im Nest und
haben krumme Schnäbel, wie die Eulen, damit picken sie der unartigen
Menschenkindlein Augen auf.«
Obwohl der kleine Nathaniel alt und verständig genug war, um so
schauerliche Zutaten zur Figur des Sandmannes abzuweisen, so setzte sich
doch die Angst vor diesem selbst in ihm fest. Er beschloß zu erkunden,
wie der Sandmann aussehe, und verbarg sich eines Abends, als er wieder
erwartet wurde, im Arbeitszimmer des Vaters. In dem Besucher erkennt er
dann den Advokaten Coppelius, eine abstoßende Persönlichkeit, vor der
sich die Kinder zu scheuen pflegten, wenn er gelegentlich als
Mittagsgast erschien, und identifiziert nun diesen Coppelius mit dem
gefürchteten Sandmann. Für den weiteren Fortgang dieser Szene macht es
der Dichter bereits zweifelhaft, ob wir es mit einem ersten Delirium des
angstbesessenen Knaben oder mit einem Bericht zu tun haben, der als real
in der Darstellungswelt der Erzählung aufzufassen ist. Vater und Gast
machen sich an einem Herd mit flammender Glut zu schaffen. Der kleine
Lauscher hört Coppelius rufen: »Augen her, Augen her«, verrät sich durch
seinen Aufschrei und wird von Coppelius gepackt, der ihm glutrote Körner
aus der Flamme in die Augen streuen will, um sie dann auf den Herd zu
werfen. Der Vater bittet die Augen des Kindes frei. Eine tiefe Ohnmacht
und lange Krankheit beenden das Erlebnis. Wer sich für die
rationalistische Deutung des Sandmannes entscheidet, wird in dieser
Phantasie des Kindes den fortwirkenden Einfluß jener Erzählung der
Kinderfrau nicht verkennen. Anstatt der Sandkörner sind es glutrote
Flammenkörner, die dem Kinde in die Augen gestreut werden sollen, in
beiden Fällen, damit die Augen herausspringen. Bei einem weiteren
Besuche des Sandmannes ein Jahr später wird der Vater durch eine
Explosion im Arbeitszimmer getötet; der Advokat Coppelius verschwindet
vom Orte, ohne eine Spur zu hinterlassen.
Diese Schreckgestalt seiner Kinderjahre glaubt nun der Student Nathaniel
in einem herumziehenden italienischen Optiker Giuseppe Coppola zu
erkennen, der ihm in der Universitätsstadt Wettergläser zum Kauf
anbietet und nach seiner Ablehnung hinzusetzt: »Ei nix Wetterglas, nix
Wetterglas! -- hab auch sköne Oke -- sköne Oke.« Das Entsetzen des
Studenten wird beschwichtigt, da sich die angebotenen Augen als harmlose
Brillen herausstellen; er kauft dem Coppola ein Taschenperspektiv ab und
späht mit dessen Hilfe in die gegenüberliegende Wohnung des Professors
Spalanzani, wo er dessen schöne, aber rätselhaft wortkarge und unbewegte
Tochter Olimpia erblickt. In diese verliebt er sich bald _so_ heftig,
daß er seine kluge und nüchterne Braut über sie vergißt. Aber Olimpia
ist ein Automat, an dem Spalanzani das Räderwerk gemacht und dem Coppola
-- der Sandmann -- die Augen eingesetzt hat. Der Student kommt hinzu,
wie die beiden Meister sich um ihr Werk streiten; der Optiker hat die
hölzerne, augenlose Puppe davongetragen und der Mechaniker, Spalanzani,
wirft Nathaniel die auf dem Boden liegenden blutigen Augen Olimpias an
die Brust, von denen er sagt, daß Coppola sie dem Nathaniel gestohlen.
Dieser wird von einem neuerlichen Wahnsinnsanfall ergriffen, in dessen
Delirium sich die Reminiszenz an den Tod des Vaters mit dem frischen
Eindruck verbindet: »Hui -- hui -- hui! -- Feuerkreis -- Feuerkreis!
Dreh' dich Feuerkreis -- lustig -- lustig! Holzpüppchen hui, schön
Holzpüppchen dreh' dich --.« Damit wirft er sich auf den Professor, den
angeblichen Vater Olimpias, und will ihn erwürgen.
Aus langer, schwerer Krankheit erwacht, scheint Nathaniel endlich
genesen. Er gedenkt seine wiedergefundene Braut zu heiraten. Sie ziehen
beide eines Tages durch die Stadt, auf deren Markt der hohe Ratsturm
seinen Riesenschatten wirft. Das Mädchen schlägt ihrem Bräutigam vor,
auf den Turm zu steigen, während der das Paar begleitende Bruder der
Braut unten verbleibt. Oben zieht eine merkwürdige Erscheinung von
etwas, was sich auf der Straße heranbewegt, die Aufmerksamkeit Claras
auf sich. Nathaniel betrachtet dasselbe Ding durch Coppolas Perspektiv,
das er in seiner Tasche findet, wird neuerlich vom Wahnsinn ergriffen
und mit den Worten: Holzpüppchen dreh' dich, will er das Mädchen in die
Tiefe schleudern. Der durch ihr Geschrei herbeigeholte Bruder rettet sie
und eilt mit ihr herab. Oben läuft der Rasende mit dem Ausruf herum:
Feuerkreis dreh' dich, dessen Herkunft wir ja verstehen. Unter den
Menschen, die sich unten ansammeln, ragt der Advokat Coppelius hervor,
der plötzlich wieder erschienen ist. Wir dürfen annehmen, daß es der
Anblick seiner Annäherung war, der den Wahnsinn bei Nathaniel zum
Ausbruch brachte. Man will hinauf, um sich des Rasenden zu bemächtigen,
aber Coppelius[3] lacht: »wartet nur, der kommt schon herunter von
selbst.« Nathaniel bleibt plötzlich stehen, wird den Coppelius gewahr
und stürzt sich mit dem gellenden Schrei: Ja! »Sköne Oke -- Sköne Oke«
über das Geländer herab. Sowie er mit zerschmettertem Kopf auf dem
Straßenpflaster liegt, ist der Sandmann im Gewühl verschwunden.
Diese kurze Nacherzählung wird wohl keinen Zweifel darüber bestehen
lassen, daß das Gefühl des Unheimlichen direkt an der Gestalt des
Sandmannes, also an der Vorstellung der Augen beraubt zu werden haftet,
und daß eine intellektuelle Unsicherheit im Sinne von _Jentsch_ mit
dieser Wirkung nichts zu tun hat. Der Zweifel an der Beseeltheit, den
wir bei der Puppe Olimpia gelten lassen mußten, kommt bei diesem
stärkeren Beispiel des Unheimlichen überhaupt nicht in Betracht. Der
Dichter erzeugt zwar in uns anfänglich eine Art von Unsicherheit, indem
er uns, gewiß nicht ohne Absicht, zunächst nicht erraten läßt, ob er uns
in die reale Welt oder in eine ihm beliebige phantastische Welt
einführen wird. Er hat ja bekanntlich das Recht, das eine oder das
andere zu tun, und wenn er z. B. eine Welt, in der Geister, Dämonen und
Gespenster agieren, zum Schauplatz seiner Darstellungen gewählt hat, wie
_Shakespeare_ im Hamlet, Macbeth und in anderem Sinne im Sturm und im
Sommernachtstraum, so müssen wir ihm darin nachgeben und diese Welt
seiner Voraussetzung für die Dauer unserer Hingegebenheit wie eine
Realität behandeln. Aber im Verlaufe der _Hoffmann_schen Erzählung
schwindet dieser Zweifel, wir merken, daß der Dichter uns selbst durch
die Brille oder das Perspektiv des dämonischen Optikers schauen lassen
will, ja daß er vielleicht in höchsteigener Person durch solch ein
Instrument geguckt hat. Der Schluß der Erzählung macht es ja klar, daß
der Optiker Coppola wirklich der Advokat Coppelius[3] und also auch der
Sandmann ist.
[3] Zur Ableitung des Namens: Coppella = Probiertiegel (die chemischen
Operationen, bei denen der Vater verunglückt); coppo = Augenhöhle
(nach einer Bemerkung von Frau Dr. Rank).
Eine »intellektuelle Unsicherheit« kommt hier nicht mehr in Frage: wir
wissen jetzt, daß uns nicht die Phantasiegebilde eines Wahnsinnigen
vorgeführt werden sollen, hinter denen wir in rationalistischer
Überlegenheit den nüchternen Sachverhalt erkennen mögen, und -- der
Eindruck des Unheimlichen hat sich durch diese Aufklärung nicht im
mindesten verringert. Eine intellektuelle Unsicherheit leistet uns also
nichts für das Verständnis dieser unheimlichen Wirkung.
Hingegen mahnt uns die psychoanalytische Erfahrung daran, daß es eine
schreckliche Kinderangst ist, die Augen zu beschädigen oder zu
verlieren. Vielen Erwachsenen ist diese Ängstlichkeit verblieben und sie
fürchten keine andere Organverletzung so sehr wie die des Auges. Ist man
doch auch gewohnt zu sagen, daß man etwas behüten werde wie seinen
Augapfel. Das Studium der Träume, der Phantasien und Mythen hat uns dann
gelehrt, daß die Angst um die Augen, die Angst zu erblinden, häufig
genug ein Ersatz für die Kastrationsangst ist. Auch die Selbstblendung
des mythischen Verbrechers _Oedipus_ ist nur eine Ermäßigung für die
Strafe der Kastration, die ihm nach der Regel der Talion allein
angemessen wäre. Man mag es versuchen, in rationalistischer Denkweise
die Zurückführung der Augenangst auf die Kastrationsangst abzulehnen;
man findet es begreiflich, daß ein so kostbares Organ wie das Auge von
einer entsprechend großen Angst bewacht wird, ja man kann weitergehend
behaupten, daß kein tieferes Geheimnis und keine andere Bedeutung sich
hinter der Kastrationsangst verberge. Aber man wird damit doch nicht der
Ersatzbeziehung gerecht, die sich in Traum, Phantasie und Mythus
zwischen Auge und männlichem Glied kundgibt, und kann dem Eindruck nicht
widersprechen, daß ein besonders starkes und dunkles Gefühl sich gerade
gegen die Drohung das Geschlechtsglied einzubüßen erhebt, und daß dieses
Gefühl erst der Vorstellung vom Verlust anderer Organe den Nachhall
verleiht. Jeder weitere Zweifel schwindet dann, wenn man aus den
Analysen an Neurotikern die Details des »Kastrationskomplexes« erfahren
und dessen großartige Rolle in ihrem Seelenleben zur Kenntnis genommen
hat.
Auch würde ich keinem Gegner der psychoanalytischen Auffassung raten,
sich für die Behauptung, die Augenangst sei etwas vom Kastrationskomplex
Unabhängiges gerade auf die _Hoffmann_sche Erzählung vom »Sandmann« zu
berufen. Denn warum ist die Augenangst hier mit dem Tode des Vaters in
innigste Beziehung gebracht? Warum tritt der Sandmann jedesmal als
Störer der Liebe auf? Er entzweit den unglücklichen Studenten mit seiner
Braut und ihrem Bruder, der sein bester Freund ist, er vernichtet sein
zweites Liebesobjekt, die schöne Puppe Olimpia, und zwingt ihn selbst
zum Selbstmord, wie er unmittelbar vor der beglückenden Vereinigung mit
seiner wiedergewonnenen Clara steht. Diese sowie viele andere Züge der
Erzählung erscheinen willkürlich und bedeutungslos, wenn man die
Beziehung der Augenangst zur Kastration ablehnt, und werden sinnreich,
sowie man für den Sandmann den gefürchteten Vater einsetzt, von dem man
die Kastration erwartet[4].
[4] In der Tat hat die Phantasiebearbeitung des Dichters die Elemente
des Stoffes nicht so wild herumgewirbelt, daß man ihre ursprüngliche
Anordnung nicht wiederherstellen könnte. In der Kindergeschichte
stellen der Vater und Coppelius die durch Ambivalenz in zwei
Gegensätze zerlegte Vaterimago dar; der eine droht mit der Blendung
(Kastration), der andere, der gute Vater, bittet die Augen des Kindes
frei. Das von der Verdrängung am stärksten betroffene Stück des
Komplexes, der Todeswunsch gegen den bösen Vater, findet seine
Darstellung in dem Tod des guten Vaters, der dem Coppelius zur Last
gelegt wird. Diesem Väterpaar entsprechen in der späteren
Lebensgeschichte des Studenten der Professor Spalanzani und der
Optiker Coppola, der Professor an sich eine Figur der Vaterreihe,
Coppola als identisch mit dem Advokaten Coppelius erkannt. Wie sie
damals zusammen am geheimnisvollen Herd arbeiteten, so haben sie nun
gemeinsam die Puppe Olimpia verfertigt; der Professor heißt auch der
Vater Olimpias. Durch diese zweimalige Gemeinsamkeit verraten sie sich
als Spaltungen der Vaterimago, d. h. sowohl der Mechaniker als auch
der Optiker sind der Vater der Olimpia wie des Nathaniel. In der
Schreckensszene der Kinderzeit hatte Coppelius, nachdem er auf die
Blendung des Kleinen verzichtet, ihm probeweise Arme und Beine
abgeschraubt, also wie ein Mechaniker an einer Puppe mit ihm
gearbeitet. Dieser sonderbare Zug, der ganz aus dem Rahmen der
Sandmannvorstellung heraustritt, bringt ein neues Äquivalent der
Kastration ins Spiel; er weist aber auch auf die innere Identität des
Coppelius mit seinem späteren Widerpart, dem Mechaniker Spalanzani
hin, und bereitet uns für die Deutung der Olimpia vor. Diese
automatische Puppe kann nichts anderes sein als die Materialisation
von Nathaniels femininer Einstellung zu seinem Vater in früher
Kindheit. Ihre Väter -- Spalanzani und Coppola -- sind ja nur neue
Auflagen, Reinkarnationen, von Nathaniels Väterpaar; die sonst
unverständliche Angabe des Spalanzani, daß der Optiker dem Nathaniel
die Augen gestohlen (s. o.), um sie der Puppe einzusetzen; gewinnt so
als Beweis für die Identität von Olimpia und Nathaniel ihre Bedeutung.
Olimpia ist sozusagen ein von Nathaniel losgelöster Komplex, der ihm
als Person entgegentritt; die Beherrschung durch diesen Komplex findet
in der unsinnig zwanghaften Liebe zur Olimpia ihren Ausdruck. Wir
haben das Recht, diese Liebe eine narzißtische zu heißen, und
verstehen, daß der ihr Verfallene sich dem realen Liebesobjekt
entfremdet. Wie psychologisch richtig es aber ist, daß der durch den
Kastrationskomplex an den Vater fixierte Jüngling der Liebe zum Weibe
unfähig wird, zeigen zahlreiche Krankenanalysen, deren Inhalt zwar
weniger phantastisch, aber kaum minder traurig ist als die Geschichte
des Studenten Nathaniel.
_E. T. A. Hoffmann_ war das Kind einer unglücklichen Ehe. Als er drei
Jahre war, trennte sich der Vater von seiner kleinen Familie und lebte
nie wieder mit ihr vereint. Nach den Belegen, die _E. Grisebach_ in
der biographischen Einleitung zu _Hoffmanns_ Werken beibringt, war die
Beziehung zum Vater immer eine der wundesten Stellen in des Dichters
Gefühlsleben.
Wir würden es also wagen, das Unheimliche des Sandmannes auf die Angst
des kindlichen Kastrationskomplexes zurückzuführen. Sowie aber die Idee
auftaucht, ein solches infantiles Moment für die Entstehung des
unheimlichen Gefühls in Anspruch zu nehmen, werden wir auch zum Versuch
getrieben, dieselbe Ableitung für andere Beispiele des Unheimlichen in
Betracht zu ziehen. Im Sandmann findet sich noch das Motiv der belebt
scheinenden Puppe, das _Jentsch_ hervorgehoben hat. Nach diesem Autor
ist es eine besonders günstige Bedingung für die Erzeugung unheimlicher
Gefühle, wenn eine intellektuelle Unsicherheit geweckt wird, ob etwas
belebt oder leblos sei, und wenn das Leblose die Ähnlichkeit mit dem
Lebenden zu weit treibt. Natürlich sind wir aber gerade mit den Puppen
vom Kindlichen nicht weit entfernt. Wir erinnern uns, daß das Kind im
frühen Alter des Spielens überhaupt nicht scharf zwischen Belebtem und
Leblosem unterscheidet und daß es besonders gerne seine Puppe wie ein
lebendes Wesen behandelt. Ja, man hört gelegentlich von einer Patientin
erzählen, sie habe noch im Alter von acht Jahren die Überzeugung gehabt,
wenn sie ihre Puppen auf eine gewisse Art, möglichst eindringlich,
anschauen würde, müßten diese lebendig werden. Das infantile Moment ist
also auch hier leicht nachzuweisen; aber merkwürdig, im Falle des
Sandmannes handelte es sich um die Erweckung einer alten Kinderangst,
bei der lebenden Puppe ist von Angst keine Rede, das Kind hat sich vor
dem Beleben seiner Puppen nicht gefürchtet, vielleicht es sogar
gewünscht. Die Quelle des unheimlichen Gefühls wäre also hier nicht
eine Kinderangst, sondern ein Kinderwunsch oder auch nur ein
Kinderglaube. Das scheint ein Widerspruch; möglicherweise ist es nur
eine Mannigfaltigkeit, die späterhin unserem Verständnis förderlich
werden kann.
_E. T. A. Hoffmann_ ist der unerreichte Meister des Unheimlichen in der
Dichtung. Sein Roman »_Die Elixire des Teufels_« weist ein ganzes Bündel
von Motiven auf, denen man die unheimliche Wirkung der Geschichte
zuschreiben möchte. Der Inhalt des Romans ist zu reichhaltig und
verschlungen, als daß man einen Auszug daraus wagen könnte. Zu Ende des
Buches, wenn die dem Leser bisher vorenthaltenen Voraussetzungen der
Handlung nachgetragen werden, ist das Ergebnis nicht die Aufklärung des
Lesers, sondern eine volle Verwirrung desselben. Der Dichter hat zu viel
Gleichartiges gehäuft; der Eindruck des Ganzen leidet nicht darunter,
wohl aber das Verständnis. Man muß sich damit begnügen, die
hervorstechendsten unter jenen unheimlich wirkenden Motiven
herauszuheben, um zu untersuchen, ob auch für sie eine Ableitung aus
infantilen Quellen zulässig ist. Es sind dies das Doppelgängertum in all
seinen Abstufungen und Ausbildungen, also das Auftreten von Personen,
die wegen ihrer gleichen Erscheinung für identisch gehalten werden
müssen, die Steigerung dieses Verhältnisses durch Überspringen
seelischer Vorgänge von einer dieser Personen auf die andere, -- was wir
Telepathie heißen würden -- so daß der eine das Wissen, Fühlen und
Erleben des andern mitbesitzt, die Identifizierung mit einer anderen
Person, so daß man an seinem Ich irre wird oder das fremde Ich an die
Stelle des eigenen versetzt, also Ichverdopplung, Ichteilung,
Ichvertauschung -- und endlich die beständige Wiederkehr des Gleichen,
die Wiederholung der nämlichen Gesichtszüge, Charaktere, Schicksale,
verbrecherischen Taten, ja der Namen durch mehrere aufeinanderfolgende
Generationen.
Das Motiv des Doppelgängers hat in einer gleichnamigen Arbeit von _O.
Rank_ eine eingehende Würdigung gefunden[5]. Dort werden die Beziehungen
des Doppelgängers zum Spiegel- und Schattenbild, zum Schutzgeist, zur
Seelenlehre und zur Todesfurcht untersucht, es fällt aber auch helles
Licht auf die überraschende Entwicklungsgeschichte des Motivs. Denn der
Doppelgänger war ursprünglich eine Versicherung gegen den Untergang des
Ichs, eine »energische Dementierung der Macht des Todes« (_O. Rank_) und
wahrscheinlich war die »unsterbliche« Seele der erste Doppelgänger des
Leibes. Die Schöpfung einer solchen Verdopplung zur Abwehr gegen die
Vernichtung hat ihr Gegenstück in einer Darstellung der Traumsprache,
welche die Kastration durch Verdopplung oder Vervielfältigung des
Genitalsymbols auszudrücken liebt; sie wird in der Kultur der alten
Ägypter ein Antrieb für die Kunst, das Bild des Verstorbenen in
dauerhaftem Stoff zu formen. Aber diese Vorstellungen sind auf dem
Boden der uneingeschränkten Selbstliebe entstanden, des primären
Narzißmus, welcher das Seelenleben des Kindes wie des Primitiven
beherrscht, und mit der Überwindung dieser Phase ändert sich das
Vorzeichen des Doppelgängers, aus einer Versicherung des Fortlebens wird
er zum unheimlichen Vorboten des Todes.
[5] _O. Rank_, Der Doppelgänger, Imago III, 1914.
Die Vorstellung des Doppelgängers braucht nicht mit diesem
uranfänglichen Narzißmus unterzugehen; denn sie kann aus den späteren
Entwicklungsstufen des Ichs neuen Inhalt gewinnen. Im Ich bildet sich
langsam eine besondere Instanz heraus, welche sich dem übrigen Ich
entgegenstellen kann, die der Selbstbeobachtung und Selbstkritik dient,
die Arbeit der psychischen Zensur leistet und unserem Bewußtsein als
»Gewissen« bekannt wird. Im pathologischen Falle des Beachtungswahnes
wird sie isoliert, vom Ich abgespalten, dem Arzte bemerkbar. Die
Tatsache, daß eine solche Instanz vorhanden ist, welche das übrige Ich
wie ein Objekt behandeln kann, also daß der Mensch der Selbstbeobachtung
fähig ist, macht es möglich, die alte Doppelgängervorstellung mit neuem
Inhalt zu erfüllen und ihr mancherlei zuzuweisen, vor allem all das, was
der Selbstkritik als zugehörig zum alten überwundenen Narzißmus der
Urzeit erscheint[6].
[6] Ich glaube, wenn die Dichter klagen, daß zwei Seelen in des
Menschen Brust wohnen, und wenn die Populärpsychologen von der
Spaltung des Ichs im Menschen reden, so schwebt ihnen diese
Entzweiung, der Ichpsychologie angehörig, zwischen der kritischen
Instanz und dem Ich-Rest vor und nicht die von der Psychoanalyse
aufgedeckte Gegensätzlichkeit zwischen dem Ich und dem unbewußten
Verdrängten. Der Unterschied wird allerdings dadurch verwischt, daß
sich unter dem von der Ichkritik Verworfenen zunächst die Abkömmlinge
des Verdrängten befinden.
Aber nicht nur dieser der Ichkritik anstößige Inhalt kann dem
Doppelgänger einverleibt werden, sondern ebenso alle unterbliebenen
Möglichkeiten der Geschicksgestaltung, an denen die Phantasie noch
festhalten will, und alle Ichstrebungen, die sich infolge äußerer
Ungunst nicht durchsetzen konnten, sowie alle die unterdrückten
Willensentscheidungen, die die Illusion des freien Willens ergeben
haben[7].
[7] In der _H. H. Ewers_schen Dichtung »Der Student von Prag«, von
welcher die _Rank_sche Studie über den Doppelgänger ausgegangen ist,
hat der Held der Geliebten versprochen, seinen Duellgegner nicht zu
töten. Auf dem Wege zum Duellplatz begegnet ihm aber der Doppelgänger,
welcher den Nebenbuhler bereits erledigt hat.
Nachdem wir aber so die manifeste Motivierung der Doppelgängergestalt
betrachtet haben, müssen wir uns sagen: Nichts von alledem macht uns den
außerordentlich hohen Grad von Unheimlichkeit, der ihr anhaftet,
verständlich, und aus unserer Kenntnis der pathologischen Seelenvorgänge
dürfen wir hinzusetzen, nichts von diesem Inhalt könnte das
Abwehrbestreben erklären, das ihn als etwas Fremdes aus dem Ich
hinausprojiziert. Der Charakter des Unheimlichen kann doch nur daher
rühren, daß der Doppelgänger eine den überwundenen seelischen Urzeiten
angehörige Bildung ist, die damals allerdings einen freundlicheren Sinn
hatte. Der Doppelgänger ist zum Schreckbild geworden, wie die Götter
nach dem Sturz ihrer Religion zu Dämonen werden (_H. Heine_, Die Götter
im Exil).
Die anderen bei _Hoffmann_ verwendeten Ichstörungen sind nach dem Muster
des Doppelgängermotivs leicht zu beurteilen. Es handelt sich bei ihnen
um ein Rückgreifen auf einzelne Phasen in der Entwicklungsgeschichte des
Ichgefühls, um eine Regression in Zeiten, da das Ich sich noch nicht
scharf von der Außenwelt und vom Anderen abgegrenzt hatte. Ich glaube,
daß diese Motive den Eindruck des Unheimlichen mitverschulden,
wenngleich es nicht leicht ist, ihren Anteil an diesem Eindruck isoliert
herauszugreifen.
Das Moment der Wiederholung des Gleichartigen wird als Quelle des
unheimlichen Gefühls vielleicht nicht bei jedermann Anerkennung finden.
Nach meinen Beobachtungen ruft es unter gewissen Bedingungen und in
Kombination mit bestimmten Umständen unzweifelhaft ein solches Gefühl
hervor, das überdies an die Hilflosigkeit mancher Traumzustände mahnt.
Als ich einst an einem heißen Sommernachmittag die mir unbekannten,
menschenleeren Straßen einer italienischen Kleinstadt durchstreifte,
geriet ich in eine Gegend, über deren Charakter ich nicht lange in
Zweifel bleiben konnte. Es waren nur geschminkte Frauen an den Fenstern
der kleinen Häuser zu sehen, und ich beeilte mich, die enge Straße durch
die nächste Einbiegung zu verlassen. Aber nachdem ich eine Weile
führerlos herumgewandert war, fand ich mich plötzlich in derselben
Straße wieder, in der ich nun Aufsehen zu erregen begann, und meine
eilige Entfernung hatte nur die Folge, daß ich auf einem neuen Umwege
zum dritten Male dahingeriet. Dann aber erfaßte mich ein Gefühl, das ich
nur als unheimlich bezeichnen kann, und ich war froh, als ich unter
Verzicht auf weitere Entdeckungsreisen auf die kürzlich von mir
verlassene Piazza zurückfand. Andere Situationen, die die
unbeabsichtigte Wiederkehr mit der eben beschriebenen gemein haben und
sich in den anderen Punkten gründlich von ihr unterscheiden, haben doch
dasselbe Gefühl von Hilflosigkeit und Unheimlichkeit zur Folge. Zum
Beispiel wenn man sich im Hochwald, etwa vom Nebel überrascht, verirrt
hat und nun trotz aller Bemühungen, einen markierten oder bekannten Weg
zu finden, wiederholt zu der einen, durch eine bestimmte Formation
gekennzeichneten Stelle zurückkommt. Oder wenn man im unbekannten,
dunkeln Zimmer wandert, um die Türe oder den Lichtschalter aufzusuchen
und dabei zum xten Male mit demselben Möbelstück zusammenstößt, eine
Situation, die _Mark Twain_ allerdings durch groteske Übertreibung in
eine unwiderstehlich komische umgewandelt hat.
An einer anderen Reihe von Erfahrungen erkennen wir auch mühelos, daß es
nur das Moment der unbeabsichtigten Wiederholung ist, welches das sonst
Harmlose unheimlich macht und uns die Idee des Verhängnisvollen,
Unentrinnbaren aufdrängt, wo wir sonst nur von »Zufall« gesprochen
hätten. So ist es z. B. gewiß ein gleichgültiges Erlebnis, wenn man für
seine in einer Garderobe abgegebenen Kleider einen Schein mit einer
gewissen Zahl -- sagen wir: 62 -- erhält oder wenn man findet, daß die
zugewiesene Schiffskabine diese Nummer trägt. Aber dieser Eindruck
ändert sich, wenn beide an sich indifferenten Begebenheiten nahe
aneinander rücken, so daß einem die Zahl 62 mehrmals an demselben Tage
entgegentritt, und wenn man dann etwa gar die Beobachtung machen sollte,
daß alles, was eine Zahlenbezeichnung trägt, Adressen, Hotelzimmer,
Eisenbahnwagen u. dgl. immer wieder die nämliche Zahl wenigstens als
Bestandteil, wiederbringt. Man findet das »unheimlich« und wer nicht
stich- und hiebfest gegen die Versuchungen des Aberglaubens ist, wird
sich geneigt finden, dieser hartnäckigen Wiederkehr der einen Zahl eine
geheime Bedeutung zuzuschreiben, etwa einen Hinweis auf das ihm
bestimmte Lebensalter darin zu sehen. Oder wenn man eben mit dem Studium
der Schriften des großen Physiologen _E. Hering_ beschäftigt ist, und
nun wenige Tage auseinander Briefe von zwei Personen dieses Namens aus
verschiedenen Ländern empfängt, während man bis dahin niemals mit
Leuten, die so heißen, in Beziehung getreten war. Ein geistvoller
Naturforscher hat vor kurzem den Versuch unternommen, Vorkommnisse
solcher Art gewissen Gesetzen unterzuordnen, wodurch der Eindruck des
Unheimlichen aufgehoben werden müßte. Ich getraue mich nicht zu
entscheiden, ob es ihm gelungen ist[8].
[8] _P. Kammerer_, Das Gesetz der Serie, Wien 1919.