Produced by Norbert H. Langkau, Evelyn Kawrykow and the
Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net.
Peter Schlemihls
wundersame Geschichte.
Mitgeteilt
von
Adelbert von Chamisso.
Leipzig
Druck und Verlag von Philipp Reclam jun.
* * * * *
An meinen alten Freund Peter Schlemihl.
Da fällt nun deine Schrift nach vielen Jahren
Mir wieder in die Hand, und -- wundersam! --
Der Zeit gedenk' ich, wo wir Freunde waren,
Als erst die Welt uns in die Schule nahm.
Ich bin ein alter Mann in grauen Haaren,
Ich überwinde schon die falsche Scham,
Ich will mich deinen Freund wie eh'mals nennen
Und mich als solchen vor der Welt bekennen.
Mein armer, armer Freund, es hat der Schlaue
Mir nicht, wie dir, so übel mitgespielt;
Gestrebet hab' ich und gehofft ins Blaue,
Und gar am Ende wenig nur erzielt;
Doch schwerlich wird berühmen sich der Graue,
Daß er mich jemals fest am Schatten hielt;
Den Schatten hab' ich, der mir angeboren,
Ich habe meinen Schatten nie verloren.
Mich traf, obgleich unschuldig wie das Kind,
Der Hohn, den sie für deine Blöße hatten. --
Ob wir einander denn so ähnlich sind?! --
Sie schrien mir nach: Schlemihl, wo ist dein Schatten?
Und zeigt' ich den, so stellten sie sich blind
Und konnten gar zu lachen nicht ermatten.
Was hilft es denn! man trägt es in Geduld,
Und ist noch froh, fühlt man sich ohne Schuld.
Und was ist denn der Schatten? möcht' ich fragen,
Wie man so oft mich selber schon gefragt,
So überschwenglich hoch es anzuschlagen,
Wie sich die arge Welt es nicht versagt?
Das gibt sich schon nach neunzehntausend Tagen,
Die, Weisheit bringend, über uns getagt;
Die wir dem Schatten _Wesen_ sonst verliehen,
Sehn Wesen jetzt als _Schatten_ sich verziehen.
Wir geben uns die Hand darauf, Schlemihl,
Wir schreiten zu und lassen es beim alten;
Wir kümmern uns um alle Welt nicht viel,
Es desto fester mit uns selbst zu halten;
Wir gleiten so schon näher unserm Ziel,
Ob jene lachten, ob die andern schalten,
Nach allen Stürmen wollen wir im Hafen
Doch ungestört gesunden Schlafes schlafen.
_Berlin_, August 1834.
An Julius Eduard Hitzig von Adelbert von Chamisso.
Du vergissest niemanden, du wirst dich noch eines gewissen _Peter
Schlemihls_ erinnern, den du in früheren Jahren ein paarmal bei mir
gesehen hast, ein langbeiniger Bursch', den man ungeschickt glaubte,
weil er linkisch war, und der wegen seiner Trägheit für faul galt. Ich
hatte ihn lieb -- du kannst nicht vergessen haben, _Eduard_, wie er uns
einmal in unsrer grünen Zeit durch die Sonette lief, ich brachte ihn mit
auf einen der poetischen Tees, wo er mir noch während des Schreibens
einschlief, ohne das Lesen abzuwarten. Nun erinnere ich mich auch eines
Witzes, den du auf ihn machtest. Du hattest ihn nämlich schon, Gott weiß
wo und wann, in einer alten schwarzen Kurtka gesehen, die er freilich
damals noch immer trug, und sagtest: »Der ganze Kerl wäre glücklich zu
schätzen, wenn seine Seele nur halb so unsterblich wäre, als seine
Kurtka.« -- So wenig galt er bei euch. -- Ich hatte ihn lieb. -- Von
diesem _Schlemihl_ nun, den ich seit langen Jahren aus dem Gesicht
verloren hatte, rührt das Heft her, das ich dir mitteilen will. -- Dir
nur, _Eduard_, meinem nächsten, innigsten Freunde, meinem beßren Ich, vor
dem ich kein Geheimnis verwahren kann, teil' ich es mit, nur dir und, es
versteht sich von selbst, unserm _Fouqué_, gleich dir in meiner Seele
eingewurzelt -- aber in ihm teil' ich es bloß dem Freunde mit, nicht dem
Dichter. -- Ihr werdet einsehen, wie unangenehm es mir sein würde, wenn
etwa die Beichte, die ein ehrlicher Mann im Vertrauen auf meine
Freundschaft und Redlichkeit an meiner Brust ablegt, in einem
Dichterwerke an den Pranger geheftet würde, oder nur wenn überhaupt
unheilig verfahren würde, wie mit einem Erzeugnis schlechten Witzes, mit
einer Sache, die das nicht ist und sein darf. Freilich muß ich selbst
gestehen, daß es um die Geschichte schad' ist, die unter des guten
Mannes Feder nur albern geworden, daß sie nicht von einer geschickteren
fremden Hand in ihrer ganzen komischen Kraft dargestellt werden kann. --
Was würde nicht _Jean Paul_ daraus gemacht haben! -- Übrigens, lieber
Freund, mögen hier manche genannt sein, die noch leben; auch das will
beachtet sein. --
Noch ein Wort über die Art, wie diese Blätter an mich gelangt sind.
Gestern früh bei meinem Erwachen gab man sie mir ab -- ein wunderlicher
Mann, der einen langen grauen Bart trug, eine ganz abgenützte schwarze
Kurtka anhatte, eine botanische Kapsel darüber umgehangen, und bei dem
feuchten, regnichten Wetter Pantoffeln über seine Stiefel, hatte sich
nach mir erkundigt und dieses für mich hinterlassen; er hatte aus Berlin
zu kommen vorgegeben. -- -- --
_Kunersdorf_, den 27. September 1813.
_Adelbert von Chamisso_.
#P. S.# Ich lege dir eine Zeichnung bei, die der kunstreiche _Leopold_, der
eben an seinem Fenster stand, von der auffallenden Erscheinung entworfen
hat. Als er den Wert, den ich auf diese Skizze legte, gesehen hat, hat
er sie mir gerne geschenkt.[1]
An Ebendenselben von Fouqué.
Bewahren, _lieber Eduard_, sollen wir die Geschichte des armen _Schlemihl_,
dergestalt bewahren, daß sie vor Augen, die nicht hineinzusehen haben,
beschirmt bleibe. Das ist eine schlimme Aufgabe. Es gibt solcher Augen
eine ganze Menge, und welcher Sterbliche kann die Schicksale eines
Manuskriptes bestimmen, eines Dinges, das beinah noch schlimmer zu hüten
ist als ein gesprochenes Wort. Da mach' ich's denn wie ein
Schwindelnder, der in der Angst lieber gleich in den Abgrund springt:
ich lasse die ganze Geschichte drucken.
Und doch, _Eduard_, es gibt ernstere und bessere Gründe für mein Benehmen.
Es trügt mich alles oder in unserm lieben Deutschland schlagen der
Herzen viel, die den armen _Schlemihl_ zu verstehen fähig sind und auch
wert, und über manch eines echten Landsmannes Gesicht wird bei dem
herben Scherz, den das Leben mit ihm, und bei dem arglosen, den er mit
sich selbst treibt, ein gerührtes Lächeln ziehn. Und du, mein _Eduard_,
wenn du das grundehrliche Buch ansiehst und dabei denkst, daß viele
unbekannte Herzensverwandte es mit uns lieben lernen, fühlst auch
vielleicht einen Balsamtropfen in die heiße Wunde fallen, die dir und
allen, die dich lieben, der Tod geschlagen hat.
Und endlich: es gibt -- ich habe mich durch mannigfache Erfahrung davon
überzeugt -- es gibt für die gedruckten Bücher einen Genius, der sie in
die rechten Hände bringt und, wenn nicht immer, doch sehr oft die
unrechten davon abhält. Auf allen Fall hat er ein unsichtbares
Vorhängschloß vor jedwedem echten Geistes- und Gemütswerke und weiß mit
einer ganz untrüglichen Geschicklichkeit auf- und zuzuschließen.
Diesem Genius, mein sehr lieber _Schlemihl_, vertraue ich dein Lächeln und
deine Tränen an, und somit Gott befohlen!
_Nennhausen_, Ende Mai 1814.
_Fouqué_.
An Fouqué von Hitzig.
Da haben wir denn nun die Folgen deines verzweifelten Entschlusses, die
Schlemihlshistorie, die wir als ein bloß _uns_ anvertrautes Geheimnis
bewahren sollten, drucken zu lassen, daß sie nicht allein Franzosen und
Engländer, Holländer und Spanier übersetzt, Amerikaner aber den
Engländern nachgedruckt, wie ich dies alles in meinem gelehrten Berlin
des breiteren gemeldet; sondern daß auch für unser liebes Deutschland
eine neue Ausgabe, mit den Zeichnungen der englischen, die der berühmte
_Cruikshank_ nach dem Leben entworfen, veranstaltet wird, wodurch die
Sache unstreitig noch viel mehr herumkommt. Hielte ich dich nicht für
dein eigenmächtiges Verfahren (denn mir hast du 1814 ja kein Wort von
der Herausgabe des Manuskripts gesagt) hinlänglich dadurch bestraft, daß
unser _Chamisso_ bei seiner Weltumsegelei, in den Jahren 1815 bis 1818,
sich gewiß in Chili und Kamtschatka und wohl gar bei seinem Freunde, dem
seligen _Tameiamaia_ auf O-Wahu, darüber beklagt haben wird, so fordere
ich noch jetzt öffentlich Rechenschaft darüber von dir.
Indes -- auch hievon abgesehn -- geschehn ist geschehn und recht hast du
auch darin gehabt, daß viele, viele Befreundete in den dreizehn
verhängnisvollen Jahren, seit es das Licht der Welt erblickte, das
Büchlein mit uns liebgewonnen. Nie werde ich die Stunde vergessen, in
der ich es _Hoffmann_ zuerst vorlas. Außer sich vor Vergnügen und
Spannung, hing er an meinen Lippen, bis ich vollendet hatte; nicht
erwarten konnte er, die persönliche Bekanntschaft des Dichters zu machen
und, sonst jeder Nachahmung so abhold, widerstand er doch der Versuchung
nicht, die Idee des verlornen Schattens in seiner Erzählung: Die
Abenteuer der Silvesternacht,[2] durch das verlorne Spiegelbild des
Erasmus Spikher, ziemlich unglücklich zu variieren. Ja -- unter die
Kinder hat sich unsre wundersame Historie ihre Bahn zu brechen gewußt;
denn als ich einst, an einem hellen Winterabend, mit ihrem Erzähler die
Burgstraße hinaufging und er einen über ihn lachenden, auf der
Glitschbahn beschäftigten Jungen unter seinen dir wohlbekannten
Bärenmantel nahm und fortschleppte, hielt dieser ganz stille; da er aber
wieder auf den Boden niedergesetzt war und in gehöriger Ferne von den,
als ob nichts geschehen wäre, Weitergegangenen, rief er mit lauter
Stimme seinem Räuber nach: »Warte nur, Peter Schlemihl!«
So, denke ich, wird der ehrliche Kauz auch in seinem neuen, zierlichen
Gewande viele erfreuen, die ihn in der einfachen Kurtka von 1814 nicht
gesehen; diesen und jenen aber es außerdem noch überraschend sein, in
dem botanisierenden, weltumschiffenden, ehemals wohlbestallten königlich
preußischen Offizier, auch Historiographen des berühmten Peter
Schlemihl, nebenher einen Lyriker kennen zu lernen,[3] der, er möge
malaiische oder litauische Weisen anstimmen, überall dartut, daß er das
poetische Herz auf der rechten Stelle hat.
Darum, lieber Fouqué, sei dir am Ende denn doch noch herzlich gedankt
für die Veranstaltung der ersten Ausgabe, und empfange mit unsern
Freunden meinen Glückwunsch zu dieser zweiten.
_Berlin_, im Januar 1827.
_Eduard Hitzig_.
Fußnoten:
[1] Das hier erwähnte Bild befand sich bei den ersten Ausgaben des
Schlemihl.
[2] Phantasiestücke in Callots Manier, im letzten Teil. Vgl. auch:
Aus Hoffmanns Leben und Nachlaß. Bd. #II#, S. 112.
[3] Die zweite Ausgabe des Peter Schlemihl hatte einen Anhang von
Liedern und Balladen des Dichters, worauf sich dies bezog.
Peter Schlemihls wundersame Geschichte.
1.
Nach einer glücklichen, jedoch für mich sehr beschwerlichen Seefahrt
erreichten wir endlich den Hafen. Sobald ich mit dem Boote ans Land kam,
belud ich mich selbst mit meiner kleinen Habseligkeit, und durch das
wimmelnde Volk mich drängend, ging ich in das nächste, geringste Haus
hinein, vor welchem ich ein Schild hängen sah. Ich begehrte ein Zimmer,
der Hausknecht maß mich mit einem Blick und führte mich unters Dach. Ich
ließ mir frisches Wasser geben und genau beschreiben, wo ich den Herrn
_Thomas John_ aufzusuchen habe: -- »Vor dem Nordertor, das erste Landhaus
zur rechten Hand, ein großes, neues Haus, von rot und weißem Marmor mit
vielen Säulen.« Gut. -- Es war noch früh an der Zeit, ich schnürte
sogleich mein Bündel auf, nahm meinen neu gewandten schwarzen Rock
heraus, zog mich reinlich an in meine besten Kleider, steckte das
Empfehlungsschreiben zu mir, und setzte mich alsbald auf den Weg zu dem
Manne, der mir bei meinen bescheidenen Hoffnungen förderlich sein
sollte.
Nachdem ich die lange Norderstraße hinaufgestiegen und das Tor erreicht,
sah ich bald die Säulen durch das Grüne schimmern -- also hier, dacht'
ich. Ich wischte den Staub von meinen Füßen mit meinem Schnupftuch ab,
setzte mein Halstuch in Ordnung, und zog in Gottes Namen die Klingel.
Die Tür sprang auf. Auf dem Flur hatt' ich ein Verhör zu bestehn, der
Portier ließ mich aber anmelden, und ich hatte die Ehre, in den Park
gerufen zu werden, wo Herr _John_ mit einer kleinen Gesellschaft sich
erging. Ich erkannte gleich den Mann am Glanze seiner wohlbeleibten
Selbstzufriedenheit. Er empfing mich sehr gut, wie ein Reicher einen
armen Teufel, wandte sich sogar gegen mich, ohne sich jedoch von der
übrigen Gesellschaft abzuwenden, und nahm mir den dargehaltenen Brief
aus der Hand. -- »So, so! von meinem Bruder, ich habe lange nichts von
ihm gehört. Er ist doch gesund? -- Dort,« fuhr er gegen die Gesellschaft
fort, ohne die Antwort zu erwarten, und wies mit dem Brief auf einen
Hügel, »dort lasse ich das neue Gebäude aufführen.« Er brach das Siegel
auf und das Gespräch nicht ab, das sich auf den Reichtum lenkte. »Wer
nicht Herr ist wenigstens einer Million,« warf er hinein, »der ist, man
verzeihe mir das Wort, ein Schuft!« -- »O wie wahr!« rief ich aus mit
vollem überströmenden Gefühl. Das mußte ihm gefallen, er lächelte mich
an und sagte: »Bleiben Sie hier, lieber Freund, nachher hab' ich
vielleicht Zeit, Ihnen zu sagen, was ich hiezu denke,« er deutete auf
den Brief, den er sodann einsteckte, und wandte sich wieder zu der
Gesellschaft. -- Er bot einer jungen Dame den Arm, andre Herren bemühten
sich um andre Schönen, es fand sich, was sich paßte, und man wallte dem
rosenumblühten Hügel zu.
Ich schlich hinterher, ohne jemandem beschwerlich zu fallen, denn keine
Seele bekümmerte sich weiter um mich. Die Gesellschaft war sehr
aufgeräumt, es ward getändelt und gescherzt, man sprach zuweilen von
leichtsinnigen Dingen wichtig, von wichtigen öfters leichtsinnig, und
gemächlich erging besonders der Witz über abwesende Freunde und deren
Verhältnisse. Ich war da zu fremd, um von alledem vieles zu verstehen,
zu bekümmert und in mich gekehrt, um den Sinn auf solche Rätsel zu
haben.
Wir hatten den Rosenhain erreicht. Die schöne _Fanny_, wie es schien die
Herrin des Tages, wollte aus Eigensinn einen blühenden Zweig selbst
brechen, sie verletzte sich an einem Dorn, und wie von den dunklen
Rosen, floß Purpur auf ihre zarte Hand. Dieses Ereignis brachte die
ganze Gesellschaft in Bewegung. Es wurde englisch Pflaster gesucht. Ein
stiller, dünner, hagerer, länglichter, ältlicher Mann, der neben
mitging, und den ich noch nicht bemerkt hatte, steckte sogleich die Hand
in die knapp anliegende Schoßtasche seines altfränkischen, grautaftenen
Rockes, brachte eine kleine Brieftasche daraus hervor, öffnete sie und
reichte der Dame mit devoter Verbeugung das Verlangte. Sie empfing es
ohne Aufmerksamkeit für den Geber und ohne Dank, die Wunde ward
verbunden, und man ging weiter den Hügel hinan, von dessen Rücken man
die weite Aussicht über das grüne Labyrinth des Parkes nach dem
unermeßlichen Ozean genießen wollte.
Der Anblick war wirklich groß und herrlich. Ein lichter Punkt erschien
am Horizont zwischen der dunklen Flut und der Bläue des Himmels. »Ein
Fernrohr her!« rief _John_, und noch bevor das auf den Ruf erscheinende
Dienervolk in Bewegung kam, hatte der graue Mann, bescheiden sich
verneigend, die Hand schon in die Rocktasche gesteckt, daraus einen
schönen Dollond hervorgezogen und es dem Herrn _John_ eingehändigt.
Dieser, es sogleich an das Aug' bringend, benachrichtigte die
Gesellschaft, es sei das Schiff, das gestern ausgelaufen, und das
widrige Winde im Angesicht des Hafens zurückhielten. Das Fernrohr ging
von Hand zu Hand, und nicht wieder in die des Eigentümers; ich aber sah
verwundert den Mann an, und wußte nicht, wie die große Maschine aus der
winzigen Tasche herausgekommen war; es schien aber niemandem aufgefallen
zu sein, und man bekümmerte sich nicht mehr um den grauen Mann, als um
mich selber.
Erfrischungen wurden gereicht, das seltenste Obst aller Zonen in den
kostbarsten Gefäßen. Herr _John_ machte die Honneurs mit leichtem Anstand
und richtete da zum zweitenmal ein Wort an mich: »Essen Sie nur; das
haben Sie auf der See nicht gehabt.« Ich verbeugte mich, aber er sah es
nicht, er sprach schon mit jemand anderm.
Man hätte sich gern auf den Rasen, am Abhange des Hügels, der
ausgespannten Landschaft gegenüber gelagert, hätte man die Feuchtigkeit
der Erde nicht gescheut. Es wäre göttlich, meinte wer aus der
Gesellschaft, wenn man türkische Teppiche hätte, sie hier auszubreiten.
Der Wunsch war nicht sobald ausgesprochen, als schon der Mann im grauen
Rock die Hand in der Tasche hatte, und mit bescheidener, ja demütiger
Gebärde einen reichen, golddurchwirkten türkischen Teppich daraus zu
ziehen bemüht war. Bediente nahmen ihn in Empfang, als müsse es so sein,
und entfalteten ihn am begehrten Orte. Die Gesellschaft nahm ohne
Umstände Platz darauf; ich wiederum sah betroffen den Mann, die Tasche,
den Teppich an, der über zwanzig Schritte in der Länge und zehn in der
Breite maß, und rieb mir die Augen, nicht wissend, was ich dazu denken
sollte, besonders da niemand etwas Merkwürdiges darin fand.
Ich hätte gern Aufschluß über den Mann gehabt und gefragt, wer er sei,
nur wußt' ich nicht, an wen ich mich richten sollte, denn ich fürchtete
mich fast noch mehr vor den Herren Bedienten, als vor den bedienten
Herren. Ich faßte endlich ein Herz, und trat an einen jungen Mann heran,
der mir von minderem Ansehen schien, als die andern, und der öfter
allein gestanden hatte. Ich bat ihn leise, mir zu sagen, wer der
gefällige Mann sei dort im grauen Kleide. -- »Dieser, der wie ein Ende
Zwirn aussieht, der einem Schneider aus der Nadel entlaufen ist?« --
»Ja, der allein steht.« -- »Den kenn' ich nicht,« gab er mir zur
Antwort, und, wie es schien, eine längere Unterhaltung mit mir zu
vermeiden, wandt' er sich weg und sprach von gleichgültigen Dingen mit
einem andern.
Die Sonne fing jetzt stärker zu scheinen an und ward den Damen
beschwerlich; die schöne _Fanny_ richtete nachlässig an den grauen Mann,
den, soviel ich weiß, noch niemand angeredet hatte, die leichtsinnige
Frage: ob er nicht auch vielleicht ein Zelt bei sich habe? Er
beantwortete sie durch eine so tiefe Verbeugung, als widerführe ihm eine
unverdiente Ehre, und hatte schon die Hand in der Tasche, aus der ich
Zeuge, Stangen, Schnüre, Eisenwerk, kurz alles, was zu dem
prachtvollsten Lustzelt gehört, herauskommen sah. Die jungen Herren
halfen es ausspannen, und es überhing die ganze Ausdehnung des Teppichs
-- und keiner fand noch etwas Außerordentliches darin. --
Mir war schon lange unheimlich, ja graulich zumute, wie ward mir
vollends, als beim nächst ausgesprochenen Wunsch ich ihn noch aus seiner
Tasche drei Reitpferde, ich sage dir, drei schöne, große Rappen mit
Sattel und Zeug herausziehen sah! -- denke dir, um Gottes willen! drei
gesattelte Pferde noch aus derselben Tasche, woraus schon eine
Brieftasche, ein Fernrohr, ein gewirkter Teppich, zwanzig Schritte lang
und zehn breit, ein Lustzelt von derselben Größe, und alle dazu
gehörigen Stangen und Eisen herausgekommen waren! -- Wenn ich dir nicht
beteuerte, es selbst mit eignen Augen angesehen zu haben, würdest du es
gewiß nicht glauben. --
So verlegen und demütig der Mann selbst zu sein schien, so wenig
Aufmerksamkeit ihm auch die andern schenkten, so ward mir doch seine
blasse Erscheinung, von der ich kein Auge abwenden konnte, so
schauerlich, daß ich sie nicht länger ertragen konnte.
Ich beschloß, mich aus der Gesellschaft zu stehlen, was bei der
unbedeutenden Rolle, die ich darinnen spielte, mir ein leichtes schien.
Ich wollte nach der Stadt zurückkehren, am andern Morgen mein Glück beim
Herrn John wieder versuchen und, wenn ich den Mut dazu fände, ihn über
denselben grauen Mann befragen. -- Wäre es mir nur so zu entkommen
geglückt!
Ich hatte mich schon wirklich durch den Rosenhain, den Hügel hinab,
glücklich geschlichen, und befand mich auf einem freien Rasenplatz, als
ich aus Furcht, außer den Wegen durchs Gras gehend angetroffen zu
werden, einen forschenden Blick um mich warf. -- Wie erschrak ich, als
ich den Mann im grauen Rock hinter mir her und auf mich zu kommen sah.
Er nahm sogleich den Hut vor mir ab, und verneigte sich so tief, als
noch niemand vor mir getan hatte. Es war kein Zweifel, er wollte mich
anreden, und ich konnte, ohne grob zu sein, es nicht vermeiden. Ich nahm
den Hut auch ab, verneigte mich wieder, und stand da in der Sonne mit
bloßem Haupt wie angewurzelt. Ich sah ihn voller Furcht stier an und war
wie ein Vogel, den eine Schlange gebannt hat. Er selber schien sehr
verlegen zu sein; er hob den Blick nicht auf, verbeugte sich zu
verschiedenen Malen, trat näher und redete mich an mit leiser,
unsicherer Stimme, ungefähr im Tone eines Bettelnden.
»Möge der Herr meine Zudringlichkeit entschuldigen, wenn ich es wage,
ihn so unbekannterweise aufzusuchen, ich habe eine Bitte an ihn.
Vergönnen Sie gnädigst --« -- »Aber um Gottes willen, mein Herr!« brach
ich in meiner Angst aus, »was kann ich für einen Mann tun, der --« wir
stutzten beide, und wurden, wie mir deucht, rot.
Er nahm nach einem Augenblick des Schweigens wieder das Wort: »Während
der kurzen Zeit, wo ich das Glück genoß, mich in Ihrer Nähe zu befinden,
hab' ich, mein Herr, einigemal -- erlauben Sie, daß ich es Ihnen sage --
wirklich mit unaussprechlicher Bewunderung den schönen, schönen Schatten
betrachten können, den Sie in der Sonne, und gleichsam mit einer
gewissen edlen Verachtung, ohne selbst darauf zu merken, von sich
werfen, den herrlichen Schatten da zu Ihren Füßen. Verzeihen Sie mir die
freilich kühne Zumutung. Sollten Sie sich wohl nicht abgeneigt finden,
mir diesen Ihren Schatten zu überlassen?«
Er schwieg und mir ging's wie ein Mühlrad im Kopfe herum. Was sollt' ich
aus dem seltsamen Antrag machen, mir meinen Schatten abzukaufen? er muß
verrückt sein, dacht' ich, und mit verändertem Tone, der zu der Demut
des seinigen besser paßte, erwiderte ich also:
»Ei, ei! guter Freund, habt Ihr denn nicht an Eurem eignen Schatten
genug? das heiß' ich mir einen Handel von einer ganz absonderlichen
Sorte.« Er fiel sogleich wieder ein: »Ich hab' in meiner Tasche manches,
was dem Herrn nicht ganz unwert scheinen möchte; für diesen
unschätzbaren Schatten halt' ich den höchsten Preis zu gering.«
Nun überfiel es mich wieder kalt, da ich an die Tasche erinnert ward,
und ich wußte nicht, wie ich ihn hatte guter Freund nennen können. Ich
nahm wieder das Wort und suchte es, wo möglich, mit unendlicher
Höflichkeit wieder gut zu machen.
»Aber, mein Herr, verzeihen Sie Ihrem untertänigsten Knecht. Ich
verstehe wohl Ihre Meinung nicht ganz gut, wie könnt' ich nur meinen
Schatten -- --« Er unterbrach mich: »Ich erbitte mir nur Dero Erlaubnis,
hier auf der Stelle diesen edlen Schatten aufheben zu dürfen und zu mir
zu stecken; wie ich das mache, sei meine Sorge. Dagegen als Beweis
meiner Erkenntlichkeit gegen den Herrn, überlasse ich ihm die Wahl unter
allen Kleinodien, die ich in der Tasche bei mir führe: die echte
Springwurzel, die Alraunwurzel, Wechselpfennige, Raubtaler, das
Tellertuch von Rolands Knappen, ein Galgenmännlein zu beliebigem Preis;
doch, das wird wohl nichts für Sie sein: besser, Fortunati
Wünschhütlein, neu und haltbar wieder restauriert: auch ein
Glückssäckel, wie der seine gewesen.« -- »Fortunati Glücksseckel,« fiel
ich ihm in die Rede, und wie groß meine Angst auch war, hatte er mit dem
einen Wort meinen ganzen Sinn gefangen. Ich bekam einen Schwindel und es
flimmerte mir wie doppelte Dukaten vor den Augen. --
»Belieben gnädigst der Herr diesen Säckel zu besichtigen und zu
erproben.« Er steckte die Hand in die Tasche und zog einen mäßig großen,
festgenähten Beutel, von starkem Korduanleder, an zwei tüchtigen
ledernen Schnüren heraus und händigte mir selbigen ein. Ich griff hinein
und zog zehn Goldstücke daraus, und wieder zehn, und wieder zehn, und
wieder zehn; ich hielt ihm schnell die Hand hin: »Topp! der Handel gilt,
für den Beutel haben Sie meinen Schatten.« Er schlug ein, kniete dann
ungesäumt vor mir nieder, und mit einer bewundernswürdigen
Geschicklichkeit sah ich ihn meinen Schatten, vom Kopf bis zu meinen
Füßen, leise von dem Grase lösen, aufheben, zusammenrollen und falten,
und zuletzt einstecken. Er stand auf, verbeugte sich noch einmal vor
mir, und zog sich nach dem Rosengebüsche zurück. Mich dünkt', ich hörte
ihn da leise für sich lachen. Ich aber hielt den Beutel bei den Schnüren
fest, rund um mich her war die Erde sonnenhell, und in mir war noch
keine Besinnung.
2.
Ich kam endlich wieder zu Sinnen und eilte, diesen Ort zu verlassen, wo
ich hoffentlich nichts mehr zu tun hatte. Ich füllte erst meine Taschen
mit Gold, dann band ich mir die Schnüre des Beutels um den Hals fest und
verbarg ihn selbst auf meiner Brust. Ich kam unbeachtet aus dem Park,
erreichte die Landstraße und nahm meinen Weg nach der Stadt. Wie ich in
Gedanken dem Tore zu ging, hört' ich hinter mir schreien: »Junger Herr!
he! junger Herr! hören Sie doch!« -- Ich sah mich um, ein altes Weib
rief mir nach: »Sehe sich der Herr doch vor, Sie haben Ihren Schatten
verloren.« -- »Danke, Mütterchen!« -- ich warf ihr ein Goldstück für den
wohlgemeinten Rat hin, und trat unter die Bäume.
Am Tore mußt' ich gleich wieder von der Schildwacht hören: »Wo hat der
Herr seinen Schatten gelassen?« und gleich wieder darauf von ein paar
Frauen: »Jesus Maria! der arme Mensch hat keinen Schatten!« Das fing an
mich zu verdrießen, und ich vermied sehr sorgfältig, in die Sonne zu
treten. Das ging aber nicht überall an, zum Beispiel nicht über die
Breitestraße, die ich zunächst durchkreuzen mußte, und zwar, zu meinem
Unheil, in eben der Stunde, wo die Knaben aus der Schule gingen. Ein
verdammter buckeliger Schlingel, ich seh' ihn noch, hatte es gleich weg,
daß mir ein Schatten fehle. Er verriet mich mit großem Geschrei der
sämtlichen literarischen Straßenjugend der Vorstadt, welche sofort mich
zu rezensieren und mit Kot zu bewerfen anfing. »Ordentliche Leute
pflegten ihren Schatten mit sich zu nehmen, wenn sie in die Sonne
gingen.« Um sie von mir abzuwehren, warf ich Gold zu vollen Händen unter
sie und sprang in einen Mietswagen, zu dem mir mitleidige Seelen
verhalfen.
Sobald ich mich in der rollenden Kutsche allein fand, fing ich
bitterlich an zu weinen. Es mußte schon die Ahnung in mir aufsteigen,
daß, um so viel das Gold auf Erden Verdienst und Tugend überwiegt, um so
viel der Schatten höher als selbst das Gold geschätzt werde; und wie ich
früher den Reichtum meinem Gewissen aufgeopfert, hatte ich jetzt den
Schatten für bloßes Gold hingegeben; was konnte, was sollte auf Erden
aus mir werden!
Ich war noch sehr verstört, als der Wagen vor meinem alten Wirtshause
hielt; ich erschrak über die Vorstellung, nur noch jenes schlechte
Dachzimmer zu betreten. Ich ließ mir meine Sachen herabholen, empfing
den ärmlichen Bündel mit Verachtung, warf einige Goldstücke hin und
befahl, vor das vornehmste Hotel vorzufahren. Das Haus war gegen Norden
gelegen, ich hatte die Sonne nicht zu fürchten. Ich schickte den
Kutscher mit Gold weg, ließ mir die besten Zimmer vornheraus anweisen
und verschloß mich darin, sobald ich konnte.
Was denkst du, daß ich nun anfing! -- O mein lieber _Chamisso_, selbst vor
dir es zu gestehen, macht mich erröten. Ich zog den unglücklichen Säckel
aus meiner Brust hervor, und mit einer Art Wut, die, wie eine flackernde
Feuersbrunst, sich in mir durch sich selbst mehrte, zog ich Gold daraus,
und Gold, und Gold, und immer mehr Gold, und streute es auf den Estrich,
und schritt darüber hin, und ließ es klirren, und warf, mein armes Herz
an dem Glanze, an dem Klange weidend, immer des Metalles mehr zu dem
Metalle, bis ich ermüdet selbst auf das reiche Lager sank und schwelgend
darin wühlte, mich darüber wälzte. So verging der Tag, der Abend, ich
schloß meine Türe nicht auf, die Nacht fand mich liegend auf dem Golde,
und darauf übermannte mich der Schlaf.
Da träumt' es mir von dir, es ward mir, als stünde ich hinter der
Glastür deines kleinen Zimmers und sähe dich von da an deinem
Arbeitstische zwischen einem Skelett und einem Bunde getrockneter
Pflanzen sitzen, vor dir waren Haller, Humboldt und Linné aufgeschlagen,
auf deinem Sofa lagen ein Band Goethe und der Zauberring, ich
betrachtete dich lange und jedes Ding in deiner Stube, und dann dich
wieder, du rührtest dich aber nicht, du holtest auch nicht Atem, du
warst tot.
Ich erwachte. Es schien noch sehr früh zu sein. Meine Uhr stand. Ich war
wie zerschlagen, durstig und hungrig auch noch; ich hatte seit dem
vorigen Morgen nichts gegessen. Ich stieß von mir mit Unwillen und
Überdruß dieses Gold, an dem ich kurz vorher mein törichtes Herz
gesättigt; nun wußt' ich verdrießlich nicht, was ich damit anfangen
sollte. Es durfte nicht so liegen bleiben -- ich versuchte, ob es der
Beutel wieder verschlingen wollte -- nein. Keines meiner Fenster öffnete
sich über die See. Ich mußte mich bequemen, es mühsam und mit sauerm
Schweiß zu einem großen Schrank, der in einem Kabinett stand, zu
schleppen, und es darin zu verpacken. Ich ließ nur einige Handvoll da
liegen. Nachdem ich mit der Arbeit fertig geworden, legt' ich mich
erschöpft in einen Lehnstuhl und erwartete, daß sich Leute im Hause zu
regen anfingen. Ich ließ, sobald es möglich war, zu essen bringen und
den Wirt zu mir kommen.
Ich besprach mit diesem Manne die künftige Einrichtung meines Hauses. Er
empfahl mir für den näheren Dienst um meine Person einen gewissen
_Bendel_, dessen treue und verständige Physiognomie mich gleich gewann.
Derselbe war's, dessen Anhänglichkeit mich seither tröstend durch das
Elend des Lebens begleitete und mir mein düsteres Los ertragen half. Ich
brachte den ganzen Tag auf meinen Zimmern mit herrenlosen Knechten,
Schustern, Schneidern und Kaufleuten zu, ich richtete mich ein und
kaufte besonders sehr viel Kostbarkeiten und Edelsteine, um nur etwas
des vielen aufgespeicherten Goldes los zu werden; es schien aber gar
nicht, als könne der Haufen sich vermindern.
Ich schwebte indes über meinen Zustand in den ängstigendsten Zweifeln.
Ich wagte keinen Schritt aus meiner Tür und ließ abends vierzig
Wachskerzen in meinem Saal anzünden, bevor ich aus dem Dunkel herauskam.
Ich gedachte mit Grauen des fürchterlichen Auftrittes mit den
Schulknaben. Ich beschloß, soviel Mut ich auch dazu bedurfte, die
öffentliche Meinung noch einmal zu prüfen. -- Die Nächte waren zu der
Zeit mondhell. Abends spät warf ich einen weiten Mantel um, drückte mir
den Hut tief in die Augen und schlich, zitternd wie ein Verbrecher, aus
dem Hause. Erst auf einem entlegenen Platz trat ich aus dem Schatten der
Häuser, in deren Schutz ich so weit gekommen war, an das Mondlicht
hervor, gefaßt, mein Schicksal aus dem Munde der Vorübergehenden zu
vernehmen.
Erspare mir, lieber Freund, die schmerzliche Wiederholung alles dessen,
was ich erdulden mußte. Die Frauen bezeigten oft das tiefste Mitleid,
das ich ihnen einflößte; Äußerungen, die mir die Seele nicht minder
durchbohrten, als der Hohn der Jugend und die hochmütige Verachtung der
Männer, besonders solcher dicken, wohlbeleibten, die selbst einen
breiten Schatten warfen. Ein schönes, holdes Mädchen, die, wie es
schien, ihre Eltern begleitete, indem diese bedächtig nur vor ihre Füße
sahen, wandte von ungefähr ihr leuchtendes Auge auf mich; sie erschrak
sichtbarlich, da sie meine Schattenlosigkeit bemerkte, verhüllte ihr
schönes Antlitz in ihren Schleier, ließ den Kopf sinken und ging lautlos
vorüber.
Ich ertrug es länger nicht. Salzige Ströme brachen aus meinen Augen, und
mit durchschnittenem Herzen zog ich mich schwankend ins Dunkel zurück.
Ich mußte mich an den Häusern halten, um meine Schritte zu sichern, und
erreichte langsam und spät meine Wohnung.
Ich brachte die Nacht schlaflos zu. Am andern Tage war meine erste
Sorge, nach dem Manne im grauen Rocke überall suchen zu lassen.
Vielleicht sollte es mir gelingen, ihn wieder zu finden, und wie
glücklich! wenn ihn, wie mich, der törichte Handel gereuen sollte. Ich
ließ _Bendel_ vor mich kommen, er schien Gewandtheit und Geschick zu
besitzen -- ich schilderte ihm genau den Mann, in dessen Besitz ein
Schatz sich befand, ohne den mir das Leben nur eine Qual sei. Ich sagte
ihm die Zeit, den Ort, wo ich ihn gesehen; beschrieb ihm alle, die
zugegen gewesen, und fügte dieses Zeichen noch hinzu: er solle sich nach
einem Dollondschen Fernrohr, nach einem golddurchwirkten türkischen
Teppich, nach einem Prachtlustzelt, und endlich nach den schwarzen
Reithengsten genau erkundigen, deren Geschichte, ohne zu bestimmen wie,
mit der des rätselhaften Mannes zusammenhinge, welcher allen unbedeutend
geschienen, und dessen Erscheinung die Ruhe und das Glück meines Lebens
zerstört hatte.
Wie ich ausgeredet, holt' ich Gold her, eine Last, wie ich sie nur zu
tragen vermochte, und legte Edelsteine und Juwelen noch hinzu für einen
größern Wert. »_Bendel_,« sprach ich, »dieses ebnet viele Wege und macht
vieles leicht, was unmöglich schien; sei nicht karg damit, wie ich es
nicht bin, sondern geh, und erfreue deinen Herrn mit Nachrichten, auf
denen seine alleinige Hoffnung beruht.«
Er ging. Spät kam er und traurig zurück. Keiner von den Leuten des Herrn
_John_, keiner von seinen Gästen, er hatte alle gesprochen, wußte sich nur
entfernt an den Mann im grauen Rocke zu erinnern. Das neue Teleskop war
da und keiner wußte, wo es hergekommen; der Teppich, das Zelt waren da
und noch auf demselben Hügel ausgebreitet und aufgeschlagen, die Knechte
rühmten den Reichtum ihres Herrn, und keiner wußte, von wannen diese
neuen Kostbarkeiten ihm zugekommen. Er selbst hatte sein Wohlgefallen
daran, und ihn kümmerte es nicht, daß er nicht wisse, woher er sie habe;
die Pferde hatten die jungen Herren, die sie geritten, in ihren Ställen,
und sie priesen die Freigebigkeit des Herrn _John_, der sie ihnen an jenem
Tage geschenkt. Soviel erhellte aus der ausführlichen Erzählung _Bendels_,
dessen rascher Eifer und verständige Führung, auch bei so fruchtlosem
Erfolge, mein verdientes Lob erhielten. Ich winkte ihm düster, mich
allein zu lassen.
»Ich habe,« hub er wieder an, »meinem Herrn Bericht abgestattet über die
Angelegenheit, die ihm am wichtigsten war. Mir bleibt noch ein Auftrag
auszurichten, den mir heute früh jemand gegeben, welchem ich vor der Tür
begegnete, da ich zu dem Geschäfte ausging, wo ich so unglücklich
gewesen. Die eignen Worte des Mannes waren: >Sagen Sie dem Herrn _Peter
Schlemihl_, er würde mich hier nicht mehr sehen, da ich übers Meer gehe,
und ein günstiger Wind mich soeben nach dem Hafen ruft. Aber über Jahr
und Tag werde ich die Ehre haben, ihn selber aufzusuchen und ein andres,
ihm dann vielleicht annehmliches Geschäft vorzuschlagen. Empfehlen Sie
mich ihm untertänigst und versichern ihn meines Dankes.< Ich frug ihn,
wer er wäre, er sagte aber, Sie kennten ihn schon.«
»Wie sah der Mann aus?« rief ich voller Ahnung. Und _Bendel_ beschrieb mir
den Mann im grauen Rocke Zug für Zug, Wort für Wort, wie er getreu in
seiner vorigen Erzählung des Mannes erwähnt, nach dem er sich erkundigt.
»Unglücklicher!« schrie ich händeringend, »das war er ja selbst!« und
ihm fiel es wie Schuppen von den Augen. -- »Ja, er war es, war es
wirklich!« rief er erschreckt aus, »und ich Verblendeter, Blödsinniger
habe ihn nicht erkannt, ihn nicht erkannt und meinen Herrn verraten!«
Er brach, heiß weinend, in die bittersten Vorwürfe gegen sich selber
aus, und die Verzweiflung, in der er war, mußte mir selber Mitleiden
einflößen. Ich sprach ihm Trost ein, versicherte ihm wiederholt, ich
setze keinen Zweifel in seine Treue, und schickte ihn alsbald nach dem
Hafen, um, wo möglich, die Spuren des seltsamen Mannes zu verfolgen.
Aber an diesem selben Morgen waren sehr viele Schiffe, die widrige Winde
im Hafen zurückgehalten, ausgelaufen, alle nach andern Weltstrichen,
alle nach andern Küsten bestimmt, und der graue Mann war spurlos wie ein
Schatten verschwunden.
3.
Was hülfen Flügel dem in eisernen Ketten fest Angeschmiedeten? Er müßte
dennoch, und schrecklicher, verzweifeln. Ich lag, wie Fafner bei seinem
Hort, fern von jedem menschlichen Zuspruch, bei meinem Golde darbend,
aber ich hatte nicht das Herz nach ihm, sondern ich fluchte ihm, um
dessentwillen ich mich von allem Leben abgeschnitten sah. Bei mir
allein mein düstres Geheimnis hegend, fürchtete ich mich vor dem letzten
meiner Knechte, den ich zugleich beneiden mußte; denn er hatte einen
Schatten, er durfte sich sehen lassen in der Sonne. Ich vertrauerte
einsam in meinen Zimmern die Tag' und Nächte und Gram zehrte an meinem
Herzen.
Noch einer härmte sich unter meinen Augen ab, mein treuer _Bendel_ hörte
nicht auf, sich mit stillen Vorwürfen zu martern, daß er das Zutrauen
seines gütigen Herrn betrogen und jenen nicht erkannt, nach dem er
ausgeschickt war, und mit dem er mein trauriges Schicksal in enger
Verflechtung denken mußte. Ich aber konnte ihm keine Schuld geben, ich
erkannte in dem Ereignis die fabelhafte Natur des Unbekannten.
Nichts unversucht zu lassen, schickt' ich einst _Bendel_ mit einem
kostbaren brillantenen Ring zu dem berühmtesten Maler der Stadt, den
ich, mich zu besuchen, einladen ließ. Er kam, ich entfernte meine Leute,
verschloß die Tür, setzte mich zu dem Mann, und nachdem ich seine Kunst
gepriesen, kam ich mit schwerem Herzen zur Sache, ich ließ ihn zuvor das
strengste Geheimnis geloben.
»Herr Professor,« fuhr ich fort, »könnten Sie wohl einem Menschen, der
auf die unglücklichste Weise von der Welt um seinen Schatten gekommen
ist, einen falschen Schatten malen?« -- »Sie meinen einen
Schlagschatten?« -- »Den mein' ich allerdings.« -- »Aber,« frug er mich
weiter, »durch welche Ungeschicklichkeit, durch welche Nachlässigkeit
konnte er denn seinen Schlagschatten verlieren?« -- »Wie es kam,«
erwiderte ich, »mag nun sehr gleichgültig sein, doch so viel,« log ich
ihm unverschämt vor: »in Rußland, wo er im vorigen Winter eine Reise
tat, fror ihm einmal, bei einer außerordentlichen Kälte, sein Schatten
dergestalt am Boden fest, daß er ihn nicht wieder los bekommen konnte.«
»Der falsche Schlagschatten, den ich ihm malen könnte,« erwiderte der
Professor, »würde doch nur ein solcher sein, den er bei der leisesten
Bewegung wieder verlieren müßte -- zumal, wer an dem eignen angebornen
Schatten so wenig fest hing, als aus Ihrer Erzählung selbst sich
abnehmen läßt; wer keinen Schatten hat, gehe nicht in die Sonne, das ist
das Vernünftigste und Sicherste.« Er stand auf und entfernte sich, indem
er auf mich einen durchbohrenden Blick warf, den der meine nicht
ertragen konnte. Ich sank in meinen Sessel zurück und verhüllte mein
Gesicht in meine Hände.
So fand mich noch _Bendel_, als er hereintrat. Er sah den Schmerz seines
Herrn und wollte sich still, ehrerbietig zurückziehen. -- Ich blickte
auf -- ich erlag unter der Last meines Kummers, ich mußte ihn mitteilen.
»_Bendel_,« rief ich ihm zu, »_Bendel_! du einziger, der du meine Leiden
siehst und ehrst, sie nicht erforschen zu wollen, sondern still und
fromm mitzufühlen scheinst, komm zu mir, _Bendel_, und sei der Nächste
meinem Herzen. Die Schätze meines Goldes hab' ich vor dir nicht
verschlossen, nicht verschließen will ich vor dir die Schätze meines
Grames. -- _Bendel_, verlasse mich nicht. _Bendel_, du siehst mich reich,
freigebig, gütig, du wähnst, es sollte die Welt mich verherrlichen, und
du siehst mich die Welt fliehn und mich vor ihr verschließen. _Bendel_,
sie hat gerichtet, die Welt, und mich verstoßen, und auch du vielleicht
wirst dich von mir wenden, wenn du mein schreckliches Geheimnis
erfährst: _Bendel_, ich bin reich, freigebig, gütig, aber -- o Gott! ich
habe keinen Schatten!«
»Keinen Schatten?« rief der gute Junge erschreckt aus und die hellen
Tränen stürzten ihm aus den Augen. -- »Weh' mir, daß ich geboren ward,
einem schattenlosen Herrn zu dienen!« Er schwieg und ich hielt mein
Gesicht in meinen Händen.
»_Bendel_,« setzt' ich spät und zitternd hinzu, »nun hast du mein
Vertrauen, nun kannst du es verraten. Geh hin und zeuge wider mich.« --
Er schien in schwerem Kampfe mit sich selber, endlich stürzte er vor mir
nieder und ergriff meine Hand, die er mit seinen Tränen benetzte.
»Nein,« rief er aus, »was die Welt auch meine, ich kann und werde um
Schattens willen meinen gütigen Herrn nicht verlassen, ich werde recht
und nicht klug handeln, ich werde bei Ihnen bleiben, Ihnen meinen
Schatten borgen, Ihnen helfen, wo ich kann, und wo ich nicht kann, mit
Ihnen weinen.« Ich fiel ihm um den Hals, ob solcher ungewohnten
Gesinnung staunend; denn ich war von ihm überzeugt, daß er es nicht um
Gold tat.
Seitdem änderten sich in etwas mein Schicksal und meine Lebensweise. Es
ist unbeschreiblich, wie vorsorglich _Bendel_ mein Gebrechen zu verhehlen
wußte. Überall war er vor mir und mit mir, alles vorhersehend, Anstalten
treffend, und wo Gefahr unversehens drohte, mich schnell mit seinem
Schatten überdeckend, denn er war größer und stärker als ich. So wagt'
ich mich wieder unter die Menschen und begann eine Rolle in der Welt zu
spielen. Ich mußte freilich viele Eigenheiten und Launen scheinbar
annehmen. Solche stehen aber dem Reichen gut, und solange die Wahrheit
nur verborgen blieb, genoß ich aller der Ehre und Achtung, die meinem
Golde zukam. Ich sah ruhiger dem über Jahr und Tag verheißenen Besuch
des rätselhaften Unbekannten entgegen.
Ich fühlte sehr wohl, daß ich mich nicht lange an einem Orte aufhalten
durfte, wo man mich schon ohne Schatten gesehen und wo ich leicht
verraten werden konnte; auch dacht' ich vielleicht nur allein noch
daran, wie ich mich bei Herrn _John_ gezeigt, und es war mir eine
drückende Erinnerung, demnach wollt' ich hier bloß Probe halten, um
anderswo leichter und zuversichtlicher auftreten zu können -- doch fand
sich, was mich eine Zeitlang an meiner Eitelkeit festhielt: das ist im
Menschen, wo der Anker am zuverlässigsten Grund faßt.
Eben die schöne _Fanny_, der ich am dritten Ort wieder begegnete, schenkte
mir, ohne sich zu erinnern, mich jemals gesehen zu haben, einige
Aufmerksamkeit, denn jetzt hatt' ich Witz und Verstand. -- Wann ich
redete, hörte man zu, und ich wußte selber nicht, wie ich zu der Kunst
gekommen war, das Gespräch so leicht zu führen und zu beherrschen. Der
Eindruck, den ich auf die Schöne gemacht zu haben einsah, machte aus
mir, was sie eben begehrte, einen Narren, und ich folgte ihr seither mit
tausend Mühen durch Schatten und Dämmerung, wo ich nur konnte. Ich war
nur eitel darauf, sie über mich eitel zu machen, und konnte mir, selbst
mit dem besten Willen, nicht den Rausch aus dem Kopf ins Herz zwingen.
Aber wozu die ganz gemeine Geschichte dir lang und breit wiederholen? --
Du selber hast sie mir oft genug von andern Ehrenleuten erzählt. -- Zu
dem alten, wohlbekannten Spiele, worin ich gutmütig eine abgedroschene
Rolle übernommen, kam freilich eine ganz eigens gedichtete Katastrophe
hinzu, mir und ihr und allen unerwartet.
Da ich an einem schönen Abend nach meiner Gewohnheit eine Gesellschaft
in einem erleuchteten Garten versammelt hatte, wandelte ich mit der
Herrin Arm in Arm, in einiger Entfernung von den übrigen Gästen, und
bemühte mich, ihr Redensarten vorzudrechseln. Sie sah sittig vor sich
nieder und erwiderte leise den Druck meiner Hand; da trat unversehens
hinter uns der Mond aus den Wolken hervor -- und sie sah nur _ihren_
Schatten vor sich hinfallen. Sie fuhr zusammen und blickte bestürzt mich
an, dann wieder auf die Erde, mit dem Auge meinen Schatten begehrend;
und was in ihr vorging, malte sich so sonderbar in ihren Mienen, daß ich
in ein lautes Gelächter hätte ausbrechen mögen, wenn es mir nicht selber
eiskalt über den Rücken gelaufen wäre.
Ich ließ sie aus meinem Arm in eine Ohnmacht sinken, schoß wie ein Pfeil
durch die entsetzten Gäste, erreichte die Tür, warf mich in den ersten
Wagen, den ich da haltend fand, und fuhr nach der Stadt zurück, wo ich
diesmal zu meinem Unheil den vorsichtigen _Bendel_ gelassen hatte. Er
erschrak, als er mich sah, ein Wort entdeckte ihm alles. Es wurden auf
der Stelle Postpferde geholt. Ich nahm nur einen meiner Leute mit mir,
einen abgefeimten Spitzbuben, Namens _Raskal_, der sich mir durch seine
Gewandtheit notwendig zu machen gewußt, und der nichts vom heutigen
Vorfall ahnen konnte. Ich legte in derselben Nacht noch dreißig Meilen
zurück. _Bendel_ blieb hinter mir, mein Haus aufzulösen, Gold zu spenden
und mir das Nötigste nachzubringen. Als er mich am andern Tage einholte,
warf ich mich in seine Arme und schwur ihm, nicht etwa keine Torheit
mehr zu begehen, sondern nur künftig vorsichtiger zu sein. Wir setzten
unsre Reise ununterbrochen fort, über die Grenze und das Gebirg, und
erst am andern Abhang, durch das hohe Bollwerk von jenem Unglücksboden
getrennt, ließ ich mich bewegen, in einem nahgelegenen und wenig
besuchten Badeort von den überstandenen Mühseligkeiten auszurasten.
4.
Ich werde in meiner Erzählung schnell über eine Zeit hineilen müssen,
bei der ich wie gerne! verweilen würde, wenn ich ihren lebendigen Geist
in der Erinnerung heraufzubeschwören vermöchte. Aber die Farbe, die sie
belebte und nur wieder beleben kann, ist in mir verloschen, und wann ich
in meiner Brust wieder finden will, was sie damals so mächtig erhob, die
Schmerzen und das Glück, den frommen Wahn -- da schlag' ich vergebens an
einen Felsen, der keinen lebendigen Quell mehr gewährt, und der Gott
ist von mir gewichen. Wie verändert blickt sie mich jetzt an, diese
vergangene Zeit! -- Ich sollte dort in dem Bade eine heroische Rolle
tragieren, schlecht einstudiert, und ein Neuling auf der Bühne, vergaff'
ich mich aus dem Stücke heraus in ein Paar blaue Augen. Die Eltern, vom
Spiele getäuscht, bieten alles auf, den Handel nur schnell festzumachen,
und die gemeine Posse beschließt eine Verhöhnung. Und das ist alles,
alles! -- Das kommt mir albern und abgeschmackt vor und schrecklich
wiederum, daß so mir vorkommen kann, was damals so reich, so groß die
Brust mir schwellte. Mina, wie ich damals weinte, als ich dich verlor,
so wein' ich jetzt, dich auch in mir verloren zu haben. Bin ich denn so
alt worden? -- O traurige Vernunft! Nur noch ein Pulsschlag jener Zeit,
ein Moment jenes Wahnes -- aber nein! einsam auf dem hohen, öden Meere
deiner bittern Flut, und längst aus dem letzten Pokale der Champagner
Elfe entsprüht!
Ich hatte _Bendel_ mit einigen Goldsäcken vorausgeschickt, um mir im
Städtchen eine Wohnung nach meinen Bedürfnissen einzurichten. Er hatte
dort viel Geld ausgestreut und sich über den vornehmen Fremden, dem er
diente, etwas unbestimmt ausgedrückt, denn ich wollte nicht genannt
sein, das brachte die guten Leute auf sonderbare Gedanken. Sobald mein
Haus zu meinem Empfang bereit war, kam _Bendel_ wieder zu mir und holte
mich dahin ab. Wir machten uns auf die Reise.
Ungefähr eine Stunde vom Orte, auf einem sonnigen Plan, ward uns der Weg
durch eine festlich geschmückte Menge versperrt. Der Wagen hielt. Musik,
Glockengeläute, Kanonenschüsse wurden gehört, ein lautes Vivat
durchdrang die Luft -- vor dem Schlage des Wagens erschien in weißen
Kleidern ein Chor Jungfrauen von ausnehmender Schönheit, die aber vor
der einen, wie die Sterne der Nacht vor der Sonne, verschwanden. Sie
trat aus der Mitte der Schwestern hervor, die hohe zarte Bildung kniete
verschämt errötend vor mir nieder und hielt mir auf seidenem Kissen
einen aus Lorbeer, Ölzweigen und Rosen geflochtenen Kranz entgegen,
indem sie von Majestät, Ehrfurcht und Liebe einige Worte sprach, die ich
nicht verstand, aber deren zauberischer Silberklang mein Ohr und Herz
berauschte -- es war mir, als wäre schon einmal die himmlische
Erscheinung an mir vorübergewallt. Der Chor fiel ein und sang das Lob
eines guten Königs und das Glück seines Volkes.