»Hast du ihn denn gehört?«
»Er soll ja spielen wie einer, der sich nach der Seligkeit sehnt und
doch weiß, daß er sie niemals gewinnen kann.«
Bei diesen Worten trat er weiter vor. Er stand ihr jetzt so nahe, daß
sie ihm gut die Haarlocke aus der Stirne hätte streichen können; sie
wagte es aber nicht.
»Ja, ganz recht, so ist es«, sagte er. »Ich bin auch einer, dem der
Himmel verschlossen ist.«
Zugleich schlug er die Hände vors Gesicht und schluchzte laut.
Es war herzzerreißend; und Maja Lisa hätte gern ihr Leben hingegeben, um
die Qual, die ihn marterte, zu lindern.
»Was ist dir? Was ist dir?« fragte sie. »Hast du etwas Böses getan? Hast
du ohne deine Absicht jemand umgebracht?«
Sie verstummte jäh. Dies war ja das Schlimmste, was sie hätte sagen
können!
Er nahm die Hände vom Gesicht und streckte die geballten Fäuste aus.
»Ich bin ein Mörder, ich weiß es. Eine Zeitlang hab' ich es jede Nacht
aufs neue durchgemacht. Ich spielte ihr den Todestanz, und sie tanzte,
bis sie tot umfiel. Man sieht es mir wohl an, was ich für einer bin.«
Maja Lisa konnte nichts entgegnen; es war gewiß am besten, sie ließ ihn
ausreden, nachdem er nun im Zug war.
»Im letzten Winter hab' ich ihr nicht mehr vorgespielt. Deshalb hab' ich
es gewagt, um dich zu freien, Maja Lisa. Ich glaubte, _sie_ wolle es. Aber
sie war es nicht, die es wollte, nein, nur _ich_ selbst hab' es gewollt.«
Zu sprechen wagte Maja Lisa nicht; aber sie streckte die Hand aus, um
sie ihm auf die Stirne zu legen und ihn zu beruhigen. Er aber fuhr
zurück, bis er außer dem Bereich ihrer Hand war.
»Du hättest mich nicht bitten sollen, zu spielen, nie, nie! Die Saiten
an meiner Geige hättest du zerschneiden sollen, sobald du mich spielen
hörtest. Das Geigenspiel hat alles wieder ins Leben zurückgerufen.«
Er lachte unbeschreiblich wild und unheimlich auf.
»Ich bin hierhergeeilt, sobald ich deine Botschaft bekommen hatte, und
ich nahm meine Geige mit, weil ich dachte, sie könne dich besser trösten
als ich. Aber als die Saiten einmal gerührt waren, da wachte alles,
alles wieder auf. Ich sah das große Zimmer vor mir, wo sich die
stampfenden, erhitzten Paare hurtig im Kreise drehten, und zwischen
ihnen sah ich eine, die so leicht und fein dahinschwebte, als gehörte
sie gar nicht zu den andern. Und da spielte ich nur noch für sie, ganz
allein für sie. Und da jagte ich sie in den Tod.«
Er rang die Hände, daß sie knackten.
»Und ich glaubte, ich könnte das vergessen! Könnte den Gewissensqualen
entgehen und glücklich werden! Könnte von dem Gelübde frei werden, das
ich an ihrem Grabe abgelegt habe! Ich war wie verzaubert, hatte alles
vergessen, bis mich die Geige wieder zu mir selbst brachte.«
Maja Lisa war es, als sei sie gar nicht mehr für ihn vorhanden; aber sie
wollte trotzdem noch einen Versuch machen, sich und ihr Recht zu
behaupten.
»Denkst du gar nicht mehr an mich?« fragte sie. »Auch mir hast du dein
Wort gegeben.«
»Ja, ich hab' es dir gegeben, weil ich glaubte, _sie_ wolle es. Aber jetzt
weiß ich es besser. Sie will mich ganz allein haben, verstehst du? Du
mußt mich freigeben.«
»Ach, Liebster, wie könnte ich dich freigeben? Ich habe ja niemand als
dich. Wenn es sich um eine Lebende handelte, die ein Recht auf dich
hätte, dann müßte es wohl sein. Aber ich sehe nicht ein, warum ich dich
einer Toten abtreten soll.«
In Maja Lisas Stimme mußte etwas gelegen haben, das ihn rührte. Er sah
zu ihr auf, und dabei verschwand der düstere, erschreckende Ausdruck aus
seinem Gesicht. Er hielt noch immer die Geige und den Bogen in der Hand,
und plötzlich kam es ihm beschwerlich vor, sie noch länger halten zu
müssen; aber er wollte sie nicht auf die Erde legen, und so reichte er
sie Maja Lisa zum Fenster hinein. Maja Lisa nahm sie schweigend in
Empfang und legte sie auf einen Tisch im Zimmer.
Als sie darauf wieder ans Fenster trat, griff er nach ihren beiden
Händen. Er drückte sie gegen seine Stirne und hielt sie so eine Weile
ganz still fest, wohl damit sie fühlen sollte, wie heiß und verwirrt
seine Gedanken da drinnen durcheinanderwogten. Darauf begann er mit
unsäglich trauriger Stimme und mit vielen Unterbrechungen, aber doch so,
daß sie ihn wiedererkennen konnte, zu reden.
»Nein, Maja Lisa, du darfst nicht glauben, daß ich es so meine, wie ich
vorhin gesagt habe. Nicht meinetwegen bitte ich dich, mich freizugeben,
nein, durchaus nicht. Aber ich kann nicht so gewissenlos sein, dich mit
in mein Unglück hineinziehen zu wollen. Jetzt hast du gesehen, wie ich
bin, wenn die Schwermut mich überkommt. Nun kannst du nicht mehr
wünschen, mit mir vereinigt zu werden.«
Er schwieg, wie um eine Antwort abzuwarten; aber Maja Lisa war so
betrübt und erschrocken, daß sie nichts zu sagen wußte, und so fuhr er
fort:
»Ich weiß ja recht wohl, wie es dir geht; und jetzt, wo du deinen Vater
verloren hast, möchte ich nichts lieber tun, als dir zur Seite stehen
und dir helfen. Aber bedenke: was du auch Schweres von deiner
Stiefmutter erleiden magst, kann in keiner Weise mit dem Elend
verglichen werden, das dich erwartet, wenn du mit mir vereinigt wirst.
Ich muß dir bekennen, ich kann nicht anders. Es kann mich zuzeiten eine
so tiefe Schwermut überkommen, daß ich es nicht mehr daheim aushalte,
sondern in die Wildnis hinauswandere und dort, ohne mit einem Menschen
zu verkehren, oft wochenlang umherstreife, ja und bisweilen stürze ich
mich auch in das wildeste Leben hinein, nur um Vergessen zu finden.
Ach, aber das verstehst du doch wohl, Maja Lisa, daß ich dich zu
liebhabe, um dich in dieses hineinziehen zu wollen. Ich hätte mich dir
nie nähern sollen, und ich würde es auch nicht getan haben, wenn ich
nicht geglaubt hätte, ich sei geheilt.«
Wieder hielt er inne; da Maja Lisa aber ihre Antwort noch nicht fertig
hatte, fuhr er fort:
»Vorhin fühlte ich fast Zorn gegen dich in meinem Herzen aufsteigen,
weil ich deinetwegen wieder gespielt hatte; denn gerade das Spiel hat
mir gezeigt, daß das Schwere und Düstere noch immer in meinem Herzen
wohnt. Und da hab' ich gewünscht, diese Gefahr wäre mir gar nicht zum
Bewußtsein gekommen, und wir hätten geheiratet, während ich noch
glaubte, alles stehe gut. Aber das wirst du doch verstehen, daß ich nur
einen einzigen Augenblick so dachte. Ich habe dich zu lieb, Maja Lisa,
ja, ja, zu lieb, um zu wünschen, daß du meine Frau werden sollst.«
Während er all dies sagte, sah ihn Maja Lisa unverwandt an. Sie begriff,
er sprach die Wahrheit, wenn er sagte, er leide an tiefer Schwermut, und
es war wohl möglich, daß sie, wenn sie ihn heiratete, noch unglücklicher
wurde, als wenn sie wieder unter die Herrschaft der Stiefmutter kam.
Aber sie konnte an nichts anderes denken, als daß sie ihm zur Seite
stehen und ihm helfen wollte.
»Ach,« sagte sie, »das weißt du doch wohl, daß ich lieber Sorgen und
Unglück mit dir teile, als mit einem andern lauter frohe Tage verleben
möchte. Wenn es wahr ist, daß du mich lieb hast, dann sollst du nicht
von mir gehen. Wie könnte ich -- --«
Sie verstummte plötzlich, denn sie sah ja, daß das, was sie sagte, keine
Macht über ihn hatte.
»Ach,« dachte sie, »wie kann ich ihn doch zu der Einsicht bringen, daß
es das größte Unglück für mich ist, wenn ich nicht bei ihm sein und ihm
nicht in seiner Not beistehen darf!«
»Das ganze Jahr hindurch«, dachte sie weiter, »habe ich immerfort in
Sorge und Angst gelebt. Nun sollte ich doch etwas gelernt haben. Ich bin
jetzt kein solches Kind mehr wie damals, wo ich meinen guten Vater
verloren habe, und ich will über das alles, was ich zu erdulden hatte,
nicht klagen, wenn ich nur dadurch an Verstand so zugenommen habe, daß
ich jetzt den, den ich liebe, festzuhalten vermag.«
Sie schlug die Augen auf und sah über den Garten hin, wie wenn sie
jemand suchte, der ihr helfen könnte. Und da war sie ganz überrascht.
Wohl möglich, daß sie gestern kein Auge für so etwas gehabt hatte,
möglich auch, daß es erst über Nacht so geworden war. Jedenfalls hatte
sie vor diesem Augenblick nicht bemerkt gehabt, daß in Vaters Obstgarten
alle Apfelbäume in voller Blüte standen. Es war, als dehne sich ein
großes weiß und rosa schimmerndes Dach vom Wohnhaus bis hinüber zu dem
Birkengehölz, das den Garten gegen den Nordwind beschützte. Alle Zweige
waren mit Blüten bedeckt, ja, Maja Lisa war es, als entfalteten sie
sich, während ihr Blick auf ihnen ruhte. Eine große Menge Bienen und
Hummeln schwirrten und summten um die duftenden, schimmernden Blüten.
Die Sonne war über den Berggipfel emporgestiegen, ihre Strahlen lagen
auf den Baumwipfeln des Gehölzes, sie glitten und tanzten über die
Ackerfelder hin, als hätten sie große Eile, zu den glänzenden
Apfelblüten hinzugelangen, um ihnen noch mehr Glanz und Schimmer zu
verleihen, als sie schon vorher hatten.
Als Maja Lisa dies sah, war es ihr, als müßte ihr das Herz vor Mitleid
brechen.
»Der Ärmste, der Ärmste!« dachte sie. »Ist es verwunderlich, daß er
schwermütig ist? Seit seinem vierzehnten Jahre hat er keine Heimat mehr
gehabt. Das würde anders werden, wenn ich ihn hier auf Lövdala hätte.
Welch eine gute Heimat könnte ich ihm bereiten! Ich weiß, wie schön ich
es bis zum letzten Jahre immer gehabt habe. Schließlich würde er hier
unter den Apfelbäumen ebenso glücklich umherwandeln wie einst mein guter
Vater. Ach, wenn ich doch nur für ihn sorgen dürfte!«
Sie wurde ganz rot vor Eifer, und ihre Augen glänzten. Wenn es ihr doch
nur gelänge, so von Lövdala mit ihm zu reden, daß er verstand, wie
herrlich es hier war und daß ihm eine solche gute Heimat gerade fehlte!
Sie erwachte aus ihren Gedanken, als Liljecrona ihre Hände, die er noch
immer festgehalten hatte, losließ.
»Gib mir meine Geige wieder, damit ich gehen kann«, sagte er. »Ich sehe,
du begreifst, daß mir keine andere Wahl bleibt.«
Sie konnte sich nicht darüber verwundern, daß er glaubte, sie wolle ihn
gehen lassen. Da stand sie ja noch immer und suchte nach den richtigen
Worten, die ihn zurückhalten sollten, fand sie aber nicht.
»Liebster,« sagte sie nun hastig, »du brauchst doch wohl nicht so rasch
zu gehen. Willst du dich nicht wenigstens erst auf Lövdala etwas
umsehen? Ist es nicht wunderschön hier mit all den herrlichen Blüten?
Siehst du den Sonnenschein, der wie Gold auf dem Grase liegt? Möchtest
du denn nicht -- --«
Sie kam nicht weiter, wieder fehlten ihr die Worte. Ach, sie hätte so
gerne von der guten Heimat mit ihm gesprochen, die sie und er hier auf
Lövdala miteinander bauen würden; aber es war ihr, als sei das nichts,
was einen Wert in seinen Augen hätte. Eine gute Heimat bedeutete für ihn
durchaus nicht dasselbe wie für sie.
Wieder bat er sie um die Geige. Danach, sagte er, werde er ihren Weg nie
mehr kreuzen.
Sie legte die Hand aufs Herz und atmete schwer. Nun würde er gehen und
nie wiederkommen. Und sie konnte und konnte die Worte nicht finden, die
Macht über ihn haben würden; sie konnte ihn nicht zurückhalten.
Nein, sie wußte keinen Ausweg, sie mußte ihm nachgeben. So trat sie vom
Fenster zurück, um die Geige zu holen und sie ihm auszuhändigen.
Aber als sie die Geige in der Hand hielt, blieb sie unbeweglich stehen;
höchst wunderliche Gedanken stiegen in ihrem Herzen auf.
Jetzt hielt sie das in der Hand, was die größte Macht über ihn gehabt
hatte. Diese Geige war in früheren Tagen seine Stärke und sein Trost
gewesen.
Sie begriff, sie begriff! Diese Geige war es, die Musik, die er auf ihr
spielte, sie war für ihn das, was für sie selbst Lövdala war. Die Musik,
sie war seine Heimat. Sie, sie konnte ihm Ruhe, Sicherheit und
Erquickung bringen. Wenn er spielte, spannten die Töne ein Dach über
seinem Haupte aus, das strahlender war als Apfelblüten und Sonnenschein.
Dann trat er ein in seine wahre Heimat, sie, die während seiner ganzen
einsamen Jugendzeit seine Zuflucht gewesen war.
In früheren Zeiten hatte er schwere Tage aushalten können, ohne zu
erliegen, nur weil er seine Geige gehabt hatte. Da hatte er nur den
Bogen in die Hand zu nehmen brauchen, um sich eine Welt zu erschließen,
in der er sich glücklich fühlte. Jetzt aber hatte die Schwermut die
Oberhand bekommen, weil er während der letzten Jahre nicht mehr hatte
spielen können.
Ach, wie unglücklich würde sie sich fühlen, wenn sie nicht auf Lövdala
bleiben dürfte! Wie verloren, wie einsam würde sie in der Fremde sein!
Und so war es wohl auch bei ihm; er konnte sich da nicht zurechtfinden,
wußte nicht mehr, wo er sich Ruhe und Erquickung holen sollte.
Und plötzlich fühlte sich Maja Lisa ihrer selbst ganz sicher. Nun kannte
sie ja seine Krankheit, nun wußte sie auch, wie das Heilmittel hieß.
Wenn sie nur diese, seine richtige Heimat wieder für ihn öffnen konnte,
dann wurde er wieder wie früher und konnte das überwinden, was ihn
jetzt quälte.
Sie trat wieder ans Fenster, behielt aber die Geige in der Hand.
»Liebster,« sagte sie, »darf ich dich um eins bitten, ehe du gehst?
Hier, nimm die Geige und spiele noch einmal. Es wäre ja möglich, daß es
dir vorhin so schwer wurde, weil es das erstemal war, seit das Unglück
geschehen ist. Aber ich kann nicht glauben, daß es immer so bleiben
wird. Willst du nicht noch einen Versuch machen, damit ich dich doch
schließlich einmal richtig geigen höre? Du wirst dich doch wohl
überwinden und mir zuliebe spielen können? Vorhin hast du ja gesagt, du
habest den ganzen Winter hindurch nicht an dieser Schwermut gelitten,
weil du glaubtest, du seiest geheilt. Vielleicht ist es auch so; das
Böse ist gewiß nicht tatsächlich zurückgekehrt, ich kann es nicht
glauben. Du wirst sehen, wenn du es jetzt noch einmal wagst ...«
Er zuckte die Schultern. »Es ist unmöglich«, sagte er; »es wird nur
siebenmal schlimmer.«
Aber sie bestand darauf, und sie bat:
»Du brauchst nie mehr etwas für mich zu tun, da wirst du mir doch diese
eine Bitte nicht abschlagen, jetzt wo wir voneinander scheiden? Wenn du
von mir gehst, ohne gespielt zu haben, wird es dich nachher reuen, daß
du mir das letzte, um das ich dich gebeten hatte, versagt hast.«
Er sah noch immer gleich bedrückt aus, aber er gab doch nach.
»Ich weiß, wie es gehen wird,« sagte er, »und du weißt es auch. Aber ich
will dir trotzdem deinen Wunsch erfüllen.«
Maja Lisa strich mit der Hand leicht über die Geige hin. »Liebe, liebe
Geige,« flüsterte sie, »hilf mir, ach, hilf mir!«
Als Liljecrona die Geige in die Hand nahm, lag schon eine düstere
unheilverkündende Wolke auf seiner Stirne. Und als er die ersten
Bogenstriche machte, klangen die Töne ebenso verwirrt und unharmonisch
wie am Schlusse des ersten Mals.
Er warf Maja Lisa einen Blick zu, wie um ihr Vorwürfe zu machen, daß sie
ihn in dieses neue Elend hinein gelockt hatte.
Maja Lisas Herz klopfte zum Zerspringen; aber sie wollte keine Angst
zeigen. Sie blieb am Fenster stehen, ja sie zwang sogar ein
hoffnungsvolles Lächeln auf ihre Lippen.
Und siehe! jetzt klang das Spiel schon etwas weniger angstvoll und
verzweifelt. Jetzt drang Licht durch die Wolken -- jetzt stürzte die
Mauer des Gefängnisses ein -- jetzt zersprangen die Fesseln, die die
Seele gefangenhielten.
Jetzt ging es aufwärts mit Blitzesschnelle -- aber es sank wieder
zurück. Ein harter Kampf entspann sich. Jetzt war das Spiel in der
tiefsten Tiefe, es schien fast unglaublich, daß es je wieder in die Höhe
kommen könnte. Aber dann rang es sich doch wieder empor. Es stieg und
sank, stieg und sank. Aber dann plötzlich schwang es sich hinauf,
hinauf wie auf Engelsflügeln! Es flog zum Himmel empor, voller Jubel und
Freude, höher, höher als irdische Stimmen und irdische Gedanken reichen
-- jetzt war es droben im klarsten Ätherraum! Der Himmel öffnete sich,
und es versuchte, dessen Seligkeit auszudrücken ...
Plötzlich senkte Liljecrona den Bogen. Es war, als sei er auf dem
höchsten Punkt seines Vermögens angekommen, noch mehr konnte er nicht
vollbringen. Sein Spiel war so hoch hinaufgestiegen, daß es ihm vor
lauter Licht und Pracht und Herrlichkeit schwindelte.
Er sah Maja Lisa an. Große, schwere Tränen standen in ihren Augen, und
sie hatte die Hände gefaltet. Ihr ganzes Gesicht leuchtete verklärt. Sie
war nicht mehr auf der Erde; sie war mit ihm zum Himmel aufgefahren.
Ihr Atem ging schwer. Nein, sie hatte ihn nicht nur begleitet, sie war
ihm vorausgeschwebt! Niemals hatte ihn sein Spiel so hoch hinaufgeführt.
Ihre Liebe war es, die ihn aus der Finsternis emporgetragen hatte.
Nun war es ihr, als könnte sie ihn über alle Dunkelheit des Lebens
hinaufheben. Sie fühlte, ihre Liebe konnte alle Angst, alle Verzweiflung
überwinden.
Er zog ihre Hände an sich und küßte sie.
»Bist du nun in deiner rechten Heimat gewesen?« flüsterte sie.
»Maja Lisa, Liebste, Geliebte, so hab' ich noch nie gespielt! Du warst
es, deine Liebe war es, die gespielt hat -- ich, ich war es nicht.
Mag es nun zu deinem Unglück oder zu deinem Glück sein -- ich muß hier
bleiben. Du, du sollst mir helfen, und du mußt mich hier festhalten.«
* * * * *
Es war ganz still im Garten, wo sich die blühenden Apfelbäume wie eine
Kirche über dem jungen Menschenpaar wölbten.
* * * * *
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Anmerkungen zur Transkription:
Offensichtliche Druckfehler im Text wurden korrigiert, die Schreibweise
ansonsten aber wie im Original belassen.
Auflistung aller gegenüber dem Originaltext vorgenommenen Korrekturen:
Seite 36: »Ja,« antwortete die Kleine, »und ich bin gekommen, Euch zu
helfen.« --> Anführungszeichen vor 'und' ergänzt.
Seite 59: 'Und das will ein Pfarrer und ein Diener Gottes sein!' -->
einfaches Anführungszeichen vor 'Und' ergänzt.
Seite 78: 'Ja, ich muß dir wirklich --> »Ja, ich muß dir wirklich
einfaches Anführungszeichen durch doppeltes Anführungszeichen ersetzt.
Seite 87: wie unglücklich es Schneewitt-wittchen --> Schneewittchen
('witt' entfernt)