Euer wohlaffektionierter Freund, d e r S a t a n."

Man kann sich leicht denken, wie sehr mich dieser Brief freute. Ich

lief sogleich damit zu dem wackern Mann, der meine Sache geführt

hatte; ich zeigte ihm den Brief, ich erklärte ihm, appellieren zu

wollen an ein höheres Gericht und den Originalbrief beizulegen.

Er zuckte die Achseln und sprach: „Lieber, sie wohnen zusammen in e i

n e r Hausmiete, die Kriminalen; ob Ihr um eine Treppe höher steigen

wollet, aus dem Entresol in die Beletage zu den Vornehmeren, das ist

einerlei; Ihr fallet nur um so tiefer, wenn sie Euch durchfallen

lassen. Doch an mir soll es nicht fehlen."

So sprach er und focht für mich mit erneuerten Kräften; doch--was half

es? Sie stimmten ab, erklärten den persischen für den echten,

alleinigen Teufel, der allein das Recht habe, Teufeleien zu schreiben,

und der Prozeß ging auch in der Beletage verloren.

Da faßte mich ein glühender Grimm; ich beschloß, und wenn es mich den

Kopf kosten sollte, doch den zweiten Teil herauszugeben, ich nahm das

Manuskript unter den Arm, raffte mich auf und----erwachte.

Freundlich strahlte die Frühlingssonne in mein enges Stübchen, die

Lerchen sangen vor dem Fenster, und die Blütenzweige winkten herein,

mich aufzumachen und den Morgen zu begrüßen.

Verschwunden war der böse Traum von Prozessen, Justizräten,

Klein=Justheim und alles, was mir Gram und Ärger bereitete,

verschwunden, spurlos verschwunden.

Ich sprang auf von meinem Lager, ich erinnerte mich, den Abend zuvor

bei einigen Gläsern guten Weins über einen ähnlichen Prozeß mit

Freunden gesprochen zu haben; da war mir nun im Traume alles so

erschienen, als hätte ich selbst den Prozeß gehabt, als wäre ich

selbst verurteilt worden von Kriminalrichtern und Klein=Justheimer

Schöppen.

Ich lächelte über mich selbst. Wie pries ich mich glücklich, in einem

Lande zu wohnen, wo dergleichen juridische Exzesse gar nicht

vorkommen, wo die Justiz sich nicht in Dinge mischt, die ihr fremd

sind, wo es keine Wackerbarte gibt, die einen solchen Fund für gute

Prise erklären, das Recht zum Gliedermann machen und drauflos

hantieren und drehen, ob es biege oder breche, wo man Erzeugnisse des

Geistes nicht als Ware handhabt und Satire versteht und zu würdigen

weiß, wo man weder auf den Titel eines persischen Geheimen Hofrats,

noch auf irgend dergleichen Rücksicht nimmt.

So dachte ich, pries mich glücklich und verlachte meinen komischen

Prozeßtraum.

Doch wie staunte ich, als ich hintrat zu meinem Arbeitstisch! Nein, es

war keine Täuschung, da lag er ja, der Brief des Satans, wie ich ihn

im Traume gelesen, da lag das Manuskript, das er mir im Brief

verheißen. Ich traute meinen Sinnen kaum, ich las, ich las wieder, und

immer wurde mir der Zusammenhang unbegreiflicher.

Doch ich konnte ja nicht anders, ich mußte seinen Wink befolgen und

seinen „Besuch in Frankfurt" dem zweiten Teile einverleiben.

Ich gestehe, ich tat es ungern. Ich hatte schon zu diesem Teile alles

geordnet; es fand sich darin eine Skizze, die nicht ohne Interesse zu

lesen war, ich meine die Szene, wie er mit Napoleon eine Nacht in

einer Hütte von Malojaroßlawez zubrachte und wie von jenen

Augenblicken an so vieles auf geheimnisvolle Weise sich gestaltet im

Leben jenes Mannes, dem selbst der Teufel Achtung zollen mußte.

vielleicht--weil er ihm nicht beikommen konnte, doch--vielleicht ist

es möglich, dieses merkwürdige Aktenstück dem Publikum an einem andern

Orte mitzuteilen.

Noch war ich mit Durchsicht und Ordnen der Papiere beschäftigt, da

wurde die Türe aufgerissen, und mein Freund Moritz stürzte ins Zimmer.

„Weißt du schon?" rief er. „Er hat ihn verloren."

„Wer? Was hat man verloren?"

„Nun, von was wir gestern sprachen, den Prozeß gegen Clauren meine

ich, wegen des M a n n e s i m M o n d e!"

„Wie? Ist es möglich!" entgegnete ich, an meinen Traum denkend. „Unser

Freund, der Kandidatus Bemperlein? Den Prozeß?"

„Du kannst dich drauf verlassen; soeben komme ich vom Museum, der

Verleger sagte es mir, soeben wurde ihm das Urteil publiziert."

„Aber wie konnte dies doch geschehen, Moritz? War er etwa auch in

Klein=Justheim anhängig?"

„Klein=Justheim? Du fabelst, Freund!" erwiderte der Freund, indem er

besorgt meine Hand ergriff. „Was willst du nur mit Klein=Justheim, wo

gibt es denn einen solchen Ort?"

„Ach," sagte ich beschämt, „du hast recht; ich dachte an--meinen

Traum."

* * * * *

Mitteilungen aus den Memoiren des Satan · 第 36 / 51 题