zu dem vor dem Kriminalgericht Klein=Justheim, unter dem 4. Dezember
1825 gefällten Erkenntnis in der Untersuchungssache gegen den
_Dr_. .....f w e g e n B e t r u g e s.
1. Es ist durch das Zugeständnis des Angeklagten erhoben, daß er keine
Beweise beizubringen weiß, daß die von ihm herausgegebenen Memoiren
des Satan wirklich von dem bekannten echten Teufel, so gegenwärtig als
Geheimer Hofrat in persischen Diensten lebt, herrühren. Ferner hat der
Angeschuldigte .....f zugegeben, daß die in öffentlichen Blättern
darüber enthaltene Ankündigung mit seinem Wissen gegeben sei.
2. Die letztgedachte Ankündigung ist also abgefaßt, daß hieraus die
Absicht des Verfassers, die Lesewelt glauben zu machen, daß die
Memoiren des Satan" von dem wahren, im Alten und Neuen Testament
bekannten und neuerdings als Schriftsteller beliebten Teufel
geschrieben seien, nur allzu deutlich hervorleuchten tut.
3. Durch diese Verfahrungsart hat sich der Angeklagte .....f eines
Betruges, alldieweilen solcher im allgemeinen in jedweder aus
impermissen Kommodum für sich oder Schaden anderer gerichteten
unrechtlichen Täuschung anderer, entweder, indem man falsche Tatsachen
mitteilt oder wahre dito nicht angibt--besteht; oder, um uns näher
auszudrücken, da hier die Sprache v o n e i n e r W a r e u n d
g e d r u c k t e m B u c h ist--einer F ä l s c h u n g schuldig
gemacht; denn durch den Titel Memoiren des Satan" und die Anpreisung
des Buches wurde der Lesewelt falsch vorgespiegelt, daß das Buch
ausdrücklich von dem unter dem Namen Satan bekannten, k. persischen
Geheimen Hofrat Teufel verfaßt sei, was beim Verkauf des Werkes
verursachte, daß es schneller und in größerer Quantität abging, als
wenn das Büchlein unter dem Namen des Herrn .....f, so dem Publiko noch
gar nicht bekannt ist, erschienen wäre, und wodurch die, so es
kauften, in ihrer schönen Erwartung, ein echtes Werk des Teufels in
Händen zu haben, schnöde betrogen wurden.
4. Wenn der Herr _Dr_. .....f, um sich zu entschuldigen, dagegen
einwendet, daß der Name Satan in Deutschland nur ein angenommener sei,
worauf der Teufel, wie man ihn gewöhnlich nennt, keinen Anspruch zu
machen habe, so bemerken wir Kriminalleute von Klein=Justheim sehr
richtig, daß sich .....f auf den Gebrauch jenes angenommenen, übrigens
bekanntermaßen den Teufel sehr wohl bezeichnenden Namens nicht
beschränkt, sondern in dem Werke selbst überall durchblicken läßt,
namentlich in der Einleitung, daß der Verfasser derjenige Teufel oder
Satan sei, welcher dem Publiko, besonders dem Frauenzimmer, wie auch
denen Gelehrten durch frühere Opera, z. B. die Elixiere des Teufels
_et cetera_ rühmlichst bekannt ist, wodurch wohl ebenfalls
niemand anderes gemeint ist als der Geheime Hofrat Teufel.
5. Man muß lachen über die Behauptung des Inkulpaten, daß das in Frage
stehende Opuskulum, wie auch nicht destoweniger seine Anzeige,
eigentlich eine Satire auf den Teufel und jegliche Teufelei jetziger
Zeit sei! Denn diese Entschuldigung wird durch den Inhalt der Schrift
selbst widerlegt; ja, jeder Leser von Vernunft muß das auch wohl eher
für eine etwas geringe Nachäffung der Teufeleien als für--eine Satire
auf dieselben erkennen. Wäre aber auch, was wir Juristen nicht
einzusehen vermögen, das Werk dennoch eine Satire, so ist durchaus
kein günstiger Umstand für .....f zu ziehen, weil derjenige Käufer, der
etwas E c h t e s, vom Teufel Verfaßtes kaufen wollte, erst nach dem
Kauf entdecken konnte, daß er betrogen sei.
6. Außer der völlig rechtswidrigen Täuschung der Lesewelt,
Leihbibliotheken _et cetera_, ist in der vorliegenden Defraudation
auch ein Verbrechen gegen den begangen, dessen Name oder
Firma mißbraucht worden, nämlich und spezialiter gegen den Geheimen
Hofrat Teufel, welcher sowohl als Gelehrter und Schriftsteller, als
von wegen des Honorars seiner übrigen Schriften sehr dabei
interessiert ist, daß nicht das Geschreibsel anderer als von ihm
niedergeschrieben, wie auch erdacht, angezeigt und verkauft werde.
7. Wenn endlich der Angeklagte behauptet, daß er das Buch arglos
herausgegeben, ohne das Klein=Justheimer Recht hierüber zu kennen, daß
ihn auch bei der Fälschung durchaus keine gewinnsüchtigen Absichten
geleitet hätten, so ist uns dies gleichgültig und haben nicht darauf
Rücksicht zu nehmen; denn Fälschung ist Fälschung, sei es, ob man
englische Teppiche nachahmt und als echt verkauft, aber Bücher
schreibt unter falschem Namen; ist alles nur verkäufliche Ware und
kann den Begriff des Vergehens nicht ändern, weil immer noch die
Täuschung und Anschmierung der Käufer restiert und zwar ebenfalls
nichts destominder auch alsdann, wenn die Memoiren des Satan gleichen
Wert mit den übrigen Büchern des Teufels hätten (was wir
Klein=Justheimer übrigens bezweifeln, da jener Geheimer Hofrat ist),
weil dem Ebengedachten schon das Unterschieben eines fremden
Machwerkes unter seinem Namen ein Schaden in juridischem Sinne sein
tut.
Es ist daher, wie man getan hat, erkannt worden usw. usw.
(Gez.) Präsident und Räte des Kriminalgerichts zu Klein=Justheim.
Hast du, geneigter Leser, nie die berühmten Nürnberger Gliedermänner
gesehen, so, kunstreich aus Holz geschnitzelt, ihre Gliedlein nach
jedem Druck bewegen? Hast du wohl selbst in deiner Jugend mit solchem
Männlein gespielt und allerlei Kurzweil mit ihm getrieben und
probiert, ob es nicht schöner wäre, wenn er z. B. das Gesicht im
Nacken trüge und den Rücken hinunterschaue, oder ob es nicht
vernünftiger wäre, wenn ihm die Beine ein wenig umgedreht würden, daß
er vor= und rückwärts spaziere, wie man es haben wolle? Das hast du
wohl versucht in den Tagen deiner Kindheit, und es war ein
unschuldiges Spiel; denn dem Gliedermann war es gleichgültig, ob ihm
die Beine über die Schulter herüberkamen oder nicht, ob er den Rücken
herabschaute oder vorwärts; er lächelte so dumm wie zuvor; denn er
hatte ja kein Gefühl, und es tat ihm nicht weh im Herzen; denn auch
dieses war ja aus Holz geschnitzelt und wahrscheinlich aus Lindenholz.
Aber selbst ein solcher Gliedermann sein zu müssen in den täppischen
Händen der Klein=Justheimer Kriminalen! Sie renkten und drehten mir
die Glieder, setzten mir den Kopf so oder so, wie es ihnen gefällig,
oder auch nach Vorschrift des Justinian, drehten und wendeten mein
Recht, bis der Kadaver vor ihnen lag auf dem grünen Sessionstisch, wie
sie ihn haben wollten, mit verrenkten Gliedern, und sie nun anatomisch
aufnotieren konnten, was für Fehler und Kuriosa an ihm zu bewerfen,
nämlich, daß er das Gesicht im Nacken, die Füße einwärts, die Arme
verschränkt _et cetera_ trage, ganz gegen alle Ordnung und Recht.
Ware, Ware! nannten sie deine Memoiren, o Satan, Ware! Als würde
dergleichen nach der Elle aus dem Gehirn hervorgehaspelt, wie es jener
Schwarzkünstler und Eskamoteur getan, der Bänder verschluckte und sie
herauszog, Elle um Elle aus dem Rachen. Warenfälschung, Einschwärzen,
Defraudation, o welch herrliche Begriffe, um zu definieren, was man
will! Und rechtswidrige Täuschung des Publikums? Wer hat denn darüber
geklagt? Wer ist aufgestanden unter den Tausenden und hat Zeter
geschrien, weil er gefunden, daß das Büchlein nicht von dem Schwarzen
selbst herrühre, daß er den Missetäter bestraft wissen wolle für diese
rechtswidrige Täuschung? O Klein=Justheim, wie weit bist du noch
zurück hinter England und Frankreich, daß du nicht einmal einsehen
kannst, Werke des Geistes seien kein nachgemachter Rum oder Arrak und
gehören durchaus nicht vor deine Schranken.
Traurig musterte ich das Manuskript des zweiten Teiles, der nun für
mich und das Publikum verloren war; ich dachte nach über das
Hohngelächter der Welt, wenn der erste nur ein Torso, ein schlechtes
abgerissenes Stück, verachtet auf den Schranken der Leihbibliotheken
sitze, trübselig auf die hohe Versammlung der Romane und Novellen
allerart herabschaue und ihnen ihre abgenützten Gewänder beneide, die
den großen Furor, welchen sie in der Welt machen, beurkunden, wie er
seine andere Hälfte, seinen Nebenmann, den zweiten, herbeiwünsche, um
verbunden mit ihm schöne Damen und Herren zu besuchen, was ihm jetzt,
als einem Invaliden, beinahe unmöglich war. Da wurde mir eines Morgens
ein Brief überbracht, dessen Aufschrift mir bekannte Züge verriet. Ich
riß ihn auf und las:
Wohlgeborener, sehr verehrter Herr!
Durch den Oberjustizrat Hammel, der vor einigen Tagen das Zeitliche
gesegnet und an mein Hoflager kam, erfuhr ich zu meinem großen Ärger
die miserablen Machinationen, die gegen Euch gemacht wurden. Bildet
Euch nicht ein, daß sie von mir herrühren. Mit großem Vergnügen denke
ich noch immer an unser Zusammentreffen in den drei Reichskronen zu
Mainz, und in meiner jetzigen Zurückgezogenheit und bei meinen vielen
Geschäften im Norden komme ich selten dazu, eine deutsche
Literaturzeitung zu lesen; aber einige Rezensenten, welche ich sprach,
versichern mich, mit welchem Eifer Ihr meine Memoiren herausgegeben
habt und daß das Publikum meine Bemühungen zu schätzen wisse. Der
Prozeß, den man Euch an den Hals warf, kam mir daher um so
unerwarteter. Glaubet mir, es ist nichts als ein schlechter
Kunstgriff, um mich nicht als Schriftsteller aufkommen zu lassen, weil
ich ein wenig über ihre Universitäten schimpfte und die ästhetischen
Tees, und Euch wollen sie nebenbei auch drücken. Lasset Euch dies
nicht kümmern, Wertester; gebet immer den zweiten Teil heraus, im
Notfall könnet Ihr gegenwärtige Schreiben jedermann lesen lassen,
namentlich den Wackerbart; saget ihm, wenn er meine Handschrift nicht
kenne, so kenne ich um so besser die seinige.
Ich kenne diese Leutchen, sie sind Raubritter und Korsaren, die jeden
berühmten Prozeß, der ihnen in die Hände fällt, für g u t e P r i s e
erklären, und wenn sie ihn festhaben in den Krallen, so lange deuteln
und drehen, bis sie ihn dahin entscheiden können, wo er ihnen am
meisten Ruhm nebst etzlichem Golde einträgt. Was war bei Euch von
beidem zu erheben? Ihr, ein armseliger Doktor der Philosophie und
Magister der brotlosen Künste, was seid Ihr gegen einen persischen
Geheimen Hofrat? Denket also, die Sache sei ganz natürlich zugegangen,
und grämet Euch nicht darüber. Was den persischen Geheimen Hofrat
betrifft, der meine Rolle übernommen hat, so will ich bei Gelegenheit
ein Wort mit ihm sprechen.
Hier lege ich Euch noch ein kleines Manuskriptchen bei, ich habe es in
den letzten Pfingstfeiertagen in Frankfurt aufgeschrieben, es ist im
ganzen ein Scherz und hat nicht viel zu bedeuten; doch schaltet Ihr es
im zweiten Teile ein; es gibt vielleicht doch Leute, die sich dabei
freundschaftlich meiner erinnern.
Gehabt Euch wohl; in der Hoffnung, Eure persönliche Bekanntschaft bald
zu erneuern, bin ich