Neben den toten Äbten schläft er nun. -- -- Und die maurische Ruine auf
dem Gipfel des Hügels wirft ihren stillen, ehrwürdigen Schatten auf sein
Grab. -- Viele kleine dunkelblaue Blumen und eine schmale Steintafel:
»#Requiescat in pace#.«
-- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- --
-- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- --
Der Kardinal von Saragossa hat einen jungen Abt geschickt.
Padre Ribas Sobri.
Ein sehr gelehrter Mann von tiefem Wissen -- erzogen in den Schulen der
Fratres vom Herzen Jesu.
Mit festem stechenden Blick -- hager und willensstark.
Vorbei sind die Zeiten süßen Nichtstuns -- die Knechte entlassen --, und
ächzend bücken sich wieder die feisten Mönche bei der Weinlese. -- Tief
in die Nacht müssen sie auf den Knien liegen und beten, beten.
Im Kloster herrscht die strenge Observanz: -- bleiernes Schweigen. --
Gesenkten Hauptes, aufrecht stehend, mit gefalteten Händen üben murmelnd
die Fratres die »Anmutungen«:
#Non est sanitas in carne mea a facie irae tuae: non est pax ossibus meis
a facie peccatorum meorum.#
Auf dem Hofe wächst das Gras zwischen den Steinen, und die weißen Tauben
sind fortgeflogen. Aus kahlen Zellen dringt die gramvolle »Betrachtung
der Strafen«:
#Unusquisque carnem brachii sui vorabit.#
Wenn der kalte Morgen schimmert, siehst du die dunkeln Gestalten zur
Kapelle ziehen, und summende Stimmen beten bei flackerndem Kerzenschein
das Salve Regina.
-- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- --
Die Weinlese ist vorüber. -- Streng befolgt Don Pedro Ribas Sobri die
Rezepte seines toten Vorgängers: seine eigenen Schuhe wirft er in die
offenen Fässer, genau wie jener. -- -- Es hallt in dem gewölbten
Keller, wie der süße Wein gärt und kämpft.
Der König wird zufrieden sein mit dem Guindre.
-- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- --
Die schönen Mädchen kommen nicht mehr und beichten nicht mehr. -- Sie
fürchten sich.
Schwer lastet die Scheu -- wortlos wie der mürrische Winter, der seine
harten Hände auf die toten Fluren legt. -- -- -- -- Und der Frühling
zieht vorüber und der tanzende junge Sommer -- -- und locken umsonst.
Verdrossen laden die Maultiertreiber um halben Lohn die schweren Fässer
in die Leiterkarren.
-- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- --
Don Pedro Ribas liest und zieht finster die Stirn: »-- der ehrwürdige
Vater muß sich wohl geirrt und anderen Wein geschickt haben. -- Das sei
doch nicht der alte Guindre -- gewöhnlicher >#Dulce del Color#<, wie
jede andere Sorte aus Malaga,« schreibt man aus der Hauptstadt.
Täglich kommen die Sendungen zurück. Volle Fässer. Aus Lissabon, aus
Madrid, aus Saragossa. -- -- --
Der Abt kostet -- kostet -- und vergleicht. Kein Zweifel -- es fehlt der
fremdartige würzige Duft.
Man holt den greisen Manuel -- der prüft und zuckt traurig die Achseln.
Ja, ja, der gute, alte Don Cesáreo, der hatte eine glückliche Hand; mehr
Segen als der junge Padre. -- Doch das darf man nicht laut sagen; -- die
Mönche raunen es einander zu.
-- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- --
Don Pedro sitzt Nacht um Nacht in seiner Zelle bei seltsamen Retorten,
und der Kerzenschein wirft den Schatten seines scharf geschnittenen
Profils an die kalkweiße Wand. -- Seine langen mageren Finger hantieren
an funkelnden Gläsern mit häßlichen, dünnen Hälsen. --- Abenteuerliche
Werkzeuge und Kolben stehen umher. -- Ein spanischer Alchimist!
Vergessen die Observanz -- -- -- die ermatteten armen Mönche schlafen
tief und fest. -- -- -- --
Das tut nicht gut! -- Mit weißen Pulvern und den gelben beißenden
Wässern Luzifers findest du nicht, was die schweigsame Natur in
verschlossene Bücher schrieb mit heimlichem Finger. -- -- --
Die Herzöge werden ihn wohl nie mehr trinken, den herrlichen, duftenden
Guindre! -- -- --
Wieder stehen die Fässer in Reih und Glied mit gärendem Moste gefüllt.
In jedem Gebinde ein anderer zerschnittener Stiefel -- der von dem
dicken Bruder Theodosio -- dort einer selbst vom alten Manuel.
Vom toten Abt noch einer dort im Fasse links in der Ecke. -- -- -- -- --
-- -- --
Und wieder kommt das andere Jahr, man kostet und prüft: gut ist der
Wein, aber Guindre ist es nicht; -- ein Faß nur birgt solchen.
Das in der Ecke mit dem Schuh des alten Abtes.