Malaga ist wunderschön.
Aber heiß.
Die Sonne prasselt den ganzen Tag auf die steilen Hügel und reift den
Wein, der auf natürlichen Terrassen wächst.
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In der Ferne auf blauem, stillem Meer die weißen Segel, sie ziehen wie
Möwen. -- -- --
Die dicken Mönche dort oben im Kloster Alkazaba sind stolz geworden und
reich -- vom Guindre, den nur Herzöge trinken.
Wer kennt nicht den Guindre vom Kloster Alkazaba?! -- -- So feurig, so
süß, so schwer; -- -- man spricht von ihm in ganz Spanien.
Doch nur die Erlesenen des Landes gießen ihn in die schimmernden Gläser;
ist er doch kostbar gleich trinkbarem Gold.
Weiß steht das Kloster in den nachtblauen Schatten, hoch über der Stadt
von blendenden Strahlen beschienen.
Vor Jahren waren die Brüder so arm, daß sie betteln gingen und die
Malagueños segneten, die ihnen spärliche Almosen gaben: Milch, Gemüse,
Eier.
Dann kam der neue Abt Padre Cesáreo Ocáriz, der milde, und brachte das
irdische Glück.
Zufrieden und rund wie eine Kugel, verbreitete er frohen Sinn, wohin er
ging.
Die schlanken Mädchen aus den Dörfern strömten zu ihm, wenn er die
Beichte abnahm. -- Wie sie ihn liebten! -- Hatte er doch für die
heißesten Küsse so milde Buße. -- -- -- -- -- -- -- -- -- --
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-- -- -- Balsa war gestorben, der Weinbauer, und hatte sein kleines Gut,
das an den Klostergarten stieß, den Fratres verschrieben, weil ihm der
Trost des guten Abtes die letzten Stunden gar so leicht gemacht. -- --
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Padre Ocáriz segnete des Toten Vermächtnis. -- Er schlug die Heilige
Schrift auf und wies den Mönchen das Gleichnis vom Weinberg. -- Und die
Brüder gruben und gruben, daß die Schollen schwarz glänzten in dem
glühenden Sonnenlicht und die Eseltreiber auf den staubigen Wegen
verwundert stehen blieben.
-- -- -- Ja, damals ging es noch, da waren die Fratres noch mager und
jung, und ihre emsigen Hände achteten nicht der schmerzenden Schwielen.
Im Schatten saß der Abt in seinem alten Lehnstuhl und warf Brotkrumen
den hellen Tauben zu, die in den Klosterhof geflogen kamen.
Sein rundes, rotes Gesicht glänzte zufrieden und nickte ermunternd, wenn
einer der Fleißigen innehielt und sich den Schweiß von der Stirne
wischte. -- Zuweilen klatschte er auch drohend in die fleischigen Hände,
hatte sich irgendein spanischer Lausbub zu nahe an die Gartenhecke
gewagt.
-- -- -- Und war die Vesperglocke verklungen, und wehte die Abendbrise
ihren kühlen milden Segen her vom Meere, saß er oft noch lange unter
dem Maulbeerbaum und sah hinaus auf die spielenden Wellen da unten in
der Bucht.
Wie die sinkenden Strahlen der Sonne an die flimmernden Kämme sich
schmiegen, sich ihnen vermischen zu leuchtendem Schaum -- da wird es so
friedvoll, und die dunkelnden Täler warten und schweigen. -- -- --
Dann ließ er sich wohl auch den alten Manuel kommen, den Gärtner des
Kaufherrn Otero, der die Geheimnisse des Weinbaues kannte wie kein
zweiter im Lande, und hörte ihm zu. -- Und die Blätter des Maulbeerbaums
rauschten besorgt, als wollten sie die leisen Worte verwehen, daß sie
kein Unberufener hörte.
Kopfschüttelnd vernahm da der gute Abt, daß man verwitterte Lederstücke,
je schmutziger desto besser, in den gärenden Most tun müsse, um das
Aroma zu erhöhen, und sah dem Alten forschend in das gefurchte Gesicht,
ob er auch die Wahrheit spräche.
Wurde es dunkel und war die Sonne hinter den grünen Hügeln versunken, so
sagte er einfach: »Gehe nun heim, mein Sohn, ich danke dir. Siehe, da
fliegen schon die Schwalben des Teufels.« Damit meinte er die
Fledermäuse, die er nicht leiden konnte. »Und der Segen der Jungfrau sei
auf deinen Wegen.«
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Dann kam die blaue schweigende Nacht mit ihren tausend freundlichen
Augen, und Funken glommen im schlummernden Hafen.
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Schwer hingen die Trauben an den Stöcken, jahraus, jahrein.
Wie der junge stürmische Wein im Keller tobte, als müsse er fort aus dem
Dunkel, hinaus ins Freie, wo er geboren! -- -- -- -- --
-- -- -- Es waren bloß wenige Fässer, und die Mönche murrten, daß die
Früchte der harten Arbeit so spärlich seien. -- -- --
-- -- -- Padre Cesáreo Ocáriz sagte kein Wort, schmunzelte nur listig,
wenn das Botenweib kam und die Briefe der Kaufherren brachte, -- blaue,
rote, grüne, -- mit Wappen und krauser Schrift aus allen Gegenden
Spaniens.
Als aber ein Sendschreiben eintraf vom Hofe, mit dem Siegel des Königs,
da blieb es kein Geheimnis mehr: der Klosterwein von Alkazaba war die
Perle von Malaga geworden. -- Wie den Purpur des Altertums -- kostbar --
wog man ihn mit Gold auf, und sein Duft wurde gepriesen in Lied und
Sang.
Herrscher tranken ihn und hohe Frauen -- und küßten die Tropfen vom
Rande des Bechers.
Der Reichtum zog ins Kloster, und wie der Keller sich leerte vom Wein,
füllten sich die Schreine mit prunkenden Schätzen.
Die herrliche Kapelle entstand an Stelle der alten, und eine mächtige
silberne Glocke »del Espiritu Santo« sang das Lob des Herrn, daß es in
heiliger Weihe über den Tälern klang.
-- -- -- Die Fratres sahen freundlich, wurden dick und rund und saßen
gemächlich auf den steinernen Bänken.
Mit dem Graben war es schon lange nichts mehr.
Doch die Trauben wuchsen nach wie vor -- ganz wie von selbst. Und das
war den Mönchen recht.
Die aßen und tranken; nur einmal im Jahre zogen sie -- wie zum Feste --
mit ihrem Abt in den Keller, wenn der Most gärte, und sahen blinzelnd
zu, wie er in jedes Faß einen halben alten Stiefel warf. -- Das war das
ganze Geheimnis, wie sie meinten, und sie freuten sich mit dem frommen
Alten, der für diesen feierlichen Moment immer seine eigenen Schuhe
sorgfältig aufhob und sie selber zerschnitt.
-- -- -- Der greise Manuel hatte ihnen wohl oft erklärt, daß es
eigentlich ein Wunder sei, daß das Leder allein die Ursache der so
besonderen Güte des Weins nicht sein könne. Leder lege doch jeder dritte
Weinbauer in Malaga in seinen Most, während er gäre. -- Es müsse also
wohl nur der segensreiche Boden des Erbstückes sein.
Aber was kümmerte all das die Brüder: -- die Sonne schien, die Trauben
wuchsen, und der Hoflieferant aus Madrid kam pünktlich Jahr für Jahr,
holte die Fässer und brachte das Geld.
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-- -- -- An einem klaren Herbsttage war Padre Ocáriz in seinem Sessel
unter dem Maulbeerbaum eingeschlafen und nicht mehr aufgewacht.