Jetzt nahm Hartherz den Hauptmann und Paul bei den Händen und geleitete

sie noch feierlicher als zuvor zu einer kleinen Gruppe, die des Kreises

Mittelpunkt bildete. Hier zeigte sich des Rätsels Lösung.

Auf einem rohgezimmerten, aber augenscheinlich mit liebevollster

Sorgfalt hergestellten, bequemen Sessel saß der Trapper, der greise

Nathaniel Bumppo. Die Herzutretenden erkannten auf den ersten Blick,

daß er im Begriff war, die letzte lange Reise anzutreten. Sein Blick

war gläsern, seine Züge ein wenig hagerer als sonst, weiter aber zeigte

sein Äußeres keine Veränderung.

Man hatte ihn so gesetzt, daß der Schein der sinkenden Sonne voll auf

ihn fiel. Er war barhäuptig; die dünnen, weißen Locken wehten leise im

sanften Abendwinde. Auf seinen Knien lag die lange Büchse, die übrigen

Jagdgeräte befanden sich im Bereich seiner Hand. Zu seinen Füßen sah

man die Gestalt eines ruhenden Hundes, Middleton aber erkannte bald,

daß dies nur noch das von liebenden Händen ausgestopfte Fell des

treuen Hektors war. Sein eigener Hund spielte in der Nähe mit dem Kinde

des gefallenen Mahtoree, denn Tachechana hatte unter den Weibern der

Pawnees eine Zuflucht gefunden. In des Sterbenden Nähe standen einige

greise Indianer, um Zeugen zu sein, wie ein gerechter und furchtloser

Krieger den Weg nach den glücklichen Gefilden des Jenseits antrat.

Hartherz neigte sich zu dem Sterbenden.

„Hört mein Vater die Worte seines Sohnes?“

„Rede,“ antwortete der Trapper leise und hohl, aber deutlich, während

atemloses Schweigen in der Runde herrschte. „Ich verlasse das Dorf der

Loups und werde bald aus dem Bereich deiner Stimme sein.“

„Möge der weise Häuptling sich wegen seiner Reise keine Sorge machen,“

fuhr der Pawnee fort. „Hundert Loups sollen ihm den Pfad von Dornen

säubern. Mein Vater wird jetzt meinen jungen Männern erzählen, wieviel

Mingos er tötete, und welche kühnen und gerechten Taten er getan, damit

sie ihm nachahmen können.“

„Eine prahlende Zunge findet im Himmel der weißen Männer kein Gehör,“

antwortete der alte Mann. „Was ich tat, hat Gott gesehen; Seine Augen

sind immer offen. Nein, mein Sohn, ein Bleichgesicht kann sein eigenes

Lob nicht singen.“

Bescheiden, wenn auch ein wenig enttäuscht, trat der junge Häuptling

zurück, um dem Hauptmann Raum zu geben. Dieser nahm eine Hand des

Sterbenden in seine beiden und gab sich mit mühsam beherrschter Stimme

zu erkennen. Ein Schimmer der Freude flog über des Greises Züge.

„Ich habe nichts vergessen,“ sagte er leise. „Ich erinnere mich Eurer

und Eurer ganzen Gesellschaft, ja, und auch Eures Großvaters erinnere

ich mich. Ich freue mich, daß Ihr wiedergekommen seid, weil ich

englisch mit Euch reden kann; denn auf die Händler ist kein Verlaß.

Wollt Ihr einem sterbenden Manne einen Gefallen erweisen?“

„Von Herzen gern, mein lieber, guter Freund!“

„Es ist weit, sehr weit,“ fuhr der Greis fort, sich oft unterbrechend

und nach Atem ringend, „aber wenn einem Liebe und Freundschaft erwiesen

wurde, soll man das nimmer vergessen. Da ist eine Niederlassung in den

Otsegobergen --“

„Ich kenne den Ort,“ sagte der Hauptmann. Dem Sterbenden wurde das

Sprechen immer schwerer.

„Nehmt diese Büchse, auch diese Tasche und das Pulverhorn, und sendet

alles dem, dessen Namen auf dem Kolben zu lesen steht. Ein Händler

schnitt denselben mit seinem Messer ein.“

„Es soll geschehen, wie Ihr wünscht. Kann ich noch mehr für Euch tun?“

„Viel mehr habe ich nicht zu hinterlassen. Meine Fallen bleiben

meinem indianischen Sohne; er hat mir ehrlich und liebevoll die Treue

gehalten. Wo ist er?“

Middleton winkte, und der Häuptling trat ehrfurchtsvoll vor seinen

Vater.

„Pawnee,“ redete der Greis in der Sprache der Loups weiter, „unter

meinem Volke ist es Sitte, daß der Vater, ehe er aus dieser Welt

scheidet, dem Sohne seinen Segen erteilt. Ich will auch dich segnen:

Möge der Gott der Weißen mit gütigem Auge deine Taten schauen, mögest

du nie etwas begehen, darob er sein Antlitz verdüsterte. Ich meine und

hoffe, daß wir uns dereinst wiedersehen werden; wir werden miteinander

vor dem Angesicht deines Wakonda stehen, der dann kein anderer sein

wird als mein Gott ...“ Dann wanderten seine Gedanken zu seinem Hunde.

Er beugte sich nach vorn und fühlte nach den Ohren des Tieres. „Ja,

Hundchen,“ sagte er, „wir müssen uns trennen. Du bist redlich, kühn und

treu gewesen ... Sei gut zu ihm, Pawnee, um der Liebe willen, die du

mir erwiesen.“

„Die Worte meines Vaters sind in meinen Ohren,“ antwortete Hartherz

ernst.

„Hörst du, Hundchen, was der Häuptling versprochen hat?“ fuhr der

Greis fort, bemüht, die Aufmerksamkeit der ausgestopften Nachbildung

zu erregen. Er berührte die Lippen derselben mit den Fingern -- da

erkannte er die Wahrheit, wenngleich die Täuschung in ihrer ganzen

Ausdehnung ihm verborgen blieb. Er lehnte sich zurück und senkte das

Haupt auf die Brust.

„Der Hund ist tot!“ murmelte er nach einer langen Pause. „Hauptmann,

wollt Ihr das Tier, das mir so lange und so treu gedient hat, mir zu

Füßen in mein Grab betten?“

„Es soll geschehen,“ antwortete Middleton.

Wieder versank der Sterbende gleichsam in sich selber. Während alles

regungslos umherstand, beseitigten zwei junge Krieger vorsichtig den

ausgestopften Hund.

Middleton und Hartherz setzten sich zur Rechten und zur Linken des

Greises und beobachteten aufmerksam und traurig die Todesanzeichen

auf dessen Antlitz. So saßen sie zwei lange Stunden. Ab und zu redete

er noch einige Worte, als wolle er denen, die er liebte, noch Rat

erteilen, sie wissen lassen, daß er ihrer gedachte. Dann lauschte

der ganze Stamm mit gespanntester Aufmerksamkeit, um von den letzten

Gedanken dieses Weisen noch zu lernen.

Dann kam das Ende. Middleton fühlte seine Hand von der des Sterbenden

plötzlich mit unglaublicher Kraft erfaßt; der Greis erhob sich und

stand, von Hartherz und dem Hauptmann unterstützt, aufrecht auf

seinen Füßen. Hoch erhob er das Haupt, hellauf funkelte sein Auge im

Abendsonnenstrahl, und wie er einst in seinen jungen Jahren auf den

Ruf der militärischen Führer geantwortet hatte, so entrang sich auch

jetzt laut und weit vernehmbar seiner Brust ein letztes, bereitwilliges

„Hier!“

Seine Seele war entflohen. Sanft ließen sie den Leib wieder in den

Sitz zurücksinken. Der älteste der anwesenden Häuptlinge -- der greise

Le Balafré war's, der Sioux, den der großmütige Hartherz nach jenem

Gemetzel am Flusse bei sich aufgenommen hatte -- er nahm jetzt das

Wort.

„Ein tapferer, ein gerechter und ein weiser Krieger ist nach den

glücklichen Jagdgründen seines Volkes gegangen!“ so verkündete er der

lauschenden Menge. „Als die Stimme Wakondas ihn rief, da war er bereit

mit der Antwort. Geht, meine Kinder, gedenket des gerechten Häuptlings

der Bleichgesichter und räumt die Dornen von euren Pfaden!“

Im Schatten einiger mächtigen Eichen gruben sie sein Grab.

Bis auf den heutigen Tag wird dasselbe von den Pawnee-Loups sorgsam

gehütet, und oft zeigen sie den Reisenden die Stätte, wo ein guter

weißer Mann seinen letzten Schlaf schläft. Der Hauptmann Middleton

hatte einen Stein zu Häupten des Grabes aufrichten lassen. Darauf las

man Nathaniel Bumppos Namen, sein Alter, einen Spruch aus der Bibel und

die Mahnung:

„Möge nie eine frevelnde Hand seine Gebeine stören!“

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| Berichtigungen |

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| 32 5. Absatz "Doktor Battium" "Doktor Battius" |

| 32 5. Absatz "... wäre. " "... wäre.“" |

| 85 2. Absatz "diese barbarische" "dieser barbarischen" |

| 86 6. Absatz "tragen sich mich" "tragen sie mich" |

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End of Project Gutenberg's Der alte Trapper, by James Fenimore Cooper

Der alte Trapper · 第 10 / 10 段