Die jungen Leute folgten instinktiv seinem Wort und Beispiel

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Der alte Trapper

Nach dem englischen Original

von

J. Fenimore Cooper

für die deutsche Jugend bearbeitet

von

Friedrich Meister

Mit 3 bunten und vielen schwarzen Bildern von

Rolf Winkler

Leipzig / Abel & Müller / Verlag

Druck: Josef Hirsch, Leipzig.

Inhaltsverzeichnis

Seite

Erstes Kapitel. Die Auswanderer V/ 3

Zweites Kapitel. Das geheimnisvolle Zelt V/ 23

Drittes Kapitel. Die Erstürmung der Felsenburg V/ 39

Viertes Kapitel. Der Basilisk V/ 51

Fünftes Kapitel. Der Präriebrand V/ 64

Sechstes Kapitel. Hartherz V/ 75

Siebentes Kapitel. Im Dorfe der Sioux V/ 84

Achtes Kapitel. Der Zweikampf der Häuptlinge V/100

Neuntes Kapitel. Das Gericht V/109

Zehntes Kapitel. Wie ein Gerechter zum Frieden einging V/120

Der alte Trapper

Erstes Kapitel

Die Auswanderer

Es war im Herbst des Jahres 1804. Der Wind rauschte durch die Kronen

der wenigen, vereinzelt stehenden Bäume und wirbelte die welken Blätter

weit hinaus über die unabsehbare, hügelige Ebene.

Im Jahre zuvor hatte die Regierung der Vereinigten Staaten den

südlichen Teil von Nordamerika, das Land Louisiana, den Spaniern

abgekauft, und seitdem ergoß sich ein unaufhörlicher Strom von

Auswanderern von Norden her in dieses neu erschlossene Gebiet, um davon

Besitz zu ergreifen.

Eine Karawane solcher Auswanderer war es, die an dem Herbstnachmittag,

an welchem unsere Erzählung beginnt, langsam aus dem hohlwegartigen

Bette eines ausgetrockneten Flusses hervorzog und sich über die Prärie

bewegte, die sich endlos vor ihr ausdehnte. Die Karawane bestand aus

einer Anzahl schwer mit Haushaltungsgegenständen, Ackergeräten und

Proviant beladener Wagen und einer kleinen Herde von Schafen, Rindern

und Schweinen, die hinter den Fuhrwerken hergetrieben wurde. Unter

dem Leinwandplan eines der Wagen schauten einige flachsköpfige junge

Mädchen und Kinder hervor; neben dem Zuge schritt eine Anzahl junger

Männer dahin, lauter auffallend große und kräftige Gestalten, auch eine

Frau und eine Jungfrau konnte man bemerken. Und obgleich die Karawane

ersichtlich schon manche lange Meile zurückgelegt und noch nicht die

mindeste Aussicht hatte, bald das Ende dieser öden, trockenen Prärie zu

erreichen, so war auf den Gesichtern dieser Auswanderer, die zusammen,

klein und groß, etwa zwanzig Seelen zählten, doch weder eine Spur von

Ermüdung noch von Ungeduld oder Besorgnis wahrzunehmen.

Im Gegensatz zu den sonstigen Gepflogenheiten solcher Emigranten hatten

diese Leute die fruchtbaren Ebenen der nördlichen Staaten verlassen, um

auf mühseligen Pfaden, über Schluchten und Ströme, durch tiefe Moräste

und steinige Wüsten einer Gegend zuzuwandern, die weit außerhalb der

Grenzen der Zivilisation lag. Vor ihnen erstreckte sich die Prärie

bis an den Fuß der Felsengebirge, und hinter ihnen, in weiter Ferne,

schäumten die trüben, wirbelnden Fluten des La-Platte-Flusses.

In kurzer Entfernung vor der Karawane schritt der Führer derselben,

ein hochgewachsener, sonnenverbrannter Mann von schwerem, mächtigem

Körperbau, der die Mittagshöhe des Lebens bereits hinter sich hatte.

Sein Gang war lässig, fast schleppend, aber wuchtig und energisch;

sein breites Gesicht verriet weder große Intelligenz noch edlere

Seeleneigenschaften, sein ganzes Wesen erinnerte an die träge, aber

wenn es gilt gewaltige und unwiderstehliche Kraft und Entschlossenheit

des Elefanten.

Die teils aus groben Wollenstoffen, teils aus gegerbtem Leder

bestehende Kleidung des Mannes entsprach dem Berufe desselben und

verriet zugleich einen Gefallen an buntem Tand und rohem Luxus. An

Stelle des Ledergurtes umschloß eine Schärpe von bunter Seide seinen

Leib, der Horngriff seines Messers war mit Silberplättchen geziert;

um das feine Pelzwerk seiner Mütze hätte ihn eine Königin beneiden

dürfen, die Knöpfe des besudelten und schäbigen Rockes bestanden aus

mexikanischen Silbermünzen, mit dem gleichen edeln Metall war der

Mahagonikolben und Schaft seiner Büchse reich beschlagen, und die

Ketten von nicht weniger als drei wertlosen Uhren baumelten ihm am

Leibe. Außer dem Gewehr trug er einen großen Packen auf dem Rücken,

an der Seite hingen ihm Jagdtasche und Pulverhorn, dazu hatte er eine

mächtige Holzaxt über die Schulter geworfen, und trotz dieser Belastung

ging er einher, als hätte er nicht das mindeste zu schleppen.

Ähnlich wie er waren auch die jungen Leute gekleidet und ausgerüstet;

man sah denselben auf den ersten Blick an, daß sie des Führers Söhne

waren. Der Jüngste, kaum dem Knabenalter entwachsen, war gleichwohl

schon so entwickelt, daß er den anderen an Leib und Gliedmaßen nichts

mehr nachgab. In der Frau, auf deren Antlitz die Jahre, die Arbeit und

die Sorgen tiefe Spuren zurückgelassen hatten, erkannte man die Mutter

der Schar; die Jungfrau jedoch schien, nach Gestalt, Wesen und Kleidung

zu urteilen, nur wenig mit den Übrigen gemein zu haben.

Langsam, mit knarrenden und quietschenden Rädern, zog die Karawane

über das dürre, harte Gras dahin, das die Rinder ab und zu zu fressen

versuchten, aber immer wieder als ungenießbar wegwarfen. Als der

Abend herniederzusinken begann, richtete der Führer, dessen einziger

Wegweiser die Sonne war, seine Gedanken auf die bevorstehende

Nachtrast. Auf einer Bodenerhebung angelangt, hielt er die Schritte an

und blickte um sich, forschend ausschauend nach einem Orte, der die

drei für eine Rast so wichtigen Erfordernisse: Wasser, Feuerholz und

Viehfutter, darbieten würde. Da sich noch nichts dergleichen erspähen

ließ, setzte er gleichmütig seinen Weg hügelabwärts fort, aber nur eine

kurze Strecke; dann brachte ein unerwarteter und seltsamer Anblick den

ganzen Zug zu einem plötzlichen Stillstand.

Die Sonne war hinter der nächsten Wellenerhebung der Prärie

niedergegangen, rot und glühend lag ihr Schein noch über dem dunkeln,

scharf von dem feurigen Himmel abstechenden Lande. Im Mittelpunkt

dieses brennenden Scheines aber zeigte sich schwarz, schattenhaft und

übernatürlich groß eine menschliche Gestalt, regungslos, in sinnender,

melancholischer Stellung. Wie angefesselt blieb der Führer stehen und

starrte nicht ohne ein Gefühl abergläubischer Furcht die Erscheinung

an; hinter ihm sammelten sich die Söhne. Keiner sprach ein Wort, doch

ließ sich hier und da das Knacken eines Büchsenhahnes vernehmen.

Die Stimme der Mutter unterbrach das Schweigen zuerst.

„Laß die Jungen vorgehen, Ismael,“ rief sie laut und scharf. „Asa oder

Abner werden bald dahinter kommen, was es mit jener Kreatur für eine

Bewandtnis hat!“

„Wollen doch dem Ding eine Kugel zuschicken,“ murmelte ein finster und

zugleich hämisch und boshaft dreinschauender Mann, der mitten unter den

jungen Leuten stand und dessen Gesicht eine unverkennbare Ähnlichkeit

mit dem der Frau zeigte; „die Pawnee Loups jagen zu Hunderten auf der

Prärie, sie werden's nicht merken, wenn einer von ihnen fehlt.“

Damit erhob er seine Büchse, die der mit dem Namen Ismael angeredete

Führer jedoch sogleich mit einer Gebärde, die keinen Widerspruch

zuließ, niederdrückte.

„Schieß nicht!“ ertönte zugleich in ängstlichem Rufe die Stimme des

jungen Mädchens, „wir sind nicht alle beisammen, es kann auch einer von

uns sein!“

Die Schar stand in erwartungsvollem Schweigen. Inzwischen veränderte

sich das Licht des Abendhimmels; der blendend leuchtende Schein wurde

matter, er wich einem grauweißen Schimmer, und als die untergehende

Sonne hinter dem Horizont versunken war, da verlor die Erscheinung ihre

übernatürliche Größe und schrumpfte zu einer zwar noch immer langen,

aber doch nicht mehr außergewöhnlichen Menschengestalt zusammen.

Die Männer traten jetzt näher herzu und sahen nun vor sich einen Greis,

der, seinem verwitterten Äußeren nach zu urteilen, mindestens achtzig

Winter erlebt haben mußte. Trotzdem war seine Haltung noch aufrecht und

fest, seine Gliedmaßen, wenn auch hager und dürr, zeigten noch kräftige

Muskeln und Sehnen, so daß es schien, als werde die Altersschwäche

noch auf lange hinaus keine Gewalt über ihn erlangen. Seine Kleidung

bestand hauptsächlich aus Tierfellen, die Haarseite nach außen gekehrt;

Jagdtasche und Pulverhorn hingen ihm zur Seite; er stand auf eine

Büchse von ungewöhnlicher Länge gestützt, die, wie ihr Eigentümer,

deutliche Spuren langen und harten Dienstes aufwies.

Beim Herannahen der Emigranten erhob sich ein großer, alter, zahnloser

Hund, der zu des Greises Füßen gelegen hatte, und ließ ein dumpfes

Knurren hören.

„Still, Hektor, leg' dich!“ gebot sein Herr mit einer Stimme, die

hohl und bebend klang. „Was gehen dich die Leute an, die hier ihre

rechtmäßige Straße ziehen?“

„Fremder,“ begann der Führer der Emigranten, „seid Ihr hier in dieser

Gegend bekannt, so daß wir von Euch erfahren können, wo ein Platz zur

Nachtrast zu finden ist? Gebt uns immerhin Euern Rat,“ fuhr er fort,

als der Greis die Schar forschend und schweigend musterte, „das kostet

Euch nichts und ist nur eine Gabe in Worten.“

„Keine Gabe, sondern eine Schuld der Alten gegen die Jüngeren,“

entgegnete der Angeredete, die klaren, hellblauen Augen forschend auf

den Auswanderer heftend. „Folgt mir, Wasser und Weide für Euer Vieh

kann ich Euch zeigen.“

Damit warf er die Büchse über die Schulter und schritt ohne weiteres in

die jenseits der Bodenerhebung liegende Senkung hinab. Auf einen Wink

des Führers folgte ihm die Karawane.

Nach kurzem Marsche gelangte man zu einer Quelle, die, am Fuße eines

Abhanges sprudelnd, ihr Wasser bald mit dem anderer in der Nähe

hervorsickernder Quellen vereinte, so daß ein Flüßchen entstand,

dessen Lauf durch die an seinen Ufern wachsenden Sträucher und Bäume

weithin zu verfolgen war. Es währte nicht lange, da erreichte man einen

Ort, den der Emigrantenführer für zweckentsprechend erklärte. Er warf

seine Bürde zur Erde und machte sich unter dem Beistande des Mannes,

der vorhin so schnell mit der Büchse bei der Hand gewesen, daran,

die Zugtiere auszuspannen, während seine Söhne die Baumwollenbäume

niederzuschlagen begannen, bis die Stätte aussah, als sei ein

Wirbelwind darüber hingegangen.

[Illustration]

Auf seine Büchse gelehnt, schaute der Fremde still diesen Verwüstungen

zu, ab und zu trübsinnig den Kopf schüttelnd. Er beobachtete, wie die

Kinder ein Feuer anzündeten, und richtete dann seine Aufmerksamkeit

auf den Führer der Karawane, der, nachdem das Vieh zu grasen begonnen,

sich in eigentümlicher Weise mit einem der Planwagen zu schaffen

machte. Mit Hilfe einiger der jungen Männer trieb derselbe rings um den

Wagen Pfähle in den Boden und erweiterte dann den Leinwandplan bis zu

diesen, so daß auf diese Weise ein umfangreiches, dicht verschlossenes

Zelt entstand, unter welchem man schließlich den Wagen hervorzog, der

nun nichts mehr enthielt als einiges Hausgerät; was er sonst noch

beherbergt hatte, war unter dem geheimnisvollen Zelte geblieben,

welchem, wie bald ersichtlich wurde, außer dem Führer niemand sich

nahen durfte.

Mit der unbefangenen Neugierde des Alters trat der Fremde herzu, in

der augenscheinlichen Absicht, zu erspähen, was das Zelt in sich barg.

Sogleich aber packte der Führer ihn rauh am Arm und hielt ihn fest.

„Kümmert Euch nicht um Dinge, die Euch nichts angehen, Freund,“ sagte

er grob.

Bescheiden und verlegen ging der alte Mann zurück. „Ich meinte es nicht

böse,“ antwortete er begütigend; „ich wußte nicht, daß Ihr etwas zu

verbergen habt.“

Während er seine Schritte nun langsam der Wagenburg zulenkte, denn zu

einer solchen hatte sich das Lager der Emigranten inzwischen gestaltet,

hörte er den Führer gebieterisch das junge Mädchen herbeirufen, das,

wie er nun vernahm, den Namen Ellen Wade führte. Schnell und leicht wie

ein Reh huschte die Jungfrau an ihm vorüber und verschwand hinter den

Falten des Zeltvorhanges.

Inzwischen hatte die Mutter einen Kessel voll Haferbrei zur

Abendmahlzeit gekocht, zu der sie jetzt mit schallender Stimme

die Ihrigen herbeirief. Der Vater aber schaute sich nach dem alten

Fremdling um und lud denselben, nach der Sitte der Wildnis, kurz und

gleichgültig ein, sich mit ihnen an das gastliche Feuer zu setzen.

„Ich danke Euch von Herzen,“ antwortete dieser, „ja, von Herzen;

aber ich bin für heute bereits gesättigt, und ich gehöre nicht zu den

Leuten, die sich ihr Grab mit den Zähnen graben. Zum Feuer will ich

mich jedoch mit Euch setzen, denn es ist lange her, seit ich Menschen

von meiner Farbe ihr täglich Brot essen sah.“

Man ließ sich nieder, und die Auswanderer griffen tüchtig zu.

„Ihr seid wohl ein Ansiedler in dieser Gegend,“ wendete sich der Vater,

mit vollem Munde kauend, an den Alten. „Dick scheinen die Weißen hier

nicht zu sitzen, denn außer Euch bin ich auf fünfhundert Meilen keinem

begegnet.“

„Einen Ansiedler kann man mich nicht nennen,“ antwortete der Gefragte,

„da ich keinen festen Wohnsitz habe und selten länger als einen Monat

in einer Gegend verweile.“

„Also ein Jäger,“ sagte der andere, mit einem Blick die Ausrüstung

seines neuen Bekannten streifend. „Euer Geschirr scheint mir aber nicht

mehr das beste für solch einen Beruf zu sein.“

„Meine Büchse ist alt und hat nahezu ausgedient, ganz so wie ihr Herr,“

versetzte der alte Mann, die Waffe liebevoll und zugleich traurig

betrachtend, „aber ich bedarf ihrer auch kaum noch. Ihr irrt, Freund,

wenn Ihr mich einen Jäger nennt; ich bin jetzt nichts besseres mehr

als ein Trapper, ein Fallensteller. Ein Jäger bin ich gewesen; fünfzig

Jahre lang und darüber durchzog ich mit dieser Büchse die Wälder.

Damals hätte ich es für Sünde gehalten, einer Kreatur mit Fallen

nachzustellen.“

„Einträglich scheint Euer Handwerk nicht gewesen zu sein,“ bemerkte

der Emigrant, das Äußere des Alten musternd. „Na, hoffentlich habt Ihr

irgendwo tüchtig Felle aufgespeichert.“

Der Trapper schüttelte den Kopf.

„In meinem Alter braucht man nur wenig an Kleidung und Nahrung,“

erwiderte er ruhig, „und wenn ich mir ab und zu ein Horn voll Pulver

und eine Stange Blei eintauschen kann, dann sind alle meine Bedürfnisse

befriedigt.“

„Ihr seid also in dieser Gegend nicht zu Hause?“ fragte der andere,

nachdem er eine Weile schweigend gegessen hatte.

„Nein, ich bin am Strande der See geboren, den größten Teil meines

Lebens aber brachte ich in den Wäldern zu.“

Bei der Erwähnung des Seestrandes schauten die jungen Männer und auch

die Mutter den alten Trapper aufmerksam an; ein Mann, der so weit in

der Welt herumgekommen war, erregte ihr Interesse.

„Wie man mir gesagt hat, ist es eine lange Strecke von den Gewässern

des Westens bis an das Meer,“ nahm Vater Ismael nach einer Pause wieder

das Wort.

„Ja, Freund, eine lange Strecke, und viel habe ich gesehen und erlebt,

und viel habe ich zu erleiden gehabt während der fünfundsiebzig Jahre,

die ich zu dem Wege brauchte. Aber nur gering ist die Zahl der Meilen

auf dieser ganzen Strecke, wo ich nicht Wildbret gegessen, das unter

meiner Kugel fiel. Doch das ist eitle Ruhmredigkeit; warum soll ein

alter Mann, dessen Ende so nahe ist, noch von den Taten reden, die er

einstmals vollbrachte.“

Träumenden Blickes starrte der Trapper ins Feuer; endlich wendete er

sich wieder an seinen Gastfreund.

„Gedenkt Ihr noch weit gen Westen zu ziehen?“ fragte er.

„So weit es mir gefällt,“ antwortete der Emigrant kurz, „vielleicht

kehre ich auch wieder um.“

Damit brach er die Unterhaltung ab und stand auf; die übrigen folgten

seinem Beispiel.

Die jungen Männer errichteten aus Baumzweigen und Decken einige Hütten

zum Unterschlupf für die Nacht, dann brachten sie das Vieh in den

Mittelpunkt der Wagenburg, die durch passend angebrachtes Pfahlwerk

noch mehr befestigt wurde, und schließlich begaben sich zwei von ihnen

mit ihrem Schießgewehr an entgegengesetzte Enden des Lagers, um hier

Wacht zu halten.

Der alte Trapper war während dieser Zeit von einer Stelle zur anderen

geschlendert; das ihm angebotene Nachtlager lehnte er ab, und als alles

ruhig geworden war, entfernte er sich ohne ein Wort des Abschieds.

Langsam schritt er in die Nacht hinaus, die von der Sichel des neuen

Mondes nur schwach erhellt wurde. Fern vom Lager, auf einer der

wellenähnlichen Bodenerhebungen, blieb er stehen, stützte den Kolben

der Büchse auf die Erde und versank in tiefes Grübeln. Der Hund legte

sich zu seinen Füßen nieder und schien sogleich einzuschlafen. Nach

einer kleinen Weile aber ließ er ein dumpfes Geknurr hören, das seinen

Herrn veranlaßte, spähend umherzublicken.

In einiger Entfernung gewahrte er eine Frauengestalt, die nicht recht

zu wissen schien, ob sie näherkommen sollte oder nicht.

„Nur heran!“ rief der Trapper. „Wir sind Freunde, von uns habt Ihr

nichts zu fürchten.“

Die Gerufene eilte herzu; es war Ellen Wade.

„Oh, Ihr seid es,“ sagte sie, dem Alten ohne Zögern die Hand reichend,

dabei aber suchend in die Ferne blickend. „Euch glaubte ich hier nicht

zu treffen; die anderen meinten, daß wir Euch wohl nicht mehr zu sehen

kriegen würden.“

Ehe der Trapper antworten kannte, begann der Hund wieder laut und

drohend zu knurren.

„Was gibt's, Hektor?“ forschte der Alte. „Was wittert mein Hundchen?

Einen schwarzen Bären aus dem Gebirge? Denn die kommen zuweilen bis

hierher. Ich bin nicht mehr so sicher mit meiner Büchse wie in früheren

Jahren,“ wendete er sich zu dem jungen Mädchen, „aber zur Not treffe

ich schon noch; Ihr braucht daher keine Furcht zu haben.“

Jetzt bellte der Hund kurz und scharf auf, und zugleich sahen der

Trapper und das Mädchen eine menschliche Gestalt herankommen, und zwar

aus der dem Lager der Emigranten entgegengesetzten Richtung.

„Das ist ein Mann,“ sagte der Trapper, „und, seinem schweren Schritte

nach, ein Weißer. Wir müssen vorsichtig sein, denn die Weißen, die sich

hier herumtreiben, sind in der Regel gefährlicher als die Wilden.“

Damit erhob er seine lange Büchse und untersuchte sorgfältig Stein und

Zündkraut. Das Mädchen aber legte hastig die Hand auf seinen Arm.

„Um Gotteswillen, seid nicht vorschnell!“ flüsterte sie. „Es kann ein

Bekannter, ein Freund sein!“

„Freunde sind hier selten,“ antwortete der Trapper, seinen Arm frei

machend. „Aber sie hat recht,“ fügte er im Selbstgespräch hinzu, „warum

soll ich, bereits mit einem Fuß im Grabe, noch Menschenblut vergießen?

Mag er kommen und mir meine Felle, meine Fallen und meinetwegen auch

die Büchse nehmen -- ich will kein Blut mehr vergießen.“

Der Hund aber hatte sich erhoben und schritt nun knurrend dem

Herankommenden entgegen.

„Ruft Euren Hund zurück!“ gebot dieser mit tiefer, männlicher und

keineswegs unfreundlicher Stimme. „Es sollte mir leid tun, wenn ich ihn

verletzen müßte.“

„Hörst du, was er sagt, Hektor?“ antwortete der Trapper. „Komm her,

du Narr! Der Hund hat keinen Zahn mehr im Maule, Freund, knurren und

bellen ist alles, was er noch kann.“

Lang ausschreitend eilte der Fremde herzu und stand gleich darauf an

Ellens Seite, die er freundlich und vertraulich begrüßte, worüber der

Trapper nicht wenig in Erstaunen geriet.

„Von welcher Wolke seid Ihr denn herabgefallen, mein guter Alter?“

wendete sich der Ankömmling, ein stattlicher, kräftiger, junger Mann

in der Kleidung der Präriejäger, jetzt an den Trapper. „Wolltet Ihr mit

dem jungen Mädchen hier auf der nächtlichen Prärie lustwandeln?“

„Ich bin mit der jungen Person ebenso zufällig zusammengetroffen wie

mit Euch,“ antwortete der Alte. „Ich kam aus dem Lager der Emigranten

dort unten und konnte nicht wissen, daß ein Paar junger, weißer Leute

sich hier in der wilden Einsamkeit ein Stelldichein geben wollte.“

Der junge Mann schickte sich zu einer eifrigen Entgegnung an, das

Mädchen aber legte ihm die Hand auf den Mund.

„Still, Paul,“ sagte sie, „dieser gute Mann wird unser Geheimnis nicht

verraten, dafür bürgt mir sein freundliches Gesicht und sein treues

Auge. Von ihm haben wir nichts zu fürchten, er ist ein ehrlicher

Fallensteller.“

„Also ein Fallensteller seid Ihr?“ rief der als Paul Angeredete. „Gebt

mir Eure Hand, Vater, mein Gewerbe ist dem Euren ähnlich.“

„Und was ist Euer Gewerbe?“ fragte der Trapper. „Ihr scheint mir ein

Jäger zu sein.“

„Der bin ich auch, aber mein Wild trägt weder Fell noch Federn. Da,

seht her.“

Er hob ein kleines Zinngefäß empor, das ihm auf der Brust hing, ließ

den Deckel springen und den Alten hineinschauen. Es enthielt köstlich

duftenden Honig.

„Ich sehe,“ nickte der Alte, „Ihr seid ein Bienenjäger. Das mag wohl

ein einträglicher Beruf sein.“

„So ist es, alter Freund. Aber tut mir auch den Gefallen und geht ein

wenig auf die Seite, damit ich dem jungen Frauenzimmer mitteilen kann,

wie und warum ich hierhergekommen bin.“

Ellen wollte gegen dieses Verlangen Einspruch tun, aber der

Fallensteller entfernte sich ohne ein Wort zu sagen und blieb erst

wieder stehen, als er außer Hörweite war. Der Hund folgte ihm langsam,

mit erhobener Nase witternd und forschend, als verkünde sein Instinkt

ihm das Herannahen noch weiterer Überraschungen. Dumpf grollend setzte

sich das Tier zu seines Herren Füßen nieder.

„Was, Hektor, schon wieder?“ fragte dieser. „Was ist's denn, Hundchen?

Sag' mir's doch, Junge.“

Hektor antwortete mit einem noch lauteren Knurren, dann legte er den

Kopf auf die Vorderpfoten, als habe er nunmehr seine Pflicht getan.

„Die Warnung eines solchen Freundes ist in der Prärie wertvoller als

der Rat eines Menschen,“ murmelte der Trapper, langsam wieder auf das

junge Paar zuschreitend. „Hört, Kinder!“ rief er, „wir sind hier in

dieser Einöde nicht allein; außer uns treiben sich noch andere hier

herum, wir müssen daher auf der Hut sein!“

„Sollte vielleicht einer von Ismaels Söhnen sich unterstehen, mir

nahezukommen, so könnte seine Präriefahrt leicht ein vorzeitiges Ende

nehmen,“ entgegnete der junge Bienenjäger, nach seiner Büchse greifend.

„Ismael Busch und seine ganze Familie schlafen fest in der Wagenburg,“

sagte Ellen schnell, „die beiden Wächter ausgenommen; die aber dürfen

das Lager nicht verlassen.“

„Ich höre ein dumpfes Galoppieren in der Ferne!“ rief der Bienenjäger

jetzt mit unterdrückter Stimme. „Aha, jetzt weiß ich's; es wird eine

Büffelherde sein, hinter der ein Panther her ist!“

„Eure Ohren trügen Euch,“ nahm der Trapper das Wort, nachdem er mit

gespanntester Aufmerksamkeit gelauscht hatte, „das sind keine Büffel,

wohl aber Indianer. Sie kommen gerade auf uns zu und werden hier sein,

ehe wir Deckung gefunden haben.“

„Komm Ellen,“ rief der junge Mann, hastig des Mädchens Hand ergreifend,

„vielleicht erreichen wir noch das Lager Ismaels, deines Onkels!“

„Zu spät!“ sagte der Trapper, „zu spät! Ich sehe die Indianer schon; es

ist eine Bande von Sioux, ich erkenne die Spitzbuben an der Art ihres

Reitens!“

„Mögen's Sioux oder Teufel sein, sie sollen finden, daß wir Männer

sind!“ rief der Bienenjäger, Ellen loslassend. „Ihr führt eine Büchse

mit Euch, alter Freund, Ihr werdet sie auch in der Verteidigung eines

wehrlosen Mädchens zu brauchen wissen.“

„Nieder, nieder ins Gras!“ flüsterte der Trapper, auf einen Fleck

deutend, wo Gras und Kraut besonders hoch emporgewachsen waren.

„Fliehen könnt Ihr nicht mehr, und zur Gegenwehr sind wir zu wenig.

Nieder ins Gras, wenn des Mädchens und Euer Leben Euch lieb ist!“

Die jungen Leute folgten instinktiv seinem Wort und Beispiel, und kaum

lagen die drei und auch der Hund im Grase versteckt, da sprengten

auch schon die Indianer in aufgelöstem Schwarme heran und vorüber.

Vorsichtig hob der Trapper nach einer Weile den Kopf und spähte ihnen

nach, schnell aber duckte er sich wieder, denn die nächtlichen Reiter

kehrten, nachdem sie augenscheinlich bis in die Nähe der Wagenburg

gekommen waren, auf die Bodenerhebung, wo unsere Freunde versteckt

lagen, zurück.

Schwarz hoben sich die Gestalten der Wilden von dem helleren

Nachthimmel ab. Einige stiegen von den Pferden, andere ritten wie

suchend hin und her. Noch war keiner von ihnen in die Nähe der im Grase

Verborgenen gekommen.

„Ich fürchte, daß sie Böses gegen die Auswanderer im Schilde führen,“

flüsterte der Trapper seinen Gefährten zu. „Sie wittern Beute und

werden nicht eher ruhen, bis sie solche erlangt haben.“

„Können wir denn den Ahnungslosen keine Warnung zukommen lassen?“

fragte Ellen in Herzensangst.

„Das könnten wir schon,“ meinte Paul. „Wenn ich aus voller Kraft

rufe, dann hört man's in der offenen Prärie eine englische Meile weit;

Ismaels Lager aber ist kaum eine Viertelmeile entfernt.“

Er hatte diese Worte kaum ausgesprochen, als sich eine schwere Hand auf

seine Schulter legte; erschrocken fuhr er auf und blickte in das wilde

Antlitz und die funkelnden Augen eines indianischen Kriegers. Trotz

aller Nachteile seiner Lage griff der Jüngling den Sioux bei der Kehle

und würde denselben auch erdrosselt haben, wenn der alte Trapper ihn

nicht gewaltsam zurückgerissen hätte. Ehe der Bienenjäger noch seinem

zornigen Erstaunen über diese anscheinende Verräterei Ausdruck geben

konnte, waren die drei umringt und zu Gefangenen gemacht.

Ruhig, ja bereitwillig, lieferte der Trapper den Sioux seine Waffen

aus; der innerlich vor Wut kochende Paul Hover aber konnte sich erst

dazu entschließen, als Ellen ihm unter flehenden Bitten vorstellte, daß

der alte, erfahrene Trapper sicherlich das Richtige getan habe und daß

er ihr Leben in Gefahr brächte, wenn er diesem Beispiel nicht folgte.

Nachdem die Wilden ihren Gefangenen auch noch sonst allerlei Sachen,

die ihnen gefielen, abgenommen hatten, ließen sie dieselben, wenn auch

streng bewacht, vorläufig unbehelligt.

„Soll ich dem Ismael zurufen?“ fragte Paul Hover leise.

„Wenn Ihr den Kopf gespalten haben wollt, dann ruft,“ antwortete

der Trapper. „Nein, wir müssen versuchen, die Teufel zu überlisten,

sonst ermorden sie alles, was dort unten im Lager lebt; denn mit der

Wachsamkeit der Emigranten scheint es nicht weit her zu sein. Es sind

aber tüchtige Leute, wie ich gesehen habe; meint Ihr, daß sie sich zu

schlagen verstehen?“

„Ich will Euch was sagen, alter Trapper,“ antwortete der Bienenjäger,

„ich, Paul Hover, habe nicht die mindeste Veranlassung, dem Ismael

Busch und seinen sieben hammerfäustigen Schlagetots von Söhnen zugetan

zu sein. Aber was wahr ist, bleibt wahr: eine solche Bärenfamilie wie

die gibt es in ganz Kentucky nicht zum zweitenmal, und wer einen von

den Buschs im Ringen wirft, der muß ein ganzer Kerl sein!“

„Still!“ sagte jetzt der Alte, der inzwischen keinen Blick von den

Wilden verwendet hatte. „Die Rothäute haben ihre Beratung geendet und

werden nun an die Ausführung ihrer Teufeleien gehen. Wir müssen Geduld

haben, vielleicht finden wir noch eine Gelegenheit, Euren Freunden

nützlich zu sein.“

„Meine Freunde sind das nicht,“ entgegnete Paul unwirsch. „Wenn ich

etwas zu ihren Gunsten sagte, so geschah das, weil ich ein ehrlicher

Kerl bin.“

„Ich dachte, das junge Frauenzimmer hier gehöre auch zu der

Verwandtschaft,“ meinte der Alte trocken. „Na, nichts für ungut.“

Die Wilden waren jetzt sämtlich abgestiegen und hatten ihre Pferde

dreien ihrer Genossen übergeben, denen auch die Bewachung der

Gefangenen oblag. Nunmehr scharten sie sich um den, der ihr Häuptling

war, um sich gleich darauf geräuschlos und schnell nach allen

Richtungen über die Prärie zu zerstreuen. Nach kaum einer Minute war

der letzte von ihnen in der Dunkelheit verschwunden.

Einer der Wächter, ein großer, halb nackter Krieger, trat an die

Gefangenen heran.

„Haben die Bleichgesichter ihre eigenen Büffel alle aufgezehrt und auch

allen ihren Bibern die Felle genommen, daß sie nun herkommen müssen,

um zu sehen, wieviel Büffel und Biber bei den Pawnees noch übrig sind?“

fragte er in den rauhen Kehltönen seiner Rasse.

„Die Weißen kommen hierher, um zu kaufen oder zu verkaufen,“ antwortete

der Trapper, „sie werden aber zurückbleiben, wenn sie hören, daß die

Sioux ihnen feindlich sind.“

„Die Sioux sind Diebe und wohnen im Schnee; warum von einem Volke

reden, das so fern ist, wenn wir hier im Lande der Pawnees sind?“

„Gehört dies Land den Pawnees, dann haben Weiße und Rothäute das

gleiche Recht daran.“

„Haben die Bleichgesichter den roten Männern nicht schon genug

gestohlen? Müssen sie mit ihren Lügen noch bis in die Jagdgründe meines

Stammes kommen?“

„Mein Recht ist hier so gut wie das deine,“ entgegnete der Trapper

mit unerschütterlicher Ruhe. „Die Pawnees und die Weißen sind Brüder,

ein Sioux aber darf sein Gesicht in einem Dorfe der Loups nicht sehen

lassen.“

„Die Dakotahs sind Männer!“ rief der Wilde, die angenommene Maske

vergessend und sich den Namen zulegend, auf den seine Nation besonders

stolz war. „Die Dakotahs kennen keine Furcht. Sprich, was führte dich

so weit her aus den Dörfern der Bleichgesichter?“

„Ich habe die Sonne über vielen Ratsversammlungen auf- und niedergehen

sehen und stets nur den Worten der Weisen gelauscht. Wenn deine

Häuptlinge kommen, wird mein Mund nicht verschlossen sein.“

„Weucha ist ein großer Häuptling!“ rief der Wilde im Tone beleidigter

Würde.

„Bin ich ein Narr, daß ich einen Teton nicht kennen sollte?“ versetzte

der Trapper kalt und fest. „Geh', es ist finster, sonst würdest du

sehen, daß mein Haar weiß ist. Aus dem Munde der Siouxkrieger vernahm

ich den Namen Mahtoree; nur vor den Ohren eines Häuptlings werde ich

reden.“

Der Wilde warf einen giftigen Blick auf den Alten und zog sich zurück.

Kaum war er unsichtbar geworden, da trat aus der Dunkelheit ein Krieger

von mächtiger Gestalt hervor und stellte sich mit jener vornehmen und

stolzen Haltung, die den großen indianischen Häuptlingen von jeher

eigen gewesen ist, vor die Gefangenen. Eine Schar Sioux, die mit ihm

gekommen war, gruppierte sich in achtungsvollem Schweigen hinter ihm.

„Die Erde ist sehr groß,“ begann der Häuptling nach längerem Schweigen.

„Warum finden die Kinder meines großen weißen Vaters keinen Raum

darauf?“

„Einige von ihnen haben gehört, daß ihre Freunde in der Prärie

mancherlei Dinge bedürfen,“ antwortete der Trapper, „sie wollen nun

sehen, ob das wahr ist. Andere wieder brauchen Dinge, die von den

Rothäuten verkauft werden, und so kamen sie, ihre Freunde mit Pulver

und Wolldecken reich zu machen.“

„Seit wann kommen die Händler mit leeren Händen über den großen Fluß?“

„Unsere Hände sind leer, weil deine jungen Männer meinten, wir seien

müde; da nahmen sie uns ab, was wir trugen. Sie irrten sich jedoch, ich

bin zwar alt, aber es fehlt mir noch nicht an Kräften.“

„Das kann nicht sein. Ihr habt Eure Bürden in der Prärie verloren.

Meine jungen Männer sollen danach suchen, ehe die Pawnees sie finden

und mitnehmen. Sage mir, weißer Jäger, wer sind jene Männer deiner

Farbe, die dort drüben bei den gefällten Bäumen schlafen?“

Der Trapper erkannte aus dieser Frage, daß der Häuptling das Lager der

Emigranten entdeckt hatte. Trotzdem bewahrte er seine ganze Ruhe.

„Es ist möglich,“ erwiderte er, „daß weiße Männer in der Prärie

schlafen. Mein Bruder sagt es, darum wird es wahr sein. Ich aber weiß

nicht, was das für Männer sind. Mag mein Bruder seine jungen Krieger

hinsenden und fragen lassen; die Bleichgesichter haben Zungen.“

Der Häuptling schüttelte finster lächelnd den Kopf.

„Die Dakotahs sind weise,“ sagte er, „und Mahtoree ist ihr Häuptling.

Er wird die Fremdlinge nicht rufen, sie könnten ihm sonst mit ihren

Büchsen antworten. Aber er wird ihnen leise in die Ohren flüstern.“

Damit wendete er sich und ging, gefolgt von seiner Schar, die bei

seinen letzten Worten ein unterdrücktes, beifälliges Lachen hatte hören

lassen.

Der Trapper zweifelte keinen Augenblick daran, daß der Häuptling

einen Handstreich gegen das Lager der Emigranten beabsichtigte.

Er lauschte angestrengt, vernahm jedoch keinen Laut. Wußte er doch

nicht, daß der kühne Mahtoree seine Krieger zurückgelassen und ganz

allein, geräuschlos wie eine Schlange und unbemerkt von den in Schlaf

gesunkenen Wächtern, in Ismael Buschs Wagenburg geschlichen war.

Sorgenvoll ließ er sein greises Haupt sinken, auch Ellen und Paul

redeten kein Wort.

Die Gefangenen befanden sich wieder unter der Aufsicht Weuchas und

seiner Gefährten. Nachdem der erstere lange mit gespitztem Ohr in die

Nacht hinaus gehorcht hatte, neigte er sich mit wildem Grinsen zu dem

alten Trapper.

„Wenn die Tetons ihren großen Häuptling durch die Hand der Langmesser

verlieren,“ raunte er ihm zu, „dann muß der Weißkopf mitsamt den Jungen

sterben.“

„Das Leben ist ein Geschenk Wakondahs,“ war die ruhige Antwort. „Die

Menschen verlieren es, wenn er dies beschließt, kein Dakotah kann daran

etwas ändern.“

„Schau her!“ knirschte der Wilde, sein Messer vor des Alten Gesicht

haltend. „Weucha ist der Wakondah für solche Hunde, wie ihr seid!“

Der Trapper zuckte die Achseln und blickte zur Seite. Plötzlich

unterbrach ein lauter, gellender Triumphruf die nächtliche Stille,

dann schien die ganze Prärie lebendig zu werden; denn von allen Seiten

erhob sich als Antwort ein wildes Geheul, als seien sämtliche Dämonen

der Hölle losgelassen. Auch Weucha und seine Kameraden stimmten ein,

trotzdem sie Mühe hatten, die erschreckten Pferde zu bändigen.

Inmitten dieses Geheuls aber wurde noch ein anderes Geräusch hörbar,

ein Getöse von vielen stampfenden Hufen, und gleich darauf jagte

Ismaels ganzer Viehbestand in wirrem Durcheinander vorüber. Mahtoree

hatte die Tiere losgeschnitten und aus dem Lager gejagt, die nun von

den beutegierigen Tetons verfolgt wurden. Die indianischen Pferde,

durch den Anblick der dahinrasenden Gäule Ismaels auf das höchste

erregt, stampften und rissen wütend an ihren Fesseln, so daß ihre

Wächter sie kaum noch halten konnten.

Diesen Augenblick benutzte der Trapper. Mit einer Gewandtheit und

Kraft, die niemand ihm zugetraut hätte, entriß er Weucha das Messer und

durchschnitt den langen Riemen, welcher die Pferde aneinander fesselte.

Die Tiere schnaubten vor Freude und Schreck, dann aber stoben sie nach

allen Richtungen davon.

Im ersten Moment wendete Weucha sich wie ein Tiger gegen den Alten;

er tastete nach der leeren Messerscheide, dann nach dem Griff des

Tomahawks; im nächsten Augenblick aber siegte die Habgier über das

Gefühl der Rache, und wie ein Blitz stürzte er mit seinen Gefährten den

Tieren nach.

Der Alte, der in dem kritischen Moment seinem Feinde fest ins Auge

geblickt hatte, lachte jetzt unhörbar vor sich hin.

[Illustration]

„Die rote Natur bleibt immer dieselbe, im Walde wie auf der

Prärie,“ sagte er. „Ein christlicher Wächter hätte mir den Schädel

eingeschlagen, dieser Teton aber rennt seinen Pferden nach, als wenn

zwei Beine so schnell laufen könnten wie vier.“

Der Bienenjäger schlug jetzt vor, schleunigst Ismaels Lager

aufzusuchen. Ellen widersprach heftig. Inzwischen wurde es unten in der

Wagenburg lebendig.

„Entferne dich, Paul,“ bat das Mädchen, „du weißt, daß sie dich nicht

sehen dürfen, und sie kommen gewiß hierher!“

„Ich gehe nicht eher, bis ich dich sicher im Schutze des Lagers

weiß,“ entgegnete der junge Mann, „denn die roten Teufel können jeden

Augenblick zurückkommen, und was soll dann aus dir werden?“

„Die Rothäute braucht Ihr vorläufig nicht zu fürchten,“ sagte der

Trapper. „Ich gebe Euch die Versicherung, daß die Tetons mindestens

noch sechs Stunden hinter ihren Tieren herjagen. Horcht doch; jetzt

sind sie unten im Weidengrund. Aber still! Nieder ins Gras! Ich hörte

ein Gewehrschloß knacken, so wahr ich ein Sünder bin!“

Damit hatte er auch schon die beiden mit sich zu Boden gerissen. Es

war kein Augenblick zu verlieren gewesen, denn kaum lagen sie im hohen

Grase, als auch schon einige Schüsse krachten und die Kugeln über ihnen

dahinpfiffen. Weitere Schüsse folgten, und zwar schon aus geringerer

Entfernung. Die Situation wurde gefahrdrohend, um so mehr, als der

trotzige Bienenjäger sich anschickte, das Feuer zu erwidern.

„Das Ding muß ein Ende nehmen,“ sagte der Trapper endlich, sich

mit ruhiger Entschlossenheit wieder vom Boden erhebend. „Es ist mir

unbekannt, Kinder, weswegen ihr jene Leute fürchtet, denen ihr doch,

wie mir scheint, in Liebe verbunden sein solltet; immerhin aber muß ich

für eure Rettung sorgen. Ob ich, der ich so alt geworden bin, ein paar

Stunden früher oder später sterbe, darauf kommt es nicht an; ich will

daher vorgehen.“

Ohne auf eine Antwort zu warten, schritt er gemessenen Ganges den

leichten Abhang hinab und dem Lager zu. Hell beschien das Mondlicht

jetzt seine lange, hagere Gestalt.

Von unten her ließ sich eine drohende Stimme vernehmen.

„Wer kommt da -- Freund oder Feind?“

„Freund,“ antwortete der Alte; „einer, der zu lange gelebt hat, um den

Rest seiner Tage in Unfrieden zu beschließen.“

„Aber nicht lange genug, um die Kniffe seiner jungen Jahre vergessen zu

haben,“ entgegnete Ismael, seinen mächtigen Körper hinter einem Gebüsch

aufrichtend. „Ihr habt uns die Rothäute auf den Hals geschickt, alter

Mann, um morgen die Beute mit ihnen zu teilen.“

„Was habt Ihr verloren?“ fragte der Trapper ruhig.

„Acht Pferde und ein Füllen. Meine Frau hat nicht eine Kuh behalten,

und auch die Schweine und die Schafe sind fort. Wieviel davon kommt auf

Euren Anteil?“

„Nach Pferden hat mich nie verlangt, habe auch niemals auf einem

gesessen, obgleich nur wenige das Land Amerika so weit durchstreiften,

wie ich getan, so alt und schwach ich heute auch aussehe. Wolle und

Milch mag für die Weiber sein, ich frage nichts danach. Das Fell des

Wildes kleidet mich, und sein Fleisch genügt mir zur Nahrung.“

Der aufrichtige, ehrliche Ton dieser Rede verfehlte seine Wirkung auf

den Squatter nicht. Nach weiterem Hin- und Herreden fragte derselbe

endlich:

„Aber Ihr habt doch die Indianer gesehen?“

„Gewiß,“ lautete die Antwort, „sie hielten mich gefangen, während sie

sich in Euer Lager schlichen.“

„Hättet Ihr uns da kein Warnungszeichen geben können?“ entgegnete der

andere finster und noch immer mißtrauisch. „Doch was geschehen ist, ist

geschehen ... Kommt hervor, Jungen, aus Eurem Versteck! Hier ist nur

ein alter Mann, der von meinem Brot gegessen hat und daher unser Freund

sein müßte.“

Auf des Vaters Ruf kamen einige seiner Söhne herbei, die in der Nähe

im Hinterhalte gelegen und die drei Gestalten in der nächtlichen Prärie

für einen Haufen Sioux gehalten hatten. Sie betrachteten den Alten mit

finsterem Argwohn und feindseligen Blicken. Endlich nahm der älteste

von ihnen, gerade derjenige, dessen nachlässige Wacht dem Häuptling

Mahtoree das Beschleichen des Lagers ermöglicht hatte, das Wort.

„Wenn das der einzige ist, der von der Gesellschaft, die wir dort

oben sahen, übrigblieb, dann haben wir unsere Munition nicht umsonst

verschossen,“ sagte er in roher Genugtuung zu seinem Vater.

„Asa, du hast recht,“ erwiderte der Squatter, und sich schnell an den

Trapper wendend fuhr er fort: „Wie ist das, Fremder? Ihr wart Euer

drei, wenn der Mondschein nicht log; wo sind die anderen?“

„Wenn Ihr die Tetons hinter Eurem Vieh hättet herjagen sehen wie lauter

schwarze Teufel, so wäret Ihr bei dem wechselnden Licht und Schatten

auch wohl der Meinung gewesen, es seien ihrer Tausend. Die nächtliche

Prärie täuscht den Blick, Freund.“

Statt aller Antwort rannten Ismaels Söhne nach der Gegend, aus

der der Trapper gekommen war. Sie fanden jedoch nichts und kehrten

langsam zurück, worauf sich alle ins Lager begaben. Der Alte folgte

auf des Squatters Wink; ehe er aber auf dem Strohlager, das man ihm

gastfreundlich anwies, entschlummerte, hatte er noch die Beruhigung,

Ellen Wade im Geplauder mit Ismaels Töchtern zu erblicken.

Zweites Kapitel

Das geheimnisvolle Zelt

Ismael Busch, zur Zeit unserer Erzählung ein Mann von weit über

fünfzig Jahren, hatte sein ganzes Leben an den Grenzen der Zivilisation

zugebracht und seine Wohnplätze immer so gewählt, daß er ungestraft

jeden Baum niederschlagen durfte, den er von seiner Haustür aus mit

dem Blick erreichen konnte. Hieraus ist ersichtlich, daß er sowohl

von Gesetzen und bürgerlicher Ordnung, als auch von dem Klange der

Kirchenglocken kaum eine entfernte Ahnung hatte. Kenntnisse, die er

bei seinem halbwilden Leben nicht brauchte, flößten ihm auch keinen

Respekt ein, und von allen Wissenschaften hielt er nur die des Arztes

für berechtigt, weil dieselbe jene körperlichen Schädigungen zu heilen

vermochte, denen er mit den Seinen bei dem rauhen Grenzerberuf häufig

ausgesetzt war. Aus diesem Grunde hatte er auch einem medizinisch

gebildeten Manne gestattet, sich seiner Expedition anzuschließen;

derselbe, ein eifriger Naturaliensammler und nebenbei ein Sonderling,

führte den Namen Obed Bat; nach der Sitte jener Zeit aber hängte er

demselben eine lateinische Endung an und nannte sich Dr. Battius.

Dieser Mediziner, ein kleines, dürres Männchen von komischem Äußeren,

war es, der in der Morgenfrühe nach der ereignisreichen Nacht den

Squatter und dessen Familie aus dem Schlafe erweckte. Er hatte während

der vorhergehenden zwei Tage auf dem Rücken seines Reittieres, eines

Esels, einen weiten Streifzug nach seltenen Pflanzen unternommen

und kehrte nun zurück, um nicht ohne Erschrecken das Vorgefallene zu

vernehmen.

Das Tageslicht zeigte den Emigranten die ganze Größe ihres Verlustes.

Finster rollenden Auges und knirschend vor Ingrimm blickte Ismael auf

die schwer beladenen Wagen, deren Gespanne sich jetzt in den Händen der

Wilden befanden; dann, als beenge ihn die Luft innerhalb der Wagenburg,

trat er langen Schrittes hinaus in die Ebene. Einige seiner Söhne

schlenderten hinter ihm drein; auch der Trapper folgte ihm.

„Wo sind nun die rothäutigen Schufte, die mir mein Vieh gestohlen

haben?“ fragte Busch den letzteren, nachdem lange niemand ein Wort

geredet hatte.

„Wer kann das wissen?“ antwortete der alte Mann. „Welche Farbe hat der

Raubvogel, der dort unter jener weißen Wolke dahinstreicht? Wenn ein

Indianer seinen Streich ausgeführt hat, dann wartet er nicht erst, bis

ihm der Lohn dafür in Blei ausgezahlt wird.“

„Wird das Gesindel sich zufrieden geben mit dem, was es erbeutet hat?“

„Menschennatur bleibt Menschennatur, stecke sie in roter oder in weißer

Haut. Wenn Ihr eine gute Ernte eingeheimst habt, seid Ihr dann für

immer damit zufriedengestellt? Wenn das der Fall ist, dann seid Ihr

grundverschieden von all den Menschen, die ich in meinem langen Leben

kennenlernte.“

„So werden wir uns also noch auf weitere Besuche von den Räubern gefaßt

machen müssen?“

„Ohne Zweifel,“ sagte der Trapper. „Und Euer Lager hier gewährt Euch

keinen Schutz gegen ihre Kugeln. Ich weiß eine Stunde von hier einen

besseren Ort, einen Felsenberg, der, von tapferen Männern verteidigt,

eine gute Zuflucht für die Weiber und Kinder wäre.“

Der Squatter horchte auf; er forderte noch nähere Auskunft, und die

Beschreibung des Berges gefiel ihm so gut, daß er den sofortigen

Aufbruch befahl. Es galt, die Wagen mit den Händen bis an jenen Ort zu

ziehen, eine Aufgabe, die für gewöhnliche Menschen fast unausführbar

gewesen wäre, an die die starken Söhne des Emigranten jedoch

herangingen, als handle es sich um ein Kinderspiel. Schon knarrten und

quietschten die Mehrzahl der schwerfälligen Fuhrwerke, von den Männern

gezogen und den Weibern geschoben, träge über das Gras, als Ismael und

sein Schwager Abiram sich an den kleinen, zu dem Leinwandzelt gehörigen

Wagen heranmachten.

Der Trapper, der, auf seine Büchse gestützt, den Kraftleistungen der

jungen Männer mit beifälligem Nicken zugeschaut hatte, näherte sich

jetzt den beiden mit kindischer Neugierde. Das Geheimnis dieses Wagens

zog ihn unwiderstehlich an. Nur noch zwei Schritte war er von dem Zelte

entfernt, als Ismael unter demselben hervorkam. Beim Anblick des Alten

rötete sich sein Gesicht vor Zorn.

„Bisher meinte ich immer, daß nur die Weiber sich um Dinge kümmern,

die sie nichts angehen,“ sagte er finster. „Was habt Ihr hier zu

spionieren? Wem wollt Ihr Eure Neuigkeiten zutragen?“

„Ich stehe nur mit =einem= in Verkehr,“ antwortete der Trapper ruhig,

„mit dem dort oben, mit meinem und Eurem Richter. Der braucht meiner

nicht, um Neuigkeiten zu erfahren; vor dem könnt Ihr aber auch nichts

verbergen, selbst nicht in der Einsamkeit dieser Wüste.“

Jetzt kroch auch Abiram unter der Leinwand hervor.

„Vor dem alten Schleicher müssen wir uns hüten,“ rief er, einen

giftigen Blick aus seinen falschen Augen auf den Greis werfend. „Wenn

der nicht mit den Rothäuten unter einer Decke steckt, dann bin ich ein

Sioux!“

Auf diese Worte seines Verwandten musterte der Squatter den Trapper

noch einmal scheeläugig und forschend von oben bis unten, er schien

sich jedoch nicht zu der Ansicht Abirams bekehren zu können, denn er

wendete sich bald ab, brachte den Wagen in Ordnung, spannte sich mit

Abiram davor und zog den anderen Fuhrwerken nach.

Der Alte folgte ihnen mit den Blicken. Dann schweifte sein Auge über

das verwüstete kleine Tal.

„Ja, ja,“ murmelte er schwermütig, „das hätte ich wissen können, hab'

ich's doch früher schon oft genug erlebt! So treibt's der Mensch.

Er zähmt die Tiere des Feldes zu seinem Dienst, raubt ihnen aber ihr

natürliches Futter und zwingt sie, das Laub der Bäume zu fressen, die

sonst in der mittagsheißen Öde so kühlen Schatten spendeten! Aber warum

beklage ich mich? habe ich sie doch selber hierher geführt.“

Ein Geräusch in dem Gebüsch, das der zerstörenden Axt entgangen war,

erregte seine Aufmerksamkeit. Blitzschnell, dem alten Jägerinstinkt

gehorchend, lag die Büchse schußfertig in seiner Hand. Gleich darauf

aber ließ er die Waffe sinken.

„Komm hervor,“ sagte er mit trauriger Stimme, „komm hervor, Mensch oder

Tier, du hast von meinen alten Händen nichts zu fürchten. Ich bin satt

und bedarf keines Wildbrets, warum sollte ich daher Blut vergießen?

Es wird nicht mehr lange währen, dann sitzen die Vögel auf meinem

Gebein und picken nach meinen Augen; denn der menschliche Leib ist der

Vernichtung geweiht, und auch ich werde nicht ewig leben. Also komm

getrost hervor, von meinen alten Händen hast du nichts zu fürchten.“

„Dank für die freundliche Gesinnung, alter Trapper,“ rief eine muntere

Stimme, und gleich darauf trat Paul Hover aus dem Dickicht ins Freie

heraus. „Im ersten Moment erschrak ich wirklich, denn Ihr schlugt an

wie einer, dem keine Kugel fehlgehen kann.“

„Da habt Ihr nicht ganz unrecht,“ antwortete der Alte, lautlos in sich

hineinlachend, „nicht ganz unrecht, junger Mann. Es gab eine Zeit, wo

keiner eine Büchse besser zu handhaben wußte als ich, wo es gefährlich

war, in Hörweite von mir ein Blatt rascheln zu lassen, ja, und wo ein

roter Mingo tot war, wenn er mir aus seinem Versteck auch das Gefunkel

seines Auges zeigte. Ihr habt doch von den roten Mingos gehört?“

„Von Mingos, nein; wohl aber kenne ich die Minks, das sind Tiere mit

wertvollem Pelzwerk,“ antwortete der Bienenjäger, vorsichtige Blicke

um sich werfend und dann den Trapper sanft mit sich in das Gebüsch

hineinziehend.

Wieder überließ sich der Alte seinem unhörbaren Lachen. Seine

Entgegnung verlor sich jedoch in dem Geraschel des Dickichts, in

welchem die beiden im nächsten Augenblick verschwunden waren.

* * * * *

Seit den geschilderten Ereignissen war eine Woche vergangen. Den

Andeutungen des Trappers folgend, hatten die Emigranten den Berg bald

gefunden, der ihnen als Zuflucht dienen sollte. Derselbe war eigentlich

nichts als ein Felskegel, der, von Gestrüpp umwuchert, steil und fast

unzugänglich aus der Ebene emporragt. Auf dem flachen Gipfel desselben

errichteten sie einige Hütten aus Baumästen und ähnlichem Material, und

unweit des Abhanges, auf erhöhter Stelle, wurde das geheimnisvolle Zelt

aufgeschlagen, dessen weiße Leinwand wie ein Schneefleck weit in die

Ferne hinaus leuchtete.

Der alte Trapper · 第 1 / 10 段