Weit bedeutsamer war der Schritt, zu dem sich im November de

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Anmerkungen zur Transkription

Der vorliegende Text wurde anhand der Buchausgabe von 1923 so weit

wie möglich originalgetreu wiedergegeben. Typographische Fehler

wurden stillschweigend korrigiert. Ungewöhnliche und heute nicht

mehr gebräuchliche Schreibweisen bleiben gegenüber dem Original

unverändert.

Das Inhaltsverzeichnis wurde vom Berarbeiter der Übersichtlichkeit

halber an den Anfang des Texts verschoben. Die Seitenzahlen im

Abbildungsverzeichnis wurden an die Positionen der Bilder im Text

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OPAL-BÜCHEREI

[Illustration: Der Graf von Saint-Germain

Stich von Nicolas Thomas nach einem Gemälde im Besitz der Marquise von

Urfé]

DER GRAF

VON SAINT-GERMAIN

DAS LEBEN EINES ALCHIMISTEN

Nach großenteils unveröffentlichten Urkunden

Herausgegeben und eingeleitet von

GUSTAV BERTHOLD VOLZ

*

Deutsch von

FRIEDRICH VON OPPELN-BRONIKOWSKI

Mit 16 Bildbeigaben

*

PAUL ARETZ VERLAG

DRESDEN

Alle Rechte, insbesondere das der

Übersetzung in fremde Sprachen, vorbehalten. Copyright 1923

by Paul Aretz Verlag, Dresden

INHALT

EINLEITUNG 5

Der „berühmte Alchimist“ S. 5. -- Das Rätsel seines Ursprungs

S. 7. -- Das Rätsel seines Alters S. 10. -- Das erste

Auftreten S. 11. -- Sein Aufenthalt in Frankreich S. 13.

-- Die Mission des Grafen Saint-Germain im Haag S. 15.

-- Saint-Germain in Rußland S. 20. -- Das Abenteuer von

Tournai S. 23. -- Ausgang S. 27. -- Saint-Germains Künste

und Geheimnisse S. 31. -- War Saint-Germain Freimaurer und

Kabbalist? S. 34. -- Saint-Germains Persönlichkeit und die

Legendenbildung S. 37.

ERSTER TEIL

ALLGEMEINE DARSTELLUNGEN, ANEKDOTEN

UND FÄLSCHUNGEN

Aus den „Erinnerungen“ des Barons von Gleichen 47

Aus dem „Tagebuch eines Weltkindes“ von Graf Lamberg 59

Schreiben des Grafen Lamberg an Opiz 67

Aus Lambergs „Kritischen, moralischen und politischen Briefen“ 68

Epigramm des Grafen Lamberg auf Saint-Germain 68

Grabschrift Saint-Germains auf den Grafen Lamberg 68

Zur Kritik Lambergs (Moehsen) 69

Aus den „Denkwürdigkeiten“ der Gräfin Genlis 70

Aus Grosleys „Nachgelassenen Schriften“ 76

Anekdoten 85

(I. Schöning S. 85. II. Corberon S. 85. III. Lehndorff S. 86.

IV. Madame Campan S. 87. V. Bertuch S. 87. VI. Mirabeau S. 88.)

Aus den „Denkwürdigkeiten“ der Lady Craven 89

Aus den „Erinnerungen“ der Marquise von Créquy 91

Aus den „Denkwürdigkeiten zur Geschichte des Grafen Cagliostro“.

Cagliostros Besuch bei Saint-Germain. Eine Satire (von Luchet) 100

Charakteristik des Grafen Saint-Germain 107

Kritik der „Charakteristik“ von Meister 108

Saint-Germain und Cagliostro 108

Graf Saint-Germain (von Luchet) 110

Charakteristik des Grafen Saint-Germain 112

Kritik der „Charakteristik“ 114

ZWEITER TEIL

URKUNDEN ZUR LEBENSGESCHICHTE

DES GRAFEN SAINT-GERMAIN

Saint-Germain in London (1743-1745) 119

I. Aus dem Briefwechsel von Horace Walpole 119

II. Aus: „The London Chronicle“ 120

Saint-Germain in Frankreich 122

I. Aus Casanovas „Memoiren“ und dem „Monolog eines

Denkers“ 122

II. Aus den „Denkwürdigkeiten“ der Madame du Hausset 126

III. Bericht Hellens (1760) 139

IV. Saint-Germain auf Schloß Chambord. (Aus dem

Schriftwechsel des Marquis von Marigny) 141

V. Aus einem Schreiben des Grafen Bernstorff (1779) 143

VI. Aus den „Episoden meines Lebens“ des Grafen

d’Angiviller 143

Die Mission Saint-Germains im Haag (1760) 144

I. Aus dem Schriftwechsel des Herzogs von Choiseul 144

II. Denkschrift des Grafen d’Affry an die Generalstaaten 160

III. Protokoll der Sitzung der Generalstaaten 161

IV. Aus den Aufzeichnungen des Grafen Bentinck 162

V. Aus Yorkes Korrespondenz 170

VI. Aus Hellens Korrespondenz mit Friedrich dem Großen 182

VII. Aus der Korrespondenz von Knyphausen und Michell mit

Friedrich dem Großen 189

VIII. Aus Mitchells Korrespondenz 194

IX. Berichte Reischachs an Graf Kaunitz 196

X. Aus Kauderbachs Korrespondenz 206

XI. Friedrich der Große und Voltaire 215

XII. Aus der „Geschichte des Siebenjährigen Krieges“ von

Friedrich dem Großen 216

XIII. Aus: „The London Chronicle“ 218

XIV. Graf Danneskjold-Laurwigen an Saint-Germain 219

Saint-Germain in Holland (1762) 221

I. Aus dem Schriftwechsel des Herzogs von Choiseul 221

II. Aus den Aufzeichnungen Hardenbroeks 222

Saint-Germain in den österreichischen Niederlanden (1763) 225

I. Aus dem Schriftwechsel des Grafen Karl Cobenzl 225

II. Aus den „Erinnerungen“ des Grafen Philipp Cobenzl 280

III. Aus Casanovas „Memoiren“ 284

Saint-Germain in Ansbach (1774-1776) 288

„Aufschlüsse über den Wundermann, Marquis Saint-Germain, und

sein Aufenthalt in Ansbach, von einem Augenzeugen“ (Freiherr

von Gemmingen).

Saint-Germain in Leipzig und Dresden (1776-1777) 304

I. Aus den Tagebüchern des Grafen Lehndorff 304

II. Aus dem Briefwechsel Friedrichs des Großen mit Prinz

Heinrich, der Prinzessin Wilhelmine von Oranien und

Alvensleben 306

III. Aus den Briefen des Kurfürsten Maximilian III. Joseph

von Bayern 323

IV. Aus dem Briefwechsel des Prinzen Friedrich August von

Braunschweig 324

Saint-Germain in Berlin 338

I. Aus den „Erinnerungen“ Thiébaults 338

II. Aus Zimmermanns „Fragmenten über Friedrich den

Großen“ 342

III. Graf Saint-Germain („Berlinische Monatsschrift“) 343

Saint-Germain in Hamburg (1778) 350

Saint-Germain in Schleswig und Eckernförde (1779-1784) 353

I. Aus den „Denkwürdigkeiten“ des Prinzen Karl von

Hessen-Kassel 353

II. Prinz Karl von Hessen an Prinz Christian von

Hessen-Darmstadt (1825) 360

III. Prinz Ferdinand von Braunschweig an Prinz Friedrich

August von Braunschweig (1779) 360

IV. Aus Briefen des Grafen Warnstedt (1779) 361

V. Friedrich der Große an die Königin-Witwe Juliane

von Dänemark (1784) 362

Saint-Germains Tod in Eckernförde 363

I. Aus dem „Totenregister“ der St. Nikolaikirche in

Eckernförde 363

II. Aus den „Einnahmen an Begräbnißöffnung und Vestegeldern“ 363

III. Aus dem Verzeichnis der „Glockengelder“ 364

IV. Aufruf von Bürgermeister und Rat der Stadt Eckernförde 364

V. Nachruf des Professors Remer in den „Neuen

Braunschweigischen Nachrichten“ (1784) 366

PERSONENVERZEICHNIS 368

ORTSVERZEICHNIS 375

VERZEICHNIS DER ABBILDUNGEN 378

EINLEITUNG

Der „berühmte Alchimist“

Der Name des Grafen Saint-Germain führt uns mitten hinein in die

Welt der Abenteurer, Projektenmacher und Betrüger, von denen das

18. Jahrhundert, so stolz das Jahrhundert der Aufklärung genannt,

wimmelte; denn selten stand das Abenteurertum in solch üppiger Blüte

wie damals. In unaufhörlicher Wanderung von einem Staate zum anderen,

hier untertauchend, um unvermutet dort wieder zu erscheinen, dabei

chamäleonartig Namen und Gestalt wechselnd -- so flutet der Strom der

abenteuerlichen Gesellen durch ganz Europa. Vor allem sind Frankreich,

England und Italien die gesegneten Stätten ihres dunklen Wirkens;

aber auch Rußland, das sich seit Beginn des Jahrhunderts aus einem

asiatischen Reiche zu einem Mitglied der europäischen Staatenwelt

zu entwickeln begann, war ein dankbares Feld ihrer Tätigkeit. Sie

bewegen sich nicht nur in den niederen und mittleren Sphären, wie es

zu allen Zeiten gewesen, sondern einige Erwählte dringen auch in die

Kreise der höchsten Gesellschaft bis in die unmittelbare Nähe der

Fürstenthrone. Und auch ihr Gewerbe ist keineswegs das der kleinen

Schelme und Betrüger. Sie kommen mit großen Plänen zur Beglückung der

Völker, sie gebärden sich als Wohltäter der Menschheit, und was ihrer

Tätigkeit den besonderen Stempel aufdrückt, sie umgeben sich mit dem

Schimmer des Geheimnisvollen, indem sie bald als Alchimisten, bald als

Geisterseher oder gar als Magier auftreten.

Auf dem einzigen Bildnis, das wir von Saint-Germain besitzen, ist er

denn auch als der „berühmte Alchimist“ bezeichnet. Überschwänglich wird

von ihm gerühmt, daß er die Herrschaft über die Natur besaß, die ihm

ebenso wie dem Schöpfer willig gehorchte.

Schon seit altersgrauen Zeiten schwebte den Forschern in dem großen

Buche der Natur als höchstes Ziel ihres Strebens die künstliche

Erzeugung der Edelmetalle vor. Das war die Aufgabe, die sich eben

die Alchimie stellte. Ihre Wiege stand in Ägypten. Als die Araber im

7. Jahrhundert dieses Land eroberten, machten sie sich diese geheime

Wissenschaft zu eigen, verpflanzten sie nach Spanien, von wo aus sie

ihren Siegeszug durch ganz Europa antrat. So blühte denn die Alchimie

durch das ganze Mittelalter hindurch bis in die neuere Zeit hinein,

und erst die Entwicklung der Chemie zu einer Wissenschaft machte

diesem Spukglauben ein Ende. So zählte denn auch Saint-Germain zu

den letzten großen Vertretern der „Adepten“, wie die Meister dieses

Geheimnisses hießen, die im Besitz des „Steines der Weisen“ waren;

denn letzten Endes lief alles Forschen und Experimentieren darauf

hinaus, die _materia prima_, den Urstoff für die Gewinnung des „Steines

der Weisen“, zu finden, mit dem sich das Problem der künstlichen

Herstellung von Gold und der Metallverwandlung lösen ließ. Und wer den

„Stein der Weisen“ besaß, der besaß damit zugleich auch das Geheimnis

der Universalmedizin oder des „Elixiers“, das schier unvergängliche

Dauer des Lebens gewährte.

Das mystische Dunkel, mit dem Saint-Germain seine Person geheimnisvoll

umgab, ist bis heute noch kaum gelichtet. Über das Anekdotenhafte

kommen die meisten der bisher bekannten Berichte -- überdies zum

Teil apokrypher Art -- kaum hinaus. Nur die Aufzeichnungen der

Madame du Hausset, der Kammerfrau der Marquise von Pompadour, und

des Ansbachischen Ministers Freiherr von Gemmingen machen davon

eine Ausnahme. Aber auch sie erhellen nur kurze Wegstrecken in dem

wechselvollen Leben dieses Abenteurers. Die zahlreichen neuen Urkunden,

die wir im folgenden aus verschiedenen Archiven mitteilen und die gut

die Hälfte dieses Buches umfassen, bringen daher nicht nur weitere

wertvolle Aufklärung über sein Schicksal, ja sie gewähren überhaupt

erst die Möglichkeit, die Umrisse seiner Gestalt deutlich zu zeichnen.

Und wenn auch nicht alle Rätsel gelöst werden können, so sinkt doch der

Schleier. Der Nimbus des „Adepten“ schwindet, und es bleibt allein das

Bild eines abenteuernden Industrieritters.

Das Rätsel seines Ursprungs

Mit höchster Kunst verstand Saint-Germain, über seine Herkunft einen

Schleier zu breiten. Mit Vorliebe deutete er auf seine Abstammung aus

fürstlichem Geschlecht; ja, er nannte sich wohl selbst im vertraulichen

Gespräch einen Nachkommen des letzten siebenbürgischen Fürsten. Andere

leiten seine Herkunft aus dem letzten spanischen Herrscherhause ab.

In grellem Kontraste dazu stehen die Angaben, nach denen er ein

portugiesischer Jude gewesen sein soll. Endlich wird er als Sohn

eines savoyischen Steuereinnehmers namens Rotondo oder auch als der

italienische Geigenspieler Catalani bezeichnet[1]. Wie steht es um die

Zuverlässigkeit dieser einzelnen Nachrichten?

Zunächst die Frage seiner Abstammung von Franz II. Rakoczy, dem letzten

Fürsten von Siebenbürgen. Verworren sind alle Angaben des Prinzen

Karl von Hessen. So macht er unseren Helden zum Sohne aus erster Ehe

des Fürsten mit einer Tököly; diese war aber nicht die erste Gattin,

sondern die Mutter desselben. Saint-Germain spricht von zwei Brüdern.

Tatsächlich wurden dem Fürsten drei Söhne geboren, aber der älteste,

Leopold Georg, für den Saint-Germain sich selbst ausgibt, starb

nachweislich im Kindesalter; er wurde 1696 geboren und starb 1700.

Wohl trifft es zu, daß die beiden Brüder, Joseph und Georg, am Wiener

Hofe aufwuchsen, wo sie den Namen Marquis de San Marco und Marquis

della Santa Elisabetta erhielten. Aber beide flüchteten (1726 und

1734) -- also sie unterwarfen sich nicht feige und demütig ihrem Lose,

wie Saint-Germain dem preußischen Gesandten von Alvensleben und dem

hessischen Prinzen erzählt, und damit entfällt auch die Pointe, daß er

sich selbst, im Gegensatz zu diesem erniedrigenden Verhalten seiner

Brüder, den „heiligen Bruder“, _Sanctus Germanus_ (Saint-Germain)

genannt habe. Man sieht: die ganze Fabel der Abstammung aus dem

siebenbürgischen Fürstenhause steht auf schwachen Füßen. Verdächtig ist

auch der Umstand, daß bereits alle Mitglieder des Hauses tot waren,

deren Zeugnis ihn der Lüge hätte überführen können. Tot war auch der

letzte Fürst aus dem Hause Medici, der ihn nach der Erzählung des

Hessen als zweiter Vater aufgezogen haben sollte.

[Illustration: Fürst Franz II. Rakoczy

Gemälde von Adam Manyoki]

Nicht größeres Vertrauen erweckt die Fabel seiner Abstammung aus dem

spanischen Königshause. Nicht daß Karl II. († 1700) sein Vater

gewesen wäre. Die Königin -- Maria Anna von Pfalz-Neuburg -- soll

ihm während ihres Aufenthaltes in Bayonne (1705) als Frucht einer

illegitimen Verbindung das Leben geschenkt haben. Damit erscheint er

gewissermaßen als Prätendent des durch den Tod Karls II. erledigten

spanischen Thrones, und nur wenn man sich diesen historischen

Hintergrund vergegenwärtigt, wird die von Grosley überlieferte Frage

des spanischen Granden bei der Rückkehr der Königin nach Madrid

verständlich: „Ist sie in anderen Umständen?“ Und sollte sich auch,

wie gerüchtweise behauptet wird[2], Saint-Germain verschiedentlich als

„_Prinz von Spanien_“ unterzeichnet haben, so läge auch darin noch kein

zwingender Beweis für seine Abstammung aus diesem Hause. Im Gegenteil,

diese Unterschrift würde eher beweisen, daß sein Anspruch falsch ist,

da die spanischen Prinzen offiziell den Titel „_Infant von Spanien_“

führten.

Für seine portugiesische Abkunft spricht die mehrfach bezeugte Kenntnis

der Sprache, die um so überraschender ist, als Portugal bereits damals

keine große Weltrolle mehr spielte. Dazu kommt, daß er, wie von

verschiedenen Seiten bezeugt wird, bei seinem Aufenthalt in Holland

im Frühling 1760 bei reichen portugiesischen Juden in Amsterdam und

im Haag wohnte, eine durchaus natürliche Erscheinung, wenn er deren

Stammesbruder war.

Aber auch die Hypothese, daß er aus dem savoyischen Flecken San Germano

stamme, ist nicht einfach von der Hand zu weisen; denn sie würde seine

Namensgebung auf die einfachste und natürlichste Weise erklären.

Mit seiner Herkunft, sei es aus Portugal, sei es aus Savoyen, wäre

auch leicht seine Antwort auf die diesbezügliche Frage der Prinzessin

Amalie von Preußen zu vereinbaren; denn nach Thiébaults Bericht

erwiderte er, seine Heimat sei ein Land mit angestammten Fürsten. Dies

aber trifft sowohl auf Portugal wie auf Savoyen zu.

Was endlich die der Marquise von Créquy in den Mund gelegte Version

betrifft, daß Saint-Germain der Sohn eines jüdischen Arztes Wolf

aus Straßburg gewesen sei, so ist zu bemerken, daß wir es bei den

„Erinnerungen“ dieser Dame mit einer groben Fälschung aus späterer

Zeit zu tun haben. Ebensowenig kommt die Erzählung von Montaigne[3]

in Betracht, der von einem Germain berichtet, den er in Vitry gesehen

habe, und der als Mädchen aufgezogen sei, bis ein Zufall sein wahres

Geschlecht ans Licht gebracht habe.

Wird das Rätsel seines Ursprunges also auch nicht ganz gelöst, so viel

steht fest, daß er nicht fürstlicher Abkunft war; denn auch nicht die

Spur eines Beweises läßt sich dafür beibringen.

Das Rätsel seines Alters

Nicht minder geschickt, wie er seine Herkunft zu verschleiern wußte, so

auch sein Geburtsjahr. Er deutete an, daß sein Lebensalter nicht nach

Jahren und Jahrzehnten, sondern nach Jahrhunderten zähle. Der Spaßvogel

„Mylord Gower“, von dem der Baron von Gleichen berichtet, mußte ihm

als Schrittmacher für die Fabel dienen, daß er schon ein Zeitgenosse

Christi gewesen sei. In seinen Gesprächen ließ Saint-Germain gern

durchblicken, daß er schon in früheren Jahrhunderten gelebt habe.

Für denjenigen, der, wie Alvensleben, ihn stellen wollte, hatte er,

in die Enge getrieben, die Antwort bereit, daß er sich von Zeit zu

Zeit aus dem Treiben der Welt zurückziehe. Vergeblich suchen die

einzelnen Berichterstatter aus seiner äußeren Erscheinung Schlüsse

auf sein Lebensalter zu ziehen. Gegenüber all den Zeugnissen fremder

Personen, wie der Gräfin Gergy, die ihn nach Jahrzehnten im Äußeren

unverändert wiederfinden wollte, fällt das eigene Geständnis des Grafen

Saint-Germain schwer ins Gewicht, der dem Prinzen von Hessen nach

dessen Aufzeichnung erklärte, er sei bei seiner Ankunft in Schleswig

(1779) 88 Jahre alt gewesen. Das würde ungefähr mit dem Lebensalter

stimmen, das für den Sohn des Steuereinnehmers aus San Germano

angegeben wird.

Aber, so könnte man einwenden, spricht nicht für sein Alter das

Stammbuch mit den Eintragungen von Montaigne und dem älteren Grafen

Lamberg? Darauf läßt sich mit der Gegenfrage antworten: waren diese

echt? Schon der jüngere Lamberg spielt auf die Möglichkeit einer

Fälschung an. Waren sie jedoch echt, wo ist dann der Beweis, daß das

Album nicht erst später in den Besitz Saint-Germains gelangt ist? Denn

jene Einzeichnungen sind ganz unpersönlicher Art. Damit scheidet das

Stammbuch als Argument für die Frage des Alters des Grafen aus.

Das erste Auftreten

Gleichwie die Abstammung Saint-Germains ist auch die erste Hälfte

seines Lebens ins Dunkel getaucht. Es heißt, daß er in Mexiko durch

Heirat zu einem großen Vermögen kam und damit nach Konstantinopel

durchbrannte. Für das Jahr 1735 ist sein Aufenthalt im Haag

nachweisbar; denn von dort aus richtete er am 22. November dieses

Jahres ein Schreiben an den englischen Gelehrten Sloane, das über

einen alten Bibeldruck handelt, aber sonst keinerlei persönliche

Angaben enthält[4].

Erst mit seinem Erscheinen in England ums Jahr 1744 gewinnen wir festen

Boden unter den Füßen, und zwar erwähnt ihn Horace Walpole in einem

Schreiben vom 9. Dezember 1745. Wir sehen Saint-Germain als Teilnehmer

an dem Kampfe, den Karl Eduard Stuart, der Enkel des 1688 vertriebenen

Königs Jakob II., um seine Ansprüche auf die Krone mit der englischen

Regierung führte. Wagemutig war der Prätendent in Schottland gelandet,

hatte Edinburg genommen und stand Anfang Dezember bereits in Derby,

um auf London zu marschieren. Doch unter dem Druck der schottischen

Häuptlinge, die ihm die Gefolgschaft versagten, mußte er umkehren, und

die Niederlage bei Culloden (27. April 1746) besiegelte sein Schicksal.

Nach Walpoles Bericht war Saint-Germain offenbar mehr ein Mitläufer als

ein Mitstreiter, wenn er nicht gar, wie es die Nachricht des _London

Chronicle_ von 1760 besagt, unschuldig in den Aufstand des Prätendenten

verwickelt wurde. Jedenfalls aber spielte er keine Heldenrolle, denn

die Untersuchungsakten über den Aufstand schweigen über ihn völlig[5].

Größere, doch unblutige Lorbeeren erntete er, als er sich als

Geigenvirtuose vorstellte. In diese Zeit fällt wohl auch die Entstehung

seines „Traktats über die Musik nach den Regeln des gesunden

Menschenverstandes für die englischen Damen, die den wahren Geschmack

in dieser Kunst lieben“[6].

Immerhin hören wir, daß das Andenken an seinen Londoner Aufenthalt bei

den Engländern auch 1760 noch nicht erloschen war.

Das folgende Jahrzehnt liegt wieder im Dunkel. Während dieser Zeit

unternahm der Graf zwei Reisen nach Indien. So wenigstens erzählt er

in einem späteren Briefe aus dem Jahre 1773, den sein Freund, Graf

Lamberg, uns überliefert hat. Aber nur über die zweite Reise erfahren

wir einiges Nähere. Er will sie mit dem Admiral Watson und mit Robert

Clive, dem berühmten Eroberer Ostindiens, im Jahre 1755 angetreten

haben. Allein die Einzelheiten, die er meldet, sind so nichtig und

albern, daß es schwer fällt, diesen Bericht ernst zu nehmen. Dabei soll

keineswegs bestritten werden, daß er weite Reisen gemacht und auch den

Orient besucht hat; denn wie wir von kritischen Ohrenzeugen vernehmen,

wußte er anregend zu erzählen, und dies läßt voraussetzen, daß er

selbst Land und Leute gesehen hat, die er so fesselnd zu schildern

verstand.

+Sein Aufenthalt in Frankreich+

Wir kommen jetzt zu seinem Aufenthalt in Frankreich, der den Höhepunkt

seines Lebens darstellt.

Wann Saint-Germain nach Frankreich gekommen ist, steht nicht fest.

Nach den Aufzeichnungen Casanovas zu urteilen, mit dem sich seine

Wege mehrfach kreuzten, ist er dort schon 1757 oder 1758 gelandet.

In Chambord erscheint er 1758, während ihn der anonyme Verfasser der

„_Anecdotes_“[7] erst 1759 in Frankreich auftreten läßt.

Hier ging sein Stern auf. Er erlangte die Gunst der Marquise von

Pompadour. Höchst anschaulich ist der Bericht ihrer Kammerfrau, Madame

du Hausset, über seinen Verkehr am Hofe; denn durch die Marquise trat

er auch in Beziehungen zu Ludwig XV., dem er vorgestellt wurde, an

dessen Tafel er speiste und mit dem er alchimistische Studien trieb.

Darin lag kluge Berechnung der Pompadour. Sann sie doch unablässig auf

Mittel und Wege, wie sie dem der Geschäfte überdrüssigen Herrscher

die Langeweile vertreiben könnte. Zu diesem Zwecke hatte sie ihm in

Versailles ein intimes Theater eingerichtet, an dem sie und ihre

Vertrauten mitwirkten. Dann, als sie selbst zu altern begann, hatte

sie den berüchtigten Hirschpark geschaffen. Nun zog sie Saint-Germain

heran, um alchimistischen Versuchen mit dem regierungsmüden König

obzuliegen.

Die Stellung, die er bei Hofe genoß, der Ruf eines Alchimisten, der wie

eine Aureole sein Haupt umschwebte, der Glanz seines Reichtums, über

den fabelhafte Gerüchte umliefen, -- all das kam zusammen, um ihm hohes

Ansehen und auch politischen Einfluß zu verschaffen. Der Sturz des

Generalkontrolleurs Silhouette, der die französischen Finanzen leitete,

soll, so berichtet der preußische Gesandte von der Hellen[8], sein Werk

gewesen sein.

Er fühlte sich ferner berufen, das wirtschaftliche Leben Frankreichs

zu heben. Durch die Ausbeutung eines Geheimmittels für Farben und

Farbstoffe, in dessen Besitz zu sein er vorgab, sollte dieser Plan

ins Werk gesetzt werden. Es erregte daher in den weitesten Kreisen

gewaltiges Aufsehen, als ihm der König für seine Arbeiten Räume in dem

Schloß Chambord, dem einstigen Sitz des Marschalls von Sachsen, zur

Verfügung stellte.

Ist es nach alledem verwunderlich, daß es diesem offenbaren Schoßkind

Fortunas nicht an geheimen Gegnern und Neidern fehlte? Schon hatte sein

Ansehen Einbuße erlitten, der Ruf seines unermeßlichen Reichtums war

untergraben -- so erfahren wir von einem Augenzeugen --, da lächelte

ihm noch einmal das Glück: in geheimer Mission ward er im Auftrag des

Hofes zu Anfang des Jahres 1760 nach Holland entsandt.

+Die Mission des Grafen Saint-Germain im Haag+

Zum Verständnis der Rolle, die Saint-Germain im Haag spielte, müssen

wir kurz den allgemeinen politischen Hintergrund zeichnen.

Seit mehreren Jahren schon währte der englisch-französische

Kolonialkrieg, rangen die Mächte Europas in erbittertem Kampfe

miteinander. Mancherlei Versuche, den Frieden wieder herzustellen,

waren im Sande verlaufen. Immer größer wurde indessen in Frankreich

das Friedensbedürfnis, aber auch in England bestand eine starke

Friedenspartei. Da bot im Herbst 1759 die spanische Krone ihre

Vermittlung an.

Weit bedeutsamer war der Schritt, zu dem sich im November des Jahres

die englische und die preußische Regierung entschlossen. Sie erklärten

sich bereit, an einen noch zu bestimmenden Ort Bevollmächtigte zur

Verhandlung mit den Gegnern über die Einleitung eines allgemeinen

Friedens zu senden. Prinz Ludwig von Braunschweig, der Vormund des

oranischen Erbstatthalters, übernahm es, den Vertretern des feindlichen

Dreibundes im Haag (Graf d’Affry, Baron Reischach und Graf Golowkin)

diese Erklärung zu übermitteln. Auf dem Schlosse zu Ryswijk fand

am 25. November dieser feierliche Akt statt. Darauf brachten die

Generalstaaten Breda als Konferenzort in Vorschlag. Aber der Plan des

Kongresses scheiterte, da die drei eingeladenen Mächte (Österreich,

Frankreich und Rußland) am 3. April 1760 durch ihre Vertreter dem

Prinzen Ludwig ihre Gegenerklärung abgeben ließen, daß sie ohne

Zuziehung ihrer übrigen Verbündeten (Kursachsen und Schweden) sich mit

Preußen auf nichts einlassen könnten.

Der Versailler Hof, der bereits mit der Londoner Regierung durch die

beiderseitigen Gesandten im Haag, Graf d’Affry und General Yorke, in

geheime Besprechungen eingetreten war, fügte noch die weitere Erklärung

hinzu, er sei zu einem Sondervergleich mit England bereit. Das Londoner

Kabinett stand vor der Frage, ob es seine Verbündeten, Preußen und die

übrigen deutschen Fürsten, mit denen es Subsidienverträge abgeschlossen

hatte, preisgeben sollte. Doch William Pitt, der Leiter der englischen

Politik, beharrte auf ihrem Einschluß in den Frieden. So kam es auch

zwischen England und Frankreich zu keiner Verständigung, und der

allgemeine Krieg ging weiter.

Neben den Verhandlungen, die von den beglaubigten Vertretern der Mächte

geführt wurden, liefen andere einher, die des förmlichen Charakters

entbehrten. Eine Zeitlang (1759) hatte Voltaire das Amt des Mittlers

zwischen Friedrich dem Großen und dem französischen Premierminister,

dem Herzog von Choiseul, versehen. Im Februar 1760 war der junge

Freiherr von Edelsheim als geheimer preußischer Agent nach Paris

geschickt worden. Nun erschien auch Saint-Germain im Haag auf der

Bildfläche, um sich die diplomatischen Sporen zu verdienen.

Um die Mitte des Februar 1760 war er in Holland angelangt, hatte

zunächst in Amsterdam verweilt. Als dann Anfang März im Haag die

Vermählung der Schwester des Erbstatthalters gefeiert wurde, tauchte er

in Hollands Hauptstadt auf. In der Öffentlichkeit sprach er von einer

Anleihe, die er für Frankreich vermitteln sollte, von der Aufgabe,

die er habe, die Verpflegung der vom Mutterland abgeschnittenen

französischen Kolonien sicherzustellen. Einem Freunde vertraute er an,

er sei beauftragt, sich über den Gang der Friedensverhandlungen zu

unterrichten. Insgeheim aber setzte er sich mit Yorke in Verbindung,

um ihm Eröffnungen über einen englisch-französischen Friedensschluß zu

machen.

Auf drei mächtige Gönner berief er sich: auf die Pompadour, den

Kriegsminister, Marschall von Belle-Isle, von dem er zwei Briefe nebst

einem Paß vorweisen konnte, und -- im Verlauf einer zweiten Unterredung

-- auf den Grafen von Clermont, einen Prinzen von Geblüt, der im Jahre

1758 den Oberbefehl über die französischen Armeen in Westdeutschland

geführt hatte.

Trotzdem war Saint-Germains Verhandlung ein vorzeitiges und

unrühmliches Ende beschieden. Zwar wußte er den Grafen Bentinck, den

er zu seinem Werkzeug ausersehen hatte, geschickt für seinen Plan

zu gewinnen[9]. Aber das Schreiben, das er mit dieser Mitteilung

am 11. März an die Marquise von Pompadour richtete, wurde ihm zum

Verhängnis. Die Marquise stellte den Brief dem Herzog von Choiseul

zu; denn Saint-Germains Version, daß dieser Brief durch „Diebstahl“ in

dessen Besitz gelangt sei[10], ist nicht ernst zu nehmen. Daraufhin

verbot der Herzog dem Grafen unter heftigen Drohungen jede Einmischung

in die Politik. Und als er gar von Saint-Germains Eröffnungen, den

Friedensschluß betreffend, erfuhr, befahl er, auf das höchste erbost,

dem Botschafter Graf d’Affry, die Auslieferung des „Abenteurers“ von

Holland zu fordern. Ja, am liebsten wäre ihm gewesen, hätte d’Affry

ihm eine Tracht Prügel verabfolgen lassen, um den „Halunken“, der die

Kreise seiner Politik zu stören wagte, vor aller Welt in Verruf zu

bringen. Wenigstens sorgte er aber dafür, daß eine Mitteilung in die

Zeitungen gelangte, in der Saint-Germain mit schärfsten Ausdrücken des

Mißbrauchs der ihm in Frankreich gewährten Gastfreundschaft beschuldigt

wurde[11]. Bevor der Botschafter seinen förmlichen Antrag bei den

Generalstaaten stellte, unterbreitete er den Entwurf dazu dem Herzog.

So kam es denn erst am 30. April zur Übermittelung der Denkschrift mit

dem förmlichen Auslieferungsgesuch an die holländische Regierung. Diese

begrub den Antrag durch seine Verweisung an Kommissionen. Überdies

war er gegenstandslos geworden, da Saint-Germain beizeiten von der

ihm drohenden Gefahr Wind bekommen und mit Hilfe Bentincks sich nach

England geflüchtet hatte.

Aber auch hier war seines Bleibens nicht. Sofort in polizeilichen

Gewahrsam genommen, wurde er nach kurzer Frist wieder abgeschoben, da

die englische Regierung fürchtete, daß sein Aufenthalt in England sie

Frankreich gegenüber kompromittiere. Es war von seiner Übersiedlung

nach Ostfriesland die Rede, wo ihm König Friedrich unter der Bedingung

Zuflucht gewähren wollte, daß er sich künftig von jedem politischen

Treiben fernhielt. Allein er begab sich wiederum nach Holland, wo er

Unterschlupf fand.

Man vergleiche diese Darstellung, die sich auf die Berichte der

Beteiligten stützt, mit dem Bilde, das Saint-Germain in seinem späteren

Briefe an Graf Lamberg von den Geschehnissen entwirft. Da sind es

Lügenmärchen, die er auftischt!

Zum Schluß noch die Frage: hat Saint-Germain bei seinen

Friedenseröffnungen an General Yorke im Auftrage des Hofes gehandelt?

Hat Ludwig XV. hinter dem Rücken seines Premierministers, wie dieser

nach Gleichens Darstellung ihm vorwirft, eigene Politik gemacht? Waren

also der König und die Pompadour seine geheimen Auftraggeber? Diese

Frage ist zu verneinen. Denn erstens steht es fest, daß die Pompadour

es war, die den Herzog von Choiseul auf die Spur Saint-Germains setzte,

indem sie ihm den Bericht überlieferte, den ihr der Graf sofort über

seine politische Tätigkeit im Haag erstattet hatte. Einen zweiten

Beweis liefert das Schreiben, in welchem der Marschall Belle-Isle

seinem Schützling, wenn auch in schonender Form, sein Verhalten

vorwirft und ihm bedeutet, daß für die Behandlung politischer Fragen

der Botschafter d’Affry zuständig sei[12].

Aber, so wird man einwenden, worauf bezogen sich dann die Schreiben von

Belle-Isle und Clermont, die Saint-Germain dem General Yorke gleichsam

als seine Beglaubigung vorlegte? Alles spricht dafür, daß sie die 30

Millionen-Anleihe betrafen, die er für den geldbedürftigen Versailler

Hof und, wie wir hinzufügen dürfen, in seinem Auftrag vermitteln

sollte[13]. Über diese Anleihe hat er offenbar in Amsterdam und auch im

Haag mit seinen Gastgebern, den jüdischen Bankiers, verhandelt.

So lockte ihn der politische Ehrgeiz, auf eigene Faust die Rolle des

Friedensstifters zu spielen oder, wie Kauderbach schreibt, gleich

einer zweiten Jungfrau von Orléans Frankreich abermals zu retten. Doch

seine diplomatische Laufbahn fand ein schnelles und klägliches Ende:

sein Erscheinen auf der politischen Weltbühne glich einer schillernden

Seifenblase, die nach kurzem Fluge jählings zerplatzt.

+Saint-Germain in Rußland+

Die bisherige Überlieferung nimmt an, daß Saint-Germain nach seinem

unglücklichen politischen Debut im Haag und nach seiner Ausweisung aus

England seine Schritte nach Rußland gelenkt und bei der Revolution, als

deren Opfer Zar Peter III. im Juli 1762 um Thron und Leben kam, eine

wichtige Rolle gespielt habe. Aber in allen Quellen und Darstellungen

der Zeit findet sein Name nirgends Erwähnung. Durch die neuesten

Forschungen ist festgestellt, daß nur ein einziger Ausländer an jenen

Ereignissen beteiligt war, nämlich der Piemontese Odart, der in

Diensten Katharinas II. stand[14].

Demgegenüber ist die Frage, wie es sich mit der uns überlieferten

Äußerung des Fürsten Gregor Orlow, des bekannten Günstlings der

Zarin, verhält, die das völlige Gegenteil bekundet. Nach Gleichens

Mitteilung soll er auf der Durchreise durch Nürnberg von unserem

Helden gesagt haben: „Dieser Mann hat eine große Rolle bei unserer

Revolution gespielt.“ Aber Gleichens Bericht ist nicht zuverlässig.

Er verwechselt die Brüder: nicht Gregor, sondern Alexei Orlow kam

durch Nürnberg. Gleichen war auch nicht Augen- und Ohrenzeuge, wie

der ansbachische Minister von Gemmingen, der von diesem Ausspruche

Orlows nichts weiß: er begnügt sich, Gleichen zu zitieren. Mit diesem

Ausspruche steht ferner in unvereinbarem Widerspruch, was Alvensleben

1777 als „feststehende Tatsache“ meldet: Alexei Orlow habe dem

Grafen Saint-Germain, zu dem er „in engen Beziehungen“ stehe, einen

Empfehlungsbrief an seinen Bruder, den Fürsten Gregor, gegeben und

diesem den Grafen als „seinen Busenfreund“ ans Herz gelegt. Zählte nun

aber Saint-Germain zu den Verschwörern von 1762, was bedurfte es da für

ihn einer besonderen Empfehlung an Gregor, der doch mit Alexei zusammen

eine der Hauptrollen bei dem Drama gespielt hatte?

Der letzte Zweifel wird durch die entscheidende Tatsache beseitigt,

daß sich Saint-Germains Aufenthaltsort für jene kritische Epoche

sicher nachweisen läßt. Seit er aus England zurückgekehrt war, hatte

er in Holland unter fremden Namen ein unstetes Leben geführt, bis er

sich im Frühjahr 1762 auf seiner neuerworbenen Besitzung Ubbergen

bei Nimwegen, nach der er den Namen _Surmont_ annahm, niederließ.

Damals geschah es denn auch, daß auf die Anfrage des Grafen d’Affry

der Herzog von Choiseul ausdrücklich auf die weitere Verfolgung des

Abenteurers in Holland verzichtete[15]. War Saint-Germain bisher noch

des öfteren in Amsterdam eingekehrt, so zog er im August 1762 -- so

bestätigt ausdrücklich Hardenbroek -- von dort weg, wahrscheinlich

zur vollständigen Übersiedlung nach Ubbergen, worauf er dann, wie

wir im folgenden Abschnitt sehen werden, im Frühling 1763 in Brüssel

auftauchte, um dem österreichischen Minister Graf Cobenzl daselbst

seinen folgenschweren Besuch abzustatten.

Danach gehört Saint-Germains Teilnahme an der russischen Revolution

endgültig ins Reich der Erfindung. Dasselbe gilt für die Korrespondenz,

die er angeblich mit der Zarin Katharina II. führte.

Auch seine Beziehungen zur Familie Orlow erfahren einige Einschränkung.

Immerhin trifft soviel zu, daß er nach dem Ausdruck unseres

Gewährsmannes „das Glück“ hatte, den Grafen Alexei kennen zu lernen,

mit dem er nach seiner beliebten Praxis alchimistische Studien trieb,

bis dieser seiner überdrüssig wurde[16]. In Italien, wo Alexei während

des Türkenkrieges (1768-1774) längere Zeit als Admiral der russischen

Flotte weilte, scheint die Bekanntschaft erneuert zu sein. Wenigsten

berichtet Gleichen von ihrem Zusammentreffen in Livorno im Jahre 1770.

Indessen ist nicht ganz aufgeklärt, was für eine Bewandtnis es mit

dem russischen Generalspatent hat, das ihm angeblich von Alexei in

Nürnberg auf der Heimreise nach Rußland überreicht wurde. Vielleicht

steht es mit den Kämpfen in Zusammenhang, die während des Türkenkrieges

im Archipel stattfanden, die aber, wie der Leipziger Bankier Dubosc

1777 boshaft bemerkte, Saint-Germain trotz aller seiner Erzählungen

nicht mitgemacht hatte. Und so wäre denn auch das Patent als dreiste

Fälschung zu buchen, um so mehr, da es auffälligerweise nur die

Unterschrift des Grafen Alexei, aber nicht der Zarin trug.

Und doch hat Saint-Germain, wie sich aus unseren bisher noch

unbekannten Quellen ergibt, den heiligen Boden Rußlands betreten --

zwar nicht als Verschwörer und politischer Abenteurer, wie er es

darstellen möchte, sondern als schlichter Kaufmann, der aus seinen

schönen Erfindungen Kapital schlagen wollte. Gleichwie in Frankreich

waren es seine Farben, mit denen er sein Glück versuchte. In einer

Kattunfabrik in Moskau war er tätig, aber mißgünstig wandte ihm Fortuna

den Rücken, so daß er bettelarm die Stätte seines neuen Wirkens

verlassen mußte. Voll Mitleid las ihn, den fußkrank und mühselig des

Weges Dahinziehenden, der Schweizer Hotz von der Straße auf, wie er es

hernach 1777 in Leipzig, wo er Saint-Germain wieder traf, erzählte[17].

Aber dieser russische Aufenthalt bildete für Saint-Germain doch keinen

völligen Fehlschlag. Er wollte ein Bergwerk entdeckt haben, das schöne,

den Topasen ähnliche Halbedelsteine lieferte und dessen Ausbeutung

ihm zustand. Seitdem trug er sich mit dem Gedanken, daraus einen

ertragreichen Handelszweig zu machen, ohne daß er freilich für seine

Pläne viel Glauben und Entgegenkommen fand[18].

Aller Wahrscheinlichkeit nach fällt diese russische Episode in die Zeit

zwischen dem Abenteuer von Tournai, zu dem wir uns nunmehr wenden, und

dem Ausbruch des Türkenkrieges.

+Das Abenteuer von Tournai+

Zu Anfang des Jahres 1763 kam Saint-Germain, der, wie erwähnt, sich

inzwischen in Holland angekauft und sich den Beinamen _Surmont_

zugelegt hatte, nach Brüssel, wo er die Bekanntschaft des Grafen

Karl Cobenzl, des bevollmächtigten Ministers der österreichischen

Niederlande, machte und sie geschickt auf seine Weise ausbeutete. Erst

durch die von uns erschlossene Korrespondenz Cobenzls mit dem Hof- und

Staatskanzler Graf Kaunitz sind wir über diese Episode aus dem Leben

Saint-Germains aufs Zuverlässigste unterrichtet. Sie war bisher fast

völlig unbekannt.

Sofort fand Cobenzl an der Unterhaltung mit Saint-Germain Gefallen.

Geschickt wußte dieser das Gespräch auf seine alchimistischen

Kenntnisse zu bringen; er führte ihm einige Experimente vor und begann

von Millionengewinnen zu erzählen, die sich mit seinen Geheimmitteln

erzielen ließen. In heller Begeisterung ging Cobenzl darauf ein, um so

mehr, als Saint-Germain versicherte, „aus reiner Freundschaft“, nur

gegen eine kleine Belohnung, seine Geheimnisse hergeben zu wollen.

In der Besitzerin des Brüsseler Handlungshauses, Madame Nettine,

die in freudigem Enthusiasmus mit ihm wetteiferte, fand Cobenzl die

Persönlichkeit, die mit den erforderlichen Geldmitteln zur Begründung

des Unternehmens einsprang. Kaunitz suchte den Eifer zu dämpfen; er

warnte vor großen und vorzeitigen Ausgaben. Und um seinen Worten

erhöhtes Gewicht zu geben, schickte er ein anekdotisches Portrait mit,

das von einem Kundigen, der Saint-Germain von Paris her kannte, in

recht düsteren Farben entworfen war.

Cobenzl, der im Banne Saint-Germains und seines großen Planes stand,

war nicht gesonnen, sich Wasser in seinen Wein gießen zu lassen. Er

überhörte die Warnung und erklärte leichthin, auf die Person komme es

nicht an, wofern man nur in den Besitz der Geheimmittel gelange. Diese

betrafen ein billiges Herstellungsverfahren für Farben und Farbstoffe,

für gefärbte Hölzer, das Gerben und Färben von Fellen, die Herstellung

eines goldähnlichen Metalls, die Raffinerie von Ölen und die Anlage

einer Hutfabrik.

Doch eine unliebsame Überraschung folgte der anderen. Zunächst handelte

es sich um die Einsendung von Proben; es waren Färbmittel, gefärbte

Hölzer, Leder- und Metallproben. Bei der Prüfung durch Sachverständige,

die Kaunitz vornehmen ließ, stellte sich heraus: die Farben waren

minderwertig; sie standen mit einer Ausnahme hinter den in Österreich

hergestellten zurück, geschweige denn, daß sie den Vergleich mit den

englischen und französischen Fabrikaten aushielten. Ja, die Farbenskala

war nicht einmal vollständig, da Blau und Grün fehlten. Und es war auch

nur ein magerer Trost, wenn Saint-Germain verhieß, daß er für seine

Farben das verlangte billige Herstellungsverfahren noch finden werde.

Ebensowenig taugten die Holz- und Metallproben, während lediglich das

Urteil über das Leder günstiger ausfiel.

Eine zweite Enttäuschung bildete der Anschlag des Unternehmens.

Saint-Germain, der den Riesenerfolg auf die billige Herstellung der

Fabrikate gründete, begnügte sich mit einer Gegenüberstellung der

hohen alten und der billigen neuen Preise, bei denen der Unterschied

allerdings mehrere 100 Prozent ausmachte. Aber da jede weitere

Unterlage, wie z. B. der Überschlag des zu erwartenden Absatzes,

fehlte, so schwebte der ganze Anschlag in der Luft.

Eine dritte Enttäuschung war, daß trotz der Warnungen aus Wien mit der

Ausführung des Planes in Tournai bereits begonnen, Häuser und Geräte

bereits gekauft waren. Es stellte sich heraus, daß die Ausgaben schon

die artige Summe von 100000 Gulden betrugen. Dabei waren noch keinerlei

Rohstoffe beschafft, noch keine Gelder für die Arbeitslöhne angewiesen!

Wie hatte alles so schnell und so weit gedeihen können? Es war das

Werk Saint-Germains. Solange der Plan des ganzen Unternehmens nur auf

dem Papier stand, mußte er befürchten, daß alles zu Nichts zerrann,

sobald man von Wien aus ein Veto einlegte. Also drang er -- „mit

äußerstem Eigensinn“, wie Cobenzl vorwurfsvoll bemerkt -- auf schnelle

Inangriffnahme der Ausführung. Und da Madame Nettine vorschoß, ging

alles flott vonstatten. Damit saß der Gimpel auf der Leimrute fest,

denn es gab kein Zurück mehr oder nur unter schweren Verlusten.

Doch bald kam es anders, als Cobenzl ursprünglich gedacht hatte.

Von einer Hergabe der Geheimnisse, die „aus reiner Freundschaft“

oder nur gegen eine kleine Belohnung erfolgen sollte, war nicht mehr

die Rede. Im Gegenteil, es wurde ein Kontrakt geschlossen, der dem

Grafen Saint-Germain die Hälfte des Reingewinns sicherte. Also kein

unrentables Geschäft, wenn das Unternehmen aufblühte! Doch es lag

immerhin in einiger Ferne. Saint-Germain indessen zog nach dem Wort

der Bibel den Spatzen in der Hand der Taube auf dem Dache vor. Mit

Hilfe eines Geschäftsfreundes aus Nimwegen, der bezeugte, dem Grafen

gehörige Wertsachen im Betrage von mindestens einer Million im Depot

zu haben, erschwindelte er sich von Madame Nettine Vorschüsse, die

von seinem künftigen Anteil am Reingewinn abgezogen werden sollten.

Die Wertpapiere waren in Wirklichkeit fast wertlos, die gutgläubig

darauf geleisteten Vorschüsse aber -- und das war eine neue bittere

Enttäuschung -- beliefen sich ebenfalls auf rund 100000 Gulden.

Damit stieg die Summe der bereits gemachten Aufwendungen auf 200000

Gulden, ohne daß die geringste Sicherheit für Erfolg bestand, von den

Millionengewinnen ganz zu schweigen.

Auf den Bericht, den Kaunitz der Kaiserin Maria Theresia erstattete,

lehnte diese die Übernahme des Unternehmens rundweg ab, und dieses ging

nunmehr in die Hände der Madame Nettine über, die sich schon vorher

damit einverstanden erklärt hatte. Cobenzl erteilte daraufhin dem

Grafen Saint-Germain sofort den Laufpaß. Bevor dieser Tournai verließ,

gab er der Nettine die Zusicherung, binnen wenigen Monaten werde er ihr

die Auslagen zurückerstatten. Andernfalls, so fügte er mit blutigem

Hohne hinzu, möge sie sich von seinen Geheimmitteln bezahlt machen.

Damit entpuppte sich sein ganzes Unternehmen als raffiniert angelegtes

Schwindelmanöver. Er war als gemeiner Betrüger entlarvt, der, nachdem

er die Opfer in sein Netz gelockt, sie listig zu rupfen gewußt hatte.

Mit seiner Beute verschwand er alsbald aus Brüssel, um sich, wie es

hieß, nach Deutschland zum Markgrafen Karl Friedrich von Baden-Durlach

zu begeben. Tatsächlich aber scheint er den Weg nach Rußland

eingeschlagen zu haben, wo er, wie wir schon hörten, sich in Moskau

niederließ.

Ausgang

Auch die nächsten zehn Jahre sind wieder in Dunkel gehüllt. Doch

scheint Saint-Germain während dieser Zeit zunächst in Rußland und dann

vornehmlich in Italien geweilt zu haben; denn wir hören, daß er in

Mantua, in Venedig, in Pisa und Livorno gewesen ist. Dann tauchte er in

Deutschland auf.

Aber Saint-Germains Auftreten ist doch ein anderes geworden. Von seinen

Reichtümern ist nicht mehr die Rede; im Gegenteil, es geht ihm offenbar

dürftig. Er sucht nicht mehr die große Welt, sondern eine stille

Stätte, wo er, in sicherem Hafen gelandet, das Haupt zur Ruhe legen,

den Abend seines Lebens verbringen darf. Doch darin bleibt er sich

getreu, daß er nach wie vor sein geheimes Wissen als Aushängeschild

benutzt, daß er es auf die Großen der Welt abgesehen hat.

Freilich ist hier die Art seines Vorgehens verschieden. Indem er den

scheinbar Uneigennützigen spielt, gebärdet er sich als Wohltäter der

Menschheit unter dem durchsichtigen Namen _Welldone_, den er sich

nunmehr beigelegt hat. So verfuhr er gegenüber dem großen Preußenkönig,

dessen scharfer Blick indessen den Schwindel sofort durchschaute.

König Friedrich winkte ihm energisch ab, als Saint-Germain ihm mit

einem Begleitschreiben -- der einen von den drei uns erhaltenen

Schriftproben seiner Hand -- sozusagen seine Preisliste einschickte.

Er ließ ihm sagen, er möchte anderswo sein Heil versuchen, da man in

Berlin „sehr ungläubig“ sei. Mehr Glück hatte Saint-Germain, als er den

„Adepten“ herauskehrte und sich an Fürsten wandte, die alchimistischen

Neigungen huldigten. So bei dem Markgrafen Alexander von Ansbach, dem

er 1774 durch dessen mütterliche Freundin, die Schauspielerin Clairon,

vorgestellt wurde, und dann 1779 bei dem Prinzen Karl von Hessen in

Schleswig, dem er sich zunächst aufdrängte, den er aber dann in seine

Fesseln zu schlagen wußte.

In rückschauender Erinnerung hat der Ansbacher Minister, Freiherr

von Gemmingen, seinen Bericht über Saint-Germains Aufenthalt im

Ansbachischen, in Schwabach und Schloß Triesdorf, aufgesetzt[19].

Ein typisches Bild: der „Adept“ und sein fürstlicher Schüler im

Laboratorium an der Arbeit. Oder er weilt in den ihm zugewiesenen

Räumen, über seinen Farben-Rezepten brütend, an deren Vervollkommnung

er hinter verschlossenen Türen und Fenstern unablässig arbeitet.

Dazwischen fallen praktische Versuche, die er gemeinsam mit dem Fürsten

und dessen Minister anstellt, deren Ausfall den letzteren freilich

wenig befriedigt. Zwei Jahre vergingen so, während deren Saint-Germain

das Geheimnis seiner Person sorgsam gewahrt hatte, bis dann der Fürst

auf einer italienischen Reise über die Person seines seltsamen Gastes

aufgeklärt wurde. Der Markgraf fühlte sich hintergangen. Dennoch wollte

er dem Grafen das Asyl weiter gewähren, wenn dieser ihm die Briefe,

die er im Lauf der Jahre an ihn gerichtet hatte, herausgab und sich

still verhielt. Aber Saint-Germain, der sich entlarvt sah, zog es vor,

den Stab weiter zu setzen. Wollte er sich ob aller fehlgeschlagenen

Versuche rechtfertigen oder dem Fürsten den Verlust, den er mit seinem

Scheiden erlitt, eindrucksvoll vor Augen führen? Genug, in der letzten

großen Aussprache mit dem Minister drückte er sein Bedauern aus,

daß gerade in diesem Augenblicke der Bruch eingetreten sei, wo er,

Saint-Germain, im Begriffe gestanden habe, „das, was er versprochen,

ins Werk zu setzen.“

Im Oktober 1776 traf er in Leipzig ein. Der sächsische Hof machte

einen Versuch, ihn zu gewinnen. Doch es kam zu keiner Verständigung;

vielmehr beklagte sich Saint-Germain bei dem preußischen Gesandten

in Dresden bitter über die unfreundliche Aufnahme, die er in Sachsen

gefunden hatte, und trug nun seine wertvollen Dienste dem Preußenkönig

an. Wir hörten es schon, Friedrich dankte ironisch. Trotzdem scheint

Saint-Germain sich damals nach Berlin begeben zu haben, wo er ein Jahr

in stiller Zurückgezogenheit lebte.

Im Herbste 1778 begegnen wir ihm in Hamburg, und ein Jahr darauf, im

Spätsommer 1779, erfolgte endlich seine Übersiedlung nach Schleswig.

Prinz Karl von Hessen, sein neuer Gönner, hat in seinen Erinnerungen

geschildert, wie Saint-Germain ihn in seine Geheimnisse einführte.

In dem nahegelegenen Eckernförde wurde dann ebenfalls wie in Tournai

seligen Angedenkens der Versuch gemacht, mit seinen Geheimmitteln, den

Farben und Farbstoffen, eine Industrie zu begründen.

Der Graf von Saint-Germain: Das Leben eines Alchimisten · 第 1 / 24 段