Die Strandgegend wie im ersten Akt. Der Schuppen der
Rettungsstation, die Gallionfigur, das Fischerboot auf der Düne,
der Signalmast, die Bretter hinter dem Schuppen. Die Sonne ist
hinunter, allein es bedeckt den Himmel eine starke Abendröte, so
daß eine magische Helligkeit verbreitet ist. Lucie und Fräulein
Majakin kommen langsam vom Strande herauf.
Lucie:
Ich muß Ihnen sagen, ich habe vor alledem jetzt, nach allem, was
vorgefallen ist, einen so ausgesprochenen Widerwillen, daß ich lieber
freiwillig alles hingeben würde, als nur den kleinsten Versuch in der
Art dieser Weiber zu tun.
Fräulein Majakin:
Man kämpft doch aber für das, was man liebt -- und naturgemäß, scheint
mir, Fräulein Heil.
Lucie:
Ich würde unter gar keinen Umständen dafür kämpfen. Ich habe von Harpyen
gelesen. Sie sind wie Harpyen, diese Weibsbilder. Niemals geben sie,
wenn sie es erst in den Klauen haben, ihr Opfer frei. Nur daß sie schön
singen, kann ich nicht finden!
Fräulein Majakin:
Wie geht es Herrn Schilling?
Lucie:
Schilling schläft! Einen totenähnlichen Schlaf, seit Stunden.
Fräulein Majakin:
Es gibt bei manche Krankheiten zuletzt einen solchen furchtbaren Schlaf,
aus dem kein Erwachen ist.
Lucie:
Das hat mir auch Rasmussen angedeutet.
(Kurzes Stillschweigen.)
Fräulein Majakin:
Herr Mäurer scheint sehr an Ihnen zu hängen, Fräulein Heil.
Lucie:
Ich betrachte Mäurer als meinen Freund und werde ihn immer dafür
betrachten. Wie er sein Leben im übrigen einrichtet, kümmert mich nicht.
Er ist frei! Ich verlange durchaus nichts von ihm. Ich danke Gott, daß
ich durch mein bißchen Begabung immer sozusagen mein Brot finde.
Fräulein Majakin:
Ist es richtig, Sie waren angestellt zwei Winter lang in Dresden an die
Opernorchester?
Lucie:
Das ist allerdings wahr. Wenn ich aber jetzt etwas unternehme, so werd
ich vielleicht in irgendeiner Mittelstadt eine kleines Musikinstitut
errichten.
Fräulein Majakin:
Glauben Sie, ob Professor Mäurer jemals wird heiraten?