Heute sind wir in die Stadt gezogen. Ich sehe von meinen Fenstern aus
die schönen Alleen des Glacis und den Schloßberg. Die herbstlichen
Schattierungen der Bäume sind gar zu schön. Seit ich diesen Mann habe
und seinen Gesprächen lauschen kann, gehen mir erst die Augen auf für
allerlei, das mir sonst gleichgültig gewesen ist. Wie könnte ich es
genießen!
Er hat mit dem Inspektor des Hauses einen förmlichen Pakt geschlossen,
daß der Mann jeden Lärm möglichst hintanhalte und wie ein Engel mit
flammendem Schwerte unser Paradies bewache. Und doch ahnt er es nicht,
wie nahe die Zeit ist.
Hat er jemals so viel an seine erste Frau denken können, als ich es
tue? Alle Sachen von ihr, alle Erinnerungen an sie habe ich in das
Stadthaus mitgenommen, hier damit ein Zimmer eingerichtet, das wie
meine Hauskapelle ist. Wenn mir gar zu schwer wird um's Herz und
ich trotz des geliebtesten Menschen, der mit mir lebt, nicht weiß,
wem ich meine Angst und Not klagen soll, gehe ich in das Zimmer der
Verstorbenen und weine mich aus.
Und bete, sie möchte mich dahin rufen, wie sie dahin gerufen worden
ist. Sie hat die Wiege bereitet, die Linnen gestickt mit Freuden -- sie
hätte gerne gelebt mit diesem Mann.
Ich kann nichts bereiten und Ludwig wird sich darüber wundern. Ich kann
nicht, ich habe es versucht -- es ist, als stickte und webte ich an der
Sünde weiter.
Darf ich denn wünschen, daß es aus werde mit mir, da ich doch weiß, es
könnte ihn nichts so hart treffen auf Erden?
Ach, wenn ich ihn nicht so sehr liebte! Wenn er nur nicht so unsäglich
gut wäre!