Als nun der Tag gekommen war, den der König zu dem Ritt bestimmt hatte,

waren so viele Prinzen und Ritter um den gläsernen Berg versammelt, daß

es von ihnen wimmelte; und Jeder, der nur kriechen konnte, wollte hin

und sehen, Wer die Königstochter gewönne, und die beiden Brüder von

Aschenbrödel wollten auch hin, aber Aschenbrödel wollten sie nicht mit

haben, denn hätten sie einen solchen Wechselbalg bei sich, so schwarz

und abscheulich wie er, der immer da liege und in der Asche wühle,

sagten sie, dann würden die Leute sich nur über sie lustig machen.

Aschenbrödel aber sagte, es wär' ihm ganz einerlei, er bliebe auch eben

so gern zu Hause. Als nun die beiden Brüder zu dem gläsernen Berg kamen,

versuchten schon alle Ritter und Prinzen den Ritt, und sie ritten, daß

die Pferde unter ihnen schäumten; aber es half ihnen Alles nichts; denn

sowie nur das Pferd den Fuß an den Berg setzte, glitt es immer wieder

aus, und es war kein Einziger da, der nur ein paar Ellen lang an dem

Berg hinauf gekommen wäre, und das war eben nicht zu verwundern, denn

der Berg war so glatt wie ein Spiegel, und so steil wie eine Wand. Alle

aber wollten gern die Königstochter und das halbe Reich gewinnen, und

sie ritten und sie glitten, aber Alles umsonst. Zuletzt waren alle

Pferde schon so ausgemattet, daß sie nicht mehr vom Fleck konnten, und

über und über waren sie mit Schweiß bedeckt, und der Schaum stand ihnen

vor dem Mund. Da mußten sich denn die Prinzen und Ritter endlich geben.

Der König wollte nun schon bekannt machen lassen, daß das Wettreiten den

nächsten Tag wieder anfangen sollte, ob's dann vielleicht Einem gelingen

möchte; aber in demselben Augenblick kam ein Ritter in einer kupfernen

Rüstung daher, die war so blank, daß man sich darin spiegeln konnte, und

das Pferd, das er ritt, war so groß und so stattlich, wie noch Keiner

ein solches Pferd je gesehen hatte. Die andern Prinzen und Ritter

aber riefen ihm zu, er könne sich gern die Mühe sparen, den Ritt zu

versuchen, denn es würde ihm doch nichts helfen. Jener konnte aber auf

dem Ohr nicht hören, sondern ritt grade auf den gläsernen Berg zu und

hinan und hinauf, als wär' es gar Nichts gewesen. Als er aber um das

erste Drittheil hinaufgekommen war, lenkte er mit dem Pferd um und ritt

wieder zurück. Einen so schönen Ritter hatte die Prinzessinn noch nie

zuvor gesehen, und sie dachte bei sich selbst: »Ach Gott, wenn er doch

nur heraufkäme!« Als sie aber sah, daß er mit dem Pferd wieder umlenkte,

warf sie ihm einen von den goldnen Äpfeln nach, und der rollte hinab in

seinen Schuh. Sobald der fremde Ritter wieder unten war, gab er seinem

Pferd die Spornen und jagte davon, und Niemand wußte, wo er gestoben

oder geflogen war. Am Abend sollten alle Prinzen und Ritter vor

dem König erscheinen, damit Der, welcher an dem gläsernen Berg

hinaufgeritten sei, den goldnen Apfel aufzeigen könne, den die

Königstochter ihm zugeworfen hatte. Aber da war Keiner, der Etwas

aufzeigen konnte; der Eine kam nach dem Andern, aber den goldnen Apfel

hatte Niemand.

Als nun die Brüder Aschenbrödels wieder nach Hause kamen, erzählten sie

ein Langes und Breites von dem Ritt auf den gläsernen Berg: wie zuerst

Keiner auch nur einen Schritt lang an dem Berg hätte hinaufkommen können,

und wie nachher Einer gekommen wäre in einer kupfernen Rüstung, so

blank, daß man sich darin spiegeln konnte, »und das war ein Bursch,«

sagten sie: »der konnte reiten; er ritt wohl über den dritten Theil an

dem gläsernen Berg hinauf, und er hätte auch wohl ganz hinaufreiten

können, wenn er bloß gewollt hätte; aber da kehrte er wieder um, denn er

mochte wohl denken, es sei Genug für das Mal.« -- »O, den hätt' ich auch

wohl sehen mögen!« sagte Aschenbrödel -- er saß auf dem Herd und wühlte

in der Asche, wie er gewöhnlich zu thun pflegte. »Ja, Du!« sagten

die Brüder: »Du siehst auch darnach aus, daß Du Dich vor so hohen

Herrschaften kannst sehen lassen, Du abscheuliches Biest, so wie Du da

sitzest!«

Den andern Tag wollten die Brüder wieder nach dem gläsernen Berg, und

Aschenbrödel bat sie auch das Mal, sie möchten ihn doch mitnehmen, damit

er auch zusehen könne; aber nein, das ging nicht an, dazu wär' er viel

zu häßlich, sagten sie. »Ei nun, so bleib' ich auch eben so gern zu

Hause,« sagte Aschenbrödel. Als die Brüder zu dem Berg kamen, begannen

eben die Ritter und Prinzen wieder ihr Wettreiten, und das Mal hatten

sie ihre Pferde gehörig beschlagen lassen, kannst Du glauben; aber es

half ihnen doch Alles nichts, sie ritten und sie glitten eben so, wie

den vorigen Tag, und Keiner kam auch nur eine Elle lang an dem Berg

hinauf; und als sie ihre Pferde so lange abgequält hatten, daß sie nicht

mehr von der Stelle konnten, mußten sie alle wieder aufhalten. Nun

wollte der König schon bekannt machen lassen, daß das Wettreiten den

nächsten Tag zum letzten Mal vor sich gehen sollte, ob's dann vielleicht

noch Einem gelänge; da fiel ihm aber der Ritter mit der kupfernen

Rüstung ein, und er beschloß, noch ein wenig zu warten, ob er sich etwa

noch einfinden möchte. Aber der Ritter mit der kupfernen Rüstung fand

sich nicht ein; dagegen aber kam nach einer Weile ein anderer Ritter

daher gesprengt, der trug eine silberne Rüstung, die blitzte schon

von weitem, und das Roß, welches er ritt, war noch weit größer und

stattlicher, als das des kupfernen Ritters von gestern. Die Ritter und

Prinzen riefen ihm zwar zu, er könne sich gern die Mühe sparen, den Ritt

zu versuchen, denn es würde ihm doch nichts helfen; aber er achtete

nicht darauf, sondern ritt grade auf den gläsernen Berg zu und hinan und

hinauf, noch viel weiter, als der in der kupfernen Rüstung. Als er aber

um zwei Drittheile hinaufgekommen war, lenkte er mit seinem Pferd um

und ritt wieder zurück. _Den_ Ritter mochte nun die Prinzessinn noch

lieber leiden, als den von gestern, und sie wünschte, daß er doch nur

ganz hinaufkommen möchte. Als sie aber sah, daß er wieder umkehrte, warf

sie ihm den andern Apfel nach, und der rollte hinunter in seinen Schuh.

Der Ritter aber jagte schnell davon, und Niemand wußte, wo er geblieben

war.

Am Abend sollten wieder Alle vor dem König und der Prinzessinn erscheinen,

damit Der, welcher den goldnen Apfel hätte, ihn aufweisen könne; aber

den goldnen Apfel hatte Niemand.

Die Brüder erzählten zu Hause wieder, wie sich Alles zugetragen hatte.

»Alle Prinzen und Ritter, die da versammelt waren,« sagten sie: »konnten

Nichts ausrichten; zuletzt aber kam Einer mit einer silbernen Rüstung

-- Wetter nicht mal! der konnte reiten! Er kam wohl über zwei Drittheile

an dem Berg hinauf, und da kehrte er wieder um. Aber das war ein Bursch!

und die Prinzessinn warf ihm den zweiten Apfel nach.« -- »Ach, den hätt'

ich auch wohl sehen mögen!« sagte Aschenbrödel. »Ja, er war ein wenig

blanker, als die Asche, worin Du wühlst, Du schwarzes Biest!« sagten die

Brüder.

Am dritten Tag ging es wieder ungefähr eben so: Aschenbrödel wollte

wieder mit und zusehen; aber die Brüder wollten ihn durchaus nicht

mitnehmen. Als sie zu dem gläsernen Berg kamen, konnte wieder Niemand

auch nur eine Elle lang hinaufkommen. Alle warteten nun auf den Ritter

mit der silbernen Rüstung; aber der war weder zu sehen, noch zu hören.

Endlich kam ein Ritter in einer goldenen Rüstung dahergesprengt, die

strahlte, daß man den Glanz schon weit in der Ferne sehen konnte, und

das Pferd, das er ritt, war so groß und so stattlich, daß Keiner noch

dergleichen je gesehen hatte. Die Prinzen und Ritter konnten vor lauter

Verwunderung ihm nicht einmal zurufen, daß er sich die Mühe sparen solle,

den Ritt zu versuchen, und ehe sie sich's versahen, war er schon bei dem

gläsernen Berg und sprengte hinauf, als wär' es gar Nichts gewesen, so

daß die Prinzessinn nicht einmal Zeit bekam, zu wünschen, er möchte doch

ganz hinaufkommen. Oben nahm er ihr den dritten goldnen Apfel aus dem

Schoß, lenkte dann mit seinem Pferd wieder um -- und fort war er, als

wär' er verschwunden.

Als am Abend die Brüder nach Hause kamen, erzählten sie wieder ein Langes

und Breites von dem Wettreiten an dem Tage, und zuletzt erzählten sie

auch von dem Ritter mit der goldnen Rüstung. »Das war aber ein Bursch!«

sagten sie: »einen so stattlichen Ritter giebt's nicht mehr in der

Welt.« -- »O, den hätt' ich auch wohl sehen mögen!« sagte Aschenbrödel.

»Ja, es blitzt nicht völlig so in der Asche, worin Du immer wühlst, Du

schwarzes Biest!« sagten die Brüder.

Tages darauf sollten alle Prinzen und Ritter vor dem König und der

Prinzessinn erscheinen, -- denn am Abend, glaub' ich, war es schon zu

spät geworden -- damit Der, welcher den goldnen Apfel hätte, ihn

aufweisen könne. Es kam nun Einer nach dem Andern, erst kamen alle

Prinzen, und dann die Ritter; aber den goldnen Apfel hatte Niemand. »Ja,

Einer muß ihn doch haben,« sagte der König; »denn wir sahen es ja alle

mit unsern Augen, wie er da den Berg hinaufritt und ihn der Prinzessinn

aus dem Schoß nahm.« Da sich aber Niemand meldete, gab endlich der König

den Befehl, daß alle Leute in seinem ganzen Land aufs Schloß kommen

sollten, damit Der, welcher den goldnen Apfel hätte, ihn aufweise. Es

kam nun Einer nach dem Andern; aber den goldnen Apfel hatte Niemand.

Endlich kamen auch die beiden Brüder von Aschenbrödel; sie waren die

letzten. Darauf fragte der König, ob denn gar nicht mehr Leute in seinem

Reich wären. »Ja, wir haben noch einen Bruder zu Hause,« sagten die

Beiden: »aber der hat den goldnen Apfel wohl nicht genommen; denn er ist

in der Zeit nicht aus dem Aschhaufen gekommen.« -- »Einerlei,« sagte der

König: »sind alle die Andern hier gewesen, so mag er auch kommen!« und

da mußte denn Aschenbrödel auch aufs Schloß. »Hast Du den goldnen Apfel,

Du?« fragte ihn der König. »Ja, hier ist er, und hier ist der andre, und

hier ist der dritte,« sagte Aschenbrödel, indem er alle drei goldenen

Äpfel aus der Tasche nahm; und in demselben Augenblick warf er seine

russigen Kleider ab und stand nun da in seiner goldenen Rüstung, daß es

nur so blitzte. »Ja, Du sollst meine Tochter und das halbe Reich haben,«

sagte der König: »denn Du hast beides ehrlich verdient.« Darauf wurde

die Hochzeit gehalten, und Aschenbrödel bekam die Prinzessinn und das

halbe Reich. Bei der Hochzeit aber ging's lustig her; denn Hochzeit

feiern konnten sie alle, wenn sie auch nicht auf den gläsernen Berg

reiten konnten; und haben sie nicht aufgehört zu feiern, so feiern sie

noch.

22.

Schmierbock.

Es war einmal eine Frau, die hatte einen kleinen Knaben, der war so dick

und so fett und mochte immer so gern gute Bissen, und darum nannte die

Mutter ihn _Schmierbock_; auch hatte sie einen kleinen allerliebsten

Hund, welchen sie _Goldzahn_ nannte. Nun stand die Frau einmal beim

Backtrog und backte Brod; da fing der Hund plötzlich an zu bellen.

»Lauf mal hinaus, Schmierbock,« sagte die Frau: »und sieh zu, wonach

Goldzahn so bellt.« Da lief der Knabe hinaus, kam wieder herein und

sagte:

»Na, Gott steh uns bei! da kommt ein großes, langes Trollweib her mit

dem Kopf unter dem Arm und einem Sack auf dem Rücken.« --

»Kriech unter den Backtrog und versteck Dich!« sagte seine Mutter.

Nun kam das Trollweib an. »Guten Tag!« sagte sie.

»Schönen Dank!« sagte die Mutter von Schmierbock.

»Ist Schmierbock nicht zu Hause?« fragte das Weib.

»Nein, er ist mit seinem Vater im Holz und fängt Waldhühner,« versetzte

die Frau.

»Das wär' der Troll!« sagte das Weib: »ich hab' ein kleines silbernes

Messer, das wollt' ich ihm gern schenken.« --

»Pip! pip! hier bin ich!« sagte Schmierbock unter dem Backtrog und kroch

hervor.

»Ich bin so alt und bin schon so steif im Rücken,« sagte das Trollweib:

»Du musst in den Sack kriechen und es Dir selbst holen.«

Wie nun Schmierbock in den Sack gekrochen war, schwang das Weib ihn

auf den Rücken und ging damit fort. Als sie aber ein Ende gegangen

war, wurde sie müde und fragte: »Wie weit ist es noch bis zur

Schlafstelle?« --

»Ein Halbviertel Weges,« antwortete Schmierbock.

Da setzte das Weib den Sack am Wege nieder, strich durch's Unterholz und

legte sich schlafen. Nun benutzte Schmierbock die Gelegenheit, nahm sein

Messer, schnitt damit ein Loch in den Sack und kroch heraus; dann legte

er eine große Kienwurzel an die Stelle und lief wieder nach Hause zu

seiner Mutter. Als nun das Trollweib in ihrer Wohnung ankam und sah, Was

sie im Sack hatte, da wurde sie so böse, daß es gar nicht zu sagen ist.

Tages darauf stand die Frau abermals beim Trog und backte Brod; da begann

der Hund plötzlich wieder zu bellen. »Lauf mal hinaus, Schmierbock,«

sagte die Frau: »und sieh zu, wonach Goldzahn so bellt.« --

»Nun seh mal Einer das abscheuliche Biest!« sagte Schmierbock: »da kommt

sie wieder mit dem Kopf unter dem Arm und einem großen Sack auf dem

Rücken.« --

»Kriech unter den Backtrog und versteck Dich!« sagte seine Mutter.

Nun kam das Trollweib an. »Guten Tag!« sagte sie: »ist Schmierbock nicht

zu Hause?« --

»Ei, was wollt' er zu Hause sein!« sagte die Frau: »er ist mit seinem

Vater im Holz und fängt Waldhühner.« --

»Das wär' der Troll!« sagte das Weib: »ich hab' ihm sonst eine schöne

silberne Gabel mitgebracht, die wollt' ich ihm schenken.«

»Pip! pip! hier bin ich!« sagte Schmierbock und kroch hervor.

»Ich bin so steif im Rücken,« sagte das Trollweib: »Du musst selbst in

den Sack kriechen und sie Dir holen.« Als nun Schmierbock in den Sack

gekrochen war, schwang das Weib ihn auf den Rücken und ging fort. Wie

sie aber ein Ende gegangen war, wurde sie wieder müde und fragte: »Wie

weit ist es noch bis zur Schlafstelle?« --

»Eine halbe Meile,« antwortete Schmierbock.

Da setzte das Weib den Sack am Wege nieder, strich durch den Wald und

legte sich schlafen. Indessen aber benutzte Schmierbock die Gelegenheit,

schnitt ein Loch in den Sack und kroch heraus; dann legte er einen

großen Stein an die Stelle und lief wieder nach Hause zu seiner Mutter.

Als nun das Trollweib in ihrer Wohnung ankam, machte sie ein großes

Feuer auf dem Herd an, hängte einen großen Kessel darüber und wollte

Schmierbock kochen. Als sie ihn aber in den Kessel schütten wollte, fiel

der Stein heraus und schlug den Boden entzwei, so daß alles Wasser

herauslief und das Feuer auslöschte. Da wurde das Weib ganz wüthend und

sagte: »Wenn er sich auch noch so sehr sträubt, ich will ihn doch schon

kriegen.«

Das dritte Mal ging es wieder eben so. Goldzahn fing wieder an zu bellen,

und da sagte die Mutter zu dem Knaben: »Geh mal hinaus, Schmierbock, und

sieh zu, wonach Goldzahn so bellt.«

Schmierbock lief hinaus, kam wieder herein und sagte: »Na, Gott steh uns

bei! Da kommt wieder das Trollmensch mit dem Kopf unter dem Arm und

einem Sack auf dem Rücken.« --

»Kriech unter den Backtrog und versteck' Dich!« sagte die Mutter.

Es dauerte nicht lange, so kam das Trollweib an. »Guten Tag!« sagte sie:

»ist Schmierbock nicht zu Hause?« --

»Ei was wollt' er zu Hause sein!« sagte die Mutter: »er ist mit seinem

Vater im Holz und fängt Waldhühner.« --

»Das wär' der Troll!« sagte das Weib: »ich habe sonst einen hübschen

silbernen Löffel mitgebracht, den wollt' ich ihm schenken.« --

»Pip! pip! hier bin ich!« sagte Schmierbock und kroch unter dem Backtrog

hervor.

»Ich bin so steif im Rücken,« sagte das Trollweib: »Du musst selbst in

den Sack kriechen und ihn Dir holen.« Als Schmierbock hineingekrochen

war, schwang das Weib den Sack wieder auf den Rücken und ging fort. Das

Mal aber legte sie sich nicht wieder im Wald schlafen, sondern trug

Schmierbock gradesweges nach ihrem Hause. Als sie dort ankam, war es

grade Sonntag; darum sagte sie zu ihrer Tochter:

»Nimm diesen Schmierbock und schlachte ihn und koch Suppe davon; die muß

aber fertig sein, wenn ich zurückkomme; denn ich gehe jetzt mit Deinem

Vater in die Kirche, um Fremde zu bitten.«

Als nun das Trollpack gegangen war, wollte die Tochter den Schmierbock

schlachten; aber sie wußte gar nicht, wie sie das anfangen sollte.

»Wart, ich will Dir's zeigen, wie Du's machen musst,« sagte Schmierbock:

»Lege nur Deinen Kopf auf die Bank, dann sollst Du mal sehen.«

Das that denn das arme Mädchen auch; aber da nahm Schmierbock die Axt

und hieb ihr damit den Kopf ab, als wär's ein Küken gewesen. Dann legte

er den Kopf ins Bett und den Rumpf in den Kessel und kochte Suppe davon;

und als er das gethan hatte, nahm er die Kienwurzel und den Stein und

kroch damit in den Schornstein hinauf.

Als darauf das Trollweib mit ihrem Mann wieder nach Hause kam, und sie

den Kopf im Bett liegen sahen, meinten sie, es wäre die Tochter, die

schliefe; sie wollten sie nun nicht aufwecken, sondern gingen zum

Kessel, um die Suppe zu kosten.

»Schmeckt gut, die Schmierbocksuppe!« sagte das Trollweib.

»Schmeckt gut, die Tochtersuppe!« sagte Schmierbock oben im Schornstein;

aber das hörten sie nicht recht.

Darauf nahm der Troll den Löffel und wollte auch die Suppe kosten.

»Schmeckt gut, die Schmierbocksuppe!« sagte er.

»Schmeckt gut, die Tochtersuppe!« sagte Schmierbock im Schornstein.

Da wurden sie aufmerksam und konnten nicht begreifen, Wer es sei, der

da im Schornstein schwatze; sie stiegen daher auf den Herd und wollten

zusehen. Aber da nahm Schmierbock die Kienwurzel und den Stein und warf

sie damit auf den Kopf, so daß sie todt umfielen. Als Schmierbock das

sah, stieg er wieder herunter, nahm all das Gold und Silber, was er da

vorfand, und reis'te damit nach Hause zu seiner Mutter. Und nun war

Schmierbock ein reicher Mann.

FUSSNOTEN -- FOOTNOTES

1. _Ham_ bezeichnet in der nordischen Mythologie eine zauberkräftige

Haut irgend eines Thiers mit den daran befindlichen Haaren, oder

Federn, wodurch Derjenige, auf welchen diese Haut geworfen ward,

augenblicklich in ein solches Thier verwandelt wurde.

Anm. d. Übers.

TRANSCRIBER'S NOTE -- ZUR KENNTNISNAHME

Contemporary spellings have generally been retained even when

inconsistent. The following additional changes have been made:

Zeitgenössische Schreibungen wurden generell beibehalten,

auch wenn gelegentlich mehrere Variaten auftauchen.

Die folgenden zuätzlichen Änderungen wurden vorgenommen:

daß man den Ganz schon daß man den _Glanz_ schon

weit in der Ferne sah weit in der Ferne sah

Darauf begann die Grimsschecke Darauf begann die Grimsschecke

einem Kampf _einen_ Kampf

was wir zu sprechen haben, was wir zu sprechen haben,

können wie immer hier sprechen können _wir_ immer hier sprechen

»So?« sagte der Westwind »So?« sagte der _Südwind_

als eine Bettlermädchen als _ein_ Bettlermädchen

das erste Mal, das erste Mal,

das ich gestohlen habe _daß_ ich gestohlen habe

es solle das erste Mal sein, es solle das erste Mal sein,

das sie gestohlen hätte _daß_ sie gestohlen hätte

habe nur auf auf Dich gewartet habe nur _auf_ Dich gewartet

Norwegische Volksmährchen vol. 2 gesammelt von P. Asbjörnsen und Jörgen Moe · 第 11 / 11 段