Als der Riese den andern Morgen die Ziegen wieder auf die Weide trieb,

sagte er zu dem Königssohn, den Tag solle er sein Pferd nach Hause

holen, das in der Koppel ginge, und wenn er das gethan hätte, könne er

Feierabend machen; »_denn Du bist zu einem guten Herrn gekommen, musst

Du wissen_,« sagte er wieder: »_Gehst Du aber in irgend eins der Zimmer,

das ich Dir verboten habe, so drehe ich Dir den Hals um_,« und damit

trieb er seine Heerde in den Wald. »Ja, wahrhaftig, bist Du ein guter

Herr!« sagte der Königssohn: »ich möchte aber doch wieder ein Wort mit

der Meisterjungfer sprechen, vielleicht daß sie noch eben so früh _mein_

wird, als _Dein_,« und damit ging er wieder zu ihr hinein. Sie fragte

ihn, Was der Riese ihm den Tag zu thun befohlen hätte. »O, es ist eben

keine schwere Arbeit,« sagte er: »ich soll bloß das Pferd aus der Koppel

holen.« -- »Ja, aber wie willst Du das anfangen?« fragte ihn die

Meisterjungfer. »O, es gehört wohl eben keine Kunst dazu, ein Pferd aus

der Koppel zu holen,« sagte der Königssohn: »denn ich will doch meinen,

ich habe schon manches rasche Pferd geritten.« -- »Die Sache ist aber

gleichwohl nicht so leicht,« sagte sie: »indeß will ich Dir lehren, wie

Du es machen musst: Sobald Du das Pferd erblickst, kommt es brausend auf

Dich zu und schnaubt Feuer und Flammen aus beiden Nüstern. Paß aber dann

gut auf und nimm das Gebiß, das dort bei der Thür hangt, und wirf es

ihm ins Maul, dann wird es augenblicklich so zahm, daß Du damit thun

kannst, was Du willst.« Ja, das wollte er schon in Acht haben, sagte der

Königssohn und blieb nun den ganzen Tag drinnen bei der Meisterjungfer,

und sie schwatzten von Diesem und Jenem, und wie herrlich und vergnügt

sie leben wollten, wenn sie erst aus der Gewalt des Riesen wären und

einander geheirathet hätten; und der Königssohn hätte gewiß Pferd und

Koppel darüber vergessen, wenn nicht die Meisterjungfer gegen Abend ihn

daran erinnert hätte und zu ihm sagte, es wäre am besten, daß er jetzt

das Pferd hole, ehe der Riese nach Hause käme. Das that er denn auch: er

nahm das Gebiß, das bei der Thür hing, und lief damit in die Koppel; nun

dauerte es nicht lange, so kam das Pferd an und schnob Feuer und Flammen

aus beiden Nüstern; da nahm aber der Königssohn seine Gelegenheit wahr

und warf ihm das Gebiß in den offenen Rachen, und nun stand das Pferd

da, so geduldig, wie ein Lamm, und da war's eben keine große Kunst, es

nach dem Stall zu bringen. Als der Bursch damit fertig war, ging er

wieder zurück auf sein Zimmer, und dort spazierte er auf und ab und sang

und trallei'te.

Wie nun der Riese mit den Ziegen nach Hause kam, war seine erste Frage:

»_Hast Du auch das Pferd von der Koppel geholt?_« -- »Ja, Herr!« sagte

der Königssohn: »es war ein possirliches Pferd zu reiten; aber ich hab's

glücklich in den Stall gebracht.« -- »_Das will ich mal sehen!_« sagte

der Riese und ging in den Stall; das Pferd aber stand richtig da, so wie

der Königssohn gesagt hatte. »_Du hast gewiß mit meiner_ MEISTERJUNGFER

_gesprochen_,« sagte der Riese: »_denn das hast Du nicht aus Dir

selber._« -- »Gestern spracht Ihr von Eurer Meisterjungfer und heute

wieder,« sagte der Königssohn und stellte sich ganz dumm und einfältig

an: »Was ist denn das für Eine, Herr? ich möchte sie doch gern einmal

sehen.« -- »_Du wirst sie noch früh genug zu sehen kriegen_,« sagte

jener.

Als der Riese am dritten Morgen seine Ziegen in den Wald trieb, sagte er

zu dem Königssohn: »_Heute sollst Du nach der Hölle und den Brandschatz

holen, und wenn Du das gethan hast, kannst Du Feierabend machen; denn

Du bist zu einem guten Herrn gekommen, musst Du wissen._« -- »Ja, ich

will's glauben,« sagte der Königssohn, als der Riese gegangen war:

»ein wie guter Herr Du aber auch sein magst, so sind es doch garstige

Arbeiten, die Du mir auflegst; ich will indeß mal wieder ein Wort mit

Deiner Meisterjungfer sprechen; Du sagst zwar, sie gehört _Dir_; aber

vielleicht sagt sie es doch _mir_, wie ich es machen muß,« und damit

ging er wieder hinein zu der Meisterjungfer. Als diese ihn nun fragte,

was der Riese ihm den Tag für eine Arbeit aufgegeben hätte, sagte er,

daß er ihm befohlen habe, nach der Hölle zu gehen und den Brandschatz zu

holen. »Und wie willst Du das anfangen?« fragte ihn die Meisterjungfer.

»Ja, Du musst es mir sagen,« versetzte der Königssohn: »denn in der

Hölle bin ich noch nicht gewesen, und wenn ich auch den Weg dahin wüßte,

so weiß ich doch nicht, wie Viel ich einfordern soll.« -- »Ja, ich will

Dir wohl helfen,« versetzte die Meisterjungfer: »Du musst nach dem

Felsen dort hinter der Koppel gehen und den Kloben nehmen, der da liegt,

und damit an die Felswand klopfen; dann wird wohl Einer herauskommen,

daß es nur so knistert, dem musst Du Deinen Auftrag sagen; und wenn er

Dich dann fragt, wie Viel Du haben willst, dann sage nur: »So Viel, als

ich tragen kann.«« -- Ja, das wollte er schon in Acht haben, sagte der

Königssohn und blieb nun wieder bei der Meisterjungfer, bis es Abend

wurde, und er wäre gern noch länger da geblieben, wenn sie ihn nicht

erinnert hätte, daß er fort müsse nach der Hölle und den Brandschatz

holen, ehe der Riese wieder nach Hause käme. Der Bursch machte sich

nun auf und that, wie die Meisterjungfer ihm gesagt hatte, ging zu dem

Felsen hinter der Koppel, nahm den Kloben und klopfte damit an die Wand.

Sogleich kam Einer heraus, dem die Funken aus Augen und Nase flogen.

»_Was willst Du?_« rief er. »Ich soll grüßen von dem Riesen und den

Brandschatz für ihn einfordern,« sagte der Königssohn. »_Wie Viel willst

Du haben?_« fragte der Andre. »O, ich verlange nicht Mehr, als ich tragen

kann,« versetzte der Königssohn. »_Es war Dein Glück, daß Du nicht ein

ganzes Fuder verlangtest_,« sagte Der, welcher aus der Felswand gekommen

war: »_aber komm jetzt herein, dann will ich Dir den Brandschatz

auszahlen._« Der Königssohn ging nun mit ihm hinein, und da sah er in

dem Berg so viel Gold und Silber, als Steine in der Erde liegen; er

bekam nun eine Tracht, so groß, wie er sie nur tragen konnte, und damit

ging er seines Weges. Als darauf am Abend der Riese mit den Ziegen nach

Hause kam, spazierte der Königssohn eben so, wie die beiden Abende

zuvor, im Zimmer auf und ab und sang und trallei'te. »_Bist Du in der

Hölle gewesen und hast den Brandschatz geholt?_« fragte ihn der Riese.

»Ja, Herr!« sagte der Königssohn. »_Wo hast Du ihn denn?_« fragte der

Riese. »Da auf der Bank steht der Goldsack,« sagte der Königssohn.

»_Das will ich mal sehen_,« sagte der Riese; und als er zusah, stand

da ein Sack, der war so gedrängt voll, daß die Gold- und Silberstücke

herausfielen, sowie nur der Riese das Band ein wenig auflockerte. »_Du

hast gewiß mit meiner_ MEISTERJUNGFER _gesprochen_,« sagte er: »_ist

aber das der Fall, dann drehe ich Dir das Genick um._« -- »Mit Eurer

_Meisterjungfer_?« sagte der Königssohn: »Gestern und vorgestern

schwatztet Ihr von Eurer Meisterjungfer und heute wieder? Was ist denn

das für Eine, Herr? ich möchte sie doch gern einmal sehen.« -- »_Ja,

warte nur bis morgen, dann sollst Du sie zu sehen kriegen_,« sagte der

Riese. -- »Danke schön!« sagte der Königssohn: »aber es ist wohl bloß

Euer Scherz, Herr.«

Den Tag darauf ging der Riese mit ihm in das Zimmer, worin die

Meisterjungfer war. »Jetzt sollst Du ihn schlachten und ihn in dem

großen Kessel für mich zum Mittag kochen, und wenn die Suppe fertig ist,

kannst Du mich rufen,« sagte er zu ihr und streckte sich auf die Bank

hin; und während er nun da lag und schnarchte, daß der alte Berg bebte,

nahm die Meisterjungfer ein Messer, schnitt damit den Burschen in den

Finger und ließ drei Blutstropfen auf die Bank fließen; darauf nahm sie

alle die alten Lappen und Schuhsohlen und andern Kram, den sie finden

konnte, und warf es in den Kessel; dann nahm sie einen ganzen Kasten

voll gemahlenes Gold und einen Salzstein und eine Wasserflasche, die bei

der Thür hing, und einen goldnen Apfel und zwei goldne Hühner nahm sie

auch mit, und darauf machten beide sich aus dem Staube, so schnell sie

nur konnten. Wie sie nun ein Ende gegangen waren, kamen sie zu dem Meer,

und da gingen sie unter Segel; wie sie aber zu dem Schiff gelangten,

habe ich nie so recht erfahren können.

Als der Riese eine gute Weile geschlafen hatte, fing er an sich zu

strecken. »_Ist das Essen noch nicht fertig?_« fragte er. »_Eben erst

angefangen!_« sagte der erste Blutstropfen auf der Bank. Darauf legte er

sich wieder schlafen und schlief noch eine gute Zeit; endlich fing er

wieder an sich zu strecken. »_Ist jetzt das Essen fertig?_« fragte er,

aber ohne aufzusehen, eben so wie er auch das erste Mal gethan hatte,

denn er war noch halb im Schlaf. »_Halb fertig!_« sagte der zweite

Blutstropfen. Der Riese aber glaubte, es sei die Meisterjungfer, die das

sagte, kehrte sich wieder um und legte sich auf's neue schlafen. Als er

nun viele Stunden hinter einander geschlafen hatte, fing er endlich

wieder an sich zu rühren und zu strecken. »_Ist es denn jetzt fertig?_«

fragte er. »_Vollkommen fertig!_« sagte der dritte Blutstropfen. Der

Riese richtete sich nun auf und rieb sich die Augen; aber er konnte die

Meisterjungfer nirgends erblicken, und darum rief er sie bei Namen. Er

bekam aber keine Antwort. »O,« dachte er: »sie ist wohl nur ein wenig

hinausgegangen,« und nahm einen Löffel und füllte damit aus dem Kessel,

um das Essen zu probiren. Da fand er aber Nichts, als lauter Schuhsohlen

und Lumpen und dergleichen Kram darin, und das war zusammengekocht, so

daß er nicht wußte, ob's Fisch, oder Fleisch war. Als er das gewahr

ward, konnte er sich wohl denken, wie die Sache sich verhielt, und ward

so arg, daß er nicht wußte, »auf welchem Bein er stehen wollte;« er

eilte sogleich dem Königssohn und der Meisterjungfer nach, und es

dauerte nicht lange, so stand er beim Wasser, aber da konnte er nicht

hinüber. »_Ich weiß schon Rath_,« sagte er: »_ich will bloß meinen

Meersauger rufen._« Wie nun der Meersauger ankam, legte der sich auf die

Erde nieder und that dreimal einen guten Trunk, und da ward das Meer so

viel kleiner, daß der Riese die Meisterjungfer und den Königssohn auf

dem Schiff sehen konnte. »Jetzt musst Du den Salzstein hinauswerfen,«

sagte die Meisterjungfer; und als der Königssohn das gethan hatte,

entstand plötzlich quer durch das Meer ein so hoher Berg, daß der Riese

nicht hinüber konnte, und der Meersauger konnte ihm nun auch nichts

helfen. »_Ich weiß schon Rath_,« sagte der Riese und holte sich seinen

_Bergbohrer_, und damit bohrte er ein großes Loch durch den Berg, so daß

der Meersauger wieder trinken konnte. Wie die Meisterjungfer das gewahr

ward, sagte sie zu dem Königssohn, jetzt solle er einen, oder zwei

Tropfen aus der Flasche gießen; und als der Königssohn das gethan hatte,

ward das Meer wieder ganz voll. Ehe nun der Meersauger noch wieder einen

guten Trunk thun konnte, waren sie schon am Lande, und damit waren sie

gerettet.

Nun wollte der Königssohn die Meisterjungfer nach seines Vaters Schloß

bringen; aber er meinte, es schicke sich nicht, daß sie zu Fuß gehe, und

darum sagte er zu ihr: »Warte hier eine Weile; ich will nur nach Hause

gehen und die sieben Pferde holen, die in meines Vaters Stall stehen;

denn ich möchte nicht gern, daß meine Braut zu Fuß auf dem Schloß ankäme.

Der Weg dahin ist nicht lang, und ich werde bald wieder hier sein.«

-- »Ach nein, thu' das nicht!« sagte sie: »denn kommst Du erst zu Deines

Vaters Schloß, dann wirst Du mich bald vergessen.« -- »Wie sollte ich

Dich wohl vergessen,« sagte der Königssohn: »da wir so viel Ungemach

zusammen erduldet und einander so lieb haben?« und er wollte und mußte

nach Hause und einen Wagen und die sieben Pferde holen, und sie sollte

so lange dort am Ufer auf ihn warten; und weil er es nun durchaus nicht

anders wollte, so mußte endlich die Meisterjungfer nachgeben. »Aber,«

sagte sie: »wenn Du auf das Schloß kommst, musst Du Dir nicht einmal so

viel Zeit lassen, daß Du Jemanden grüßest, sondern gradesweges in den

Stall gehen und die Pferde vor den Wagen spannen, und dann davon jagen,

so schnell Du nur kannst; denn sie werden wohl alle sehr neugierig sein

und um Dich herum kommen; aber Du musst thun, als ob Du sie gar nicht

bemerktest, und dann darfst Du durchaus keinen Bissen von Dem, was man

Dir anbietet, genießen; thust Du das, dann machst Du sowohl Dich, als

mich unglücklich.« Der Königssohn versprach ihr, sich genau nach Allem

richten zu wollen, was sie ihm gesagt hatte, und versicherte ihr, daß

sie durchaus nicht zu fürchten brauche, als ob er sie je vergessen

könnte.

Als aber der Königssohn auf dem Schloßhof ankam, hielt grade einer von

seinen Brüdern Hochzeit, und die Braut und alle Gäste waren schon da,

und Alle kamen um ihn herum und fragten ihn nach Diesem und Jenem und

nöthigten ihn mit sich ins Schloß; aber er that, als ob er sie gar nicht

bemerkte, ging gradezu in den Stall, zog die Pferde heraus und wollte

sie vor den Wagen spannen. Wie sie nun auf keine Art und Weise ihn

bewegen konnten, mit ihnen ins Schloß zu gehen, brachten sie ihm zu

essen und zu trinken heraus, all das Beste, was man zur Hochzeit

angerichtet hatte; aber der Königssohn wollte von Allem keinen Bissen

anrühren, sondern beeilte sich nur, die Pferde vor den Wagen zu spannen.

Da rollte aber zuletzt die Schwester der Braut einen Apfel über den

Schloßhof zu ihm hin: »Wenn Du denn durchaus Nichts genießen willst,«

sagte sie: »so kannst Du doch wenigstens in diesen Apfel beißen, denn Du

wirst wohl hungrig und durstig sein von der langen Reise.« Da hob der

Königssohn den Apfel von der Erde auf und biß hinein. Aber kaum hatte

er das gethan, so vergaß er ganz und gar die Meisterjungfer, und daß er

sie holen wollte. »Bin ich denn verrückt?« sagte er: »Was will ich mit

den Pferden und mit dem Wagen?« und darauf zog er die Pferde wieder in

den Stall und ging mit den Andern ins Schloß; und nun dauerte es nicht

lange, so war es dahin gekommen, daß er die Schwester der Braut

heirathen sollte, dieselbe, welche ihm den Apfel zugerollt hatte.

Die Meisterjungfer saß indeß am Ufer und wartete sieben lang und sieben

breit, aber kein Königssohn ließ sich sehen. Endlich ging sie fort, und

als sie ein Ende gegangen war, kam sie zu einer kleinen Hütte, welche ganz

einsam in einem Walde, nicht weit von des Königs Schloß, lag; da ging

sie hinein und bat um Herberge. Drinnen aber saß ein altes Weib, dem die

Hütte gehörte, das war aber ein arges und abscheuliches Trollmensch und

wollte anfangs von der Meisterjungfer gar Nichts wissen; aber endlich

und zuletzt gab sie ihr doch Herberge für Geld und gute Worte. Aber

unsauber und schmutzig war es drinnen, wie in einem Schweinstall. Die

Meisterjungfer sagte, sie wollte die Hütte ein wenig aufputzen, damit

es doch aussehen würde wie bei andern honnetten Leuten; aber das litt

die Alte nicht, sondern fing an zu schelten und zu toben und war ganz

entsetzlich böse. Aber die Meisterjungfer zog dessen ungeachtet ihren

Schrein hervor und warf eine Handvoll Goldmehl in das Kaminfeuer. Da

flackerte es hell auf, und ein rother Strahl zog durch die ganze Hütte,

so daß sie inwendig und auswendig davon vergoldet wurde. Als die Alte

das sah, ward sie so arg, daß sie aus der Haut fahren wollte, und rannte

zur Hütte hinaus, als ob der Teufel hinter ihr wäre; da vergaß sie aber,

sich zu bücken, und zerbrach sich die Hirnschale an der Thürpfoste.

Den Morgen darauf kam der Schulze da vorbei; der war ganz verwundert

über die goldne Hütte, die er im Walde glänzen sah; als er aber hineinging

und drinnen die schöne Jungfrau erblickte, da verwunderte er sich noch

mehr, und er ward augenblicklich so in sie verliebt, daß er um sie

frei'te. »Ja, hast Du aber auch brav Geld?« fragte die Meisterjungfer.

Ja, Geld hätte er genug, sagte er, und er wolle sogleich hin und es

holen. Am Abend kam er wieder und brachte einen ganzen Scheffelssack

voll, den setzte er auf die Bank hin. Ja, weil er so viel Geld hatte,

wollte die Meisterjungfer ihn haben, und darauf legten sie sich zusammen

ins Bett. Kaum aber hatten sie sich niedergelegt, so wollte die

Meisterjungfer wieder aufstehen; denn sie hätte noch vergessen, das

Feuer im Kamin anzuschüren, sagte sie. »Ach behüte!« sagte der Schulze:

»solltest Du darum aufstehen? Das will ich wohl thun,« und damit sprang

er aus dem Bett und lief nach dem Kamin. »Sage mir's, wenn Du den

Aschraker angefasst hast,« sagte die Meisterjungfer. »Nun hab' ich ihn

angefasst,« sagte der Schulze. »So gebe Gott, daß Du ihn festhältst, und

er Dich, und Du da stehen magst die ganze Nacht und Dir Kohlen und Asche

über den Kopf raken bis an den hellen Morgen!« sagte die Meisterjungfer,

und als sie das gesagt hatte, blieb der Schulze vor dem Kamin stehen und

rakte sich Kohlen und Asche über den Kopf die ganze Nacht hindurch, und

wie sehr er auch weinen und bitten und raken mochte, so verloschen darum

doch nicht die Kohlen, und die Asche wurde nicht kälter. Erst am Morgen,

als es Tag wurde, ließ ihn der Aschraker los; aber nun blieb er keinen

Augenblick länger in der Hütte, sondern machte sich fort, als ob der

Teufel hinter ihm her wäre; und alle Leute, die ihm begegneten sahen ihn

an und lachten; denn er legte los, als ob er toll wäre, und aussehen

konnte er nicht schändlicher, wenn man ihn gegerbt und geschunden hätte.

Den Tag darauf kam der Amtsschreiber da vorbei; der sah auch die Hütte

im Walde glänzen, und als er hineinging, um zu sehen, Wer da wohnte, und

die schöne Jungfrau erblickte, da ward er noch mehr in sie verliebt, als

der Schulze, und frei'te stehenden Fußes um sie. Ja, sagte die

Meisterjungfer wieder, sie wollte ihn wohl haben, wenn er brav Geld

hätte. Ja, sagte der Schreiber, Geld hätte er genug, und er wolle

sogleich hin und es holen. Am Abend kam er mit einem großen, schweren

Sack an, -- ich glaube gewiß, es waren zwei Scheffel drin -- und den

setzte er auf die Bank hin. Nun war denn weiter Nichts im Wege, und sie

legten sich zu Bette. Aber kaum hatten sie sich niedergelegt, so hatte

die Meisterjungfer vergessen, die Hausthür zuzumachen, und darum wollte

sie wieder aufstehen. »Ach, behüte! solltest _Du_ das thun?« sagte der

Schreiber: »Nein, bleib Du nur liegen! ich will wohl hingehen,« und

damit sprang er aus dem Bett, so leicht »wie eine Erbse auf Birkenrinde«

und lief hinaus auf die Diele. »Sage mir's, wenn Du die Thür angefasst

hast,« rief die Meisterjungfer. »Nun hab' ich sie angefasst!« rief der

Schreiber auf der Diele. »So gebe Gott, daß Du sie festhältst, und sie

Dich, und Ihr hin- und herfahren mögt die ganze Nacht, bis daß es Tag

wird!« sagte die Meisterjungfer; und nun mußte der Schreiber die ganze

Nacht über mit der Thür vorwärts und rückwärts tanzen; aber einen

solchen Walzer hatt' er noch nie gemacht, und es verlangte ihn auch

nachher nicht, ihn wieder zu machen: bald war _er_ vorn, und bald die

_Thür_, und es ging von der Pfoste an die Mauer, und von der Mauer an

die Pfoste, so daß der Schreiber sich beinahe zu Tode stieß. Erst fing

er an zu fluchen, und dann zu weinen und zu bitten; aber um alles das

bekümmerte sich die Thür gar nicht, sondern hielt fest, so lange, bis

es Tag ward; dann erst ließ sie ihn los -- und der Schreiber auf und

davon, als ob's für Geld ginge; er vergaß sowohl seine Freierei, als den

Goldsack, und war nur froh, daß die Thür nicht hinter ihm her getanzt

kam. Alle Leute, die ihm begegneten, sahen ihn an und lachten; denn er

flog davon, als ob er toll wäre, und dazu sah er aus, noch schlimmer,

als hätten die Böcke ihn die Nacht unter gehabt.

Am dritten Tag kam der Amtmann da vorbei; der hatte kaum die goldne

Hütte erblickt, so wollte er auch hin und zusehen, Wer da wohnte; und

als er nun drinnen die Meisterjungfer sah und sie kaum gegrüßt hatte,

war er schon so verliebt in sie, daß er augenblicklich um sie frei'te.

Die Meisterjungfer aber antwortete ihm eben so, wie den beiden Andern:

wenn er brav Geld hätte, dann wollte sie ihn wohl haben. Ja, davon hätt'

er nicht so wenig, sagte der Amtmann und ging sogleich nach Hause, um es

zu holen. Als er am Abend wiederkam, brachte er einen noch größeren Sack

mit, als der Schreiber, -- es waren gewiß drei Scheffel drin -- und den

setzte er auf die Bank hin. Ja, nun war denn Nichts weiter im Wege, nun

sollte er die Meisterjungfer haben. Kaum aber hatten sie sich zu Bett

gelegt, so sagte die Meisterjungfer, sie hätte vergessen, das Kalb

einzulassen, und wollte darum wieder aufstehen. Nein, den Kukuk! das

sollte sie ja nicht, das wollte er schon thun, sagte der Amtmann, und

der, so dick und fett er war, heraus aus dem Bett, so leichtfüßig, als

wär' er ein junger Bursch gewesen. »Sage mir's, wenn Du das Kalb beim

Schwanz hältst!« sagte die Meisterjungfer. »Jetzt halt ich's!« rief

der Amtmann. »So gebe Gott, daß Du den Schwanz hältst, und er Dich,

und Ihr in der Welt herumfahren mögt, bis daß es Tag wird!« sagte die

Meisterjungfer, und kaum hatte sie das gesagt, so legte das Kalb mit dem

Amtmann los über Stock und Stein, über Berg und Thal, so daß die Heide

wackelte, und je mehr der Amtmann fluchte und schrie, desto schneller

rannte das Kalb mit ihm davon. Als es Tag wurde, war der Amtmann beinahe

zu Matsch, und nun erst ließ das Kalb ihn los; inmittlerweile hatte er

aber seine Freierei ganz vergessen und seinen Geldsack dazu. Er ließ es

nun zwar etwas sachter angehen, als der Schreiber und der Schulz, aber

je schulpusiger er fortkroch, desto mehr Zeit hatten die Leute, ihm

nachzugucken und zu lachen.

Den Tag darnach sollte auf dem Schloß die Hochzeit der beiden Prinzen

gefeiert werden, nämlich die des ältesten und die des jüngsten, der bei

dem Riesen gewesen war, denn der sollte die Schwester von der Braut

seines Bruders heirathen, und beide Brautpaare sollten in der Kirche

zugleich getrau't werden. Als sie aber in den Wagen stiegen und vom

Schloßhof fahren wollten, da zerbrach das eine Wachtholz; sie nahmen

nun ein andres, aber das zerbrach auch; darauf nahmen sie ein drittes,

aber es half ihnen Alles nichts, denn was für Holz sie auch nehmen

mochten, so hielt doch kein einziges. Wie sie nun ganz mißmüthig da

standen und nicht fortkonnten, sagte der Schulze -- denn der war auch

mit zur Hochzeit gebeten, musst Du wissen --: »Dort im Walde wohnt eine

Jungfrau, die hat einen _Aschraker_, womit sie das Feuer anschürt; wenn

Ihr nur zu der schicken und sie bitten lassen wolltet, Euch diesen

Aschraker zu leihen, so weiß ich gewiß, daß er nicht entzwei geht.« Es

wurde nun sogleich zu der Jungfrau geschickt, und sie ließen sie bitten,

ihnen doch den Aschraker zu leihen, wovon der Schulz gesprochen hätte.

Die Jungfrau sagte auch nicht Nein, sondern gab dem Boten ihren Aschraker,

und nun bekamen sie eine Wacht, die nicht entzwei ging, kannst Du

glauben. Als sie aber darauf vom Schloßhof fahren wollten, zerbrach

plötzlich der Wagenboden; und wie oft sie auch einen neuen Boden machten,

und was für Holz sie auch dazu nehmen mochten, so half doch Alles nichts,

denn wenn sie aus dem Hof fahren wollten, ging er jedesmal wieder entzwei,

und sie waren nun noch übler daran, als vorhin mit dem Wachtholz. Endlich

sagte der Amtsschreiber -- denn war der Schulze da, so kann man sich

wohl denken, daß der Schreiber nicht fehlen durfte --: »Dort im Walde

wohnt eine Jungfrau, wenn die Euch bloß ihre eine _Halbthür_ leihen

wollte, die von lauter Gold ist, so weiß ich gewiß, daß sie nicht entzwei

geht.« Sogleich wurde nun wieder zu der Jungfrau geschickt, und sie

ließen sie bitten, ihnen doch die eine Halbthür zu leihen, wovon der

Schreiber gesprochen hätte, und die bekamen sie denn auch. Nun war Alles

gut, und sie wollten nach der Kirche fahren; aber da waren die Pferde

nicht im Stande, den Wagen fortzuziehen; sechs Pferde hatten sie schon

davor; dann spannten sie acht vor, dann zehn, dann zwölf; aber wie viel

sie auch vorspannten, und wie sehr der Kutscher auch peitschen mochte,

es half Alles nichts, der Wagen rührte sich nicht vom Fleck. Es war nun

schon ziemlich spät geworden, und zur Kirche wollten und mußten sie, und

wie sie nun gar keine Möglichkeit sahen, fortzukommen, waren sie alle

nahe daran, zu verzweifeln. Zuletzt aber sagte der Amtmann, dort im

Walde wohne eine Jungfrau, die hätte ein _Kalb_, welches -- ja, wenn

sie bloß das Kalb geliehen bekämen, sagte er, das würde den Wagen schon

ziehen, und wenn er so schwer wäre wie ein Berg. Sie meinten nun zwar,

es sähe nicht hübsch aus, mit einem Kalb zur Kirche zu fahren; aber es

war einmal kein andrer Rath, sie mußten wieder zu der Jungfrau schicken

und sie bitten lassen, ihnen doch das Kalb zu leihen, wovon der Amtmann

gesprochen hätte. Die Meisterjungfer sagte auch diesmal nicht Nein,

sondern gab dem Boten sogleich das Kalb. Da sie es nun vorgespannt

hatten, saus'te der Wagen davon über Stock und Stein, durch Rusch und

Busch, so daß sie kaum Athem holen konnten; bald waren sie auf der Erde,

und bald waren sie in der Luft; und als sie zur Kirche kamen, flog der

Wagen rund um die Kirche, so schnell wie ein Haspel, und es gelang ihnen

nur mir genauer Noth, herunterzukommen. Auf dem Rückweg aber ging's noch

schneller, und sie hatten fast alle die Besinnung verloren, als sie

wieder auf dem Schloßhof ankamen.

Norwegische Volksmährchen vol. 2 gesammelt von P. Asbjörnsen und Jörgen Moe · 第 8 / 11 段