Spaltung (schematisch).]

Für die mechanische Deutung solcher Grabenbrüche ergibt sich nur

insofern etwas Neues, als diese die Vorstufe einer völligen Trennung

der beiden Schollenteile darstellen, wobei es sich um rezente, noch

nicht beendete Abspaltungen oder auch um frühere Versuche einer solchen

handeln kann, die infolge Erlahmens der Zugkräfte wieder zur Ruhe

gekommen sind. Eine vollständige Trennung würde sich nach unseren

Vorstellungen etwa in der in Fig. 10 schematisch dargestellten Weise

vollziehen. Zunächst wird nur in den oberen, spröderen Schichten ein

klaffender Riß entstehen, während die unteren plastischen sich ziehen.

Da vertikale Steilwände von der hier in Betracht kommenden Höhe viel

zu große Anforderungen an die Druckfestigkeit der Gesteine stellen

würden, so bilden sich gleichzeitig mit der Spalte oder auch an Stelle

von ihr schräge Rutschflächen aus, längs welchen die Randpartien der

beiden Schollenteile unter zahlreichen lokalen Erdbeben in demselben

Tempo in die Spalte absinken, wie diese sich öffnet, so daß immer

nur ein Grabenbruch mäßiger Tiefe in Erscheinung tritt, dessen Boden

aus verworfenen Schollen derselben Gesteinsserien besteht, die auch

seitwärts des Grabens auf der Höhe anstehen. In diesem Stadium ist

der Grabenbruch noch nicht isostatisch kompensiert, wie es denn

auch nach /E. Kohlschütter/[55] bei einem großen Teil der jungen

ostafrikanischen Gräben der Fall ist. Es ist ja ein unkompensiertes

Massendefizit vorhanden; daher wird eine entsprechende Schwerestörung

beobachtet, und außerdem steigen beide Spaltenränder zum isostatischen

Ausgleich empor, so daß der Eindruck entsteht, als gehe der Graben

gerade in der Längsrichtung durch eine Aufwölbung hindurch. Schwarzwald

und Vogesen beiderseits des oberrheinischen Grabenbruches sind die

besten Beispiele für diesen Randwulst. Reißt endlich die Spalte ganz

durch die Scholle hindurch, so steigt das Sima in ihr empor, so daß

das bisherige Massendefizit ersetzt wird und der Graben sich nunmehr

als Ganzes isostatisch kompensiert erweist. Den Boden des Grabens

bedecken auch hier an den meisten Stellen vollständig die Bruchstücke

der Spaltenränder, doch kommt natürlich bei weiterer Öffnung der

Augenblick, wo auch die freie Simaoberfläche zutage tritt. Bei dem

großen Graben des Roten Meeres, der nach /Triulzi/ und /Hecker/

bereits isostatisch kompensiert ist, dürfte die Entwickelung so weit

fortgeschritten sein, daß an den tieferen Stellen bereits das Sima

unbedeckt ist. Bei der weiteren Trennung der Schollen bleiben die

vom Rande abgebrochenen Teile als Inseln zurück. Zu beachten ist

dabei, daß diese Brocken, auch wenn sie mit ihren höchsten Teilen

das Kontinentalniveau erreichen oder überschreiten, durchaus nicht

dieselbe Mächtigkeit zu haben brauchen, wie die Kontinentalschollen.

Sie brauchen statt dessen nur in dem eintauchenden Teil wesentlich

breiter zu sein als in dem emporragenden. Es braucht eben auch hier nur

die Bedingung erfüllt zu sein, daß das Verhältnis der Massen oberhalb

und unterhalb des barysphärischen Niveaus das gleiche ist wie bei den

großen Kontinentaltafeln. -- Alle diese Vorstellungen über die Natur

der Grabenbrüche stehen nicht im Widerspruche mit den landläufigen,

sondern ergänzen diese nur.

[Illustration: Fig. 11.

Die Entstehung der Kontinente und Ozeane · 第 24 / 35 题