Karte der Kontinentalschollen in Merkatorprojektion.]

Da unsere ganzen Betrachtungen sich nicht auf die Form der heutigen

Küstenlinien, sondern auf die der Kontinentaltafeln einschließlich

der Schelfe bezieht, so ist es notwendig, sich von dem gewohnten

Bilde der Erdkarte etwas frei zu machen und eine gewisse Vertrautheit

mit der Form der vollständigen Kontinentaltafeln zu gewinnen. Es

sei deshalb in Fig. 7 eine Erdkarte der Kontinentalblöcke gegeben.

In der Regel gibt die 200 m-Tiefenlinie am besten den Rand dieser

Tafeln wieder, doch erreichen einige Teile, die noch sicher zu den

Kontinentaltafeln gehören, auch 500 m Tiefe. Die größten Abweichungen

von den Küstenlinien treten auf in der Umgebung der britischen Inseln,

auf der Neufundland-Bank, im Nördlichen Eismeer, wo Spitzbergen, Franz

Josef-Land und neusibirische Inseln mit Eurasien verbunden erscheinen,

in der Umgebung der Falklandsinseln, die auf dem südamerikanischen

Schelf liegen, bei den Sunda-Inseln, die einen großen, mit Asien

zusammenhängenden Lappen bilden, und zwischen Australien und Neuguinea,

die als eine einzige große Tafel erscheinen. Auch die nordamerikanische

Scholle hängt durch den Schelf der Beringstraße unmittelbar mit der

asiatischen zusammen.

Es ist von Wichtigkeit, den Prozeß der Gebirgsfaltung etwas näher ins

Auge zu fassen. Er ist es ja, welcher den Zusammenschub der Lithosphäre

zu immer größerer Dicke vorzugsweise bewirkt und damit die Kontinente

aus dem Meere auftauchen läßt. Auch Tafelländer lassen ja die Faltung

des Urgesteins meist noch deutlich erkennen, durch welche sie dem

Urmeere entstiegen sind. Erst nachträglich sind diese anfangs als

echte Kettengebirge entstandenen Faltungen durch Verwitterung oder

Abrasion wieder eingeebnet worden, so daß man bisweilen aus dem Grade

dieser Einebnung bereits einen rohen Schluß auf das Alter der Faltung

ziehen kann. Deshalb ist es wichtig, ein möglichst klares Bild von dem

Faltungsvorgang zu gewinnen.

/James Hall/ wurde zuerst auf die unbestreitbare Tatsache aufmerksam,

daß die Mächtigkeit der Sedimente gerade in Faltengebirgen viel größer

ist als in den benachbarten ungefalteten Gebieten. Da es sich meist um

kilometermächtige Schichten handelt, die gleichwohl alle in flacher

See abgelagert sind, deutete /Hall/ die Erscheinung ganz richtig in

der schon oben besprochenen Weise, daß am Orte des Gebirges anfangs

eine Mulde (Geosynklinale) bestanden habe, deren Aufschüttung mit

Sediment durch ein isostatisches Sinken der Scholle fast kompensiert

wurde. Man kam so zu dem Gesetz: Kettengebirge entstehen aus

Schelfen[50]. Daß gerade die Schelfe hier bevorzugt werden, kann

verschiedene Gründe haben. /Reade/ wies darauf hin, daß durch die

kilometerdicken Ablagerungen das Urgestein in das Gebiet der höheren

Temperatur hinabgedrängt und hierdurch plastischer gemacht würde, so

daß beim Zusammenschub diese Stelle zuerst nachgeben muß. Vielleicht

darf man auch annehmen, daß solche Geosynklinalen von Anfang an

durch eine besonders hohe Lage der Isotherme der Schmelztemperatur

ausgezeichnet waren, und daß deswegen ein Sinken der Scholle bei

Sedimentauflagerung besonders leicht eintreten konnte, weil bei

Schollenverdickung die geschmolzenen Massen an der Unterseite der

Lithosphäre leichter seitwärts ausweichen konnten. Auch dadurch würde

eine Bevorzugung dieser Stellen bei Faltung erklärbar. Außerdem muß

aber beachtet werden, daß die Schollendicke aus isostatischen Gründen

bei Schelfen viel geringer sein muß, als bei den höheren Teilen

der Kontinentalschollen, wodurch die Schelfe als Zonen geringsten

Widerstandes an sich schon für die Faltung prädestiniert erscheinen.

[Illustration: Fig. 8.

Die Entstehung der Kontinente und Ozeane · 第 22 / 35 题