Der Tunnel

Roman. 140. Auflage. Geh. 3,50 Mark, geb. 5 Mark.

Voll frappanter Lebendigkeit sitzt diese amerikanische, über und über

vergoldete Menschheit da, diese Männer, die nur in Ziffern denken, diese

schönen, verwöhnten Frauen, die sich in luxuriösen Spielereiträumen wiegen.

Von einem atemlosen Tempo wird man durch die vierhundert Seiten dieses

Buches dahingefegt. Man ist in ihnen wie in einem Expreßzug. Umgeben und

durchschüttert von dem Sausen vorwärts jagender Eile. Eingehüllt von dem

Dröhnen einer metallisch donnernden Kraft. In diesem Buch rollt der Donner

ungeheuerer moderner Maschinen. Weite und Welthorizonte sind in ihm. Aber

alles wirbelt und tanzt und dreht sich, und man sieht nur große Konturen,

sieht nur Massen, zusammengeballt und mit fortgerissen in der rasenden

Bewegung dieser Zeit. Man spürt das unerhörte Tempo der Gegenwart, der

heutigen Epoche, während man dieses Buch liest. Man spürt gleichsam die

Erde ringsum vibrieren, als erbebe sie bis in ihren Grund unter der

zugreifenden Gewalt des Menschen. Man spürt das Fiebern, Keuchen, Wüten und

geniale Delirieren der unermeßlichen Arbeit, die rund um uns her verrichtet

wird. Und das ist zuerst ein beklemmendes Gefühl, dann aber ein befreiendes

Glücksbewußtsein. Man wird niedergedrückt und gleich darauf angefeuert,

hoch emporgehoben und wie berauscht von Mut, von Entschlußfreude und

Zuversicht und von Seligkeit, dieses schäumende Leben heute mitleben zu

dürfen. Man wird gewissermaßen lebendiger, indem man dieses Buch liest. Das

aber scheint mir der edelste Gehalt dieser Dichtung zu sein. Das ist es ja,

was wir überhaupt brauchen: Bücher, die unser Daseinsgefühl steigern,

Kenntnis, Zutrauen, Beziehung und Wille zur Welt in uns vervielfältigen,

mit einem Wort: Bücher, die uns lebendiger machen.

(Neue Freie Presse, Wien.)

Das Meer · 第 76 / 79 题