»Guten Tag, Mathieu! Guten Tag, L'honneur, Petitjean! Guten Tag, alle
zusammen!«
»Wir sind herübergekommen zum Fischen, wir wollten sehen, wie es dir geht.«
Sie hatten mich nicht vergessen! Ja, sie waren sogar bis nach Sturmvilla
gewandert.
»Nun, ihr braucht ja keine Gläser, so vornehm seid ihr nicht -- ah, bei
allen Teufeln, Petitjean, du säufst ja die ganze Flasche aus! Sind wir
fertig? Erzählt was es Neues gibt! Ihr Hunde, jetzt fällt es mir ein, ihr
habt uns ja die drei Russen weggeschnappt, ihr Kerle! Kedril und ich, wir
sind fast hin geworden auf dem Meer!«
Der Morgen war frisch und klar. Wie ein einziger tadellos reiner Block von
Kristall lag die Luft auf dem Meer. Das Meer leuchtete stahlblau und
strahlte einen kühnen Glanz aus und eine blitzende Helle, bebend von
intensiven Vibrationen, die das Herz leicht und heiter machten. Am Horizont
floß ein Streifen von sattem Ultramarin dahin. Man konnte ihn nicht ohne
Verwunderung betrachten. Die nassen Riffe glitzerten in der Sonne. Am Hafen
unten standen die Fischer, laut und fröhlich, und warteten auf eine Brise.
Ihre frischgewaschenen Gesichter leuchteten rot in der Sonne. Guten Morgen!
Guten Morgen allerseits!
Wir ruderten hinüber zum »Kirchturm«. In der Bai stand ein kleines
leuchtendes Segel, das war Jean Louis. Immer war der Meerkönig der erste.
Es sah aus, als ob es da draußen eine Handvoll Wind gäbe und so zogen wir
das Großsegel auf. L'honneur, Petitjean und ich. Ho-hupp, langsam stieg das
schwere Tuch in die Höhe und wir lagen mit dem Rücken auf dem Verdeck. Dann
spannten sich L'honneur und Petitjean im Nachen vor den »Kirchturm«, ich
lehnte mit dem Rücken gegen den Mast und handhabte das fünf Meter lange
Ruder -- es federte, meine Arme wurden eisenhart -- und der massige
»Kirchturm« kroch langsam dahin. Das Großsegel hing schlaff wie ein
Gehenkter und zappelte zuweilen ein wenig, das war alles. Kein Wind.
Die Bai war glatt wie Öl. Wo sonst die Brandung wirbelte, kräuselte und
wölbte sich das Meer nur ein wenig. Die Klippen blühten wie Kirschbäume in
der Sonne und weit draußen schimmerten sie wie Perlmutter. Milchige,
sonnendurchtränkte Nebelstreifen schwebten langsam über die Insel, einer
hinter dem andern. Ein kleiner Frachtdampfer winselte fern und dann und
wann erhob auch Creach auf Minuten sein Gebrüll.
Wir hatten die Bai hinter uns und waren auf dem Meer. Die Matrosen stiegen
an Bord und die Arbeit begann. Wir machten die Reusen zurecht. Das waren
Weidenkörbe in der Form großer Fliegengläser. Sie hatten nur oben einen
Eingang. In der Mitte wurde ein Fisch befestigt, ein halbverfaulter lascher
Fisch, dessen Augen schon grau waren, Steine waren am Boden festgebunden.
Die Körbe waren schwer und das Blut hämmerte in meinen Schläfen, als ich
sie zusammen mit L'honneur über Bord warf. Eine perlende Schaumkrone stieg
auf wo sie auffielen, dann sanken sie auf den Grund des Meeres hinab. Sie
waren mit langen Stricken versehen, die am Ende Bündel von Korkstücken
trugen, damit man sie wieder heraufziehen konnte.
Die Arbeit war getan und wir hatten gute sechs Stunden Zeit.
Der mousse hatte unterdessen Kaffee gekocht und wir saßen rings im Kreise
auf dem Deck und tranken ihn aus einem Blechtopf, der Jahresringe von
Schmutz, Wein, Kaffee und Kognak hatte. Ich streckte mich in der Sonne aus
und bot ihr Arme und Gesicht und die nackten Füße dar. Und ich fühlte, daß
ich in der Hitze aufging wie das Brot im Ofen. Das Meer war glatt und
durchsichtig wie Eis, mit einem weißlichgrünen Riß da und dort in der
Tiefe. Zuweilen kräuselte es sich wie Hautfalten und steuerbord zog in der
Ferne eine glitzernde Straße vorbei, wie Myriaden kleiner, rascher Fische.
Die Möwen schwirrten und Trüppchen von Meerschwalben zogen dahin.