Der Chef wurde blau vor Zorn. »Das ist Schikane, einfach!«

Aber Yann klopfte mit seinem Sou. »Voyons! Ich bezahle. Tue deine Pflicht

und halte das Maul!«

Nach einer halben Stunde aber war er schon wieder da -- -- ho! ho! ho!

Da aber schlüpfte der Dorflump mit den klaffenden Hosen in die Bar. Er

streckte mir die Hand hin: »Eine Prise Tabak, Herr! Papier habe ich

selbst!« Ja, richtig, er hielt ein zerknittertes Zigarettenpapierchen

zwischen den schmutzigen Fingern. Aber ehe ich ihm Tabak geben konnte,

hatte Yann dem Dorflump eine Schaufel zwischen die Beine geworfen und der

Dorflump entfloh.

Yann behandelte den Dorflump wie eine Katze.

»Hahaha!«

Der versteinerte Großvater drehte sich um und nieste.

Keinen Augenblick lang stand das Leben in Noels Bar still.

Ein totenbleich aussehender Fischer kam herein und trat zu Noel und

murmelte ihm etwas ins Ohr.

»Haha!« lachte Noel laut. »Bezahle die zehn Sou, die du schuldig bist, und

ich kreditiere wieder.«

»Meine Kinder haben nichts --« murmelte der Fischer.

»Bah! Arbeite --!«

»Ich bin krank.«

»Krank? Haha! Du kennst meine Prinzipien, Freund.«

Der bleiche Fischer nickte und ging wieder.

»Sie würden mir das Fleisch von den Knochen fressen!« rief Noel aus.

O, lala, ja so war er. Er zog den Fischern jeden Sou aus der Tasche,

verkaufte ihnen schimmeliges Brot und gemeinen Fusel, platzte von all den

fetten Speisen und guten Weinchen, hatte ein Haus und einen Harem kleiner

rundlicher Mägde, die er der Reihe nach schwängerte, aber sobald es ans

Kreditieren ging verstand der Inselkönig keinen Scherz. Und die Fischer

fanden das ganz in Ordnung.

Alle hatten den bleichen Fischer schon vergessen, da rief Noel mit lauter

Stimme: »Antoinette, Maria -- man muß einen Laib Brot zu Breton tragen,

jetzt gleich! Sage, Noel schickt es. Auch einen Topf Milch muß man

hintragen!« Und zu den Gästen in der Bar sagte er: »Man kann die Leute ja

doch nicht verhungern lassen.« Und er seufzte.

So war Noel. Er hatte ein gutes Herz, man darf ihm nicht unrecht tun.

In diesem Augenblick aber fielen meine Augen auf Yvonne, die Tochter

Amoriks, des Wächters von Creach. Sie kam um Brot zu kaufen.

Yvonne war schön! Erinnerst du dich? Einmal im Frühling kam ein Mädchen an

Sturmvilla vorbeigeklappert in ihren Holzschuhen, ihre Hammel wollte sie

suchen, und ich küßte sie auf den braunen Nacken. Yvonne, daß ich dich so

lange vergessen konnte!

Yvonne hatte ein braunes Gesicht und eine hohe glänzende Stirn. Wenn sie

lächelte, erschienen Grübchen in ihren Wangen und dann glänzten auch die

Wangen. Ihre Augen waren schwarz wie Pech. Das schönste aber war ihr Haar.

Es war sorgfältig über der Stirn gescheitelt und schwarzglänzend wie das

eines Rappen, aber doch seidenweich.

Noel zeigte ihr sein Wohlwollen. Er legte den Laib, den sie gewählt hatte,

zurück und suchte ihr einen andern aus. »Nimm diesen, Yvonne, das ist der

beste!« Diese Auszeichnung genossen nur seine geachtetsten Kunden.

»Für Amorik!« sagte Yvonne.

»Schon gut, schon gut, grüße Amorik!« Amorik genoß Kredit wie alle Leute

mit einem festen Einkommen.

»Kenavo!« sagte Yvonne und ging.

»Ah, sie ist ein hübsches Mädchen!«

»Ja, und ein anständiges Mädchen!«

Ich aber sagte gar nichts. Ich nickte nur. Dann schloß ich meine Einkäufe

ab -- ohne Eile zu verraten. Man mußte gerissen sein auf der Insel.

»He, Antoinette, Josephine!« schrie Noel. »Man muß mich daran erinnern, daß

die Waren nach Sturmvilla gebracht werden. Man muß um sieben Uhr

einspannen!«

Noel besaß nämlich ein Fuhrwerk, obgleich die größte Reise, die man auf der

Insel machen konnte, eine Wegstunde weit war. Sein Pferd war dick und fett

und hatte lange Haare an den Beinen, förmliche Pelzhosen. Das Einspannen

war eine Komödie. Dann setzte sich Noel, gestiefelt und gespornt, auf den

Bock und rasselte dahin, Brrr! Schon war er angekommen. »Man muß Zephir

abreiben und striegeln, Zephir muß Wasser bekommen, brr, brr, Ruhe,

Zephir!«

Das Meer · 第 46 / 79 题