XVII

Dann kamen die großen Stürme und alles wurde anders. Die Stürme selbst

waren schuld daran --

Eines Morgens erwachte ich mit einem elenden Gefühl. Das Atmen wurde mir

schwer. Ich ging hinaus um zu sehen, ob nicht etwa der Himmel herabgekommen

sei und in Mannshöhe über der Insel laste. Alles stand still. Die Gräser,

das Meer, die Luft, über dem Meer lag die lange Rauchwolke eines Dampfers,

der schon entschwunden war, auch diese Rauchwolke stand still. Ein grauer,

greisenhafter Himmel blickte von oben herab. Wo war das Leben hin?

Eine Stunde später änderte sich alles. Die Möwen waren die ersten, die das

Fest witterten. Sie zogen in weiten raschen Kreisen mit dem Bauch über das

Meer und schrien wild. Am Horizont schob sich eine unscheinbare,

bleifarbene Wolkenbank empor, aber so rasch, als steige sie aus einer

Versenkung herauf, und während sie wuchs wurde sie immer dunkler, fast

schwarz. Senkrechte weißliche Wolkenfetzen flogen vor ihr her. Das Meer

wurde düster und runzelte sich wie die Stirn eines wilden Tieres, das die

Geduld verliert. Die Fittiche der raschen Möwen flatterten kalkbleich vor

der dunkeln Wolke. Die Meerschwalben zogen in Zickzacklinien um die Klippen

und läuteten und gurrten. Auf einem Felsen saß ein Fischreiher, sah hinaus

und schlug zuweilen mit den Flügeln.

Mein Herz aber pochte.

Plötzlich ging ein pfeifender Hieb über uns dahin und die Insel war in eine

ungeheure Staubwolke gehüllt, als ginge sie in Rauch auf. Die Gräser legten

sich flach auf den Boden, Steinkörner sausten durch die Luft. Da war er --

Was für ein Gesang war das, bei allen Göttern? Es war das Lied vom Chaos,

als es noch nichts gab als die schwarzen Wasser und das nackte Gestein. Es

war das Schlachtenlied der Urriesen, die um Erde und Meer kämpften und sich

zerschmetterten --

Das Meer dröhnte schwer, die Felsen tuteten, und das Toben vereinigte sich

zu einem hohlen, surrenden Brausen, das alles erschütterte. Die Luft

wetterte, die Atmosphäre bebte, wie ein Riesenventilator surrte die Luft

und zerrte das Fleisch von den Knochen, riß an den Augenlidern und Lippen,

legte die Ohren um und bog die Nase, wohin sie wollte.

Die Küste ringsum war bis hoch hinauf mit Gischt bedeckt und sah wie

beschneit aus. Die Klippen im Meer trugen wehende Generalsbüsche. Das Meer

war getigert bis zum Horizont, ein paar fliegende schneeweiße Schaumkämme

mit Nacht dazwischen war das ganze Meer, nichts sonst. Die Schaumkämme aber

rasten gegen die Insel. Je näher sie kamen, desto lebendiger wurden sie. Es

waren Reihen von Schimmeln mit wehenden Mähnen, schäumenden Mäulern und

strampelnden Vorderfüßen. Sie galoppierten gegen die Klippen, stürzten in

die Höhe, wieherten, schwangen die Mähnen und sanken zerschmettert

rücklings ins Meer. Und augenblicklich galoppierte die nächste Reihe heran,

hoi, hoi, hopp hopp! Der Wind peitschte sie und sie taten ihr Bestes,

flogen heran, hinauf und zerschellten.

Das war er!

»Vater unser -- das ist er! Was soll ich tun? Sag mir den Gesang, den ich

anstimmen soll! Soll ich vom grasgrünen Meerteufel singen, der drunten

schlief und nun emporstieg und sich dreht wie ein rasender Kreisel?«

Poupoul sprang an mir empor, und ich packte ihn am Kragen und drosselte

ihn. »Nimm dich in acht, Poupoul, siehst du nicht, daß ich ein Mörder bin!«

Das Meer · 第 32 / 79 题