Dicht innerhalb des Tores, das man nicht verschließen konnte

Anmerkungen zur Transkription

Das Original ist in Fraktur gesetzt. Im Original gesperrter Text

ist _so ausgezeichnet_. Im Original in Antiqua gesetzter Text

ist ~so markiert~.

Weitere Anmerkungen zur Transkription befinden sich am Ende des

Buches.

[Illustration: Cover]

Langens Mark-Bücher

Band 21

Langens Mark-Bücher

Eine Sammlung moderner

Literatur

Einundzwanzigster Band

Verner von Heidenstam

Kampf und Tod

Karls des Zwölften

[Illustration: Signet]

Albert Langen, München

Verner von Heidenstam

Kampf und Tod

Karls des Zwölften

Historische Erzählungen

[Illustration: Signet]

Albert Langen, München

Die in diesem Bändchen veröffentlichten drei Erzählungen stellen Proben

dar aus dem großen Werke:

Verner von Heidenstam

Karl XII. und seine Krieger

Historische Erzählungen

Deutsch von Gustaf Bergman

Zwei einzeln käufliche Bände

Umschlag- und Titelzeichnungen von W. Schulz

Einbandzeichnung von Felger

Preis jedes Bandes geheftet 4 Mark,

gebunden 6 Mark, in Leder 15 Mark

Verlag von Albert Langen in München

~Copyright 1917 by Albert Langen, Munich~

Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung vorbehalten

Albert Langen Verner von Heidenstam

Inhalt

Seite

Das befestigte Haus 7

Der Königsritt 32

Fredrikshall 75

Das befestigte Haus

Von der Winterkälte überrumpelt, hatten die Schweden in Gedränge und

Wirrwarr hinter den Mauern von Hadjatsch Quartier genommen. Da fand

sich bald kein Haus mehr, das nicht von Frostkranken und Sterbenden

gefüllt war. Das Jammergeschrei hörte man auf der Straße, und hie

und da lagen daneben auf den Treppenstufen abgeschnittene Finger,

Füße und Beine. Die Fuhrwerke waren ineinander festgefahren und

standen vom Stadttor bis zum Markt so dicht aufeinander gepackt, daß

die bleichgefrorenen Soldaten, die von allen Seiten herbeiströmten,

zwischen den Rädern und Kufen durchkriechen mußten. In ihr Sattelzeug

verstrickt, vom Winde abgewandt und mit weißgefrorenen Lenden, standen

die Pferde seit mehreren Tagen ohne Futter. Niemand kümmerte sich um

sie, und einige von den Troßkutschern saßen totgefroren, die Hände in

die Ärmel gesteckt. Einige Wagen glichen langen Kasten oder Särgen,

und aus der Luke des flachen Deckels stierten düstere Gesichter

hervor, die im Gebetbuch lasen oder fieberkrank und sehnsuchtsvoll

nach den schützenden Häusern schauten. Tausend Unglückliche riefen

halblaut oder im Stillen Gott um Barmherzigkeit an. An der Innenseite

längs der Stadtmauer standen die Soldaten reihenweise tot, viele mit

roten Kosakenröcken über den zerrissenen, schwedischen Uniformen und

mit Schaffellen um die nackten Füße. Waldtauben und Spatzen, die so

steifgefroren waren, daß man sie mit den Händen fangen konnte, hatten

sich auf die Hüte und Schultern der aufrechtstehenden Leichen gesetzt

und schlugen mit den Flügeln, wenn die Feldprediger vorbeigingen, um

einem Sterbenden das Abendmahl in Branntwein zu geben. Oben am Markt

lag zwischen abgebrannten Grundstücken ein größeres Haus, aus dem man

laute Stimmen hörte. Ein Soldat gab einem Fähnrich ein Reisigbündel,

das in der Tür stand und als der Soldat die Straße hinunter zurückging,

zuckte er mit den Achseln und sagte dem, der ihn hören wollte:

»Es sind nur die Herren von der Kanzlei, die sich zanken!«

Der Fähnrich an der Tür war soeben mit den Truppen Lewenhaupts

angekommen. Er trug das Reisigbündel ins Zimmer hinein und warf es

auf den Herd. Die Stimmen drinnen verstummten sogleich, aber sobald

er die Tür hinter sich zugemacht hatte, begannen sie mit erneutem

Eifer. Es war Exzellenz Piper selbst, die mitten im Zimmer stand, mit

runzeligem und gefurchtem Gesicht, mit erhitzten Wangen und zitternden

Nasenflügeln.

»Ich sage, daß das Ganze Wahnsinn ist,« brach er los, »Wahnsinn,

Wahnsinn!«

Hermelin mit seiner spitzigen Nase bewegte beständig die Augen und

Hände und lief im Zimmer hin und her, wie eine kleine zahme Ratte, aber

der Feldmarschall Rhensköld, der schön und stattlich am Herd stand,

pfiff und summte vor sich hin. Wenn er nicht gepfiffen und gesummt

hätte, würde das Zanken jetzt zu Ende gewesen sein, denn alle waren sie

für diesmal vollständig einig, aber dieses, daß er pfiff und summte,

statt zu schweigen oder wenigstens zu sprechen, das war mit der Zeit

unerträglich. Lewenhaupt am Fenster schnupfte und trommelte mit der

Schnupftabaksbüchse. Seine pfefferbraunen Augen schossen aus dem Kopf,

und es sah aus, als wäre seine lächerliche Perücke größer und immer

größer geworden. Wenn Rhensköld nicht fortgefahren hätte, zu pfeifen

und zu summen, würde er sich beherrscht haben, heute wie gestern und

alle anderen Male, aber jetzt stieg ihm der Zorn zu Kopfe, er schlug

die Tabakbüchse zum letzten Male zu und murmelte zwischen den Zähnen:

»Ich verlange nicht, daß Seine Majestät was von Staatskunst begreifen

soll. Aber kann er Truppen führen? Zeigt er wirkliches Verständnis

bei einer einzigen ~rencontre~ oder ~attaque~? Geübte und

alte Krieger, die nie ersetzt werden können, opfert er täglich für eine

eitle ~bravour~. Sollen unsere Leute eine Mauer erstürmen, wird

es für überflüssig gehalten, daß sie sich schützende Reisigbündel oder

Schirme binden, und deshalb werden sie auch armselig massakriert. Offen

gesagt, meine verehrten Herren, einem ~studiosus upsaliensis~ kann

ich manchen Bubenstreich verzeihen, aber von einem Feldherrn ~in

castris~ fordere ich was anderes. Es wird wahrlich niemand zum

Vorteil gereichen, eine ~affaire~ unter dem Kommando eines solchen

Herrn zu führen.«

»Auch inkommodiert Seine Majestät,« antwortete Piper, »gegenwärtig

den Herrn General nicht mit irgendwelchen schwierigen Befehlen. Im

Anfang, ehe der eine sich mehr als der andere ausgezeichnet hatte, ging

alles besser, aber jetzt muß Seine Majestät herumgehen und vermitteln

und versöhnen, mit einem blödsinnigen Lächeln, das einen zur Raserei

bringen kann.«

Er hob die Arme in die Höhe, mit einem Zorn, dem jede Besinnung und

jedes Maß fehlte, ungeachtet dessen, daß er mit Lewenhaupt ganz einig

war. Während er noch redete, wendete er sich um und ging heftig seines

Weges nach den inneren Zimmern. Die Tür schlug mit einem solchen Knall

zu, daß Rhensköld sich noch mehr veranlaßt fühlte, zu pfeifen und zu

summen. Wenn er doch nur etwas hätte sagen wollen! Aber nein, das tat

er nicht. Gyllenkrok, der am Tisch saß und die Marschroute prüfte, war

glühheiß im Gesicht, und ein kleiner, trockener Herr an seiner Seite

flüsterte ihm gereizt ins Ohr:

»Ein Paar Diamantohrringe an die Gräfin von Piper würden vielleicht

Lewenhaupt noch zu neuen Anstellungen verhelfen.«

Falls Rhensköld jetzt aufgehört hätte, zu pfeifen und zu summen, hätte

Lewenhaupt sich noch bemeistern und die Papierrolle, die er unter dem

Rock trug, aufheben und sich ans Tischende setzen können, aber statt

dessen wurde der ehrwürdige und sonst wortkarge Mann böser und böser.

Er wandte sich unschlüssig um und ging nach dem Ausgang, dort blieb

er aber mit einemmal stehen, richtete sich auf und schlug die Hacken

zusammen, als wäre er ein geringer Gemeiner. Jetzt wurde Rhensköld

still. Die Tür ging auf. Ein eisiger Windzug drang in die Kammer,

und der Fähnrich meldete mit so hoher und gedehnter Stimme wie eine

Schildwache, die ihre Kameraden ins Gewehr ruft:

»Sei--i--ne Majestät!«

Der König war nicht mehr das geblendete und verwunderte, halberwachsene

Kind von ehedem. Nur die knabenähnliche Gestalt mit den schmalen

Schultern war dieselbe. Der Rock war rußig und schmutzig. Die Falte um

die aufgeworfene Oberlippe war tiefer und ein wenig grinsend geworden.

Auf der Nase und der einen Wange hatte er Frostwunden, und die

Augenlider waren gerändert und von langwieriger Erkältung geschwollen,

aber um das zu früh kahl gewordene Haupt stand das aufgekämmte Haar wie

eine zackige Krone.

Er hielt die Pelzmütze in beiden Händen und suchte seine Verlegenheit

und Scheu hinter einer steifen und kühlen Geziertheit zu verbergen und

verbeugte sich lächelnd vor jedem der Anwesenden.

Sie verbeugten sich jedesmal noch tiefer, und als er bis mitten ins

Zimmer gekommen war, blieb er stehen und verbeugte sich noch ein

paarmal nach den Seiten, obwohl ein wenig schneller und scheinbar ganz

und gar mit dem beschäftigt, was er sozusagen dachte. Danach blieb er

eine Weile stumm stehen.

Sodann ging er zu Rhensköld vor und nahm ihn mit einer kurzen

Verbeugung an einem der Rockknöpfe:

»Ich möchte bitten,« sagte er, »daß Exzellenz mir zwei bis drei Mann

von den Gemeinen verschafft zur Deckung bei einer kleinen Exkursion.

Ich habe schon zwei Trabanten mit.«

»Aber Majestät! Die Gegend ist von Kosaken überschwemmt. Es war schon

ein Wagstück, vom Quartier Eurer Majestät hierher in die Stadt zu

reiten mit so kleiner Bedeckung.«

»Oh, Lappalien! Lappalien! Exzellenz soll tun was ich gesagt habe.

Jemand von den anwesenden Generalen, der frei ist, kann auch aufsitzen

und einen Mann von den Seinen mitnehmen.«

Lewenhaupt verbeugte sich.

Der König betrachtete ihn ein wenig zaghaft, ohne zu antworten, und

blieb stehen, nachdem Rhensköld hinausgeeilt war. Niemand von den

anderen im Ring hielt es für gebührlich, das Schweigen zu brechen oder

sich zu bewegen.

Erst nach einer ganz langen Weile verbeugte sich der König wieder vor

jedem einzelnen und ging hinaus ins Freie.

»Na,« fragte Lewenhaupt und klopfte dem Fähnrich mit wiedergewonnener

Natürlichkeit auf die Schulter. »Herr Fähnrich soll mitkommen! Das ist

das erstemal, daß der Fähnrich Aug in Aug mit Seiner Majestät gestanden

hat.«

»Ich hatte ihn mir anders vorgestellt.«

»Er ist immer so. Er ist zu königlich, um zu befehlen.«

Sie folgten dem König, der über Wagen und gestürzte Tiere kletterte.

Seine Bewegungen waren gewandt, aber niemals hastig, sondern maßvoll

und ziemlich langsam, so daß er keinen Augenblick seine Würde verlor.

Als er sich schließlich durch das Gedränge im Stadttor den Weg gebahnt

hatte, stieg er mit seinem Gefolge, das sich jetzt auf sieben Mann

belief, in den Sattel.

Die Pferde glitten auf der Eisstraße aus, und einige stürzten,

aber Lewenhaupts Einwendungen lockten den König nur, die Sporen

noch herzloser zu benutzen. Der Lakai Hultman hatte ihm die ganze

Nacht laut vorgelesen oder Märchen erzählt und ihn schließlich

mit der Wahrsagung zum Lachen gebracht, daß er, wäre er nicht von

Gott zum König erkoren, sein ganzes Leben lang ein menschenscheuer

Stubenhocker geworden wäre, der viel wunderlichere Verse als der selige

Messenius in Disa auf »Bollhuset« ausgedacht hätte, vor allem aber

die gewaltigsten Kampfgesänge. Er versuchte, an Rolf Götriksson zu

denken, der immer selbst zuvorderst vor seinen Leuten ritt, aber es

wollte ihm heute nicht glücken, seine Gedanken in die Spielstube der

Sage einzuschließen. Die Unruhe, die in der letzten Zeit ihre Krallen

in sein Gemüt geschlagen hatte, wollte die königliche Beute nicht

loslassen. Er hatte jetzt eben auf der Kanzlei die erhitzten Gesichter

gesehen. Von den Aufzügen der Kinderjahre her noch immer in seiner

eignen früheren Einbildungswelt gefangen, war er für die schrillen

Notschreie am Wege taub und wurde mißtrauisch gegen jeden, der ein

empfindliches Gehör zeigte. Heute wie auch sonst merkte er kaum, daß

man ihm das ausgeruhteste Pferd und das frischste Brot angeboten hatte,

daß man am Morgen einen Beutel mit fünfhundert Dukaten in seine Tasche

gesteckt hatte und daß die Reiter beim ersten Tumult einen Ring um ihn

schlagen und sich dem Tod weihen würden, den er herausforderte. Dagegen

merkte er, daß die Soldaten ihn mit einem unheimlichen Schweigen

grüßten, und die Mißgeschicke hatten ihn sogar gegen seine Nächsten

mißtrauisch gemacht. Der vorsichtigste Widerspruch, die verdeckteste

Mißbilligung bemerkte er, ohne sich zu verraten, und jedes Wort lag

da und nagte an seiner Seele. Es deuchte ihn, als ob er mit jeder

Stunde einen Offizier verliere, auf den er früher vertraut hatte, und

sein Herz wurde immer kälter. Sein gekränkter Ehrgeiz krümmte sich

und blutete unter der Last des Mißlingens, und er atmete leichter, je

weiter er das Hauptquartier hinter sich ließ.

Plötzlich blieb Lewenhaupt stehen und drehte um, in der Hoffnung, auf

den König einwirken zu können.

»Mein guter Ajax!« sagte er und streichelte das dampfende Pferd. »Wohl

bist du ein alter Krippenbeißer, aber ich kann dich für nichts und

wieder nichts nicht voranjagen, und selbst fange ich an zu altern wie

du. Aber in Jesu Namen, ihr Kerle! Es folge dem König, wer kann!«

Als er den ängstlichen Seitenblick des Fähnrichs nach dem König hin

sah, äußerte er mit gedämpfter Stimme:

»Sei ruhig, mein Junge! Seine Majestät braust nie auf, wie wir anderen.

Er ist zu königlich, um schimpfen oder zanken zu können.«

Der König tat, als ob er nichts merke. Wilder und wilder setzte er über

Eis und Schnee den stummen Wettritt ohne Ziel und Sinn fort. Er hatte

jetzt nur vier Begleiter.

Eine Weile später stürzte das eine Pferd mit gebrochenem Vorderbein,

und der Reiter schoß ihm aus Barmherzigkeit eine Kugel durchs Ohr, um

nachher selbst allein und zu Fuß in der Kälte ungewissen Schicksalen

entgegenzugehen.

Schließlich war der Fähnrich der einzige, der dem König zu folgen

vermochte, und sie waren jetzt zwischen Gebüsch und Jungwald gekommen,

wo sie nur im Schritt vorwärts konnten. Auf dem Hügel über ihnen lag

ein großes und rußiges Haus mit engen Gitterlöchern und einer Mauer um

den Hof.

Im gleichen Augenblick fiel ein Schuß.

»Wie ging das?« fragte der König und sah sich um.

»Der kleine Satan pfiff nicht schlecht, als er mir am Ohr vorbeiflog,

aber er biß nur in die Hutecke,« antwortete der Fähnrich, ohne die

geringste Erfahrung, wie er sich dem König gegenüber verhalten sollte.

Er hatte einen schwachen Smaaländischen Akzent und lachte vergnügt mit

seinem ganzen hellen Gesicht. Vom Glück berauscht, so unter vier Augen

mit dem, der ihm mehr als alle anderen Sterblichen schien, zusammensein

zu dürfen, fuhr er fort.

»Wir werden wohl da hinaufgehen und sie am Bart nehmen?«

Die Antwort gefiel dem König aufs höchste, und mit einem Sprung stand

er auf dem Boden.

»Wir binden die Gäule hier an die Sträucher,« sagte er ausgelassen und

mit starker Farbe auf den Wangen. »Sodann gehen wir hinauf und stechen

jeden nieder, daß es nur so pfeift.«

Sie verließen die keuchenden Pferde und kletterten vorgebeugt durch das

Gebüsch hinauf. Oberhalb der Mauer blickten einige Kosakenköpfe mit

hängendem Haar und gelb und grinsend wie geköpfte Missetäter herunter.

»Siehe,« flüsterte der König und klatschte in die Hände. »Dort

versuchen sie das morsche Tor zuzuziehen, die Fuchsschwänze!«

Sein vorhin noch nichtssagender Blick wurde jetzt abwechselnd unstet,

weit und glänzend. Er zog den Haudegen und hob ihn mit beiden Händen

über seinen Kopf.

Gleich einem Gott der Jugend stürmte er durch das halboffene Tor. Der

Fähnrich, der an seiner Seite hieb und stach, war oft nahe daran,

hinter ihm von seiner Waffe getroffen zu werden, und ein Musketenschuß

schwärzte die rechte Schläfe des Königs. Vier Mann wurden im Torweg

niedergehauen, und der fünfte der Schar floh mit einer Feuerschaufel

nach dem Hof hinein, vom König verfolgt.

Dort strich der König auf dem Schnee das Blut vom Degen, legte zwei

Dukaten in die Feuerschaufel des Kosaken und brach in zunehmender

Heiterkeit aus: »Es ist kein Pläsier, sich mit diesen Tröpfen zu

schlagen, die nie zurückhauen, sondern nur laufen. Komm zurück, wenn du

dir einen ordentlichen Degen erstanden hast!«

Der Kosak, der nichts verstand, stierte die Goldmünzen an, schlich sich

der Mauer entlang nach dem Tor und entfloh. Immer weiter und weiter

draußen auf dem Felde rief er seine umherstreifenden Kameraden mit

einem unheimlichen und klagenden: Ohaho! Ohaho! zusammen.

Der König sang leise vor sich hin, wie um einen unsichtbaren Feind zu

reizen: »Kosakenmännlein, Kosakenmännlein, sammle deine Schelme!«

Die Mauern rings um den Hof waren schimmelig und schwarz. Aus dem Boden

hörte man einen endlos gesponnenen Mollton wie von einer Äolsharfe,

und forschend stieß der König die Tür zum Wohnhaus auf. Das bestand

aus einem einzigen, großen und halbdunklen Zimmer, und vor dem Feuer

lag ein Haufen blutbefleckter Kleider, die die Leichenplünderer von

gefallenen Schweden genommen hatten. Die Tür wurde vom Zug wieder

zugeworfen, und der König ging nach dem Stallgebäude nebenan. Da gab es

keine Tür, und den Laut hörte man immer deutlicher. Drinnen im Dunkeln

lag ein zu Tode gehungertes Pferd, das an eine der eisernen Ösen in der

Wand gebunden war.

Ein erhobener Haudegen würde den König nicht gehindert haben, aber die

ungewisse Dämmerung erregte seine Einbildungskraft, daß sie ihn auf der

Schwelle zum Stehen brachte. Doch ließ er sich nichts anmerken, sondern

rief den Fähnrich. Sie stiegen eine steile Treppe zu einem Keller

hinunter. Dort war ein Brunnen, und an dem Kran der singenden Winde,

die das Wasser heraufholte, kutschierte ein tauber Kosake mit Peitsche

und Zügel, ohne die geringste Ahnung einer Gefahr, eine menschliche

Gestalt in schwedischer Offiziersuniform.

Als sie die Stricke lösten und an die Stelle des Gefangenen den

Kosaken banden, erkannten sie den Holsteiner Feuerhausen, der als Major

in einem geworbenen Regiment diente, aber von den Kosaken weggeschnappt

und wie ein Vieh vor ihr Wasserwerk gespannt worden war.

Er kniete und stammelte in gebrochenem Schwedisch:

»Majestät. Ich traue nicht meinen Augen ... Meine

~reconnaissance~ ...«

Der König fiel ihm heiter ins Wort und wendete sich zum Fähnrich:

»Führe die beiden Pferde hinauf in den Stall! Drei Männer können nicht

behaglich auf zwei Pferden reiten, und deshalb bleiben wir hier, bis

einige Kosaken vorbeikommen, denen wir ein neues Pferd nehmen können.

Der Herr selbst steht Wache am Tor.«

Danach ging der König nach dem Wohnhaus zurück und machte die Tür

hinter sich zu. Die ausgehungerten Pferde, die gierig die Rinde von den

Sträuchern nagten, wurden währenddessen in den Stall hinaufgeführt, und

der Fähnrich begann Posten zu stehen.

Langsam vergingen die Stunden. Als es gegen Abend ging, vergrößerte

sich die Gewalt des Sturmes, und der Schnee irrte im Sonnenuntergang

über die trostlosen Schneesteppen. Leichengelbe Kosakengesichter

spähten über das Gebüsch, und weit draußen im Sturme tönte das Ohaho!

Ohaho! Ohaho! umherstreifender Plünderer.

Da trat Feuerhausen aus dem Stall, wo er zwischen den Pferden gesessen

hatte, um nicht Frost in die Wunden zu bekommen, die von den Stricken

herrührten, mit denen er gebunden gewesen war. Er ging an die

verschlossene Tür des Wohnhauses.

»Majestät!« stammelte er. »Die Kosaken sammeln sich mehr und mehr,

und die Dunkelheit bricht bald an. Ich und der Fähnrich sitzen auf

einem Pferd. Zögern wir hier, so wird diese Nacht die letzte der

Großmächtigsten Majestät sein, was Gott durch seinen geheimen Ratschluß

verhüten möge.«

Der König antwortete von innen:

»Es muß bei dem bleiben, was wir gesagt haben. Drei Mann reiten nicht

bequem auf zwei Pferden.«

Der Holsteiner schüttelte den Kopf und ging zum Fähnrich hinunter.

»So ist die Majestät, Ihr verdammte Svenske! Ich habe ihn vom Stall

aus hin und her gehen hören. Krankheit und Gewissensbisse sind

gekommen. Wie ein ~pater familias~ steht der moskowitische Zar

unter seinen Untertanen. Einen Zuckerbäckergesellen erhebt er zu

seinem Freund und ein geringes Dienstmädchen auf seinen glorwürdigen

Thron. ~Détestable~ sind seine Gebärden, wenn er pokuliert, und

er handhabt das Frauenzimmer ~à la françois~; aber seine erste

und letzte ~parole~ lautet immer: ›Auf Rußlands Wohl!‹ König

Carolus verläßt seine Länder als rauchende Aschenhaufen und besitzt

keinen Freund, nicht einmal unter seinen Nächsten. König Carolus ist

einsamer als der ärmste Troßkutscher. Hat nicht einmal den Schoß eines

Kameraden, wo er sich ausweinen kann. Unter Durchlauchten und Mätressen

und Perücken kommt er wie ein Gespenst aus einem tausendjährigen

Mausoleum, -- und Gespenster gehen am liebsten ohne Kompagnie. Ist

er ein ~homme d'état~? Oh Gott! Keinen Sinn für das Allgemeine!

Ist er Feldherr? Keinen Sinn für die Massen! Nur Brücken schlagen,

Schanzkörbe stellen, in die Hände klatschen wegen einer eroberten

Standarte und zweier Pauken. Keinen Sinn für Staat und Armee, nur für

Menschen!«

»Dafür kann man auch Sinn haben!« antwortete der Fähnrich.

Er ging heftig auf und ab, und die Finger waren schon so steif vor

Kälte, daß er kaum den gezogenen Haudegen halten konnte.

Der Holsteiner zog den zerrissenen Rockkragen um die Backen und fuhr

mit gedämpfter Stimme und eifrigen Gebärden fort:

»König Carolus lacht entzückt, wenn die Brücke bricht und Menschen und

Vieh elendiglich ertrinken. Kein Herz im Busen. Zum Henker mit ihm!

König Carolus ist so ein kleines schwedisches ~demi-génie~, das in

die Welt hinauswandert, nur trommelt und paradiert und Fiasko macht;

und das Parterre pfeift. Uhi!«

»Und gerade deshalb gehen die Schweden in den Tod für ihn,« antwortete

der Fähnrich, »gerade deshalb.«

»Nicht so hitzig, Liebster! Ich lachte ja, daß ich alle Zähne zeigte,

als wir uns zuerst sahen.«

»Ich höre Herrn Major gern sprechen, aber ich friere. Wollen Herr Major

nicht hinaufgehen und an der Tür des Königs horchen?«

Der Holsteiner ging zur Tür hinauf und horchte. Als er zurückkam, sagte

er:

»Er geht nur und geht und seufzt schwer wie ein Mensch in Seelenangst.

So pflegt das jetzt beständig zu sein. Die Majestät schläft nie mehr

des Nachts. Der Komödiant fühlt sich der Rolle nicht gewachsen, und von

den Lebensqualen soll der blessierte Ehrgeiz die bitterste sein.«

»Dann soll es auch das Letzte sein, was wir belachen. Darf ich den

Herrn Major bitten, meine rechte Hand mit Schnee einzureiben, denn

jetzt schläft sie ein.«

Der Holsteiner tat, was er verlangte, und kehrte zu der Tür des Königs

zurück. Er schlug sich mit beiden Händen vor die Stirn. Der graue und

borstige Schnurrbart stand gerade aus, und er murmelte:

»Gott! Gott! Bald wird es zur Retraite zu dunkel sein.«

Der Fähnrich rief:

»Lieber Herr, darf ich Sie bitten, mein Gesicht mit Schnee einzureiben.

Die Backen erfrieren. Von den Schmerzen in meinem Fuß will ich nicht

reden. Oh, ich halte es nicht mehr aus.«

Der Holsteiner füllte die Hände mit Schnee.

»Lassen Sie mich Schildwache stehen,« sagte er, »nur eine Stunde.«

»Nein, nein, der König hat befohlen, daß ich hier am Eingang stehen

soll.«

»Ach, dieser König! Ich kenne ihn. Ich will ihn froh machen,

Philosophie reden, ~histoires galantes~ erzählen. Es amüsiert

ihn, immer von Liebhabern zu hören, die abenteuerlich durchs Fenster

steigen! Er sieht oft das Frauenzimmer von der Seite an, wenn es schön

ist. Es ist für seine Imagination da, nur nicht für sein Fleisch, denn

er ist ohne Gefühl. Und er ist schüchtern. Will die Schöne ihn einmal

unter ihren Seidenschuh bekommen, muß sie selbst ihn attackieren, aber

tun, als ob sie flöhe, und alle die anderen müssen der ~liaison~

widerstreben. Seine allergroßmächtigste Frau Großmutter hat alles

dadurch ruiniert, daß sie schrie: ›~Mariage, mariage!~‹ König

Carolus ist vom Scheitel bis zur Sohle der schwedischen Königin

Kristina ähnlich, obwohl er männlichen Geschlechts ist. Die beiden

hätten miteinander verheiratet und auf denselben Thron gesetzt werden

müssen. Das wäre ein nettes Pärchen gewesen. Oh, pfui, pfui! Ihr

Schweden! Reitet ein Mann seine Pferde tot und läßt zu, daß Volk

und Reich massakriert werden, er ist aber doch von reinem Herzen

und ~supremus~ unter allen, sein Blut ist nur zu träge für

Amouren. Oh, laßt mich in Frieden! Ich kenne reinherzige Heroen, die

getreulichst in zwei, drei verschiedene Jungfrauen oder Frauen in

derselben Woche verliebt waren.«

»Ja, wir sind so, wir sind so. Aber um Christi Barmherzigkeit willen,

reibt mir noch einmal meine Hand! Und verzeiht mir mein Jammern und

mein Stöhnen.«

Dicht innerhalb des Tores, das man nicht verschließen konnte, lagen die

niedergehauenen Kosaken, vom Reif weiß wie Marmor. Der gelbe Himmel

wurde grau, und immer mehrstimmiger und näher tönten die klagenden Rufe:

»Ohaho! Ohaho! Ohaho!« Jetzt öffnete der König seine Tür und kam über

den Hof herunter. Die Schmerzen im Kopf, an denen er zu leiden begann,

waren durch den Ritt schlimmer geworden und machten seinen Blick

schwer. Das Gesicht trug Spuren von Seelenkämpfen der Einsamkeit, aber

da er sich näherte, nahm der Mund wieder sein gewöhnliches, verlegenes

Lächeln an. An der Schläfe war er noch rußig von dem Musketenschuß.

»Es wird kühler,« sagte er und zog einen Brotkuchen aus der Tasche

hervor und brach ihn in drei Teile, so daß jeder ein gleich großes

Stück bekam, wie er selbst. Dann zog er seinen Reitermantel aus und

legte ihn selbst um die Schultern des wachthabenden Fähnrichs.

Über seine eigene Handlung verlegen, faßte er dann den Holsteiner

heftig am Arm und führte ihn über den Hof hinauf, während sie an dem

harten Brot kauten.

Jetzt, wenn je, dachte der Holsteiner, gilt es, mit einem schlauen

Wortspiel die Aufmerksamkeit des Königs zu gewinnen und nachher

vernünftig mit ihm zu reden.

»Bessere Herberge kann man finden,« begann er immerwährend kauend

und beißend. »Du liebe Zeit! Das erinnert mich an eine galante

~aventure~ in der Nähe von Dresden.«

Der König hielt ihn immer noch am Arm, und der Holsteiner senkte

die Stimme. Die Erzählung war witzig und schlüpfrig, und der König

wurde neugierig. Die gröbsten Zweideutigkeiten lockten aber immer nur

sein steifes Lächeln hervor. Er horchte gleich einem verzweifelten,

halb abwesenden Menschen, mit dem Bedürfnis nach Zerstreuung für den

Augenblick.

Erst als der Holsteiner mit listiger Geschicklichkeit das Gespräch mit

einigen Worten auf die augenblickliche Gefahr überzuleiten begann,

wurde der König wiederum ernst.

»Bagatelle, Bagatelle!« antwortete er. »Es ist gar nicht der Rede wert,

wenn wir uns nur gut halten und unsere Reputation bis zum letzten Mann

~soutenieren~. Kommen die Schelme, so stellen wir uns alle drei

ins Tor und stechen mit dem Degen.«

Der Holsteiner strich sich über die Stirn und brach ab. Er begann von

den funkelnden Sternen zu sprechen. Er stellte einen Satz auf über das

Messen ihrer Entfernung von der Erde. Der König hörte ihm jetzt mit

einer ganz anderen Art von Aufmerksamkeit zu. Er ging auf die Frage

ein, antwortete scharfsinnig, erfinderisch und mit einer unermüdlichen

Lust daran, neue überraschende Sätze nach seinem Sinn auszudenken.

Die eine Behauptung reichte der anderen die Hand, und bald weilte das

Gespräch beim Universum und der Unsterblichkeit der Seele, um nachher

aufs neue zu den Sternen zurückzukehren. Sie funkelten heller und

heller, und der König sagte, was er von der Sonnenuhr wußte. Er stieß

seinen Haudegen mit dem Griff in den Schnee und stellte die Spitze auf

den Polarstern ein, so daß sie am nächsten Morgen die Zeit ablesen

könnten.

»Der Kern des Universums,« sagte er, »muß entweder die Erde oder der

Stern sein, der über dem Lande der Schweden steht. Nichts darf mehr als

das Schwedische gelten.«

Draußen vor der Mauer riefen die Kosaken, aber sobald der Holsteiner

das Gespräch auf ihren drohenden Anschlag lenkte, wurde der König

wortkarg.

»Bei Tagesgrauen ziehen wir uns nach Hadjatsch zurück,« sagte er. »Wir

wollen bis dahin nur ein drittes Pferd fangen, so daß jeder bequem im

eigenen Sattel reiten kann.«

Nachdem er so geredet hatte, ging er in das Wohnhaus zurück. Der

Holsteiner kam mit heftigen Schritten zum Fähnrich herunter, und gegen

die Tür des Königs zeigend, rief er:

»Geben Sie ~pardon~, Fähnrich! Wir Deutschen verschwenden keine

Worte, wenn uns die Striemen von den Stricken schmerzen, aber ich

strecke den Degen und gebe dem Herrn die Viktorie, denn auch ich kann

mein Blut lassen für diesen Mann. Ob ich ihn liebe! Niemand versteht

ihn, der ihn nicht gesehen hat. -- Aber Fähnrich, Sie dürfen nicht

länger draußen im Unwetter bleiben.«

Der Fähnrich antwortete:

»Kein Mantel hat mich je herrlicher gewärmt als der, den ich jetzt

trage, und ich werfe all meine Sorgen auf Gott. Aber um Christi willen,

Major, gehen Sie zu der Tür zurück und horchen Sie. Der König könnte

sich ein Leid antun.«

»Die Majestät fällt nicht von der eigenen Klinge, aber sie sehnt sich

nach der eines anderen.«

»Jetzt höre ich seine Schritte bis hier herunter. Sie werden heftiger

und unruhiger. Er ist so einsam. Als ich ihn in Hadjatsch unter den

Generalen sich verbeugen und verbeugen sah, konnte ich nur denken: wie

er doch einsam ist!«

»Kommt der kleine Holsteiner mit dem Leben davon, dann wird er sich

allzeit der Schritte erinnern, die wir heute nacht hörten, und wird

diese Herberge allzeit die Gethsemane-Feste nennen.«

Der Fähnrich nickte Beifall und antwortete:

»Gehen Sie in den Stall hinauf, Herr Major, und suchen Sie eine Stunde

Ruhe und Schutz zwischen den Pferden. Und dort können Sie durch die

Wand den König besser hören und über ihn wachen.«

Danach begann der Fähnrich mit lauter Stimme zu singen:

»Befiehl du deine Wege ...«

Der Holsteiner ging über den Hof in den Stall zurück, und mit der Zunge

vor Frost stotternd, stimmte er mit dem anderen ein:

... »Und was dein Herze kränkt

Der allertreusten Pflege

Des, der den Himmel lenkt ...«

»Ohaho, Ohaho!« antworteten die Kosaken im Sturm, und es war schon

späte Nacht.

Der Holsteiner duckte sich zwischen die beiden Pferde hinein und

horchte so lange, bis die Müdigkeit und der Schlaf seinen Kopf beugten.

Erst gegen Morgen wurde er von einem Lärm geweckt. Er sprang ins Freie

hinaus; der König stand schon auf dem Hof und betrachtete das als

Sonnenuhr ausgestellte Schwert.

Am Tor hatten sich die Kosaken versammelt, aber als sie die

unbewegliche Schildwache sahen, schauderten sie abergläubisch zurück

und dachten an die Gerüchte von den Zauberkünsten der schwedischen

Soldaten gegen Hieb und Schuß.

Als der Holsteiner zum Fähnrich herangekommen war, faßte er ihn fest am

Arm.

»Was nun?« fragte er. »Branntwein?«

Im gleichen Augenblick ließ er den Arm fallen.

Der Fähnrich stand zu Tode gefroren da, mit dem Rücken gegen die Mauer

und mit den Händen auf dem Degengriff, in den Mantel des Königs

gehüllt.

»Da wir jetzt nur zwei sind,« sagte der König und zog seine Waffe aus

dem Schnee, »können wir uns auf den Weg machen, jeder auf seinem eignen

Pferd, wie ich es gesagt habe.«

Der Holsteiner stierte ihm mit wiedererwachendem Haß in die Augen und

blieb stehen, als habe er nichts gehört. Schließlich führte er doch die

Pferde hinaus, aber seine Hände zitterten und ballten sich, so daß er

kaum den Sattelgurt festschnallen konnte.

Die Kosaken schwenkten ihre Säbel und Piken, aber die Schildwache stand

auf ihrem Posten.

Da sprang der König ungestüm in den Sattel und setzte das Pferd in

Galopp. Seine Stirn war klar, seine Wangen färbten sich rötlich, und

der Haudegen glänzte wie ein Sonnenstrahl.

Der Holsteiner blickte ihm nach. Sein bitterer Ausdruck wurde milder,

und er murmelte zwischen den Zähnen, während er selbst in den Sattel

stieg und mit der Hand am Hut an der Schildwache vorbeijagte:

»Das ist nur die Freude eines Helden daran, den schönen Tod eines

Helden zu sehen. ~Merci~, Kamerad!«

Der Königsritt

Der Hofkanzler von Müller saß auf einer Fußbank vor seinem Stubenherd

im Hause des schwedischen Königs in Demotica und buk Pfannkuchen. Er

hob den einen vertragenen Rockschoß in die Höhe gegen das Feuer und

besichtigte ihn.

»Zwar hängen die Galonen noch fest an dem Rock,« sagte er zu Oberst

Grothusen, der daneben stand und sich wärmte, »aber schändlich schwarz

sind sie geworden. Und das übrige schwedische Gefolge fängt an, der

Teufel hole sie, gerade wie Zigeunerpack auszusehen. Ich sage mit

Fabrice: Ich kann mich bald nicht mehr erinnern, wie Geldstücke

aussehen, ob sie rund oder viereckig sind.«

»Sie sind so rund, daß sie wie Räder rollen!« antwortete Grothusen

und rieb sich vergnügt die Hände. »Ein König, ein Hof, eine kleine

Armee ohne was anderes als ein wenig zusammengepumptes Kleingeld in

der Tasche ... Und das in einem türkischen Marktfleckchen, Hunderte

von Meilen von dem eigenen Vaterland! Zu welcher Zeit sahest du

dergleichen? Gott verzeih' mir, aber ist das nicht ein so kostbarer

Anblick, daß es nichts tut, wenn es mit dem Zucker auf dem Pfannkuchen

zuweilen knapp ist? Von der Pforte kriegen wir keinen einzigen Beutel

mehr. Obwohl ich kaum Zeit habe, nachts zu schlafen, sondern nur daran

arbeite, das Reisegeld von allen Schacherern der Welt aufzutreiben,

so weiß ich doch kaum, wie wir ehrenhaft von hier wegkommen sollen.

Ich habe Seiner Majestät gesagt, wir müssen die ganze Reihe Gläubiger

mit uns nehmen, als Nachzug bis nach Schweden, und sie in Karlshamn

einquartieren, bis sie bezahlt sind. Denk einmal: das kleine Karlshamn

vollgepfropft von Türken, die in den Straßenecken knien und Allah

anrufen! Jaa, mein Lieber! Wenn wir nur wegkämen! Wir müssen unter

Paukenschlag und Trompeten wegziehen, wie es Schweden ansteht,

verstehst du? Glücklicherweise haben wir den Staat noch da vom

vorigen Sommer, als ich in der Abschiedsaudienz beim Sultan war. Sie

sind sicherlich weder wattiert noch gefüttert, die Schabracken, aber

außen sitzt um so mehr Messingzeug und Troddeln ... Und das ist die

Hauptsache ... Und selbst sehe ich ja aus wie eine ganze Exzellenz!

Nicht? Spitzenkrause, Schnupflöffel aus reinstem Dukatengold ... Im

Schrank einen Ehrenpelz, vom Sultan geschenkt, ein Paar abgetretene

Pantoffeln, eine Nachtmütze und einen seidenen Schlafrock, den Düben

froh sein sollte, in der Hochmesse tragen zu dürfen. Aber das ist auch

so das letzte und läßt erkennen, was von der ganzen Herrlichkeit übrig

bleibt, bis wir heimkommen!«

Je länger Grothusen sprach, desto munterer wurde er. Schließlich ging

er ans Fenster und riß es sperrangelweit auf.

»Was gibt's?« fragte Müller und zog fröstelnd den Rock zusammen.

»Es ist ein Haufe Türken, der da steht und wartet, daß man Seine

Majestät ausreiten sehe. Es ist nämlich ein Platzregen, und da können

sie ja begreifen, daß man nicht im Haus bleiben will.«

Grothusen tastete und suchte in seinen Rockschößen, und da er ein paar

große Silbermünzen fand, warf er sie durch das Fenster und rief:

»So sieht Geld aus! Es leben die Schweden und ihr freigebiger, großer,

mächtiger König!«

»Ist das dein eigenes oder des Königs Geld?«

»Wenn ich's wüßte!«

»Du brauchst ja nur dein eigenes Geld in der linken Rocktasche und des

Königs Geld in der rechten zu tragen.«

»Aber der linke Rockschoß hat das gnädige Zugeständnis, nur in der

Notdurft die Zwangsarbeit von der rechten zu übernehmen. Mein Lieber,

ich lege ehrlich Rechenschaft ab. Jeden Abend rechne ich nämlich nach,

wieviel sich noch im ganzen übrig findet.«

Das Volk murmelte, aber mürrisch brummend hob Müller die Pfannkuchen

vom Feuer.

»Du hast deinen leichten Sinn, Bruder! Dennoch hätte ich euch nie

zugetraut, daß ihr so vornehm werden würdet, daß ihr einen Freiherrn

und Hofkanzler zum Leibkoch machtet, aber ich bin froh, daß meine

Pfannkuchen den Herren schmecken. Oft habe ich mich gefragt, wie wir

hier unten so willig und froh alle diese Jahre hindurch es haben

aushalten können.«

»Das werde ich dir erklären. Es liegt für Menschen ein so eigener

Zauber darin, täglich und stündlich mit dem zusammen zu sein, der über

ihr Wohl und Weh bestimmt, daß man fragen kann, ob auch die himmlische

Seligkeit einmal in gerade dem gleichen bestehen wird.«

»Es wäre gut, wenn dergleichen Zeitvertreib die Menschen auch edler und

besser machte.«

»Ich danke dir, Bruder! Das Wort war für mich! Ich weiß genugsam, daß

mein Rücken unter euch allen wenig geschont wird. Ihr nennt mich einen

leichtsinnigen Tausendsasa, einen ... Ja, gleichwohl! Ein Skeptiker und

Philosoph wie ich, der den Frühgottesdienst bedenklich verschläft, hat

nicht viel Liebe unter euch Schweden zu erwarten. Ich tue wohl, mich

damit zu trösten, daß der König selbst weniger empfindlich darin ist

als ihr! Zu Hause gilt es zu fallen, und dann wirst du sehen, Bruder,

daß die schwarze Perücke des alten Grothusen nicht hinter dem Glied

bleiben wird.«

»Dort zu Hause, sagst du. Antworte mir ehrlich! Hofft Seine Majestät

wirklich, dort frische Truppen sammeln zu können?«

»Das tut er ... Und er wird es auch können. Es wird ein Reichsfechten,

wie die Welt seinesgleichen noch nie gesehen ... Meinetwegen! In der

Stunde der Not die Wucherer zu rufen, du, das ist eine Sache ... Und

die Ritter könnten selten werden, wenn es keine Wucherer gäbe ... Aber

die Ehre und der Degen, das ist was anderes!«

»Und deshalb bricht er nun endlich auf? Ich habe doch zu bemerken

geglaubt, daß er sich noch nicht ganz im klaren ist über die nächste

Zukunft?«

»Je näher er gen Norden kommt, desto klarer wird sie ihm.«

»Du denkst an die Feinde, die alten und die zu erwartenden ... Sachsen,

Rußland, Preußen, Hannover, Dänemark ... Sechs feindliche Völker zu

bekriegen!«

»Sieben! Du vergissest den jüngsten und gefährlichsten Feind!«

»Welchen?«

»Die Schweden!«

Müller erhob sich von der Fußbank, und die beiden einäugigen Herren

standen einander gegenüber.

»Gott im Himmel, rede nicht so! Du pflegst ja sonst zu denen zu

gehören, die nicht verzweifeln. Dies ist eine fremde Sprache in deinem

Mund.«

»Seitdem Seine Majestät die volle Gewißheit hat, daß seine Untertanen

anfangen, ihn herauszufordern und ihm zu trotzen, reitet er mit der

gleichen Hitze heimwärts wie zu einer Schlacht ... Was soll man auch

nach den letzten Neuigkeiten glauben? Das Land ist ohne Regierung ...

Die Ämter stehen still wie das Mühlrad an einem versiegten Bache. Die

Reichstags- und die Ratsherren sprechen von Absetzen ... Wir hätten

einen brennenden Aufruhr, wenn die Schweden nicht ein so gesetztreues

Volk wären ... Und dann ist es eben das, daß er der Fürst ist! Wimmre

und jammre nur nicht, lieber Müller, denn alles das ist ja nur dein

eigenes altes Lied ... Und sei nicht so verflucht geizig mit dem

Zucker, sondern schütte des Mannes ganze Tüte über die Pfannkuchen aus

... Und halte den Kopf hoch! Adieu!«

Müller stand bekümmert und ohne antworten zu können mitten im Zimmer.

Auf seinem Gesichte malte sich die größte Verwunderung, denn er hörte

durch die Tür Grothusen einem kleinen Tambour zurufen:

»August! Such einmal eine ordentliche Trommel heraus! Häng sie dir um,

und komm mit mir in den Basar.«

Müller schüttelte den Kopf und setzte sich wieder zu seinen Pfannkuchen.

»Was in Jesu Namen wird Grothusen jetzt für Tollheiten begehen mit der

Trommel?«

* * * * *

Am nächsten Morgen zogen die Schweden frühzeitig von Demotica aus, um

endlich die Heimfahrt nach der Ostseeküste anzutreten. Hunderte von

Meilen hatten sie zu wandern durch Bergpässe und durch Wälder. Hinter

ihnen ritt eine lange Reihe Türken, Juden und Armenier mit ihren Säcken

und Bündeln. Es waren ihrer siebzig der gierigsten Gläubiger. Der König

war froh und strahlend, und die Stadtbewohner mit ihren verschleierten

Frauen flehten Gottes Segen herab auf den fortziehenden Helden. Nur

Grothusen blieb zurück, denn seine türkischen Freunde hielten ihn noch

in der Tür fest. Der eine stopfte ihm ein Tintenfaß in die Hand, der

andere steckte ihm eine Tabakspfeife in den Mund, und die schwarzen

Diener zogen ihn an seinem Rock. Seine großen Nasenlöcher hielt er

hoch in die Luft, und mit Grandezza entleerte er seine Rockschöße über

die Hände der Diener. Dann öffnete er das Schloß zu seiner Kleiderkiste.

»Liebster, liebster Freund,« sagte er, »diese ausgesuchte Nachtmütze

habe ich eigens für dich anfertigen lassen und selbst benutzt, damit

sie dir ein wirkliches Andenken an mich werden solle ... Und du, mein

Vater! Diese splitterneuen Pantoffel ... Du wunderst dich, daß sie so

niedergetreten sind ... In höchst eigner Person bin ich fleißig in

ihnen gegangen, um herauszufinden, ob sie nicht zu hart für deine Füße

sind ... Und du nimm diesen seidenen Schlafrock ...«

Wie ein Verfolgter sprang er auf seinen Wagen und befahl dem Kutscher,

davonzufahren.

Als die Schweden am Abend nach Timurtasch kamen, überreichte ein Pascha

dem König, als Geschenk vom Sultan, ein seidenes Zelt und einen Säbel

mit edelsteinbesetztem Handgriff.

»Jetzt geht mein Zobelpelz dahin!« sagte Grothusen halblaut zum König.

»Eine andere Gegengabe ist nicht aufzutreiben, und Eure Majestät selbst

haben ja nichts als einen verstaubten Rock und ein halbes Dutzend

grober Soldatenhemden.«

»Leihe mir auch das Tintenfaß und die Pfeife, die du neuerdings

bekamst,« antwortete der König, den Schalk im Auge. »Ich müßte dem

Häuptling des Janitscharengeleites auch etwas verehren.«

»Schenke den ganzen alten Grothusen als Eunuchen in des Sultans

Serail!« jubelte Grothusen und rieb sich die Hände und wurde immer

mutwilliger, je spaßiger es ward. In dem Augenblick fiel sein Blick

auf seinen kleinen Tambour, der mit den Schlegeln unter dem Arm mutlos

seines Weges ging.

»Deine Trommel hat keine Stimme im Maul! Da steckt irgend etwas

Gestohlenes drin!« riefen die Kameraden des Knaben höhnend.

Als sie die Trommel untersuchten, fanden sie, daß sie mit vier Siegeln

versiegelt war, und dem Knaben standen große Tränen in den Augen.

»Schlage du nur tapfer deine verstimmte Trommel!« befahl Grothusen.

»Ich war es, der sie versiegelte wie Pilatus Christi Grab ... Und ein

wenig Trauermusik müssen wohl doch die türkischen Wucherer hier hinter

uns haben, die nun ins Exil reiten müssen an unserer Stelle.«

Aber abends, wenn die Schweden einige kurze Stunden beim Schein des

Lagerfeuers ruhten, klopften und rüttelten die Musikanten an der

Trommel und meinten, daß sie gefüllt sei mit unterschlagenem Königsgeld

und Wertpapieren.

»So ein Spitzbube!« flüsterten sie. »Es ist keine Kunst, freigebig die

linke Rocktasche zu leeren, wenn man die langen Finger in die rechte

steckt!«

Schon um zwei Uhr in der Nacht ließ der König zum Aufbruch blasen. Er

sprengte bei dem Lagerlicht zwischen den Felswänden hervor. Als er sich

in Pitesti wieder an der Grenze der Christenheit befand, begegneten

ihm die in Bender zurückgelassenen Scharen, und die letzten Saporoger,

die in so manchen Gefahren treu geblieben waren, nahmen kniend seine

Abschiedsworte entgegen. Dann ging er zu Grothusen.

Dieser war gerade im Begriff, die Gulden zu zählen, die einer von den

Trabanten, der aus gewesen war, in Siebenbürgen aufgetrieben hatte. Der

König sagte zu ihm:

»Mein Paßbrief ist nun fertig. Ich werde Kapitän Frisk heißen, und mit

Rosen und Düring reite ich spornstreichs nach Stralsund.«

Da nahm Grothusen seinen galonierten Hut und seine Perücke ab und gab

sie dem König.

»Pantoffeln, Nachtmütze, Ehrenpelz und seidenen Schlafrock ... Suche

sie, suche sie! ›Alles ist weg!‹ Jetzt gehen Perücke und Hut! In der

Verkleidung und dem tabakbraunen Leibrock werden Eure Majestät so zur

Unkenntlichkeit ausstaffiert sein, daß, hätten nicht alle Rosen Glück

bei den Frauen, keine Wirtshausmagd -- ~salvo honore~ -- den

Herren ein Glas Wasser würde anbieten wollen. Ich für mein Teil bin

dankbar, den Leib auf dem Königsritt quer durch Europa nicht opfern zu

müssen ...«

Grothusen selbst setzte sich jedoch sogleich auf den Reisewagen, um

zuerst hinzugelangen und seinen Herrn am schwedischen Meer empfangen zu

können, längs dessen Küsten der Feind jetzt seine Festungen und Städte

baute.

Tag und Nacht übte der König unter wilden Ritten seine zwei

auserwählten Begleiter und die Trabanten, die ihm in eintägigem Abstand

folgen sollten. Als endlich die Stunde schlug, da er die Verkleidung

anlegen und in den Sattel springen durfte, gab er seinem Wallach mit

solcher Heftigkeit die Sporen, daß Düring und Rosen gleich beinahe

ein paar Pferdelängen zurückblieben. Es war nicht nur die schwere

Perücke, die seine Wangen erglühen machte. Er sah aus wie am Morgen vor

einem Treffen. Er, der frisch und gesund Monate in einem Krankenbette

ausgehalten hatte, um einer demütigenden Audienz beim Sultan zu

entgehen, und der jahrelang seine Tage in einer türkischen Kleinstadt

vertan hatte, in der Hoffnung, ein großes Heer als Gefolge sammeln zu

können, ritt nun ungeduldig von dannen mit seinen zwei Kameraden und

ohne einen einzigen Diener.

Die Hufe klirrten wider die Steine wie die eines durchgehenden

Pferdes, und der erwachte Winzer sprang in seiner Hütte zur Tür.

»Wer reitet dort so ängstlich?« fragte er. »Ist es ein armer,

verfolgter Deserteur, so mag er hier unter mein Dach steigen, und meine

Frau und ich werden ihn verbergen und ihn auf Stroh betten ...«

»Hüte dich, Vater, vor des Ritters Degen!« antwortete Düring. »Er sitzt

bei Tag lose in der Scheide. Es ist ein Offizier, der ausgeschickt ward

nach einem ungetreuen Freund und Anverwandten, und der eifrig ist, ihm

zu begegnen ...«

Aber für sich selbst flüsterte er:

»Der Anverwandte heißt das schwedische Volk ... So sollte das unser

letzter Kampf werden!«

Mit der versiegelten Trommel unter Körben und Kantinen auf dem

Kutscherbock rüttelte Grothusen unterdessen gen Stralsund. Sein

Herz schlug wie das eines Jünglings, als er zum erstenmal den Namen

der Stadt auf einer schiefen Wegweisertafel las. Bald hörte er den

Stundenschlag von der Nikolaikirche. Er unterschied die vereinzelten

Lichter bei den Wachen und Kranken, und auf der Zugbrücke sprang er aus

dem Wagen und rief dem Wächter zu:

»Der König, der König! Wo ist er? Welche Nachrichten?«

Der Wächter wußte nichts, und jeden Morgen spähte Grothusen von dem

Wall aus nach seinem heimkehrenden Herrn. Die Züge vom klarsten

Mondschein überstrahlt, kam der König eines Nachts in Dükers Haus

an, und schon den nächsten Morgen, nachdem die Stiefel von seinen

geschwollenen Füßen weggeschnitten worden waren, stieg Grothusen in

seine Kammer mit der frohen Begrüßung:

»Majestät! Bin verliebt!«

Der König nahm ihn herzlich bei der Hand.

»Liebster Grothusen, wir werden hier etwas anderes zu bestellen haben,

als Demoiselles aufzuwarten.«

»Es ist gar keine Demoiselle! Sie ist sicherlich sowohl Mutter wie

Großmutter ... Ich kenne sie übrigens nicht ... Aber ich bitte

demütigst, jetzt wie früher bei allen meinen Tollheiten Eure Majestät

als geheimen Vertrauten behalten zu dürfen.«

Grothusen breitete seine Papiere vor dem König aus und deutete mitunter

auf eine Ziffernkolonne, aber um die Arbeit leichter und lustiger zu

machen, erzählte er unterdessen von seinem Abenteuer.

»Es war eines Mittags, gerade als ich mich hier zu Düker begeben

sollte. Beim Knipertor lag in der Sonnenglut ein Haus, das so weiß

war, daß es mir in die Augen stach und mich zwang, aufzuschauen. Da

saß sie am Fenster ... Nein, nun sind Eure Majestät an einer falschen

Ziffernkolonne! ... Die zweitausend Gulden, die hier fehlen, habe

ich für eigne Rechnung verzehrt ... Ja, da saß sie am Fenster unter

einer Gardine mit weißen Fransen. Auch sie war beinahe weiß, aber

schön aufgekämmt, und ihr Antlitz war schmal und von unendlicher Milde

überstrahlt ... Sie ist sicher über siebzig Jahre, -- aber sie ist ja

immerhin eine Frau! Es gibt nichts so Vornehmes und Edles, gnädigster

Herr, als eine alte Dame anzubeten. Man sehnt sich nicht danach, sich

ihr zu nähern. Sie steht oben am Fenster wie eine Erinnerung, eine

heilige Legende. Man grüßt sie nur verehrungsvoll mit dem Degen, wenn

man mit seinen Truppen vorbei ...«

»Es ist ganz spaßig, Grothuschen wieder zu hören. Meine alte Schwäche

für geistreiche und verrückte Menschen scheint mit den Jahren

zuzunehmen. Dieser holsteinische Görtz, der bald hierher kommt, muß

auch so ein riesig behaglicher und beredter Herr sein mit großen

Seelengaben.«

Kampf und Tod Karls des Zwölften: Historische Erzählungen · 第 1 / 6 段