_Juan Díaz de Solís_ ist Spanier, angeblich aus Lebrija in Andalusien,
dessen Leben erst bekannt wird, als nach Columbus' Rückkehr von seiner
vierten Reise (1504) Ferdinand V. ihn und Vicente Yañez Pinzón mit einer
Expedition nach Central-Amerika (1506) beauftragt, um jene Erforschungen
fortzusetzen. Zwei Jahre später (1508) wurde er zum Piloto Real ernannt
und gemeinsam mit Pinzón und Vespucci geht es nun weiter nach Süden, um
da eine Umsegelung Südamerikas zu versuchen. Der Küste Brasiliens
folgend, gelangten sie angeblich bis zum 40° südl. Br., es scheint aber
nicht, als ob sie schon damals den La Plata entdeckt oder erkannt
hätten. Nach seiner Rückkehr verklagt und verhaftet, trat Solís in
portugiesische Dienste über, kehrte aber später nach Spanien zurück und
wurde nach Vespuccis Tode (1512) an dessen Stelle zum »Piloto Mayor del
Reino« ernannt; wegen seiner wissenschaftlichen Verdienste sah man
hierbei von den gesetzlichen Bedingungen ab. Da er glaubte, daß das
Gebiet der Molukken noch innerhalb der spanischen Besitzungen liege, so
beauftragte ihn der König mit einer Expedition, aber die portugiesische
Regierung reklamierte und es ist zweifelhaft, ob diese für 1512 geplante
Reise zur Ausführung kam.
[Illustration: Kampf mit den Kerandís bei Buenos Aires (1536).]
Inzwischen entdeckte im Jahre 1513 Vasco Nuñez de Balboa die Südsee beim
Überqueren des Isthmus von Panamá, und die später in Spanien
eintreffenden Nachrichten über »Gold-Castilien«, alles Land, welches im
Süden des Isthmus von Panamá lag, veranlaßten Ferdinand V., einerseits
dem Gouverneur jenes Landes den Bau von Schiffen zur Erforschung der
neuentdeckten Westküsten aufzutragen, andererseits mit Solís wegen einer
Expedition Rücksprache zu nehmen, welche eine Durchfahrt nach der Südsee
finden sollte, um die spanischen Schiffe in den Rücken von
Gold-Castilien führen zu können (llevar las naves españolas á espaldas
de Castilla del Oro). Gewiss war Solís selbst an solcher Reise
interessiert, wenn auch nicht durch egoistische Motive, wie Fregeiro
betont; er verlangte vom König nicht die geringste Vergünstigung, nur
seinen Gehalt für anderthalb Jahre voraus. Am 8. Oktober 1515 segelte er
mit drei Schiffen von San Lucar ab, lief noch die Canarischen Inseln an
und sichtete schließlich das Cap San Roque an der brasilianischen Küste
(5° südl. Br.), welche er nun südwärts herabfahrend genauer erforschte,
so den Hafen von Rio de Janeiro und Santos. Am 2. Februar 1516 nahm er
den »Puerto de Nuestra Señora de la Candelaria«, heute Montevideo,
feierlichst für Spanien in Besitz. Die Fahrt ging dann weiter; am 12.
März umschifften sie das Steilufer von San Gregorio und »fuhren dann in
ein Gewässer ein, welches sehr groß und nicht salzig war und das sie
deshalb das 'Süße Meer' ('Mar Dulce') nannten, anscheinend der Fluß, der
heute La Plata und damals Solís genannt wurde«, schreibt der Chronist
Herrera (wir werden gleich sehen, worauf dieser Namenswechsel
zurückzuführen ist). Die Einzelheiten, welche Solís nun im nördlichen
Mündungsgebiet des heutigen La Plata erforschte, sind zum Teil
widersprechend und auch den modernen Schriftstellern, welche diese
Angaben nachprüften, nicht vollkommen verständlich; es kommt hier auch
nicht darauf an. Als Solís Mitte März 1516 mit einigen Begleitern in
einer Barke an Land ging, fielen die Guaraní-Indianer über sie her,
töteten sie mit Pfeilschüssen, ohne daß die Schiffsartillerie dies hätte
verhindern können, »schleppten nun die Getöteten landeinwärts und
angesichts der Schiffsbesatzung schnitten sie ihnen Köpfe, Arme und Füße
ab, brieten die ganzen Körper und verspeisten sie« (Herrera). Nur ein
Schiffsjunge, Francisco del Puerto, wurde am Leben gelassen (s. w. u.).
Der Schwager des Solís, Francisco de Torres, übernahm nun das
Oberkommando und kehrte im Oktober 1516 nach Spanien zurück; unterwegs
gegenüber der brasilianischen Küste an der noch heute so genannten
»Ponto dos Naufragados« in der Nähe der Insel Santa Catalina scheiterte
noch eins der drei Schiffe, neun Mann der Besatzung konnten sich aber an
Land retten und wurden von den Guaranís freundlich behandelt; diese
erzählten ihnen, daß es ganz weit im Westen eine Gegend gäbe, sehr reich
an kostbaren Metallen (das heutige Bolivien). Begeistert von diesen
Erzählungen, nannten sie daher jene Gegend die »Sierra de la Plata« und
bald machten sich auch sechs von ihnen auf, sie zu suchen. Unter Führung
des Portugiesen Alejo García zogen sie ins heutige Paraguay, begleitet
von 2000 Indianern, kämpften oder verhandelten mit den Indianerstämmen
des Chaco, die sie antrafen, und erreichten als erste Europäer
schließlich das Land der Inkas. Die bolivianischen Indianer aber zwangen
sie zur Rückkehr, die sie in guter Ordnung mit silbernen und goldenen
Wertsachen beladen antraten. Von Paraguay aus, wo sie blieben, sandten
sie ihren zwei zurückgebliebenen Gefährten Briefe und drei Arrobas
Silber, auch Goldsachen. Der Kapitän Rodrigo de Acuña, der im Juni 1526
zu jener Küste kam, wollte jene Sachen mit nach Spanien nehmen, das Boot
kenterte aber wegen des hohen Seeganges und es wurde fast nichts von dem
kostbaren Metalle gerettet, aber wenigstens kam das Gerücht von einer
Gegend mit vielem Silber nach Spanien. Diese für die Entdeckungsgeschichte
sehr wichtigen Angaben sind erst neuerdings von Dominguez richtig
beleuchtet worden; sie sind für die allgemeine Erdkunde von Wichtigkeit,
weil dadurch ein Teil der Seefahrer von der Reise nach »Malucos« (»voy á
Malucos«), deren Zugang Magallanes bald entdecken sollte, abgelenkt und
nach jenen »Silberländern« geleitet werden sollte.
[Illustration: Große Hungersnot in Buenos Aires (1536).]