»Als Columbus«, so beginnt Kohl sein schönes Buch, »im Jahre 1492 von
Europa aussegelte, um auf einem nach Westen gerichteten Seewege die
vielgepriesenen, volk- und produktenreichen Länder des östlichen und
südlichen Asiens (Japan, China, den ostindischen Inselarchipel) zu
erreichen, lag vor seinem Geiste als Fahrstraße ein ganz freier Ozean,
ein weites Meer, wie er es sich zwischen beiden Weltteilen dachte.« Es
ist bekannt, daß er bei seiner Ankunft in den Antillen glaubte, in der
Tat schon diese breite Wasserkluft übersegelt zu haben und mitten
zwischen den ostasiatischen Inseln in der Nähe von Japan oder in Japan
selbst angelangt zu sein. Auf seinen weiteren Reisen fand er aber immer
wieder den Zugang zu den reichen Provinzen des »Groß-Chans« (Kaisers von
China) durch eine Barriere verschlossen, und seine Hoffnung, eine freie
Durchfahrt, eine Meerenge nach Westen und Asien zu finden, wurde stets
getäuscht. Auch alle ihm nachfolgenden Seefahrer ahnten anfänglich noch
nichts von einem zusammenhängenden kolossalen Festlande, hielten
vielmehr die von ihnen entdeckten Länder für Inseln von größerem oder
geringerem Umfange.
»Da man nach den Reisen des Columbus und seiner Zeitgenossen«, schließt
Kohl diesen Abschnitt, »erfahren hatte, daß man im Karaibischen Meere in
Central-Amerika mit Schiffen schwerlich durchkommen könne, so hoffte man
denn auf solche Durchlasse im Norden und im Süden dieser Central-Partie,
auf die Möglichkeit einer Durch- oder Umsegelung sowohl des nördlichen
als auch des südlichen großen Länder-Flügels, und es entstanden so die
viele Jahre lang fortgesetzten Bestrebungen zu der Auffindung einer
nordwestlichen und einer südlichen Durchfahrt vom Osten zum Westen.
Beide gaben Anlaß zu ganz großartigen Expeditionen, die allmählich die
richtige geographische Kenntnis des Nordens und Südens Amerikas
herbeiführten.«
Hier interessiert uns nur der Süden. Aus diesen Bestrebungen erklärt
sich die Entdeckung Brasiliens durch den Portugiesen Cabral (1500); die
portugiesische Expedition zur Fortsetzung dieser Entdeckung, an welcher
Vespucci teilnahm und welche ihn, was irrtümlich sein dürfte, sogar bis
zum 52° südl. Br. geführt haben soll (1501); und die Expedition des
Gonzalo Coelho (1503), welche allerdings unglücklich verlief und nur das
jetzige Bahia erreichte. Schließlich auch die Reise des Spaniers Juan
Díaz de Solís, welcher den Rio de la Plata entdeckte und dessen
Persönlichkeit das folgende Kapitel behandeln soll.