So macht sich der Zachenhesselhans kopfschüttelnd auf nach der Hölle. --

»Hans-Tonl!« ruft er.

Es dauert nicht lange, so sieht der Hans-Tonl den Schein eines Lichts

zum Fenster hereinspielen und an der Wand hinlaufen.

»Wawrl,« sagt er und weckt die Frau, »Wawrl, es ist eins unten.«

»Hans-Tonl!«

»Hörst's? Gerufen hat einer.«

So schiebt der Hans-Tonl das Fenster auf und steckt den Kopf heraus.

»Hans-Tonl, jetzt ist mir das halbe Oechsl davongelaufen, das

Simmenthaler.«

»Was sagst? Wie soll einer denn das nehmen? Ein halbes Oechsl

davongelaufen?«

»Wenn Du den Zachenhesselhans ein Eichtl hineinlassen wolltest, so

wirst's gleich wissen.«

»Ich komm' schon.«

Der Riegel klirrt und der Hans-Tonl und das Wawrl stehen im Flur und

sehen den Zachenhesselhans verwundert eintreten.

»Jetzt, nu sag bloß, Mannl,« schreit das Wawrl, »was Dich in die Höll

jagt durch die stockfinstrige Nacht und den knietiefen Schnee?«

»Das Zechenhäusl hat mir aufgekündigt,« sagt der Alte, tut das

Glastürlein seiner Laterne auf und bläst die Flamme vom Docht.

»So. Aufgekündigt hat's mir. Sel klingt schnurrig, gelt? Aber: ist's

etwas anderes, wenn's einem einfällt, das Häusl?«

»Hans, tu Dich nit spaßen!«

»Bei Gott nit, Wawrl! Die ganze Ecke gegen den Sonnenwirbel hin ist mir

justament zusammengefallen diese Nacht.«

»Zachenhesselhans, das wär' gar so viel frevelhaft, wenn's erlogen wär.

Um unsres lieben Herrgotts willen, wie hast aber das angestellt?«

»Sel wär _mir_ wahrlich nit eingefallen. Und das Häusl? Das hab ich fei

noch nit einmal darum befragt.

Aber: gedroht hat's ja schon einen Sommer lang. Weißt nit, Hans-Tonl?

Justament auf jenen Tag, wie ich den Landfahrer hab' den Berg

heraufschnaufen hören, damals hab' ich mir einen Stämmling gehauen im

Wald. An den hat sich's ein Eichtl angelehnt die Zeit her. Nun aber, wo

sich's ein paar Kraxen Schnee hat aufgeladen, ist's ihm zu viel worden.«

»Jetzt: wenn's nun einmal ist -- wie kommt denn das halbe Oechsl dazu,

davonzulaufen?« fragt der Hans-Tonl, während sich das Wawrl auf die

Ofenbank setzt, das Fürtuch fest um die Schultern zieht und die rechte

Hand dabei unter dem Tüchl aufs Herz legt, um zu wissen, wie stark das

Sturm zu läuten hat in der Brust.

»Eine Pfeif Tobak, wenn Du mir leihen wolltest, Hans-Tonl?« sagt der

Alte und zieht die Pfeife aus der Tasche. »Daß der Zachenhesselhans

seintag einmal auf die Schweinsblase vergessen könnt', hätt keiner

gedacht.«

Der Hans-Tonl reicht dem Alten seinen Beutel, und während der sich die

Pfeife füllt, sagt er:

»Ein Oechsl sollte doch herein ins Waldland, ein Simmenthaler,

Hans-Tonl, weißt's nimmer? Und der Zachenhesselhans wollt so seine

siebzig, achtzig Gülden dafür zusammensparen: das Taglohn für ein

Holzrucken den Winter über, und das Taglohn, was Du mir zu geben hast,

und was einer sonst noch zusammenträgt, das wollt ich herleihen fürs

Oechsl. So hätt ich das vordere Stückl vom Sakra schon zusammengespart.

Wenn einer aber das Häusl mit einem Hundert Silbergülden stützen muß,

daß es so gut is und nit völlig zusammenfallt -- für das Oechsl wird da

fei nix bleiben.

So, und nun: bitten wollt' ich, daß Du mit hinübergehst einen Sprung;

wir müssen ein Stämml unter die Dachecke geben dieselbige Nacht. Nit

ein Stück Holz hab' ich daheim; wer denkt denn auf so was? Vom Bau her

lieget bei der Höll noch etwelches, das man zuschneiden könnt.«

Der Hans-Tonl hat die Kniestiefel unter der Ofenbank hervorgetan, und

das Wawrl nimmt aus der Hölle hinterm Kachelofen zwei Hände voll kurzes

weiches Haferstroh. Damit soll der Hans-Tonl die Stiefel füttern. Und

das wollene Knüpftüchl, das zusammengelegt über dem Wäschestängl hängt,

reicht ihm das Wawrl auch.

Einen Span tut der Hans an, für die Windlaterne und das Pfeifl.

Dann gehen sie miteinander.

Hinter dem Haus unter dem Schutzdach wählen sie einen Balken aus. Die

Säge hat der Zachenhesselhans in der Linken -- »man weiß nit, ob sich

einer daheim in den Stall wagen kann, wo die meinige hängt,« hat er

gesagt, -- das Licht hat er in der Rechten. Und der Hans-Tonl lädt sich

den Stamm auf die Schulter.

Der Schnee fällt in stillem Fall durch die Nacht; die ist finster. Nur

aus dem Fenster der Unruh rinnt noch ein goldener Schein, der sich

mühsam durch das Wirbeln der Winterflocken tastet. -- --

Wie sie den Stamm unter das Fachwerk und in die Trümmer gestellt und

einen starken Querriegel darübergelegt haben, den die Stütze gegen das

im Winkel zusammenlaufende Gebälk preßt, heißt der Hans-Tonl dem Alten

die Lampe am Draht austun und wieder mit hinüberzugehen in die Hölle.

Hinter dem Ofen hat das Wawrl mittlerweil ein sammetweiches Haferstroh

gebreitet, nicht zu dünn, und eine Decke darüber. --

Wie der Zachenhesselhans auf dem raschelnden Stroh liegt und ab und

zu eine verirrte Flocke an das Fenster klopft, erzählt ihm die Flamme

hinter den Kacheln eine Geschichte. Die ist heimlich und traut, aber

der Alte ist dennoch darüber eingeschlafen.

[Illustration]

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Am Sonnenwirbel: Eine Dorfgeschichte · 第 50 / 57 题