Wie der Zachenhesselhans auf die Unruh kommt, sitzen die Resl und das
Fanele stumm beim Klöppelkissen. Der Helari schlägt auf dem Hausflur
Hafer, und eine Wolke Staub und Duft von reifer Halmfrucht weht dem
Zachenhesselhans entgegen.
Der Helari, der jetzt eine Ursach hätt, ein wenig einzuhalten mit dem
Haferschlagen, schaut kaum auf beim Gruß und peitscht das Bündel Halme
gegen das Querscheit, als hätte dieser Sommer die Körner noch einmal so
fest in die Rispen gesetzt, wie sonst. Wenn einer aber mit aller Kraft
zu schlagen hat, so hat er keine Zeit zum reden.
Die Frauen bei den Klöppelsäcken haben justament auch nur den
Augenblick, nach der Tür zu schauen, wer hereingeht. Und dann klappern
die Klöppel wieder wie ein kleines Mühlwerk.
So setzt sich der Zachenhesselhans auf die Ofenbank und wird erst
einmal im Pfeifenköpfl ein bißl nachdrücken.
An wem ist es denn nun eigentlich, die Red' zu beginnen? An mir oder an
Euch? -- An _Euch_, denkt der Zachenhesselhans; denn Ihr müßt wissen
wollen, wozu ich heraufgegangen bin auf die Unruh.
So warten wir noch.
Die Uhr tickt; der Zeisig hüpft im Käfig von einem Stänglein auf
das andere -- sind nur zwei, und so schaut er durch die Stäbe des
Käfigdächleins und verfehlt seinen Sprung dennoch nicht.
Auf dem Flur ist das Zischen der niedersausenden Halme und an der Tür
ein Klopfen, wie wenn ein sanfter Regen an ein Scheunentor tropft; die
Körner springen daran.
Hin und her wirft der Zachenhesselhans einen Blick auf das Fanele.
Jetzt hat sich das Dirnl so gesetzt, daß es dem Hans schier die
Hinterseite zukehrt; nur manchmal, wenn es die Nadeln steckt auf dem
Klöppelkissen, kann der Hans die Wimper des rechten Auges entdecken und
die Spitze der Nase. An die Wimper hat sich eine Träne gehängt.
»Ja, warum weint denn das Fanele?«
Sie sagen alle zwei nichts. Die Resl schaut ein wenig auf und nach dem
Fanele hinüber.
»Jetzt -- feierlich, so viel feierlich habt Ihr's auf der Unruh. Wollts
das immer so halten von nun ab?«
Die Mutter denkt: der Zachenhesselhans plauscht mit dem Fanele --
so brauch _ich_ nichts zu reden darauf. Und das Fanele meint: der
Mutter hat's gegolten. So duckt es sich bloß ein Eichtl, weil ihm ein
Lächeln um die Lippen fliegt wie ein Sommervogel, der sich von einer
Märzensonne hat verleiten lassen, das Winterröcklein abzustreifen. --
Die Sonne ist wieder einmal der Zachenhesselhans. Aber der Hans hat
auch den Sommervogel erspäht.
»Resl!« ruft der Helari auf dem Flur.
Sonst holt er sich das Fanele, damit das die Körner einschüttet in
den Sack; heut hat der Vater auf das Dirnl vergessen und die Resl muß
hinaus.
Da setzt sich der Zachenhesselhans dem Fanele gegenüber auf die
Wandbank und sagt:
»Kann einer denn gar nit erfahren, wesweg die Unruh so viel
andachtsvoll geworden ist über Nacht?«
Das Fanele schaut von der Seite nach der Tür, hält die Klöppel mit der
Linken und die Rechte hebt's vor den Mund:
»Der Franzl, das Waldweibl, das schwatzhaftige, hat geplauscht.«
»Auch noch dazu? Zu wem denn?«
»Den Wurzltonl, den Einräumer Peter und den Peterl hat er getroffen
im Wald, wo die Holz rucken. Und da die drei justament ein Frühstück
machen und den Kaffee wärmen am Reisigfeuer, hat er sich zu ihnen
gesetzt.«
»Wird haben auch ein Holz rucken wollen, der Franzl,« entgegnet der
Zachenhesselhans und kneift die Augen zusammen.
»Zum erzählen hat er angefangen -- na, hat er gesagt: wenn das Fensterl
ein wenig weiter wär gewesen, dem Fanele hätt das schön passen sollen.«
»Höllsakra, Windhund verdammigter!« -- Knacks.
Jetzt hat der Zachenhesselhans das Spitzl am Pfeifenrohr
entzweigebissen.
»Ui je, das Spitzl! Na, wenn's eh kein Zahn ist, den braucht
einer notwendig zum Pfeifehalten. Ein Mundstückl läßt sich wieder
hineinsetzen, ein neues. Wird dem Franzl auf die Rechnung gesetzt.«
Die Klöppel zittern in der Hand vom Fanele, wie die Schindeln, wenn ein
Sturm darüberfährt. Und auch zwei Tränen drängen sich wieder zwischen
den Schatten der Wimpern hindurch; die laufen die Wangen hernieder, auf
denen sonst immer der blanke Sonnenschein der Lust daheim ist.
»Fanele,« hebt der Zachenhesselhans an, »einen Gruß hab ich Dir zu
bestellen und deshalb bin ich heraufgegangen.«
»Einen Gruß?«
»Da lies.«
Wie das Mädchen die Klöppel aus der Hand und hernach beide Hände, in
denen das unsaubere Papier knistert, in den Schoß fallen läßt, beginnt
der Alte:
»Fanele, jetzt, wenn Du klug bist, bist still wie ein Grab; denn
wenn sie den Höllsakra fangen unterwegs, schaffen sie ihn herüber
und sperren ihn ein ein Jährlein. Nachher: im Land is er wieder, im
Sonnenwirbelwald is er wieder und dem Fanele auf den Fersen.«
»Den Franzl -- wenn ich den spür ...«