11. Kapitel.

Wie der Zachenhesselhans auf die Unruh kommt, sitzen die Resl und das

Fanele stumm beim Klöppelkissen. Der Helari schlägt auf dem Hausflur

Hafer, und eine Wolke Staub und Duft von reifer Halmfrucht weht dem

Zachenhesselhans entgegen.

Der Helari, der jetzt eine Ursach hätt, ein wenig einzuhalten mit dem

Haferschlagen, schaut kaum auf beim Gruß und peitscht das Bündel Halme

gegen das Querscheit, als hätte dieser Sommer die Körner noch einmal so

fest in die Rispen gesetzt, wie sonst. Wenn einer aber mit aller Kraft

zu schlagen hat, so hat er keine Zeit zum reden.

Die Frauen bei den Klöppelsäcken haben justament auch nur den

Augenblick, nach der Tür zu schauen, wer hereingeht. Und dann klappern

die Klöppel wieder wie ein kleines Mühlwerk.

So setzt sich der Zachenhesselhans auf die Ofenbank und wird erst

einmal im Pfeifenköpfl ein bißl nachdrücken.

An wem ist es denn nun eigentlich, die Red' zu beginnen? An mir oder an

Euch? -- An _Euch_, denkt der Zachenhesselhans; denn Ihr müßt wissen

wollen, wozu ich heraufgegangen bin auf die Unruh.

So warten wir noch.

Die Uhr tickt; der Zeisig hüpft im Käfig von einem Stänglein auf

das andere -- sind nur zwei, und so schaut er durch die Stäbe des

Käfigdächleins und verfehlt seinen Sprung dennoch nicht.

Auf dem Flur ist das Zischen der niedersausenden Halme und an der Tür

ein Klopfen, wie wenn ein sanfter Regen an ein Scheunentor tropft; die

Körner springen daran.

Hin und her wirft der Zachenhesselhans einen Blick auf das Fanele.

Jetzt hat sich das Dirnl so gesetzt, daß es dem Hans schier die

Hinterseite zukehrt; nur manchmal, wenn es die Nadeln steckt auf dem

Klöppelkissen, kann der Hans die Wimper des rechten Auges entdecken und

die Spitze der Nase. An die Wimper hat sich eine Träne gehängt.

»Ja, warum weint denn das Fanele?«

Sie sagen alle zwei nichts. Die Resl schaut ein wenig auf und nach dem

Fanele hinüber.

»Jetzt -- feierlich, so viel feierlich habt Ihr's auf der Unruh. Wollts

das immer so halten von nun ab?«

Die Mutter denkt: der Zachenhesselhans plauscht mit dem Fanele --

so brauch _ich_ nichts zu reden darauf. Und das Fanele meint: der

Mutter hat's gegolten. So duckt es sich bloß ein Eichtl, weil ihm ein

Lächeln um die Lippen fliegt wie ein Sommervogel, der sich von einer

Märzensonne hat verleiten lassen, das Winterröcklein abzustreifen. --

Die Sonne ist wieder einmal der Zachenhesselhans. Aber der Hans hat

auch den Sommervogel erspäht.

»Resl!« ruft der Helari auf dem Flur.

Sonst holt er sich das Fanele, damit das die Körner einschüttet in

den Sack; heut hat der Vater auf das Dirnl vergessen und die Resl muß

hinaus.

Da setzt sich der Zachenhesselhans dem Fanele gegenüber auf die

Wandbank und sagt:

»Kann einer denn gar nit erfahren, wesweg die Unruh so viel

andachtsvoll geworden ist über Nacht?«

Das Fanele schaut von der Seite nach der Tür, hält die Klöppel mit der

Linken und die Rechte hebt's vor den Mund:

»Der Franzl, das Waldweibl, das schwatzhaftige, hat geplauscht.«

»Auch noch dazu? Zu wem denn?«

»Den Wurzltonl, den Einräumer Peter und den Peterl hat er getroffen

im Wald, wo die Holz rucken. Und da die drei justament ein Frühstück

machen und den Kaffee wärmen am Reisigfeuer, hat er sich zu ihnen

gesetzt.«

»Wird haben auch ein Holz rucken wollen, der Franzl,« entgegnet der

Zachenhesselhans und kneift die Augen zusammen.

»Zum erzählen hat er angefangen -- na, hat er gesagt: wenn das Fensterl

ein wenig weiter wär gewesen, dem Fanele hätt das schön passen sollen.«

»Höllsakra, Windhund verdammigter!« -- Knacks.

Jetzt hat der Zachenhesselhans das Spitzl am Pfeifenrohr

entzweigebissen.

»Ui je, das Spitzl! Na, wenn's eh kein Zahn ist, den braucht

einer notwendig zum Pfeifehalten. Ein Mundstückl läßt sich wieder

hineinsetzen, ein neues. Wird dem Franzl auf die Rechnung gesetzt.«

Die Klöppel zittern in der Hand vom Fanele, wie die Schindeln, wenn ein

Sturm darüberfährt. Und auch zwei Tränen drängen sich wieder zwischen

den Schatten der Wimpern hindurch; die laufen die Wangen hernieder, auf

denen sonst immer der blanke Sonnenschein der Lust daheim ist.

»Fanele,« hebt der Zachenhesselhans an, »einen Gruß hab ich Dir zu

bestellen und deshalb bin ich heraufgegangen.«

»Einen Gruß?«

»Da lies.«

Wie das Mädchen die Klöppel aus der Hand und hernach beide Hände, in

denen das unsaubere Papier knistert, in den Schoß fallen läßt, beginnt

der Alte:

»Fanele, jetzt, wenn Du klug bist, bist still wie ein Grab; denn

wenn sie den Höllsakra fangen unterwegs, schaffen sie ihn herüber

und sperren ihn ein ein Jährlein. Nachher: im Land is er wieder, im

Sonnenwirbelwald is er wieder und dem Fanele auf den Fersen.«

»Den Franzl -- wenn ich den spür ...«

Am Sonnenwirbel: Eine Dorfgeschichte · 第 47 / 57 题