überschreiten die Schwelle des Hotelzimmers. Der Herr, der sie bis dahin
geleitet hatte, nach einer Verbeugung, zieht sich zurück. Kaum sind sie
allein, so fliegt Germaine schräg an Ostaps Brust. Germaine ist 25 Jahre
alt. Ostap ist 30 Jahre alt.
Ostap:
In diesem Zimmer sind die Teppiche rot und tief. Es ist Abend. Hier ist es
warm. Das Hotel hat Zentralheizung. Draußen regnet es stark. Das Gepäck ist
schon da. Du hast alle deine Parfüms. Du hast deine Bücher. Du hast deine
Bilder. Und die Madonnen.
Du wirst deine Knöchel nicht mehr verletzen, wenn du steile Treppen
hinaufrennst . . . Warum ranntest du immer so die Treppen hinauf? . . .
Mein Kind, vielleicht magst du sehr lange ausruhen. Wir fahren nicht mehr
auf der Eisenbahn. Kaffee, Brötchen, Zigaretten kommen ans Bett. Die
elektrische Leselampe kommt ans Bett. In diesem Spiegel -- --
Germaine:
Ich bin soweit. . . Bei mir geht das rasch . . . Ein Korsett trug ich
zuletzt in . . . Krakau. Meine Kleider saßen viel besser. Sie saßen besser
an. Aber jetzt trage ich keins mehr. Bei dir habe ich es gut. Ich brauche
auch meine Haare nicht zu brennen. Ich darf sie glatt tragen. Du schickst
mich nicht hinaus. Aber wenn du willst, will ich sofort in den Regen
hinausgehen.
Ostap:
Nein . . . Ich denke daran, wie mißtrauisch gegen mich Madame Chantavoine
war, als ich am ersten Abend in euer Haus kam, Rue St. Fiacre im zweiten
Arrondissement. Ihr stecktet alle in roten Kleidern. Ich empfand: daß alle
Mädchen, die es noch geben würde, rote Kleider tragen würden. Wir sprachen
zusammen. Aber wie ich aufstand, da trat Madame sehr schnell vor dich hin
und hielt dich zurück. Im Atrium sah ich noch, durch einen hellen Streif,
die letzte Welle deines roten Kleides . . . Man schob mich hinaus. An der
Tür murmelte die Concierge verächtlich: ich sei ja schon aus vielen Häusern
hinausgeworfen worden.
Germaine:
Niemand soll Böses zu dir sagen! . . . Aber du kamst wieder. Du benahmst
dich geschickt. Und als ich dich mit aufs Zimmer hinaufnehmen durfte --
Ostap:
. . . da verlangtest du zehn Franks von mir, Geliebte. Soviel wollte ich
dir nicht geben. Schließlich sagtest du: »Mein Herr, Sie werden mir soviel
geben, wie ich Ihnen wert gewesen sein werde.« Das tat ich.
Germaine:
War ich zehn Franks wert?
Ostap: