Je weiter der Mensch sich von mir entfernt, desto minder erf

Anmerkungen zur Transkription:

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Der vorliegende Text wurde anhand der 1918 erschienenen Neuauflage der

Ausgabe von 1781 möglichst originalgetreu wiedergegeben. Ungewöhnliche,

alte und regionale Schreibweisen (z.B. "eckelhaft", "Hinderlassung",

"willt du") wurden beibehalten, ebenso inkonsistente Schreibweisen

(z.B. "Ulysses/Ulisses", "bewußt/bewust"), sowie alle Abweichungen in

Groß- und Kleinschreibung.

Die folgenden Stellen wurden korrigiert:

# Vorwort: "Dulce est decipere in loco" --> "Dulce est desipere in

loco"

# S. 2: "Göttern" --> "Götter"

# S. 5: "Stregreife" --> "Stegreife"

# S. 7: "Pupurröckchen" --> "Purpurröckchen"

# S. 11: "jenern" --> "jenen"

# S. 12: "Angen" --> "Augen"

# S. 27: "Possenweisser" --> "Possenreisser"

# S. 28: doppeltes "und"; eines entfernt

# S. 53: "zween Steine" --> "zween Steinen"

# S. 74: "schmeicheit" --> "schmeichelt"

# S. 90: "jeder" --> "jede"

# S. 94: "den Aeneas" --> "dem Aeneas"

# S. 101: "Babara" --> "Barbara"

# S. 122: "Titil" --> "Titel"

# S. 129: "Argonoute" --> "Argonaute"

# S. 197: "voll süsses Weins" --> "voll süssen Weins"

# S. 207: "einen" --> "einem"

Der Orignaltext wurde in Frakturschrift gesetzt; einige Passagen wurden

durch Antiquaschrift hervorgehoben. Diese Stellen werden hier mit

Unterstrichen gekennzeichnet (_antiqua_). Gesperrte Textstellen stehen

zwischen Tilden (~gesperrt~).

Die Bücher der Abtei Thelem

Zwölfter Band

Erasmus / Lob der Narrheit

[Illustration]

[Illustration: Die Bücherei der Abtei Thelem

Herausgegeben von O. J. Bierbaum]

[Illustration: ERASME.

MORUS.

HOLBEIN.]

Das

Lob der Narrheit

aus dem Lateinischen

des Erasmus.

Berlin und Leipzig, 1781.

Bey Georg Jacob Decker, Königl. Hofbuchdrucker.

Mit Kupfern von Holbein, neu erschienen

bei Georg Müller zu München im Jahre 1918

Vorwort

Als ein Kind launiger Muse will Erasmus von Rotterdam seine

weltberühmte Schrift ~Das Lob der Narrheit~ beurteilt wissen.

In dem Widmungsbriefe an den jüngeren, damals (1498) zwanzigjährigen

Thomas Morus, späteren Kanzler Heinrichs VIII. von England, dem

ihn gemeinsame humanistische Studien verbanden, erzählt der Verfasser,

wie ihm die Idee zu dem Buche auf dem Heimritt von Welschland gekommen

sei. Es ist kein Grund daran zu zweifeln, daß dieses populärste Werk

des deutschen Humanismus mehr oder minder zufällig koncipiert und mit

einer Art spielerischen Vergnügens ausgeführt wurde. Erasmus selber hat

wohl nie geahnt, daß die geistreiche aber leicht gezimmerte Arbeit,

die ihm nichts als ein Ausruhen von ernsten, gelehrten Forschungen

bedeutete, seinen internationalen Ruhm für alle Zeiten begründen würde.

Das in eleganter Latinität geschriebene und in alle Kultursprachen

übersetzte Werk verdankt seine äußere Anregung dem deutschen

»Narrenschiff« des Sebastian Brant, kommt aber geistig aus viel

früherer Zeit her, nämlich aus der freieren Sphäre des attischen

Spötters Lukian, von dem es den feineren Witz, die überlegene Ironie

und die aller Didaktik fremde, jeglicher Moralisation abholde

weltmännische Art hat. Hinter dem tollen Wirrwarr menschlichen

Treibens, hinter den Mängeln, Schwächen, Fehlern und Untugenden sieht

Erasmus die Thorheit als etwas nur Allzumenschliches an. Sie ist ihm

dasjenige geistige Element, das dem Erdendasein überhaupt erst Reiz

und Wert verleiht. Das Horazische _Dulce est desipere in loco_

ist hier zu einem Prinzip der Weltanschauung erhoben und wird halb

im Ernst, halb im Scherz von einer lächelnden Lebensphilosophie als

_Vademecum_ für jeden Erdenpilger gepriesen. Daß der geistreiche

und seine Thesen mit unzähligen gelehrten Zitaten erhärtende Autor

sich dabei nicht immer konsequent bleibt und mitunter wie z. B. in

seiner Polemik gegen Kirche und Theologie aus dem Ton und der Rolle

eines Lobredners der Thorheit fällt, darf weiter nicht verwunderlich

erscheinen.

Die vorliegende Übersetzung ist mit ausgewählten Holzschnitten nach den

Randzeichnungen von Erasmus Freunde Holbein geziert, die der Meister in

ein Exemplar der Frobenschen zu Basel aufbewahrten Ausgabe eingetragen

hat.

Der Herausgeber

[Illustration]

Lobrede, welche die Narrheit sich selbst hält.

Was die Sterblichen auch immer von mir schwatzen mögen (ich weiß es,

meine Herren, ich weiß es, in welchem bösen Rufe die Narrheit auch bey

den gröbsten Narren steht) so bin doch ich es, ich, wie Sie mich hier

vor sich stehen sehen, durch deren übermenschliche Kraft den Herzen

der Götter und der Menschen die muntersten Freuden eingeflößt werden.

Wollen Sie hierüber einen Beweis? Hier ist ein überzeugender:

Kaum war ich aufgetreten, um in dieser zahlreichen Versammlung eine

Rede zu halten, so ward plötzlich jedes Antlitz mit einem neuen

und ungewöhnlichen Schimmer der Fröhlichkeit übergoldet; plötzlich

entfaltete sich jede Stirn; im hellsten liebenswürdigsten Lächeln

wird mir von allen Orten der holdeste Beyfall zugewinkt. Wo ich meinen

Blick hinrichte, sehe ich Gesichter, die mich nicht anderst denken

lassen, als jedermann habe sich bey dem Nektar, dem es die Homerischen

Götter bey ihrem Gelache gewiß an dem Safte des die Traurigkeit

verbannten Ochsenzungenkrautes nicht fehlen lassen, in die beste Laune

getrunken: und vorhin sah jeder so finster und grämlich aus, als ob

er geradesweges aus einer Eremitenzelle zurückkomme. Wie wenn die

Sonne am frühen Morgen ihr goldschönes Antlitz der Erde zuwendet; wie

wenn nach dem rauhen Winter der neue Frühling mit seinem belebenden

Hauche kommt: jugendlich glänzt das Antlitz der ganzen Natur; Farbe,

Anzug, alles hat sich verjüngt: also, meine Herren, hat sich auch auf

ihren Angesichtern, sobald sie einen Blick auf mich gerichtet hatten,

alles geändert. Große Redner! schwarze Sorgen wollt ihr aus den Herzen

der Zuhörer verbannen; und wie betreibt ihr's? in einer viele Nächte

hindurch abgezirkelten langweiligen Rede arbeitet ihr oft vergeblich

daran. Schämet euch! Sehet, mit einem einzelnen Blicke hab ichs zu

Stande gebracht!

Warum ich heute in einem so ungewöhnlichen Aufputze erscheine? Sie

werden es sogleich vernehmen, meine Herren, wenn es ihnen nicht

zu beschwerlich ist, mir ein geneigtes Ohr zu gönnen; aber bey

Leibe ja nicht ein solches, das Sie den ehrwürdigen Kanzelrednern

zuwenden, sondern ein solches, das Marktschreyern, Possenspielern und

Lustigmachern immer offen steht; ein solches, wie ehedem unser Midas

dem Pan ein stattliches Paar zuwendete.

Mich hat die Laune angewandelt, mich Ihnen für eine Weile als

Sophistin zu weisen; nicht von der Art jener, die in unsern Zeiten

der Schuljugend einige Armselichkeiten ängstlich einbläuen und dabey

lärmend ein mehr als weibisches Gekeif ergellen lassen. Ich werde jenen

Alten nachahmen, die sich, um dem mir so verhaßten Namen der Weisen

klüglich auszuweichen, Sophisten nannten. Sie übernahmen es, das Lob

der Götter und der Helden herauszustreichen. Man halte sich also in

Bereitschaft, eine Lobrede anzuhören; nicht auf einen Herkules, einen

Solon, sondern auf mich, d. i. auf die Narrheit.

Ich mache mir nicht das geringste daraus, wenn jene Weisen jeden, der

sich selbst lobt, für einen Narren und Unverschämten ausschreyen.

Närrisch so viel sie wollen, wenn sie nur eingestehen, daß es dem

Charakter angemessen sey. Und was könnte sich für die Narrheit besser

schicken, als ihr Lob selbst auszuposaunen, und nach ihrer eigenen

Pfeife zu tanzen? Wer wird mich natürlicher schildern, als ich es

selbst thun kann? Wer steht in genauerer Bekanntschaft mit mir, als ich?

O ja, man wird mir eingestehen, daß ich mich noch bescheidener betrage,

als der Haufe der Großen und Weisen, welche bey einer verkehrten

Schamhaftigkeit, einen fuchsschwänzerischen Schwätzer, oder einen

windichten Dichter mit baarem Gelde dingen, um aus seinem Munde

ihr eigenes Lob anhören zu können; das ist eitele Lügen: und dann

steht der Schamprahler da wie der Pfau, der mit dem ausgebreiteten

Schweife stolziert, den Kamm hochtragend. Der unverschämte Schmeichler

vergleicht den Taugenichts mit den Göttern; er streicht ihn als

das vollkommenste Tugendmuster heraus und weiß doch, daß derselbe

himmelweit davon entfernt sey; er verziert eine kleine Krähe mit

fremden Federn; wascht einen Moren; macht aus einer Mücke einen

Elephanten. O ich, ich folge dem gemeinen Sprüchworte; wenn niemand

mich loben will, so lob ich mich selbst.

[Illustration]

Verwundern muß ich mich über das Betragen der Sterblichen. Ists

Undankbarkeit? ists Trägheit? Sie machen mir alle den Hof; meine

Wohlthätigkeit gegen sie erwecket in ihnen vieles Vergnügen: doch

ist seit so vielen Jahrhunderten noch niemand aufgetreten, der aus

Erkenntlichkeit das Lob der Narrheit feyerlich angestimmt hätte; und

doch schonte man in Herausstreichung eines Bustiris, eines Phalaris,

des viertägigen Fiebers, eines Kahlkopfs, oder was dergleichen tolles

Zeug mehr seyn mag, weder der Nachtlampe, noch dem Schlafe.

Eine unausgearbeitete und im Stegreife gehaltene, deßwegen aber um

so viel natürlichere und der Wahrheit angemessenere Rede werden Sie

von mir hören. Bilden Sie sich ja nicht ein, ich sage dieses nach

der Weise gemeiner Redner, um dadurch meinen Geistesfähigkeiten

Bewunderung zu erkünsteln. Diese haben sich etwa bey Verfertigung einer

Rede dreyßig Jahre hindurch erschwitzt, wenn es ja nicht gar eine

zusammengeborgte Waare ist: und doch behaupten sie mit einem tapfern

Eidschwure, sie haben sie inner drey Tagen spielend zu Papier gebracht.

Meine Sache aber ist es, alles gerade heraus zu sagen, wie es mir auf

die Zunge springt.

Man erwarte nicht, daß ich mich, nach der Weise der Alletagsredner, bey

einer kunstmäßigen Beschreibung meiner selbst oder wohl gar bey einer

kopfbrechenden Eintheilung meines Gegenstandes, verweilen werde. Beydes

würde für mich sehr unschicklich seyn. Wie! ich sollte mir selbst

Schranken setzen, mir, deren Herrschaft sich über die ganze weite

Welt erstreckt? Ich sollte da pedantisch trennen und theilen, wo alle

Völker in ihrer Berechnung übereinstimmen? Wozu würde es dienen, ein

würkliches Schattenbild von mir hier aufzustellen, da man mich selbst

mit Augen sehen kann? Ich mache Sie, meine Herren, zu Augenzeugen: bin

ich nicht die ächte Austheilerinn alles Guten, die man in der ganzen

Welt die Narrheit zu nennen gewohnt ist?

O ja, ich Närrinn hätte dieses zu sagen nicht nöthig gehabt. Aus

meinem Antlitze läßt sichs sehen, auf meiner Stirn lesen, was ich

im Schilde führe. Wenn mich jemand für die Minerva ausgeben wollte,

für die Göttinn der Weisheit, so würde er widerlegt seyn, so bald

man mir ins Angesicht sähe. In diesem, wenn ich auch den Mund nicht

aufthue, ist meine Gemüthsart nach dem wahren Leben geschildert. Ich

bediene mich keiner Schminke; wie ich von innen bin, zeig ich mich von

aussen; ich bin mir immer so gleich, daß man mich auch an denen nicht

verkennen kann, die sich unter der Larve der Weisheit für hochweise

Männer ausgeben; Affen, die im Purpurröckchen einher strotzen; Esel,

die in einer Löwenhaut umher traben: wenn sie sich auch noch so listig

verstellen, so verrathen doch die hervorragenden Oerchen ihren Midas.

In Wahrheit, das sind undankbare Geschöpfe: sie sind unstreitig

unsre Zunftgenossen, und schämen sich doch öffentlich unsern Nahmen

anzunehmen; ja sie schimpfen auf die, welche von sich ein ehrlicheres

Bekenntniß ablegen. Da sie wirklich Erznarren sind; und doch für

weiser als ein Thales wollen angesehen werden: können wir sie nicht

mit allem Rechte Närrisch-Weise nennen? Es scheint, daß sie diesorts

unsern heutigen Rednern nacheifern, die sich bald gar für Götter

halten, wenn sie die Leute bereden können, daß sie, gleich den

Blutsaugern, zweyzüngig seyen; sie sehen sich für Helden an, wenn sie

eine lateinische Rede mit einigen griechischen Wörtern durchspicken,

und also eine unschickliche Mosaikarbeit zu Markte bringen können.

Und wenn es ihnen an ausländischen Wörtern fehlt, so scharren sie aus

verschimmelten Schriften etliche veraltete Wörter hervor, mit denen

sie dem Leser einen Dunst vor die Augen zaubern: dadurch setzen sie

sich in die Gunst derer, die sich darauf verstehen; die übrigen werden

um so viel tiefer in Verwunderung gesetzt, je unwissender sie sind.

Auch dieses macht einen schönen Theil unsrer Wonne aus, daß wir uns

durch das, so von weitem kömmt, am meisten rühren lassen. Die, welchen

es an Ehrfurcht nicht fehlt, lächeln ihren Beyfall zu, und bewegen

geheimnißvoll, gleich den Esel, die Ohren, damit man denke, sie seyen

mit der Sache tief bekannt; ja, sprachen sie scharfsinnig: die Sache

verhält sich wirklich so, wie sie sich verhält. Ich lenke wieder ein.

Sie wissen also meinen Namen, Sie, meine Herren! Welchen Ehrentittel

soll ich Ihnen beylegen? Das Wort Erznarren wird Ihnen wohl nicht

zuwider seyn; mit einem schicklichern weiß die Göttin der Narrheit ihre

Verehrer, die mit ihren Geheimnissen vertraulich bekannt sind, nicht zu

bezeichnen. Weil aber meine Abkunft eben nicht vielen bewust seyn wird,

so will ich solches unter dem guten Beystande der Musen zu eröfnen

trachten.

Nicht Chaos, Orkus, Saturn, Jupiter, war mein Vater, noch irgend einer

der veralteten und ausgedienten hausgrunzerischen Göttergreisen:

Plutus hieß er; dieser, und dieser allein (trotz dem Hesiodus, dem

Homerus, und dem Jupiter selbst) war der Vater der Menschen und Götter;

Plutus, auf dessen Wink auch jetzt noch, wie vor Zeiten, alles, was

heilig und unheilig ist, unter einander gemengt wird. Krieg, Friede,

Reiche, Rathsversammlungen, Gerichtsplätze, Landtäge, Ehen, Bündnisse,

Verträge, Gesetze, Künste, das Scherzhafte; das Ernsthafte (o an Athem

gebrichts mir!) kurz alle öffentlichen und besonderen Angelegenheiten

der Sterblichen, richten sich nach seiner Willkühr. Ohne sein Zuthun

würde das ganze poetische Göttervolk, (ich will freyer von der Brust

weg reden) würden selbst die Götter der ersten Classe entweder gar

nicht seyn, oder doch gewiß am häuslichen Tisch ihr Leben sehr sparsam

durchbringen müssen. Dem, über den er zörnt, wird selbst Pallas

kümmerlich zu helfen wissen. Der, den er begünstigt, wird er mit dem

obersten Jupiter, und seinem Tonnerkeile, sicher aufnehmen können.

Eines solchen Vaters hab ich mich zu rühmen. Er erzeugte mich, nicht

aus seinem Gehirne, wie Jupiter jene saure und scheußliche Minerva,

sondern mit der jugendlichen Neotes, der schönsten und muntersten

Nymphe. Er war mit ihr nicht im traurigen Bande des Ehestandes

verstricket; ich ward nicht wie jener Vulkan, der hinkende Schmidt,

gebohren; ich bin eine Tochter der freyen und freudigen Liebe.

Mein Vater war nicht (irren Sie sich nicht, meine Herren!) jener

aristophanische Plutus, der abgelebte, halbblinde; nein munter war

er noch, in der Blüthe der jugendlichen Hitze; ja, nicht nur der

jugendlichen, sondern auch der durch den Nektar entzündeten, den er

damals an einem Freudenfeste der Götter reichlich geschlürft hatte.

Wollen Sie auch meinen Geburtsort wissen? O ja, heut zu Tage kömmt es

in Absicht auf den Adel vieles darauf an, wo man in der Wiege zuerst

geschrien habe. Ich ward nicht in der schwimmenden Insel Delos geboren;

nicht in dem wogenreichen Meere; nicht in einer verborgenen Höle;

sondern in jenen beglückten schlarafischen Inseln, wo alles ungesäet

und unbepflügt hervor sprudelt; da weiß man nichts von Arbeiten, vom

Altern, von Krankheiten. Goldwurzeln, Pappeln, Zwiebeln, Feigbohnen,

Erbsen, oder andre dergleichen Aermlichkeiten verstellen da die Felder

nicht; dem Auge und Geruche schimmern, und duften von allen Seiten her

Amaranten, Rosen, Majoran, Violen, Hyacinthen, entgegen; man glaubt, in

dem Garten des Adonis zu seyn.

In einer solchen wonnevollen Gegend gebohren, fieng ich das Leben nicht

mit Weynen an; schmeichelnd lächelte ich, kleine Närrinn, meiner Mutter

sogleich ins Angesicht. Den saturnischen Jupiter beneide ich nicht, daß

er eine Ziege zur Amme hatte. Zwo drollichte Nümphen reichten mir ihre

Brüste dar: die taumelnde Methe, Tochter des Bachus; und die sorglose

Apädia, Tochter des Pans. Beyde befinden sich hier in der Gesellschaft

meiner Gefehrten und Aufwärterinnen. Ich soll sie bey ihren Namen

nennen? Gut, hier sind sie! Diese, die ihre Stirn hoch trägt, ist die

sich selbst liebende Philautia. Diese mit ihren zulächelnden Augen,

beyfallklatschenden Händen ist die schmeichelnde Kolakia. Diese

halbschlafende, die man bereits träumend glauben sollte, ist die

vergeßliche Lethe. Diese, die sich auf ihre Elenbogen steuert, und

die Hände gefaltet hält, ist die arbeitscheuende Misoponia. Diese mit

Rosenkränzen umschlungen, Wolgerüche duftend, ist die wollüstige Edone.

Diese mit ihren unstet umherschweifenden Augen, ist die wahnsinnige

Anoia. Diese mit der glatten Haut, deren ganzer Körper sich sowohl

genährt zeigt, ist die verzärtelte Tryphe. Unter diesen Mädchen sind

auch zween Götter zu sehen. Der Eine ist der sich bey jugendlichen

Trinkgelagen munter hervorthuende Komus; der Andere der sich dann in

den tiefsten Schlaf versterbende Nagretos-Hypnos. Mit dem Beystande

dieser meiner getreuen Bedienten unterwerf ich alles meiner Herrschaft,

und Monarchen selbst ertheil ich meine Befehle.

[Illustration]

Ich habe nun von meiner Abkunft, meiner Auferziehung, und meinem

Gefolge, Nachricht gegeben. Damit niemand meyne, ich bediene mich ohne

Grund des Tittels einer Göttinn, will ich zeigen, wie viel Gutes ich

an Göttern und Menschen thue, und wie weit sich meine göttliche Macht

erstrecke. Man öffne die Ohren!

Jemand hat die nicht unschickliche Anmerkung gemacht: um ein Gott zu

seyn, müsse man den Menschen Wohlthaten erweisen. Man hat der Zunft

der Götter mit Recht jene einverleibt, welche die Menschen über den

Gebrauch des Weines, des Getreides, und andre Lebensbedürfnisse von

dieser Art unterrichtet haben. Wo hätte man das Recht her, mich nicht

für das Alpha aller Götter zu halten, mich, welcher einzig jedermann

alles und jedes zu verdanken hat?

Zuerst, was kann angenehmer, was köstlicher seyn, als das Leben an sich

selbst? Und von wem anders, als von mir, hat man den Anfang desselben

erhalten? Nicht die Lanze der aus dem stärksten der Väter gebohrnen

Pallas, nicht der Schild des wolkensammelnden Jupiters, hat einen

Einfluß in die Zeugung und Fortpflanzung des Menschengeschlechtes. Noch

mehr; selbst der Vater der Götter, der König der Menschen, dessen Wink

den ganzen Olympus zittern macht, muß seinen dreygespitzten Donnerkeil

weglegen samt seiner titanischen Mine, mit welcher er, nach seinem

Belieben, allen Göttern einen Schrecken einjagt; nach der armseligen

Weise des Schauspielers muß er einen andern Charakter annehmen, wenn er

das thun will, das er zuweilen thut; das ist, wenn er zum Vater eines

kleinen Jupiters werden will.

Auf die nächste Stelle nach den Göttern machen die Stoiker Anspruch.

Gebt mir einen solchen! Und wenn er auch tausendmal ein Stoiker

ist, so muß er mir, wo nicht den Bart, dieses Merkmahl der Weisheit,

wenn er ihn auch gleich so groß als der Bock hat, doch gewiß seine

Gravität, weglegen; seine Stirn muß sich entfalten; er muß sich seiner

demantfesten Grundsätze entschlagen; er muß ein wenig faseln und den

Narren spielen; kurz, mich, mich, sag ich, muß der weise Mann zu Hülfe

rufen, wenn er zum Vater werden will.

Warum soll ich nicht nach meiner Weise, offenherzig schwatzen? Man sage

mir: ists das Haupt, das Antlitz, die Brust, die Hand, das Ohr, irgend

eines der für ehrhaft gehaltenen Kleider, die zur Zeugung der Götter

und Menschen erfordert werden? Mich deucht es nicht; es ist etwas so

närrisches und Lächerliches, daß Sie, meine Herren und Damen, wenn

ich es nennen sollte, sich des Lachens nicht enthalten würden, dem

man diese Ehre zuerkennen muß. Dieses ist weit richtiger, als jener

pythagorische Quaternio, die heilige Quelle, aus welcher Alles das

Leben schöpft.

Wo ist der Mann, der dem ehelichen Kapzaume sein Maul darreichen würde,

wenn er vorher (wie jene weisen Leute zu thun gewohnt sind) allen

Jammer des Ehestandes erwogen hätte? Welche Frau würde zur vertrauten

Unterhaltung mit dem Manne sich entschließen, wenn ihr ein Gedanke an

die gefährliche Geburtsarbeit und das verdrüßliche Ammengeschäft käme?

Da Sie also, meine Herren, ihr Leben dem Ehestande, und diesen der

Anoia, meinem hirnlosen Aufwartsmädchen, zu verdanken haben, so ist es

Ihnen leicht auszurechnen, in welcher tiefen Schuld Sie bey mir stehen.

Die, welche einmal in dieser Noth gewesen ist, würde sich nicht wieder

darin wagen, wenn sie sich nur an meine Gefährtinn, die vergeßliche

Lethe, gehalten hätte. Venus selbst (Lucrez mag sagen, was er will!)

wirds nicht leugnen, daß es ohne meine Hinzukunft um ihre ganze Kraft

etwas ohnmächtiges und unnützes seyn würde.

Mein Spielwerke mag auch noch so taumelnd und lächerlich seyn, so

entstanden doch aus ihm jene steifen Philosophen, an deren Stelle

sich jetzt die befinden, die man Mönche zu nennen pflegt; in Purpur

gekleidete Könige, fromme Priester, und dreymal allerheiligste Päbste;

ja die ganze Zunft der poetischen Götter, so zahlreich, daß der Olymp

(dessen Raum eben so klein nicht ist) sie kaum fassen kann. Ich würde

mit mir selbst nicht zufrieden seyn, wenn man nur bloß die Quelle und

Pflanzschule des Lebens mir zu verdanken hätte; ich will zeigen, daß

auch alle Bequemlichkeiten des Lebens von mir herkommen.

Was ist dieses Leben, verdient es auch nur den Namen des Lebens, wenn

man das Vergnügen davon wegnimmt? O ja! Sie, meine Herren, klatschen

mir Ihren Beyfall zu! ich wußte es wohl, daß niemand unter Ihnen so

weise ist, oder so närrisch, nein, so weise, daß er solche Gedanken

hegen sollte. Selbst die Stoiker verachten die Wollust nicht, ob sie

sich gleich aufs geflissenste verstellen, und sie öffentlich mit

tausenderley Schimpfnamen belegen; die Tückmäusler, nur um andere

davon wegzuscheuhen, und sich eines desto größern Theiles derselben zu

versichern. Aber beym Jupiter fordere ich sie auf, diese Heuchler, mir

zu sagen, welcher Theil des Lebens nicht traurig, unlustig, eckelhaft,

abgeschmackt, lästig wäre, wenn ich nicht dabey für Salz und Gewürze

sorgte? Den Sophokles (Und wer ist im Stande diesen Mann genug zu

loben?) kann ich hierüber zum unverwerflichen Zeugen aufführen, indem

er, um mir Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, ausrief: Weg mit

Weisheit, wenn man sich des Lebens recht erfreuen will!

Wir wollen eines nach dem andern beherzigen. Wer weiß nicht, daß die

erste Scene der Kindheit die freudigste und angenehmste ist? Was

befindet sich in den Kindern, das uns auffordert, sie zu küssen,

zu umarmen, ihnen zu schmeicheln? das die Hand des rohsten Feindes

nöthigt, sie aus jeder Noth zu retten? Anderes ist es nichts, als

dieses. Die vorsichtige Natur hat sich Mühe gegeben, die Säuglinge mit

der Gabe närrischer Schmeicheleyen zu versehen, damit sie mit einer

angenehmen Art von Ersatze die Arbeit der sie Besorgenden erwiedern,

und zugleich ihnen fernere Mühwaltungen scherzhaft abbetteln.

Wenn sie die kindlichen Jahren mit den jugendlichen vertauschet haben,

so versichern sie sich der Huld jedermanns; man liebt sie; ereifert

sich, ihnen nützlich zu seyn; springt ihnen bey allen Anlässen

dienstfertig bey. Und wer hat sie mit einem solchen herzengewinnenden

Wesen versehen? Niemand als ich. Weil ich ihnen meine Huld schenke, so

sind sie noch fern von aller Weisheit, und folglich von allem Grame.

Sobald sie zu mehrern Jahren gelangen, und beym Unterricht und dem

Umgange mit der Welt, den verwünschen Weg der männlichen Weisheit

betreten (ich will eine Erzlügnerinn seyn, wenn ich nicht die Wahrheit

rede!) so ist es um die Blüte ihres aufgehellten Wesens geschehen; ihre

Munterkeit fällt ins Träge; ihr artiges Betragen sinkt ins Frostige;

die Lebhaftigkeit erstirbt.

Je weiter der Mensch sich von mir entfernt, desto minder erfreut er

sich des Lebens; und endlich wird er zum mürrischen Greisen, der nicht

nur andern, sondern auch sich selbst zur Last fällt. O ja, keinem

Sterblichen würde dann sein Zustand erträglich seyn, wenn ich nicht

mich seiner so vielen Mühseligkeiten erbarmend, ihm zum Beystand eilte.

Wenn die poetischen Götter jemanden sehen, der zu Grunde gehen will, so

kommen sie ihm mit einer Verwandlung zu Hülfe: ich, wenn ich jemanden

erblike, der bald reif zur Baare geworden, ruf ihn, so viel möglich

ist, wieder in die Kindheit zurück; wie man dann von der zweyten

Kindheit derselben vieles zu reden pflegt.

Wie ich sie verwandle? Man soll es hören. Zur Quelle meines Flusses

Lethe (er entspringt in den Inseln der Glückseligkeit, und von ihm

rinnt nur ein kleines Bächlein in die unterirdischen Gegenden) führ ich

sie; und sobald sie sich bey diesem das Vergessen zeugenden Getränk

erlabet haben, wird das Gemüth allmählig seines Grams entladen, und

vergnügt stehen sie da. -- Aber, sie schwatzen ja ganz närrisches

Zeug? -- Es sey so! Eben dieses heißt ja, wieder jung werden; gerade

so muß man plaudern, wenn man Kind heissen will: wirklich ihr

unweises Tändeln bringt Ergötzen. Ein Junge, aus dem die Weisheit

des Mannes hervorstrotzt: o das ist in Wahrheit ein Mißgeschöpf!

Ueberwitz zeugt Ekel. Anbey, wer könnt es ausstehen, einen Greisen,

der bey seinem langen Erfahrungskram alles mit Sprüchen durchwürzte,

die er mit Anspannung aller seiner scharfen Beurtheilungskräfte

zusammengedrechselt hätte, zum alltäglichen Gefehrten zu haben?

Weil ich gütig bin, mach ich den Alten zum Narren, der über alle die

elenden Sorgen hinausgesetzt ist, mit denen der Weise sich ermartert.

Er ist kein unlustiger Tischgefehrte; läßt sich das Zutrinken wohl

schmecken; das Leben hängt ihm nicht mehr, wie manchem, als eine Last

an; etwann wandert er wieder in die Schule zurück, darinn man sich

Einsicht in die Anfangsgründe der Liebe verschaft; ein Zustand, darinn

er unglücklich seyn würde, wenn er sich noch unter der Herrschaft der

Weisheit befände; bey seinen Freunden ist er ein willkommener und zu

Freuden aufgelegter Gast. Aus dem Munde des alten Nestors (beym Homer

finden wir es) flossen honigsüsse Reden, indem aus dem Munde des

Achilles nichts als Bitterkeiten hervorsprudelten. Und bey eben diesem

Dichter sitzen Greisen auf den Mauern der Stadt, und ertändeln sich in

blumichten Wortspielen. In diesem Gesichtspunkt ist die zweyte Jugend

der ersten vorzuziehen, die zwar ein Vergnügen verschaft, doch ein noch

zu kindisches; dem es an der vornehmsten Belustigung des Lebens fehlt,

an der unermüdeten Schwatzhaftigkeit. Hiezu kömmt, daß Alte stets an

den Kindern, Kinder an den Alten, Vergnügen finden: Gleich und gleich

gesellt sich gern.

Alles stimmt bey diesen überein; ausser daß der Runzlichte mehr

Geburtsfeste gefeyert hat. Sonst ist alles gleich: weisse Haare,

zahnloser Mund, nach der Erde sich bükender Leib, Begierde

nach Milchspeisen, Stammeln, Plaudern, Possen, Vergeßlichkeit,

Unbesonnenheit, kurz, alles. Je älter der Mensch wird, desto näher

kömmt er wieder der Kindheit, bis er auf eine recht kindische Weise,

ohne des Lebens überdrüssig zu seyn, ohne den Tod zu fürchten, aus dem

Leben heraus watschelt.

Es gehe nun, wer dazu Lust hat, und vergleiche das, dadurch ich die

Menschen beglücke, mit den Verwandlungen, die das Werk der übrigen

Götter waren. Was diese manchmal im auffahrenden Zorne thun, o darüber

will ich kein Wort verlieren! Was thun sie aber gegen ihre trautesten

Lieblinge? Sie verwandeln sie in einen Baum, einen Vogel, eine Grille,

oder wohl gar eine Schlange: als ob eine solche Veränderung und das

zu Grunde gehen, nicht die nämliche Sache wäre. Ich aber, ich stelle

den gleichen Menschen wieder in die besten und glücklichsten Umstände

seines Lebens. Wenn die Sterblichen sich durchgehends alles Umganges

mit der Weisheit entschlagen, und ihr Leben einzig bey mir zubringen

wollten, so würde das, was man das Veralten nennt, ihnen immer

unbekannt bleiben, und in steter Jugend würden sie beglückt seyn.

Sehen Sie mir doch einmal jene Murrköpfe! Philosophisches Grübeln,

oder das Betreiben ernsthafter und schwerfälliger Geschäfte, hat sie,

ehe sie noch recht Jünglinge waren, zu Greisen verhudelt; Besorgnisse,

stete und scharfe Gedankenanstrengung, haben ihre Geisteskräfte, ihre

Lebenssäfte, nach und nach erschöpft. Sehen Sie dort meine tollen

Lieblingssöhne: o wie wohl ausgefüttert sind sie nicht! ihre Haut, wie

glänzend, wie gespannt! nein, die besten Eichwälder Akarnaniens hätten

keine so drolichten Ferkelsgeschöpfe aufzuweisen gehabt. Gewiß sie

würden vor allen und jeden Altersbeschwerden ein für allemal gesichert

bleiben, wenn sie sich nur stets vor jedem Angriffe der Weisheitsseuche

geflissentlich bewahren wollten. O daß sich doch in des Menschen Leben

Dinge einschleichen müssen, die ihm eine durchgehende Glückseligkeit

neidisch abzustehlen trachten!

Zum Ueberflusse kann ich mich auf eine alte Sache berufen, wer zufolge

die Narrheit das sicherste Mittel ist, die Jugend in ihrem schnellen

Laufe aufzuhalten, und das unbeliebige Alter weit wegzutreiben. Den

Brabantern sagt man nicht ohne Grund nach, da das Alter andere Leute

klug mache, so gerathen diese, je mehr sie an Jahren zunehmen, in

desto größere Narrheiten: und wirklich ist dieses unter allen Völkern

dasjenige, welches im gemeinen Umgange das fröhlichste ist, und an dem

sich von dem närrischen Wesen alter Leute am wenigsten finden läßt.

Man kann ihnen disorts ihre Nachbaren, meine Holländer, an die Seite

setzen, die sich so eifrig für meine Anhänger dargeben, daß sie sich

ein Recht auf den Ehrentitel der Narren erworben haben; nicht nur

schämen sie sich nicht, dieses von sich zu gestehen, sondern sie sind

sogar stolz darauf.

So gehet denn nun, schwindlichte Sterbliche, um eine Medea, Circe,

Venus, Aurora, und ich weiß nicht was für einen Zauberbrunnen

aufzusuchen, da man sich wieder jung machen könne: ich, ich allein,

bin im Stande dieses zu bewirken, und ich thue es auch. Ich besitze

den Wundersaft, vermittelst welchem Memnos Tochter die Jugend Tithons,

ihres Ahnen, verlängert hat. Ich bin jene Venus, die den alten Phaon

wieder so jung machte, daß Sapho sterblich in ihn verliebt wurde. Ich

(wenn irgend jemand) bin im Besitze der Kräuter, der Zaubermittel, des

Brunnens, der nicht nur die verflogene Zeit der Jugend wieder zurück

bringt, sondern sie auch (welches unvergleichlich besser ist) für das

ganze Leben dauerhaft befestigt. Nun denn ja, meine Herrn, Sie werden

alle meinen Ausspruch unterschreiben: es giebt nichts liebenswürdiges,

als die Jugend, nichts abscheulichers als das Alter. Gut! Sie sehen

also, in welcher Schuld sie bey mir stehen; bey mir, die ich ein so

grosses Gut gewähre, ein so grosses Uebel verbanne.

Was halt ich mich so lange bey Sterblichen auf? Lasset den ganzen

Himmel durch die Musterung gehen; und man sage mir den Namen, den ich

führe, mit einem Hohngelächter ins Angesicht hinein, wenn sich nicht

jede Gottheit als etwas widerliches und verächtliches darstellen

würde, sobald ich sie meines Einflusses berauben sollte. Warum

zeigt sich Bacchus als ein blondhaarichter Jüngling? Weil er bey

der Nectarfeuchte, Gastereyen, Tänzen, Spielen, sein ganzes Leben

zubringt, und mit der Pallas nicht den geringsten Umgang hat; er, dem

kein Gedanke kömmt, sich für einen Weisen auszugeben; der sich freut,

wenn man ihn mit Aeffereyen und drollichten Scherzen verehrt; der sich

nicht ärgert, wenn man ihn einen Stocknarren nennt; wenn er an der Thür

seines Tempels sitzt, und ein muthwilliger Bauernlümmel ihm das Antlitz

mit Most und reifen Feigen beschmiert. Mit welchen Spottnamen hat nicht

die alte Komödie ihn belegt! O des abgeschmackten Gottes (hieß es)

man kann ihm den Ort anriechen, aus dem er gebohren worden! Aber bey

allem dem, wer wollte nicht lieber dieser abgeschmackte Thor seyn, der

immer lustig ist, immer jugendlich-munter, immer Spiel und Wollust mit

sich bringend, als Jupiter mit den schiefen Zornblicken, die jedermann

Furcht einjagen; oder Pan, bey dessen sauerm Grunzen man bald selbst

zum närrischen Schreckbilde werden könnte; oder Vulkan, der mit Aschen

und Schmutz verziert aus seiner rauchigen Werkstätte hervorhinkt; oder

auch die schielende Pallas selbst, die zu nichts taugt, als mit ihrem

Medusenkopf und ihrer Lanze den Leuten einen Schrecken einzujagen.

Warum bleibt Amor immer ein Junge? warum? blos weil er ein

Possenreisser ist, und nichts thut und denkt, das man auch nur einem

Scheine von Ueberlegung zuschreiben könnte. Wie kömmts, daß man die

goldschöne Venus stets mit ihrer Frühlingsmine sieht? Sie steht mit mir

in Verwandtschaft; die Farbe meines Vaters glüht auf ihrem Antlitze:

daher Homer sie die goldene Göttinn nennt; auch lacht sie beständig,

wenn Dichter und die ihnen nacheifernden Bildhauer Glauben verdienen.

Welche Gottheit ward von den Römern andächtiger verehrt, als Flora, die

Mutter aller Wollüste?

Wie steht es um das Thun und Lassen der sauern Götter? Wenn man sich

darüber bey dem Homer und den übrigen Dichtern, Raths erholt, so zeigt

sichs, daß es selbst ihnen an nichts weniger fehle, als an Narrheit.

Was würd es helfen, die Thaten der Andern weitläufig zu erzehlen, da

alle Welt von der Verliebtheit und den Narrentheidungen Jupiters, des

Donnergottes, nur zu vieles zu sagen hat? Die strenge Diana, die auf

ihren beständigen Jagdschwärmereyen ihres Geschlechts vergießt, wie

jämmerlich hat sie sich nicht in ihren Endymion verliebt? Doch mir wär

es lieber, wenn die Götter sich ihre Geschichte von dem Momus wollten

erzehlen lassen, der sie ihnen ehedem oft vorgepredigt hat: aber

neulich stürzten sie ihn im Zorne, samt der keifenden Ate, auf die Erde

hinab, weil er, der Verdrüßliche, neidisch auf das Glück der Götter,

ihnen mit seiner Weisheit stets in den Ohren lag; kein Sterblicher

würdigt ihn, ihn unter Dach zu nehmen; und noch weniger findet er

einen Eingang an den Höfen der Fürsten, wo mein Folgemädchen, die

schmeichelnde Kolakia, in der grösten Achtung steht; und mit ihr stimmt

Momus so wenig überein, als der Wolf mit dem Lamme.

[Illustration]

Also haben die Götter sich von dem Momus los gemacht; und jetzt

können sie, von jedem Sittenrichter befreyt, frey und lustig

den Narren spielen. Priapus, ehedem ein Feigenklotz, was bringt

er jetzt nicht für Scherze hervor! Merkur, mit seinen Diebereyen

und Taschenspielerstreichen setzt alles ins Lachen. Selbst Vulkan

spielt im Gelache der Götter den Stocknarren, und läßts am

Herumhinken, an Spöttereyen, an lächerlichen Sprüchen nicht fehlen,

die Trinkgesellschaft bey guter Laune zu erhalten. Sogar Silen, der

alte Verliebte, hüpft im ländlichen Tanze mit dem Polyphem und den

barfüssigen Nymphen, wacker umher. Satyren ertanzen sich mit ihren

Bocksspringen. Pan, mit einem ungesalzenen Liedchen, bringt alles ins

Lautlachen: lieber hört man ihn, als die Musen; besonders wenn der

Nektar anfängt in den Kopf hinaufzudünsten. O was könnte ich hier für

herrliche Dinge von der Wirthschaft der sich sattgenektarisirten Götter

sagen! Da, da gehts (beym Herkules schwör ich!) so närrisch her, daß

ich, ich selbst, mich zuweilen des Lachens nicht erwehren kann. Doch

besser ists, ich lege, gleich dem Harpokrates, den Finger auf den Mund;

leicht könnte sonst ein corycäisch-auflaurender Gott zuhorchen, wenn

ich Dinge erzehlte, die selbst dem Momus nicht unbestraft entwischet

sind.

Es ist Zeit, daß ich, nach homerischer Weise von den Himmelsbewohnern,

zu den Kindern der Erde herabschländre. Ach da, werden wir sehen, daß

sich nichts freudiges und glückliches befinde, das nicht mein Geschenk

ist.

Sie sehen meine Herren, wie vorsichtig die Natur, die Mutter und

Schöpferinn des Menschengeschlechts, alles mit Narrheit durchwürzt hat!

Die Stoiker, die es in der Kunst des Beschreibens weit gebracht haben,

sagen: sich durch die Vernunft führen lassen, sey Weisheit; Narrheit

sey es, wenn man sich nach der Willkühr der Leidenschaften richte.

Nun, damit das Leben der Menschen nicht etwas ganz trauriges und

finsteres seyn müsse, hat Jupiter in ein Pfund von Leidenschaften kaum

eine Unze von Vernunft gemengt; die Vernunft hat er in einen kleinen

Winkel des Kopfes gebannt, und den ganzen Leib den regen Leidenschaften

zum Taumelplatz angewiesen. Der Vernunft hat er zween der heftigen

Tyrannen entgegen gesetzt; den Zorn, der seine Herrschaft in der Burg

und der Quelle des Lebens hat, in dem Herzen; und die Lüsternheit,

die in der Gegend des Unterleibes alles zum Gehorsam nöthigt. Was die

Vernunft wider diese zween Feinde vermöge, zeigt sich zureichend aus

dem gemeinen Betragen der Menschen; sie schreyt sich heischer, um ihnen

ihre Tugendsprüchgen einzupredigen; aber um den Zügel ihrer Königinn

bekümmern sie sich wenig, und treiben die Widerspenstigkeit so weit,

daß endlich die müde Fürstin sich zum Nachgeben gezwungen sieht, und

sich alles gefallen läßt.

Weil der Mann zur Betreibung der Geschäfte gebohren ist, so mußte ihm

von der Unze der Vernunft etwas mehrers eingepfropft werden. Damit auch

dieses richtig angeordnet werde, ward ich, wie über alles andere, zu

Rath gezogen; und ich that einen Vorschlag, der meiner würdig war: man

soll ihm ein Weib zugesellen; ein närrisches und schwindlichtes Thier,

aber zugleich ein holdes und lächerliches; ein Hausmittel, welches das

Düstere des männlichen Scharfsinns durch eigenthümliche Narrheit zu

würzen, und zu versüssen im Stande ist.

Plato der im Zweifel zu seyn scheint, ob das Weib zu den vernünftigen

oder zu den vernunftlosen Thieren zu ordnen sey, wollte dadurch blos

die grosse Narrheit dieses Geschlechtes andeuten. Wenn ein Weib

Anspruch auf Weisheit macht, so erweist sie sich als eine doppelte

Närrinn; sie will gerade wider den Strom schwimmen: wer sich auf

eine naturwidrige Weise mit der Schminke der Tugend beschmiert, und

seiner Gemüthsart Gewalt anthut, der verdoppelt seinen Fehler. Bey

den Griechen hieß es: der Affe bleibt ein Affe, wenn er gleich in der

Purpurjacke einherschwanzt: also bleibt ein Weib ein Weib, das ist eine

Närrinn, was sie auch immer für eine Rolle spielt.

Nein, meine Damen, so närrisch wird wohl keine unter Ihnen seyn,

deßwegen böse auf mich zu werden, daß ich, selbst ein Weib, die

Erznärrinn, Ihnen Narrheit beymesse. Wenn es Ihnen beliebt, die Sache

genau zu erwägen, so werden Sie mir, der Narrheit, es danken, daß ich

Sie weit glücklicher gemacht habe, als die Männer es seyn können.

[Illustration]

Ohne mich besässen die Weiber jene reizende Schönheit nicht,

die sie mit Recht allen Dingen vorziehen, und vermittelst welcher

sie selbst über Tyrannen tyrannisieren. Etwas wegschreckendes in

der Mine, die faltige Haut, das Bartgestrauche, das greisenmässige

frostige Wesen, wem hat der Mann dieses Lumpenzeug zu verdanken, als

der bösen Klugheit? Die Wangen der Weiber hingegen sind immer glatt;

fein ist stets ihre Stimme, weich ihre Haut, als ob sie sich einer

immerdaurenden Jugend versichert hätten. Was wünschen sie sich in

diesem Leben anders, als den lieben Männern recht wohl zu gefallen?

Diesen Endzwecke haben sie bey ihrem Aufputzen, ihrem Schminken, ihrem

Baden, ihrem Haarkräuseln, allen den Künsteleyen, durch die sie ihre

Gesichtszüge ordnen, ihre Liebäugeln, und so weiter. Wie! preisen sie

sich denn wirklich den Männern durch irgend etwas nachdrücklicher an,

als durch die Narrheit? Was ists, daß diese den Weibern nicht erlauben?

und, haben sie dabey andere Absichten, als die Befriedigung ihrer

dringenden Begierden? Wirklich finden sie ihr Vergnügen an nichts, als

an der Narrheit. Man wird einsehen, daß diese Bemerkung sich ganz auf

die Wahrheit gründe, sobald man bey sich überlegt, wie viele Thorheiten

der Mann dem Weibe vorplaudere welche Possen er treibe, so oft er sich

vorgenommen hat, sein Vergnügen bey ihr zu bewirthen.

Ich habe die Quelle der ersten und vornehmsten Freuden des Lebens

aufgedeckt. Ja, es fehlt an einigen nicht, die man eben so weibisch

nicht nennen kann; es sind alte durstige Brüder, welche die höchste

Wollust beym Weine finden. Ob sichs eine gute Mahlzeit thun lasse, wo

Weiber davon ausgeschlossen sind, ist eine Frage, deren Entscheidung

ich andern überlasse. Gewiß ist dieses: jedem Orte fehlt es am Gewürze,

an Munterkeit, wo man der Narrheit den Eingang versperrt hat; wenn

keiner der Gesellschafter ein wirklicher Narr ist, oder sich als einen

Narren zu bezeigen das Geschick hat, so läßt man einen mit Gelde

gedungenen Lustigmacher kommen, oder einen lächerlichen Schmarotzer,

um durch seine lustigen, das ist, närrischen Schwänke das düstere

Schweigen, oder die Traurigkeit, von der Tafel zu verbannen; denn, wozu

würd' es dienen, mit so vielen Niedlichkeiten und Leckerbissen den

Bauch zu beladen, wenn man nicht Augen, Ohren, und das ganze Gemüth bey

Lachen, Scherzen, und artigen Einfällen gastierte?

[Illustration]

Nun bin ich es, ich einzig, die verdient, die Erfinderinn solcher

Tafelherrlichkeiten betitelt zu werden. Auch die übrigen feyerlichen

Spiele solcher Gelage; zum Exempel, durch das Loos einen Tafelkönig

wählen, das Würfelspiel, eine Gesundheit im Ringe herum trinken,

ein Liedchen dabey anstimmen, mit einem Myrtenzweige in der Hand

wechselweise singen, tanzen, springen, und so weiter. Das sind Dinge,

die nicht von den sieben Weisen Griechenlandes erfunden worden,

sondern von mir, da ich mir das Wohlseyn des menschlichen Geschlechtes

angelegen seyn lasse. Je mehr Narrheit in solche Dinge gemischt ist,

desto heilsamer sind sie für das Leben der Sterblichen, welches, wenn

es traurig ist, den Namen des Lebens nicht verdient; und traurig muß es

werden, wenn man es nicht vermittelst solcher heilsamen Gaukeleyen vor

dem Ueberdrusse sicher stellt.

Vielleicht aber giebt es Leute, bey denen diese Art von Wollust

keinen Werth hat, weil sie sich mit lieben Freunden und Bekannten

begnügen. Die Freundschaft für sich schon (sagen sie) ist allem andern

vorzuziehen; ist eben so unentbehrlich, als Luft, Feuer, Wasser,

es immer seyn mögen; sie führt so viele Freuden bey sich, daß, sie

verbannen eben so viel wäre, als die Sonne verbannen; sie ist etwas

so Tugendhaftes (man hätte ihr wohl ein besseres Lob beylegen können)

daß selbst die Philosophen keinen Anstand finden, sie zum höchsten

Gute zu rechnen. Wie aber, wenn ich zeigen könnte, daß es auch bey

dieser herrlichen Sache alles auf mich ankomme? Wolan, ich will es

thun; und zwar nicht durch krumme verfängliche Trugschlüsse, sondern so

ehrlich-einfältig, daß jeder, der auch nur seiner Nase nachzugehen im

Stande ist, die Sache mit Händen wird greifen können.

Aufgehorcht! Wenn man bey den Fehlern des Freundes die Augen schließt,

sie nicht sehen will, sie liebenswürdig findet, etwann auch seine

grossen Laster als liebenswürdige Tugenden herausstreicht: ist man

da nicht auf dem geraden Wege zur Narrheit? Sehet doch diesen, der

die Warze küßt, die seine Geliebte mit auf die Welt gebracht hat;

jenen, der seines Mädchens ranzichten Athem balsamisch findet; dort

den über die schielenden Augen seines Söhnchens entzückten Vater. Ists

nicht pur-lautere Narrheit? Ja, man schreie so lange man will, daß es

Narrheit sey: diese Narrheit einzig ist im Stande, Freundschaft zu

stiften, und dauerhaft zu machen. Ich rede von den Sterblichen, von

denen keiner ohne seine Fehler auf die Welt kömmt; wer die wenigsten

hat, ist der beste. Wenn sich zu jenen weisen Philosophen, die sich

Götter zu seyn träumen, je eine Freundschaft naht, so ists eine

störrische und freudenlose; und auch dieser sind nur die wenigsten

fähig; ich sage mit Fleisse nicht alle: der gröste Theil der Menschen

spielt den Narren; ja, keinen wird man finden; der nicht auf vielerley

Weise faselt; nun sind nur die, welche einander ähnlich sind, der

vertrauten Freundschaft fähig.

Gesetzt es ereigne sich etwann unter diesen Sauertöpfen, daß einer dem

andern sein Wohlwollen bezeige, so wirds doch von keiner langen Dauer

seyn: kein Adler, kein Drache, ist so scharfsüchtig, als sie es bey

den Fehlern ihrer Freunde sind; die ihrigen können sie nicht sehen,

denn die Schlauköpfe haben sie in den Sacke hinten auf ihren Schultern

gelegt. Da nun kein Mensch so verständig ist, daß er nicht seine großen

Fehler hätte; da sie an Jahren und Neigungen so verschieden; solchem

Straucheln, solchen Ausschweifungen, solchen Zufällen des sterblichen

Lebens unterworfen sind: wie könnte die freudige Freundschaft sich bey

diesen spitzäugigen Ausspühren auch nur eine Stunde lang verweilen,

wenn sich nicht die gesittete und gutmuthige Narrheit zugleich mit ihr

einstellte? Und wie! ist nicht Cupido der Uhrheber und Vater aller

Vertraulichkeit, starrblind, so daß er leicht das Häßliche für das

Schöne ergreift? Schämen Sie sich nicht, meine Herren, die Wahrheit

zu gestehen: hat der lose Vogel nicht auch Sie so bethört, daß jeder

das Seine schön findet; daß der Kahlkopf in sein Mütterchen, wie der

Gelbschnabel in sein Püpchen vernarrt ist? O aller Orten findet mans

so, und belacht es! aber gerade diese Lächerlichkeiten sind das Kitt

und die Bänder der herzerquickenden Gesellschaft.

[Illustration]

Was von der Freundschaft gesagt worden, das läßt sich noch

füglicher vom Ehestande denken, dem für Zeitlebens dauernden

Freundschaftsbande. O ihr unsterbliche Götter! wie würde nicht alles

von Ehescheidungen, oder auch noch schlimmern Dingen, aller Orten

wimmeln, wenn nicht Schmeicheley, Scherz, gefälliger Leichtsinn,

Irrung, Verstellung, meine ganze Scharwache, den Hausfrieden zwischen

Mann und Weib unterstützen, und nährten? Zum Henker! wie dünne würden

die Ehen gesäet werden, wenn der Herr Bräutigam klüglich nachspührte,

in was für Spiele sein verschlecket-schamhaft aber naseweises

Jüngferchen schon lange vor dem hochzeitlichen Leben, sich eingelassen

habe? und wie manches schon geknüpfte Band würde zerreissen, wenn nicht

(Dank sey es der Nachlässigkeit oder Tummheit des Herrn Gemahls!)

vieles von dem Thun und Lassen des lieben Weibchens verborgen bliebe?

[Illustration]

Freylich schreibt man alles dieses mit Rechte der Narrheit zu; diese

aber betreibts inzwischen so, daß der Mann sich des Weibes erfreut, das

Weib des Mannes, und die Eintracht sich im friedlichen Hause befestigt.

Hahnrey, und was dergleichen Wörterchen mehr sein mögen, ruft hier und

da ein Hohnlacher; thut nicht das gute Weibchen wohl, daß sie darüber

Thränen vergießt; und der gutherzige Hörnerträger, daß er in bester

tröstender Laune sie ihr von den Wangen wegküßt? O wie weit seliger

ists, sich hier also irren, als im Taumel der Eifersucht sich selbst

aufzehren, und ein Trauerspiel aller Orten verbreiten? Kurz, ohne mich

kann keine Gesellschaft, keine Vertraulichkeit munter oder standhaft

seyn; unerträglich wird der Fürst dem Volke, der Knecht dem Herrn, die

Magd der Frau, der Schüler dem Lehrer, der Freund dem Freunde, die Frau

dem Manne, der Verkäufer dem Käufer, ein Tischgefehrte dem andern, wenn

sie nicht wechselweise irren, klüglich durch die Finger sehen, und sich

mit tollen Honigwörterchen abspeisen. Ja, meine Herren, Sie halten was

ich bisher gesagt, für wichtige Dinge; aber Geduld, Sie werden noch

wichtigere hören!

[Illustration]

Das Lob der Narrheit · 第 1 / 9 段