Der junge Diego Almagro befand sich inzwischen in Lima, aber die
Statthalterschaft seines Vaters erhielt er nicht; auch wurden seine
Anhänger, die „Chilenen“, durch Verachtung gekränkt. Man wandte sich
um Recht nach Spanien. Um diesen Bemühungen der Partei Almagro’s,
besonders des eifrigen Diego de Alvarado entgegenzuwirken, ging
Hernando Pizarro 1539 selbst nach dem Mutterlande. Kurz nach seiner
Ankunft in Valladolid am Hofe starb dort Alvarado ganz plötzlich,
man sagte: durch Gift, welches Pizarro ihm beigebracht. Der Henker
Almagro’s fand keinen freundlichen Empfang, man beschuldigte ihn mit
Recht, daß er einen von der Krone eingesetzten Statthalter -- ob
aus eignem Antriebe oder durch seinen Bruder bestimmt, blieb dabei
unerörtert -- habe hinrichten lassen. Er wurde daher gefangen genommen
und blieb auf der Festung Medina del Campo bis 1560 eingesperrt, so daß
er alle seine Verwandten und auch -- seinen Ruhm überlebte.
Um die verwirrten und unerquicklichen Verhältnisse in Peru zu ordnen,
wurde der Rechtsgelehrte +Vaca de Castro+ entsendet als „königlicher
Richter“, oder, für den Fall, daß Francisco Pizarro bereits gestorben,
als königlicher Statthalter. Im Sommer 1541, während er noch auf der
Reise begriffen war und sich in Popoyan, nördlich von Quito (2½° n.
Br.), aufhielt, erreichte ihn schon die Nachricht, Francisco Pizarro
sei von seinen Gegnern ermordet. Die chilenische Partei hatte unter
Anführung des Juan de Herrada mit einer Anzahl von Verschworenen am
Sonntage den 26. Juni 1541, da Pizarro nicht zur Messe gegangen, den
Zugang zu seinem Palaste in Lima erzwungen und, wie der junge Almagro
behauptete, den Statthalter gefangen nehmen wollen, weil dieser in
gleicher Weise wie seinem Vater, auch ihm, nach dem Leben getrachtet
habe. Bei seiner Vertheidigung wurde Pizarro sammt seinem Bruder
Francisco Martin und seinem Pagen Tordoya getödtet, während das übrige
Gefolge floh. Er war 63 Jahre alt, als er zur Sühne für den an seinem
Genossen Almagro verübten Mord unter den Streichen der Verschworenen
fiel.[448] Wenn er auch Jahre lang sein Ziel, Peru zu erobern, kühn
und unbeugsam im Auge behielt und dabei eine erstaunliche Thatkraft
entfaltete, so läßt sich seinem Charakter doch keine sympathische
Seite abgewinnen. Ungebildet und gefühllos trat er Freund und Feind
nieder. Er hatte Cortes mehrfach als Vorbild genommen, so namentlich in
der Gefangennahme des Fürsten; auch war ihm die Eroberung des Landes
leichter geworden, als jenem, welcher zuerst mit einem amerikanischen
Kulturvolke rang, die Besiegung von Mexiko. Aber verglichen mit einem
Feldherrn und gebildeten Staatsmann wie Cortes erscheint Pizarro nur
als ein gemeiner Abenteurer, und zwar als der grausamste von allen,
welcher das eroberte Land ausplünderte und mit Blut überschwemmte und
den spanischen Namen für immer in Südamerika verhaßt machte.
Als Cristoval Vaca de Castro in Popayan das Schicksal Pizarro’s erfuhr,
nahm er, seiner Instruction gemäß, den Titel eines Statthalters an.
Zwar suchte der junge Almagro einen Vergleich herbeizuführen, wonach
ihm die seinem Vater zugewiesene südliche Hälfte des eroberten Reiches
überlassen werde; allein Vaca de Castro konnte, nach den Vorfällen in
Lima, darauf nicht eingehen. Er verlangte vielmehr, daß Almagro sich
unterwerfe, das Heer, welches er um sich gesammelt hatte, entlasse und
ihm, dem rechtmäßigen Statthalter, alle am Morde Pizarro’s betheiligten
Personen zur Bestrafung ausliefere. Almagro weigerte sich, und so
kam es am 16. September 1542 auf der Ebene von Chupas bei Guamango
(jetzt Ayacucho) zwischen Lima und Cuzco zum Entscheidungskampfe.
Castro’s Heer zählte 328 Reiter und 420 Fußgänger, Almagro stellte
dagegen 220 Reiter und 280 Fußgänger ins Feld.[449] Die chilenische
Partei wurde aufs Haupt geschlagen, Almagro floh nach Cuzco, wurde
aber bald ausgeliefert und enthauptet. Damit war auch das Loos seiner
Anhänger entschieden. Der Widerstand hörte auf, und die Parteigänger
Almagro’s unterwarfen sich. Der königlichen Autorität stand, als
Castro im Jahre 1544 durch den Vicekönig +Blasco Nuñez Vela+ ersetzt
wurde, nur noch der +letzte Bruder Pizarro’s, Gonzalo+, gegenüber,
welcher sich im nördlichen Theil des Reichs festgesetzt hatte und
sich nicht beugen wollte. Er war schon im Jahre 1540 zum Statthalter
von Quito gemacht und hatte mit einem Heere von 350 Spaniern und
4000 Indianern das Land besetzt. Von hier war er dann, angelockt von
dem fabelhaften Goldreichthum, welcher sich nach den Erzählungen
der Indianer in den östlichen Waldgebieten finden sollte, in der
Nähe des Aequators über die östlichen Anden gestiegen und an dem
Rio Napo abwärts vielleicht bis zu dem Katarakt del Cando in die
Urwälder eingedrungen, wo ihn die unwegsame Wildniß und Mangel an
Lebensmitteln in die äußerste Noth brachten. Hier beschloß er ein
Fahrzeug zu bauen, um die Truppen, wenigstens zum Theil, namentlich
die Kranken, und außerdem das Geschütz, zu Wasser weiter stromabwärts
befördern zu können. Zum Schiffscapitän wurde +Francisco de Orellana+
aus Trujillo gemacht. Landheer und Schiff rückten noch eine Zeitlang
neben einander den Strom hinunter, bis die zu Lande marschirenden
Soldaten durch den verschlungenen Urwald nicht mehr weiter konnten.
Dazu trat die Regenzeit ein, die Vorräthe waren erschöpft, alle
Pferde mußten geschlachtet werden. Das Heer machte Halt, Orellana
erhielt den Auftrag, mit dem Schiffe allein weiter zu gehen, um
Lebensmittel aufzutreiben; aber er kehrte nicht wieder zurück. Ueber
sein Schicksal wird das nächste Capitel berichten. Nachdem Pizarro
wochenlang vergebens gewartet hatte, mußte er endlich erfahren, daß
Orellana ihn im Stich gelassen und weiter gesegelt sei. Er mußte sich
daher entschließen, den Rückmarsch nach Quito anzutreten. Hunger und
Fieber hatten seine Mannschaft bereits decimirt. Unter den beständigen
Regengüssen war der Waldboden in Sümpfe verwandelt. Mit zerrissenen
Kleidern, abgezehrt, zum Tode erschöpft erreichten nur 80 Spanier das
Hochthal von Quito. Hier erfuhr Gonzalo, daß sein Bruder Francisco vor
Jahresfrist von Mörderhand gefallen und der junge Almagro die Gewalt an
sich gerissen hatte, daß aber Vaca de Castro bereits über Quito nach
dem Süden gezogen sei. Aus Haß gegen Almagro bot er dem königlichen
Statthalter seine Unterstützung gegen den Mörder seines Bruders an;
aber Castro lehnte dieselbe ab, um sich nicht, wenn die chilenische
Partei von der Anwesenheit eines Pizarro in seinem Lager erfahre,
jede Aussicht auf einen friedlichen Ausgleich mit den Almagristen zu
versperren. Aber diese Ablehnung seiner Hilfe verletzte Gonzalo aufs
tiefste, trotzdem begab er sich später, nach der Hinrichtung des jungen
Almagro mit einer Reiterschar zuerst nach Lima und dann auf den Befehl
Castro’s nach Cuzco, wo sich der königliche Statthalter befand. Er
hoffte noch, daß ihm, nach dem Tode seines Bruders und der Bewältigung
des Aufstandes der chilenischen Partei, die Statthalterwürde zufallen
werde. Das kluge Benehmen Castro’s bei dieser Zusammenkunft raubte ihm
aber jeden Grund zu einer Schilderhebung, und da dieser ihm empfahl,
seine Besitzungen im Charcasgebiete[450] in Frieden auszubeuten, so
begab er sich nach dem Süden, wo er die schon den Inkas bekannten
Silberminen mit großem Erfolg abbaute. Erst als Castro in der
Person des +Blasco Nuñez+ einen Nachfolger empfing, und dieser die
vermeintlichen Rechte der Spanier über die Indianer, welche sie als
ihre Hörigen behandelten, antastete, ging Gonzalo nach Cuzco, wo man
ihn an die Spitze der gegen den neuen Vicekönig gerichteten Bewegung
stellte und ihn ermächtigte, Truppen zusammenzuziehen. Dann rückte
er mit seiner Schar gegen Lima, wo Vasco Nuñez, der sich nirgend
Freunde zu gewinnen verstand, in einer Revolte der Stadtbevölkerung
mit seinen wenigen Getreuen ohne Blutvergießen gefangen genommen und
von den gegen ihn gesinnten königlichen Richtern bald darauf nach
Panama zurückgeschafft wurde. Am 28. October 1544 zog Gonzalo in Lima
ein und wurde zum Statthalter von Peru proclamirt. Der Vicekönig war
indes nicht nach Panama gelangt, sondern hatte Mittel gefunden, in
Tumbez wieder ans Land zu gehen, von wo er sich nach Quito begab, um
von hier aus sich mit Gewalt wieder in Besitz der ihm durch königliches
Mandat übertragenen Macht zu setzen. Gonzalo Pizarro verfolgte ihn bis
über Pastos hinaus, ohne ihn zu erreichen, wußte ihn dann aber durch
eine List bis in die Nähe von Quito zu locken, wo er ihn bei Añaquito
am 18. Januar 1546 besiegte. Vasco Nuñez fiel selbst im Kampfe. Dann
kehrte Pizarro nach Lima zurück und führte die unbestrittene Obergewalt
in Peru, bis König Karl den Geistlichen +Pedro de Gasca+ mit den
weitgehendsten Vollmachten nach Peru sandte. Ohne Heer und großes
Gefolge, in einfachem Priestergewande wußte sich der gewandte Mann
zunächst die Landung im Nombre de Dios und dann den Eintritt in Panama
zu ermöglichen, obwohl Pizarro beide Plätze durch seine Untergebenen
besetzt hielt und eine starke Flotte von mehr als 20 Schiffen im Hafen
von Panama lag. Er bezeichnete seine Sendung als eine friedliche und
richtete auch in diesem Sinne ein Schreiben an Pizarro, um ihn zu
bewegen, die Befehle seines Königs anzuerkennen. Dann gelang es ihm,
den Befehlshaber der Flotte, Hinojosa, einen eifrigen Parteigänger
Pizarro’s, zu gewinnen, die königliche Vollmacht anzuerkennen und
sich seinem Befehl zu unterwerfen. Im Besitz der Flotte begann de
Gasca nun Truppen auszuheben, um mit bewaffneter Macht in Peru zu
erscheinen. Vier Schiffe wurden voraufgeschickt, um allen Spaniern
in Peru, die zu ihrer Pflicht zurückkehrten, volle Verzeihung und
Sicherheit ihres Besitzes anzukündigen. Diese Proclamation lichtete die
Reihen der Anhänger Pizarro’s rasch, die Bewohner von Cuzco erklärten
sich für den König, und die wichtige Provinz Charcas ging gleichfalls
verloren. Gasca ging mit der Flotte nach Tumbez, während die vier
vorausgesendeten Schiffe in dem Hafen von Lima landeten und, da Pizarro
gegen Cuzco gezogen war, auch die neue Hauptstadt ohne Schwierigkeit
besetzten.
Zwar leuchtete dem letzten Pizarro noch einmal das Glück, da er in dem
blutigen Gefecht bei Huarina am Titicacasee am 26. October 1547 über
seine Gegner den Sieg gewann und noch einmal in Cuzco einzog, wo er
sich zum Entscheidungskampf rüstete, denn das Hauptheer Gasca’s befand
sich zu jener Zeit in Jauja und rückte erst im Frühjahr 1548, 2000 Mann
stark, gegen die altnationale Hauptstadt vor.
Vier Meilen von Cuzco in dem Thale von Xaquixaguana standen sich
beide Heere kampfbereit am 9. April 1548 gegenüber. Gasca hatte bis
zuletzt den Gegner aufgefordert, sich zu unterwerfen und die Gnade des
Königs anzunehmen; aber Pizarro hatte auf sein Glück bauend, das ihn
aus allen Kämpfen und Gefahren siegreich hatte hervorgehen lassen, den
Frieden abgewiesen, obwohl die Heeresmacht Gasca’s stärker war. Allein
in diesen Tagen verließ ihn das Glück, verließen ihn seine Freunde.
Vor Beginn der Schlacht gab der Anführer seines Fußvolks das Zeichen
zum Abfall, indem er zur königlichen Partei hinüberjagte. Ihm folgten
die Truppen zu Fuß und zu Roß, so daß Pizarro sich gefangen geben
mußte. Ihm und seinen entschiedensten Anhängern Francisco de Caravajal
und Juan de Costa wurde der Proceß gemacht, und sie büßten alle ihre
Rebellion mit dem Tode.[451] Gasca ordnete die Verhältnisse des Landes
einsichtsvoll und kehrte 1550 nach Spanien zurück.