7. Die Fahrt durch das westindische Meer.

Von S. Salvador steuerte Columbus nach Südwesten, berührte die

kleine Insel +Rum Cay+ und wandte sich von da nach dem Nordende von

+Long Island+, welche er S. Maria de la Concepcion nannte. Westlich

davon fand er die dritte Insel, +Groß Exuma+ und gab ihr den Namen

Fernandina, zu Ehren des Königs. Widrige Winde hinderten ihn, dieses

Eiland zu umsegeln, er kehrte nach Concepcion zurück und segelte, weil

die Indianer Samaot oder Saomet als eine Localität nannten, wo man Gold

finde, an der Ostseite von Long Island südwärts bis zum Cap Verde und

suchte von hier aus, wobei die Schiffe getrennt ihren eigenen Cours

gingen, ostwärts das Land Saomet auf. Nach drei Stunden Fahrt tauchte

eine neue Insel auf: es war das gesuchte Saomet, jetzt +Crooked Insel+,

an deren Nordwestende die Schiffe sich wieder vereinigten. Sie erhielt

den Namen Isabella, nach der Königin. Im Charakter glich dieselbe den

übrigen, war schön bewaldet und etwas hügelig. Während die Schiffe

an dieser Insel kreuzten, erhielt Columbus bestimmte Nachrichten von

einer großen Insel gegen Süden. Die Indianer nannten sie Colba (Cuba),

Columbus vermuthete, es sei Cipangu. So ging er am 24. October dahin

unter Segel und wollte von da direct nach Quinsay fahren, um dem

Großkaan die königlichen Briefe zu überreichen. Er war um so mehr

überzeugt, daß er die Wunderinsel Cipangu vor sich habe, weil dieselbe

auf den Globen, die er gesehen, und auf den Weltkarten in dieser Gegend

angegeben war.[212]

Zuerst ging die Fahrt nach Südwesten und dann, nachdem man am Abend

des 26. October auf den Untiefen der Columbusbank vor Anker gegangen

war, am folgenden Morgen südwärts. Bei Einbruch der Nacht wurde Land

gesehen; da aber der Regen in Strömen fiel, konnte man sich demselben

nur mit Vorsicht nähern. Am 28. October liefen die Schiffe in einen

prachtvollen Fluß an der Nordküste +Cubas+ ein, wahrscheinlich in

Port Nipe. Columbus strebte unaufhaltsam vorwärts; und wenn er auch

in begeisterten Worten die Pracht der entdeckten Inseln schildert, er

will doch nicht eher anhalten, als bis er in genügender Menge Gold und

Gewürze findet, um seine Schiffe damit zu befrachten, denn das ist

der einzige Zweck seiner Unternehmung. Auf Cuba entzückten ihn die

majestätischen Palmen, welche er von den afrikanischen verschieden

fand. Von den Indianern wurde ihm gesagt, man brauche zwanzig Tage,

um Cuba zu umschiffen. Es mußte demnach eine Insel sein. Als aber

der Capitän der Pinta die abweichende Ansicht äußerte, unter Cuba

müsse man eine Stadt verstehen, das vor ihnen liegende Land gehöre

zu Asien und das weiter westlich gelegene Gebiet gehöre bereits zum

Reiche des Großkaan, da ließ sich auch Columbus willig zu dieser

Auffassung, welche seinen Wünschen und Zielen so sehr entgegen kam,

bekehren und erklärte im Tagebuch bereits am 1. November: Cuba ist

das feste Land von Asien, wir befinden uns vor Quinsay und Zaiton in

einem Abstande von etwa 100 spanischen Meilen.[213] Martin Alonso, der

Führer der Pinta, war aber zu seiner irrigen Annahme durch ein Wort

der mitgenommenen Indianer verleitet, welche, als sie wiederholt die

Fundstätten von Gold nachweisen sollten, den Ausdruck ~Cuba-nacān~

gebrauchten, was in ihrer Sprache soviel als die Mitte von Cuba

bedeuten sollte, während die Spanier das Wort als „Kaan oder Can von

Cuba“ deuteten. Später brachte Columbus auch den Ausdruck Caniba,

mit dem die furchtsamen Stämme der kleinen Inseln ihre gefährlichen

Nachbarn, welche die erschlagenen Feinde verzehrten, mehrfach

bezeichneten, mit dem „Kaan“ in Zusammenhang und meinte, unter

Canibalen seien die Unterthanen des Großkaan zu verstehen.

In welchem Theile des indischen Meeres er damals sich zu befinden

glaubte, wird auch noch durch die befremdende Bemerkung des Tagebuches

genauer bestimmt, daß er noch keine +Sirenen+ gefunden habe. Es findet

sich nämlich auf dem Behaim’schen Globus zwischen den Inseln, welche

westlich von Cipangu gezeichnet sind, die Inschrift: „Hie findt man vil

merwunder von +serenen+ und anderen Fischen.“ Man darf wohl annehmen,

daß Behaim manche seiner Inschriften von anderen Karten, die ihm in

Portugal bekannt geworden waren, entlehnt hat, und daß dergleichen

Bemerkungen auf den Weltkarten zu lesen waren, welche der Entdecker

eingesehen hatte oder bei sich führte.

Nach allen diesen merkwürdigen Trugschlüssen scheint es nun ganz

natürlich, daß Columbus danach strebte, sich möglichst bald mit dem

Großkaan in Verbindung zu setzen. Daher schickte er bereits am 2.

November zwei Spanier ans Land: Rodrigo de Jerez und den gelehrten

Juden Louis de Torres, der Hebräisch, Chaldäisch und sogar etwas

Arabisch verstand. Zugleich sandte er mit ihnen zwei Indianer;

gemeinschaftlich sollten sie das Land ausforschen, dem König die Briefe

aus Spanien überreichen, und sich unterwegs nach Gewürzen erkundigen,

zu welchem Zwecke ihnen sogar Proben der verschiedensten Spezereien

mitgegeben wurden. An Stelle des Geldes erhielten sie Perlenschnüre, um

sich Lebensmittel dafür einzutauschen.

Am vierten Tage kamen diese Abgesandten wieder zurück und erzählten,

sie seien 12 Meilen zu einem Orte von 50 Häusern und etwa 1000

Einwohnern gekommen. Man hatte sie nach Landessitte feierlich empfangen

und in den besten Häusern untergebracht. Die Indianer küßten ihnen

Hände und Füße, weil sie die Fremdlinge für Sendboten des Himmels

hielten. Die Vornehmsten des Dorfes trugen sie auf ihren Armen zu dem

größten Gebäude und ließen sie niedersitzen; auch die Frauen erschienen

sodann und erwiesen ihnen gleiche Verehrung wie die Männer. Auf die

Frage nach Gewürzen, von denen man den Eingebornen die Proben vorlegte,

zeigten diese nach Süden, wo dergleichen Produkte gedeihen sollten. Bei

ihrer Wanderung durch das Land lernten die beiden Spanier auch zuerst

die Sitte des Rauchens kennen. Man nannte nicht das Kraut, sondern die

daraus gefertigten Rollen, welche man anzündete und deren Rauch man

einsog, ~tabaco~. Der Admiral fügte diesem Berichte die Hoffnung hinzu,

daß die spanischen Majestäten bald Geistliche herübersenden würden, um

die zahlreichen Völker zum rechten Glauben zu bekehren.

Am 12. November lichtete er die Anker, um seine Entdeckungsfahrt weiter

fortzusetzen. Mit günstigem Fahrwind steuerte er an der Nordküste Cubas

weiter gegen Nordwesten. Mit Entzücken spricht er von dem Reichthum an

Gold, Perlen und Spezereien und hofft bald die großen Städte des Kaans

zu erreichen. Da sich aber die Küste immer weiter gegen Nordwesten

zog, und Columbus fürchtete, in den Winter hineinzukommen (denn nach

einer ganz fehlerhaften Beobachtung glaubte er schon bis zur Breite

von Spanien, bis zum 42° n. Br. vorgedrungen zu sein), und da ferner

seine indianischen Begleiter wiederholt die Insel Babeque als besonders

goldreich nannten und behaupteten, dieselbe liege weiter nach Osten, so

ließ Columbus am 13. November die Schiffe wenden und wieder nach Osten

steuern. Er war etwa bis zum 77½° westlich von Greenwich gelangt.[214]

Am folgenden Tage (am 14. Nov.) glaubte er in der Nähe der zahllosen

Inseln sich zu befinden, welche auf den Weltkarten im äußersten Osten,

Asien vorgelagert, gezeichnet sind. Diese phantastische Inselwelt fand

sich also wahrscheinlich bei Toscanelli in ähnlicher Weise dargestellt,

wie auf dem Globus Behaims. Von diesen Vorstellungen war Columbus ganz

erfüllt und wie in einem Banne gefangen. Nie hat er sich von diesen

Anschauungen losmachen können und schloß dann später daraus, daß, da er

nach seiner Schätzung nicht so weit von den Canarien entfernt war, als

man nach der Darstellung der ihm vorliegenden Karten erwarten konnte,

die Erde einen geringeren Umfang besitze, als die Kosmographen auf die

Autorität der Alten hin allgemein annahmen.

Mit widrigen Winden kämpfend ging Columbus an der Nordseite Cubas

wieder zurück nach Osten. Als er am 21. November, nahe der östlichen

Spitze der Insel, sich genöthigt sah, die Küste zu verlassen und gegen

Nordosten weit ins Meer hinauszusteuern, so daß er bereits den halben

Weg nach der Bahama-Insel Isabella zurückgelegt hatte, entfernte sich

am Abend die Pinta heimlich von den andern Schiffen, um auf eigene Hand

das goldreiche Babeque aufzusuchen. Der Admiral selbst wandte sich

wieder nach Cuba zurück. Entzückt von der Schönheit dieses Theils der

Insel schrieb er am 27. November, tausend Zeugen genügten nicht, alle

die Herrlichkeiten zu preisen, und seine Hand sei nicht im Stand, die

Wunder, die ihn umgäben, zu beschreiben. In dem milden, lieblichen

Klima, welches von demjenigen an der Guineaküste durchaus verschieden

sei, befände sich die ganze Mannschaft wohl, nicht ein Einziger sei

krank. Aber, setzt er hinzu, die spanischen Majestäten dürften keinen

Menschen, der nicht gut katholisch sei, gestatten, dies Paradies zu

betreten. „Denn das ist das Ziel der Entdeckungen gewesen, die ich

auf Befehl Ew. Maj. gemacht habe, und die nur unternommen sind, den

christlichen Glauben zu verbreiten und zu verherrlichen.“

Am 5. December steuerte er von der Ostspitze Cubas, dem C. Maysi,

dem er den Namen Alpha und Omega gab, weil er dasselbe für den

äußersten Vorsprung Asiens hielt, nach Haiti hinüber und erreichte

die Nordwestspitze dieser Insel am folgenden Tage. Wegen der

Aehnlichkeit mit südspanischen Landschaften benannte der Entdecker

sie Espagnola.[215] Sie schien noch herrlicher als Cuba. „Ihre Berge

und Ebenen, ihre Auen und Fluren sind so schön und üppig. Hier könnte

man alle Feldfrüchte bauen, alle Arten Vieh züchten, Städte und

Dörfer gründen. Die Küste ist reich an Häfen; die Menge und Größe der

Flüsse, von denen die meisten Gold in ihrem Sande mit sich führen,

übertrifft alles.“ Acht Tage später glaubte er ganz nahe jener Gegend

zu sein, wo die Erde die größten Reichthümer birgt, und er hoffte,

daß Gott ihn bald in die ergiebigsten Goldfelder führen werde. Dieser

lebhafte Wunsch wird zum täglichen Gebet und Stoßseufzer. Möge der

Herr nach seiner Barmherzigkeit mich die Goldminen finden lassen! Die

letzten Tage der Fahrt waren sehr mühevoll gewesen, Columbus hatte

zwei Tage lang kein Auge zugethan. Da die See ruhig geworden, begab

er sich am Abend des 24. December, erschöpft von Anstrengungen, in

seine Cajüte, um auszuruhen. Er wußte das Steuer in sicherer Hand;

aber auch der Pilot hatte das Bedürfniß nach Ruhe empfunden und

unverantwortlicher Weise die Leitung des Fahrzeuges einem Schiffsjungen

überlassen. So kam es, daß kurz vor Mitternacht die Santa Maria auf

eine Untiefe gerieth und auf eine Sandbank stieß. Auf das Geschrei

des unerfahrenen Steuermanns eilte der Admiral sofort herbei, allein

das Schiff war nicht mehr zu retten. Die bestürzte Mannschaft wollte

sich zum Theil auf die nicht weit entfernte Niña retten, fand aber,

als sie mit dem Bote dort anlangte, mit Recht keine Aufnahme, denn

das Meer war vollkommen ruhig. Als nun aber bei zunehmender Ebbe das

Hauptschiff sich stark auf die Seite zu neigen begann, ließ Columbus

den Hauptmast kappen, um das Fahrzeug zu erleichtern; aber umsonst,

das Schiff neigte sich immer mehr und füllte sich mit Wasser. Da die

Windstille glücklicherweise anhielt, wurde mit Hilfe des Capitäns der

Niña, Vicente Yañez Pinzon, nicht nur die Mannschaft des gescheiterten

Schiffes gerettet, sondern am nächsten Tage ein großer Theil der Ladung

geborgen. Hierbei halfen auch zahlreiche Indianer, mit denen Columbus

bereits in freundschaftlichen Verkehr getreten war, und deren Häuptling

Guacanagari die geretteten Sachen bewachen ließ.

Der Admiral hielt den Schiffbruch für eine unmittelbare Fügung Gottes,

der ihn dadurch gleichsam auf die in der Nähe befindlichen, sehr

goldreichen Gebiete hinführen wolle.[216] In diesem Glauben wurde er

noch besonders durch den Namen einer Landschaft in Haiti bestärkt,

welche die Indianer Cibao nannten und welche Columbus, durch die

Aehnlichkeit des Klanges getäuscht, für Cipangu hielt. Da nun das

Volk sehr gutmüthig schien und viel Gold in der Nähe zu finden sein

sollte -- hatte man doch den Spaniern schon mancherlei goldenen

Zierat und dünne Goldblättchen gegeben --, da ferner der Boden des

Küstenlandes eine üppige Fruchtbarkeit zeigte, so beschloß Columbus

hier eine Colonie anzulegen, um so mehr, als in dem einzigen kleinen

Fahrzeuge, welches ihm noch geblieben war, die ganze Mannschaft nicht

untergebracht und nach Spanien zurückgeführt werden konnte. In diesem

Plane wurde er noch dadurch unterstützt, daß sich viele Matrosen

freiwillig erboten, zurückzubleiben, die sich schmeichelten, durch

einträglichen Tauschhandel ihre Goldgier in kurzer Frist befriedigen

zu können. So wurde auch der Admiral über den Verlust seines Schiffes

bald beruhigt und schrieb am zweiten Weihnachtstage: „Ich hoffe zu

Gott, daß ich bei meiner Zurückkunft von Castilien hieher eine Tonne

Goldes finden werde, welche die Hierbleibenden eingetauscht haben, und

daß diese inzwischen die Goldminen selbst und die Spezereien in solcher

Fülle entdeckt haben, daß, ehe drei Jahre vergehen, der König und die

Königin die Eroberung Jerusalems in Angriff nehmen können. Denn das

war -- ich bezeugte es vor Ew. Maj. -- mein Verlangen, durch meine

Unternehmung die Mittel zur Eroberung Jerusalems zu schaffen. Ew. Maj.

lachten darüber und sagten, daß ihnen das gefalle, daß sie aber auch

ohne dies bereit seien, die Entdeckungsfahrt zu unterstützen.“ Dies

sind, fügt Las Casas hinzu, die eigenen Worte des Columbus.[217]

In der neuen Colonie, welche den Namen Navidad (Weihnachten) erhielt,

blieben 39 Spanier zurück. Am 4. Januar 1493 nahm Columbus Abschied

und steuerte der Heimat zu. Zwei Tage darauf traf er zufällig wieder

mit der Pinta zusammen, welche seit jener Zeit, wo sie im November

sich getrennt, zuerst die Insel Groß-Inagua (nördl. von dem Canal,

welcher Cuba von Haiti trennt) und dann die östlichen Theile von Haiti

besucht hatte. Hier war sie dem Admiral zuvorgekommen und hatte viel

Gold eingetauscht, für ein Stück Schnur hatte Pinzon schöne, zwei

Finger lange, selbst handgroße Goldstufen erhalten.[218] Martin Alonso

kam zum Admiral an Bord der Niña und entschuldigte sich wegen seiner

Sonderfahrt, welche nur durch die ungünstigen Verhältnisse veranlaßt

und gegen seinen Willen geschehen sei. Columbus glaubte ihm zwar nicht,

aber er zeigte sich mit der Erklärung zufriedengestellt, „um den

Lockungen des Satans nicht nachzugeben, welcher diese Reise von Anfang

an zu hindern gesucht hatte“.

Von nun blieben beide Schiffe zusammen. Am 13. Januar fand der erste

blutige Zusammenstoß mit Indianern statt, bei welchem zwei derselben

schwer verwundet wurden. Am 16 Januar verließen sie bei dem Cap Samana

(19° 18′ n. Br., 69° 8′ w. L. Gr.) die Insel Haiti und steuerten über

den Ocean zurück. Die Fahrt ging bis zum 12. Februar ohne Unfall von

statten, aber in den folgenden Tagen überfiel sie ein heftiger Sturm.

Auf der Niña gelobte Columbus eine Walfahrt nach Loreto und Guadelupe,

je nachdem das Los einen von der Mannschaft dazu bestimmte; auch

verpflichteten sich alle, am nächsten Lande, wohin sie sich retten

würden, im Bußgewande eine Procession zu machen und der heiligen Mutter

ihr Dankgebet darzubringen. Als in der Nacht vom 13. zum 14. Februar

die Gefahr aufs höchste stieg, und die kleinen Fahrzeuge sich unter

der Wuth der Elemente kaum noch über Wasser hielten, so daß Columbus

das schlimmste fürchtete, traf er Vorkehrung, um womöglich wenigstens

eine Kunde seiner Entdeckungen nach Europa gelangen zu lassen und

ließ den auf Pergament geschriebenen Bericht seiner Reise sorgfältig

in Segeltuch einpacken und in einem wasserdichten Kistchen verwahrt

über Bord werfen, in der Hoffnung, daß die Wellen und die Strömung

die Botschaft irgendwohin ans Gestade tragen möchten. Am 15. Februar

kam die südöstlichste der Açoren, Sa. Maria, in Sicht, aber erst am

17. konnten sie landen. Die Hälfte der Mannschaft zog in Procession

zur Kapelle der Mutter Gottes, aber der portugiesische Gouverneur der

Insel Juan da Castañeda ließ sie während der Andacht überfallen und

gefangen nehmen. Erst nach Verlauf mehrerer Tage, während welcher das

Unwetter von neuem losbrach und auf der unsichern Rhede die Schiffe von

den Ankern riß, erhielt Columbus seine Leute zurück, nachdem er den

Abgesandten des Statthalters seine königlichen Vollmachten vorgezeigt

hatte, welche ihn zu seiner Reise autorisirten. Um sich weiteren

Unannehmlichkeiten zu entziehen, ging der Admiral am 24. wieder unter

Segel; aber am 3. März Abends brach ein so wüthender Orkan los, daß die

Schiffe von einander getrennt und der Segel beraubt ein willenloser

Spielball der aufgeregten Elemente wurden. Glücklicherweise beruhigte

sich die See am andern Morgen, je näher sie dem Lande kamen und zu

ihrem großen Entzücken erkannte die Mannschaft in der hochaufsteigenden

Küste das Cintragebirge an der Mündung des Tajo. Das Schiff des

Columbus gelangte glücklich in den Hafen von Lissabon, wo sich die

Kunde von der staunenswerthen Reise, welche durch das Erscheinen

der mitgenommenen Indianer beglaubigt wurde, rasch verbreitete und

gewaltiges Aufsehen machte. Das portugiesische Wachtschiff verlangte,

Columbus solle an Bord kommen und über sein Unternehmen Auskunft geben;

dieser aber, im Bewußtsein seines hohen Ranges als castilischer Admiral

lehnte die Forderung ab und sandte nur seine königlichen Vollmachten.

Sofort wurde dem Könige Johann II., welcher sich in Valdeparaiso bei

Santarem, oberhalb Lissabon am Tajo aufhielt, die Nachricht von dem

großen Ereigniß überbracht, und dieser lud den glücklichen Entdecker

ein, an den Hof zu kommen. In der am 9. März stattfindenden Audienz

wurde Columbus freundlich empfangen, wenn auch der König äußerte, daß

nach den wiederholten Schenkungen der Päpste und den Verträgen mit

Castilien die neuentdeckten Länder von Rechtswegen ihm gehören müßten.

Aus solchen Aeußerungen glaubten einige Hofleute entnehmen zu dürfen,

daß sie ihrem Könige einen großen Gefallen erwiesen, wenn sie den

Genuesen beseitigten. Sie erboten sich, mit demselben wie von ungefähr

Händel anzufangen und ihn zu tödten, um so die Entdeckung für immer zu

vernichten. Aber der König wies solches Ansinnen entschieden zurück

und entließ seinen Gast unter Gnadenbezeugungen. -- Columbus segelte

am 13. März von Lissabon ab und langte nach zwei Tagen glücklich an

der Barre von Saltes vor Palos an. An demselben Tage kam auch Alonso

Pinzon mit seinem Schiffe dahin zurück. Er war nach der Nordwestküste

Spaniens, nach Galicien verschlagen worden, hatte von dort aus die

erste Kunde der glücklichen Heimkehr an den König von Spanien gelangen

lassen und um Audienz gebeten, war aber dahin bedeutet worden, daß er

nur im Gefolge seines Admirals zu erscheinen habe. Diese Zurücksetzung

kränkte ihn so tief, daß er bald darauf starb. Unzweifelhaft war er

der bedeutendste unter den Begleitern des Columbus, was schon daraus

hervorgeht, daß er auf eigne Hand auf Entdeckungen ausging, indem er

sich von Columbus trennte, wenn auch nicht geleugnet werden darf,

daß er durch dieses eigenmächtige Verfahren den Erfolg der kühnen

Unternehmung im ganzen in Frage stellte. Erst später hat die spanische

Krone diese Verdienste anerkannt, indem sie die Nachkommen Alonso’s in

den Adelsstand erhob.

Unter dem Jubel des Volkes zog Columbus in Palos ein und ging von da

nach Sevilla. Durch Eilboten wurden die kgl. Majestäten, welche zu

jener Zeit in Barcelona Hof hielten, von der glücklichen Heimkehr und

dem glänzenden Erfolg der Expedition in Kenntniß gesetzt. Durch ein

königliches Schreiben vom 30. März wurde der Entdecker eingeladen

nach Barcelona zu kommen; zugleich wurde die Ausrüstung einer großen

Flotte nach dem Wunsche des Admirals angeordnet und ihm selbst die

Ertheilung der verheißenen Titel und Würden zugesagt. Mit allen

Kostbarkeiten und Merkwürdigkeiten Indiens, welche er auf seiner

Fahrt gesammelt hatte, und mit einigen der entführten Indier brach

Columbus von Sevilla auf und zog wie im Triumphzuge durch ganz Spanien.

Die Kunde von den unerhörten Entdeckungen flog durchs Land, überall

strömte das Volk zusammen, um den Bezwinger des Oceans zu sehen und

seine Wunderdinge anzustaunen. So zog er in der Mitte des April in

Barcelona ein.[219] Bei Hofe wurden ihm die höchsten Ehren zu Theil,

in öffentlicher Audienz lud man ihn ein sich zu setzen, was als die

höchste königliche Gnadenbezeugung galt,[220] und von seiner Fahrt

zu erzählen. Da Columbus gegen Ausgang und zum Schluß seiner Reise

zwei ziemlich gleichlautende Berichte in Briefform über den Erfolg

seiner Entdeckungsfahrt abgefaßt und dieselben, den einen „auf der

Höhe der Canarischen Inseln,“ am 15. Februar 1493 unter der Adresse

des Geheimsecretärs Luis de Sant-Angel[221] an den König und die

Königin gerichtet und den andern von Lissabon aus am 14. März an den

königlichen Schatzmeister Rafael Sanchez[222] gesandt hatte, und da in

diesen Schreiben der Gesammtgewinn der Unternehmung zusammengestellt

ist, so darf man wohl annehmen, daß der mündliche Bericht an die

Majestäten in ähnlicher Weise, wenn vielleicht auch in glühenderen

Farben und in wärmeren Worten erfolgt ist. Jedenfalls lernen wir aus

jenen Schreiben die Anschauungen und Hoffnungen des Admirals deutlich

erkennen. Daß er wirklich im indischen Meere gewesen, bezweifelt er

keinen Augenblick. Wenn auch die volkreichen Städte und Seeplätze

mit ihren Gewürzfrachten, die im äußersten Asien liegen, noch nicht

gefunden sind, so haben doch die großen neuentdeckten Inseln so viele

werthvolle Produkte, und verheißen in ihren goldführenden Flüssen eine

so reiche Ernte des edelsten Metalles, daß das zweite Ziel und die

zweite Aufgabe, welche der Entdecker sich gestellt hat, das heilige

Land wieder zu gewinnen, bald wird in Angriff genommen werden können.

So viel steht fest, daß die Zweifler und Spötter verstummen werden

„denn Gott hat auf so wunderbare Weise alles bestätigt, was ich

behauptet habe gegenüber den Meinungen hochgestellter, einflußreicher

Persönlichkeiten, welche meinen Plan für Träumerei und mein Vorhaben

für ein Hirngespinnst hielten“. „Aber daß dieses große Unternehmen

so glänzend verlaufen, ist nicht mein Verdienst, sondern dasselbe

gebührt dem heiligen katholischen Glauben und der Frömmigkeit unserer

Monarchen, weil, was der menschliche Geist nicht zu fassen vermag,

doch der göttliche Geist den Menschen gibt. Denn es erhört Gott die

Gebete seiner Diener, welche seine Gebote befolgen, auch dann, wenn

sie, wie in diesem Falle, Unmögliches zu bitten scheinen. So habe

auch ich Erfolg gehabt in meinem Unternehmen, welches bis jetzt

menschliche Kraft überstieg; denn wenn bisher einige über diese Inseln

geschrieben oder gesprochen haben, so geschah es doch nur in der Form

von Muthmaßungen, da noch niemand dieselben gesehen hatte, so daß das

ganze fast für Fabel gehalten wurde. Deshalb mögen nun der König und

die Königin, die Fürsten und ihre glücklichen Staaten, so wie alle

anderen Länder der Christenheit, wir alle, dem Erlöser unserm Herrn

Jesu Christo danken, daß er uns einen solchen Sieg verliehen hat. Es

mögen Processionen begangen und heilige Feste gefeiert, die Tempel mit

grünen Zweigen geschmückt werden. Christus mögen auf Erden jubeln,

wie im Himmel, wenn er so vieler Völker bis hieher verlorene Seelen

gerettet sieht. Auch wir wollen uns freuen über die Erhöhung unseres

Glaubens, über den Zuwachs an weltlichen Gütern, an denen in Zukunft

nicht blos Spanien, sondern die ganze Christenheit theilhaben wird.“

[Illustration: +Die erste Flugschrift, welche die Kunde von der

Entdeckung Amerikas brachte.+

Original im brit. Museum.

Ein Brief des Christoforus Colonus, dem unsere Zeit viel verdankt:

Von den neulich entdeckten Indischen Inseln jenseit des Ganges.

Um dieselben aufzusuchen war er acht Monate früher unter den

Auspicien und auf Kosten des unüberwindlichsten Königs Ferdinand von

Spanien ausgesendet. Der Brief ist an den Schatzmeister desselben

durchlauchtigsten Königs, an Raphael Sanxis gerichtet, und durch

den edlen und gelehrten Aliander de Cosco aus dem Spanischen ins

Lateinische übersetzt: am 29. April 1493 im ersten Jahre des Papstes

Alexander VI. (Gedruckt in Rom.)]

[Illustration: Titel des ersten deutschen Flugblattes, welches die

Entdeckung Amerikas meldet.]

[Illustration: Schluß des deutschen Flugblattes.

Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen · 第 82 / 123 题