Kapitel IV

Es war in der guten Stube mit den roten Plüschsesseln und den vielen

Nippsachen. Das Dämmerlicht war ein wenig bedrückend, weil die

gehäkelten Gardinen fast das Fenster deckten. Und die ganze Luft hatte

etwas Drückendes, denn Frau Henriette Asmussen war erregt. Sie saß auf

einem der roten Plüschsessel und sprach scharf, und die Worte fielen

wie das Hackmesser in der Küche. Aber Herr Asmussen ging lächelnd auf

und ab und pfiff zuweilen ein wenig. Das war schwer zu ertragen, denn

Frau Henriette war noch dazu müde. Sie hatte den ganzen Morgen in der

Küche gestanden, denn das Mädchen verwandte zu viel in der Wirtschaft,

und am Nachmittag hatte sie dem Kommis auf die Finger gepaßt.

Sie mochte das Getändel mit den Käufern und besonders den Käuferinnen

nicht leiden. Auf all so was mußte Frau Henriette achten, und in die

Bücher mußte sie sehen, denn den Männern war nirgends zu trauen.

Und nun war sie gereizt, weil sie müde war und Herr Asmussen wieder

ins Wirtshaus wollte; und der Lehnstuhl ächzte unter ihr. Aber Herr

Asmussen war gar nicht müde; denn er hatte nur morgens ein paar

Stunden mit seiner schweren, goldenen Uhrkette gespielt und ein paar

Kunden wohlwollend auf die Schulter geklopft. -- Jetzt aber hatte

er allerhand Neues gehört am Stammtisch; und seine Freunde hatten

bei Herrn Asmussens Reden zugehört, als würde ihnen aus der Zeitung

vorgelesen, mit andächtigem Kopfnicken. So etwas hatte Herr Asmussen

gern. -- Und darum lächelte er jetzt behaglich und pfiff leise vor sich

hin, bis Frau Henriette es nicht mehr aushielt und fast kreischend

auffuhr mit hellen, glitzerigen Augen, dunkelrot im Gesicht, daß der

gute Lehnstuhl fast umgeschlagen wäre.

Und derweilen saß mit traurig dunklen Augen der kleine Junge in der

Ecke beim Nippschrank und hörte zu.

Es war eine ganz neue Erfahrung in seinem Leben. Vater hatte wohl

einmal zornige Worte gebraucht, aber Mutter war dann nur noch leiser

geworden, und dann hatte Vater bald wieder gelacht. Und bei Großvater

waren sie alle still bis auf „Perle“ mit seinem Gekläff und manchmal

Peters lachendes Schwatzen.

Hier lag das Lärmen und Keifen in der Luft wie eine vibrierende Unruhe,

die den Menschen überall umzittert mit ödem Unbehagen. Selbst die

kleine Miete gehörte in die Unruhe hinein mit ihrem zappligen Bewegen

und ihrer schrillen Stimme. Und obgleich sie den stillen Vetter liebte,

war sie Lars doch kein rechter Trost.

Er begriff es immer noch nicht, daß sie ihn fortgegeben hatten. Er

wohnte nun in dem hohen Hause mit dem übelriechenden Laden, und nebenan

standen große steinerne Häuser.

Durch den Nebel: Roman · 第 52 / 90 题