Es war in der guten Stube mit den roten Plüschsesseln und den vielen
Nippsachen. Das Dämmerlicht war ein wenig bedrückend, weil die
gehäkelten Gardinen fast das Fenster deckten. Und die ganze Luft hatte
etwas Drückendes, denn Frau Henriette Asmussen war erregt. Sie saß auf
einem der roten Plüschsessel und sprach scharf, und die Worte fielen
wie das Hackmesser in der Küche. Aber Herr Asmussen ging lächelnd auf
und ab und pfiff zuweilen ein wenig. Das war schwer zu ertragen, denn
Frau Henriette war noch dazu müde. Sie hatte den ganzen Morgen in der
Küche gestanden, denn das Mädchen verwandte zu viel in der Wirtschaft,
und am Nachmittag hatte sie dem Kommis auf die Finger gepaßt.
Sie mochte das Getändel mit den Käufern und besonders den Käuferinnen
nicht leiden. Auf all so was mußte Frau Henriette achten, und in die
Bücher mußte sie sehen, denn den Männern war nirgends zu trauen.
Und nun war sie gereizt, weil sie müde war und Herr Asmussen wieder
ins Wirtshaus wollte; und der Lehnstuhl ächzte unter ihr. Aber Herr
Asmussen war gar nicht müde; denn er hatte nur morgens ein paar
Stunden mit seiner schweren, goldenen Uhrkette gespielt und ein paar
Kunden wohlwollend auf die Schulter geklopft. -- Jetzt aber hatte
er allerhand Neues gehört am Stammtisch; und seine Freunde hatten
bei Herrn Asmussens Reden zugehört, als würde ihnen aus der Zeitung
vorgelesen, mit andächtigem Kopfnicken. So etwas hatte Herr Asmussen
gern. -- Und darum lächelte er jetzt behaglich und pfiff leise vor sich
hin, bis Frau Henriette es nicht mehr aushielt und fast kreischend
auffuhr mit hellen, glitzerigen Augen, dunkelrot im Gesicht, daß der
gute Lehnstuhl fast umgeschlagen wäre.
Und derweilen saß mit traurig dunklen Augen der kleine Junge in der
Ecke beim Nippschrank und hörte zu.
Es war eine ganz neue Erfahrung in seinem Leben. Vater hatte wohl
einmal zornige Worte gebraucht, aber Mutter war dann nur noch leiser
geworden, und dann hatte Vater bald wieder gelacht. Und bei Großvater
waren sie alle still bis auf „Perle“ mit seinem Gekläff und manchmal
Peters lachendes Schwatzen.
Hier lag das Lärmen und Keifen in der Luft wie eine vibrierende Unruhe,
die den Menschen überall umzittert mit ödem Unbehagen. Selbst die
kleine Miete gehörte in die Unruhe hinein mit ihrem zappligen Bewegen
und ihrer schrillen Stimme. Und obgleich sie den stillen Vetter liebte,
war sie Lars doch kein rechter Trost.
Er begriff es immer noch nicht, daß sie ihn fortgegeben hatten. Er
wohnte nun in dem hohen Hause mit dem übelriechenden Laden, und nebenan
standen große steinerne Häuser.