Offizinell scheint der Aronstab – außer bei der Homöopathie

Anmerkungen zur Transkription

Das Original ist in Fraktur gesetzt. Im Original gesperrter

oder kursiver Text ist _so ausgezeichnet_. Im Original in

Antiqua gesetzter Text ist ~so markiert~. Im Original fetter

Text ist =so dargestellt=.

Weitere Anmerkungen zur Transkription befinden sich am Ende des

Buches.

Landesverein Sächsischer

Heimatschutz

Dresden

Mitteilungen

Heft

5 bis 6

Monatsschrift für Heimatschutz, Volkskunde und Denkmalpflege

Band XV

_Inhalt_: Der Schellerhauer Pflanzengarten – Floristisches aus

dem Triebischtale – Am Grabe des Marienberger Silberbergbaues

– Der alte Schrank – Wappen der Stadt Kamenz – Ein Beitrag

zur Frage der Steinkreuze – Schwarzenberger Edelweiß – Die

höheren Pilze der Dresdner Heide – Der Friedhof in der Dresdner

Gartenbauausstellung – Bücherbesprechungen: Die Wenden –

Sächsische Sagen – Sächsisches Lachen – Heimat

Einzelpreis dieses Heftes 3 Reichsmark

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Dresden 1926

_Wir bitten höflichst, die Beitragszahlungen zu bewirken._

Die Mitglieder des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz erhalten

gegen Vorzeigung eines Ausweises durch unsere =Geschäftsstelle

Dresden-A., Schießgasse 24=

für die Gartenbauausstellung

Eintrittskarten zu M. —.90 (sonst M. 1.50)

für den Zoologischen Garten

Eintrittskarten zu M. —.60 (sonst M. 1.—)

Unsere Geschäftsstelle Dresden-A., Schießgasse 24, ist

=wochentags von 8–7 Uhr= (durchgehend),

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für den Kartenverkauf geöffnet.

Anmerkung: Wegen der Weiterlieferung der Schrift

»Bauberatung«

(zu vergleichen die zweite Umschlagseite Heft 1/2 dieses Jahres)

=berichten wir im Heft 7/8, Band XV=, da noch immer Bestellungen

eingehen, die zur Gewinnung eines Gesamtüberblickes berücksichtigt

werden müssen.

Band XV Heft 5/6 1926

[Illustration: Landesverein Sächsischer Heimatschutz Dresden]

Die Mitteilungen des Vereins werden in Bänden zu 12 Nummern

herausgegeben

Abgeschlossen am 31. Juli 1926

Der Schellerhauer Pflanzengarten

Von _Josef Ostermaier_, Dresden-Blasewitz

Mit Aufnahmen des Verfassers

Wie viele Tausende sind daran schon vorbeigegangen, ohne zu ahnen,

welche Pflanzenschätze hier verborgen sind, in dem Heim, das sich der

verstorbene frühere Inspektor des Botanischen Gartens in Dresden, G. A.

Poscharsky, nach seinem Abgang 1906 dort geschaffen hatte.

In mehreren Felsengruppen hat derselbe dort die wichtigsten und

schönsten Alpenpflanzen angesiedelt und kultiviert, die bei den

ihnen dort außerordentlich zusagenden klimatischen Verhältnissen zu

prächtiger Entwicklung und Blüte gelangten, wie man sie in botanischen

Gärten und alpinen Anlagen des Tieflandes vergeblich suchen würde.

Wieder einmal war unser Heimatschutz der rettende Engel, der diese

Stätte vor dem Verfall und der Auflösung bewahrt hat. Nachdem das

Poscharskysche Grundstück in den Besitz des Staates übergegangen war,

ward der Pflanzengarten an den Tharandter Forstgarten und weiterhin,

nach Berufung des Professors Dr. Neger an die Technische Hochschule zu

Dresden, als »Alpenpflanzen-Anzuchtstation« an den Botanischen Garten

zu Dresden angeschlossen. In der Zeit höchster wirtschaftlicher Not

versiegten die Mittel zur Unterhaltung, der Garten blieb länger als

ein Jahr ohne Pflege und verfiel mehr und mehr.

Da hat denn noch zur rechten Zeit der Sächsische Heimatschutz

eingegriffen, dem das Finanzministerium dankenswerterweise

vertragsmäßig die Verfügung über den Garten zu Heimatschutzzwecken

überlassen hat.

[Illustration: Abb. 1. =Alpenanemone= (~Anemone alpina~)]

Ein staatlicher Forstwart und seine Frau sorgen für die nötige

Beaufsichtigung und Ordnung in demselben, während ein Mitglied

unserer Naturschutzabteilung in anerkennenswertester Weise die

wissenschaftliche Leitung und Beaufsichtigung des Unternehmens

übernommen hat. Seine Hand macht sich schon allenthalben fühlbar, so

z. B. in der Neuanlage mehrerer Felsengruppen, in der systematischen

Ordnung und Umpflanzung der vorhandenen Pflanzenbestände und deren

Bereicherung durch Neuerwerbungen. Unter seiner Leitung sind Anlagen

geschaffen worden, die vor allem dem Gedanken des Naturschutzes

Rechnung tragen sollen. Außer zwei Quartieren mit weit über

hundert wildwachsenden, besonders charakteristischen und deshalb

schätzenswerten Pflanzen des Gebirges und des Hügellandes gibt es ein

Beet mit den gesetzlich geschützten Pflanzen. Eine Zusammenstellung

der schönsten und auffallendsten Pflanzen unserer europäischen Alpen

wird besonders den Alpenwanderern willkommen sein. Zur Bereicherung des

Gartens mit neuen Pflanzen haben der Dresdener Botanische Garten und

der Dresdener Zentralschulgarten das meiste beigetragen. Vieles ist aus

nahen und fernen Pflanzengebieten des Landes herbeigeholt worden.

[Illustration: Abb. 2. =Blagays Seidelbast= (~Daphne Blagayana~)]

Man muß die Bemühungen unseres Pflanzengartenvaters um so höher

einschätzen, als die Anlage eineinhalb Stunden Wegs von den nächsten

Bahnstationen – Kipsdorf oder Altenberg – entfernt ist und deren

Erreichung mit erheblichem Zeitaufwand und auch körperlicher

Anstrengung verknüpft ist. Es scheint aber dem Verwalter, der selbst

ein Freund und Kenner der Alpenflora ist, eine besondere Freude zu

bereiten, hier seine Lieblinge aus den Alpen zu hegen und zu pflegen

und auch weiteren Kreisen zu genußreicher Anschauung zu bringen. Wirken

diese Kinder Floras ja hier in der Höhe von siebenhundert Metern in der

reinen Gebirgsluft und dem strahlenden Sonnenschein, in der ernsten,

schon fast subalpinen Charakter tragenden Landschaft doch auch ganz

anders, als inmitten der großstädtischen Umgebung unserer botanischen

Gärten.

Aber nicht allein vom ästhetischen Standpunkte ist die Angelegenheit

zu betrachten. Derselben kommt auch eine nicht unerhebliche

wirtschaftliche Bedeutung zu. Zunächst können hier Alpenpflanzen

in größerem Maßstabe gezüchtet und vermehrt, Pflanzen und Samen

an Interessenten käuflich abgegeben werden, was auch ganz in den

Rahmen der Heimatschutzbestrebungen paßt, um damit dem Ausgraben

wildwachsender Pflanzen entgegenzutreten, was überdies auch nach den in

den verschiedenen Alpenländern bestehenden Schutzvorschriften verboten

ist.

[Illustration: Abb. 3. =Krainer Himmelschlüssel= (~Primula Carniolica

Jacq.~)]

Man wird hier auch in einer eventuell noch anzugliedernden besonderen

Abteilung Versuche mit der Züchtung von Obst, Gemüse, Blumen usw.

machen können, um für solche Höhenlagen geeignete Sorten ausfindig zu

machen oder heranzüchten zu können, was gerade für unser Erzgebirge

und Vogtland von großer Bedeutung werden könnte. Das ist natürlich

Zukunftsmusik und bedarf noch erheblicher Mittel und sachkundiger

Leitung.

[Illustration: Abb. 4. =Wulfens Himmelschlüssel= (~Primula Wulfenia

Schott~)]

Zunächst freuen wir uns der farbenfrohen Erscheinungen unserer

Alpenpflanzen, die hier in einer Höhenlage, die in klimatischer

Beziehung einer solchen von fünfzehnhundert bis eintausendachthundert

Metern in den Alpen entspricht, ganz prächtig gedeihen.

[Illustration: Abb. 5. =Clusins Himmelschlüssel= (~Primula Clusiana

Tausch~)]

_Edelweiß_ z. B., das im Tieflande sofort degeneriert und seine

schneeige Behaarung verliert, leuchtet uns hier mit seinen

blütenweißen Sternen wie in den Alpen entgegen. _Alpenrosen_, sowohl

die rostfarbige, wie auch die rauhhaarige Art, bilden große, purpurn

leuchtende Büsche. Dazwischen stehen _Gentianen_ in verschiedenen

großen und kleinen Arten, die _Alpenrebe_ entfaltet an dichten Ranken

ihre zahlreichen violetten Glocken, auch die _Alpenanemone_, die ich

noch selten in botanischen Gärten blühend angetroffen habe, gedeiht in

dieser Höhe ganz prächtig, und von halbmeterhohen Stengeln leuchten uns

die weißen Blütensterne und Büschel der narzissenblütigen Alpenrose

schon von Weitem entgegen.

[Illustration: Abb. 6. =Klebriger Himmelschlüssel= (~Primula hirsuta

All.~ = ~P. viscosa Vill.~)]

Aber was mich am meisten entzückt hat, das war bei meinem letzten

Besuche am 28. April der geradezu staunenswerte Blütenflor der

alpinen _Primeln_. Diese scheinen sich dort oben ganz besonders

wohl zu fühlen, und ich habe sie noch nie in botanischen Gärten in

so üppiger Entwicklung gesehen wie hier. Von unserer geschützten

gelben Alpen-Aurikel (~Primula auricula~) angefangen, waren so

ziemlich alle wichtigeren Aurikelarten unserer Alpen vertreten: Die

prächtige _~Primula marginata~_ der Seealpen, die _~Primula hirsuta

All.~_ der West- und Zentralalpen, die schöne _~Pr. venusta~_, die

_~Pr. Clusiana~_, _~Wulfeniana~_ und _~carniolica~_ der Ostalpen

und südlichen Kalkalpen neben dem Habmichlieb (~Pr. minima~) des

Riesengebirges und verschiedene ausländische Arten. Dazwischen duftete

aus einer üppigen Blütenfülle der _gelbweiße Seidelbast_ (~Daphne

Blagayana~) aus den Krainer Bergen und leuchteten die zierlichen

Blütensterne der _rautenförmigen Schmuckblume_ (~Callianthemum

rutifolium~) neben gelben und weißen _Steinbrecharten_, _lieblichen

Soldanellen_, _rosenroten Mannsschilden_, _Gemskresse_ und anderen

alpinen Gewächsen. Auch Orchideen, vor allem unser schöner – in Sachsen

leider ausgestorbener – _Frauenschuh_, sind zu schauen.

So kann man diesem jüngsten Pflegekinde unseres rührigen Heimatschutzes

nur bestes Gedeihen und recht zahlreichen Besuch wünschen.

Floristisches aus dem Triebischtale

Von Studienrat Prof. _O. Leonhardt_, Nossen

Mit Aufnahmen von Josef Ostermaier, Dresden-Blasewitz

Das an landschaftlichen Schönheiten reiche Triebischtal besitzt auch

eine ganze Reihe botanischer Seltenheiten. An einem steilen Hange, wo

eine schmale Bank silurischen Kalkes von kulmischen und devonischen

Ablagerungen umschlossen wird, findet sich die in Abbildung 1

dargestellte =stinkende Nieswurz= (~Helleborus foetidus L.~), eine

zur Familie der Hahnenfußgewächse gehörende Giftpflanze. In den

alten Auflagen der »Exkursionsflora für das Königreich Sachsen« von

Wünsche, sollte diese seltene Pflanze »aus Dorfgärten verwildert« an

der Schloßmauer des Rittergutes Schilbach bei Schöneck i. V. wachsen.

Trotzdem ich als Schönecker Kind die Gegend genau kenne, ist es mir nie

gelungen, die Pflanze dort aufzufinden. Es lag sicher ein Irrtum vor,

eine Verwechselung mit der grünen Nieswurz (~Helleborus viridis L.~),

welche in den vogtländischen Bauerngärten hin und wieder als Frühblüher

anzutreffen ist. Groß war daher meine Freude, der Langgesuchten im

Triebischtale zu begegnen. Da ein sicher nachgewiesener Standort

aus Sachsen nicht bekannt war, vermutete ich zunächst einen

Gartenflüchtling vor mir zu haben. Angestellte Untersuchungen und

Nachfragen bei den Ortseingesessenen sowie genaue Beobachtung der

Pflanze seit drei Jahrzehnten brachten mir die Überzeugung, daß wir

es hier mit einem ursprünglichen Standort zu tun haben. Für solche,

nur einer bestimmten Gegend eigentümliche Pflanzen (endemische)

gibt es ja außerordentlich viele Beispiele. Ich erinnere nur an den

zierlichen im Uttewalder Grund vorkommenden Hautfarn (~Hymenophyllum

Tunbrigense L.~), welcher sich dann erst wieder in Luxemburg, auf den

Britischen Inseln, auf Korsika, Madeira, in Südafrika, Australien und

Polynesien findet. Herrn G. Zieschang in Kaufbach ist es nach einer

mir brieflich zugegangenen Mitteilung geglückt, in diesem Jahre einen

zweiten Standort der stinkenden Nieswurz im Triebischtale aufzufinden.

Die Besiedelung dieses neuen Ortes ist sicher von dem erstentdeckten

Standorte aus erfolgt und es ist nur zu wünschen, daß die Pflanze sich

dort hält. Herr Zieschang hat die Nieswurz bereits 1911 photographiert

und ein Bild samt Beschreibung in der Heimatsammlung Wilsdruff

niedergelegt. Auch er ist der Meinung, daß ~Helleborus~ hier seine

Heimat hat. Die stinkende Nieswurz findet sich in Portugal, Spanien,

Italien, England, Schottland, der Schweiz, in Steiermark, Tirol und

im südwestlichen Deutschland, besonders im oberen Rheintal. Von dort

aus hat sie sich bis nach Holland verbreitet und ist auch in einige

Nebentäler des Rheines eingedrungen.

[Illustration: Abb. 1. =Stinkende Nieswurz= (~Helleborus foetidus L.~)]

Da sich in den Floren meist nur eine kurze Diagnose findet, will ich

in folgendem eine etwas ausführlichere Beschreibung der Pflanze geben.

Die stinkende Nieswurz, auch Bärenfuß, Feuerwurz, Teufelskraut oder

Wolfszahn genannt, besitzt einen bis zu fünfundzwanzig Zentimeter

langen spindelförmigen, ästigen, schwarzbraunen, im Alter vielköpfigen

Wurzelstock, welcher mit vielen starken und ästigen Fasern versehen

ist. Der bis zu sechzig Zentimeter hohe dicke, stielrunde, kahle und

dicht beblätterte Stengel ist nach oben rispig verästelt und daselbst

kurz drüsenhaarig. Bemerkenswert ist die transversal geotropische

Anpassung der Stengel an den steilen Standort. (Abb. Nr. 2.) Auf

_ebenem_ Boden gezogene Pflanzen behalten sogar diese Eigentümlichkeit

bei, und manche Botaniker wollen darin eine »Vererbung erworbener

Eigenschaften« erblicken. Die nicht blühenden Stengel sind samt den

Blättern ausdauernd. Die unteren Stengelblätter sind langgestielt,

lederartig, starr, kahl, oberseits dunkelgrün, auf der Rückseite etwas

bleicher und bestehen aus sieben bis neun schmallanzettlichen spitzigen

Blättchen. An den blütentragenden Stengeln finden sich gleich über dem

Erdboden einzelne Seitenäste, welche sich in Wurzelköpfe und später in

blühende Stengel umwandeln. Die oberen Blätter der blühenden Pflanzen

bestehen nur aus einigen schmalen kleinen Zipfeln, welche auf großen

elliptischen Scheiden sitzen und allmählich an den Verzweigungen der

Rispe in große, eiförmige, bleichgelbgrüne Deckblätter übergehen.

Die unscheinbaren _Blüten_ sind klein, nickend, grün und gewöhnlich

purpurrot gesäumt. An Schönheit des Aussehens kann sich die stinkende

Nieswurz mit ihren Schwestern, der bekannten Christrose mit rein

weißen Blüten (~Helleborus niger L.~), der in Dorfgärten öfters

anzutreffenden grünen Nieswurz (~Helleborus viridis L.~), der in

den Transsilvanischen Alpen heimischen, prächtigen, purpurrötlichen

Nieswurz (~Helleborus purpurascens W~ u. ~K~) oder gar mit den in

großen Gärtnereien gezüchteten hybriden Formen – durchaus nicht

messen. Alle Nieswurzarten besitzen innerhalb ihrer fünf bis sieben

Blütenblätter große tütenförmige Nektarien. Die reifen Pollenblätter

wenden sich nun immer so, daß sie direkt über das Honigmal zu liegen

kommen, so daß jedes naschende Insekt unbedingt die Staubbeutel

streifen und so für Fremdbestäubung sorgen muß. Die breit rundlich

abgestutzten _Kelchblätter_ erscheinen gelblichgrün, die _Staubgefäße_

erreichen ziemlich die Länge der Kelchblätter. Die stinkende Nieswurz

steht Ende März in voller Blüte, ich fand aber auch bereits im Februar

blühende Pflanzen. Ihren Beinamen trägt unsere Pflanze deshalb, weil

Wurzel und Blätter einen unangenehm stinkenden Geruch besitzen. In der

Apotheke dürfte ~Helleborus foetidus~ kaum noch Verwendung finden.

Früher lieferte er die ~Rhizoma Hellebori foetidi seu Helleborastri~.

In Süddeutschland soll der Absud der Wurzeln und Blätter vom Volke

heute noch als Mittel gegen Läuse gebraucht werden. Das in der Pflanze

enthaltene Gift, ~Helleborin~ genannt, erzeugt starke Reizung der

Schleimhäute, ruft Erbrechen und Durchfall hervor und wirkt lähmend.

In einem alten Kräuterbuch aus dem Jahre 1711 heißt es sogar von

unsrer Pflanze: »Dieweil sie giftig, werden die Wölf und Füchs damit

gefangen«. Nach meinen Beobachtungen hat sich unsre Nieswurz in den

letzten Jahrzehnten ständig vermehrt, so daß man wohl erwarten darf,

daß dieses seltne Naturdenkmal unsrer Heimat noch auf lange Zeit

erhalten bleiben wird.

[Illustration: Abb. 2. =Stinkende Nieswurz= (~Helleborus foetidus L.~)]

An derselben Stelle, wo ~Helleborus foetidus~ vorkommt, findet sich

noch eine zweite botanische Seltenheit, das =Liegende Seifenkraut=

(~=Saponaria ocimoides L.=~) Abbildung 3. Das niederliegende

(richtiger: Basilikum ähnliche) Seifenkraut gehört einer Unterabteilung

der Nelkengewächse (~Caryophyllaceen~) den ~Silenoideen~ an. Es

ist eine Verwandte des bekannten echten Seifenkrautes (~Saponaria

officinalis L.~), welches sich von Vorderasien aus über ganz Europa

erstreckt, ziemlich große weiße oder rötliche Blüten besitzt,

vielfach gefüllt – in Gärten und Friedhöfen angepflanzt und daraus

verwildert ist und in seiner Wurzel uns das auch zu technischen

Zwecken benützte ~Saponin~ liefert. Unser niederliegendes Seifenkraut,

welches sich unter ähnlichen Verhältnissen auch bei Pillnitz findet,

wurde schon vor zwanzig Jahren an dieser Stelle des Triebischtales

beobachtet. Es ist eine ausgesprochene Alpenpflanze, welche in ihrer

Heimat bis zu einer Höhe von zweitausend Metern emporsteigt und ihre

nördlichste Grenze am Bodensee erreicht. Das reizende Pflänzchen

besitzt wohlriechende rote, manchmal auch weißliche Blüten, ist in

Gärten Rothschönbergs und der andern umliegenden Dörfer angepflanzt

und als Gartenflüchtling dahin gelangt. Nach Kerner von Marilaun ist

es ein bodenlagerndes ausdauerndes Gewächs, d. h. der ganze liegende

Mittelstamm stirbt alljährlich am Schlusse der Vegetationsperiode

mit all seinen Verzweigungen ab. Es besitzt dafür unterirdisch

ausdauernde Niederblattstämme, aus denen in jedem Frühjahr neu

belaubte Mittelblattstämme emporgetrieben werden, die sich – sobald

das Sonnenlicht erreicht ist, sofort auf die Erdoberfläche hinlegen

und ihre grünen Blättchen in zwei oder drei Zeilen ordnen. Daher

ist im zeitigen Frühjahr von der Pflanze noch gar nichts zu sehen.

Auffallend ist, daß in dem von Prof. Schorler herausgegebenen »Wünsche,

die Pflanzen Sachsens« unser Seifenkraut nicht mit aufgenommen ist,

obgleich der Standort – wie ich bestimmt weiß – meinem verstorbenen

Freunde mitgeteilt war und er das Pillnitzer Vorkommen doch sicher auch

kannte. Viele deutsche Floren führen ~Sap. ocim.~ nicht auf, wohl aber

tut es Garcke, welcher »bei Lindau am Seeufer« und »am Mittenwalder

Gsteig« als Fundstellen angibt. Wie alle andern Artgenossen ist auch

unsere Pflanze eine Falterblume. Françé behauptet sogar, daß gerade

~Sap. ocim.~ sich durch _außerordentlichen_ Falterbesuch auszeichnet;

besonders gerne soll der Taubenschwanz oder Karpfenkopf (~Macroglossa

stellatarum L.~), ein mittelgroßer, ziemlich dunkel gefärbter, im

Sonnenschein fliegender Schwärmer ständiger Gast sein. Ein erst

kürzlich ausgeführter Besuch dieses interessanten Standortes bestätigte

mir aufs neue, daß ~Sap.~ leider wieder im Verschwinden begriffen ist.

Während noch vor fünf Jahren der Hang zur Blütezeit vollständig rot

überzogen war, finden sich jetzt nur noch einzelne Pflänzchen.

[Illustration: Abb. 3. =Liegendes Seifenkraut= (~Saponaria ocimoides

L.~)]

Weiter oben im Triebischtale steht, wie auch in anderen Seitentälern

und feuchten Gründen unseres Elbgeländes der =Aronstab= (=~Arum

maculatum L.~=), Abbildung 4, auch Aronskindlein, Eselsohren, Freßwurz,

Zehrwurz, Pfaffenkind, Veronikawurz genannt. Ich kenne den Aronstab aus

vielen Gegenden Sachsens, nirgends aber ist er mir in solcher Menge und

in solchen Riesenexemplaren entgegengetreten wie hier. Der Aronstab

macht den Eindruck eines Fremdlings in unserer Flora, und namentlich

die Blüten haben zu allen Zeiten die Aufmerksamkeit der Leute erregt.

Er gehört den Aronstabgewächsen (~Aroideen~) an, und in der Tat sind

von zirka achthundert bekannten Arten dieser Familie über neunzig

Prozent in den Tropen heimisch. In Sachsen finden sich nur noch zwei

Vertreter dieser Familie, die Schlangenwurz (~Calla palustris L.~),

welche ich in den Teichen bei Kirchberg und Pausa beobachtet habe und

der im 16. Jahrhundert erst aus Südasien eingeführte Kalmus (~Acorus

Calamus L.~). Der Aronstab ist ein Bewohner feuchter Laubwälder,

erscheint im zeitigen Frühling, und seine großen pfeilförmigen dünnen

Blätter sagen uns, daß wir es mit einer Schattenpflanze zu tun haben,

welche mit dem geringen ihr zur Verfügung stehenden Licht sehr sparsam

umgehen muß. Die Blätter sind öfters mit dunklen Flecken (Wärmeschutz)

versehen und werden von allen Tieren gemieden. Nur die Raupe der

Aron-Eule (~Agrotis Janthina Esp.~) nährt sich von ihnen mit besonderer

Vorliebe und nur nebenbei von Nessel- und Schlüsselblumengewächsen.

Kaut man ein Stück des Blattes, so »zwackt es die Zungen, gleich als

steche man sie mit den allerfeinsten Dörnern«. Dieses »Zwacken« rührt

von Bündeln feiner, aus oxalsaurem Kalk bestehender Kristalle her,

welche als Raphiden bezeichnet werden und ein unfehlbares Schutzmittel

gegen Tierfraß darstellen. Ganz fremdartig erscheint uns auch die

Blüte, welche botanisch richtiger als Blütenstand anzusprechen ist.

Die große tütenförmige, von einem grünlichweißen Hüllblatt gebildete

Scheide ist in geringer Höhe über dem Grunde stark eingeschnürt, so

daß unten eine kesselartige Erweiterung entsteht. In der Scheide

befindet sich eine Spindel, welche oben keulig verdickt ist und eine

trübpurpurne Farbe und einen widerlich fauligen Geruch besitzt.

Darunter an der Einschnürstelle sitzt ein Kranz abwärts gerichteter

starker Fäden, die Haarreuse, unter ihr ein zweiter Kranz von

Staubblüten und darunter die Stempelblüten, aus welchen sich zur Zeit

der Fruchtreife rote giftige Beeren entwickeln. Da die Staubgefäße

erst stäuben, wenn die Narben bereits verschrumpft sind, die Pflanze

also protogyn ist, kann nur Fremdbestäubung möglich sein. Diese

besorgen vor allen Dingen der Gattung ~Psychoda~ angehörige Mücken,

insbesondere die ~Psychoda phalaenoides L.~ Viertausend dieser kleinen

Tierchen sind bereits auf einmal in _einer_ Blüte gezählt worden. Wie

es scheint, sind es aber nicht nur Blütenstaub und Nektar, welche

diese Tierchen anlocken, sondern es ist noch etwas anderes. Zur

Blütezeit des Aronstabes sind die Nächte teilweise noch recht kalt.

Wenn die Insekten nun in den Kessel kriechen, so finden sie neben den

Nahrungsstoffen auch noch eine recht hübsch eingerichtete Wärmstube

vor. Genaue Messungen haben ergeben, daß die Temperatur im Kessel um

durchschnittlich acht Grad höher ist, als die Außentemperatur. Bei

einer unserm Aronstab äußerlich sehr ähnlichen Art Südeuropas (~Arum

italicum L.~) sind bei einer Lufttemperatur von achtzehn Grad im Kessel

bis vierundvierzig Grad gemessen worden. Man ersieht daraus, daß die

modernen Wärmstuben der Großstädte durchaus nichts Neues darstellen.

Die in den Kessel eingedrungenen Insekten werden zwar einige Tage ihrer

Freiheit beraubt, bis die Haarreuse erschlafft und den Ausgang nicht

mehr wehrt; da aber genügend Nahrung vorhanden ist, muß es für die

kleinen Gefangenen ein sehr angenehmes Gefängnis sein. – Der Aronstab

ist ein ausdauerndes Gewächs. Die am Grunde sitzende walnußgroße Knolle

gibt die in ihr aufgespeicherten Nährstoffe im Frühling ab; dafür

bildet sich nach der Blüte eine neue Knolle.

[Illustration: Abb. 4. =Aronstab= (~Arum maculatum L.~)]

Offizinell scheint der Aronstab – außer bei der Homöopathie – kaum

noch zu sein, während er in früheren Zeiten als Heilmittel eine

große Rolle spielte. In einem alten »~Thesaurus Pharmaceuticus~ oder

Apotheker-Schatz von L. Christoph Hellwig« aus dem Anfang des 18.

Jahrhunderts wird in einem dem Laien kaum verständlichen Gemisch

von Deutsch und Latein eine lange Reihe von Krankheiten aufgeführt,

welche er unbedingt zu heilen imstande sei. Zum Schluß dieses

kuriosen Aufsatzes heißt es: »Aaron-Wurtzel mit Wein praeparirt: Das

Wasser hiervon dienet wider gifftige Krankheiten, ja wider die Pest

selbst.« Der die außerordentliche Schärfe des Aronstabes und aller

anderen Araceen bedingende Stoff ist nicht bekannt; man hat als

giftige Bestandteile dem ~Saponin~ nahestehende Stoffe nachgewiesen;

ferner enthält die Pflanze Blausäure, frei oder locker gebunden. Die

Giftstoffe sind sehr flüchtig und verlieren beim Trocknen ihre Schärfe.

Die einundsiebzig Prozent Stärke enthaltenden Knollen (~tubera Ari~)

sollen in manchen Gegenden gemahlen und dem Brotmehle zugesetzt werden,

ja sogar als Portland-Sago in den Handel kommen.

Auch in Sage und Geschichte spielt der Aronstab eine Rolle. Nach einer

namentlich in Süddeutschland geläufigen Sage sollen Josua und Kaleb

bei der Auskundschaftung Kanaans den heiligen Stab Aarons mitgeführt

und auf ihm die große Weintraube heimgetragen haben. Dieser Stab sei

dann achtlos in die Erde gesteckt worden, und aus ihm sei unsre Pflanze

hervorgewachsen. Auch der Aberglaube hat sich der Pflanze bemächtigt,

sie soll ins Bette gelegt oder unter der Tür vergraben, allem Bösen den

Eintritt ins Haus verwehren.

Es bedarf wohl keiner besonderen Erwähnung, daß die hier geschilderten

seltenen Pflanzenvorkommnisse – deren Standorte übrigens sehr

versteckt und nur schwer aufzufinden sind – weitestgehenden Schutzes

bedürfen und das Entnehmen von Pflanzen oder gar Ausgraben solcher

unbedingt zu unterlassen ist. Die behördlichen Organe der Umgegend,

Gemeindeverwaltungen und Lehrer sind bereits darauf hingewiesen und es

ist zu hoffen, daß durch allseitiges verständnisvolles Zusammenwirken

diese Naturdenkmäler unserer Gegend noch recht lange erhalten bleiben,

sich vielleicht sogar vermehren und an weiteren Orten ansiedeln.

Am Grabe des Marienberger Silberbergbaues

Von Studienrat _Bogsch_, Chemnitz

Wer sich von Norden oder Süden, von Westen oder Osten dem

lieblichen Grunde nähert, in dem sich Marienbergs Häuschen um die

mächtige Zwiebelkirche huscheln, sieht allüberall an den Hängen

fichtenbestandene Halden aufbuckeln, Märcheninseln im wogenden Meer

der Halme, Warzen im struppigen Waldgesicht. In reizvoll schwingenden

Reihen ziehen sie ins Tal hinab, sanft von Grün gerundet, in ganzen

Gruppen, wie wilde Wegelagerer tauchen sie zwischen den Stämmen der

Waldstücke auf. Neben ihnen kauern sich Bingen in den Waldboden,

strudeln Trichter in die Tiefe, als ob Granaten größten Kalibers vor

Jahrzehnten und Jahrhunderten hier eingeschlagen wären. Der Kundige

weiß, daß diese Bodenwellungen nicht natürliche Geländefalten sind,

sondern Zeugnisse riesiger Erdbewegungen durch Menschenhand, Zeugnisse

zähester und mühevollster Wühlarbeit durch Jahrhunderte hindurch. Dem

Bergbau verdankt das Gelände diese seine eindringliche Gestaltung. Der

Bergbau hat hier von Jahrzehnt zu Jahrzehnt wie auf einer Merktafel

seine Fortschritte verzeichnet, sozusagen auf eine Ebene projiziert,

so daß wir jetzt in dichtem Gewirre neben- und übereinander sehen,

was in der Geschichte nacheinander lebte. Die Stätten rastloser

Arbeit und köstlichen Gewinnes an blinkendem Erze liegen nun tot in

grauer Öde. Noch klingt zwar zu bestimmten Stunden das Bergglöckchen

von Marienbergs stattlichem Turm, aber es wimmert und klagt, nur von

wenigen verstanden, über ein Gräberfeld hin.

Wie auf einem Friedhof Grabsteine stürzen und Grabhügel verfallen,

um die sich niemand kümmert, so droht auch hier dumpfe Vergessenheit

über ein Stück großartiger Heimatgeschichte zu kriechen, drohen die

Denkmäler und Urkunden zu zerbröckeln, die eindringlich von der

ungeheuren, bergeversetzenden, alles in seinen Bannkreis ziehenden

Bergarbeit von Jahrhunderten erzählen, von des Gebirges verborgenen

Silberschätzen, von freudebangem Reichtumshoffen zuströmender

Schürferscharen und mühseligem, ermattendem Ringen ernster Bergleute

mit den mißgünstigen Gewalten der Tiefe und mit widrigen Zeitumständen.

Fast alle die über Tage schlafenden Schöpfungen des Bergbaues

verschwinden allmählich als tote und nutzlose Überreste einer

vergangenen Zeit, ohne daß man irgendwie versucht, wenigstens ihr

Andenken zu bewahren. Die Land- und Forstwirtschaft zielt darauf hin,

wo es angängig ist, die störenden Halden und Bingen zu beseitigen.

Die Grubengebäude, die sich einst stimmungsvoll in die Landschaft

fügten, sind schon fast überall verschwunden, nur selten sieht man noch

schlichte Huthäuser, alte Bergschmieden und verfallene Pulverhäuschen.

Von den reizvollen, spitzen Göpelhäusern ist jede Spur hinweggetilgt.

Die Stollenmundlöcher verwachsen, die Röschen sind zusammengestürzt,

die Kunstgräben haben sich in den Dienst moderner Industrien stellen

müssen, um nicht beseitigt zu werden, die Teiche mußten dasselbe tun

oder wurden trocken gelegt, die Pochwerke und die Wäschen hat man

weggerissen oder zu Mühlen umgebaut, die Hütten kennt kein Mensch mehr.

Zwar leben in und um Marienberg noch Leute genug, die sich an

Einzelheiten der bergbaulichen Ortskunde erinnern können. Aber ihre

Angaben sind oft unzuverlässig und auch sie werden einst ausgestorben

sein. Es gilt deshalb, das Wenige, was noch an bergbaulichen Überresten

um Marienberg vorhanden ist, aufzusuchen, eindeutig zu bestimmen und in

Wort und Bild, vielleicht auch durch einen schlichten Namensstein am

Wegrand die Erinnerung daran festzuhalten.

Den Anfang einer Sammlung bietet das Marienberger Heimatmuseum.

Die leider schon vorhandene Kärglichkeit der Ausbeute an baulich

und volkskundlich beachtenswerten Überresten hat vielleicht Bleyl

davon abgehalten, auch das Marienberger Gebiet in seine Darstellung

einzubeziehen. Literarische Hilfsmittel zur Erforschung des Gebietes

dürften aus neuerer Zeit nur spärlich vorhanden sein. Paul Roitzschs

Festschrift vom Jahre 1921[1] gibt einige Aufschlüsse über Lage der

Berggebäude am Ende des achtzehnten Jahrhunderts. Im übrigen sind

geschichtliche Studien nötig. Besonders wertvolle Aufschlüsse über

Namen und Lage der Berggebäude am Ende des achtzehnten Jahrhunderts

erhält man aus dem Werk des verdienten Marienberger Bergmeisters v.

Trebra: »Erklärungen der Bergwerks-Charte von dem wichtigsten Theil der

Gebürge im Bergamtsrefier Marienberg«, (1770), dem die Bergwerkskarte

von Charpentier beigegeben ist. Noch weiter zurück führen uns die

»~Ichnographia Territorii Mariaebergensis~« von Adam Schneider aus dem

Jahre 1680 (im Marienberger Heimatmuseum) und die Bergwerksakten im

Marienberger Stadtarchiv (II 17,6~b~, Akten und gesammelte Urkunden

zur Stadt- und Berggeschichte), von denen für das sechzehnte

Jahrhundert am wichtigsten das »Vortzaichnüs aller Zechenn vnd gebäude

vff S. Marienbergk« vom Quartal Reminiscere 1592 sein dürfte. Eine

genauere Forschung muß sich im übrigen an die Durcharbeitung der

Einzelgrubenakten und des Kartenmaterials im Oberbergamt zu Freiberg

machen.

Das eigentliche Silberfundgebiet des Marienberger Reviers liegt im

Westen, Norden und Osten der Stadt. Hier ziehen sich, wie man jetzt

noch deutlich an der Richtung der oft kilometerlangen Haldenreihen

beobachten kann, beinahe vom Zschopauufer bis hinüber an die Pockau

die Erzgänge, die der Bergmann nach ihrem Streichen (45 bis 90 Grad

des bergmännischen Kompasses) _Morgengänge_ nannte. Diese Gänge werden

mannigfach geschnitten von anderen, metalldurchsetzten Gesteinsflächen,

den stehenden Gängen (0 bis 45 Grad), den flachen Gängen (135 bis 180

Grad) und den weniger bedeutungsvollen Spatgängen (90 bis 135 Grad).

Die Kreuzungsstellen solcher Gänge waren häufig besonders erzreich, so

daß man auf ihnen gern die Schächte abteufte.

Als Silbererzlagerstätten Marienbergs wurden vor allem wichtig »_Die

finstre Aue_« bei Streckewalde, »_Der Lerchenhübel_« bei Vorwerk

Eschenbach und Kohlau, südöstlich Wolkenstein, durch die Grube St.

Johannis, der »_Herbstgrund_« südlich Gehringswalde mit den Gruben

Gottesvertrauen (Lazarusschacht!) und Himmelreich, – dazu weiter

nördlich der »Palmbaum« bei Warmbad – das »_Kiesholz_« an der

Drei-Brüder-Höhe mit der Fundgrube »Alte drei Brüder«, _der Lautaer

Grund_ mit dem Rudolphschacht der Gewerkschaft »Vater Abraham«, wo noch

1900 gearbeitet wurde, der »_Stadtberg_« nördlich Marienberg mit der

Fabian-Sebastian-Grube, dem Ausgangspunkt des Marienberger Bergbaues,

der »_Rosenberg_« nordöstlich von Marienberg mit dem »Rosenstock« und

der »Weißen Taube«, der »_Mönchsberg_« östlich von Marienberg und der

»_Rittersberg_«.

Auf die einzelnen Gewerkschaften, ihre Fundgruben, Halden und Schächte

hier einzugehen, würde zu weit führen. Aber von den _Hauptstölln_

dieses eben umrissenen Reviers möchte ich noch einiges berichten.

Stölln, das heißt unmerklich ansteigend in die Bergflanke getriebene

Gänge, legte man zur Entwässerung der Gruben dank dem stark

gebirgischen Gelände um Marienberg schon frühzeitig an. Zuerst hatte

fast jede tiefere Grube ihren eigenen Stolln, der meist von der

Bergsohle her einen ausstreichenden Gang verfolgte. Aber je tiefer man

in die Erde hinunterdrang, desto tiefere Stölln wurden auch erfordert,

um möglichst viel Wasser ohne Kunstgezeug ableiten zu können. Die

vorhandenen tiefen Stölln gewannen also Bedeutung für die Wasserhaltung

eines ganzen Gebietes. Um sie allen den verschiedenen Gruben oft

einander feindlich gesinnten Gewerkschaften dienstbar machen zu können,

wurden diese tiefsten Stölln der Privathand entzogen, mit Beihilfe der

anliegenden Gewerkschaften verzweigt und vorgetrieben und im übrigen

durch den Staat erhalten.

In der Osthälfte des oben bezeichneten Gebietes gelangten zwei Stölln

zu höchster Bedeutung, _der Gläser Stolln_ und _der Weißtaubner

Stolln_, deren Mundlöcher heute noch sichtbar sind.

Wenn man von Marienberg durch den Hüttengrund wandert, gelangt man

dort, wo die Landstraße das dritte Mal die Bahnlinie zu kreuzen

sich anschickt, an das Mundloch des Gläser Stollens. (Abb. 1.) Es

liegt etwas versteckt, an den Hang des Rosenberges geschmiegt,

an einem Seitenweg, der vor der Steinbrücke von der Landstraße

abzweigt, gegenüber dem Platze, wo einst die kurfürstlichen Zinn- und

Silberschmelzhütten standen. Eine Steintafel über dem Schlußstein der

ovalen Mauerung kündet seinen Namen. Der Eingang ist mit Bruchsteinen

versetzt.

[Illustration: Abb. 1. =Der Gläser Stolln=]

Der Stollen, der nach seinem Begründer genannt zu sein scheint, hat

schon ein sehr hohes Alter. Mitte des sechzehnten Jahrhunderts mag er

angelegt sein, um einen ausstreichenden Gang auszubeuten. Jedenfalls

erhebt der Staat 1578 Steuer von »Gleßersstolln«. Zur selben Zeit

scheint schon ein Gezeug, d. h. ein Pumpwerk, auf ihm in Betrieb

gewesen zu sein. Das ihm entströmende Wasser wurde zum Betriebe der

unteren Marienberger Schmelzhütte verwandt, bis im Jahre 1594 der

tiefer angelegte Fürstenstollen ihm das Wasser entzog. Dadurch wurde

der Marienberger Rat gezwungen, für zweihundertsechsundachtzig Gulden

an der Mühle einen Schutzteich anzulegen, um den Hütten Betriebswasser

zuführen zu können.

In dem »Bericht der Stölln uff St. Marienbergk, die iezunde von

meines gnädigsten Herrn Zuschuß erhalten werden«, 1619 abgefaßt vom

Berggeschworenen Aßmus Langer, wird auch der Gläserstollen angeführt,

der zu der Zeit schon 1666 Lachter (ein Lachter zirka zwei Meter)

vorgetrieben ist und die Gebäude des Fabian-Sebastian-Ganges am

Rosenberg löste (siehe die Haldenreihe Meßtischblatt Zöblitz 129,

vom Knie der Landstraße Marienberg bis Hüttengrund Punkt 567 bis

Weiße Taube 610), die der reichen St. Barbara (nordöstlich des

Waldschlößchens), des Heinzenteicher Ganges (am Knie der Lauterbacher

Straße) und des St. Georgenganges (am Stadtberg). In der Folgezeit hat

man wohl den Stollen weiter benützt, aber er verlor seine Bedeutung,

weil ein noch tieferer Stollen das Vordringen in größere Teufen

ermöglichte, _der Weißtaubner Stolln_.

[Illustration: Abb. 2. =Der Weißtaubner Stolln=]

Das Mundloch dieses Stollens, das noch von einem Huthaus betreut wird,

findet man etwas oberhalb des Einflusses der roten Pockau in die

schwarze, auf Rittersberger Seite gegenüber der sogenannten Kniebreche

Zöblitz (Abb. 2.) Alte, mit Bruchsteinmauerung gefestigte Stollenhalden

umrahmen das wirkungsvolle, ebenso gemauerte hohe Tor, über dessen

ovaler Tür ein langer Stein die Inschrift trägt: »Königl. Weißtaubner

tiefer Erbstolln«. Ein mit großen Steinplatten belegter Vorplatz

überdacht den eigentlichen Abfluß, die Wassersaige, aus dem eiskaltes,

kristallklares Wasser in beträchtlicher Menge der Pockau zuströmt.

Da der Gläserstolln ungefähr auf der Schichtlinie 540, der Weißtaubner

Stolln aber auf der Linie 495 mündet, so hat man durch die Anlage

dieses tieferen Stollens zirka vierzig Meter, genau neunzehnzweiachtel

Lachter nach Trebras Angabe, an Tiefe gewonnen, an Hubhöhe gespart.

Der Name des Stollens hängt mit dem Berggebäude »Weiße Taube« zusammen,

das neben der »Wilden Taube« den Rosenberg krönt. Der Stollen scheint

ebenfalls schon in der Mitte des sechzehnten Jahrhunderts begonnen

worden zu sein. Zwar treffen wir in den Angaben von 1578, 1592 und 1619

nirgends auf den Namen Weißtaubner Stolln. Dafür wird aber überall

dort »des Fürsten tiefster Stolln« erwähnt, am »Rittersbergk«, dessen

Mundloch sich am Zöblitzer Wasser (d. h. Pockau) befinde. Dieser

Stollen entzog 1594 dem Gläserstolln das Wasser, dieser Stolln brachte

bei der sechshundertzehn Meter hoch gelegenen zehnten Maß nach St.

Fabian-Sebastian-Schacht (= zirka Weiße Taube), bis zu der ungefähr mit

einer Ausdehnung von eintausendsechshundertdreiunddreißig Lachter unter

dem ganzen Rittersberg und Rosenberg hin der Stollen 1619 getrieben

war, in vier Teilschächten untereinander sechzig Lachter ein. Daraus

können wir schließen, daß das Stollenmundloch gegen vierhundertneunzig

Meter hoch liegen muß. Es kann demnach kein Zweifel bestehen, daß der

Weißtaubner und der Fürstenstolln ein und derselbe ist. Dadurch, daß

die Leitung der Fundgrube Weiße Taube den bei ihr endigenden Stollen

nach dem Dreißigjährigen Krieg besonders für ihre Zwecke übernahm und

aufgewältigte, mag der Namenswechsel zu erklären sein.

Die Wiederinstandsetzung und der Fortbetrieb dieses tiefsten der

bisher vorhandenen Stölln im Ostteil des Reviers lag aber im Interesse

des Ganzen. Mit dem Weißtaubner Stolln hoffte man die während des

Dreißigjährigen Krieges zum Erliegen gekommenen und ersoffenen Gruben

selbst des Stadtberges und der Lautaer Gegend aufgewältigen zu können.

Es wurden deshalb vom Staate alle verfügbaren Gelder mobil gemacht

und, besonders mit Hilfe des Faßgroschens, einer Brausteuer, der

Forttrieb des wichtigen Stollens beschleunigt, der den ganzen Bergbau

wiederbeleben sollte.

Nach dem Bericht des Zehndners Balthasar Lehmann zu Annaberg

(1694) plante man damit folgende Hauptgebäude zu entwässern: den

Sammtbeutler Zug (zirka zweihundertfünfzig Meter nordwestlich des

Fabian-Sebastian-Zuges), bis zu dem man nur noch acht oder neun Lachter

hatte, die reiche St. Barbara (nordöstlich des Waldschlößchens), den

oberen Kaiser Heinrich (siehe die Halden nördlich des Waldschlößchens),

die St. Georgen Fdgr. (am Stadtberg, Nordosthang), den ganzen

Bauernzug, der in eindrucksvoller Haldenreihe von der Brüderhöhe bis

zum Lautenteich hinabsteigt, den schwarzen und weißen Mohren (zwischen

Vater Abraham und Lautenteich) und das »Wasserloch«, dessen alte,

verfallene Halde auf der Nordostseite der Landstraße dem Rudolphschacht

gegenüberliegt.

Im Jahre 1708 gelangte man bis zum »Kaiser Heinrich«, der kurz nach

1600 durch einen unglückseligen Grubenbrand, dem dann Pest und Krieg

nachfolgten, zum Erliegen kam. Die Baue dieser für die Anfangszeit

des Marienberger Bergbaues hochbedeutsamen Grube waren 1562 schon bis

zu einer Tiefe von einhundertsiebzig Lachter unter Tage gebracht. Man

hoffte hier reiche Erze vorzufinden und gute Anbrüche machen zu können.

Trotz der Wichtigkeit des Stollens ging bei dem allgemeinen Geldmangel

die Arbeit nur langsam vorwärts. Erst in der Trebraperiode wurde der

Stolln, der mittlerweile kurfürstlich geworden war, seiner Bedeutung

angemessen gefördert. Er löste zuletzt alle Baue des Stadtberges und

der Lautaer Gegend und ermöglichte im Rudolphschacht einen Tiefbau bis

zur fünften Gezeugstrecke unter ihm, der mit etwa einhundertdreißig

Meter Teufe einkam (d. h. also bis zirka dreihundertdreißig Meter).

Der Plan, einen noch tieferen Stolln heranzuführen, wurde durch den

Zusammenbruch der letzten Bergbauunternehmungen um 1900 vereitelt.

Still verrichtet heute noch der Stolln seinen Dienst.

Der Stollen, mit dem man den »Weißtaubner« unterbieten wollte, sollte

von Westen herangebracht werden. Hier im Westen des Revieres waren die

Geländeverhältnisse für Stöllnanlagen in allen Höhen noch günstiger,

weil hier sich das Gebiet in einer riesigen schiefen Ebene von der

Brüderhöhe (sechshundertachtzig Meter) bis zum tief eingeschnittenen

Zschopautal (zirka dreihundertachtzig Meter), also um volle dreihundert

Meter senkt. Besonders die Baue des Kiesholzes waren deshalb in allen

Höhen leicht durch Stölln zu lösen. So kennen wir gerade hier eine

Unmenge dicht untereinanderliegender Stölln, von denen fast jeder

untere immer allgemeinere Bedeutung gewann.

Schon ganz frühzeitig hat man den _Felberstolln_ als den wichtigsten

unter ihnen erkannt und vom sogenannten Herbstgrund, der sich in

weitem Bogen von Gehringswalde bis zum Lazarusschacht erstreckt,

bis unter den Kiesholzberg hinweggeführt. Daß seine Anfänge ganz

weit zurückliegen müssen[2], erkennt man daraus, daß er 1578 schon

einhundertfünfundsechzig Fundgruben und Maßen löste und auf der Lautaer

Seite des Brüderberges bis zum Bauergang zehntes Maß, zum Herzog

Moritzgang, zum Elisabether und Reichen Spater Zug und zum »Starken

Samson« gekommen war. Von diesen Gebäuden aus konnten bald die Zechen

am Stadtberge, besonders die Antritt-Fdgr., die Mohren und die Drei

Weiber-Zeche usw. in Angriff genommen werden. Damit schlug er den St.

Ullricher Stolln aus dem Felde, einen für den Stadtberg bedeutenden

Stolln, der vierundzwanzigsechsachtel Lachter über ihm lag und dessen

jetzt verschwundenes Mundloch bei Punkt fünfhundertsiebenundsechzig

am Straßenknie südöstlich des Waldschlößchens zu suchen ist. Der

Stöllnbericht vom Jahre 1619 führt all die vielen Gänge auf, die

von Felbers tiefstem Erbstolln überfahren worden sind. 1770 fand v.

Trebra auch diesen wichtigen Stolln, der im Lautaer Grund durch den

etwa fünfundzwanzig Meter tieferen Weißtaubner Stolln abgelöst war,

verbrochen vor und ließ ihn zur Wiederbelebung des Kiesholzer Bergbaues

aufgewältigen. Trotzdem der Felberstolln dann in seiner Tiefe von dem

Neuglücker Stolln überboten wurde, hat doch seine Sohle bis zu den

letzten Tagen des Bergbaues im Gebäude »Alte drei Brüder« eine große

Rolle gespielt.

[Illustration: Abb. 3. =Entdeckung der Wassersaige des Felberstollns=]

An welcher Stelle des langen Herbstgrundes lag nun das Mundloch dieses

Stollens? Diese Frage beschäftigte mich lange Zeit. Es mußte auf einer

Höhe von fünfhundertzwanzig Meter in den Berg führen. Ich pirschte

diese Schichtlinie mit meinen Schülern regelrecht ab und hatte die

Genugtuung, dicht in der Nähe des Lazarusschachtes bei der Verfolgung

eines alten Wasserlaufes die Mündung einer oval gemauerten, trocken

liegenden Wassersaige unter Gras und Buschwerk zu entdecken, aus der

eiskalte Grubenluft strömte. (Abb. 3.) Wir setzten unsere Forschung

in der Richtung der Wassersaige bergwärts fort und stießen dabei auf

ein ganz von Büschen überwuchertes, mit Bruchsteinen versetztes hohes

Stollenmundloch, dessen Schlußstein die Jahreszahl 1856, darunter

Schlegel und Eisen und zwei gekreuzte Schwerter trägt. Das dürfte das

Felberstollnmundloch sein. (Abb. 4.)

[Illustration: Abb. 4. =Mundloch des Felberstollns=]

Der Felberstollen wurde, wie schon erwähnt, durch den

einundvierzigdreiachtel Lachter tieferen _Neuglücker Stolln_ abgelöst,

der auf demselben Morgengang wie der Felberstolln (im Kiesholze

Junge drei Brüder Morgengang genannt), in den Berg eindrang. Nach

den Angaben v. Trebras mußte sein Mundloch etwa auf der Schichtlinie

vierhundertvierzig am Lerchenhübel liegen. Nach langem Suchen entdeckte

ich die Stollenhalden in dem Wiesengrund, der sich von der Zschopau

gegenüber Bahnhof Wolkenstein zum Vorwerk Eschenbach hinaufzieht,

ungefähr dort, wo die Schichtlinien zum Denkstein hinanbuchten. Von

üppigem Grün fast überdacht, schmiegt sich das Mundloch tief unten

an die Nordwestseite einer dieser Halden, an der ein Wassergraben

vorüberführt. Das Stollnwasser wird schon tief drin im Stolln in

Rohre gefaßt und der Schleiferei der Peniger Patentpapierfabrik in

Wolkenstein zugeleitet. Die Bruchsteinmauerung des Mundloches weist

keinerlei Namensangabe auf. (Abb. 5.)

[Illustration: Abb. 5. =Der Neuglücker Stolln=]

Auch der Neuglücker Stolln hat ein hohes Alter. Schon zeitig erkannte

man, welche Rolle er durch seine tiefe Lage im Marienberger Bergbau

zu spielen berufen war. Schon 1563 trug man sich mit dem Plan, durch

ihn nicht nur das Kiesholz, sondern auch die wichtigsten Gruben des

Elisabether Zuges (siehe Meßtischblatt, Linie ~b~ von Marienberg und

~f~ von Hilmersdorf) und der Lautaer Gegend in vielversprechender Teufe

zu lösen. Leider ging der Forttrieb des Stollens wegen des Unvermögens

der Gewerkschaften nur langsam vor sich. Im Jahre 1619 war er erst

vierhundertzweiundachtzig Lachter lang, reichte also etwa bis unter die

Wolkenstein–Marienberger Straße.

[Illustration: Abb. 6. =Der Hilfe-Gottes-Stolln=]

Man hoffte, ihn zunächst auf den Schwarzen Adler Gang, den jungen und

alten Feigenbaum, den Gang milde Hand Gottes und Haus von Sachsen

zutreiben zu können. Durch den Dreißigjährigen Krieg kam der Stolln,

auf den man solche Hoffnungen gesetzt hatte, zum Erliegen. Danach

betrieb ihn bis 1723 zwar eine Gewerkschaft weiter, aber doch nur

sehr schwach. Dann blieb er wieder liegen, weil Mittel zum Forttrieb

fehlten. Das Bergamt machte nun den Kurfürsten auf die Wichtigkeit

gerade dieses tiefsten Stollens des Marienberger Revieres aufmerksam,

und so fing man denn 1754 an, den Stollen auf kurfürstliche Kosten

wieder zu gewältigen und weiterzutreiben. Bergmeister v. Trebra wußte

für den Neuglücker Stolln 1780 holländische Gewerken zu interessieren,

die ein gut Stück Geld zur Weiterarbeit lieferten. So drang der Stollen

allmählich in das Kiesholzgebiet ein, wurde kurfürstlich und bildete

vom Jahre 1820 ab, da er ja sechzig bis achtzig Meter unter dem

Felberstolln einkam, den Ausgangspunkt für einen lebhaften Tiefbau auf

der neuerstandenen Fundgrube »Alte drei Brüder«, nachdem er zur Rettung

der Grube »Junge drei Brüder« zu spät gekommen war.

Landesverein Sächsischer Heimatschutz — Mitteilungen Band XV, Heft 5-6 · 第 1 / 8 段