In die Herzen der Familie Turner war der Festtag schon mit d

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Carl Scharnhorst.

Abenteuer eines deutschen Knaben in Amerika.

Von

Armand.

[Illustration]

Mit 6 Bildern in Farbendruck, nach Zeichnungen von August Hengst.

Der Verfasser behält sich das Recht der Uebersetzung vor.

Hannover.

Carl Rümpler.

1863.

Druck von August Grimpe in Hannover.

Inhalt.

Seite

#Abschnitt 1.# In Deutschland. -- Das Frühjahr. -- Die Fahrt

mit dem Hunde. -- Der Sonnenaufgang. -- Carl Scharnhorst an dem

Felsabhang. -- Die Gesellschaft. -- Die Schreckensbotschaft. --

Freude im Glück 1

#Abschnitt 2.# Abzug vom Gute. -- Der Brief von Amerika. -- Der

Beschluß zur Auswanderung -- Vorbereitungen. -- Weihnachten. --

Der Neger. -- Die Nordsee. -- Die Seeschweine. -- Die Inseln. --

Der Sonnenuntergang. -- Der Eisberg. -- Amerika. -- Der Adler.

-- Todesnachricht. -- Der Verlust 34

#Abschnitt 3.# Der schwarze Freund. -- Reise nach dem Westen. --

Der Hirsch. -- Die Nacht im Freien. -- Die Ueberschwemmung. --

Die wilden Pferde. -- Die Prairie. -- An der Frontier. -- Der

Büffel. -- Die wilden Truthähne 79

#Abschnitt 4.# Das Land zur Niederlassung. -- Die Wölfe. -- Die

Pferdediebe. -- Die hölzerne Festung. -- Das Kanoe. -- Das Feld.

-- Fischfang. -- Die Bärenjagd. -- Die Felle. -- Der Jaguar. --

Der vermoderte Baum 120

#Abschnitt 5.# Lederbereitung. -- Die Poolkatze. -- Büffeljagd.

-- Der Lasso. -- Die wilden Bienen. -- Weihnachtsabend. --

Vorsichtsmaßregeln. -- Der Mais. -- Die Biber. -- Der Alligator.

-- Der Wacoindianer 159

#Abschnitt 6.# Biberfang. -- Die Bärin. -- Der graue Bär. -- Der

Prairiebrand. -- Der wilde Rappenhengst 198

#Abschnitt 7.# Ritt durch die Wildniß. -- Wasser. --

Die Antilopen. -- Die Grenze des Prairiebrandes. -- Die

Klapperschlangen. -- Der Delawaren-Häuptling. -- Das Lager der

Indianer. -- Der schwarze Panther. -- Rückkehr in das Fort. --

Indianerfreundschaft. -- Der Frühling. -- Die Bestürmung. --

Letztes Mittel. -- Die nahende Rache 239

#Abschnitt 8.# Aufopferung. -- Stummer Abschied. -- Der Falbe.

-- Das Rennen wider Willen. -- Das Handelshaus. -- Großer

Büffelfang. -- Der Panther. -- Dankbarkeit. -- Das Wiedersehen 278

Abschnitt 1.

In Deutschland. -- Das Frühjahr. -- Die Fahrt mit dem Hunde. --

Der Sonnenaufgang. -- Carl Scharnhorst an dem Felsabhang. -- Die

Gesellschaft. -- Die Schreckensbotschaft. -- Freunde im Glück.

In dem schönen gesegneten Werrathale lebte eine Familie, Namens Turner,

die aus den beiden Eltern, zwei Söhnen und einer Tochter bestand. Herr Max

Turner war Oeconom und hatte ein kleines Gut, die Kluse genannt, in Pacht,

welches einer alten Adelsfamilie als Eigenthum angehörte. Schon sein

Urgroßvater hatte dieses Gut pachtweise besessen, die Pacht war immer vom

Vater auf den Sohn übertragen worden, und so war auch Herr Max Turner in

dieselbe eingetreten. Ueber hundert Jahre befand sich die Kluse nun schon

in den Händen der Familie Turner, so daß diese das Gut als ihr Eigenthum

betrachtete, von welchem sie jährlich eine gewisse Summe Geldes an jene

adelige Herrschaft abzugeben hatte. Es war niemals von einer anderweitigen

Verpachtung die Rede gewesen, und als vor mehreren Jahren die Güter in

Deutschland bedeutend im Werthe stiegen, hatte sich Herr Turner auch gern

dazu verstanden, seiner Herrschaft eine angemessen höhere Pacht zu zahlen.

Die Kluse lag kaum eine Viertelstunde von der Werra entfernt in einem

engen, reich bewässerten Thale, welches sich nach dem Strome hin öffnete

und zu beiden Seiten von hohen Bergen eingeschlossen war. Großes Vermögen

hatten die Turners nie erworben, dazu bot das kleine Gut die Mittel nicht;

doch hatten sie ihre Pacht immer pünktlich entrichtet, hatten ohne große

Sorgen gelebt, ihren Kindern stets eine gute Erziehung geben lassen und

dabei eine kleine Summe baaren Geldes zurückgelegt, wie man zu sagen pflegt

für böse Tage, die da kommen könnten. Ebenso stand es nun mit Herrn Max

Turner. Auch er besaß kleine Capitalien, die er in dem nahen Städtchen auf

Grundstücke ausgeliehen hatte; er lebte zufrieden und ohne Sorgen und bot

Alles auf, um seine Kinder so viel als möglich lernen zu lassen; denn er

war der Ansicht, daß eine gute Erziehung bei reichen Kenntnissen mehr werth

sei, als alles Vermögen. »Wer etwas Tüchtiges gelernt hat,« sagte er oft,

»der führt ein Capital mit sich, das ihn in jeder Lage seines Lebens und

unter allen Verhältnissen ernährt und welches ihm Niemand nehmen kann.«

Seine vierzehnjährige Tochter Julie war sein ältestes Kind; darauf folgte

ein Sohn, Arnold, im Alter von elf Jahren, und Wilhelm, der zweite Sohn,

hatte sein neuntes Jahr erreicht. Außerdem befand sich noch ein Knabe

in der Familie, welcher gleichfalls zu derselben gezählt wurde und Carl

Scharnhorst hieß. Seine Mutter, die Schwester des Herrn Turner, war an

einen Doctor Scharnhorst verheirathet gewesen; Beide waren vor mehren

Jahren gestorben, und Carl Scharnhorst wurde als Waise von seinem Onkel in

die Familie aufgenommen und als eigenes Kind betrachtet und behandelt. Carl

war vierzehn Jahre alt und ein Knabe von ungewöhnlichen körperlichen

wie geistigen Anlagen. Er war ein schöner, kräftiger, gesunder Junge

mit braunem lockigen Haar, großen, blauen lebendigen Augen und offenem,

ehrlichen, edel geformten Gesicht. Schnell und gewandt in seinen

Bewegungen, war er auch rasch und entschlossen in seinen Handlungen und

verrieth bei Allem, was er that, ein Herz voll Liebe, Freundschaft und

Dankbarkeit. Mit leidenschaftlicher Anhänglichkeit hing er an den

Kindern seines Onkels, die er Schwester und Brüder nannte, und seine

Schulkameraden, denen er seine Freundschaft einmal zugesagt hatte, konnten

sich bei jeder Gelegenheit unbedingt auf ihn verlassen. Die dankbare

Verehrung und kindliche, herzinnige Liebe aber gegen seine Pflegeeltern

kannte gar keine Grenzen, er schien nach ihren Gedanken zu haschen, um

ihren Wünschen zuvorkommen zu können.

Herr Turner war ein ernster, verständiger Mann im Alter von noch nicht

ganz vierzig Jahren, er war groß und stark gebaut, hatte glänzend schwarzes

Haar, dunkele beredte Augen, aus denen Biederkeit und Entschlossenheit

sprachen, und seine hohe offene Stirn zeugte von gründlichem tiefen Denken.

Seine Frau Marie dagegen war eine helle Blondine mit himmelblauen,

so freundlichen, liebreichen Augen, daß Jedermann, der ihren Blicken

begegnete, sie lieb gewinnen mußte. Sie war eine schöne gesunde Frau, der

man es ansah, daß sie die Hände nicht oft in den Schooß legte, und daß sie

nur für ihre Familie und für ihre Wirthschaft lebte. Von früh Morgens bis

Abends spät war sie in ihrem Haushalte beschäftigt, und da ihre Tochter

Julie seit einigen Wochen die Schule verlassen hatte und confirmirt worden

war, so mußte sie ihr bei den häuslichen Arbeiten zur Hand gehen.

Julie versprach ganz das Ebenbild ihrer Mutter zu werden, sie hatte

dieselben blonden Haare und blauen Augen, und dieselbe Anmuth und

Lieblichkeit lag in ihrem ganzen Wesen. Arnold, ihr jüngerer Bruder

dagegen, mit schwarzem Haar und dunkeln Augen, glich mehr seinem Vater,

während Wilhelm, der jüngste, wieder blond war und auf die Mutter artete.

Wahres Glück und wahrer Segen ruhte auf dieser Familie; mit unbegrenzter

Liebe und unermüdlicher rastloser Fürsorge wachten die Eltern über das

Wohl der Kinder, und mit gleicher Liebe und Dankbarkeit hingen diese an

den Eltern. Zutrauen und Einigkeit verbanden sie innig, und kein Opfer war

ihnen zu groß, um einander gefällig zu werden und sich gegenseitig

Freude zu bereiten. In wahrer Frömmigkeit waren sie alle Gott ergeben und

bekannten mit dankbarem demüthigen Herzen in ihm den alleinigen Spender

des vielen Glücks, dessen sie sich erfreuten. Sorgen und Kummer waren ihnen

fremd, sie hatten Alles, was ihre bescheidenen Wünsche orderten, und

eine ungestörte kräftige Gesundheit ließ ihnen jede Freude, die ihnen ihr

einfaches Leben bot, im vollsten Maße genießen.

Nach einem anhaltenden strengen Winter, der noch bis in den Monat März

hinein die Werra mit einer starren Eisdecke überzogen und die hohen,

steilen Berge und die Kluse mit hohem Schnee bedeckt hielt, war das

Frühjahr mild und segnend erschienen, und der Mai hatte Berg und Thal mit

frischem jungen Grün geschmückt. Die Wälder prangten im zarten neuen Laube,

die Saaten schossen üppig empor, die Wiesen zierten ihre saftig grünen

Flächen mit Blumen, und die Obstbäume sahen, mit Blüthen übersäet, wie

weiße und rothe Wolken aus den Gärten hervor. Klar und durchsichtig

rauschten die leichten Wogen der Werra zwischen den frisch grünen Ufern hin

und folgten spielend ihren Schlangenwindungen durch die mächtigen Gebirge,

deren schroffe Basaltkuppen im hellen Sonnenlichte unter dem blauen

wolkenlosen Aether glänzten. Alle Zugvögel waren von ihrer Winterreise aus

fernen Landen zurückgekehrt, die Schwalben schwärmten in lustigen Zügen

schwirrend von Berg zu Berg, die Lerche hob sich singend und trillernd

zum Himmel auf, der Kukuk ließ seinen Ruf durchs Thal ertönen und die

Nachtigall flötete ihre süßen melancholischen Lieder im Düster des Forstes

und im schattigen Dunkel der Gärten.

Es war Pfingstsonnabend Nachmittag, und Carl Scharnhorst hatte die

Feierstunden benutzt, um seinen Brüdern, wie er Arnold und Wilhelm Turner

nannte, eine Freude zu bereiten. Für den großen schwarzen Hofhund, Pluto,

hatte er ein Geschirr angefertigt, denselben in einen kleinen Wagen

gespannt, und nun rief er seine Brüder herbei, das Fuhrwerk nach dem nahen

Städtchen zu lenken, um für die Mutter allerlei Haushaltsbedürfnisse nach

der Kluse zu schaffen; denn für die Feiertage mußten Küche und Keller

gut versorgt werden. Die Freude der beiden Jungen war groß, als sie ihren

lieben Pluto mit dem weißen Ledergeschirr im Wagen eingespannt erblickten,

und Carl mußte das mächtige Thier mit Gewalt am Halsbande halten, damit es

bei den Liebkosungen, die es den Knaben mit Ungestüm erwiedern wollte, das

Fuhrwerk nicht umwarf. Der laute Jubel brachte auch Madame Turner und Julie

vor die Hofthür, auch sie brachen in ein lautes freudiges Lachen aus, als

sie den großen Hund eingespannt sahen, und Madame Turner, die in Carls

Bemühung nur dessen Liebe zu ihren Kindern erkannte, strich ihm liebevoll

die braunen Locken und küßte ihn zärtlich. Dann gab sie ihm die bereits

geschriebene Liste über die verschiedenen Gegenstände, welche sie durch

einen der Knechte hatte auf einem Schiebkarren aus der Stadt holen lassen

wollen. Wilhelm setzte sich in den Wagen hinein, Arnold ging mit dem

Lenkseil in der Hand nebenher, und von Carl gefolgt, trabte Pluto mit dem

Wagen durch das Hofthor die Straße hinunter.

»Nur langsam, langsam, Ihr Jungen!« rief ihnen Madame Turner lachend nach;

kaum hatten sie aber die offene Straße erreicht, als sie Pluto zum Laufen

aufforderten, und nun davon sausten, so schnell sie ihre Füße nur tragen

konnten.

Die Sonne sank zu den fernen blauen Gebirgen hinab, die vielen einzelnen

Basaltkuppen, die sich hier und dort aus dem Werrathale erhoben, dehnten

ihre Schatten weiter aus, der Himmel im Westen wurde immer feuriger, immer

glühender, und eine heilige Ruhe legte sich auf das schöne Thal, die

nur durch den friedlichen Ton der Abendglocken und zuweilen durch einen

verspäteten Grasmäher unterbrochen wurde. Herr Turner kam auf einem

prächtigen Rappen auf der Straße hergetrabt, die von dem Städtchen nach

der Kluse führte, und holte auf halbem Wege seine drei Buben ein, von

denen Arnold und Wilhelm neben dem großen Hunde hinschritten, während Carl

Scharnhorst hinter dem beladenen Wagen ging und denselben vorwärts schob,

damit die Last dem Thiere nicht zu schwer werden sollte.

»Ist es möglich, seid Ihr es?« rief Turner lachend und verwundert aus.

»Habe ich mich doch besonnen, was für ein Fuhrwerk dies sein könnte! Aber

wer hat Euch denn das Geschirr für Pluto und die ganze Einrichtung gemacht?

es ist ja allerliebst!«

»Carl hat Alles heimlich hergestellt, und als er Pluto eingespannt hatte,

rief er uns herbei, damit wir fahren könnten,« antworteten die beiden Söhne

Turners vergnügt und sahen mit dankbaren freudigen Blicken nach Carl hin.

»Ei, Du bist ja ein Prachtbursche, Carl! Dafür sollst Du nun aber auch

wahrlich Deinen Spaß haben,« sagte Turner, indem er vom Pferde sprang und

Carl den Zügel hinreichte. »Komm her, mein Junge, sollst den Rappen nach

Hause reiten, ich weiß, es macht Dir Freude. Wart nur, ich will die Bügel

etwas kürzer schnallen.«

»Nein, bester Onkel, ich danke, ich muß bei dem Wagen bleiben, es wird

Pluto zu sauer!« antwortete Carl und sah mit glänzendem Blicke nach dem

Sattel hinauf, in welchem er so gern Platz genommen hätte.

»Nein, nein, Carl, eine Ehre ist der andern werth; Du hast Deinen Brüdern

eine Freude gemacht, und es ist nun an mir, auch Dir eine solche zu

bereiten. Steig auf, flink, ich bleibe beim Wagen und werde ihn statt

Deiner schieben.«

»Aber, bester Onkel, wenn das Jemand sähe -- ich zu Pferde und Du hinter

dem Wagen -- das geht ja nicht!«

»Eine jede Arbeit ehrt den Mann, Carl; wer mich nicht hinter dem Wagen

sehen mag, der muß einen andern Weg blicken. Schnell auf das Pferd, darfst

es einmal tüchtig laufen lassen, nimm Dich aber in Acht, schiebe die Füße

nicht zu weit in die Steigbügel, damit Du mir nicht darin hängen bleibst,

wenn Du herunterfallen solltest.«

»Hat nichts zu sagen, Onkel, ich habe den Rappen schon zu oft in das Wasser

geritten, ich falle nicht herunter,« erwiederte Carl und sprang behend in

den Sattel.

»So, nun sage der Mutter, daß ich Fuhrmann geworden sei und bald mit der

reichen Ladung nachfolgen würde,« sagte Turner, worauf Carl den Rappen in

Galopp setzte und davon jagte.

Die flüchtigen Tritte des Rosses, als Carl in den Hof sprengte, lockten

Madame Turner in die Hausthür, wo ihr der Knabe lachend zurief, was ihm

sein Onkel zu bestellen aufgetragen hatte. Dann übergab er das Pferd

einem Knecht und lief nun rasch wieder nach der Straße hinunter, dem Wagen

entgegen zu eilen und Herrn Turner dort abzulösen.

Der Mond stieg glühend roth über den dunkeln Bergen auf und blickte in das

Thal herab, in welchem die Kluse lag, als der Wagen vor dem Hause anlangte

und Pluto sich ermüdet niederlegte.

»Hier, Mutter, wir haben Alles glücklich hergebracht, es ist Nichts entzwei

gegangen,« rief Arnold seiner Mutter triumphirend zu, als diese aus dem

Hause hervorsprang, um ihre Lieben zu bewillkommnen.

»Und wie schön war die Fahrt, ich sage Dir, Mutter, ganz prächtig,« fiel

Wilhelm ein.

»Und die Freude habt Ihr Carl zu verdanken,« erwiederte Madame Turner.

»O ich habe aber einen noch weit größern Spaß gehabt, weil Onkel so gut

war und mich den Rappen reiten ließ; wie hat der aber laufen müssen!«

unterbrach Carl schnell seine Tante; doch diese fuhr, zu ihren Söhnen

gewandt, fort:

»Nun, bedankt Euch hübsch bei Carl, der Euch so lieb hat,« worauf die

beiden Buben Carl um den Hals fielen, ihn küßten und ihm für die Freude

dankten, die er ihnen bereitet hatte.

»Hast Du uns Fuhrleuten denn aber nun auch etwas Gutes gekocht, Mutter? wir

haben uns tüchtig für Dich abgearbeitet,« nahm jetzt Herr Turner das Wort,

indem er seinen Arm um die Schulter der geliebten Gattin legte und von ihr

den gewohnten Kuß zum Willkommen empfing.

»Ihr sollt zufrieden sein. Julie hat Puffer gebacken, und wenn ich mich

nicht irre, so sind sie ihr gut gerathen,« entgegnete Madame lächelnd.

»So laß uns das Abendbrod im Garten in der Laube verzehren; ich meine

immer, im Freien könnten wir dem gütigen Gott besser für seine Wohlthat

danken, als in dem Zimmer, dort sehen seine Wolken so freundlich auf uns

hernieder, seine Größe und Allmacht tritt uns lebendiger vor die Seele.

Es ist eine so herrliche Nacht, daß es schade wäre, uns in das Zimmer

einzusperren,« entgegnete Turner.

»Sehr gern, es ist mir leichte Mühe, die Speisen hinauszubringen, und dort

werden sie uns noch viel besser schmecken,« antwortete Madame Turner, und

eilte in das Haus, um die nöthigen Anordnungen zu treffen, während ihr

Gatte mit den Knaben die Ladung von dem Wagen hinein beförderte. Carl hatte

Pluto das Geschirr bereits abgenommen, und der Hund folgte ihm nun auf

Schritt und Tritt nach.

Eine halbe Stunde später saß die ganze Familie im Garten in der

Geisblattlaube um den großen steinernen Tisch, auf dem das einfache

Abendbrod aufgetragen war und auf dessen Mitte eine Lampe mit heller

Glaskuppel brannte.

Herr Turner erhob sich zum Dankgebete und die Seinigen folgten seinem

Beispiele. Mit wenigen klaren, aus tiefem Herzen kommenden und zum Herzen

dringenden Worten dankte er Gott für die unendlich vielen Wohlthaten, die

er ihm und seiner Familie hatte angedeihen lassen, und flehte um seinen

ferneren Segen. Mit demüthiger Andacht folgten Mutter und Kinder dem Gebet,

und nach dessen Beendigung wünschten sich Alle gegenseitig guten Appetit.

»Daran wird es uns Allen gottlob nicht fehlen, denn wir haben ja sämmtlich

unsere Schuldigkeit gethan und unsere Herzen drückt keine Schuld und

kein Kummer,« sagte Turner, indem er die Schüssel mit Speisen nahm, sich

derselben bediente, und sie dann weiter reichte.

»Ich hätte Euch nun wohl einen Vorschlag zu machen, das heißt, wenn Ihr

früh aufstehen könntet,« fuhr er nach einer Weile fort. »Wie wäre es, wenn

wir morgen früh auf der Wichtelkuppe die Sonne aufgehen sähen?«

»Ach ja, lieber Vater!« fielen die Kinder jubelnd ein, und auch die Mutter

stimmte freudig dafür.

Die Mahlzeit war bald gehalten und Madame Turner rückte auf der Bank näher

zu ihrem inniggeliebten Gatten, um sich in treuer Liebe an seine Seite zu

schmiegen. Der Mond blickte silberhell in die Laube, der Maiwurm glühte im

Grase und die Nachtigall flötete ihre süßen Lieder im nahen Gesträuche.

Die laue Nachtluft trug den tausendfältigen Duft der Frühlingsflur hin

und wieder, und der nahe Bach rauschte und murmelte in dem Gestein, über

welches seine krystallklaren Wellen spielten.

»Der allmächtige gütige Gott hat uns doch überreich gesegnet, Marie,« sagte

Turner im Gefühle seines großen Glückes zu seiner Gattin, und sah nach

den Kindern hin, die in den krummen Wegen des Gartens spielten und sich

jauchzend und lärmend auf denselben hin- und herjagten. »Sieh unsere Kinder

an, wie sie geistig und körperlich gedeihen, wie sie gut und ehrlich denken

und fühlen, wie jede Unwahrheit, jedes Unrecht ihnen verhaßt ist, und wie

sie kräftig und übermüthig emporwachsen.«

»Gott der Gütige erhalte uns unser Glück, Max, wir sind vor Tausenden von

ihm bevorzugt. Unsere Kinder sind gut, wir haben keine Sorgen, und unsere

Liebe hat uns den Himmel auf Erden gegeben. Mag unsere Bitte um Erhaltung

unseres Glücks dem Allmächtigen nicht unbescheiden klingen; fast ist es zu

groß für diese Welt,« sagte Madame Turner, zum Himmel aufblickend, und

das Mondlicht spiegelte sich in den Freudenthränen, die unter ihren langen

Wimpern glänzten.

Es war schon spät, als die Familie den Garten verließ und sich zu ihrer

Ruhestätte begab, um noch einige Stunden sich in sorglosem glücklichen

Schlafe zu stärken; aber lange vor dem ersten Grauen des Tages schon weckte

Herr Turner die Schläfer, und Alle schossen schnell in die Kleider, um zum

Aufbruch nach der Wichtelkuppe bereit zu sein.

Noch war der Mond nicht versunken und er warf sein Licht über den rohen

Fahrweg, der sich, steil hinansteigend, zwischen den Bergen nach dem

erwählten Ziele der frühen Wanderung hinaufwand. Herr Turner, mit einem

schweren Stocke bewaffnet, schritt mit seiner Gattin voran, dann folgten

ihre drei Kinder, und Carl Scharnhorst beschloß mit Pluto den Zug. Ein

Jedes von ihnen hatte Etwas zu tragen, denn es waren Milch, zwei Bouteillen

Wein und ein tüchtiger Vorrath von frischem Kuchen, so wie einige Gläser

mitgenommen, und Alles war unter die Gesellschaft zum Tragen vertheilt

worden.

»Warum heißt denn der Berg die Wichtelkuppe, Vater?« fragte Arnold.

»Es ist eine alte Sage, die dem Berge diesen Namen gegeben hat. Man

erzählte sich vor langen Jahren, daß in den Kohlenbergwerken am Meißner,

dort drüben an der andern Seite der Werra, gute Geister in der Gestalt von

ganz kleinen Menschen leben sollten, die man Wichtelmänner nannte. Diese

Geister, sagte man, hielten in mondhellen Nächten ihre Zusammenkünfte und

ihre Tänze auf jenem Berge, und darum nannte man ihn die Wichtelkuppe. In

früheren Jahren gab es noch viele sehr unwissende Menschen, die an solche

Geistergeschichten glaubten; heutzutage aber lacht man darüber, da man

weiß, daß es nur _ein_ Geist, _ein_ großer allmächtiger gütiger Geist ist,

der allenthalben unsichtbar gegenwärtig und der uns und diese Erde, so wie

alle die Welten geschaffen hat, die wir am Himmel über uns sehen. Dieser

einzige Geist ist der gütige Gott, den Niemand zu fürchten hat, wenn er

recht thut. Andere Geister giebt es nicht, und wem einmal ein angeblicher

Geist begegnen sollte, der fasse ihn nur gleich beim Kragen, und er wird

sogleich finden, daß er einen Menschen, oder sonst einen Gegenstand vor

sich hat. Nur dumme Furcht, oder ein böses Gewissen können Gespenster

sehen. Nehmt Euch hier in Acht, Ihr Jungen, daß Ihr nicht fallt, es ist

dunkel in diesem Hohlweg, und es liegen viele Steine darin,« sagte Turner,

sich nach den Knaben umsehend. »Wer trägt denn die zweite Flasche Wein?«.

»Ich habe sie, Onkel, ich werde sie nicht zerbrechen,« rief Carl, der etwas

zurückgeblieben war.

Der dunkle Hohlweg war bald durchschritten und eine steinige Höhe erreicht,

von der man auf die Kluse hinabsehen konnte. Hier wurde für einige Minuten

Halt gemacht, weil der Weg bis hierher sehr steil gewesen war. Bald aber

ging es wieder vorwärts, und immer noch gab der Mond Licht genug, um den

Weg erkennen zu können. Ueber eine Stunde lang waren die Wanderer in der

fröhlichsten Laune scherzend und lachend, beinahe fortwährend bergauf

gestiegen, als sie plötzlich die höchste Spitze der Wichtelkuppe erreicht

hatten, und wie von einem Thurme herab in das tiefe Werrathal hinunter

schauten. Der Mond hatte den Saum der Gebirge erreicht und warf seinen

letzten Blick auf den ruhigen Spiegel des Stromes, der sich wie eine

glänzende silberne Schlange durch das tiefe dunkele Thal hinwand. Bald

aber versank die helle Mondscheibe hinter dem Berge, die Nacht breitete ihr

Dunkel über die Erde, und die Sterne blitzten und funkelten lebendiger. Nur

im Osten zeigte der Himmel über den Gebirgssäumen einen bleichen Streif,

der den nahenden Tag verkündete. Von Minute zu Minute wuchs dieser

Lichtschein und seine bleichgelbe Farbe ging in ein zartes Rosenroth über.

Zugleich zitterte die Morgendämmerung über die Berge, und die einzelnen

Basaltkuppen und Waldstriche wurden im Thale sichtbar. Der Himmel färbte

sich immer feuriger, immer prächtiger, bis seine ganze östliche Hälfte mit

einem glühenden Roth bedeckt war.

Turner, dessen Gattin, und um sie herum die Kinder hatten sich auf

Felsstücke niedergesetzt, und hielten erwartungsvoll und von heiligen

Schauern durchbebt, die Blicke auf den Fleck über dem dunkeln Gebirgsrücken

geheftet, von wo aus die Gluth am Himmel aufzusteigen schien. Plötzlich

wurde dort ein glänzender heller Lichtpunkt sichtbar, die goldene Scheibe

der Sonne stieg empor, und ihr Strahlenlicht ergoß sich über die Erde.

»Erkennt die Größe des allmächtigen Gottes in diesem seinen Werke!« sagte

Turner zu den Kindern, indem er die Hand nach dem aufsteigenden Gestirn

erhob. »Wie Alles in der ganzen Schöpfung Gottes Gnade bekundet, so sendet

auch dieses göttliche Werk Leben, Segen und Gedeihen über unsern Erdball.

Seht nur, wie die Natur erwacht und wie Alles neu belebt wird!«

Kein Wölkchen war am Himmel zu erblicken, blau und durchsichtig spannte

er seinen hohen Bogen über die weite, im goldenen Morgenlicht glänzende

Berglandschaft, frisch und erquickend zog die Luft durch das Thal, und

rollte den leichten Nebel, der die Werra wie mit einem weißen Schleier

bedeckte, in kleinem Gewölk nach den Höhen hinauf, und Alles schien für den

ersten Pfingsttag geschmückt.

In die Herzen der Familie Turner war der Festtag schon mit dem Erwachen der

Natur eingezogen, und so wie die Vögel hoch in der Luft und unten im Thale

sich unter fröhlichem Gesange des Morgens erfreuten, so gaben auch

Turners sich der beglückenden Heiterkeit hin, die ihnen von allen Seiten

entgegenlachte. Noch über eine Stunde verweilten sie im Genusse des

herrlichen Morgens auf der luftigen Höhe, ehe sie an den Heimweg dachten.

Als aber Madame Turner daran erinnerte, daß man aufbrechen müsse, um zur

rechten Zeit in der Kirche erscheinen zu können, schlug ihr Gatte vor, auf

dem kürzeren Fußpfad, der an den Werra-Abhängen hinführte, zurückzugehen.

Alle stimmten freudig ein, weil dieser Weg beinahe fortwährend einen

Blick in das tiefe Thal gestattete, und so traten sie dann abermals ihre

Wanderung an. Der Pfad aber war schmal, so daß nur _eine_ Person darauf

Platz hatte, und von Herrn Turner geführt, folgte Einer dem Andern. Oft

blieben sie stehen, um die steilen Felswände zu beiden Seiten des Flusses

zu bewundern, oder den kleinen Fischernachen nachzublicken, die wie

schwarze Punkte auf der Werra hinglitten. Wohl die Hälfte des Heimweges

hatten sie bereits zurückgelegt, als sie auf dem hohen Bergsaum einen

Platz erreichten, wo der Pfad an einer Felswand hinführte, und wo an dessen

anderer Seite der, mit losem Gestein bedeckte Boden sehr steil abschüssig

wurde, und in einer Entfernung von etwa hundert Fuß in einem senkrechten

schwindelnden Abhang nach dem Ufer des Stromes hinuntersank. Herr Turner

blieb stehen und rief den Kindern zu, voran zu gehen, damit er sie im Auge

behalten könne, und als sie bei ihm vorüber kamen, ermahnte er sie zur

Vorsicht auf diesem gefährlichen Wege. Carl Scharnhorst schritt voran,

indem er dem Hund pfiff, der soeben einen Hasen aufgejagt hatte und, ohne

auf den Pfiff zu hören, denselben verfolgte. Hinter Carl ging Julie, dann

kam Arnold, darauf Wilhelm, und Herr Turner, mit seiner Gattin vor sich,

beschloß den Zug. Die schmalste Stelle des Pfades war erreicht, als

plötzlich Pluto, um zu Carl zu gelangen, in vollem Lauf bei Herrn und

Madame Turner vorübersauste, und im Vorbeirennen an Arnold, diesen so

heftig zur Seite stieß, daß der Knabe von dem Pfade herabstürzte und an

dem steilen Berge hinunterrollte. Mit einem Schrei des Entsetzens sahen die

Eltern, wie der Knabe sich vergebens bemühte, seinem Hinabrollen Einhalt zu

thun; es war umsonst, das lose Gestein rollte mit ihm, und schon hatte er

die Hälfte des Abhanges, der zu dem senkrechten Abgrunde führte, erreicht,

als Carl sich pfeilschnell hinter ihm herstürzte, ihn mit seinen Armen

umklammerte, und alle seine Kräfte aufbot, ihn in dem furchtbaren Lauf

aufzuhalten. Umsonst -- Beide rollten weiter dem unvermeidlichen Tode

entgegen. Carl hielt aber seinen Kameraden fest umschlossen, und lenkte nur

mit den Füßen seinen Weg einem einzelnen Baume zu, der am Ende des Abhanges

stand und über die gähnende Tiefe hinabhing. Wie vom Tode erfaßt und in

Verzweiflung erstarrt, sahen die Eltern händeringend den beiden Knaben

nach, wie dieselben dem äußersten Rande des Abgrundes immer näher kamen und

das lose Gestein um sie her ihnen voran in die bodenlose Tiefe rollte. Noch

lagen nur wenige Schritte zwischen den Knaben und dem äußersten Felsrand,

als Carl, seinen Kameraden im Arm, sich mit den letzten Kräften nochmals

dem Baume zustieß, und an dessen Stamm über dem Abgrunde hängen blieb. Mit

einem Arm hielt er den ohnmächtigen Arnold umschlossen, und mit dem andern

stützte er sich an den Baumstamm, der ihn von dem Sturz in die Tiefe

zurückhielt.

»Halt fest, Carl, halt fest, Gott der Allmächtige wird Dir Kräfte

verleihen!« schrie Turner, indem er seine Gattin aus seinen Armen sinken

ließ und seine bebenden Hände den Knaben entgegenstreckte.

»Halt fest, Carl, um Gotteswillen, halt fest, ich hole Hülfe, ich bin bald

zurück!« schrie Turner noch einmal mit verzweifelter, mit rasender Angst,

und stürzte dann in fliegendem Laufe an den Felsen hin, um von der Kluse

her Hülfe zu holen.

[Illustration]

Madame Turner lag händeringend auf ihren Knieen und flehte laut zum Himmel

auf, daß Gott Barmherzigkeit haben und Rettung senden möge, und Julie und

Wilhelm klammerten sich weinend und jammernd an die bebende Mutter und

hielten zitternd ihre Blicke auf die beiden Knaben geheftet. Carl hielt den

geliebten Halbbruder fest an sein Herz gepreßt, und suchte vorsichtig nach

und nach seinen Sitz zu verbessern, um länger darin aushalten zu

können; denn seitwärts von dem Stamme, an dem er saß, blickte er in die

schwindelnde Tiefe hinunter, wo sein Auge keinen Gegenstand mehr erkennen

konnte. Seine Kräfte, die er bei der übernatürlichen Anstrengung während

des Rollens bis an den Baum aufgewandt hatte, kehrten zurück, und er fühlte

sich stark genug, sich hier zu erhalten, bis sein Onkel ihm Hülfe bringen

würde. Alle seine Besorgniß richtete sich jetzt nur noch auf das Erwachen

Arnolds und auf dessen Bewegungen; denn die mindeste Biegung aus dem

Gleichgewicht mußte sie beide in den Abgrund stürzen. Jetzt regte sich

Arnold, er strich sich mit der Hand über das Gesicht, und wollte sich

erheben.

»Rühre Dich nicht, Arnold, oder wir sind Beide verloren, bewege Dich nicht

und sieh Dich nicht um, verlaß Dich auf mich, ich halte Dich!« rief ihm

Carl in die Ohren, und zog seinen Arm fester um ihn.

»Carl, wo sind wir denn?« fragte Arnold jetzt, indem er die Augen aufschlug

und in den Abgrund blickte. »Ach Gott, wir fallen hinunter!« setzte er

halblaut hinzu, und begann am ganzen Körper zu zittern. »Bewege Dich nur

nicht, Arnold, ich halte Dich, der Vater wird gleich zurückkommen und uns

helfen. Schließe die Augen und bleibe ruhig so liegen, ich kann Dich so

ganz gut halten und wenn es noch so lange dauern sollte!«

Von drehendem Schwindel ergriffen, schloß Arnold bebend und zitternd

die Augen, und klammerte sich krampfhaft an Carl fest, der jetzt selbst

vermied, seitwärts in die Tiefe zu schauen, da er fühlte, wie ihn dabei

eine unüberwindliche Machtlosigkeit durchrieselte. Er hielt seinen Blick

hinauf nach der jammernden Mutter Arnolds gerichtet, und wandte sich mit

seiner Seele vertrauungsvoll zu Gott, der ihm ja beigestanden hatte, den

Baum zu erreichen.

Unbeweglich saß er über der bodenlosen Tiefe, doch konnte er sich des

Gefühls nicht erwehren, daß der Baum seinem Druck nachgeben, und mit ihm

und Arnold hinunterstürzen würde. Mit krampfhafter Spannung horchte er

auf jeden Ton, um die nahenden, Rettung bringenden Fußtritte Turners zu

erkennen; eine Ewigkeit schien an ihm vorüberzuziehen, er fühlte, wie seine

Füße in der gezwungenen Lage erstarrten, und doch durfte er diese nicht

wechseln, wollte er nicht das Gleichgewicht verlieren. Ueber eine halbe

Stunde war schon verstrichen und noch war keine Hülfe erschienen. »Liege

ganz ruhig, Arnold,« sagte Carl jetzt zu diesem mit entschlossener Stimme,

»ich muß meinen Fuß unter Dir hervorziehen, ich kann es unmöglich länger

in dieser Lage aushalten.« Dabei befreite er seinen linken Arm von seinem

Halbbruder, faßte mit beiden Händen den Stamm hinter sich, und hob sich

vorsichtig mit aller Kraft langsam etwas empor, indem er seinen Fuß unter

Arnold herauszog und über den Abhang hinunterhängen ließ.

»So, Gottlob, nun ist es gut, nun kann ich es wieder aushalten!« sagte er,

und legte seinen Arm abermals um Arnold. Da schallte die Stimme Turners von

weit her durch die Berge, als fordere sie Carl zur letzten Kraftanstrengung

auf.

»Der Vater kommt,« sagte dieser zu dem bebenden Gefährten, »nun werden wir

gerettet. Rühre Dich nur nicht, Arnold!«

Wenige Minuten später erschien Turner auch wirklich auf dem Pfade, und

stürmte mit einer Steinhacke auf der Schulter zu dem verhängnißvollen

Platze heran. Er kam aber nicht allein, sämmtliche Knechte waren ihm von

der Kluse hierher gefolgt, und trugen schwere Taue herbei, die zur Rettung

der Knaben gebraucht werden sollten. In aller Eile wurden diese einzelnen

sehr langen Stricke aneinander gebunden, Turner ließ sich das eine Ende um

die Brust befestigen, und stieg nun, mit der Steinhacke in der Hand, an dem

Abhang hinunter, indem die Knechte auf der Höhe zurückblieben und das Seil

hielten. Sie ließen dasselbe nur langsam nachfolgen, während Turner auf

seinem abschüssigen Wege mit der Hacke Stufen in das lose Gestein hieb und

eine Art von Treppe erzeugte, die ihm den Rückweg nach der Höhe erleichtern

sollte. Dabei redete er mit erzwungen ruhiger Stimme, bald zu Carl, bald zu

Arnold, ermahnte sie, nur still und unbeweglich zu sitzen, und nicht in die

Tiefe zu blicken. Schritt für Schritt stieg er weiter hinab, während das

Gestein, welches er vor sich loshieb, über den Abhang hinunter rollte, und

so erreichte er endlich schweißtriefend und erschöpft die beiden Knaben.

»Der Allmächtige sei gelobt und gepriesen!« rief er in höchster Seligkeit

mit bebender Stimme aus, als er Arnold mit beiden Händen krampfhaft

erfaßte, ihn Carl aus den Armen nahm und ihn auf die nächste Stufe über

sich hob.

»Sitze ruhig, Carl, bester Carl, gleich kehre ich zu Dir zurück; rühre Dich

nicht,« sagte er zu diesem, und ließ Arnold nun die steile Höhe vor sich

erklimmen, wobei er ihn von Stufe zu Stufe hob, und die Diener auf der Höhe

das Tau wieder an sich ziehen mußten. In ihren zitternden Armen empfing die

Mutter ihr Kind an ihrem Herzen, und Turner eilte, ohne einen Augenblick zu

verlieren, abermals auf den Stufen hinab, um nun auch Carl dem furchtbaren

Abgrunde zu entreißen.

»Mein Carl, Du Retter meines Lebensglücks, komm an mein Herz, an das Herz

Deines dankbaren zweiten Vaters!« rief der überglückliche Mann, indem er

den Knaben von dem Baume wegzog und ihn vor sich auf die Stufe hob.

Bald hatten sie die Höhe erstiegen und Madame Turner zog den Knaben mit

freudigem Beben von der letzten Stufe zu sich herauf.

»Carl, mein geliebter Carl, Du Retter meines Kindes, wie soll ich es Dir

im Leben danken!« stammelte sie in ihrem Glück, indem sie Carl mit ihren

Liebkosungen überhäufte. Von ihr aber ging er aus einer Umarmung in die

andere, bis Turner auf seine Kniee sank, um dem Allmächtigen für die Gnade,

für die Barmherzigkeit zu danken, die er ihm in so wunderbarer Weise hatte

angedeihen lassen. Alle Gegenwärtigen wandten, tief ergriffen, ihre Herzen

zu Gott und stimmten in das laute Dankgebet Turners mit ein. Dann aber

eilten sie von dem Schreckensplatze hinweg, ohne sich nochmals nach dem

Abgrunde umzusehen.

Als Turners nach der Kluse zurückkamen, war es zu spät geworden, um noch

in die Kirche zu gehen, aber in dem Tischgebete sandten sie nochmals ihren

herzinnigen, heißen Dank für die wunderbare Rettung der beiden Knaben zum

Himmel auf. Die Liebe, welcher sich Carl Scharnhorst bisher in der Familie

Turner zu erfreuen gehabt hatte, war eine noch viel innigere geworden, sie

hatte in der Dankbarkeit noch eine neue Grundlage gefunden, und die Eltern

sowohl, wie die Kinder fühlten sich mit unlöslichen Herzensbanden an den

braven Knaben gefesselt. Aber noch ein anderes Gefühl war in ihnen für Carl

erwacht, welches seine aufopfernde Anhänglichkeit, seine Unerschrockenheit,

seine Entschlossenheit hervorgerufen hatte; es war das Gefühl der Achtung.

Während man bisher nur den liebevollen, treuherzigen, dankbaren Knaben

in ihm gesehen, erkannte man jetzt in ihm ein Glied der Familie, dessen

Persönlichkeit noch eine andere Bedeutung hatte, als die eines geliebten

Kindes.

Von dem Augenblick an, wo der erste Freudenrausch über die Rettung Arnolds

verwogt war, behandelte Turner sowohl, wie seine Gattin, Carl Scharnhorst

unwillkürlich anders, als früher: in Wort und Handlung gebrauchten sie,

ohne es zu wollen, mehr die Rücksichten, die man einem Freunde zollt, als

die, welche man dem Pflegekinde angedeihen läßt; er war mit einem Worte in

ihrem Gefühle plötzlich nicht mehr der Knabe, sondern der befreundete, edle

Jüngling, wenn auch seine ganze Erscheinung noch die des Kindes war. Auch

die Dienerschaft, die Knechte und Mägde aus der Kluse, begegneten ihm mit

einer Ehrerbietung, mit einer Achtung, die man einem Knaben sonst nicht

zollt, und wo er sich sehen ließ, kam man ihm mit ehrender Auszeichnung

entgegen und pries und rühmte seine edle That. Carl sah nichts weiter in

der Aufmerksamkeit, als die Freude über die Rettung Arnolds, an der er ja

selbst von ganzem Herzen Theil nahm; doch kam es ihm gar nicht dabei in

den Sinn, daß er etwas so Ungewöhnliches gethan habe. Er glaubte, nur so

gehandelt zu haben, wie es jeder Mensch zu thun verpflichtet sei und wie er

selbst gar nicht anders gekonnt hätte.

Am folgenden Morgen rüstete man sich auf der Kluse zeitig, um sich nach

dem Städtchen zur Kirche zu begeben. Der leichte, mit drei Sitzen versehene

Korbwagen hielt vor der Hausthür, so wie auch der gesattelte Rappe, den

Herr Turner bei solchen Gelegenheiten stets zu reiten pflegte. Madame

Turner trat mit ihren Kindern und mit Carl aus dem Hause, um den Wagen zu

besteigen, als Herr Turner, der bei dem Rappen stand, Carl zu sich winkte

und sagte:

»Carl, Du sollst heute den Rappen reiten, und ich will statt Deiner fahren;

ich weiß, es macht Dir Freude, und bei der ersten Gelegenheit, die sich nur

bietet, werde ich Dir ein Pferd kaufen, welches ganz Dein Eigenthum sein

soll. Komm, ich habe die Bügel schon für Dich verkürzt.«

Carls Blick strahlte vor Wonne; denn wenn er auch schon oft den Rappen in

der Nähe der Kluse geritten hatte, so war er doch niemals zu Pferde in der

Stadt erschienen, und dies zu thun, machte ihm eine besonders große Freude.

»Aber, bester Onkel, reitest Du nicht lieber, als Du Dich in den Wagen

setzest? Du zogest es sonst doch immer vor,« sagte Carl bescheiden und

zögernd.

»Nein, nein, heute fahre ich lieber; steige nur auf. Wenn Du in die

Stadt kommst, so reite nach dem Gasthofe und lasse das Pferd in den Stall

bringen, der Stallbursch weiß schon, was er für dasselbe zu thun hat. Sage

ihm nur, daß Du nach der Kirche wiederkommen würdest, um nach Hause zu

reiten.«

Bei diesen Worten gab Turner die Zügel an Carl, dieser schwang sich mit

hochschlagendem Herzen in den Sattel, winkte Allen noch einen Gruß zu, und

trabte in höchster Lust davon, während Turner sich zu seiner Gattin und

seinen Kindern in den Wagen setzte. Der Weg war bald zurückgelegt, und als

in der Nähe der Kirche der Wagen anhielt und Turners ausstiegen, kamen von

allen Seiten Freunde und Bekannte herbeigeeilt, um ihnen ihre Glückwünsche

zu der wunderbaren Rettung des Knaben darzubringen; denn die Nachricht

davon hatte sich bereits durch das Städtchen verbreitet. Es war noch nicht

volle Zeit, sich in das Gotteshaus zu begeben, und der mit hohen Linden

umstandene Platz vor demselben füllte sich immer mehr mit Kirchgängern, als

Carl dort erschien und sich nach den Seinigen umschaute. Während er durch

die Menge hinschritt, wurde er von allen Seiten angehalten. Jedermann

wollte dem braven Knaben die Hand reichen und ihn begrüßen, und unter

warmen Liebesbezeugungen und lauter Anerkennung seiner edlen hochherzigen

That gelangte er zu Turners. Hier waren nun viele von deren näheren

Freunden versammelt, und abermals wurde Carl reiches Lob gespendet. Diese

Liebe, diese Beweise von Zuneigung erfüllten sein junges Herz mit Freude,

doch blieb er weit davon entfernt, sich etwas auf seine That einzubilden,

da er nicht anders wußte, als daß Jedermann ebenso handeln müsse, wie er es

gethan hatte.

Nach beendigtem Gottesdienste begleiteten viele Bekannte Turners diese nach

dem Wagen, welcher im Schatten der alten Lindenbäume gehalten hatte, und

eine große Anzahl der Freunde kündigten ihren Besuch auf der Kluse für den

Nachmittag an. Auf halbem Heimwege holte Carl die Seinigen wieder ein, und

blieb nun in der Nähe des Fuhrwerks, indem er bald im Schritt zurückblieb,

und bald wieder im Trabe oder im Galopp bei ihm vorübereilte. Wohlbehalten

und in der glücklich heitern Stimmung, wie sie das Herz des Menschen nach

Beseitigung einer großen Gefahr noch lange Zeit erfüllt, langte die Familie

zu Hause an; es wurde schnell zu Mittag gespeist, und dann begab sich

Madame Turner mit Julie in die Vorrathskammern und in die Küche, um die

nöthigen Vorbereitungen zur Bewirthung der zu erwartenden lieben Gäste zu

treffen.

Gastfreundschaft und Freigebigkeit hatten von jeher auf der Kluse

geherrscht, und auch die gegenwärtigen Bewohner derselben waren weit und

breit dafür bekannt, daß Freunde ihnen jederzeit willkommen waren. Arme

Leute fanden dort immer Arbeit, und oftmals gab Turner ihnen Beschäftigung,

wenn ihr Dienst ihm auch in keiner Weise einen Vortheil bot, und Kranke und

Altersschwache meldeten sich niemals in diesem Hause, ohne Unterstützung,

Pflege und Trost zu erhalten. Der Freunde aber, welche von Turners

Gastfreundschaft Gebrauch machten, waren unzählige; es verging fast kein

Tag, wo nicht einige derselben sich auf der Kluse einfanden, und selten

waren die Mittagstafeln, der Kaffeetisch oder die Abendmahlzeit ohne

Gäste. Madame Turner machte ihretwegen durchaus keine Aenderungen in den

häuslichen Einrichtungen, sie wurden herzlich willkommen geheißen und

mußten mit dem vorlieb nehmen, was die Hausordnung mit sich brachte. Alles

aber, was man ihnen reichte, wurde freudig gegeben und war gut, ja, man

sagte allgemein, besser als irgendwo anders. Der Spaziergang von dem

Städtchen nach der Kluse war ein nicht gar weiter, der Weg trocken und

eben und die Gegend malerisch schön. Das Gut selbst lag reizend, hatte eine

zauberisch liebliche, von fernen blauen Gebirgen begrenzte Aussicht in das

Werrathal, und seine Gärten waren wegen ihrem Blumenflor sowohl, als wegen

ihres herrlichen Obstes berühmt.

Heute, am zweiten Pfingsttage, wurde nun allerdings der Kaffeetisch, der

in der Laube des Gartens gedeckt war, mit größerer Sorgfalt besetzt, als

gewöhnlich: das gute Porzellan- und Silbergeschirr war aufgetragen, und ein

reichlicher Vorrath von verschiedenen Festkuchen erhob sich auf der Mitte

des Tisches. Madame Turner selbst erschien in einem schwarzen seidenen

Gewande, trug aber zum Schutze für dasselbe eine blendend weiße Schürze

darüber, und Julie, die der Mutter beim Anordnen des Tisches zur Hand ging,

war weiß gekleidet, und glich mit dem blaßrothen seidenen Bande, welches

sie umgab, den zarten Blüthen, womit der Frühling die Bäume des Gartens

geschmückt hatte.

Die Gäste stellten sich bald in großer Zahl ein, sie wurden herzlich und

freudig bewillkommnet, es wurde Alles aufgeboten, ihnen den Aufenthalt

angenehm zu machen, ihre Erwartungen und Wünsche auf das vollkommenste zu

befriedigen, und der allgemeine Frohsinn, die unbegrenzte Heiterkeit, unter

welchen der Nachmittag hingebracht wurde, zeigten deutlich, wie sehr das

Bestreben Turners sein Ziel erreicht hatte.

Der Tag neigte sich, die Sonne versank, und der Abendstern begann zu

funkeln. Es war ein zauberisch schöner milder Abend, die Bewegung der Luft

hatte nicht Macht genug, die fallenden schneeigen Blüthen der Bäume mit

sich fortzutragen, nur den Duft derselben nahm sie mit sich und mischte

ihn mit dem der Wälder, der Wiesen und der Felder. Von allen Seiten des

Berggartens her ertönte der schmelzende melodische Gesang der Nachtigallen,

als wetteiferten sie, der Familie Turner und deren Gästen ihre schönsten

Lieder darzubringen, als forderten sie dieselben auf, näher zu ihren

dunkeln Verstecken heranzutreten. Die ganze Gesellschaft erhob sich, um

sich in der erfrischenden Abendluft zu ergehen und den höher gelegenen

Theil des Gartens zu besuchen, von wo sie die Aussicht auf das Thal noch

freier und ungehinderter genießen konnte. Noch hatten sie die Höhe nicht

erreicht, als der Mond glänzend am Himmel aufstieg und sein mildes helles

Licht über die Erde breitete.

Madame Turner und Julie stahlen sich aber dort von der Gesellschaft hinweg,

um ein einfaches Abendbrod für dieselbe zu bereiten, und als nach einer

halben Stunde Herr Turner mit den Gästen nach der Laube zurückkehrte, war

der Tisch bereits gedeckt. Der Mond stand schon hoch am Himmel, als die

Gäste den Heimweg antraten und ihren freundlichen Wirthen einen neuen

Beitrag zu dem Glauben hinterließen, daß sie mehr aufrichtige wahre Freunde

besäßen, als andere Menschen.

Der folgende Tag war für die Arbeiter noch ein Festtag, Herr Turner war

aber seiner Gewohnheit nach schon am frühen Morgen davongeritten, um die

Felder und Wiesen in Augenschein zu nehmen. Auch Madame Turner hatte sich,

wie an Werktagen, vor Aufgang der Sonne in ihrer Wirthschaft eingefunden,

um mit Julie beim Melken, beim Buttern und beim Bereiten des Frühstücks

zugegen zu sein. Die Knaben waren, weil sie heute die Schule noch nicht

zu besuchen brauchten, frühzeitig nach dem Flusse gegangen und hatten eine

tüchtige Tracht Fische gefangen, wozu Carl die Angeln angefertigt hatte. Im

Triumph trugen sie die reiche Beute in die Küche, damit Madame Turner die

kleineren Fische noch zum Frühstück in der Pfanne backen möge, während die

größeren für das Mittagsessen aufgehoben werden sollten. Dann nahm Carl

seine beiden Halbbrüder mit sich hinaus, um Herrn Turner entgegen zu gehen,

da sie genau den Weg kannten, auf welchem derselbe zurückzukehren pflegte.

Pluto natürlich mußte sie begleiten, und jubelnd sausten sie durch

das bethaute Gras der nahen Wiese, um an deren anderen Seite den Pfad

einzuschlagen, der zwischen den Feldern hinführte. Kaum hatten sie

denselben aber erreicht, als Herr Turner schon herangetrabt kam und die

junge Gesellschaft nach dem Hause zurückführte.

Bald darauf trat Julie in ihres Vaters Zimmer, um ihn zum Frühstückstisch

zu rufen, bei welchem sich die Familie schnell sammelte; denn Alle waren

schon seit mehren Stunden thätig gewesen, und erfreuten sich eines gesunden

Appetits. Als nach dem üblichen Tischgebet der Teller mit rohem Schinken

und das Brod und die Butter herumgereicht wurden, und Julie den Kaffee und

die frische Milch darbot, nahm Herr Turner das Wort, und rühmte den Segen,

der weit und breit auf den Fluren ausgebreitet läge.

»Alles steht ungewöhnlich gut und im Ueberfluß, und wenn der Himmel uns

ferner gnädig ist, so machen wir eine außerordentlich reiche Ernte. Die

Kluse ist und bleibt doch eine Goldgrube, und --«

In diesem Augenblick trat das Hausmädchen mit einem Briefe in der Hand

in das Zimmer, und meldete, daß ein Bote der adeligen Herrschaft, deren

Eigenthum die Kluse war, das Schreiben abgegeben habe.

»Sage ihm, er solle warten, vielleicht bekommt er Antwort mit,« rief Turner

dem Mädchen zu, indem er aufstand und den Brief erbrach.

»Er ist schon fort, und sagte, daß er nicht auf Antwort zu warten brauche,«

entgegnete die Dienerin und verließ das Zimmer, während Turner mit den

Worten: »was mögen die wollen?« nach dem Fenster trat und das Papier

entfaltete.

Madame Turner war unwillkürlich mit dem Blick ihrem Gatten gefolgt;

dieser wurde plötzlich bleich, das Papier bebte in seiner Hand, er las das

Schreiben noch einmal durch, und faltete es dann schnell zusammen, um es

in der Rocktasche zu verbergen. Da begegneten seine Augen dem ängstlich

fragenden Blick seiner Gattin.

Er sagte nichts, und Madame Turner fragte nicht; es war aber ein Schweigen,

wie wenn ein Gespenst in die Stube getreten wäre und hätte ihnen die Worte

auf den Lippen erstarrt. Turner legte seine Serviette neben seinem Teller

nieder und verließ das Zimmer.

Carl war aufgesprungen und wollte seinem Onkel nacheilen, doch Madame

Turner hielt ihn mit den Worten zurück: »geh mit Arnold und Wilhelm in den

Garten, bist auch ein guter Carl. Der Vater hat jetzt Geschäfte.«

Dann sandte sie Julie mit dem Tischgeräth fort und blieb allein in dem

Zimmer zurück.

Carl Scharnhorst. Abenteuer eines deutschen Knaben in Amerika. · 第 1 / 26 段