Ernst Wurche hatte gerade am Fenster gestanden und sich rasi

Anmerkungen zur Transkription

Das Original ist in Fraktur gesetzt.

Im Original gesperrter Text ist +so dargestellt+.

Im Original in Antiqua gesetzter Text ist ~so dargestellt~.

Im Original fetter Text ist =so dargestellt.=

Weitere Anmerkungen finden sich am Ende des Buches.

Walter Flex

Der Wanderer zwischen beiden Welten

»Auf Poesie ist die Sicherheit

der Throne gegründet.«

+Gneisenau+

Der Wanderer

zwischen beiden Welten

Ein Kriegserlebnis

von

Walter Flex

40. bis 42. Auflage. Mit einem Nachwort

131. bis 140. Tausend

[Illustration]

C. H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung

Oskar Beck München 1918

~By~

Dem Gedächtnis meines lieben Freundes

+Ernst Wurche+

Kriegsfreiwillig im 3. Niederschlesischen Inf.-Rgt. 50

Leutnant d. R. im 3. Unterelsässischen Inf.-Rgt. 138

Eine stürmische Vorfrühlingsnacht ging durch die kriegswunden

Laubwälder Welsch-Lothringens, wo monatelanger Eisenhagel jeden Stamm

gezeichnet und zerschroten hatte. Ich lag als Kriegsfreiwilliger

wie hundert Nächte zuvor auf der granatenzerpflügten Waldblöße als

Horchposten und sah mit windheißen Augen in das flackernde Helldunkel

der Sturmnacht, durch die ruhlose Scheinwerfer über deutsche und

französische Schützengräben wanderten. Der Braus des Nachtsturms

schwoll anbrandend über mich hin. Fremde Stimmen füllten die zuckende

Luft. Über Helmspitze und Gewehrlauf hin sang und pfiff es schneidend,

schrill und klagend, und hoch über den feindlichen Heerhaufen, die

sich lauernd im Dunkel gegenüberlagen, zogen mit messerscharfem Schrei

wandernde Graugänse nach Norden.

Die verflackernde Lichtfülle schweifender Leuchtkugeln hellte wieder

und wieder in jähem Überfall die klumpigen Umrisse kauernder Gestalten

auf, die in Mantel und Zeltbahn gehüllt gleich mir, eine Kette von

Spähern, sich vor unseren Drahtverhauen in Erdmulden und Kalkgruben

schmiegten. Die Postenkette unsres schlesischen Regiments zog sich vom

Bois des Chevaliers hinüber zum Bois de Vérines, und das wandernde Heer

der wilden Gänse strich gespensterhaft über uns alle dahin. Ohne im

Dunkel die ineinanderlaufenden Zeilen zu sehen, schrieb ich auf einen

Fetzen Papier ein paar Verse:

Wildgänse rauschen durch die Nacht

Mit schrillem Schrei nach Norden --

Unstäte Fahrt! Habt acht, habt acht!

Die Welt ist voller Morden.

Fahrt durch die nachtdurchwogte Welt,

Graureisige Geschwader!

Fahlhelle zuckt, und Schlachtruf gellt,

Weit wallt und wogt der Hader.

Rausch' zu, fahr' zu, du graues Heer!

Rauscht zu, fahrt zu nach Norden!

Fahrt ihr nach Süden übers Meer --

Was ist aus uns geworden!

Wir sind wie ihr ein graues Heer

Und fahr'n in Kaisers Namen,

Und fahr'n wir ohne Wiederkehr,

Rauscht uns im Herbst ein Amen!

Während ich das im Bois des Chevaliers schrieb, lag drüben

im Vérines-Walde ein zwanzigjähriger Student der Theologie,

Kriegsfreiwilliger gleich mir, auf Horchposten. Wir wußten damals noch

nichts voneinander. Aber als er, Monate später, die Verse in meinen

Kriegstagebuchblättern fand, entsann er sich deutlich jener Nacht und

des wandernden Gänseheers, das über uns beide dahinzog. Beide sahen

wir ihm mit den gleichen Gedanken nach. Und an uns beide trat in

derselben Stunde aus dem Dunkel der hinter uns liegenden Gräben eine

Gefechtsordonnanz mit dem Befehl, uns um Mitternacht marschfertig vor

dem Regimentsgeschäftszimmer zu melden. Mit müden und doch seltsam

wachen Sinnen sahen wir im Abstieg noch einmal die schwermütige

Schönheit der kahlen, grauen Hänge und Mulden, deren Kalk im Mondlicht

tot, fremd und schwer wird, und die lichtlose, graue Einsamkeit der

zerschossenen und verlassenen Steinhütten ...

Im Geschäftszimmer des Regiments erfuhren wir, daß wir bei Morgengrauen

mit zwanzig andern Kriegsfreiwilligen nach Deutschland in Marsch

gesetzt würden, um im Posener Warthelager eine Offiziersausbildung

durchzumachen.

Auf der abschüssigen Dorfstraße zwischen der granatenzertrümmerten

Kirche und dem Pfarrhaus mit seinen Kriegergräbern trat unser kleiner

Trupp in der Frühe des folgenden Tages an. Zur gleichen Zeit wie wir

sollte ein Kommando von Berufsschlächtern, die zur Verwendung in der

Heimat aus der Truppe gezogen waren, den Ort verlassen. Während wir

nun in Reih und Glied, des Marschbefehls gewärtig, vor dem Pfarrhaus

standen, trat ein Major an uns heran und rief uns von weitem zu:

»Seid Ihr die Metzger, Kerls?« und ein Chorus von beleidigten und

vergnügten Stimmen antwortete: »Nein, Herr Major, wir sind die

Offiziersaspiranten!« Während der Major mit einem verdrießlichen

Gemurmel an unserm grauen Häuflein vorbei die Suche nach seinen

Metzgern fortsetzte, sah ich zufällig in ein paar auffallend schöne

lichtgraue Menschenaugen. Sie gehörten meinem Nebenmann und standen

randvoll fröhlichen Lachens. Wir sahen uns an und begegneten uns in

der Freude an einem jener kleinen harmlos-spaßhaften Erlebnisse, an

denen unser Kriegsfreiwilligendasein reich war. Was für reine Augen

hat der junge Mensch! dachte ich und merkte beim Aufruf durch den

Regimentsschreiber auf seinen Namen. »Ernst Wurche.« »Hier!« Nun,

dachte ich, es ist hübsch, daß du und ich den gleichen Weg haben ...

Ein paar Stunden später stieg unser kleiner Trupp die mit Strömen von

Heldenblut getränkten Höhen der Côtes Lorraines von Hâtonchatel nach

Vigneulles hinab. Der steile Abstieg und die von Tau und Sonne sprühend

frische Luft rückte einem, ohne daß man's recht wußte, den Kopf in

den Nacken, und bald flatterte ein Lied wie eine helle frohe Fahne

über dem grauen Häuflein. »Wohlauf, die Luft geht frisch und rein! Wer

lange sitzt, muß rosten. Den allersonnigsten Sonnenschein läßt uns der

Himmel kosten.« Wie lange hatte man das nicht gesungen! Wer hatte es

angestimmt? Der junge Student mir zur Seite hatte eine Stimme, so hell

und rein wie seine Augen. Wer so singt, mit dem wird gut plaudern sein,

dachte ich, während er unbekümmert froh die frischerwachte Wanderlust

im Liede ausschwingen ließ ...

Steiler und steiler drängte die Straße in die weite lothringische

Ebene hinab. In scharfer Wendung zwang sie auf halber Höhe plötzlich

den Blick rückwärts und hinauf zu der in Morgenröte und Frühnebeln

badenden Kirche von Hâtonchatel, aus deren gotischem Zierat die

junge Sonne gleichsam in hellen Bächen hervorsickerte, empor zu den

zerschossenen Häusern, die sie umdrängten, und zu dem Bergfriedhof

davor, über dessen graue Mauern das Leben in Büscheln frischen Grüns

mit hundert schlanken Zweigen voll silbrig schimmernden Teufelszwirns

und schwellender Haselkätzchen hinausdrängte. Je tiefer wir stiegen,

desto thronender hob sich über das Tal und die taufeuchten Rebenhänge,

in immer hellerer Sonne schwelgend, die Kirchenruine von Hâtonchatel,

eine Gottesburg, vor der sich das reiche Land hinauf und hinab breitete

wie ein Gebetsteppich für Scharen von Pilgern.

Vielleicht hätte ich dies alles nicht so gesehen ohne den

zwanzigjährigen Kameraden neben mir. Er sang nicht mehr, sondern war

ganz in Schauen und Schreiten versunken. Trotz und Demut, die Anmut des

Jünglings, lagen wie ein Glanz über der Haltung des straffen Körpers,

dem schlanken Kraftwuchs der Glieder, dem stolzen Nacken und der

eigenwilligen Schönheit von Mund und Kinn. Sein Gehen war federnde, in

sich beruhende und lässig bewegte Kraft, jenes Gehen, das »Schreiten«

heißt, ein geruhiges, stolzes und in Stunden der Gefahr hochmütiges

Schreiten. Der Gang dieses Menschen konnte Spiel sein oder Kampf oder

Gottesdienst, je nach der Stunde. Er war Andacht und Freude. Wie

der schlanke, schöne Mensch in dem abgetragenen grauen Rock wie ein

Pilger den Berg hinabzog, die lichten grauen Augen ganz voll Glanz

und zielsicherer Sehnsucht, war er wie Zarathustra, der von den Höhen

kommt, oder der Goethesche Wandrer. Die Sonne spielte durch den feinen

Kalkstaub, den seine und unsere Füße aufrührten, und der helle Stein

der Bergstraße schien unter seinen Sohlen zu klingen ...

Sein Gang war Wille und Freude. Er ging aus Vergangenheit in Zukunft,

aus den Lehrjahren ging er in seine Meisterjahre hinüber. Hinter ihm

versanken die Berge, auf denen er mit Picke und Spaten geschanzt

hatte, die Wälder, deren zentnerschwere Stämme er stundenweit auf

willigen Schultern getragen, die Dörfer, deren Straßen er mit Schaufel

und Kotrechen saubergehalten hatte, die Gräben, in denen er zu allen

Stunden des Tages und der Nacht seinen Wachdienst getan und die

Erdlöcher und Unterstände, in denen er soviel Monate hindurch mit

Handwerkern, Fabrikern und polnischen Landarbeitern gute Kameradschaft

gehalten hatte. Er hatte sechs Monate hindurch den grauen Rock ohne

Knopf und Tressen getragen, und von den härtesten und niedrigsten

Diensten war ihm nichts geschenkt worden. Nun schritt er von den Bergen

herab, um Führer zu werden. Aber er warf die Vergangenheit nicht von

sich wie einen abgetragenen Rock, sondern nahm sie mit sich wie einen

heimlichen Schatz. Er hatte sechs schwere Monate hindurch um die Seele

seines Volkes gedient, von der so viele reden, ohne sie zu kennen.

Nur wer beherzt und bescheiden die ganze Not und Armseligkeit der

Vielen, ihre Freuden und Gefahren mitträgt, Hunger und Durst, Frost

und Schlaflosigkeit, Schmutz und Ungeziefer, Gefahr und Krankheit

leidet, nur dem erschließt das Volk seine heimlichen Kammern, seine

Rumpelkammern und seine Schatzkammern. Wer mit hellen und gütigen

Augen durch diese Kammern hindurchgegangen ist, der ist wohl berufen,

unter die Führer des Volkes zu treten. Als ein Wissender an Kopf und

Herzen stieg der junge Kriegsfreiwillige von den lothringischen Bergen

herab, um Führer und Helfer in seinem Volke zu werden. Davon klang sein

Schritt. Und wenn die Menschen mit allem lügen und heucheln könnten,

Blick und Stimme und Gang der Starken und Reinen können sie nicht

erheucheln und nachtäuschen. Noch hatte ich mit dem jungen Studenten

kein Wort gesprochen, aber Blick und Stimme und Gang des Jünglings

waren mir freund geworden.

Im Eisenbahnwagen kamen wir ins Gespräch. Er saß mir gegenüber und

kramte aus seinem Tornister einen kleinen Stapel zerlesener Bücher:

ein Bändchen Goethe, den Zarathustra und eine Feldausgabe des Neuen

Testaments. »Hat sich das alles miteinander vertragen?« fragte ich.

Er sah hell und ein wenig kampfbereit auf. Dann lachte er. »Im

Schützengraben sind allerlei fremde Geister zur Kameradschaft gezwungen

worden. Es ist mit Büchern nicht anders als mit Menschen. Sie mögen so

verschieden sein, wie sie wollen -- nur stark und ehrlich müssen sie

sein und sich behaupten können, das gibt die beste Kameradschaft.« Ich

blätterte, ohne zu antworten, in seiner Sammlung Goethescher Gedichte.

Ein anderer Kamerad sah herüber und sagte: »Das Buch habe ich mir beim

Auszug auch in den Tornister gesteckt, aber wann hat man hier draußen

Zeit zum Lesen gehabt?« »Wenn man wenig Zeit zu lesen hat,« meinte der

junge Student, »so soll man auswendig lernen. Ich habe in diesem Winter

siebzig Goethesche Gedichte gelernt. Die konnte ich dann vorholen, so

oft ich wollte.« Er sprach frei und leicht und ohne jeden Anflug von

Selbstbespiegelung oder Schulmeisterlichkeit, aber seine unbefangene

und selbstsichere Art, ohne Scheu auch von wesentlichen und innerlichen

Dingen zu reden, zwang zum Aufhorchen. Seine Worte waren so klar wie

seine Augen, und aus jedem seiner frisch und ehrlich gefügten Sätze

konnte man sehen, weß Geistes Kind man vor sich hatte.

Die Gespräche im Eisenbahnwagen kreuzten um die Aufgaben der nahen

Zukunft. Wir fuhren einer Lehrzeit entgegen. Dem einen schien's viel,

dem andern wenig, was in der kurzen Zeit zu lernen war. »Ein Zugführer

braucht ja kein Stratege zu sein,« meinte einer. »Leutnantsdienst tun

heißt: seinen Leuten vorsterben. Wer ein ganzer Kerl ist, braucht nur

ein wenig Handwerk zuzulernen.« Der so sprach, meinte es ehrlich, und

er hat nicht allzulang danach in Russisch-Polen sein Wort wahr gemacht,

aber seine ungelenke und hitzige Art, unvermittelt und oft am falschen

Platz große Worte zu machen, ließ ihn bei aller Redlichkeit oft zur

Zielscheibe harmlosen Spottes werden. Auch hier fiel sein Wort wie

ein Stein in leichtes Geplauder. Einige lächelten. Aber Ernst Wurche

hob den Stein leicht auf, und er wurde in seiner Hand zum Kristall.

»Leutnantsdienst tun heißt seinen Leuten +vor-leben+,« sagte er,

»das Vor-sterben ist dann wohl einmal ein Teil davon. Vorzusterben

verstehen viele, und das ›~Non dolet~‹, mit dem die römische Frau

ihrem zaghaften Gatten zeigte, wie gut und leicht sich sterben läßt,

steht dem Mann und Offizier noch besser, aber das Schönere bleibt das

Vor-leben. Es ist auch schwerer. Das +Zusammen+-leben im Graben war

uns vielleicht die beste Schule, und es wird wohl niemand ein rechter

Führer, der es nicht hier schon war.«

Es erhob sich alsbald ein lebhafter Streit, ob es leicht oder schwer

sei, Einfluß auf das Denken und Fühlen des gemeinen Mannes zu gewinnen.

Mancher hatte mit Belehrungs- und Erziehungsversuchen kläglich

Schiffbruch gelitten und war immer wie ein fremder Vogel im Schwarm

gewesen. Vieles, das hin- und hergeredet wurde, ist mir entfallen,

und es verblaßte auch mit Recht neben einem kleinen Erlebnis, das der

junge Student erzählte. »Die großen Kerls«, meinte er lächelnd, »sind

wie die Kinder. Mit Schelten und Verbieten ist wenig getan. Sie müssen

einen gern haben. Ein Spiel, bei dem man nicht mittut, muß ihnen kein

rechtes Spiel sein. Wenn wir zu acht im Unterstand lagen, suchte auch

oft einer dem anderen mit unsaubern Witzen den Vogel abzuschießen.

Und ein Weilchen unterhielten sie sich damit ganz prächtig. Aber dann

war einer, ein Breslauer Sozialdemokrat, der gute Freundschaft mit

mir hielt; der merkte immer zuerst, wenn ich nicht mittat. ›Ernstel,

schläfst du auch?‹ fragte er dann jedesmal, und wir wußten alle beide,

daß sein Spott auf unsichern Beinen stand. Ich knurrte auch nur,

›Laßt mich zufrieden‹, oder so. Sie wußten recht gut, wenn ich nichts

von ihnen wissen wollte, und das paßte ihnen nicht. Es dauerte dann

meistens auch gar nicht lange, bis einer eine Schnurre erzählte, über

die ich mitlachte. Und dann hatten wir die lustigsten Stunden.«

Er erzählte das ganz schlicht und mit so herzgewinnender Nachfreude,

daß man unwillkürlich die Kraft spürte, die sein Wesen auf grobe und

feine Herzen übte. Ich verstand ganz seine »großen Kerls«, die ihn

»gern hatten« und denen das Lachen ohne ihn schal war. Viel später, in

den Wäldern von Augustow, hat er mir dann zuweilen Briefe seiner alten

Kameraden zu lesen gegeben, denen er selbst fleißig schrieb. Darunter

war auch einer seines Breslauer Sozialdemokraten. Der fing mit »Lieber

Herr Leutnant« an, und ziemlich unvermittelt stand zwischen allerlei

Nachrichten: »Seit Sie fort sind, sind unsre Gespräche nicht besser

geworden. Über viele Witze würden Sie nicht lachen, und wir dann auch

nicht.« Es mag, auch in Deutschland, nicht viele Offiziere geben,

denen solche Briefe geschrieben werden ...

In dem Eisenbahnwagen, der uns quer durch Deutschland von Metz nach

Posen führte, saß ich dem rasch liebgewonnenen Kameraden viele

Stunden gegenüber. Es wurde viel gelacht und geplaudert. Aus allen

seinen Worten sprach ein reiner, klarer, gesammelter Wille. So wie

er die Anmut des Knaben mit der Würde des Mannes paarte, war er ganz

Jüngling, und er erinnerte mich in seinem bescheidenen, selbstsicheren

Lebensfrohsinn fast schmerzhaft deutlich an meinen jüngsten Bruder,

der in den ersten Septembertagen in Frankreich gefallen war. »Sind

Sie nicht Wandervogel, Wurche?« fragte ich ihn aus meinen Gedanken

und Vergleichen heraus, und sieh', da hatte ich an die Dinge des

Lebens gerührt, die ihm die liebsten waren! Aller Glanz und alles Heil

deutscher Zukunft schien ihm aus dem Geist des Wandervogels zu kommen,

und wenn ich an ihn denke, der diesen Geist rein und hell verkörperte,

so gebe ich ihm recht ...

* * * * *

Die paar Wochen Lehrzeit im Warthelager haben dem Wesen des Jünglings

nichts gegeben und nichts genommen. Er wurde rasch nacheinander

Unteroffizier, Feldwebel und Leutnant. Mit seinen Aufgaben fand er sich

glatt und sicher ab, und an den Verdrießlichkeiten und Kleinlichkeiten,

wie sie der Friedensdrill mit sich bringt, ging er mit lässigem Hochmut

vorüber. Einmal entschlüpfte auch mir, ich weiß nicht mehr über wen

und worüber, ein verdrossenes Wort. Da schob er seinen Arm in meinen,

sah mich mit seiner herzlich zwingenden Heiterkeit an und zitierte aus

seinem Goethe:

»Wandrer, gegen solche Not

Wolltest du dich sträuben?

Wirbelwind und trocknen Kot

Laß ihn drehn und stäuben!«

Damit war die Sache abgetan. Wir wanderten in den Sonntagmorgen hinaus

zum Warthe-Ufer und sprachen von Flüssen, Bergen, Wäldern und Wolken ...

* * * * *

Es wurde Mai. Da zogen wir zum zweitenmal hinaus. Wohin? Das wußte

von den paar hundert jungen Offizieren noch keiner, als uns schon

die grellweißen Lichtkegel unsrer Autos zum Schlesischen Bahnhof in

Berlin vorausrasten. Die Zukunft war voller Geheimnisse und Abenteuer,

und aus dem Dunkel im Osten, in das sich die Lichter unsres Zuges

hineinfraßen, wuchs der Schatten Hindenburgs ...

Der Zug fuhr ohne Halt durch die Mainacht, als wollte er Weg und Ziel

nicht verraten. Nur hin und wieder flog ein grell von Bahnhofslichtern

überstrahltes Schild mit einem Stationsnamen an uns vorüber. Es

ging nach Osten. Der Schatten Hindenburgs wuchs und wuchs. Kühl und

blausonnig ging der Maimorgen über den ostpreußischen Seen auf. Ging es

nach Kurland, ging es nach Polen? Ernst Wurche zeigte hartnäckig, so

oft wir hin- und herrieten, auf die Teile der großen Generalstabskarte,

die mit dem tiefsten Blau und dem lichtesten Grün gezeichnet waren.

Der helle, liebe Mai gaukelte dem Wandervogel die Lockbilder weiter,

sonniger Seen, schattiger Wälder und taunasser Wiesen vor.

Auf dem Bahnhof eines ostpreußischen Städtchens wurden uns von

lachenden Mädchen Erfrischungen und Blumen ins Abteil gereicht. Als der

Zug sich unter Winken, Zurufen und Gelächter in Bewegung setzte, warf

uns ein älterer Herr mit einem fast zornigen Gesicht ein Extrablatt

zu. Wir fingen es auf und lasen. Italien hatte an Österreich den Krieg

erklärt ...

Seit Tagen schon hatte man nichts anderes mehr erwartet. Es waren

nicht wenige unter uns, die noch in Berlin darauf gewettet hatten,

daß wir selbst an die italienische Front geworfen würden. Nun stand

der italienische Verrat schwarz auf weiß wie eine häßliche Fratze vor

uns. Ein Weilchen war es still. Dann fielen harte, starke und laute

Worte. Einer der Jüngsten von uns, der noch nicht allzulang der Sekunda

entlaufen war, steckte das Blatt auf die Spitze seines Degens und

winkte damit zum Fenster hinaus. Ein paar helle Mädchenarme winkten

fröhlich und übermütig zurück. Der alte Ostpreuße in seinem schwarzen

Rock stand unbeweglich und sah uns fast drohend nach. Der Bahnhof

floh zurück. Die Menschen auf dem Bahnsteig schrumpften zusammen. Ein

paar helle, bunte Flecke, mitten darin ein schwarzer Strich ... Dann

verschwand auch das. Nur das Blatt mit den großen, zornigen, schwarzen

Lettern lag noch auf dem roten Plüsch unseres Abteils. Eine Hand nach

der andern hob es auf. Zuletzt warf es eine Faust zerknüllt in die Ecke.

Das Gespräch ging längst wieder andere Wege. Ein junger Berliner

Hochschullehrer, der als Kriegsfreiwilliger mit den jungen Regimentern

in Flandern gefochten hatte, erzählte aus der Hölle von Ypern.

Mein Blick fiel zufällig auf Ernst Wurche. Er saß still in seiner Ecke,

aber seine hellen, frohen Augen spielten mit der Maisonne um die Wette

über die aufgeschlagenen Seiten eines Büchleins, das ihm auf den Knien

lag. Es war sein Neues Testament. »Ernstel, schläfst du?« neckte ich

ihn, da er's so ganz verschmähte, an unsern Gesprächen teilzunehmen.

Er sah voll und herzlich auf. Dann rückte er mir mit einer raschen,

fröhlichen Bewegung das schwarze Bändchen hin und tippte mit dem Finger

auf eine Zeilenreihe.

»Der mit der Hand mit mir in die Schüssel tauchte, der wird mich

verraten,« las ich. Ich glaubte ihn zu verstehen. »Italien?« fragte

ich. Er nickte und tippte auf eine andere Stelle.

»Da ging hin einer mit Namen Judas Ischarioth und sprach: +Was wollt

Ihr mir geben?+ Ich will ihn Euch verraten ...« Ich nickte ihm zu, da

warf er rasch ein paar Blätter herum. »Und das wird das Ende sein!«

Sein Zeigefinger lag auf dem kläglichen Wort des Verräters: »Ich habe

übel getan, daß ich unschuldig Blut verraten habe.« Und weiter: »+Sie

sprachen: Was geht uns das an! Da siehe du zu!+«

Keine Spur eines finsteren Eiferers lag in seinem offenen Blick und

seiner frohen Gebärde. Seine Seele war weit und voll Sonne, und er

las die Bibelstellen nicht anders als in dem hellen, starken Geiste,

mit dem wir Kriegsfreiwilligen den Mondregenbogen an Gottes Himmel

schauten, als wir nach Frankreich hinausfuhren. Sein Christentum

war ganz Kraft und Leben. Die religiöse Erweckung aus Feigheit war

ihm erbärmlich. Er hatte eine stille, herzliche Verachtung für das

draußen und daheim wuchernde Angst-Christentum und die Gebetspanik

der Feigen. Von ihnen sagte er einmal: »Sie suchen immer in Gottes

Willen hineinzupfuschen. Gottes Wille ist ihnen nicht so heilig wie ihr

bißchen Leben. Man sollte immer nur um Kraft beten. Der Mensch soll

nach Gottes Hand greifen, nicht nach Pfennigen in seiner Hand.« Sein

Gott war mit einem Schwerte gegürtet, und auch sein Christus trug wohl

ein helles Schwert, wenn er mit ihm in den Kampf schritt. Zur Stunde

sah er seine blanke Schneide gegen die verräterischen Bundesgenossen

fliegen. Davon brannten ihm die Augen.

Der junge Offizier ließ an seinen Glauben so wenig rühren wie an sein

Portepee. Sein Glaube und seine Ehre, das gehörte zusammen. Ich hörte

später einmal, wie ein etwas älterer Kamerad mit einer läppischen

Bemerkung über sein theologisches Studium witzelte. Den sah er hell an,

und dann sagte er ganz ruhig und liebenswürdig: »Theologie ist eine

Sache für feine Köpfe, nicht für Klötze.« Er verlor nie die Ruhe, auch

nicht, wenn er grob wurde, und er konnte vollendet grob werden.

Allmählich ließ sich das Ziel unserer Reise erkennen. Eine Nacht

verbrachten wir in Suwalki, und am nächsten Morgen fauchte der Zug,

der nur noch wenige Wagen zählte, durch die endlosen Nadelwälder von

Augustowo zur Front. Ein Teil der Bahnstrecke wurde von den Russen

unter Artilleriefeuer gehalten. Auf offener Strecke blieben wir ein

paar Stunden liegen, während der Gegner weiter vorn die Geleise mit

Granaten abstreute. Einige Wipfel brachen wie unter jähen Blitzschlägen

zusammen. Ein Teil des Waldes brannte, ein grelles, heißes Rot fraß

sich durch den schweren Qualm von brennendem Holz und Harz.

Nach einer Weile schwieg die feindliche Artillerie, und unser Zug

setzte sich wieder in Bewegung. Schneller und schneller glitten Fichten

und Sand, Sand und Fichten vorüber. Mit einmal erschütterte der ganze

Zug von dem schmetternden Krachen einer krepierenden Granate, deren

Sausen das Rattern der Bahn übertäubt hatte. Ein Knirschen von Holz

und Eisen. Ein paar Stöße, die wie Faustschläge durch die roten Polster

kamen. Eine Scheibe sprang mit peitschenartigem Knall aus dem Rahmen.

Der Wagen neigte sich hart rechtsüber, schwankte, stand. Die Granate

war unter dem fahrenden Zug in den Bahndamm geschlagen und hatte wie

eine Teufelsfaust die Erde unter den heißen Schienen fortgerissen. Der

Zug war aus den Gleisen gesprungen und stand mit gefährlicher Neigung

über der steilabfallenden Böschung. Ein Maschinengewehr hämmerte aus

der Ferne, wo man wohl durchs Scherenfernrohr den Treffer beobachtet

hatte, herüber. Tak--ta--tak--tak--tak--ta--tak ...

Ernst Wurche hatte gerade am Fenster gestanden und sich rasiert. Mitten

in den Strich war das Krachen und Brechen gekommen. Er hob das Messer

leicht ab und hielt sich mit der Linken am Gepäcknetz fest. Aus den

Nebenabteilen sahen wir die Kameraden, zum Teil hemdärmelig, aus den

schwankenden Wagen springen. Mir selbst waren ein Koffer und Wäschesack

auf den Kopf gefallen und hatten mich vornüber geworfen. Ich rappelte

mich wieder auf. Der Zug stand. Ich sah nach Wurche und mußte lachen.

Er führte mit dem Messer sauber den unterbrochenen Strich zu Ende,

wischte sich den Seifenschaum aus dem Gesicht und sagte seelenruhig:

»Na, da können wir wohl auch aussteigen!« Er ließ sich seine fröhliche

Ruhe von niemand aus den Fingern schlagen, und es lag nicht in seiner

Art, bei einer Panik mit der Seife im Gesicht aus dem Rasierladen

zu laufen, wenn noch Zeit war, sie abzuwischen. Gelassenheit war

eins seiner Lieblingsworte, in ihr sah er das Wesen menschlicher und

männlicher Würde, heitere und lässige Sicherheit lag immer wie ein

Glanz über seinem Wesen, und es war in ihr soviel menschliche Anmut wie

männliche Würde.

Mit dem »Aussteigen« freilich haperte es. Alle Türen nach draußen und

zu den Nebenabteilen waren verkeilt. »Eskaladieren wir!« sagte Wurche

und kletterte durch das zersprungene Fenster ins Freie. Ich warf unsre

Gepäckstücke nach und folgte auf demselben Wege. Wir rückten unsre

Koffer dicht an die dem Feinde abgekehrte Seite des steilabfallenden

Bahndamms und streckten uns daneben in Gras und Sonne. Zwei Stunden

später kam von Augustowo her ein Hilfszug und brachte uns mit einiger

Verspätung ans Ziel. Rußland hatte uns sein Willkommen entboten.

Im Divisionsstabsquartier von Augustowo wurden wir auf Regimenter und

kurz danach in einer Russenkaserne auf Kompanien verteilt. Ich wußte es

beide Male einzurichten, daß ich mit Wurche zusammenblieb. Wir kamen

beide zur 9. Kompanie eines elsässischen Infanterie-Regiments.

Wir schliefen die Nacht auf Stroh in der russischen Kaserne und

wanderten am andern Morgen zu viert in den Mai hinaus nach den Gräben

unsrer Kompanien, die ein paar Wegstunden entfernt in festen Stellungen

im Walde lagen.

Ein Morgenbad im »Weißen See« gab dem ganzen Tage einen frischen

Glanz. Der Weg ging durch Sand und Föhrenwald. Zerstreutes Licht floß

in breiten Bahnen durch grüne Wipfel und goldrote Stämme. Dann lag

der weite See, von sonnigem Morgendunst überschäumt, vor uns. Pirole

schmetterten, Schwalben schossen mit den Schwingen durchs Wasser,

Taucher verschwanden vor uns, wie wir am Ufer entlangschlenderten. Nur

aus der Ferne kam ein gedämpftes Grollen zu uns herüber und ab und zu

das taktmäßige Hämmern eines Maschinengewehrs. »Spechte!« lachte Wurche

und ließ Sonne und Wasser über sich zusammenschlagen.

Dann ging es am Augustower Kanal und den Nettawiesen weiter. Bald saß

uns der graue Staub der russischen Landstraße in den Röcken. Aber

neben dem Wandervogel her, der in Helm und Degen und Ledergamaschen den

ausgefahrenen Sandweg hinzog, schritt leicht auf reinlichen Füßen durch

feuchtes Wiesengras der Mai und lachte immer heller herüber. Die leise

Netta kam bald bis an unsern Weg heran und ließ ihre Wellen und ihr

sonniges Mückenspiel vor uns gaukeln, bald entwich sie uns wieder und

barg sich in Wiesenschaumkraut und wucherndem Gras. Ich hatte Wurche

lange von der Seite angesehen. Zuletzt mußte ich lachen. »Gestehen

Sie's nur!« sagte ich, »Sie müssen heut noch einmal ins Wasser?«

»Gleich!« sagte er, und wir gingen tief in die federnde Sumpfwiese

hinein, warfen die staubigen Kleider von uns und ließen uns von den

kühlen, guten Wellen treiben.

Dann lagen wir lange in dem reinlichen Gras und ließen uns von Wind

und Sonne trocknen. Als Letzter sprang der Wandervogel aus den Wellen.

Der Frühling war ganz wach und klang von Sonne und Vogelstimmen.

Der junge Mensch, der auf uns zuschritt, war von diesem Frühling

trunken. Mit rückgeneigtem Haupte ließ er die Maisonne ganz über sich

hinfluten, er hielt ihr stille und stand mit frei ausgebreiteten Armen

und geöffneten Händen da. Seine Lippen schlossen sich zu Goethes

inbrünstigen Versen auf, die ihm frei und leicht von den Lippen

sprangen, als habe er die ewigen Worte eben gefunden, die die Sonne in

ihn hinein und über Herz und Lippen aus ihm herausströmte:

»Wie im Morgenglanze

Du rings mich anglühst,

Frühling, Geliebter!

Mit tausendfacher Liebeswonne

Sich an mein Herz drängt

Deiner ewigen Wärme

Heilig Gefühl,

Unendliche Schöne!

Daß ich dich fassen möcht'

In diesen Arm! -- -- --«

Feucht von den Wassern und von Sonne und Jugend über und über glänzend

stand der Zwanzigjährige in seiner schlanken Reinheit da, und die

Worte des Ganymed kamen ihm schlicht und schön und mit einer fast

schmerzlich hellen Sehnsucht von den Lippen. »Da fehlt nur ein Maler!«

sagte einer von uns. Ich schwieg und war fast traurig, ohne sagen zu

können warum. Unser Wandervogel aber ließ leicht die Arme fallen und

trat mit ein paar raschen, frischen Schritten in unsre Mitte. Wir

schleuderten uns die letzten Wassertropfen von den Händen und griffen

nach unsern Kleidern. Bald schritt mir der Freund wieder im grauen

Waffenrock, der die hohe Gestalt knapp und kleidsam umschloß, und mit

eingehenktem Degen zur Seite. Der Helmrand umlief die trotzige Form

seines eigenwillig gestreckten und prächtig gewölbten Schädels, und

wie er mit frei ausgreifendem Schritt den von fernen Donnern leise

erdröhnenden Wäldern entgegenschritt, schien er, von Freude und Kraft

bebend, begierig in eine klirrende Zukunft zu horchen. »Wen du nicht

verlässest, Genius, wird dem Regengewölk, wird dem Schloßensturm

entgegen singen ...!« Wenn ihm nicht die Lippen davon klangen, so

klang sein Schritt davon. »Tanztüchtig will ich den Jüngling und

waffentüchtig.« Alte Worte sprangen immer wie junge Quellen an seinem

Wege.

Warum ergreift uns alle Schönheit des Lebens, statt daß +wir+ sie

ergreifen? Ach, wie der Mensch aus Erde gemacht ist und wieder zu Erde

wird, so ist alle Schönheit aus Sehnsucht gemacht und wird wieder zu

Sehnsucht. Wir jagen ihr nach, bis sie zur Sehnsucht wird. --

In den Winternächten, die wir in den Gräben vor Verdun zugebracht

hatten, war zuweilen ein jäh aufbrandendes und wie eine Sturmflut

weiterrollendes Hurra die endlose Front der Schützengräben

entlanggebraust. Wenn dieses Hurra in der Ferne verebbte, dann horchten

wir Kriegsfreiwilligen ihm nach, und in unserm Horchen war etwas Grimm

und Neid. Im Osten geschah alles Heiße, Wilde und Große. Über Rußland

stand immerfort eine brandrote Wolke, in der der Donner des Namens

Hindenburg grollte, und uns im Westen blieb nichts als Lauern und

Warten und Wachen und Gräbergraben, ohne daß wir den Tod von Angesicht

sahen, der heimtückisch bei Tag und Nacht in unsre Reihen hieb. Im

Osten schritten unsre Sturmkolonnen über Täler und Höhen, und wir lagen

wie Maulwürfe unter der Erde und riefen das Hurra zu ihren Siegen.

Als wir an die Ostfront kamen, waren die großen Kämpfe der

Masurenschlacht längst zum Stellungskriege erstarrt. Unsere neue

Kompanie lag seit Wochen eingegraben am Waldrand einer breiten

Sumpfwiese, durch die ein träger Bach, die Kolnizanka, durch Sand und

Morast zum Kolnosee schlich. Jenseits des faulen Wassers war wieder

Wiese, Sand und Wald, und nur ein paar helle Streifen drüben zeigten,

wo der Feind hinter seinen Sandwällen hockte. Ein Stacheldrahthindernis

zog sich an unsrer Front entlang und die Nacht hindurch kreiste

durch das Drahtgewirr der elektrische Strom, der von Augustowo her

in mächtigen Kabeln gespeist wurde. »Draht!« knurrte Leutnant Wurche

verächtlich, als wir in der Mainacht nach unsrer Ankunft zum erstenmal

die Kompaniefront abgingen, und schlug spöttisch mit einer Gerte gegen

die glatten Schutzdrähte am Horchpostendurchlaß. Und so ging er die

erste Nacht an dem grauen Verhau hinauf und hinunter wie ein gefangener

Tiger an seinem Käfiggitter.

Unsere Grabenabschnitte grenzten aneinander, und wir blieben Nachbarn

als Zugführer des zweiten und dritten Zuges oder, wie er sagte, als

»Obernachtwächter der Wach- und Schließgesellschaft im Osten«. Die

russischen Gräben lagen ein paar hundert Meter entfernt, so daß wir

uns selbst am hellen Tage frei im Walde hinter unsrer Stellung bewegen

konnten. Die russische Artillerie streute wohl dann und wann mit

Schrapnells und Granaten unsre Gräben ab, ein Volltreffer schlug sogar

einmal meinen Unterstand, als ich gerade die Tür aufmachte, zu einem

Scherbenhaufen zusammen, aber alles das ging immer rasch wie ein

Mairegen, eine »Husche«, vorüber, der Franzose hatte dies Spiel viel

besser verstanden, und im ganzen nahmen wir »Iwan den Schrecklichen«,

wie der Russe bei uns hieß, nicht ganz ernst. Wir haben es später

gelernt, ihn zu achten, aber einstweilen ließen wir uns von ihm unsre

»Sommerfrische in den Augustower Wäldern« nicht stören. Die Myriaden

von Schnaken, die Wälder und Sümpfe ausbrüteten, waren uns lästiger als

die Russen hinter ihrem Draht.

Nur wenn es dämmerte und das rote, blaue, bunte Blühen von

Fleischblumen, Vergißmeinnicht, Kalla und Federnelken auf der

Sumpfwiese draußen im Glanz der Sterne und Leuchtraketen fahl und

farblos wurde, trat aus dem dunklen Walde drüben das Abenteuer wie

ein schönes Wild und schaute zu uns herüber, die wir an der Brustwehr

unsrer dunklen Gräben standen und lauschten. Jede Nacht ging von

der Kompanie eine Offizierspatrouille ins Vorgelände, und wir drei

Leutnants, ein Mecklenburger, ein Schlesier und ein Thüringer, hatten

uns in diesen Dienst zu teilen. Zuweilen gingen wir auch zu zweit mit

unsern Leuten hinaus, wenn wir einen besonders guten Fang machen zu

können glaubten. Meist aber ging nur einer als Führer. Und es war dann

ein seltsames Gefühl, wenn man lauschend an der Brustwehr stand, und

draußen im Dunkel knatterten plötzlich russische und deutsche Gewehre

oder das dumpfe Krachen detonierender Handgranaten wurde laut. Das

Warten und Wiedersehen solcher Stunden, von denen man nie sprach, läßt

Menschen ineinanderwachsen wie Bäume. Viele Worte freilich wurden nie

gemacht, und es blieb bei einem Scherz oder Handschlag, wenn der andere

hinausging oder wiederkam.

Wie hätten junge Herzen nicht ineinanderwachsen sollen in diesen

Frühlingstagen und Frühlingsnächten, in denen sie gemeinsam immer

inniger vertraut wurden mit Erde und Luft und Wasser, mit den linden

Stunden der Nacht und mit den hellen Stunden der blühenden Tage!

Wie leise Sonnenwellen kommen die Erinnerungen an unsern ersten

Kriegsfrühling in den Augustower Wäldern zu mir, wo ich auch sein

mag. Die linde, junge Gütigkeit, die in ein paar hellen Grauaugen

lebte und frisch und warm aus einer lebendigen Menschenstimme klang,

brach wie ein helles, starkes Licht durch die Fenster meiner Seele,

durchsonnend, was dumpfig war, durchwärmend, was kühl und voll Schatten

war. Wie deutlich erhöre ich heute und immer, in die Vergangenheit

hineinhorchend, den raschen Schritt des Freundes. Ich sehe ihn schlank

und frei durch die Tür in mein helles Fichtenhäuschen treten und

sehe eine junge, lebendige Hand Blumen unter das kleine Bild meines

gefallenen Bruders legen mit einer frischen, herzlichen Bewegung, in

der doch die leise, gute Scheu der Jugend vor der Entschleierung des

Herzens zu spüren ist! Und oft ist mir, ich könne den lieben Gast

halten und mit ihm von dem bunten Erleben der hellen Zeit plaudern,

in der selbst der Ernst des Krieges sich in Spiel und Freude auflösen

wollte. Weißt du noch, Gesell, wie wir über meinen ersten Gefangenen

lachten? Im Sumpfbach vor unserm Graben, wo vom letzten Angriff

her noch über dreißig tote Russen lagen, war ich auf nächtlichem

Patrouillengang ahnungslos auf ihn zugegangen, um dem vermeintlich

Toten das Gewehr zu nehmen. Aber es war kein Toter, sondern ein

fixer und pfiffiger Moskauer Junge, der zu einer vor uns im Dunkel

herflüchtenden Russenpatrouille gehörte. Ohne es zu wissen, hatten

wir ihn von seinen Kameraden abgeschnitten, und er wollte sich uns

noch entziehen, indem er sich mitten unter die Toten hockte und in

Anschlagstellung wie sie erstarrte. Als ich sein Gewehr fassen wollte,

schlug er auf mich an, und mich warf der Schreck fast um, als der Tote

plötzlich die Büchse gegen mich hob. Gerade rechtzeitig noch rückte

ich ihm meine kleine Mauserpistole an die Stirn, daß er die Waffe

wegwarf und uns geduldig nachtrollte. Damit doch auch ein anderer

etwas von dem Schrecken abbekäme, schickte ich ihn samt seinem Gewehr,

ohne anzuklopfen, in den Unterstand des Leutnants vom ersten Zuge, der

sorglos bei der Flasche saß, aber der Mecklenburger ließ sich nicht

verblüffen, sondern hob nach dem verlegen grinsenden Burschen das

volle Glas, »Prosit, Iwan --!« Und Iwan taute auf und besah sich die

Postkarten unsrer Leute, die den holzverkleideten Graben schmückten,

blieb tiefsinnig vor einem bunten Hindenburgbilde stehen und sagte

ehrerbietig, »Ah -- Chindenburrg!«, indem er mit unermüdlich kreisenden

Händen um sein Russenhaupt fuhr, um uns das imaginäre Volumen eines

fabelhaften Feldherrnkopfes zu veranschaulichen. Darauf von unsern

lachenden Leuten nach seinem Landsmann Nikolajewitsch befragt, preßte

er den Kopf in die Hände wie ein Schwerkranker und brach in einen

Husten aus, der eine höchst schauderhafte Vorstellung von dem Zustand

seines Generalissimus gab ...

Und weißt du noch, wie die russische Patrouille uns bei Nacht und Nebel

ein schön bemaltes Plakat mit der Inschrift »~Italiani -- auch Krieg!~«

vor die Drahtverhaue pflanzte? Und wie unsre Leute dann in der nächsten

Nacht ein noch schöneres Schild mit der Antwort »~Italiani -- auch

Prügel!~« den Russen in eins ihrer eigens zu diesem Zweck gesäuberten

Horchpostenlöcher pflanzten, daß sie den ganzen Tag über wütend danach

schossen?

Weißt du noch, wie wir im Unterstande zusammensaßen, während die

russische Artillerie mit grobem Geschütz unsern Graben absuchte? Wie

unter dem Luftdruck der in der Nähe krepierenden schwerkalibrigen

Geschosse die zwei- und dreimal wieder angezündete Lampe dreimal

auslosch? Und wie wir zu viert im Dunkel saßen, und unsre Zigaretten

warfen einen Glimmerschein über die Gesichter, und wir lachten, »Iwan

bläst uns die Lampe aus!«?

Weißt du das alles noch, Lieber? Und weißt du auch noch, wie du einen

mächtigen bombensichren Unterstand für zwei Gruppen deines Zuges aus

Hunderten von schweren Fichtenstämmen und Bergen von Sand gebaut

hattest? Und wie wir dann dem Neubau die sinnige Türinschrift gaben:

»Selig, wer sich vor der Welt ohne Haß verschließt«?

Und weißt du noch, wie du singend vor der zum Bad nach den Nettawiesen

marschierenden Kompanie herzogst und wie du mit uns ganze Nachmittage

im Wasser vertolltest? Weißt du das noch, du Wandervogel, der den

Widerwilligsten zum Mitsingen zwang und den Wasserscheusten im Wasser

zum Lachen brachte?

Weißt du noch, wie das faule Holz im Walde um unsre dunklen Gräben

leuchtete? Und wie Myriaden von Junikäfern die Sumpfwiese zwischen

uns und dem Feinde nächtlicherweile zum Märchenland machten? Und wie

aus dem Drahthindernis die blauen Funken ins nasse Gras hinüber-

und hinunterzuckten wie die schillernden Schuppen einer glitzernden

Schlange, die unermüdlich kreisend durch das graue Verhau lief, immer

bereit zum tödlichen Bisse?

Weißt du noch, wie wir im hellen Sand der sonnigen Waldlichtung

hinter unsern Gräben Zirkel ritten? Wie du reiten lernen wolltest wie

ein Kosak; denn das seien die sieben ritterlichen Künste der neuen

deutschen Jugend: Singen, Wandern, Turnen, Schwimmen, Fechten, Tanzen

und Reiten --?

Und war doch ebensoviel Ernst in deiner Freude wie Freude in deinem

Ernst! Auch was du mit Lachen triebst, war mehr als Spiel. Ein Stück

Leben war alles, was du sprachst und tatst, und ein heller, klarer,

gesammelter Menschenwille schmiedete alle Stücke zu einem werdenden

Kunstwerk zusammen.

Wenn der junge Führer mit seinen Leuten auf nächtliche Streife

auszog, so arbeitete ein frischer, beherrschter Wille unermüdlich

und unnachgiebig an den Menschen, die er führte. Wollten sie ihm, im

Dunkel plötzlich vom Feuer russischer Gewehre überfallen, aus der Hand

geraten, so zwang er sie wieder bis auf den Punkt zurück, den sie

eigenmächtig verlassen hatten. Aber er selbst ging immer als erster

voraus und kroch als letzter zurück.

Als die unsicheren und baufälligen Unterstände seines Zuges durch

neue ersetzt wurden, ließ er die Arbeit an seinem eigenen Unterstand

bis zuletzt liegen. Ohne Lärm und schimpfendes Dreinfahren wußte er

alle Hände in Tätigkeit zu halten. Er war beim Fällen und Schleppen

der schweren Stämme dabei und verteilte die Kräfte. Er lehrte Stempel

setzen und Unterzüge einfügen, Deckbalken verknüpfen und federnde

Reisigdeckungen aufhäufen, wie er's in Frankreich gelernt hatte.

Selbst sauber an Seele und Leib, erzog er seinen Leuten die Freude an

Sauberkeit und schmucker Ordnung an, unauffällig und ohne viel Worte

sie durch frisches Handeln gewöhnend. Nicht weniger als die Arbeit

lag ihm die Ruhe seiner Leute am Herzen und als jüngster Offizier der

Kompanie wußte er's durchzusetzen, daß den Mannschaften Sonntagsruhe

geschenkt wurde. In seinen Briefen an Eltern und Schwester erbat er

immer wieder Bücher für den Feierabend seiner Leute und wählte die

Bücher selbst nach den Erfahrungen, die er in Frankreich als Kamerad

unter Kameraden gemacht hatte.

Er kannte in vierzehn Tagen jeden Mann seines Zuges nach Namen und

Beruf, er wußte, ob einer verheiratet war und wie viel Kinder er hatte,

er kannte eines jeden Sorgen und Hoffnungen und verstand dem Stillsten

die Zunge zu lösen. »Das Herz seiner Leute muß man haben,« sagte er,

»dann hat man ganz von selbst Disziplin.«

Nach dem Dienste, in stillen Abendstunden, zündeten wir die kleinen

Lichter in den farbigen Papierlaternen unsrer Holzhütten an und

plauderten oder lasen. Oft brannten uns die Kerzen dabei, ohne daß

wir's merkten, nieder, und durch das Glasdach meines Sommerhäuschens,

das ganz aus schlanken, moosverfugten Fichtenstämmchen gezimmert war,

brach Mond- und Sternenlicht über uns herein.

Dann lebten Goethes Lieder auf, oder Zarathustras trotzige Reden

zerbrachen die Stille, oder aus den Versen des Neuen Testaments, das er

gern griechisch las, floß die Schönheit ewiger Worte geruhig über uns

hin. In solchen Stunden wachte in dem Soldaten der junge Gottesstudent

auf, und seine Seele streifte, frei und leicht zwischen beiden Welten

wandernd, dunklen Schönheiten und hellen Wahrheiten nach. »Im Gebete

sollen wir nicht mit Gott, Gott soll mit uns kämpfen,« sagte er einmal.

»Das Gebet ist ein Selbstgespräch mit dem Göttlichen in uns, es ist ein

Gespräch mit dem Gotte und ein Kampf mit dem Menschen in uns um die

Bereitschaft der Seele.«

Willfährigkeit gegen das Göttliche und Wehrfähigkeit gegen das

Menschliche, das gab seinem Wesen Reife und Anmut. Was er unter

Bereitschaft der Seele verstand, sprach er ein andermal aus: »Wenn

es Sinn und Aufgabe des Menschenlebens ist, hinter die Erscheinung

des Menschlichen zu kommen, dann haben wir durch den Krieg unser Teil

am Leben mehr als andere dahin. Wenige sehen wie wir hier draußen so

viel Hüllen sinken, wenige haben so viel Niederträchtigkeit, Feigheit,

Schwachheit, Selbstsucht und Eitelkeit, wenige so viel Würde und

schweigsamen Seelenadel gesehen, wie wir. Wir können vom Leben nicht

mehr fordern, als daß es sich uns entschleiert; darüber hinaus ist

keine menschliche Forderung. Uns hat das Leben mehr als vielen gegeben,

warten wir ruhig ab, ob es auch mehr von uns zu fordern hat!«

An Zarathustra gefiel ihm der schwingentragende Gedanke, daß der Mensch

ein Ding sei, das überwunden werden muß. Immer war seine Seele auf der

Streife nach dem Ewigen. Auch in Sachen seines Volkes scheute er sich

nicht, der Vergänglichkeit ins Auge zu sehen. Menschen und Völker,

beide waren ihm vergänglich und ewig zugleich. Darum liebte er mit

Herzlichkeit Gottfried Kellers »Fähnlein der sieben Aufrechten« mit

seinem unvergleichlich schönen und rührenden Gespräch der Schweizer

Bürger über den fernen Tod und die Hinterlassenschaft ihres Volkes. Die

Klarheit und Lieblichkeit dieser schönsten Novelle hat uns unendlich

oft erquickt und unsre Herzen fröhlich und unsre Lippen beredt gemacht

wie junger Wein. Wenn dann mitten in dem Frühling bunter Bilder

Meister Kellers nachdenkliches und geruhiges Wort vom Tode der Völker

aufklang, dann war's, als ob eine dunkle, tiefe Glocke in der Stille

zu tönen anhöbe, und unsre Herzen schwangen in dem Ewigkeitsklange

mit: »Wie es dem Manne geziemt, in kräftiger Lebensmitte zuweilen an

den Tod zu denken, so mag er auch in beschaulicher Stunde das sichere

Ende seines Vaterlandes ins Auge fassen, damit er die Gegenwart

desselben um so inbrünstiger liebe; denn alles ist vergänglich und

dem Wechsel unterworfen auf dieser Erde. Oder sind nicht viel größere

Nationen untergegangen, als wir sind? Oder wollt Ihr einst ein Dasein

dahinschleppen wie der ewige Jude, der nicht sterben kann, dienstbar

allen neu aufgeschossenen Völkern, er, der die Ägypter, die Griechen

und Römer begraben hat? Nein! ein Volk, welches weiß, daß es einst

nicht mehr sein wird, nützt seine Tage um so lebendiger, lebt um so

länger und hinterläßt ein rühmliches Gedächtnis; denn es wird sich

keine Ruhe gönnen, bis es die Fähigkeiten, die in ihm liegen, ans

Licht und zur Geltung gebracht hat, gleich einem rastlosen Manne, der

sein Haus bestellt, ehe denn er dahin scheidet. Dies ist nach meiner

Meinung die Hauptsache. Ist die Aufgabe eines Volkes gelöst, so kommt

es auf einige Tage längerer oder kürzerer Dauer nicht mehr an, neue

Erscheinungen harren schon an der Pforte ihrer Zeit! So muß ich denn

gestehen, daß ich alljährlich einmal in schlafloser Nacht oder auf

stillen Wegen solchen Gedanken anheimfalle und mir vorzustellen suche,

welches Völkerbild einst nach uns in diesen Bergen walten möge? Und

jedesmal gehe ich mit um so größerer Hast an meine Arbeit, wie wenn

ich dadurch die Arbeit meines Volkes beschleunigen könnte, damit

jenes künftige Völkerbild mit Respekt über unsere Gräber gehe!« Ich

sehe Ernst Wurche noch vor mir, wie er einmal das schmale Heftchen

bei seiner schönsten Stelle sinken ließ und über den Rand der Seiten

träumte. »Nur den Strohtod,« meinte er, »den möchte man seinem Volke

gern erspart sehen. Aber fast alle Völker sind den Strohtod gestorben.

Der Gedanke an den Heldentod eines Volkes ist nicht schrecklicher als

der an den Schwerttod eines Menschen. Nur das Sterben ist häßlich bei

Menschen und bei Völkern. Aber wenn ein Mann den tödlichen Schuß, der

ihm das Eingeweide zerreißt, empfangen hat, dann soll keiner mehr nach

ihm hinsehen. Denn was dann kommt, ist häßlich und gehört nicht mehr

zu ihm. Das Große und Schöne, das heldische Leben ist vorüber. So muß

es auch sein, wenn ein Volk in Ehren und in Größe seinen Todesstreich

empfangen hat, -- was danach kommt, darf niemand mehr seinem Leben

zurechnen, es ist kein Teil davon ...« Aus seinen Worten klang so

viel Jugend und Tapferkeit, daß ich am liebsten seine Hand gepackt und

herzhaft geschüttelt hätte.

Die tiefe Ehrlichkeit, mit der er alles erlebte, ansah und überdachte,

brachte ihn oft in einen fast drolligen Zorn, wenn wir eins der

gutgemeinten und in Massen ins Volk geworfenen Bücher durchliefen,

in denen dieser oder jener berühmte Publizist seine Eindrücke an der

deutschen Front gesammelt hatte. Die rosa Schminke verdroß ihn, wo er

sie sah. »Wenn man doch die Phrase von dem allgemeinen Heldentum der

Masse lassen wollte,« sagte er einmal. »Als ob es nicht eben so gut

klänge, wenn man ehrlicher, ruhiger und wahrer von dem Vorherrschen des

Sinnes für Pflicht, Gehorsam und Treue im Volk spräche. Helden sind

Ausnahmen, sonst brauchte man nicht von ihnen zu reden.« Der Sinn für

Schlichtheit saß ihm tief im Blute, Schönfärberei und Phrase war ihm

verhaßt.

Der Wanderer zwischen den Welten: Ein Kriegserlebnis · 第 1 / 6 段