Frau Philane mit Lisetten und die Vorigen.
Frau Philane. Kinder, was höre ich? Ist es möglich?
Lisidor. Ja, Mama; ich glaube, Sie werden nicht dawider sein. Sie
wollen nun einmal so--
Frau Philane. Ich sollte dawider sein? Diese Verändrung ist mein
Wunsch, mein Gebet gewesen. Ach! Adrast, ach! Henriette, für euch
habe ich oft gezittert! Ihr würdet ein unglückliches Paar geworden
sein! Ihr braucht beide einen Gefährten, der den Weg besser kennet,
als ihr. Theophan, Sie haben längst meinen Segen; aber wollen Sie
mehr als diesen, wollen Sie auch den Segen des Himmels haben, so
ziehen Sie eine Person aus Henrietten, die Ihrer wert ist. Und Sie,
Adrast, ich habe Sie wohl sonst für einen bösen Mann gehalten; doch
getrost! wer eine fromme Person lieben kann, muß selbst schon halb
fromm sein. Ich verlasse mich seinetwegen auf dich, Julchen.--Vor
allen Dingen bringe ihm bei, wackern Leuten, rechtschaffnen
Geistlichen, nicht so verächtlich zu begegnen, als er dem Theophan
begegnet.--
Adrast. Ach! Madame, erinnern Sie mich an mein Unrecht nicht.
Himmel! wenn ich mich überall so irre, als ich mich bei ihnen,
Theophan, geirret habe: was für ein Mensch, was für ein abscheulicher
Mensch bin ich!--
Lisidor. Habe ich's nicht gesagt, daß ihr die besten Freunde werden
müßt, sobald als ihr Schwäger seid? Das ist nur der Anfang!
Theophan. Ich wiederhole es, Adrast: Sie sind besser, als Sie glauben;
besser, als Sie zeither haben scheinen wollen.
Frau Philane. Nun! auch das ist mir ein Trost zu hören.--(Zum
Lisidor.) Komm, mein Sohn, führe mich. Das Stehen wird mir zu sauer,
und vor Freuden habe ich es ganz vergessen, daß ich Araspen allein
gelassen.
Lisidor. Ja, wahrhaftig! da gibt's was zu erzählen! Kommen Sie,
Mama.--Aber keinen Tausch weiter! keinen Tausch weiter!
Lisette. Wie übel ist unsereinem dran, das nichts zu tauschen hat!
(Ende des Freigeists.)
Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Der Freigeist, von Gotthold
Ephraim Lessing.