Henriette. Adrast.
Henriette. Wo stecken Sie denn, Adrast? Man hat schon zwanzigmal
nach Ihnen gefragt. Oh! schämen Sie sich, daß ich Sie zu einer Zeit
suchen muß, da Sie mich suchen sollten. Sie spielen den Ehemann zu
zeitig. Doch getrost! vielleicht spielen Sie dafür den Verliebten
alsdann, wann ihn andre nicht mehr spielen.
Adrast. Erlauben Sie, Mademoiselle; ich habe nur noch etwas Nötiges
außer dem Hause zu besorgen.
Henriette. Was können Sie jetzt Nötigers zu tun haben, als um mich zu
sein?
Adrast. Sie scherzen.
Henriette. Ich scherze?--Das war ein allerliebstes Kompliment!
Adrast. Ich mache nie welche.
Henriette. Was für ein mürrisches Gesicht!--Wissen Sie, daß wir uns
über diese mürrischen Gesichter zanken werden, noch ehe uns die
Trauung die Erlaubnis dazu erteilt?
Adrast. Wissen Sie, daß ein solcher Einfall in Ihrem Munde nicht eben
der artigste ist?
Henriette. Vielleicht, weil Sie glauben, daß die leichtsinnigen
Einfälle nur in Ihrem Munde wohl lassen? Unterdessen haben Sie doch
wohl kein Privilegium darüber?
Adrast. Sie machen Ihre Dinge vortrefflich. Ein Frauenzimmer, das so
fertig antworten kann, ist sehr viel wert.
Henriette. Das ist wahr; denn wir schwachen Werkzeuge wissen sonst
den Mund am allerwenigsten zu gebrauchen.
Adrast. Wollte Gott!
Henriette. Ihr treuherziges Wollte Gott! bringt mich zum Lachen, so
sehr ich auch böse sein wollte. Ich bin schon wieder gut, Adrast.
Adrast. Sie sehen noch einmal so reizend aus, wenn Sie böse sein
wollen; denn es kömmt doch selten weiter damit, als bis zur
Ernsthaftigkeit, und diese läßt Ihrem Gesichte um so viel schöner, je
fremder sie in demselben ist. Eine beständige Munterkeit, ein immer
anhaltendes Lächeln wird unschmackhaft.
Henriette (ernsthaft). Oh! mein guter Herr, wenn das Ihr Fall ist,
ich will es Ihnen schmackhaft genug machen.
Adrast. Ich wollte wünschen,--denn noch habe ich Ihnen nichts
vorzuschreiben,--
Henriette. Dieses Noch ist mein Glück. Aber was wollten Sie denn
wünschen?
Adrast. Daß Sie sich ein klein wenig mehr nach dem Exempel Ihrer
ältesten Mademoisell Schwester richten möchten. Ich verlange nicht,
daß Sie ihre ganze sittsame Art an sich nehmen sollen; wer weiß, ob
sie Ihnen so anstehen würde?--
Henriette. St! die Pfeife verrät das Holz, woraus sie geschnitten
ist. Lassen Sie doch hören, ob meine dazu stimmt?
Adrast. Ich höre.
Henriette. Es ist recht gut, daß Sie auf das Kapitel von Exempeln
gekommen sind. Ich habe Ihnen auch einen kleinen Vers daraus
vorzupredigen.
Adrast. Was für eine Art sich auszudrücken!
Henriette. Hum! Sie denken, weil Sie nichts vom Predigen halten.
Sie werden finden, daß ich eine Liebhaberin davon bin. Aber hören Sie
nur:--(In seinem vorigen Tone.) Ich wollte wünschen,--denn noch habe
ich Ihnen nichts vorzuschreiben,--
Adrast. Und werden es auch niemals haben.
Henriette. Ja so!--Streichen Sie also das weg.--Ich wollte wünschen,
daß Sie sich ein klein wenig mehr nach dem Exempel des Herrn Theophans
bilden möchten. Ich verlange nicht, daß Sie seine ganze gefällige Art
an sich nehmen sollen, weil ich nichts Unmögliches verlangen mag; aber
so etwas davon würde Sie um ein gut Teil erträglicher machen. Dieser
Theophan, der nach weit strengern Grundsätzen lebt, als die Grundsätze
eines gewissen Freigeistes sind, ist allezeit aufgeräumt und
gesprächig. Seine Tugend, und noch sonst etwas, worüber Sie aber
lachen werden, seine Frömmigkeit--Lachen Sie nicht?
Adrast. Lassen Sie sich nicht stören. Reden Sie nur weiter. Ich
will unterdessen meinen Gang verrichten, und gleich wieder hier sein.
(Geht ab.)
Henriette. Sie dürfen nicht eilen. Sie kommen, wann Sie kommen: Sie
werden mich nie wieder so treffen.--Welche Grobheit! Soll ich mich
wohl darüber erzürnen?--Ich will mich besinnen. (Geht auf der andern
Seite ab.)
(Ende des dritten Aufzuges.)