Martin. In England?--Kannst du auch Engländ'sch

Johann. Was werde ich nicht können?

Martin. Sprich doch!

Johann. Du mußt wissen, es ist eben wie das Französische. Es ist

französisch, versteh mich, auf englisch ausgesprochen. Was hörst du

dir dran ab?--Ich will dir ganz andre Dinge sagen, wenn du mir zuhören

willst. Dinge, die ihresgleichen nicht haben müssen. Zum Exempel,

auf unsern vorigen Punkt zu kommen: sei kein Narr, und glaube, daß ein

Atheist so ein schrecklich Ding ist. Ein Atheist ist nichts weiter,

als ein Mensch, der keinen Gott glaubt.--

Martin. Keinen Gott? Je! das ist ja noch viel ärger! Keinen Gott?

Was glaubt er denn?

Johann. Nichts.

Martin. Das ist wohl eine mächtige Mühe.

Johann. Ei! Mühe! Wenn auch nichts glauben eine Mühe wäre, so

glaubten ich und mein Herr gewiß alles. Wir sind geschworne Feinde

alles dessen, was Mühe macht. Der Mensch ist in der Welt, vergnügt

und lustig zu leben. Die Freude, das Lachen, das Kurtisieren, das

Saufen sind seine Pflichten. Die Mühe ist diesen Pflichten hinderlich;

also ist es auch notwendig seine Pflicht, die Mühe zu fliehen.--Sieh,

das war ein Schluß, der mehr Gründliches enthält, als die ganze Bibel.

Martin. Ich wollt's. Aber sage mir doch, was hat man denn in der

Welt ohne Mühe?

Johann. Alles was man erbt, und was man erheiratet. Mein Herr erbte

von seinem Vater und von zwei reichen Vettern keine kleinen Summen;

und ich muß ihm das Zeugnis geben, er hat sie, als ein braver Kerl,

durchgebracht. Jetzt bekömmt er ein reich Mädel, und, wenn er klug

ist, so fängt er es wieder an, wo er es gelassen hat. Seit einiger

Zeit ist er mir zwar ganz aus der Art geschlagen; und ich sehe wohl,

auch die Freigeisterei bleibt nicht klug, wenn sie auf die Freite geht.

Doch ich will ihn schon wieder in Gang bringen.--Und höre, Martin,

ich will auch dein Glück machen. Ich habe einen Einfall; aber ich

glaube nicht, daß ich ihn anders wohl von mir geben kann, als--bei

einem Glase Wein. Du klimpertst vorhin mit deinen Trinkgeldern; und

gewiß, du bist in Gefahr, keine mehr zu bekommen, wenn man nicht sieht,

daß du sie dazu anwendest, wozu sie dir gegeben werden. Zum Trinken,

guter Martin, zum Trinken: darum heißen es Trinkgelder.--

Martin. Still! Herr Johann, still!--Du bist mir so noch Revansche

schuldig. Habe ich dich nicht jenen Abend nur noch freigehalten?--

Doch, laß einmal hören! was ist denn das für ein Glück, das ich von

dir zu hoffen habe?

Johann. Höre, wenn mein Herr heiratet, so muß er noch einen Bedienten

annehmen.--Eine Kanne Wein, so sollst du bei mir den Vorzug haben. Du

versauerst doch nur bei deinem dummen Schwarzrocke. Du sollst bei

Adrasten mehr Lohn und mehr Freiheit haben; und ich will dich noch

obendrein zu einem starken Geiste machen, der es mit dem Teufel und

seiner Großmutter aufnimmt, wenn nur erst einer wäre.

Martin. Was? wenn erst einer wäre? Ho! ho! Ist es nicht genug,

daß du keinen Gott glaubst? willst du noch dazu keinen Teufel

glauben? Oh! male ihn nicht an die Wand! Er läßt sich nicht so

lange herumhudeln, wie der liebe Gott. Der liebe Gott ist gar zu gut,

und lacht über einen solchen Narren, wie du bist. Aber der Teufel--

dem läuft gleich die Laus über die Leber; und darnach sieht's nicht

gut aus.--Nein, bei dir ist kein Aushalten: ich will nur gehen.--

Johann (hält ihn zurück). Spitzbube! Spitzbube! denkst du, daß ich

deine Streiche nicht merke? Du fürchtest dich mehr für die Kanne Wein,

die du geben sollst, als für den Teufel. Halt!--Ich kann dich aber

bei dem allen unmöglich in dergleichen Aberglauben stecken lassen.

Überlege dir's nur:--Der Teufel--der Teufel--Ha! ha! ha!--Und dir

kömmt es nicht lächerlich vor? Je! so lache doch!

Martin. Wenn kein Teufel wäre, wo kämen denn die hin, die ihn

auslachen?--Darauf antworte mir einmal! den Knoten beiß mir auf!

Siehst du, daß ich auch weiß, wie man euch Leute zuschanden machen muß?

Johann. Ein neuer Irrtum! Und wie kannst du so ungläubig gegen meine

Worte sein? Es sind die Aussprüche der Weltweisheit, die Orakel der

Vernunft! Es ist bewiesen, sage ich dir, in Büchern ist es bewiesen,

daß es weder Teufel noch Hölle gibt.--Kennst du Balthasarn? Es war

ein berühmter Bäcker in Holland.

Martin. Was gehn mich die Bäcker in Holland an? Wer weiß, ob sie so

gute Brezeln backen, wie der hier an der Ecke.

Johann. Ei! das war ein gelehrter Bäcker! Seine bezauberte Welt--ha!

--das ist ein Buch! Mein Herr hat es einmal gelesen. Kurz, ich

verweise dich auf das Buch, so wie man mich darauf verwiesen hat, und

will dir nur im Vertrauen sagen: Der muß ein Ochse, ein Rindvieh, ein

altes Weib sein, der einen Teufel glauben kann. Soll ich dir's

zuschwören, daß keiner ist?--Ich will ein Hundsfott sein!

Martin. Pah! der Schwur geht wohl mit.

Johann. Nun, sieh,--ich will, ich will--auf der Stelle verblinden,

wenn ein Teufel ist.

(Lisette springt geschwinde hinter der Szene hervor, und hält ihm

rückwärts die Augen zu, indem sie dem Martin zugleich winkt.)

Martin. Das wäre noch was; aber du weißt schon, daß das nicht

geschieht.

Johann (ängstlich). Ach! Martin, ach!

Martin. Was ist's?

Johann. Martin, wie wird mir? Wie ist mir, Martin?

Martin. Nu? was hast du denn?

Johann. Seh ich--oder--ach! daß Gott--Martin! Martin! wie wird es

auf einmal so Nacht?

Martin. Nacht? Was willst du mit der Nacht?

Johann. Ach! so ist es nicht Nacht? Hülfe! Martin, Hülfe!

Martin. Was denn für Hülfe? Was fehlt dir denn?

Johann. Ach! ich bin blind, ich bin blind! Es liegt mir auf den

Augen, auf den Augen.--Ach! ich zittere am ganzen Leibe--

Martin. Blind bist du? Du wirst ja nicht?--Warte, ich will dich in

die Augen schlagen, daß das Feuer herausspringt, und du sollst bald

sehen--

Johann. Ach! ich bin gestraft, ich bin gestraft. Und du kannst

meiner noch spotten? Hülfe! Martin, Hülfe!--(Er fällt auf die Knie.)

Ich will mich gern bekehren! Ach! was bin ich für ein Bösewicht

gewesen!--

Lisette (welche plötzlich gehen läßt, und, indem sie hervorspringt,

ihm eine Ohrfeige gibt). Du Schlingel!

Martin. Ha! ha! ha!

Johann. Ach! ich komme wieder zu mir. (Indem er aufsteht.) Sie

Rabenaas, Lisette!

Lisette. Kann man euch Hundsfötter so ins Bockshorn jagen? Ha! ha!

ha!

Martin. Krank lache ich mich noch darüber. Ha! ha! ha!

Johann. Lacht nur! lacht nur!--Ihr seid wohl albern, wenn ihr denkt,

daß ich es nicht gemerkt habe.--(Beiseite.) Das Blitzmädel, was sie

mir für einen Schreck abgejagt hat! Ich muß mich wieder erholen.

(Geht langsam ab.)

Martin. Gehst du? Oh! lacht ihn doch aus! Je! lach Sie doch,

Lisettchen, lach Sie doch! Ha! ha! ha! Das hat Sie vortrefflich

gemacht; so schöne, so schöne, ich möchte Sie gleich küssen.--

Lisette. Oh! geh, geh, dummer Martin!

Martin. Komm Sie, wirklich! ich will Sie zu Weine führen. Ich will

Sie mit der Kanne Wein traktieren, um die mich der Schurke prellen

wollte. Komm Sie!

Lisette. Das fehlte mir noch. Ich will nur gehen, und meinen

Mamsells den Spaß erzählen.

Martin. Ja, und ich meinem Herrn.--Der war abgeführt! der war

abgeführt!

(Ende des zweiten Aufzuges.)

Der Freigeist · 第 40 / 123 题