Juliane. Abermals eine recht garstige Anmerkung, meine liebe
Schwester.--Was suchst du damit, daß du dem Theophan dieses sagst? Es
ist allezeit besser, wenn man es nicht weiß, wer von uns übel spricht.
Die Kenntnis unserer Verleumder wirkt auch in dem großmütigsten
Herzen eine Art von Entfernung gegen sie, die ihre Aussöhnung mit der
beleidigten Person nur noch schwerer macht.
Theophan. Sie entzücken mich, Juliane. Aber fürchten Sie nichts!
Eben darin soll über kurz oder lang mein Triumph bestehen, daß ich den
mich jetzt verachtenden Adrast besser von mir zu urteilen gezwungen
habe. Würde ich aber nicht diesen ganzen Triumph zernichten, wenn ich
selbst einigen Groll gegen ihn fassen wollte? Noch hat er sich nicht
die Mühe genommen, mich näher kennenzulernen. Vielleicht, daß ich ein
Mittel finde, ihn dazu zu vermögen.--Lassen Sie uns nur jetzt davon
abbrechen; und erlauben Sie, daß ich einen meiner nächsten
Blutsfreunde bei Ihnen anmelden darf, der sich ein Vergnügen daraus
gemacht hat, mich hier zu überraschen.--
Juliane. Einen Anverwandten?
Henriette. Und wer ist es?
Theophan. Araspe.
Juliane. Araspe?
Henriette. Ei! das ist ja vortrefflich! Wo ist er denn?
Theophan. Er war eben abgestiegen, und hat mir versprochen,
unverzüglich nachzufolgen.
Henriette. Weiß es der Papa schon?
Theophan. Ich glaube nicht.
Juliane. Und die Großmama?
Henriette. Komm, Schwesterchen! diese fröhliche Nachricht müssen wir
ihnen zuerst bringen.--Du bist doch nicht böse auf mich?
Juliane. Wer kann auf dich böse sein, Schmeichlerin? Komm nur!
Theophan. Erlauben Sie, daß ich ihn hier erwarte.
Henriette. Bringen Sie ihn aber nur bald. Hören Sie!