Johann. Wie? Was bin ich? So einen brüderlichen Rat--

Adrast. Ja wohl ein brüderlicher Rat, den du nur deinen Brüdern,

Leuten deinesgleichen, geben solltest.

Johann. Sind Sie Adrast? Ich habe Sie wohl niemals über das Schwören

spotten hören?

Adrast. Über das Schwören, als Schwören, nicht aber als eine bloße

Beteurung seines Wortes. Diese muß einem ehrlichen Manne heilig sein,

und wenn auch weder Gott noch Strafe ist. Ich würde mich ewig schämen,

meine Unterschrift geleugnet zu haben, und ohne Verachtung meiner

selbst, nie mehr meinen Namen schreiben können.

Johann. Aberglauben über Aberglauben. Zu einer Türe haben Sie ihn

herausgejagt, und zu der andern lassen Sie ihn wieder herein.

Adrast. Schweig! ich mag dein lästerliches Geschwätze nicht anhören.

Ich will Araspen aufsuchen. Ich will ihm Vorstellungen tun; ich will

ihm von meiner Heirat sagen; ich will ihm Zinsen über Zinsen

versprechen.--Ich treffe ihn doch wohl noch in dem Posthause?

Johann. Vielleicht.--Da geht er, der barmherzige Schlucker. Das Maul

ist groß genug an ihm; aber wenn es dazu kömmt, daß er das, was er

glaubt, mit Taten beweisen soll, da zittert das alte Weib! Wohl dem,

der nach seiner Überzeugung auch leben kann! So hat er doch noch

etwas davon. Ich sollte an seiner Stelle sein.--Doch ich muß nur

sehen, wo er bleibt.

(Ende des ersten Aufzugs.)

Der Freigeist · 第 21 / 123 题