Rudolf. Nun?
Erzherzog Ferdinand. In Ungarn ein Kommando.
Rudolf. Hat er schon je, und wo hat er gesiegt?
Zwar ist der Mansfeld dort, ein tücht'ger Degen,
Der gönnt ihm gern die Ehre des Befehls
Und tut die Pflichten selbst. Schickt ihn denn hin!
Doch heißt ihn zügeln seine Tätigkeit;
Er füge sich des Feldherrn beßrer Einsicht.
Auch sind der Krieger dort, der Führer viel,
Die zugetan der neuen Glaubensmeinung.
Es ist jetzt nicht die Zeit, noch da der Ort
Zu streiten für die Wahrheit einer Lehre.
(Da Erzherzog Ferdinand zurücktritt.)
Rudolf. Was ist? Was geht Ihr fort?
Erzherzog Ferdinand. Nicht anzuhören,
Wie Östreichs Haupt, wie Deutschlands Herr und Kaiser
Das Wort führt den Abtrünnigen vom Glauben.
Rudolf. Das Wort führt, ich? Kommt Euch die Lust zu scherzen?
Allein wer wagt's, in dieser trüben Zeit
Den vielverschlungnen Knoten der Verwirrung
Zu lösen eines Streichs.
Erzherzog Ferdinand. Wer's wagte? Ich!
Rudolf. Das spricht sich gut.
Erzherzog Ferdinand. Nur das? Es ist geschehn.
In Steyer mindestens, in Krain und Kärnten
Ist ausgetilgt der Keim der Ketzerei.
An einem Tag auf fürstlichen Befehl
Bekehrten sich an sechzigtausend Seelen
Und zwanzigtausend wandern flüchtig aus.
Rudolf. Und ohne mich zu fragen?
Erzherzog Ferdinand. Herr, ich schrieb
So wiederholt als dringend, aber fruchtlos.
Rudolf (die auf dem Tische liegenden Papiere untereinanderschiebend).
Es ist hier wohl Verwirrung oft mit Schriften.
Erzherzog Ferdinand. Da schritt ich denn zur Tat, dem besten Rat.
Mein Land ist rein, o wär' es auch das Eure!
Rudolf. Und zwanzigtausend wandern flüchtig aus?
Mit Weib und Kind? Die Nächte sind schon kühl.
Erzherzog Ferdinand. Durch Drangsal, Herr, und Schmerz erzieht uns Gott.
Rudolf. Und das im selben Augenblick wo du
Die Sachsenfürstin freist, die Protestantin?
Erzherzog Ferdinand. Gott gab mir Kraft die Neigung zu besiegen,
Wenn Ihr's erlaubt, so steh ich ab von ihr
Und werbe um des Baierherzogs Tochter.
Rudolf. Sie ist nicht schön.
Erzherzog Ferdinand. Ihr Herz ist schön vor Gott.
Rudolf (eine Gebärde des Schielgewachsenseins machend).
Beinah--
Erzherzog Ferdinand. Gerad ihr Sinn, ihr Wandel und ihr Glauben.
Rudolf. Nun, ich bewundre Euch.--Weis deine Hände!
Ist das hier Fleisch? lebendig, wahres Fleisch?
Und fließt hier Blut in diesen bleichen Adern?
Freit eine andre als er meint und liebt--
Mit Weib und Kind, bei zwanzigtausend Mann,
In kalten Herbstesnächten, frierend, darbend!
Mir kommt ein Grauen an. Sind hier nicht Menschen?
Ich will bei Menschen sein. Herbei! Herein!
(Mit dem Stocke auf den Boden stampfend. Die Hofleute kommen zurück.)
Rudolf. Die Kinderzeiten werden wieder wahr,
Und mich umschaudert's wie Gespensterglauben.
(Zu Erzherzog Ferdinand.)
Weilt Ihr noch länger hier bei uns in Prag,
Treibt's Euch zurück vielleicht schon nach der Heimat?
Erzherzog Ferdinand. Ich reise nächst, wenn manches erst geschlichtet
(lebhaft) Und meinen Bruder ich Euch vorgestellt.
Rudolf. So ist der Leupold da? Wo ist, wo weilt er?
Rumpf. Im Schloßhof tummelt er das türk'sche Roß,
Das Ihr gekauft und das Don Cäsar schulte.
Sie jubeln, daß der Erker widerhallt.
Rudolf. Sie jubeln? Tummelt? Ein verzogner Fant,
Hübsch wild und rasch, bei Wein und Spiel und Schmaus.
Wohl selbst bei Weibern auch; man spricht davon.
Allein er ist ein Mensch. Ich will ihn sehn,
Den Leupold sehn! Wo ist er? Bringt ihn her!
(Einige sind gegangen.)
Rudolf (zu Ferdinand).
Beliebt's Euch unterdessen, die Gemächer,
Die man Euch hier bereitet, zu besehn?
Wo bleibt der Range? Warum kommt er nicht?
Erzherzog Leopolds Stimme (von außen).
Senjor!
Rudolf. Aha, er ruft.--Was gibt es dort?
(Aus der Seitentüre links ist ein Hofbedienter herausgetreten.)
Rumpf. Die Kapelläne fragen untertänigst,
Ob Eure Majestät den Gottesdienst--
Rudolf (das Barett abnehmend und Mantel und Kleid ordnend).
Des Herren Dienst vor allem.
(Zu Erzherzog Ferdinand.)
Wenn's beliebt!
(Zu den übrigen.)
Und kommt mein Neffe, heißt ihn nur uns folgen.
Erzherzog Leopold (zur Türe hereinstürzend).
Mein gnäd'ger Ohm! (Da er den bereits geordneten Zug sieht, stutzt er
und zieht das Barett ab.)
Rudolf. Nur dort, an Eure Stelle.
(Auf einen Wink Erzherzog Ferdinands stellt sich Leopold ihm zur Seite.
--Der Zug setzt sich in Bewegung, die beiden Erzherzoge unmittelbar vor
dem Kaiser. Nach einigen Schritten tippt letzterer Erzherzog Leopold
auf die Schulter. Dieser wendet sich um und küßt ihm lebhaft die Hand.
Der Kaiser winkt ihm liebreich drohend Stillschweigen zu und sie gehen
weiter. Die übrigen folgen paarweise.--Der Vorhang fällt.)