Don Cäsar. Ich will's besteigen. (Ab.)

Mathias. Wer ist der junge Mann?

Klesel. So wißt Ihr nicht?

Ein Findelkind, im Schlosse hier gefunden.

Der Kaiser liebt ihn sehr. Begreift Ihr nun?

Mathias. Don Cäsar?

Klesel. Wohl, er selbst.--Nun noch einmal

Begehrt in Ungarn ein Kommando.

Mathias. Wozu?

Klesel. Ihr sollt noch hören. Doch verlangt es!

(Ein Kämmerer tritt ein.)

Kämmerer. Erzherzog Ferdinand aus Steiermark

Sind angekommen, bitten um Gehör.

Rumpf. Du liebe Zeit! Ihr Gnaden sind willkommen.

(Kämmerer ab.)

Klesel. Seht Ihr? Da kommt der künft'ge Kaiser an,

Der Erb' von Österreich, wenn Ihr nicht vorseht.

Mathias. Ich will in Ungarn ein Kommando suchen.

Dann--Hab ich dich verstanden?--Klesel, dann,

Die Macht in Händen--

Klesel. Nur gemach, gemach!

Ihr habt die Macht noch nicht.

Mathias. Und ich soll betteln?

Klesel. Um Gottes willen, Ihr verderbt noch alles.

(Ein Kämmerer öffnet die Seitentüre rechts.)

Rumpf. Der Kaiser kommt. Ich bitt Eu'r Durchlaucht freundlichst

Abseit zu treten, bis ich angefragt.

Mathias. Ich muß den Kaiser sprechen und ich bleibe.

Rumpf. Bedenkt!

Mathias. Ich hab's gesagt.

Rumpf. Nun denn, mit Gott!

Stellt Euch dorthin. Der Kaiser geht vorüber

Wenn er zur Messe sich verfügt. Vielleicht

Will Euch das Glück, daß er Euch sieht und anspricht.

Er kommt.

Klesel. Verfärbt Ihr Euch? Nur Mut, nur Mut!

Der Augenblick gibt alles oder nimmt es.

(Alles steht in ehrfurchtsvoller Erwartung. Erzherzog Mathias zieht

sich bis hinter die Seitentüre links zurück. Klesel in seiner Nähe.

--Zwei Trabanten treten aus der Seitentüre rechts und stellen sich

daneben auf; dann einige Pagen, zuletzt der Kaiser auf einen Krückenstab

gestützt. Zwei Männer, Gemälde haltend, knien auf seinem Wege. Er

bleibt vor dem ersten stehen, betrachtet es, zeigt dann mit dem Stocke

darnach hin und bezeichnet an seinem eigenen linken Arme die Stelle wo

das Bild ihm verzeichnet scheint. Er schüttelt den Kopf, das Bild wird

weggebracht. Er steht vor dem zweiten und gibt Zeichen der Billigung.

Endlich nickt er Rumpfen zu, daß dieses zu behalten sei. Zugleich hebt

er drei Finger der rechten Hand empor.)

Rumpf. Zweitausend?

Rudolf (heftig und stark). Drei.

(Er tritt zum Tische auf dem mehrere Bücher liegen. Er ergreift eins

derselben.)

Rumpf. Aus Spanien.

Rudolf (heiter).

Lope de Vega!

Rumpf. Depeschen auch von Eurer Majestät

Gesandten an dem Hofe zu Madrid.

(Rudolf schiebt die auf dem Tische liegenden Briefschaften verächtlich

zurück. Er setzt sich und liest, das aufgeschlagene Buch in der Hand.)

Rumpf. Erzherzog Ferdinand sind angelangt.

(Rudolf sieht, aufhorchend, einen Augenblick vom Buche weg und liest

dann weiter.)

Rumpf. Don Cäsar waren hier.

(Rudolf, obige Bewegung.)

Rumpf. Sie kommen wieder.

Klesel (zu Mathias).

Nehmt Euch nur Mut! Ihr zittert, weiß es Gott.

(Der Kaiser lacht unterm Lesen laut auf.)

Klesel. Die Zeit ist günstig. Seine Majestät

Scheint frohgelaunt. Versucht's!

Rudolf (im Lesen). Divino autor

Fenix de España.

(Mathias nähert sich ihm.)

Mathias. Gnäd'ger Herr und Kaiser,

Ich hab's gewagt aus meinem Bann zu Linz--

Rudolf (vom Buche aufblickend). Sortija del olvido--Ei, ei, ei!

»Ring des Vergessens«--Ja, wer den besäße!

Mathias. Ob ihr vergönnt--

(Er läßt sich auf ein Knie nieder.)

Bereit, mein Herr und Kaiser,

Die Rechte alle, die mein Eigentum,

Und die man mir beneidet, Aufzugeben,

Mein Erbrecht auf die österreich'schen Lande,

Die Hoffnung einst zu folgen auf dem Thron,

Für einen Ort um ruhig drauf zu sterben.

(Er legt die Hand auf die Armlehne von des Kaisers Stuhl.)

Rudolf. Wer da?--Rumpf! Will allein sein!--Rumpf, allein!

Allein.

Mathias. Mein Kaiser und mein Herr!

Rudolf (den Stock gegen Rumpf gehoben).

Allein!

Rumpf. Ich sagt' es ja, doch Seine Durchlaucht drängten.

Rudolf (mit steigender Heftigkeit).

Allein!

Rumpf (zu Mathias)

Entfernt Euch, gnäd'ger Herr!

Klesel. Kommt, kommt!

Verloren geht sonst alles.

Mathias. Gott!

Rudolf (vor sich hin).

Allein.

Mathias. Führt mich ins Grab, da wird mir doch wohl Ruh.

(Ab, von Klesel geführt.)

Rudolf (dumpf).

Allein!

Rumpf. Was nun beginnen? Gott!

(Er hebt das Buch auf, das der Kaiser weggeworfen hat, und reicht es ihm.)

Das Buch!

(Rudolf weist es zurück.)

Rumpf. Berichte sind aus Ungarn eingelangt:

Raab ist entsetzt und Papa wird belagert.

Die Malkontenten sollen willens sein--

(Lebhafter.) Ein Kaufmann aus Florenz hat sich gemeldet.

Geschnittne Steine führt er aller Art

Von hohem Werte.

Rudolf. Sehn!

Rumpf. Allein die Preise

Sei'n unerschwinglich.

Rudolf. Albern.

Rumpf. Soll ich also?--Gut.

Der spanische Orator Balthasar

Zuñiga wünscht Gehör.

(Der Kaiser schüttelt den Kopf.)

Rumpf. Beliebt's Euch etwa

Nunmehro die Berichte--?

(Der Kaiser stößt unwillig mit dem Stocke auf den Boden.)

Rumpf. Guter Gott!

(Don Cäsar kommt.)

Ein Bruderzwist in Habsburg · 第 4 / 13 题