Produced by Jens Sadowski
In Stahlgewittern
Aus dem Tagebuch eines Stoßtruppführers
Von
Ernst Jünger
Kriegsfreiwilliger, dann Leutnant und Kompagnieführer
im Füs. Regt. Prinz Albrecht v. Preußen (Hann. Nr. 73)
Leutnant im Reichswehr-Regiment Nr. 16 (Hannover)
Dritte Auflage
6.--8. Tausend
_Mit dem Bilde des Verfassers_
Berlin 1922 / Verlag von E. S. Mittler & Sohn
Zur Erinnerung an meine gefallenen
Kameraden.
Herrn Hermann Stegemann
in Verehrung gewidmet
Alle Rechte aus dem Gesetze vom 19. Juni 1901
sowie das Übersetzungsrecht sind vorbehalten
Vorwort.
Noch wuchtet der Schatten des Ungeheuren über uns. Der gewaltigste der
Kriege ist uns noch zu nahe, als daß wir ihn ganz überblicken, geschweige
denn seinen Geist sichtbar auskristallisieren können. Eins hebt sich indes
immer klarer aus der Flut der Erscheinungen: Die überragende Bedeutung der
Materie. Der Krieg gipfelte in der Materialschlacht; Maschinen, Eisen und
Sprengstoff waren seine Faktoren. Selbst der Mensch wurde als Material
gewertet. Die Verbände wurden wieder und wieder an den Brennpunkten der
Front zur Schlacke zerglüht, zurückgezogen und einem schematischen
Gesundungsprozeß unterworfen. »Die Division ist reif für den Großkampf.«
Das Bild des Krieges war nüchtern, grau und rot seine Farben; das
Schlachtfeld eine Wüste den Irrsinns, in der sich das Leben kümmerlich
unter Tage fristete. Nachts wälzten sich müde Kolonnen auf zermahlenen
Straßen dem brandigen Horizont entgegen. »Licht aus!« Ruinen und Kreuze
säumten den Weg. Kein Lied erscholl, nur leise Kommandoworte und Flüche
unterbrachen das Knirschen der Riemen, das Klappern von Gewehr und
Schanzzeug. Verschwommene Schatten tauchten aus den Rändern zerstampfter
Dörfer in endlose Laufgräben.
Nicht wie früher umrauschte Regimentsmusik ins Gefecht ziehende Kompagnien.
Das wäre Hohn gewesen. Keine Fahnen schwammen wie einst im Pulverdampf über
zerhackten Karrees, das Morgenrot leuchtete keinem fröhlichen Reitertage,
nicht ritterlichem Fechten und Sterben. Selten umwand der Lorbeer die Stirn
des Würdigen.
Und doch hat auch dieser Krieg seine Männer und seine Romantik gehabt!
Helden, wenn das Wort nicht wohlfeil geworden wäre. Draufgänger,
unbekannte, eherne Gesellen, denen es nicht vergönnt war, vor aller Augen
sich an der eigenen Kühnheit zu berauschen. Einsam standen sie im Gewitter
der Schlacht, wenn der Tod als roter Ritter mit Flammenhufen durch wallende
Nebel galoppierte. Ihr Horizont war der Rand eines Trichters, ihre Stütze
das Gefühl der Pflicht, der Ehre und des inneren Wertes. Sie waren
Überwinder der Furcht; selten ward ihnen die Erlösung, dem Feinde in die
Augen blicken zu können, nachdem alles Schreckliche sich zum letzten Gipfel
getürmt und ihnen die Welt in blutrote Schleier gehüllt hatte. Dann ragten
sie empor zu brutaler Größe, geschmeidige Tiger der Gräben, Meister des
Sprengstoffs. Dann wüteten ihre Urtriebe mit kompliziertesten Mitteln der
Vernichtung.
Doch auch wenn die Mühle des Krieges ruhiger lief, waren sie
bewundernswert. Ihre Tage verbrachten sie in den Eingeweiden der Erde, vom
Schimmel umwest, gefoltert vom ewigen Uhrwerk fallender Tropfen. Wenn die
Sonne hinter gezackten Schattenrissen von Ruinen versankt, entklirrten sie
dem Pesthauch schwarzer Höhlen, nahmen ihre Wühlarbeit wieder auf oder
standen, eiserne Pfeiler, nächtelang hinter den Wällen der Gräben und
starrten in das kalte Silber zischender Leuchtkugeln. Oder sie schlichen
als Jäger über klickenden Draht in die Öde des Niemandslandes. Oft
zerrissen jähe Blitze das Dunkel, Schüsse knallten und ein Schrei verwehte
ins Unbekannte. So arbeiteten und kämpften sie, schlecht verpflegt und
bekleidet, als geduldige, eisenbeladene Tagelöhner des Todes.
Manchmal kamen sie zurück, standen verträumt auf den Asphaltmeeren der
Städte und schauten ungläubig auf das Leben, das strudelnd in seinen
gewohnten Bahnen floß. Dann stürzten sie sich hinein, um keine Minute der
kurzen Tage ungenützt verfließen zu lassen, tranken und küßten. Mit der
ihnen Lebensform gewordenen Rücksichtslosigkeit schwangen sie in tollen
Nächten den Becher, bis ihnen die Welt versank. Da ließ man die gefallenen
Freunde leben und schierte sich den Teufel um den nächsten Tag. Und dann
ging es wieder auf den gewohnten Straßen der Brandung zu.
Das war der deutsche Infanterist im Kriege. Gleichviel wofür er kämpfte,
sein Kampf war übermenschlich. Die Söhne waren über ihr Volk
hinausgewachsen. Mit bitterem Lächeln lasen sie das triviale
Zeitungsgewäsch, die ausgelaugten Worte von Helden und Heldentod. Sie
wollten nicht diesen Dank, sie wollten Verständnis. Kein Dank kann groß
genug sein. Ein Bild: der höchste Alpengipfel, ausgehauen zu einem Gesicht
unter wuchtendem Stahlhelm, das still und ernst über die Lande schaut, den
deutschen Rhein hinunter aufs freie Meer. -- Einst wird kommen der Tag
. . .
* * * * *
Der Zweck dieses Buches ist, dem Leser sachlich zu schildern, was ein
Infanterist als Schütze und Führer während des großen Krieges inmitten
eines berühmten Regimentes[1] erlebt, und was er sich dabei gedacht hat. Es
ist entstanden aus dem in Form gebrachten Inhalt meiner Kriegstagebücher.
Ich habe mich bemüht, meine Impressionen möglichst unmittelbar zu Papier zu
bringen, weil ich merkte, wie rasch sich die Eindrücke verwischen und wie
sie schon nach wenigen Tagen eine andere Färbung annehmen. Es erforderte
Energie, diesen Stapel von Notizbüchern zu füllen, in den kurzen Pausen des
Geschehens, nach dem Tagewerk der Front, beim trüben Licht einer Kerze, auf
den Treppen schmaler Stollenhälse, in zeltverhangenem Trichter oder
feuchten Kellern von Ruinen; indes es hat sich gelohnt. Ich habe mir die
Frische der Erlebnisse gewahrt. Der Mensch neigt zur Idealisierung des
Geleisteten, zur Vertuschung des Häßlichen, Kleinlichen und Alltäglichen.
Unmerklich stempelt er sich zum »Helden«.
Ich bin kein Kriegsberichterstatter, ich lege keine Helden-Kollektion vor.
Ich will nicht beschreiben, wie es hätte sein können, sondern wie es war.
Iliacos muros peccatur intra et extra. Der Grad der Sachlichkeit eines
solchen Buches ist der Maßstab seines inneren Wertes. Der Krieg setzt sich
wie alle menschlichen Handlungen aus Gut und Böse zusammen. Nur treten
hier, wo sich die Kraft von Völkern aufs Höchste steigert, die Gegensätze
noch greller hervor als sonst. Neben gipfelnden Werten gähnen dunkelste
Abgründe. Da, wo ein Mensch die beinah göttliche Stufe der Vollkommenheit
erreicht, die selbstlose Hingabe an ein Ideal bis zum Opfertode, findet
sich ein anderer, der dem kaum Erkalteten gierig die Taschen durchwühlt.
Von großen Worten Berauschte brechen im Moment der Gefahr elend zusammen.
Männer, deren Gesinnung wie ein Fels schien, stellen sich in entscheidender
Stunde »auf den Boden der Tatsachen«, ohne den Degen zu ziehen, der sonst
so schallend gerasselt. Andere durchschwelgen die Nächte, in denen fernes
Rot am Himmel glutet und leises Dröhnen mahnend an die Fenster schlägt.
Das muß gesagt werden. Um so glänzender hebt sich aus diesem dunkeln
Hintergrunde der wahre Mann, der unscheinbare, echte, vom Geist getriebene
Krieger, der seine Pflicht tat, am letzten Tage wie am ersten. Was war
dagegen der Rausch von 1914? Eine Massensuggestion! Und doch, wie viele
habe ich kennengelernt, die unter dem grauen Tuch ein Herz von Gold und
einen Willen von Stahl bargen, eine Auslese der Tüchtigsten, die sich dem
Tode in die Arme warf -- mit stets gleichbleibender Freudigkeit. Ob ihr
gefallen seid auf freiem Felde, das arme, von Blut und Schmutz entstellte
Gesicht dem Feinde zu, überrascht in dunklen Höhlen oder versunken im
Schlamm endloser Ebenen, einsame, kreuzlose Schläfer; das ist mir
Evangelium: Ihr seid nicht umsonst gefallen. Wenn auch vielleicht das Ziel
ein anderes, größeres ist, als ihr erträumtet. Der Krieg ist der Vater
aller Dinge. Kameraden, euer Wert ist unvergänglich, Euer Denkmal tief in
den Herzen eurer Brüder, die mit Euch standen, vom flammenden Ringe
umschlossen. Legten wir nicht weiße Bänder auf eure Wunden und sahen in
eure brechenden Augen, als euch der Vorhang der Ewigkeit hochrauschte?
Möge dies Buch dazu beitragen, eine Ahnung zu geben von dem, was ihr
geleistet. Wir haben viel, vielleicht alles, auch die Ehre verloren. Eins
bleibt uns: die ehrenvolle Erinnerung an euch, an die herrlichste Armee,
die je die Waffen trug und an den gewaltigsten Kampf, der je gefochten
wurde. Sie hochzuhalten inmitten dieser Zeit weichlichen Gewinsels, der
moralischen Verkümmerung und des Renegatentums ist stolzeste Pflicht eines
jeden, der nicht nur mit Gewehr und Handgranate, sondern auch mit
lebendigem Herzen für Deutschlands Größe kämpfte.
[Fußnote 1: Das Stammregiment des Füsilier-Regiments Nr. 73, das vormals
Königlich Hannoversche Garderegiment, verteidigte von 1779 bis 1783 fast
vier Jahre lang unter General Elliot Gibraltar siegreich gegen die Spanier
und Franzosen. Zur Erinnerung an diese ruhmvolle Waffentat trägt unser
Regiment am Ärmel des Waffenrocks ein blaues Band mit der Aufschrift
»Gibraltar«. Dasselbe Zeichen wird jetzt von der 5. Kompagnie des
Reichswehr-Regiments Nr. 16 (Hannover) weitergetragen.]
Vorwort zur 2. Auflage.
Schneller als gedacht, wurde eine zweite Auflage Bedürfnis. Aus Zuschriften
und Gesprächen ersah ich, daß der Zweck des Buches erreicht, der Geist der
Leute am Feind getroffen war. Wer sollte ihn auch besser treffen als einer,
der vier Jahre lang in allen Löchern und Höhlen der Westfront in ihrem
Kreise hockte?
Dies Interesse für das Geschehen einer Zeit, die uns zu Boden hagelte, ist
von Bedeutung. Das Volk im ganzen hat nicht den Willen, das zu verleugnen,
wofür Unzählige fielen. Der Krieg ist eine Sache, an der alle beteiligt
sind. Sind zur Stunde noch die Nerven erschüttert vom Grauenhaften seiner
äußeren Gestaltung, so wird er späteren Generationen vielleicht erscheinen
wie manche Kreuzigungsbilder alter Meister: Als großer Gedanke, der Nacht
und Blut überstrahlt. Dann wird man wohl auch mit Rührung an uns
zurückdenken, an uns und die Hoffnungen und Gefühle, die unsere Brust
durchzuckten, als wir im Dunkel durch brüllende Wüsten irrten.
Oder sollten Strömungen unserer Zeit dann schon so reißend geworden sein,
daß niemand mehr versteht, wie wir das Leben geringer achten konnten als
unsere Idee?
Ich kann es nicht glauben.
_Berlin_, im Juli 1921.
Inhaltsverzeichnis.
Vorwort
Orainville
Von Bazancourt bis Hattonchâtel
Les Eparges
Douchy und Monchy
Vom täglichen Stellungskampf
Der Auftakt zur Somme-Offensive
Guillemont
Am St. Pierre-Vaast
Der Somme-Rückzug
Im Dorfe Fresnoy
Gegen Inder
Langemarck
Regniéville
Noch einmal Flandern
Die Cambraischlacht
Am Cojeul-Bach
Die große Schlacht
Englische Vorstöße
Mein letzter Sturm
Orainville.
Der Zug hielt in Bazancourt, einem Städtchen der Champagne. Wir stiegen
aus. Mit ungläubiger Ehrfurcht lauschten wir dem langsamen Takte des
Walzwerkes der Front, einer Melodie, die uns in langen Jahren Gewohnheit
werden sollte. Ganz weit zerfloß der weiße Ball eines Schrapnells im grauen
Dezemberhimmel. Der Atem des Kampfes wehte herüber und ließ uns seltsam
erschauern. Ahnten wir, daß fast alle von uns verschlungen werden sollten
an Tagen, in denen das dunkle Murren dahinten aufbrandete zu unaufhörlich
rollendem Donner? Der eine früher, der andere später?
Wir hatten Hörsäle, Schulbänke und Werktische verlassen und waren in den
kurzen Ausbildungswochen zusammengeschmolzen zu einem großen, begeisterten
Körper, Träger des deutschen Idealismus der nachsiebziger Jahre.
Aufgewachsen im Geiste einer materialistischen Zeit, wob in uns allen die
Sehnsucht nach dem Ungewöhnlichen, nach dem großen Erleben. Da hatte uns
der Krieg gepackt wie ein Rausch. In einem Regen von Blumen waren wir
hinausgezogen in trunkener Morituri-Stimmung. Der Krieg mußte es uns ja
bringen, das Große, Starke, Feierliche. Er schien uns männliche Tat, ein
fröhliches Schützengefecht auf blumigen, blutbetauten Wiesen. Kein schönrer
Tod ist auf der Welt . . . . Ach, nur nicht zu Haus bleiben, nur mitmachen
dürfen!
»In Gruppenkolonne antreten!« Die erhitzte Phantasie beruhigte sich beim
Marsche durch den schweren Lehmboden der Champagne. Tornister, Patronen und
Gewehr drückten wie Blei. »Kurztreten. Aufbleiben dahinten!«
Ach, zu des Geistes Flügeln wird so bald
Kein körperlicher Flügel sich gesellen!
Endlich erreichten wir das Dorf Orainville, den Ruheort des
Füsilier-Regiments 73, eins der typischen Nester jener Gegend, gebildet
durch 50 Häuschen aus Ziegel- oder Kreidesteinen um einen parkumschlossenen
Herrensitz.
Das Treiben auf der Dorfstraße bot den kulturgewohnten Augen einen fremden
Anblick. Man sah nur wenige scheue und zerlumpte Zivilisten; überall
Soldaten in abgetragenen, zerschlissenen Röcken mit wettergegerbten, meist
von großen Bärten umrahmten Gesichtern, die langsamen Schrittes
dahinschlenderten oder in kleinen Gruppen vor den Türen der Häuser standen
und uns Neulinge mit Scherzrufen empfingen. Irgendwo stand eine nach
Erbsensuppe duftende Feldküche, von kochgeschirrklappernden Essenholern
umringt. Die wallensteinsche Romantik wurde durch den beginnenden Verfall
des Dorfes noch gesteigert.
Nachdem wir die erste Nacht in einer gewaltigen Scheune verbracht hatten,
wurden wir im Hofe des Schlosses vom Regimentsadjutanten, dem damaligen
Oberleutnant v. Brixen, eingeteilt und ich der 9. Kompagnie überwiesen.
Unser erster Kriegstag sollte nicht vorübergehen, ohne uns einen
entscheidenden Eindruck zu hinterlassen: Wir saßen in der uns als Quartier
angewiesenen Schule und frühstückten. Plötzlich dröhnte eine Reihe dumpfer
Erschütterungen in der Nähe, während aus allen Häusern Soldaten dem
Dorfeingang zustürzten. Wir befolgten dies Beispiel, ohne recht zu wissen
warum. Wieder ertönte ein eigenartiges, nie gehörtes Flattern und Rauschen
über uns und ertrank in polterndem Krachen. Ich wunderte mich, daß die
Leute um mich sich zusammenduckten wie unter furchtbarer Drohung.
Gleich darauf erschienen schwarze Gruppen auf der menschenleeren
Dorfstraße, in Zeltbahnen oder auf den verschränkten Händen schwarze Bündel
schleppend. Mit einem merkwürdig beklommenen Gefühl der Unwirklichkeit
starrte ich auf eine blutüberströmte Gestalt mit lose am Körper
herabhängendem Bein, die unaufhörlich ein heiseres »Zu Hilfe!« hervorstieß
und in ein Haus getragen wurde, von dessen Eingang die Rote-Kreuz-Flagge
herabwehte. -- Was war das nur? Der Krieg hatte seine Krallen gezeigt und
die gemütliche Maske abgeworfen. Das war so rätselhaft, so unpersönlich.
Kaum, daß man dabei an den Feind dachte, dieses geheimnisvolle, tückische
Wesen irgendwo dahinten. Das völlig außerhalb der Erfahrung liegende
Ereignis machte einen so starken Eindruck, daß es Mühe kostete, die
Zusammenhänge zu begreifen. Es war wie eine gespenstische Erscheinung am
hellen Mittag.
Eine Granate war oben am Portal des Schlosses krepiert und hatte eine Wolke
von Steinen und Sprengstücken in den Eingang geschleudert, gerade, als die
durch die ersten Schüsse aufgeschreckten Insassen aus dem Torweg strömten.
Sie erschlug 13 Opfer, darunter den Musikmeister Gebhard, eine mir von den
hannoverschen Promenaden-Konzerten her wohlbekannte Erscheinung. Ein
angebundenes Pferd witterte die Gefahr eher als die Menschen, riß sich
wenige Sekunden vorher los und galoppierte, ohne verletzt zu werden, in den
Schloßhof.
Im Gespräch mit meinen Kameraden merkte ich, daß dieser Zwischenfall
manchem die Kriegsbegeisterung sehr gedämpft hatte. Daß er auch auf mich
stark gewirkt hatte, ersah ich aus zahlreichen Gehörstäuschungen, die mir
das Rollen jedes vorüberfahrenden Wagens in das fatale Geräusch der
Unglücks-Granate verwandelten.
Am Abend desselben Tages kam der lang ersehnte Augenblick, in dem wir,
schwer bepackt, zur Kampfstellung aufbrachen. Durch die aus phantastischem
Halbdunkel ragenden Ruinen des Dorfes Betricourt führte unser Weg nach
einem einsamen, in Tannenwaldungen versteckten Forsthause, der sogenannten
»Fasanerie«, wo die Regiments-Reserve lag, der bis zu dieser Nacht auch die
dort liegende 9. Kompagnie angehörte. Ihr Führer war der Leutnant d. R.
Brahms.
Wir wurden in Empfang genommen, auf die Gruppen verteilt und befanden uns
bald im Kreise bärtiger, lehmbekrusteter Gesellen, die uns mit einem
gewissen ironischen Wohlwollen begrüßten. Wir wurden gefragt, wie es in
Hannover aussähe, und ob der Krieg denn noch nicht bald zu Ende gehen
sollte. Dann drehte sich das Gespräch in eintöniger Kürze um Schanzen,
Feldküche, Grabenstücke und andere Angelegenheiten den Stellungskrieges.
Nach einiger Zeit erscholl vor der Tür unseres hüttenartigen Aufenthaltes
der Ruf: »Heraustreten!« Wir traten bei unseren Gruppen an und stießen auf
das Kommando: »Laden und Sichern!« mit geheimer Wollust einen Rahmen
scharfer Patronen ins Magazin.
Dann ging es schweigend Mann hinter Mann querbeet durch die nächtliche, von
dunklen Waldstücken besäte Landschaft. Ab und zu verhallte ein einsamer
Schuß, oder eine Leuchtkugel strahlte zischend auf, um nach kurzer,
geisterhafter Beleuchtung eine noch tiefere Dunkelheit zu hinterlassen.
Monotones Klappern von Gewehr und Schanzzeug durch den Warnungsruf:
»Achtung, Draht!« unterbrochen. Wie oft bin ich nach diesem erstenmal in
halb melancholischer, halb erregter Stimmung durch ausgestorbene
Landschaften zur vorderen Linie geschritten!
Endlich verschwanden wir in einem der Laufgräben, die sich wie weiße
Schlangen durch die Nacht zur Stellung wanden. Dort fand ich mich einsam
und fröstelnd zwischen zwei Schulterwehren wieder, angestrengt in eine vorm
Graben liegende Tannenreihe starrend, in der meine Phantasie mir allerhand
Schattengestalten vorgaukelte, während ab und zu eine verirrte Kugel durchs
Geäst klatschte. Die einzige Abwechslung in dieser schier endlosen Zeit
war, daß ich von einem älteren Kameraden abgeholt wurde und mit ihm durch
einen langen, schmalen Gang zu einem vorgeschobenen Postenloch trottete, in
dem wir wiederum damit beschäftigt waren, das Vorgelände zu betrachten.
Zwei Stunden durfte ich in einem kahlen Kreideloche versuchen, den Schlaf
der Erschöpfung zu finden. Als der Morgen graute, war ich bleich und
lehmbeschmiert wie die anderen, und es war mir, als ob ich dieses
Maulwurfsleben schon monatelang geführt hätte.
Die Stellung des Regiments wand sich durch den Kreidebogen der Champagne
gegenüber dem Dorfe Le Gauda. Sie lehnte sich rechts an ein zerhacktes
Waldstück, den Granat-Wald, lief dann durch riesige Zuckerrübenfelder, aus
denen die roten Hosen gefallener Stürmer leuchteten, und endete in einem
Bachgrund, über den die Verbindung mit dem Regiment 74 durch nächtliche
Patrouillen aufrechterhalten wurde. Der Bach rauschte über das Wehr einer
zerstörten, von finsteren Bäumen umringten Mühle. Ein unheimlicher
Aufenthalt, wenn nachts der Mond durch zerrissene Wolken wechselnde
Schatten warf, und seltsame Laute in das Murmeln des Wassers und das
Rascheln des Schilfes sich zu mischen schienen.
Der Dienst war der denkbar anstrengendste. Das Leben begann mit dem
Einbruch der Dämmerung, während der die ganze Besatzung im Graben stehen
mußte. Von 10 Uhr abends bis 6 Uhr morgens durften dann je zwei Mann jeder
Gruppe schlafen, so daß man einen Nachtschlaf von zwei Stunden genoß, der
indes durch früheres Wecken, Strohholen und andere Beschäftigungen
illusorisch gemacht wurde.
Entweder hatte man Wache im Graben, oder man zog in eins der zahlreichen
Postenlöcher, die mit der Stellung durch lange, ausgehobene Verbindungswege
zusammenhingen; eine Art der Sicherung, die wegen der Exponiertheit der
Posten im Laufe des Stellungskrieges bald aufgegeben wurde.
Diese endlosen, furchtbar ermüdenden Nachtwachen waren bei klarem Wetter
und selbst bei Frost noch erträglich, sie wurden jedoch qualvoll, wenn es,
wie meist im Januar, regnete. Wenn die Feuchtigkeit erst die über den Kopf
gezogene Zeltbahn, dann Mantel und Uniform durchdrang und stundenlang am
Körper herunterrieselte, geriet man in eine Stimmung, die selbst durch das
Rauschen der heranwatenden Ablösung nicht erhellt werden konnte. Die
Morgendämmerung beleuchtete erschöpfte, kreidebeschmierte Gestalten, die
sich zähneklappernd mit bleichen Gesichtern auf das faule Stroh der
tropfenden Unterstände warfen. Diese Unterstände! Es waren nach dem Graben
zu offene, in die Kreide gehauene Löcher mit einer Lage von Brettern und
einigen Schaufeln Erde bedeckt. Hatte es geregnet, so tropften sie noch
tagelang nachher; ein gewisser Galgenhumor hatte sie deshalb mit
entsprechenden Namen, wie »Tropfsteinhöhle«, »Zum Männerbad« usw.,
bezeichnet. Wollten mehrere darin der Ruhe pflegen, so waren sie gezwungen,
ihre Beine als unfehlbare Fußangeln für jeden Vorübergehenden in den Graben
zu legen. Unter diesen Umständen war natürlich auch tagsüber von Schlaf
wenig die Rede. Außerdem mußte man noch zwei Stunden Tagesposten stehen,
den Graben reinigen, Essen, Kaffee, Wasser holen und anderes mehr.
Man wird begreifen, daß dieses ungewohnte Leben uns sehr hart vorkam,
besonders da wir dazu von den meisten der alten Leute in jeder Weise
schikaniert wurden. Diese aus der Kaserne in den Krieg mitgenommene
Gewohnheit trug viel dazu bei, uns die schweren Tage noch mehr zu
verbittern, verschwand aber nach der ersten zusammen bestandenen Schlacht.
Dem gemeinen Mann war auch die Tatsache, daß wir uns freiwillig gemeldet
hatten, schwer verständlich. Er sah das als einen gewissen Übermut an, eine
Auffassung, der ich im Kriege oft begegnet bin.
Die Zeit, während der die Kompagnie in Reserve lag, war nicht viel besser.
Wir hausten dann in tannenzweiggedeckten Erdhütten bei der Fasanerie oder
im Hiller-Wäldchen, deren mistbepackter Boden wenigstens eine angenehme
Gärungswärme ausstrahlte. Manchmal erwachte man in einer zolltiefen
Wasserpfütze. Trotzdem ich Rheumatismus bislang nur dem Namen nach gekannt
hatte, spürte ich schon nach wenigen Tagen infolge der dauernden
Durchnässung Schmerzen in allen Gelenken. Die Nächte dienten auch hier
nicht dem Schlaf, sondern wurden benutzt, die zahlreichen Annäherungsgräben
zu vertiefen.
Ein Lichtblick in diesem öden Einerlei war die allabendliche Ankunft der
Feldküche an der Ecke des Hiller-Wäldchens, wo sich bei der Öffnung des
Kessels ein köstlicher Duft nach Erbsen mit Speck oder anderen herrlichen
Sachen verbreitete. Aber auch hier gab es einen dunklen Punkt: das
Dörrgemüse, das von enttäuschten Gourmets als »Drahtverhau« oder
»Flurschaden« geschmäht wurde.
Am angenehmsten waren die Ruhetage in Orainville, die mit Ausschlafen,
Reinigen der Sachen und Exerzieren verbracht wurden. Die Kompagnie hauste
in einer gewaltigen Scheune, die nur zwei hühnerleiterartige Treppen als
Ein- und Ausgang hatte. Obwohl das Gebäude noch mit Stroh gefüllt war,
standen Öfen darin. Eines Nachts rollte ich gegen den einen und erwachte
erst infolge der Bemühungen einiger Kameraden, die mich kräftigen
Löschversuchen unterzogen. Zu meinem Schrecken gewahrte ich, daß meine
Uniform an der Rückseite arg verkohlt war, so daß ich längere Zeit in einem
frackartigen Anzuge umherlaufen mußte.
Nach kurzem Aufenthalt beim Regiment hatten wir fast alle Illusionen
verloren, mit denen wir ausgezogen waren. Statt der erhofften Gefahren
hatten wir Schmutz, Arbeit und schlaflose Nächte vorgefunden, zu deren
Bezwingung ein uns wenig liegendes Heldentum gehörte. Diese dauernde
Überanstrengung war Schuld der Führung, die den Geist des neuartigen
Stellungskrieges noch nicht erfaßt hatte. In einem kurzen,
draufgängerischen Kriege kann und muß der Offizier die Mannschaft
rücksichtslos erschöpfen, in einem sich lang hinschleppenden führt dies zu
physischem und moralischem Zusammenbruch. Die ungeheure Postenzahl und die
ununterbrochene Schanzarbeit war zum größten Teil unnötig und sogar
schädlich. Nicht auf gewaltige Verschanzungen kommt es an, sondern auf den
Mut und die Frische der Leute, die dahinterstehen. »Eiserne Herzen auf
hölzernen Schiffen gewinnen die Schlachten.«
Wohl hörten wir im Graben Geschosse pfeifen, bekamen auch ab und zu einige
Granaten von den Reimser Forts, aber diese kleinen kriegerischen Ereignisse
blieben weit hinter unseren Erwartungen zurück. Trotzdem wurden wir
manchmal an den blutigen Ernst gemahnt, der hinter diesem scheinbar
absichtslosen Geschehen lauerte. So schlug am 8. Januar eine Granate in die
Fasanerie und tötete den Leutnant Schmidt, unseren Bataillons-Adjutanten.
Am 27. Januar ließen wir unserem Kaiser zur Ehre drei kräftige Hurras
erschallen und stimmten auf der langen Front, von feindlichen Gewehren
begleitet, ein »Heil dir im Siegerkranz« an.
In diesen Tagen hatte ich ein sehr unangenehmen Erlebnis, das meine
militärische Laufbahn fast zu einem vorzeitigen und unrühmlichen Abschluß
gebracht hätte. Die Kompagnie lag am linken Flügel, und ich mußte mich
gegen Morgen nach völlig durchwachter Nacht mit einem Kameraden in den
Bachgrund auf Doppelposten begeben. Ich hatte der Kälte wegen
verbotenerweise meine Decke um den Kopf geschlagen und lehnte an einem
Baum, nachdem ich mein Gewehr neben mich in einen Busch gestellt hatte.
Plötzlich hörte ich hinter mir ein Geräusch, griff danach -- die Waffe war
verschwunden! Der revidierende Portepee-Träger, ein
Offizier-Stellvertreter, hatte sich an mich herangeschlichen und sie
unbemerkt an sich genommen. Um mich zu bestrafen, schickte er mich
eigenmächtig, nur mit einer Beilpicke bewaffnet, in der Richtung auf die
französischen Postierungen, ungefähr 100 Meter weit, vor, eine
Indianeridee, die mich beinahe ums Leben gebracht hätte. Während meiner
merkwürdigen Strafwache schlich nämlich eine Patrouille von drei
Kriegsfreiwilligen durch das Schilf vor, wurde von den Franzosen bemerkt
und beschossen. Einer von ihnen, namens Lang, wurde getroffen und nie
wieder gesehen. Da ich ganz in der Nähe stand, bekam ich auch mein Teil von
den damals so beliebten Gruppensalven ab, so daß mir die Zweige des
Weidenbaumes, an dem ich stand, um die Ohren pfiffen. Ich biß die Zähne
zusammen und blieb aus Trotz stehen. Ich habe dem Offizier-Stellvertreter
diese Gemeinheit nie vergessen können.
Wir waren alle herzlich stolz, als uns mitgeteilt wurde, daß wir diese
Stellung endgültig verlassen sollten, und feierten unseren Abschied von
Orainville durch einen kräftigen Bierabend in der großen Scheune. Am 4.
Februar 1915 marschierten wir, von einem sächsischen Regiment abgelöst,
nach Bazancourt.
Dieser Monat war für mich, obwohl der härteste des ganzen Krieges, doch
eine gute Schule. Ich hatte den Wacht- und Arbeitsdienst in seiner
schwersten Form gründlich kennengelernt. Das bewahrte mich später, als ich
selbst führte, davor, von meinen Leuten Unmögliches zu verlangen.
Von Bazancourt bis Hattonchâtel.
In Bazancourt, einem öden Champagne-Städtchen, wurde die Kompagnie in der
Schule einquartiert, die infolge des geradezu erstaunlichen Ordnungssinnes
unserer Leute in kurzer Zeit das Aussehen einer Friedenskaserne annahm. Da
gab es einen Unteroffizier vom Dienst, der Morgens pünktlich weckte,
Stubendienst und allabendliche Appells durch die Korporalschaftsführer.
Jeden Morgen rückten die Kompagnien aus, um auf den umliegenden Ödfeldern
einige Stunden stramm zu exerzieren. Diesem Dienstbetrieb wurde ich nach
einigen Tagen durch Abkommandierung zum Offizier-Aspiranten-Kursus in
Recouvrence entzogen.
Recouvrence war ein entlegenes, in lieblichen Kreidehügeln verstecktes
Dörfchen, in das von der Division eine Anzahl junger Leute geschickt wurde,
um durch den von jedem Regiment gestellten Offizier und einige
Unteroffiziere eine gründliche militärische Ausbildung zu erhalten. Wir
73er haben in dieser Beziehung dem äußerst fähigen, leider kurz darauf
gefallenen Leutnant Hoppe viel zu verdanken.
Das Leben in diesem weltabgeschiedenen Neste setzte sich aus einer
merkwürdigen Mischung von Kasernendrill und akademischer Freiheit zusammen.
Tagsüber wurden die Zöglinge nach allen Regeln der Kunst zum militärischen
Menschen geschliffen, abends versammelten sie sich mit ihren Lehrern um
riesige Fässer, wo in ebenso gründlicher Weise gezecht wurde. Wenn in den
Morgenstunden die verschiedenen Abteilungen aus ihren Kneiplokalen
strömten, hatten die kleinen Kreidesteinhäuser den ungewohnten Anblick
eines studentischen Walpurgistreibens. Unser Kursusleiter, ein Hauptmann,
hatte übrigens die erzieherische Gewohnheit, den Dienst an den
darauffolgenden Tagen mit doppelter Energie zu handhaben.
Unser Verkehr untereinander war, wie bei Leuten derselben Bildungsstufe
unter diesen Verhältnissen selbstverständlich, sehr kameradschaftlich. Wir
wohnten zu dritt oder viert zusammen und führten gemeinsame Wirtschaft.
Besonders ist mir noch unser regelmäßiges Abendessen von Rührei und
Bratkartoffeln in guter Erinnerung. Sonntags leisteten wir uns das
landessübliche Kaninchen oder einen Hahn. Da ich den Einkauf für den
Abendtisch besorgte, legte mir unsere Wirtin einmal eine Anzahl von Bons
vor, die sie von requirierenden Soldaten erhalten hatte; meist des Inhalts,
daß der Füsilier N. N. der Tochter des Hauses Liebenswürdigkeiten erwiesen
und dafür 12 Eier requiriert habe. Zur Anführung ist diese ergötzliche
Blütenlese des Volkshumors leider durchweg zu saftig.
Mitte Februar wurden wir 73er durch die Nachricht der großen Verluste
unseres Regiments bei Perthes überrascht und waren sehr traurig, diese Tage
fern von unseren Kameraden verbracht zu haben. Am 21. März kamen wir nach
einem kleinen Examen zum Regiment zurück, das wieder in Bazancourt lag. Es
schied in diesen Tagen nach einer großen Parade und einer
Abschiedsansprache des Generals von Emmich aus dem Verbande des X. Korps.
Wir wurden am 24. März verladen und fuhren bis in die Gegend von Brüssel,
wo wir mit den Regimentern 76 und 164 zur 111. Infanterie-Division
zusammengestellt wurden.
Unser Bataillon wurde in dem Städtchen Hérinnes (flämisch: Herne)
untergebracht, inmitten einer Landschaft von flämischer Behaglichkeit. Ich
erlebte hier recht glücklich meinen 20. Geburtstag.
Obwohl die Belgier in ihren Häusern genügend Platz hatten, wurde unsere
Kompagnie aus falscher Rücksichtnahme in eine große zugige Scheune
gesteckt, durch die während der kalten Märznächte der rauhe Seewind jener
Gegend pfiff. Sonst war uns der Aufenthalt in Herne eine gute Erholung; es
wurde zwar viel exerziert, doch gab es auch gute Verpflegung und
Lebensmittel für geringes Geld.
Die halb aus Flamen, halb aus Wallonen bestehende Bevölkerung war sehr
freundlich zu uns. Ich unterhielt mich oft mit dem Besitzer eines
Estaminets, einem eifrigen Sozialisten und Freigeist, der mich am
Ostersonntag zum Festmahl einlud und sogar für seine Getränke kein Geld
nehmen wollte. Man kann sich kaum vorstellen, wie wohltuend eine solche
Begegnung inmitten der rauhen Schule der Feldkameradschaft wirkt.
Gegen Ende unseres Aufenthaltes wurde das Wetter schön und lud zu
Spaziergängen in der lieblichen, wasserreichen Umgebung ein. Die Landschaft
war malerisch verziert durch die vielen entkleideten Kriegsleute, die, ihre
Wäsche auf dem Schoß, längs der pappelumsäumten Bachufer eifrig der
Läusejagd oblagen. Von dieser Plage bislang ziemlich verschont geblieben,
war ich indes meinem Kriegskameraden Priepke, einem Hamburger
Exportkaufmann, behilflich, in seine wollene Weste, die bevölkert war wie
weiland das Habit Simplicii Simplicissimi, zu Desinfektionszwecken einen
schweren Stein zu wickeln und sie in einen Bach zu versenken. Da unser
Aufbruch von Herne sehr plötzlich erfolgte, wird sie sich dort wohl noch
heute eines ungestörten Aufenthalts erfreuen.
Am 12. April 1915 wurden wir in Hal verladen und fuhren, um Spione zu
täuschen, über den Nordflügel der Front in die Gegend des Schlachtfeldes
von Mars-la-Tour. Die Kompagnie bezog ihr gewohntes Scheunen-Quartier im
Dorfe Tronville, einem der üblichen langweiligen, aus flachdächrigen,
fensterlosen Steinkästen zusammengewürfelten lothringischen Drecknester.
Der Fliegergefahr wegen mußten wir uns meist in dem überfüllten Orte
aufhalten, in dessen Nähe die berühmten Stätten von Mars-la-Tour und
Gravelotte liegen. Wenige hundert Meter vom Dorfe wurde die Straße nach
Gravelotte von der Grenze geschnitten, an der der französische Grenzpfahl
zerschmettert am Boden lag. Abends machten wir uns oft das wehmütige
Vergnügen eines Spazierganges nach Deutschland.
Unsere Scheune war so baufällig, daß man balancieren mußte, um nicht durch
die morschen Bretter auf die Tenne zu stürzen. An einem Abend, als unsere
Gruppe gerade unter Vorsitz ihres biederen Korporals Kerkhoff beschäftigt
war, auf einer Krippe die Portionen zu teilen, löste sich ein ungeheurer
Eichklotz aus dem Gebälk und stürzte krachend herunter. Zum Glück klemmte
er sich dicht über unseren Köpfen zwischen zwei Lehmwänden. Wir kamen mit
dem Schrecken davon, aber unsere schöne Fleischportion war durch den
aufgewirbelten Schutt ungenießbar geworden. Kaum hatten wir uns an diesem
ominösen Abend niedergelegt, als kräftig an das Tor gedonnert wurde und die
alarmierende Stimme des Feldwebels uns vom Lager trieb. Zuerst, wie immer
in solchen Augenblicken, ein Moment der Stille, dann wirres Durcheinander
und Gepolter: »Mein Helm! Wo ist mein Brotbeutel? Ich kriege meine Stiefel
nicht an! Du hast meine Patronen geklaut! Hol't Mul, du August!«
Zuletzt war doch alles fertig, und wir marschierten zum Bahnhof von
Chamblay, von wo wir in einigen Minuten mit der Bahn bis Pagny-sur-Moselle
fuhren. In den Morgenstunden erklommen wir die Moselhöhen und, blieben in
Prény, einem romantischen, von einer Burgruine überragten Bergdorf. Diesmal
war unsere Scheune ein mit aromatischem Bergheu gefüllter Steinbau, aus
dessen Luken wir auf die weinbepflanzten Moselberge und das im Tal gelegene
Städtchen Pagny blicken konnten, das oft mit Granaten und Fliegerbomben
belegt wurde. Einige Male schlug ein Geschoß in die Mosel, eine turmhohe
Wassersäule hochschleudernd.
Das warme Wetter und die prächtige Landschaft wirkten wahrhaft belebend auf
uns und reizten in den Freistunden zu langen Spaziergängen. Wir waren so
übermütig, daß wir abends noch einige Zeit ulkten, bevor alles zur Ruhe
kam. Unter anderem war es ein beliebter Scherz, Schnarchern aus einer
Feldflasche Wasser oder Kaffee in den Mund zu gießen.
Am Abend des 22. April marschierten wir von Prény ab, legten über 30
Kilometer bis zum Dorfe Hattonchâtel zurück, ohne trotz dem schweren Gepäck
einen Marschkranken zu haben, und schlugen rechts von der berühmten Grande
Tranchée mitten im Walde Zelte auf. Es war aus allen Anzeichen zu ersehen,
daß wir am nächsten Tage ins Gefecht kommen würden. Wir empfingen
Verbandpäckchen, zweite Fleischbüchsen und Signalflaggen für die
Artillerie.
Am Abend saß ich noch lange in jener ahnungsvollen Stimmung, von der die
Krieger aller Zeiten zu erzählen wissen, auf einem von blauen Anemonen
umwucherten Baumstumpf, ehe ich über die Reihen der Kameraden an meinen
Zeltplatz kroch, und träumte in der Nacht wirres Zeug zusammen, in dem ein
Totenkopf die Hauptrolle spielte. Priepke, dem ich am Morgen davon
erzählte, hoffte, daß es ein Franzosenschädel gewesen sei.
Les Eparges.
Das junge Grün des Waldes schimmerte im Morgen. Wir wanden uns durch
versteckte Wege zu einer engen Schlucht hinter der vorderen Linie. Es war
bekanntgegeben, daß das Regiment 76 nach 20minutiger Feuervorbereitung
stürmen und wir als Reserve bereitstehen sollten. Punkt 12 Uhr eröffnete
unsere Artillerie eine heftige Kanonade, die vielfach in den Waldschluchten
widerhallte. Zum ersten Male vernahmen wir hier das schwere Wort:
Trommelfeuer. Wir saßen auf den Tornistern, untätig und erregt. Eine
Ordonnanz stürzte zum Kompagnieführer. Hastige Worte. »Die drei ersten
Gräben sind in unserer Hand, sechs Geschütze erbeutet!« Ein Hurra flammte
auf. Draufgängerstimmung erwachte.
Endlich kam der ersehnte Befehl. Wir zogen in langer Reihe nach vorn, von
wo verschwommenes Gewehrfeuer prasselte. Es wurde ernst. Zur Seite des
Waldpfades dröhnten in einem Tannendickicht dumpfe Stöße, Zweige und Erde
rauschten nieder. Ein Ängstlicher warf sich unter erzwungenem Gelächter der
Kameraden zu Boden. Dann glitt der Mahnruf des Todes durch die Reihen:
»Sanitäter nach vorn!«
Auf der Grande Tranchée hasteten Truppen vor. Um Wasser flehende Verwundete
kauerten am Straßenrand, bahrentragende Gefangene keuchten zurück, Protzen
rasselten im Galopp durchs Feuer. Rechts und links stampften Granaten den
weichen Boden, schweres Geäst brach nieder. Mitten im Wege lag ein totes
Pferd mit riesigen Wunden, daneben dampfende Eingeweide. An einem Baume
lehnte ein bärtiger Landwehrmann: »Jungens, jetzt feste ran, der Franzmann
ist im Laufen!«
Wir gelangten in das kampfzerwühlte Reich der Infanterie. Der Umkreis der
Sturmausgangsstellung war von Geschossen kahl geholzt. Im zerrissenen
Zwischenfelde lagen die Opfer des Sturmes, den Kopf feindwärts; die grauen
Röcke hoben sich kaum vom Boden ab. Eine Riesengestalt, mit rotem,
blutbesudeltem Vollbart starrte zum Himmel, die Fäuste in die lockere Erde
gekrallt. Ein junger Mensch wälzte sich in einem Trichter, die gelbliche
Farbe des Todes auf den Zügen. Unsere Blicke schienen ihm unangenehm, mit
einer gleichgültigen Bewegung zog er sich den Mantel über den Kopf und
wurde still.
Wir lösten uns aus der Marschkolonne. Fortwährend zischte es in langem,
scharfem Bogen heran, Blitze wirbelten den Boden der Lichtung hoch.
»Sanitäter!« Wir hatten den ersten Toten. Dem Füsilier S. zerriß eine
Schrapnellkugel die Halsschlagader. Drei Verbandpäckchen waren im Nu
vollgesogen. Er verblutete in Sekunden. Neben uns protzten zwei Geschütze
ab, noch stärkeres Feuer anziehend. Ein Artillerieleutnant, der im
Vorgelände nach Verwundeten suchte, wurde durch eine vor ihm hochfahrende
Dampfsäule niedergeschleudert. Er erhob sich langsam und kam mit markierter
Ruhe zurück. »Eben ziemlichen Torkel entwickelt!« Unsere Augen glänzten ihn
an.
Es dunkelte, als wir den Befehl zu weiterem Vorrücken erhielten. Unser Weg
führte uns durch dichtes, geschoßdurchklatschtes Unterholz in einen
endlosen Laufgraben, den fliehende Franzosen mit Gepäck bestreut hatten. In
der Nähe des Dorfes Les Eparges mußten wir, ohne Truppen vor uns zu haben,
eine Stellung in festes Gestein hauen. Zuletzt sank ich in einen Busch und
schlief ein.
»Mensch, aufstehen, wir rücken ab!« Ich erwachte in taufeuchtem Grase.
Durch die sausende Garbe eines Maschinengewehres stürzten wir in unseren
Laufgraben zurück und besetzten eine verlassene französische Stellung am
Waldsaume. Ein süßlicher Geruch und ein im Drahtverhau hängendes Bündel
erweckten meine Aufmerksamkeit. Ich sprang im Morgennebel aus dem Graben
und stand vor einer zusammengeschrumpften französischen Leiche.
Fischartiges, verwestes Fleisch leuchtete grünlichweiß aus zersetzter
Uniform. Mich umwendend prallte ich entsetzt zurück: Neben mir kauerte eine
Gestalt an einem Baum. Leere Augenhöhlen und wenige Büschel Haar auf dem
schwarzbraunen Schädel verrieten, daß ich es mit keinem Lebenden zu tun
hatte. Ringsumher lagen noch Dutzende von Leichen, verwest, verkalkt, zu
Mumien gedörrt, in unheimlichem Totentanz erstarrt. Die Franzosen mußten
monatelang neben den gefallenen Kameraden ausgehalten haben, ohne sie zu
bestatten.
In den Vormittagsstunden durchbrach die Sonne den Nebel und entsandte eine
behagliche Wärme. Nachdem ich etwas auf der Grabensohle geschlafen hatte,
ging ich durch den vereinsamten, am Vortage erstürmten Graben, dessen Boden
mit Bergen von Proviant, Munition, Ausrüstungsstücken, Waffen und Zeitungen
bedeckt war. Die Unterstände glichen geplünderten Trödelläden. Dazwischen
lagen die Leichen tapferer Verteidiger, deren Gewehre noch in den
Schießscharten steckten. Aus zerschossenem Gebälk ragte ein eingeklemmter
Rumpf. Kopf und Hals waren abgeschlagen, weiße Knorpel glänzten aus
rötlich-schwarzem Fleisch. Es wurde mir schwer, zu verstehen. Daneben ein
ganz junger Mensch auf dem Rücken, die glasigen Augen und die Fäuste im
Zielen erstarrt. Ein seltsames Gefühl, in solche toten, fragenden Augen zu
blicken. Ein Schaudern, das ich im Kriege nie ganz verloren habe. Neben ihm
lag seine arme, ausgeplünderte Börse.
Mit zunehmender Klarheit verstärkte sich das Artilleriefeuer und steigerte
sich bald zu wüstem Tanze. Ich kehrte zu meiner Gruppe zurück. In immer
kürzeren Pausen flammte es um uns auf. Weißes, schwarzes und gelbes Gewölk
mischte sich. Manchmal erdröhnten Schläge von unheimlicher Brisanz,
dazwischen schwirrten mit eigenartigem Singen die Zünder. Bald war der Wald
in Brand geschossen, Flammen kletterten knatternd an den Bäumen empor. Ich
saß mit einem Kameraden auf einer in den Lehm der Grabenwand gestochenen
Bank, während neben uns ein hagerer Rekrut vor Angst an allen Gliedern
schlotterte. Mein Gefährte machte sich den grausamen Scherz, heimlich eine
Handvoll aufgeraffter Schrapnellkugeln neben ihn zu schleudern.
Ich beobachtete mit merkwürdiger Ruhe das Vorgelände. »Sie wissen ja gar
nicht, wo du bist. -- Sie können dich gar nicht sehen, sie schießen ja ganz
wo anders hin.« Es war der Mut der Unerfahrenheit. Plötzlich knallte das
Brett der Schießscharte, und ein Infanteriegeschoß schlug zwischen unseren
Köpfen in den Lehm. In diesem Augenblick tauchte ein Mann an der Ecke
unseres Grabenstückes auf: »Nach links folgen!« Wir gaben den Befehl weiter
und schritten die rauchdurchschwelte Stellung entlang. Gerade waren die
Essenholer zurückgekommen und Hunderte von verlassenen Kochgeschirren
dampften auf der Brustwehr. Wer mochte jetzt essen? Eine Menge Verwundeter
mit blutdurchtränkten Verbänden preßte sich an uns vorüber, die Aufregung
des Kampfes auf den bleichen Gesichtern. Die Ahnung einer schweren Stunde
türmte sich vor uns auf. »Vorsicht, Kameraden, mein Arm, mein Arm!« »Los,
los, Mensch, halt Anschluß!«
Der Graben endete in einem Waldstück. Unentschlossen standen wir unter
gewaltigen Buchen. Aus dichtem Unterholz tauchte unser Zugführer, ein
Leutnant, auf und rief dem ältesten Unteroffizier zu: »Lassen Sie
ausschwärmen in Richtung auf die untergehende Sonne und Stellung nehmen.
Meldungen erreichen mich im Unterstande an der Lichtung.« Fluchend übernahm
jener das Kommando.
Der Eindruck, den dieses Verhalten auf die Leute machte, ist mir während
meiner ganzen Führerzeit eine eindringliche Lehre gewesen. Später lernte
ich diesen Offizier, der sich noch oft auszeichnete, als Kameraden kennen
und erfuhr, daß er dort Wichtiges zu tun gehabt. Gleichviel, der Offizier
darf sich unter keinen Umständen in der Gefahr von der Mannschaft trennen.
Die Gefahr ist der vornehmste Augenblick seines Berufes, da gilt es,
gesteigerte Männlichkeit zu beweisen. Ehre und Ritterlichkeit erheben ihn
zum Herrn der Stunde. Was ist erhabener, als hundert Männern
voranzuschreiten in den Tod? Gefolgschaft wird solcher Persönlichkeit nie
versagt, die mutige Tat fliegt wie Rausch durch die Reihen.
Wir schwärmten aus und legten uns erwartungsvoll in eine Reihe flacher
Mulden, von irgendwelchen Vorgängern ausgehoben. Mitten in scherzende
Zurufe schnitt markerschütterndes Geheul. Zwanzig Meter hinter uns
wirbelten Erdklumpen aus weißer Wolke und klatschten hoch ins Geäst.
Vielfach rollte der Schall durch den Wald. Beklommene Augen starrten sich
an, Körper schmiegten sich in niederdrückendem Gefühl völliger Ohnmacht an
den Boden. Schuß folgte auf Schuß. Stickige Gase schwammen im Unterholz,
Qualm verhüllte die Gipfel, Bäume und Zweige stürzten rauschend zu Boden,
Schreie wurden laut. Wir sprangen hoch und rannten blindlings, von Blitzen
und betäubendem Luftdruck gehetzt, von Baum zu Baum, Deckung suchend und
wie gejagtes Wild riesige Stämme umkreisend. Ein Unterstand, in den viele
liefen, erhielt einen Treffer, der den dicken Balkenbelag hochriß.
Ich eilte mit dem Unteroffizier keuchend um eine mächtige Buche. Plötzlich
blitzte es in dem weit ausgreifenden Wurzelwerk, und ein Schlag gegen den
linken Oberschenkel warf mich zu Boden. Ich glaubte, von einem Erdklumpen
getroffen zu sein, doch belehrte mich reichlich strömendes Blut bald, daß
ich verwundet war. Es zeigte sich später, daß mir ein haarscharfer Splitter
eine Fleischwunde geschlagen hatte, nachdem seine Wucht durch meine dicke
Leder-Geldtasche abgeschwächt war.
Ich warf meinen Tornister fort und rannte dem Graben zu, aus dem wir
gekommen waren. Von allen Seiten strebten Verwundete aus dem beschossenen
Gehölz strahlenförmig darauf zu. Der Durchgang war entsetzlich, von
Schwerverwundeten und Sterbenden versperrt. Eine bis zum Gürtel entblößte
Gestalt mit aufgerissenem Rücken lehnte an der Grabenwand. Ein anderer, dem
ein dreieckiger Lappen vom Hinterschädel herabhing, stieß fortwährend
schrille, erschütternde Schreie aus. -- Und immer neue Einschläge.
Ich will offen gestehen, daß mich meine Nerven restlos im Stiche ließen.
Nur fort, weiter, weiter! Rücksichtslos rannte ich alles über den Haufen.
Ich bin kein Freund des Euphemismus: Nervenzusammenbruch. Ich hatte ganz
einfach Angst, blasse, sinnlose Angst. Ich habe später noch oft
kopfschüttelnd an jene Momente zurückgedacht.
In der Nähe lag ein mit Stämmen gedeckter Sanitätsunterstand, in dem ich
die Nacht, eng zusammengedrängt mit vielen Verwundeten, verbrachte. Ein
abgespannter Arzt stand mitten im Gewühl stöhnender Menschen, verband,
machte Einspritzungen und gab mit ruhiger Stimme Ermahnungen. Als ich am
nächsten Morgen fortgetragen wurde, durchbohrte ein Splitter das Segeltuch
der Tragbahre zwischen meinen Knien.
Ich wurde über die immer noch schwer beschossene Grande Tranchée zum
Hauptverbandplatze und dann in die Kirche des Dorfes St. Maurice
transportiert. Neben mir im stampfenden Lazarettwagen lag ein Mann mit
Bauchschuß, der die Kameraden flehentlich bat, ihn mit der Pistole des
Sanitäters zu erschießen. In St. Maurice stand schon ein Lazarettzug unter
Dampf, der uns in zwei Tagen nach Heidelberg beförderte. Beim Anblick der
von blühenden Kirschbäumen bekränzten Neckarberge empfand ich ein
eigentümliches, starkes Heimatgefühl. Wie schön war doch das Land, wohl
wert, dafür zu bluten und zu sterben.
Die Schlacht von Les Eparges war meine erste. Sie war ganz anders, als ich
gedacht. Ich hatte an einer großen Kampfhandlung teilgenommen, ohne einen
Gegner zu Gesicht bekommen zu haben. Erst viel später erlebte ich den
Zusammenprall, den Gipfelpunkt des modernen Kampfes im Erscheinen des
Infanteristen auf freiem Felde, das für entscheidende, mörderische
Augenblicke die chaotische Leere des Schlachtfeldes unterbricht.
Douchy und Monchy.
Meine Wunde war in vierzehn Tagen geheilt; ich wurde zum Ersatzbataillon
nach Hannover entlassen und meldete mich dort als Fahnenjunker. Nachdem ich
einen Kursus in Döberitz besucht hatte und zum Fähnrich befördert war, fuhr
ich im September 1915 zum Regiment zurück.