(Tafel 32).
Die Hevea ist ein in Brasilien heimischer (daher auch Hevea
brasiliensis) hoher, schlanker Waldbaum mit dreigeteilten Blättern,
rispenförmigen Blütenständen und großen, dreiklappigen Fruchtkapseln.
Dieser Baum liefert den sogenannten Parakautschuk; er wird in größeren
Mengen als irgend eine andere Kautschukart gewonnen und liefert den
weitaus bedeutendsten Teil des gesamten Weltbedarfes. Auch seine
Qualität ist ausgezeichnet. -- Die Gewinnung ist eine ähnliche wie bei
den oben angegebenen Arten. Der abgezapfte Saft gerinnt jedoch nicht von
selber, wird vielmehr durch Räuchern verdickt und dann an der Sonne
getrocknet.
Der Hevea-Baum verlangt ein heißes, feuchtes Klima. Wegen seines hohen
Wertes hat man ihn nach anderen tropischen Gegenden zu verpflanzen
gesucht, und es gibt heute in den Tropen Amerikas, Afrikas und Asien
ausgedehnte Hevea-Pflanzungen. In Ceylon und Malakka sind z. B. in den
letzten Jahren gegen fünf Millionen Hevea-Bäume angepflanzt worden, auf
der malayischen Halbinsel 3-1/2 Millionen.
Auch in unsern Kolonien ist der Baum in Kultur genommen; obgleich die
Pflanzungen noch jung und erst wenige Bäume ertragreich sind, lassen sie
doch schon jetzt günstige Resultate mit Sicherheit erhoffen. Besonders
das Küstengebiet von Kamerun mit seinen vielen Flußarmen und feuchten
Niederungen, ebenso Samoa und Neuguinea, auch die Flußtäler Ostafrikas
bieten der Hevea günstige Wachstumsbedingungen, und ihr Anbau verspricht
dort von großer Bedeutung zu werden.
[Illustration: Tafel 32.
Hevea (_Hevea brasiliensis_).
a) Blühender Zweig, 2/5 nat. Gr.
b) Heveastämme, die Art der Anzapfung zeigend.]
Übersicht über die Erzeugung und den Verbrauch an Kautschuk.
Der Verbrauch an Kautschuk ist in den letzten Jahrzehnten in ganz
ungeahnter Weise gestiegen durch den beispiellosen Aufschwung, den die
Kautschukindustrie genommen hat. Es gibt heute kaum einen Zweig der
Industrie, der nicht in irgend einer Form Kautschuk verwendet. „Der
Kautschuk begleitet den Menschen tatsächlich von der Wiege bis zum
Grabe. Schon der Säugling erblickt in dem Gummisauger den geschätzten
Vermittler seines Gedeihens, behaglich streckt er sich auf seiner
Gummiunterlage, fröhlich greift er bald zur Gummipuppe und später zum
Spielball”. Nicht aufzuzählen sind die Gebrauch-, Sport- und
Luxus-Gegenstände aus Kautschuk, die der Mensch im täglichen Leben
verwendet. Es sei nur erinnert an Fahrräder und Automobile. Die
Chirurgie, Orthopädie, Chemie, Elektrotechnik, Meteorologie,
Luftschiffahrt, sie alle brauchen das Gummi in mannigfaltigster Weise.
Diese fast unbegrenzte Verwendbarkeit des Gummi ist erst erreicht worden
durch die Entdeckung, daß der Kautschuk Schwefel in sich aufnehmen kann
und durch diese Beimischung an Elastizität und Widerstandsfähigkeit
gegen hohe Temperaturen bedeutend zunimmt. Man nennt dies Verfahren
vulkanisieren. Wird Kautschuk mit wenig Schwefel versetzt und dann kurz,
aber stark erhitzt, so entsteht „Weichgummi”, durch Zusatz einer
größeren Schwefelmenge und darauf folgendes langandauerndes Erhitzen
erhält man „Hartgummi”.
Es ist nur natürlich, daß mit dem gesteigerten Bedarf an Kautschuk auch
die Gewinnung mit Riesenschritten vorwärtsgegangen ist. Als im Jahre
1840 der Kautschuk in die Industrie eingeführt wurde, betrug der
Jahresverbrauch 400 Tonnen; heute beträgt er 61760 Tonnen im Werte von
fast 400 Millionen Mark.
Die Erzeugung von Kautschuk verteilte sich auf die verschiedenen
Ausfuhrländer im Jahre 1900 wie folgt:
Amerika 31466 Tonnen.
Afrika 16000 „
Asien und Ozeanien 2339 „
--------------
Zusammen 49805 Tonnen.
Die Weltproduktion betrug also im Jahre 1900 rund 50000 Tonnen; 1904 war
sie auf 61760 Tonnen gestiegen.
Von der Gesamterzeugung entfielen im Jahre 1906 auf die deutschen
Kolonien:
Ostafrika 342500 kg -- 2400000 Mk.
Kamerun 1152000 „ -- 4687000 „
Togo 134000 „ -- 1161000 „
Neuguinea 450 „ -- 3700 „
---------------------------
Zusammen 1628950 kg -- 8251700 Mk.
(1907 für 9000000 Mk.)
Deutschlands Einfuhr beträgt rund 153 Millionen Mark.
Die Größe der Kautschukpflanzungen in den deutschen Kolonien stellt
folgende Übersicht dar.
Es sind bepflanzt:
In Deutsch-Ostafrika 1250 ha mit 1500000 Bäumen.
„ Kamerun 700 „ „ 900000 „
„ Togo 80 „ „ 41300 „
„ Neu-Guinea 1100 „ „ 603000 „
„ Samoa 450 „ „ 260600 „
----------------------------
Zusammen 3580 ha mit 3404900 Bäumen.