Die Sisalagave

(Tafel 25).

Dies ist eine in Mittelamerika heimische, am meisten auf der Halbinsel

Yukatan angebaute Faserpflanze. Den Namen Sisal hat sie von der

gleichnamigen Hafenstadt in Yukatan, die früher der Hauptausfuhrort für

den Sisalhanf war.

Die Sisalagave sieht den in unsern Gärten gezüchteten Agaven oder Aloen

ähnlich. Sie hat einen kurzen, über den Erdboden ragenden Stamm, aus dem

die dicken, fleischigen, oft über 1 m langen Blätter entspringen. Aus

der Mitte der Blattkrone wächst ein riesiger, holziger Schaft von 3-5 m

Länge hervor. An dem Schaft bilden sich die rispenförmig gestellten

Blüten. Bald nachdem der Schaft ganz ausgewachsen ist, stirbt die

Pflanze ab.

Die Sisalagave kommt am besten fort in tropischem oder subtropischem

Gebiet mit nicht zu großer Feuchtigkeit. Selbst in trockenem Sandboden

und auf felsigem Gelände gedeiht sie noch. Man kann sie daher auch dort

noch mit gutem Erfolg anbauen, wo für andere Kulturpflanzen der Boden zu

gering ist. Die Fortpflanzung geschieht entweder durch Wurzelschößlinge

oder durch sogenannte Brutknospen. Erstere schießen vom dritten Jahr der

Pflanze reichlich als Triebe des Wurzelstocks aus dem Boden hervor und

brauchen nur abgegraben und verpflanzt zu werden. Die Brutknospen sind

ebenfalls Pflänzlinge, die sich, anfänglich in Form einer Zwiebel, an

dem Blütenschaft in großer Zahl, bis zu 3000 an einer Pflanze, bilden,

oft schon an ihrem Entstehungsort Wurzel schlagen, später aber abfallen

und ihre Wurzeln in die Erde senkend weiterwachsen. Dem Pflanzer bietet

sich also Saatgut in Menge dar. Ist die Agave auf ihr Feld gepflanzt, so

verlangt sie weiter keine Pflege; nur muß wenigstens anfangs das Unkraut

niedergehalten werden.

Die wertvollen Fasern, der Sisalhanf, befinden sich in den Blättern. Ist

die Pflanze fünf Jahre alt, so können bis zu ihrem 15.-20. Jahre zwei

bis viermal jährlich die „reifen” d. i. die ausgewachsenen Blätter

abgeschnitten werden. Mittels einer Maschine trennt man die Fasern von

den Fleischteilen des Blattes. Nachdem die Faser dann sorgfältig von

allen fremden Bestandteilen gereinigt, getrocknet und gebleicht ist,

gelangt sie als Sisalhanf in den Handel. Ihre Verwendung findet sie bei

der Herstellung von gröberen Geweben, wie z. B. Segeltuch und namentlich

sehr guten Tauen.

Das Haupterzeugungsland für Sisalhanf ist Mexiko und hier vor allem die

Halbinsel Yucatan. Es führt jährlich 500000 Ballen im Wert von 10

Millionen Dollar aus.

Seit einigen Jahren wird die Sisalagave auch in den deutschen Kolonien

angebaut; die größten, von Europäern geleiteten Sisalpflanzungen gibt es

in Ostafrika; sie werden für die wirtschaftliche Entwicklung dieser

Kolonie sicher von größter Bedeutung werden, da die Pflanze hier

vorzüglich gedeiht und der ostafrikanische Sisalhanf infolge seiner

sorgfältigen Aufbereitung auf dem europäischen Markte sehr gute Preise

erzielt. Die Pflanzungen haben deshalb in den letzten Jahren stark

zugenommen und vermehren sich immer noch. Die größten finden sich in den

Bezirken Pangani, Tanga, Lindi und dem Tieflande von Wilhelmstal. In

Pangani stehen etwa 3600000 Pflanzen auf den Feldern, in Wilhelmstal

ebenso viele. Wie schnell die Ernten gewachsen sind, zeigen folgende

Zahlen:

1903 wurden ausgeführt 422000 kg = 324000 Mk.

1906 „ „ 1820000 „ = 1348000 „

1907 hatte die Ausfuhr einen Wert von 2162000 „

Für die nächsten Jahre darf man eine weitere bedeutende Steigerung der

Ausfuhr erwarten.

[Illustration: Tafel 25.

Sisalagave (_Agave rigida_).

1/13 nat. Gr.

Die Nutzpflanzen unserer Kolonien und ihre wirtschaftliche Bedeutung für das Mutterland · 第 62 / 97 题