Sesam

(Tafel 21).

Sesam ist eine Pflanze, die unserm Fingerhut ähnlich sieht. Sie erreicht

eine Höhe von etwa einem Meter, hat abwechselnd stehende, längliche

Blätter und kleine, weiße oder rötliche Blüten, aus denen sich eine

zweifächerige Fruchtkapsel mit zahlreichen Samen entwickelt. Die Samen

sind klein, platt und je nach der Abart weiß, gelb, rot, braun oder

schwarz.

Das Sesam ist eine uralte Kulturpflanze, die seit unvordenklichen Zeiten

in Indien angebaut wird. Auch in Vorderasien, China und in Ostafrika

bildet sie eine wichtige Nutzpflanze. Außerdem kommt sie in Westafrika

vor und neuerdings sogar in Amerika. Sie hat also fast das ganze Gebiet

der Tropen und Halbtropen erobert. Sesam gedeiht am besten in möglichst

gleichmäßig warmem Klima auf leichtem, lehmig-sandigem Boden. Sein Anbau

erfordert keine große Mühe und bringt in der Regel reiche Erträge. Die

ganze Kultur der Pflanze liegt in den Händen der Eingebornen.

Die Samen werden in den Anbauländern der Pflanze als Brotkorn benutzt,

oder es wird das in ihnen enthaltene Öl ausgepreßt und im Haushalt als

Speiseöl und zur Beleuchtung verwendet. Für den europäischen Handel

kommt nur das Sesamöl in Betracht. Meistens wird der Samen nach Europa

verschifft und hier erst das Öl ausgepreßt. Der weitaus größte Teil der

Ernte geht nach Marseille; hier befinden sich große Sesampressen, in

denen das Öl gewonnen wird. -- Das Sesamöl findet Verwendung bei der

Kunstbutterbereitung, der Seifenfabrikation und als Verschnitt des

Olivenöls. Die Rückstände liefern Viehfutter.

Ostindien führt jährlich gegen 2 Millionen Zentner Sesamsamen und 300000

Gallonen Sesamöl aus; auch die Ausfuhr aus China und Vorderindien ist

beträchtlich. Daneben ist noch die Produktion Westafrikas von Bedeutung,

namentlich in Senegambien und dem Hinterland von Lagos. Letztere Stadt

führte in den neunziger Jahren jährlich bis zu 700000 kg im Wert von

100000 Mk. aus.

Ostafrika scheint bis jetzt die einzige deutsche Kolonie zu sein, in der

Sesam in größerer Menge angebaut wird, und zwar hauptsächlich in den

Bezirken Lindi und Daressalam. Der Anbau geschieht nur durch Eingeborne.

1906 führte Ostafrika aus: 532000 kg im Wert von 113000 Mk. Die Ernte

des Jahres 1904 hatte einen Wert von mehr als 374000 Mk. (1907: 131000

Mk.).

Deutschlands gesamte Sesameinfuhr beträgt jährlich 61500000 Tonnen mit

15 Millionen Mark Wert.

[Illustration: Tafel 21.

Sesam (_Sesamum indicum_).

a) Teil einer Pflanze.

b) Frucht.]

Die Nutzpflanzen unserer Kolonien und ihre wirtschaftliche Bedeutung für das Mutterland · 第 56 / 97 题