(Tafel 18).
Die Kokospalme (Cocos nucifera) ist wie die Ölpalme ein Baum der Tropen.
Ihre Heimat ist wahrscheinlich das südliche Amerika; sie hat sich aber
von da fast über das ganze Tropengebiet verbreitet, sehr oft wohl ohne
Zutun der Menschen; da sie nämlich am besten am Meeresufer gedeiht und
daher hier auch am häufigsten vorkommt, werden ihre Früchte leicht durch
die Meeresströmung an fremde Gestade getrieben und pflanzen sich dort
fort. Ein warmes, sonniges Seeklima sagt der Kokospalme am besten zu.
Besonders auf den Inseln der Südsee wächst sie ausgezeichnet. Doch
gedeiht sie auch gut an den Küsten Südamerikas und des tropischen Asien
und Afrika. Im Binnenlande ist ihr Anbau selten einträglich.
Die Kokospalme hat einen bis 20 m langen, schlanken Stamm, der aber
meist von der starken Seebrise etwas gebeugt ist. Die Blattwedel und die
einzelnen Blattfiedern sind stärker als die der Ölpalme. Männliche und
weibliche Blüten sitzen an demselben Blütenstande. Aus den weiblichen
entwickeln sich die Früchte, die ausgewachsen manchmal kopfgroß sind.
Die Kokospalme zeigt oft an demselben Baum gleichzeitig fast alle
Entwicklungsstufen der Fruchtbildung von der Blüte bis zur
ausgewachsenen Nuß. Die Frucht besteht aus einer glänzend grünen Haut,
einem dicken, faserigen Gewebe und der steinharten, eigentlichen Nuß;
in ihr findet sich anfangs ein dünnmilchiger Saft, aus dem sich mit dem
Reifwerden das harte Samenfleisch bildet.
Die Eingebornen der Tropen pflanzen die Kokospalme gern in oder bei
ihren Dörfern an, meist aber in kleineren Beständen, seltener als
größere Pflanzungen. Diese werden in der Regel von Europäern angelegt.
-- Die Aussaat geschieht durch Nüsse, die in der Regel zuerst in
Saatbeete gelegt werden. Die Pflanze gebraucht 7 bis 10 Jahre, bis sie
anfängt, Früchte zu tragen. Die volle Tragfähigkeit tritt meistens erst
im 12. Jahre ein und dauert bis zum 60.-80. Jahre. Jährlich 4-6 mal
werden die Nüsse geerntet. Auf einen Baum rechnet man jährlich 60-80
Nüsse.
Die Verwendung der Kokosnuß ist eine sehr mannigfaltige. Die Milch der
jungen Früchte ist ein erfrischendes Getränk; das Nährgewebe der reifen
Nuß ist nicht nur für die Eingebornen ein wichtiges Nahrungsmittel,
sondern auch ein bedeutender Handelsartikel. Zur Gewinnung desselben
wird der harte Kern von der Faserhülle der Frucht befreit,
aufgeschlagen, das innere weiße Fleisch heraus- und in Stücke
geschnitten. Die getrockneten Stücke heißen Kopra. Sie bildet einen
bedeutenden Ausfuhrgegenstand. Die Kopra wird in europäischen Fabriken
zu Brei zermahlen und dann aus diesem Öl und Fett gepreßt.
Kokosöl wird wie Palmöl hauptsächlich zur Herstellung von Kerzen und
Seifen verwendet. Kokosseife ist die einzige, die auch im Seewasser
schäumt; sie ist deshalb bei Seeleuten sehr beliebt. Ein Teil des Fettes
kommt als Kokosbutter und Palmin in den Handel und wird namentlich zum
Backen als Ersatz für die teure Milchbutter verwendet. Die Rückstände
bei der Ölgewinnung bilden als Kokoskuchen ein vorzügliches
Futtermittel. Aus der harten Schale der Nuß schnitzen die Eingebornen
Trinkgefäße und allerlei Ziergeräte. Auch in Europa werden sie vielfach
zu Drechslerarbeiten verwendet. Die dicke, faserige Hülle der Nuß wird
in der Industrie auf mannigfache Weise verwertet, zu Tauen, Matten,
Läufern, Teppichen, Bürsten, Besen, Pinseln etc. Das Holz der alten
Bäume ist zur Herstellung feiner Möbel sehr geschätzt und wird besonders
nach England viel eingeführt.
[Illustration: Tafel 18.
Kokospalme (_Cocos nucifera_).
a) Palme mit Früchten.
b) Ganze Frucht, geöffnet, um die dünne Außen-, die faserige Mittel- und
die hier nicht geöffnete, steinharte Innenschicht der Fruchtschale zu
zeigen, 1/8 nat. Gr.
c) Kern, durchschnitten, von der steinharten Innenschicht der
Fruchtschale umgeben; der Kern umschließt hohlkugelförmig die
Kokosmilch.]
In allen unsern Tropenkolonien wird die Kokospalme angebaut. Die
größten und wertvollsten Bestände besitzen die Südsee-Inseln, wo sich
neben den großen Besitzungen der Eingebornen auch europäisch
geleitete Kokospflanzungen befinden. Auch an den Küstenstrichen
Deutsch-Ostafrikas, Togos und Kameruns gedeiht die Kokospalme, sie wird
hier aber fast nur von Eingebornen kultiviert, in ganz unbedeutenden
Mengen auf europäischen Pflanzungen; fast die ganze Kopraausfuhr
Ostafrikas und Togos sind Eingebornenprodukt. In Ostafrika sind
allerdings ziemlich bedeutende europäische Kopraplantagen, sie werden
aber nicht vergrößert.
Die Ausfuhr unserer Kolonien im Jahre 1906 zeigt folgende Übersicht:
Samoa 9600000 kg = 2900000 Mk. 1907 = 1560000 Mk.
Ostkarolinen 625700 „ = 123700 „ 1907 = 79000 „
Westkarolinen 348400 „ = 78000 „ 1907 = 116000 „
Palau 117000 „ = 32900 „ 1907 = „
Marianen 112400 „ = 33700 „ 1907 = „
Marshallinseln 2847000 „ = 569000 „ 1907 = 407000 „
Bismarckarch. 4193000 „ = 1375000 „ 1907 = 1522000 „
K. Wilhelmsland 197000 „ = 43300 „ 1907 = 285000 „
D.-Ostafrika 3842000 „ = 1087000 „ 1907 = 1345000 „
Togo 28000 „ = 7500 „ 1907 = 11000 „
Außerdem im ganzen Nüsse
für reichlich 6000 „ 1907 = 5000 „
-----------------------------------
Zusammen 6256100 Mk. 1907 = 5350000 Mk.
Die Gesamteinfuhr Deutschlands an Kopra betrug 16878000 Mk.; also können
wir schon jetzt mehr als ein Drittel unseres Koprabedarfes aus unsern
eigenen Kolonien decken.