Banane

(Tafel 6).

Dieser Pflanze begegnet man unter zwei Namen, Banane und Pisang, die als

je besondere Art unterschieden werden, und zwar pflegt man unter Banane

die kleinfrüchtige, roh genossene und unter Pisang die gröbere,

großfrüchtige Sorte zu verstehen. Diese Unterscheidung ist botanisch

unrichtig. Beide Pflanzen sind nur Spielarten derselben Gattung Musa

sapientum.

Die Banane ist eine bis 6 m hohe Staude mit weichem, aus den

Blattscheiden gebildetem Stamm, der auf der Spitze eine palmenartige

Blattkrone trägt. Die prächtigen, großen Blätter werden bis 4 m lang und

1/3-1/2 m breit. Die Blüten sitzen an einem langen, meist hängenden

Kolben.

Die Bananenstaude bringt nur ~ein~ Fruchtbüschel hervor, das aber mit

seinen Früchten 30-50 kg schwer wird und 60-100 Einzelfrüchte enthält.

Nachdem die Frucht gereift ist, stirbt die Pflanze ab. Die Banane

pflanzt sich nur durch Stecklinge fort. Die Samenbildung ist durch die

langjährige künstliche Kultur, bei der alles Gewicht nur auf die

möglichst reiche Entwicklung des Fruchtfleisches gelegt wird, ganz

unterdrückt worden.

Die Heimat der Banane ist die asiatische Inselwelt; sie wird aber wegen

ihrer vorzüglichen Früchte jetzt fast im gesamten Tropengebiet angebaut.

In manchen Gegenden Afrikas nährt sich die Bevölkerung beinahe

ausschließlich von Bananen; auch in Mittel- und Südamerika wie auf den

Südseeinseln bilden sie ein wichtiges Nahrungsmittel. Bis in die neueste

Zeit war die Banane in Europa wenig bekannt, weil es wegen der geringen

Haltbarkeit der reifen Früchte nicht gelingen wollte, sie in

ansehnlichem Zustande auf den europäischen Markt zu bringen. Infolge der

verbesserten Transportverhältnisse ist dieser Übelstand fast ganz

gehoben, und die Bananenausfuhr ist bedeutend gestiegen. Allein die

Vereinigten Staaten von Nordamerika führen jährlich für fast 20

Millionen Mark Bananen ein.

Die Früchte werden roh, geröstet oder gekocht genossen. Die unreifen

Bananen liefern ein Mehl, aus dem man Bananenbrot backt. Aus einer der

Banane verwandten Art, der Musa textilis, gewinnt man eine

ausgezeichnete Faser, die als ~Manilahanf~ in den Handel kommt; sie wird

besonders von den Philippinen in großen Mengen ausgeführt.

Unsere sämtlichen Kolonien mit Ausnahme von Südwestafrika und Kiautschou

erzeugen Bananen in bedeutenden Mengen, und die Kultur dieser Pflanze

kann noch weiter ausgedehnt werden, zumal sie wenig Arbeit erfordert und

den Eingebornen seit langem bekannt ist. Die Ausfuhr nach Europa ist

wegen der weiten Entfernung natürlich schwierig, doch dürfte die

Gewinnung von Bananenmehl in größerem Maßstabe aussichtsreich sein.

Manilahanf wird schon, wenn auch noch in kleineren Mengen, aus unseren

Kolonien nach Europa verschifft.

~Weitere Südfrüchte~, die in unsern Kolonien gedeihen und für die

Zukunft vielleicht größere Bedeutung erlangen werden, sind u. a. Ananas,

Apfelsinen, Limonen, Zitronen.

[Illustration: Tafel 6.

Banane (_Musa sapientum_).

a) Baum mit Fruchtstand, 1/60 nat. Gr.

b) Einzelne Frucht, 1/4 nat. Gr.

c) Abgeschälte Frucht, 1/4 nat. Gr.]

Die Nutzpflanzen unserer Kolonien und ihre wirtschaftliche Bedeutung für das Mutterland · 第 34 / 97 题