Maßstab der Längen ca. 1 : 50000, der Höhen ca. 1 : 25000. 1

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| Anmerkungen zur Transkription |

| |

| Gesperrter Text ist als ¯gesperrt¯ dargestellt, Antiquaschrift |

| als ~Antiqua~, und tiefgestellter Text als _{tiegestellt}. |

| Eine Liste der Änderungen befindet sich am Ende des Buchs. |

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Land und Leute

Monographien

zur Erdkunde

Land und Leute

Monographien

zur Erdkunde

In Verbindung mit Anderen

herausgegeben von A. Scobel

24

Weserbergland und

Teutoburger Wald

1909

Bielefeld und Leipzig

Verlag von Velhagen & Klasing

Das Weserbergland

und der

Teutoburger Wald

von O. Reißert

Mit einer geologischen

Übersicht von H. Stille

Mit 123 Abbildungen nach photographischen

Aufnahmen und einer farbigen Karte

[Illustration]

1909

Bielefeld und Leipzig

Verlag von Velhagen & Klasing

Druck von Fischer & Wittig in Leipzig.

Inhalt.

Seite

~I.~ Einleitung 3

~II.~ Der geologische Bau des Weserberglandes und des

Teutoburger Waldes. Von ~Dr.~ ¯H. Stille¯ 5

~III.~ Klima und Gewässer 19

~IV.~ Der Wald 27

~V.~ Bäuerliche Verhältnisse 35

~VI.~ Geschichtliches 56

~VII.~ Die Weser von Münden bis Herstelle. Dransfelder

Höhenland und Reinhardswald 63

~VIII.~ Solling, Homburg und Vogler 74

~IX.~ Die Weser von Herstelle bis Hameln 78

~X.~ Die Hilsmulde 84

~XI.~ Osterwald, Deister und Bückeburg 89

~XII.~ Von Hameln nach Osnabrück. Süntel, Weserkette

und Wiehengebirge 94

~XIII.~ Osning, Teutoburger Wald und Egge 110

~XIV.~ Zwischen Teutoburger Wald und Weser 119

* * * * *

Literatur 125

Verzeichnis der Abbildungen 126

Register 128

Karte des Weserberglandes und des Teutoburger Waldes.

[Illustration: Abb. 1. Das Hermannsdenkmal im Morgennebel.

Verlag der Hinrichs'schen Hofbuchhandlung (H. Knöner) in Detmold. (Zu

Seite 116.)]

~I.~ Einleitung.

Dieses Buch soll meiner Heimat gehören. Auf einem Hügel, der das

breite, wie ein ausgetrockneter See daliegende Wesertal überblickt,

dort, wo die Ufer den Strom vor seinem Scheiden aus der bergigen

Umgebung zum letzten Male mit allen ihren Reizen umkränzen, stand

meiner Eltern Haus. Dort empfing der kleine Knabe, der einst die

Unterhaltung der Erwachsenen über die Schönheit der Gegend belauschte,

auf sein Eingeständnis: »Ich weiß wohl, was eine Gegend ist; aber

was eine schöne Gegend ist, das verstehe ich nicht«, eine für sein

Alter ausreichende Erklärung mit dem Hinweis auf die weite Fernsicht

vom Altan des väterlichen Hauses. Später ging ihm das Verständnis

für andere Reize seines Heimatgaues auf. Auf Spaziergängen durch

den Buchenhochwald hob sich der Blick von dem Boden, wo süße

Beeren lockten, zu den Domgewölben der hohen Wipfel empor, und die

Obstbaumpflanzungen, in denen manches der benachbarten Dörfer sich

schier versteckte, erfreuten nicht nur im Sommer und Herbst den Gaumen

mit ihren süßen Gaben, sondern auch im Frühling das Auge mit der weißen

Pracht ihrer Blüten. Ein anregender erdkundlicher Unterricht lehrte

die Silhouette der bläulichen Weserkette, die sich in rhythmisch

bewegter Wellenlinie in die Ferne schwingt, und die in dem Teutoburger

Walde drüben ihr ebenbürtiges Gegenstück hat, als bewunderswerten Zug

des heimischen Landschaftsbildes erfassen und die ehrwürdigen Reste

einstiger Ritterburgen, Stadtbefestigungen und sonstiger baulichen

Zeugen der Vergangenheit mit frommer Scheu betrachten, während an

schulfreien Tagen sich jugendlicher Wander- und Wagemut von hohen

Kuppen, schroffen Klippen und dunklen Höhlen angezogen fühlte. Die

ersten Reisen aber trugen dem Jüngling die Erfahrung ein, daß weder

jene farbenprächtigen Volkstrachten noch jene behaglichen Gehöfte, in

denen sich der bäuerliche Wohlstand Westfalens und Lippes zeigte, und

die er als etwas Selbstverständliches hingenommen hatte, in gleicher

Weise in anderen Gegenden wiederkehrten, und diese Erkenntnis erfüllte

ihn mit frohem Stolze.

Jene Zeiten, in denen sich so die Vorstellung der Heimat als eines

eigenartigen Stückes Erde und die Liebe zu eben diesem Teile deutschen

Bodens gleichzeitig mit dem Menschen selber, mit seinen körperlichen

und geistigen Kräften, entwickelte, liegen lange hinter mir. Aber auch

in den späteren Jahrzehnten hat mich zwischen manchen Reisen in andere

Gebiete deutschen und außerdeutschen Landes doch die Wanderlust wieder

und wieder nach der roten Erde und an die Gestade des freundlichen

Stromes geführt; trotz aller großartigeren Eindrücke erhabenerer Natur

habe ich mich dem Zauber jener idyllischen Mittelgebirgslandschaften

nie zu entziehen vermocht, sei es daß junges Buchengrün die kindlichen

Hügelformen zart umkleidete, sei es daß bei Julisonnenschein der Segen

der Felder seine goldenen Wogen im leichten Winde fluten ließ, mochte

der Bergwald in prächtigem, gelbbraunem Herbstschmuck dastehen, oder

mochten die hochstämmigen Fichten von bärtigem Rauhfrost behängt

sein. Freilich liegt in dieser Vorliebe eines einzelnen für eine

Landschaft, zumal wenn sie die Stätte seiner Knabenspiele gewesen

ist, noch kein Beweis dafür, daß sie auch des Interesses anderer wert

sei. Der Gefahr aber, daß die Heimatliebe zum »Lokalpatriotismus«

werde -- ein häßliches Wort! -- entgehen wir am besten, wenn wir uns

bemühen die wirklichen Verhältnisse zu erkennen, wenn wir die Natur der

einzelnen Bergzüge und Täler, ihr Alter und ihr Werden zu verstehen

suchen, wenn wir das organische Leben in seiner Abhängigkeit von

Bodengestalt, Bewässerung und Klima betrachten und wenn wir endlich

das menschliche Leben der Vergangenheit und der Gegenwart in seiner

Bedingtheit durch die Summe aller jener natürlichen Voraussetzungen

studieren. Dieser Aufgabe ist das vorliegende Buch gewidmet, wenigstens

in erster Linie. Mag es daneben auch dem Zwecke dienen, das Interesse

der Reisenden auf jene Gegenden zu lenken. In diesem Sinne möchte

ich mich dem Rinteler Gymnasiallehrer Ludwig Boclo anschließen, der

im Jahre 1844 einen »Begleiter auf dem Weserdampfschiffe« herausgab

und bereits damals klagte, daß die Schnelligkeit des Reisens »in

der neuesten Zeit« leider der Götze geworden sei, welchem jede

Gemütlichkeit, jeder Naturgenuß, jede ruhige Auffassung und Beschauung

geopfert werde. »Eine große innige Freude,« schreibt er, »würde es

dem Unterzeichneten (welcher die körperlich-psychische und gemütlich

erweckende und wiederbelebende Kraft des Reisens seit 40 Jahren an

sich und anderen erfahren hat) gewähren, wenn er bei recht vielen das

Verlangen erregen und das vorhandene noch steigern sollte, eine der

deutschesten Gegenden des gemeinsamen Vaterlandes auf eine so anmutige

Weise« (d. h. zu Schiffe) »kennen zu lernen.« Diese Worte wurden in

einer Zeit geschrieben, in welcher die landschaftlichen Schönheiten

jenes westfälisch-niedersächsischen Grenzgebietes noch nicht lange

zuvor entdeckt worden waren. Im Jahre 1835 hatte George Osterwald

seine »Gallerie von Weseransichten« und F. C. Th. Piderit seine

»Geschichtlichen Wanderungen durch das Wesertal« in Rinteln erscheinen

lassen.

Am Anfang der Pideritschen Schrift stand als Gruß an den Leser anonym

Franz Dingelstedts später so bekannt gewordenes Gedicht, das mit der

Strophe beginnt:

Ich kenne einen deutschen Strom,

Der ist mir wert und lieb vor allen,

Umwölbt von ernster Eichen Dom,

Umgrünt von kühlen Buchenhallen.

Ihn hat nicht, wie den großen Rhein,

Der Alpen dunkler Geist beschworen,

Ihn hat der friedliche Verein

Verwandter Ströme still geboren.

Sieben Jahre später (Cassel 1842) gab Dingelstedt, wiederum ohne

seinen Namen, das Buch »Das Wesertal von Münden bis Minden« heraus.

In ihm macht er es sich zur Aufgabe, des »Sängers Fluch« zu lösen,

d. h. jenes bekannte Wort Schillers in seinen deutschen Wasser-Xenien,

daß von der Weser gar nichts zu sagen sei, zu widerlegen. Schon im

Herbste 1839 hatte Ferdinand Freiligrath seine begeisterte Einleitung

zu Levin Schückings, im Jahre 1841 zuerst veröffentlichtem Buche

»Das malerische und romantische Westfalen« verfaßt, in der er unter

anderem die Schönheit der Porta Westfalica dithyrambisch preist.

Die Wirkung all dieser Bücher war ungeheuer, und als im Jahre 1844

die Weserdampfschiffahrt, 1846 die Cöln-Mindener Bahn eröffnet

worden waren, konnten Westfalen und Weserbergland als Ziele für

Vergnügungsreisen ernstlich in Frage kommen.

[Sidenote: Umgrenzung des Gebiets.]

Wenn der Titel unseres Buches als Gegenstand dieser Arbeit das

Weserbergland und den Teutoburger Wald nennt, so sind wir uns einer

gewissen unvermeidbaren Willkür in der Fassung der Aufgabe bewußt. Wir

verstehen unter Weserbergland die hügeligen Landschaften, welche von

dem Zusammenfluß der Werra und Fulda an beiderseits die Weser nach

Norden zu begleiten, und zwar im Osten bis an den Rand der von der

Leine durchflossenen Göttinger Senke, im Westen bis an die Münstersche

Bucht und im Norden bis an die Norddeutsche Tiefebene. Der Teutoburger

Wald ist besonders genannt, weil er -- wie allerdings auch das

Wiehengebirge und seine namenlose westliche Fortsetzung -- sich weit

von der Weser entfernt und in das Gebiet der Ems hineinragt. Sind die

Grenzen unseres Berglandes nach Westen und Norden durch den Beginn der

Tiefebenen ohne weiteres gegeben, und kann man sich das Leinetal als

Scheide gegen das ostfälische Harzvorland immerhin gefallen lassen,

so hat die Grenze nach Süden insofern etwas Willkürliches, als man

dem hessischen Berglande, dessen nördliche Fortsetzung die Weserberge

bilden, vielfach den Solling, den Reinhardswald, das Eggegebirge nebst

dem Nethegau zurechnet, anderseits aber zum mindesten der Kaufunger

Wald, wenn nicht gar der Meißner, es verlangen könnte, den Paten

zugesellt zu werden, welche die Wiege der Weser umstehen.

Das so umgrenzte Gebiet stellt ungefähr ein rechtwinkeliges Dreieck

dar, dessen Scheitelpunkt südlich von Hannover bei Bennigsen am

Deister zu suchen ist, während die anderen beiden Ecken in Münden und

in Bevergern bei Rheine liegen. Von Bennigsen beträgt die Luftlinie

bis Münden etwa 100, bis Bevergern 140 ~km~. Das ganze Gebiet wäre

also annähernd 7000 ~qkm~ groß. Auf diesem Raume wechseln nun die

mannigfachsten Geländeformen: langgestreckte Bergzüge, hier schroff

abfallend, dort sanfter geneigt, ferner Plateaus und flachgerundete

Kuppen, sowie förmliche Kegel, endlich engere und weitere Fluß- und

Bachtäler. Frischer Laub- und ernster Nadelwald werden abgelöst

von üppigen Fruchtfeldern. Neben dürftig bewachsenen und spärlich

besiedelten Strichen finden sich dicht bevölkerte Gegenden mit reich

entwickeltem Ackerbau oder beachtenswerter Gewerbetätigkeit.

Ohne der Einzelbeschreibung vorzugreifen, oder auf das Geologische

schon jetzt näher einzugehen, werden wir versuchen müssen, uns

vorläufig in diesem Wirrwarr zu orientieren. Beginnen wir rechts von

der Weser. Dort, wo die Leine gerade bei ihrem Übergang aus westlicher

in nördliche Richtung sich der Werra am meisten nähert -- die Eisenbahn

Göttingen-Bebra überschreitet hier bei Eichenberg die Wasserscheide

-- können wir die Grenze zwischen Eichsfeld und Weserbergland

annehmen. Dieses letztere beginnt mit einer von Basaltkuppen bekrönten

Hochfläche ohne volkstümlichen Gesamtnamen, für die wir die Bezeichnung

Dransfelder Höhenland annehmen wollen. Nördlich davon liegt die

Sandsteinhochebene des Sollings. Im Osten ist diesem Gebirge der

nord-südlich verlaufende Muschelkalkrücken der Weper vorgelagert. Im

Norden streichen die beiden Parallelketten der Grubenhagener Berge,

sowie etwas entfernter der Elfas, die Homburggruppe und der Vogler,

von Südost nach Nordwest zur mittleren Weser. Hieran schließt sich die

felsberühmte, langgestreckte Ellipse der Hilsmulde. Eine breite Senke

scheidet sie vom Osterwald und Kleinen Deister. Diesen trennt ein enger

Paß vom eigentlichen Deister, dessen nach Südwest umgebogenes, durch

das Auetal abgeschiedenes Gegenstück der Bückeberg bildet. Etwas weiter

südlich beginnt mit dem Süntel jener lange Zug, der sich als Weserkette

bis zur Porta Westfalica hinzieht.

Am linken Weserufer liegt dem Dransfelder Höhenland gegenüber der

Reinhardswald. Sein Westabhang leitet über zu jenem langgestreckten,

welligen Gelände, das sich zwischen der Weser einerseits und den

Kämmen der Egge und des Teutoburger Waldes anderseits hinzieht und

sich gliedern läßt in Warburger Börde, Höxtersches Hügelland (oder

Paderborner Hochfläche) und Lippisches Hügelland. Die westliche

Fortsetzung dieses Landstriches ist dann das Ravensbergische und

Osnabrückische Hügelland; seine südliche Begrenzung gegen das

Münsterland bildet auch hier der Teutoburger Wald, in jenem westlichen

Teile meist Osning genannt, und zwar bis zu seinem Ende in der Nähe der

Ems bei Bevergern, die nördliche der auf dem linken Ufer des Stromes

liegende Teil der Weserkette, streckenweise Wiehengebirge genannt.

Dieses bunte orographische Bild in seinen Einzelzügen zu verstehen,

kann uns nur der Geologe lehren. Wir werden zunächst seinem Vortrage zu

lauschen haben.

~II.~ Der geologische Bau des Weserberglandes und des Teutoburger

Waldes.

Von Professor ~Dr.~ H. Stille-Hannover.

[Sidenote: Geologie. Verwerfungen und Abtragung.]

Die topographische Vielgestaltigkeit des Berg- und Hügellandes

zwischen Teutoburger Wald, Leinetal und Norddeutscher Tiefebene,

des Weserberglandes, steht in engstem Zusammenhange mit der

Mannigfaltigkeit des geologischen Aufbaues. Zwar ist die Zahl der

Formationen, die ausgedehntere Flächen bedecken, keine ungewöhnlich

große, und haben wir es in der Hauptsache nur mit den Sedimenten

des Mittelalters der Erde, der mesozoischen Zeit, zu tun; aber die

Lagerungsverhältnisse sind äußerst mannigfaltiger Art und teilweise

nur schwierig deutbar, Faltungen sind nach wechselnden Richtungen

eingetreten und Verwerfungen durchsetzen den Boden in solcher Zahl,

daß er stellenweise als ein förmliches Mosaik durcheinandergewürfelter

Schollen erscheint. Abbildung 2 zeigt ein System von Verwerfungen

aus dem östlichen Vorlande des Eggegebirges, das den Untergrund dort

in hunderte einzelner Schollen zerreißt. An den durch tektonische

Kräfte gegeneinander verschobenen Schollen haben dann die Kräfte

der Abtragung oder Denudation angesetzt, um das wechselvolle Bild

unserer Landschaft hervorzuzaubern. Weiches Material ist ihnen leicht

zum Opfer gefallen, hartes hat Widerstand geleistet und ist damit

aus den umgebenden mürberen Schichten zu den lang sich hinziehenden

Bergrippen und gedrungeneren Kuppen herausgearbeitet worden, die heute

das bestimmendste Element der Landschaft ausmachen. In der Hauptsache

bedingt also die wechselnde Widerstandsfähigkeit der Schichtkomplexe

das heutige Relief; gegenüber ihrer Nachbarschaft gesunkene Komplexe,

wie der Hils, können dabei als hochragende Bergzüge erscheinen, sobald

nur widerstandsfähiges Material sie zusammensetzt, während die Linien

¯geologisch¯ höchster Heraushebung oft genug in Talungen verlaufen,

falls mürbe Schichten, wie z. B. Röt, in ihnen liegen. Der Betrag der

Heraushebung[1] der Schollen und Schollenkomplexe drückt sich in der

Verteilung der Formationen an der Tagesoberfläche aus, und es liegt auf

der Hand, daß in den Gebieten höchster Heraushebung uns die ältesten,

in den Senkungsgebieten die jüngeren Schichten entgegentreten.

[1] Die Begriffe »Hebungsgebiet«, »Senkungsfeld«, »gehoben«, »gesunken«

sind im folgenden nicht absolut, sondern nur relativ in ¯dem¯ Sinne zu

verstehen, daß sie die heutige Lage der Schollen zu ihrer Nachbarschaft

zum Ausdrucke bringen sollen. Unerörtert bleibt dabei, ob z. B. ein

»Hebungsgebiet« tatsächlich etwas Herausgehobenes ist oder etwas

Stehengebliebenes, während die benachbarten Komplexe in die Tiefe

sanken. Die obigen Begriffe sollen also nur den heutigen Zustand

ausdrücken, nicht aber den Vorgang, der diesen Zustand schuf.

[Illustration: Abb. 2. Das Verwerfungssystem entlang dem Egge-Gebirge

zwischen Driburg und Willebadessen, aufgenommen von H. Stille

1903-1904. Maßstab etwa 1 : 80000.]

[Sidenote: Von der ältesten Zeit bis zum Trias.]

¯Vorpermisches »Grundgebirge«¯ nimmt weitere Flächen erst

etwas außerhalb des Wesergebirgslandes im Harz und Rheinischen

Schiefergebirge ein, erscheint in unserem Gebiete aber nur in

drei kleineren Vorkommnissen in der Gegend von Osnabrück. Hier

sind die Ibbenbürener Bergplatte, der Piesberg und der Hüggel aus

kohlenführenden Konglomeraten, Sandsteinen und Schiefertonen des Oberen

oder Produktiven Karbons zusammengesetzt, und nach den Floren, die

diese Schichten umschließen, haben wir es mit dem oberen Teile der

sogenannten »Saarbrücker Stufe« zu tun. An der Ibbenbürener Bergplatte

geht heute noch der Bergbau auf Flöze des Oberkarbons um, während

dieser am Piesberg vor etwas mehr als einem Jahrzehnt zum Erliegen

gekommen ist, und am Hüggel das Vorhandensein von Flözen bisher nur

durch Tiefbohrungen festgestellt wurde.

Von der ¯Dyas¯ fehlt die untere Stufe, das Rotliegende, gänzlich,

und auch gewisse rotgefärbte Schichten des Hüggels, die lange für

Rotliegend galten, sind nach neueren Feststellungen nicht hierzu,

sondern zum Oberkarbon zu rechnen. Die Zechsteinformation, der obere

Teil der Dyas, ist im Umrandungsgebiete der Oberkarboninseln von

Osnabrück vorhanden, wo sie am Hüggel und der Ibbenbürener Bergplatte

die Braun- und Spateisensteinlager umschließt, die zur Gründung der

Georgsmarienhütte geführt haben, und findet sich ferner in vereinzelten

kleinen Schollen bei Bonenburg am südlichsten Eggegebirge und im

Gebiete des Sollings. Einen Gipsstock, der dieser Formation angehört,

finden wir bei Stadtoldendorf an der Homburg, wo der Gips in großen

Brüchen gewonnen wird. Dem oberen Teile des Zechsteins gehören die

Stein- und Kalisalzlager an, die im Leinetale in den letzten Jahren

nachgewiesen und Gegenstand des Bergbaues geworden sind.

Die ¯Trias¯, der tiefste Teil der mesozoischen Formation, nimmt

mit ihren drei Gliedern, Buntsandstein, Muschelkalk und Keuper, so

ziemlich das ganze Gebiet zwischen dem Teutoburger Walde einerseits,

Weserkette, Süntel, Ith und Hils anderseits ein. Der Buntsandstein

setzt die Höhen des Sollings und Reinhardswaldes und weiter nördlich

Elfas und Vogler zusammen und bildet auch die Hänge des Wesertales

zwischen Münden und Holzminden, bei Bodenwerder und weiter nördlich.

Bei Bad Pyrmont stecken die Sandsteine dieser Formation in der Tiefe

des Talkessels, während die angrenzenden Hänge in ihrem unteren Teile

von den rötlichen Tonen des oberen Buntsandsteins oder Röts gebildet

werden, und auch am Teutoburger Walde ist die Buntsandsteinformation

vielfach nachweisbar. Der weitverbreitete Muschelkalk tritt am

geschlossensten zwischen Solling und Teutoburger Wald auf und trennt

hier als »Brakeler Muschelkalkschwelle« die beiden großen Keupermulden

des Gebietes zwischen Teutoburger Wald und Weser, die sogenannte

Keupermulde von Borgentreich, die etwa mit der fruchtbaren »Warburger

Börde« zusammenfällt, und die Lippische Keupermulde. Letztere nimmt

fast das ganze Gebiet zwischen der Weser und ihrem linken Nebenflusse,

der Werre, ein, und nur lokal, wie z. B. bei Pyrmont, ist der Keuper

durch Aufwölbungen älterer Triasschichten unterbrochen. In dem stark

welligen und landschaftlich sehr reizvollen Berglande, das die Bahnen

Hameln-Altenbeken und Hameln-Lage durchschneiden, finden wir die

schönsten Beispiele der Abhängigkeit der Bodengestaltung von der

Zusammensetzung des Untergrundes, indem die Niederungen von den mürben

Mergeln und Tonen, die Höhen von den Sandsteinen und Quarziten des

Keupers zusammengesetzt werden (Abb. 3). Namentlich die technisch

recht wertvollen Quarzite des oberen Keupers oder Rhäts decken häufig

die Bergkuppen, wie den Klüt bei Hameln, die Lemgoer Mark bei Lemgo,

Winterberg, Herrmannsberg und Schwalenberger Wald südwestlich von

Pyrmont und den Köterberg bei Holzminden, eine der höchsten Kuppen

zwischen Harz und Rheinischem Schiefergebirge. Ferner hat der Keuper

zwischen Osning und Wiehengebirge in der Gegend von Melle und Osnabrück

recht erhebliche Verbreitung.

[Illustration: Abb. 3. Keuperlandschaft bei Aerzen, südwestlich von

Hameln. Die höhere Bergstufe wird vom Rhät (Oberer Keuper), die tiefere

von Schilfsandstein (Mittlerer Keuper) gebildet.

Nach einer Photographie von H. Stille 1908.]

[Sidenote: Jura.]

Vom ¯Jura¯ bestehen die untere und mittlere Abteilung, der Lias

(Schwarzer Jura) und der Dogger (Brauner Jura), vorwiegend aus mürben

Tonen, die obere Abteilung, der Malm (Weißer Jura), aber vorwiegend aus

festen Kalken, und so ist es nur natürlich, daß erstere im allgemeinen

in Talungen und an flachen Hängen zu suchen sind, während der Malm

Bergzüge bildet. Das Einbeck-Markoldendorfer Becken, das dem Solling

nach Nordosten vorgelagert ist, die Liaspartien im östlichen Vorlande

des Eggegebirges und die Herforder Liasmulde zwischen Bielefeld und

Herford sind Beispiele für Niederungsgebiete der älteren Juraschichten,

während die lang sich hinziehende Bergkette des Ith zwischen

Coppenbrügge und Eschershausen, der Kahnstein und der Selter, der

Deister bei Springe, der Saupark (Abb. 6) und die Weserkette (Abb. 4)

vom Weißen Jura gekrönt werden. Vorwiegend ist es der sogenannte

Korallenoolith des Weißen Jura, der die Felsklippen am obersten Hange

der genannten Bergzüge zusammensetzt, so die Dielmisser Felsen,

Hammerslust, Poppenstein und Mönchstein am Ith, den Bielstein am

Deister, den Hohenstein und die Luhdener Klippen an der Weserkette. In

der Weserkette westlich der Porta Westfalica, d. h. im Wiehengebirge,

und auch schon etwas östlich der Porta erreichen in dem vorwiegend

aus Tonen bestehenden Dogger harte Sandsteine (Portasandsteine) eine

erheblichere Mächtigkeit und setzen stellenweise wie an der Porta den

Gebirgskamm zusammen, und ein anderer fester Horizont des Braunen Jura,

das aus eisenschüssigen Kalksandsteinen bestehende »Cornbrash«, bildet

weithin kleine Vorberge zur Hauptkette.

Im Gegensatz zu der ziemlich erheblichen Mächtigkeit des Weißen

Juras in der Weserkette steht die geringe Entwicklung dieser

Formation am Teutoburger Walde, in dessen südlichem Teile, dem

Eggegebirge, sie überhaupt nicht bekannt ist. Teilweise mag die

Ablagerung dieser Schichten unterblieben sein, teilweise sind aber

auch Wiederzerstörungen bald nach erfolgter Ablagerung, teilweise

auch Verwerfungen der Grund der heutigen Lückenhaftigkeit der

Weißjuraprofile.

[Sidenote: Kreidezeit.]

An der Basis der ¯Kreideformation¯, des obersten Teiles der

mesozoischen Formationsgruppe, liegt in Nordwestdeutschland der

sogenannte Wealden, der im Gegensatz zu allen ihn überlagernden

Kreideschichten in der Hauptsache keine Bildung des Meeres, sondern

eine solche festländischer Sümpfe ist. Das Hauptglied ist der

Wealdensandstein, auch Deistersandstein genannt, der die Höhen der

Bückeberge, des Deisters, des östlichen Süntels, des Nesselberges und

Osterwaldes zusammensetzt und hier Kohlenflöze umschließt, die z. B.

bei Obernkirchen, Barsinghausen und am Osterwalde Gegenstand des

Bergbaues sind. Neben dem Sandstein finden sich auch Schiefertone, und

zwar entweder nur im obersten Teile, wie am Osterwalde und südöstlichen

Deister, oder im obersten und untersten Teile, wie am Süntel, im

nordwestlichen Deister und in den Bückebergen.

[Illustration: Abb. 4. Profil durch Weserkette und Bückeberge.

Maßstab der Längen ca. 1 : 50000, der Höhen ca. 1 : 25000. 1 = Brauner

Jura. 2 = Weißer Jura, ausschließlich Münder Mergel und Serpulit.

3 = Münder Mergel. 4 = Serpulit. 5 = Unterer Wealdenschiefer. 6 =

Wealdensandstein. 7 = Oberer Wealdenschiefer. 8 = Neocomtone.]

Die Landschaftsentwicklung im Weißjura-Wealdengebiete ist eine

verschiedene, je nachdem die stellenweise sehr mächtige Folge der

mürben »Münder Mergel« zwischen den Kalken des Weißen Juras und den

gleichfalls vorwiegend festen Gesteinen des Wealden vorhanden ist oder

nicht. In ersterem Falle, den wir als den Normalfall bezeichnen können,

haben wir zwei Parallelzüge, deren einer aus Weißjuraschichten, deren

anderer aus Wealdensandstein besteht und die durch eine vorwiegend von

Münder Mergeln erfüllte Niederung getrennt sind. Diesen Fall beobachten

wir z. B. in der Linie Rinteln-Bückeburg (Abb. 4), wo die Weserkette

aus Weißem Jura, der Parallelzug des Harrl aus Wealden besteht und

die trennende Niederung, in der Bad Eilsen liegt, im Untergrunde in

der Hauptsache die Münder Mergel enthält, oder südwestlich Springe,

wo den Saupark der Weiße Jura, den Nesselberg der Wealden und das

Längstal zwischen beiden die Münder Mergel zusammensetzen (Abb. 5

und 6, westlicher Teil). Ein solches Längstal fehlt natürlich, wo

die Münder Mergel nicht vorhanden sind, und so verschmelzen z. B. am

südöstlichen Deister Weißjura und Wealden zu einem einheitlichen Zuge

(Abb. 6, östlicher Teil). Das Fehlen der Münder Mergel und anderer

Weißjuraschichten ist dabei durch Abtragungen vor Ablagerung des

Serpulits, des obersten Gliedes des Weißen Juras, bedingt, der vielfach

diskordant ältere Schichtkomplexe überlagert. Westlich Bückeburg nehmen

die mürben Schiefer gegenüber den Sandsteinen immer mehr überhand, und

im Zusammenhang damit verflacht sich der weiter östlich hochaufragende

Wealdenzug der Bückeberge und verschwindet mit der Klus bei Bückeburg

schließlich ganz unter dem Diluvium der Norddeutschen Tiefebene.

Am Teutoburger Walde kennen wir Wealden etwa erst von Örlinghausen an

nordwestwärts; namentlich südlich Osnabrück nimmt er weite Flächen ein

und bildet dabei auch höhere Berggruppen. Der früher an mehreren Orten

umgehende Bergbau auf die Wealdenkohlen des Teutoburger Waldes ist

jetzt ganz zum Erliegen gekommen.

Das Neokom, der untere Teil der marinen Unteren Kreide, tritt in

zweierlei Fazies auf, und zwar als Ton entlang dem Nordfuße der

Bückeberge und des Deisters, am Süntel, Osterwalde und Hils, als

Sandstein am Teutoburger Walde. Dementsprechend ist die landschaftliche

Erscheinungsform eine völlig verschiedene. Den Untergrund von

Niederungsgebieten bildet er bei Bückeburg, Stadthagen und in der

Deistermulde zwischen Deister einerseits, Stemmer und Gehrdener Berg

anderseits, aufragende Bergzüge bezeichnen seinen Verlauf entlang

dem Teutoburger Walde von der Burg Blankenrode im äußersten Süden

bis Bevergern östlich der Ems. Als ununterbrochenes Band krönt der

Teutoburgerwaldsandstein, der von Altenbeken an nordwärts außer

dem Neokom noch den tiefsten Teil der folgenden Stufe, des Gault,

umfaßt, den östlichen Steilhang des Eggegebirges und bildet hier die

Wasserscheide zwischen Weser und Rhein; die Felsnadeln der Externsteine

bei Horn bestehen aus ihm, wie weiterhin ganz oder zum größten Teile

der Stemberg bei Berlebeck, die Grotenburg bei Detmold, der Tönsberg

bei Örlinghausen, die Hünenburg bei Bielefeld, der Barenberg bei

Borgholzhausen und der Dörenberg bei Iburg.

[Illustration: Abb. 5. Blick vom Deister über das Tal von Springe

(Lias und Dogger) zum Saupark (mittlerer Bergzug, Weißer Jura) und

Nesselberg (hinterer Bergzug, Wealden). Zwischen Saupark und Nesselberg

liegt das von Münder Mergel erfüllte Längstal (s. Abb. 6). Nach einer

Photographie von F. Schöndorf 1908. (Zu Seite 9.)]

Der Gegensatz zwischen der Sandsteinfazies des Neokoms am Teutoburger

Walde und der Tonfazies in den nordöstlich liegenden Gebieten findet

seine einfache Erklärung dadurch, daß im Gebiete des heutigen

Westfalens ein Festland entstanden war und in dessen Umrandungsgebiete,

d. h. dort, wo sich heute der Teutoburger Wald erhebt, Sande und

Geröllagen sedimentiert wurden, während in die küstenferneren Gebiete

nur noch die feineren tonigen Materialien transportiert werden konnten.

[Illustration: Abb. 6. Der Deister-Saupark-Sattel. (Zu Seite 9 u. 18.)

Maßstab ca. 1 : 125000. 1 = Mittlerer Keuper. 2 = Lias. 3 = Dogger. 4

= Oxford. 5 = Kimmeridge, Gigasschichten und Plattenkalke. 6 = Münder

Mergel. 7 = Serpulit. 8 = Wealden. 9 = Neocom. 10 = Diluvium. Zur

Abkürzung des Profiles ist die Verwerfung zwischen Keuper und Wealden,

die erst südwestlich Brünnighausen durchsetzt, etwas nach Nordosten

verschoben.]

Den oberen Teil der Unteren Kreide, den Gault, finden wir am Hils zu

unterst durch den »Hilssandstein« vertreten, der hier den Kamm mit

der höchsten Erhebung, der »Bloßen Zelle«, zusammensetzt, und ferner

durch »Minimuston« und »Flammenmergel«; dem Hilssandstein entspricht

an der südlichen Egge, so am Altenbekener Tunnel, ein glaukonitischer,

sandiger Ton, am übrigen Teutoburger Walde der obere Teil des

Teutoburgerwaldsandsteins, dem Minimuston bei Altenbeken und weiter

südlich der rotgefärbte »Gaultsandstein«, am übrigen Teutoburger Walde

der »Grünsand des Osnings«, und Flammenmergel ist am ganzen Teutoburger

Walde in ähnlicher Entwicklung, wie am Hils, vorhanden.

Von der oberen Kreide sind Cenoman und Turon in der Hauptsache durch

hellgefärbte, teils etwas mergelige Kalke, sogenannte »Pläner«,

vertreten. Diese setzen am Hils bei Grünenplan und Kaierde den

Heimberg, Idtberg und Fahrenberg zusammen und haben ihre weiteste

Verbreitung am Teutoburger Walde. Dort bauen sie im Hinterlande der

Egge die gesamten Bergrücken bis hin zur Senne auf, die hier an Höhe

hinter dem Kamm des Teutoburgerwaldsandsteins etwas zurückbleiben,

während am Osning der Pläner in gezackten Kämmen vielfach den ihm

nördlich parallel verlaufenden Sandstein überragt. An der Basis

der Plänerformation bilden die Cenomanmergel infolge der geringen

Widerstandsfähigkeit gegen die Verwitterung ein Längstal zwischen

dem Bergzuge der Untern Kreide und den Plänerbergen, das am ganzen

Teutoburger Walde als höchst charakteristisches Landschaftselement

zu verfolgen ist (Abb. 7). In ihm liegen an der Egge die Ortschaften

Herbram, Schwaney, Buke, Altenbeken, Feldrom, und hier hat es bei

flacher Lagerung der Schichten eine erhebliche Breite, während es

am Osning bei steiler Stellung der Schichten und entsprechender

Verschmälerung ihres Ausgehenden weniger breit, aber nicht minder

deutlich verfolgbar ist.

[Illustration: Abb. 7. Das Längstal der Cenomanmergel bei Berlebeck im

Teutoburger Walde.

Nach einer Photographie von H. Stille 1908.]

Das Senon ist im Gebiete des Teutoburger Waldes durch die wenig

widerstandsfähigen »Emscher Mergel« vertreten, und es ist nur

natürlich, daß in der Linie Brackwede-Schlangen-Lippspringe-Paderborn,

in der es an die harten Pläner des Teutoburger Waldes angrenzt, das

Gebirge seinen Süd- beziehungsweise Ostrand erreicht und die weite

Ebene beginnt, die unter einer zum Teil recht mächtigen Decke von

Quartärbildungen die senonen Schichten enthält.

[Sidenote: Tertiär.]

¯Tertiärgebirge¯ ist nur in vereinzelten, meist versenkten Schollen

bekannt, von denen diejenige von Bünde in Westfalen wegen ihres großen

Reichtums an oberoligocänen Versteinerungen besondere Berühmtheit

erlangt hat. In die Tertiärzeit fallen auch die Ergüsse basaltischer

Gesteine, die wir im südlichsten Teile des Wesergebirgslandes, z. B. in

der Warburger Börde (Desenberg bei Warburg, Hüssenberg bei Eißen), am

Reinhardswalde (Gahrenberg, Staufenberg, Sababurg), Solling (Bramburg)

und südlich des Solling (Hoher Hagen) finden. Der nördlichste deutsche

Basalt bildet einen kurzen und schmalen Gang in der Trias von Sandebeck

am Eggegebirge.

[Sidenote: Eiszeit.]

Von Detmold zum Wesertale südlich Hameln und weiter um das Nordende

des Iths herum in die Hilsmulde hinein, um den Kahnstein und um die

Berge an der linken Seite des Leinetales bis nach Freden zieht sich

in gewundenem Verlaufe der Südrand der ¯diluvialen Vereisung¯. Der

Lippische Wald lag noch außerhalb derselben, während sie durch die

Quertäler des Osnings und zum Teil auch noch über diesen hinweg nach

Süden in das Münstersche Becken vordrang. Wie weit die nördlichen

Bergzüge des Wesergebirgslandes als Inseln das Inlandeis überragten,

mag dahingestellt bleiben, jedenfalls war z. B. der Deister völlig

unter Eis begraben, wie Geschiebemergel mit nordischen Blöcken auf

der Höhe des kleinen Gebirges am Bielstein beweist, und gleiches war

auch bei den Bückebergen der Fall. Frühere höhere Wasserstände unserer

Flußtäler, z. B. des Wesertales, deuten die über den heutigen Talböden

liegenden Flußterrassen an. Gewaltige Kiesaufschüttungen sind der Porta

Westfalica südöstlich vorgelagert und als Absätze der Weser aus einer

Zeit gedeutet worden, in der das Inlandeis die westfälische Pforte von

Norden verschloß und die von Süden kommenden Wasser anstaute.

[Sidenote: Dünenbildung.]

Am Osning und im Lippischen Walde liegen die Kreideschichten

tief unter Dünensanden begraben, die besonders die Täler füllen

(Abb. 8), doch auch den Höhen nicht ganz fehlen. Die Südgrenze der

Überwehungen (Abb. 9) erklärt sich durch die Lage des Teutoburger

Waldes zum Diluvialgebiete der Senne, dem die Sande entstammen, und

die vorherrschende südwestliche Richtung der Winde, die den Transport

besorgten.

[Illustration: Abb. 8. Dünenlandschaft im Lippischen Walde. Nach einer

Photographie von H. Stille 1908.]

* * * * *

Nach seiner inneren Struktur kann man das Weserbergland insofern als

ein »Schollengebirge« bezeichnen, als in ihm die Zerrissenheit des

Untergrundes in größere und kleinere Schollen die hauptsächlichste

Erscheinungsform der gebirgsbildenden Kräfte ausmacht. Dabei ist

es aber -- wenigstens in weiten Teilen -- keineswegs ein typisches

Schollengebirge, vielmehr tritt uns ein Zusammenschub der Schichten

zu Sätteln und Mulden, d. h. eine Faltenbildung, weithin entgegen, die

sich am Osning, dem nördlichen Teutoburger Walde, bis zur Steilstellung

und Überkippung großer Schichtenkomplexe steigert, und manche Teile,

wie insbesondere den Osning, möchte man geradezu als durch weitgehende

Bruchbildung modifizierte kleine Faltengebirge bezeichnen.

[Illustration: Abb. 9. Südrand der Dünenbildungen am Teutoburger Walde.

Maßstab 1 : 1500000.]

[Sidenote: Streichen der Bergzüge.]

Das Streichen der Mehrzahl der Bergzüge, wie des Ith, Hils und

Selter, Saupark und Deister, Wesergebirges und Osnings, geht

vorwiegend in herzynischem Sinne, d. h. von Südosten nach Nordwesten.

Nur zurücktretend findet sich auch nord-südlicher Verlauf der

Gebirgszüge, wie am südlichen Teutoburger Walde, dem Eggegebirge,

oder südwest-nordöstlicher, wie an den Bückebergen. Die Richtung der

Bergzüge ist durch das gleichfalls vorwiegend herzynisch gehende

Streichen der Schichten und Verwerfungen bedingt, während nord-südlich

gerichtete, sogenannte »rheinische« Brüche in unserem Gebiete sehr

zurücktreten und erst etwas südlich und östlich desselben, wie im

Leinetale zwischen Eichenberg und Northeim, eine große Bedeutung

für den Aufbau des Untergrundes gewinnen. Sie besitzen dort die

mehr nordnordöstliche Richtung, die so charakteristisch für die

gesamte große Bruchzone ist, die vom Oberrheintale durch Wetterau und

Hessische Senke, durch das Leinetal und das westliche Randgebiet des

Harzes zur Norddeutschen Tiefebene nachweisbar ist. Nicht eigentlich

»rheinisch« ist aber das Eggegebirge gerichtet, wo vielmehr das

Generalstreichen der Schichten und Dislokationen nordnord¯west¯lich

geht; das Eggegebirge hat aber damit eine Mittelrichtung zwischen

der typisch herzynischen (Südost-Nordwest) und typisch rheinischen

(Südsüdwest-Nordnordost) Richtung und ist auch das Ergebnis von

Gebirgsbildungen in beiderlei Sinne. Indem sich aber der Einfluß der

Gebirgsbildung im rheinischen Sinne am Teutoburger Walde von Süden

nach Norden verschwächt, gewinnt die herzynische (nordwestliche) die

Überhand und bestimmt schließlich allein den Verlauf des Osnings.

Der Überblick über den ziemlich komplizierten Aufbau des

Weserberglandes wird durch die Verfolgung der geologischen Achsen

erleichtert, d. h. derjenigen Linien, entlang denen eine besonders hohe

Heraushebung der Schichten erfolgt ist. Wir beginnen im Nordwesten, im

Gebiete von Osning und Wiehengebirge.

[Sidenote: Der Osning.]

Der Osning ist der nördliche, die nordwestliche Richtung befolgende

Teil des Teutoburger Waldes, des Randgebirges der Westfälischen

Kreidemulde. Während die Kreideschichten aber an der Egge, dem

südlichen Teutoburger Walde, flach liegen und höchstens unter 7 bis 9°

nach Westen, d. h. zum Innern der Mulde, geneigt sind, bildet am Osning

die steile Aufrichtung der Kreideschichten die Regel, und weithin sind

sie sogar überkippt, so daß älteres über jüngerem liegt, wie in dem

Quertale von Brackwede-Bielefeld zu beobachten ist. Eine erhebliche

Breite besitzt der Teutoburger Wald in seinem südlichen Teile, aber

in dem Maße, wie bei steilerer Schichtenstellung der Ausstrich der

festen Kreideschichten sich nach Nordwesten zu verschmälert, verringert

sich auch die Breite des Gebirges, das endlich zu dem schmalen Zuge

des Osnings wird. Nahe an die Kreide des Osnings, von ihr nur durch

schmale Streifen von Jura oder Keuper getrennt, treten Röt und

Muschelkalk heran, sind aber im Gegensatze zu den steilgestellten

Schichten der Kreide ziemlich flach gelagert und fallen mit schwacher

Neigung nach Norden ein, wo sie von Keuper und Jura überdeckt werden

(Abb. 10). Im großen und ganzen ist der Osning ein Sattel, aber

ein solcher mit derartig tief entlang der Sattelspalte oder einem

System von Staffelbrüchen versenktem Südflügel, daß die Kreide in

das Niveau der älteren Trias des Nordflügels gelangte. Abbildung

10 gibt davon ein schematisches Bild, dem etwa die Gegend östlich

Bielefeld zugrunde liegt; in ihm sind zur Vereinfachung der Darstellung

die Zwischenstaffeln zwischen oberem Buntsandstein und Kreide

fortgelassen. Die westfälische Kreidemulde erweist sich gegenüber

den Triasschichten des Osnings als ein Senkungsfeld großartigen

Maßstabes, und der Nordrand dieses Senkungsfeldes fällt zusammen mit

dem »Osningabbruch« entlang der »Osningachse«, der am ganzen Osning

zu verfolgenden Hebungslinie dieses Gebirges (Abb. 11). Der Druck,

der das Gebirge schuf, kam von Süden, und das Rückland, d. h. der der

Druckrichtung zugewandte Teil des Osningsattels ging in die Tiefe,

wobei sich die sinkenden[A] Schichttafeln beim Abgleiten entlang der

stehenbleibenden[2] Masse des Nordflügels an ihrem äußersten Rande

bis zur Überkippung aufrichteten und die Osningspalte weithin unter

Fortwirkung des horizontalen Druckes zur Osning-Überschiebung wurde.

Wir haben hier jenen Fall des Zusammenwirkens vertikalen Absinkens

und horizontalen Druckes bei sinkendem Rücklande, den E. Sueß als

»Rückfaltung« bezeichnet hat.

[2] Vergl. Anmerkung Seite 7.

[Illustration: Abb. 10. Schematisches Profil des Osnings (unter

Fortlassung der Zwischenstaffeln zwischen Kreide und Buntsandstein).]

[Illustration: Abb. 11. Die Hebungslinien des Teutoburger Waldes.

Maßstab 1 : 1500000.]

[Illustration: Abb. 12. Der Teutoburger Wald bei Detmold. Der vordere

Bergzug besteht aus Muschelkalk und enthält die »Osning-Achse«, der

hintere (Grotenburg mit Hermannsdenkmal) aus Kreide.

Nach einer Photographie von H. Stille 1908.]

Wenn sich nun auch das tektonische Bild des Osnings, wie es in

Abbildung 10 aus der Gegend östlich Bielefeld gegeben ist, in der

verschiedensten Weise modifiziert, so bleibt doch als etwas Konstantes

und Schritt für Schritt zu Verfolgendes die Heraushebung nach einer

herzynisch gerichteten, vielfach aufgerissenen Sattellinie, der

Osningachse, bestehen, und auch die paläozoischen Horste des Hüggels

und der Ibbenbürener Bergplatte sind an diese Achse gebunden. Bis

etwa bei Detmold liegt sie ganz nahe am Rande der westfälischen

Kreide, rückt dann aber etwas von ihr ab. In Abbildung 12 bilden

jenseits der Stadt Detmold die nach der Osningachse aufgewölbten

Muschelkalkschichten den ersten Bergzug, jenseits dessen die das

Hermannsdenkmal tragende Kreidekette sichtbar wird. Weiterhin ist

die Achse vom Verfasser bis in das Vorland des Eggegebirges östlich

von Driburg verfolgt worden, wo bei Herste diese bedeutendste aller

Hebungslinien des Wesergebirgslandes in einem flachen Sattel von Röt

und Wellenkalk ausklingt. Hier, wie weiter nördlich bei Hermannsborn,

Vinsebeck und in gewissem Sinne auch bei Meinberg, sind an das

Sprungsystem entlang der Achse Austritte von Kohlensäure gebunden. Bei

Herste verwehren die undurchlässigen Rötschichten der Kohlensäure den

Austritt, soweit nicht natürliche Spalten oder künstliche Bohrlöcher

die Verbindung zur Tiefe schaffen. Abbildung 13 zeigt uns einen der

erbohrten Kohlensäuresprudel der Firma Rommenhöller A.-G. zu Herste,

der beim Aufsteigen Wasser mit sich aus der Tiefe emporreißt.

[Illustration: Abb. 13. Kohlensäuresprudel der Firma Rommenhöller A.-G.

bei Herste.

Nach einer Photographie von Otto Liebert in Holzminden.]

[Illustration: Abb. 14. Profil durch Falkenhagener Liasgraben und

Köterberg. Maßstab 1 : 40000. (Zu Seite 18.)]

[Sidenote: Das Wiehengebirge.]

Auf den Röt und Muschelkalk am Nordflügel des Osningsattels legen sich

nördlich Bielefeld die Schichten des Keupers, Lias, Doggers und Malms,

und nur unbedeutende Störungen und Auffaltungen modifizieren lokal

das Bild einer normalen Schichtfolge vom Osning zum Wiehengebirge.

Letzteres verdankt seinen Charakter als Gebirge allein der hohen

Widerstandsfähigkeit der Weißjura- und einzelner Braunjuraschichten

gegen die im Gebiete des Lias und Keupers tief eingreifende Denudation.

Das Wiehengebirge ist somit ein »Schichtstufengebirge« am Nordflügel

des Osningsattels, kein tektonisch selbständiger Gebirgszug, und

auch ¯seine¯ Hebungslinie ist für einen Teil seiner Erstreckung die

Osningachse (Abb. 15). Weiter nordwestlich erscheinen aber nördlich der

Osningachse und parallel zu ihr zwei neue Achsen (Abb. 10), diejenige

des Holter Sattels und diejenige des Piesberges[3], so daß wir hier

zwischen der westfälischen Kreidemulde und dem Wiehengebirge nicht,

wie weiter südöstlich, nur die eine Hebungslinie, die Osningachse,

sondern deren drei haben, die sämtlich herzynisch gerichtet sind, und

von denen die Piesbergachse als die nördlichste zur Hebungslinie des

Wiehengebirges wird. Vom Karbon des Piesberges liegt bis zum Weißen

Jura des Wiehengebirges eine einigermaßen ununterbrochene Folge

nördlich einfallender Schichten, den Nordflügel des Piesbergsattels

bildend. Eine etwas spießeckig gerichtete Verwerfung schneidet diese

Schichten nach Westen ab, und zwar den Weißen Jura bei Neuenkirchen,

und damit endigt das durch die Widerstandsfähigkeit der Juraschichten

bedingte Wiehengebirge.

[3] Den Angaben über die Piesbergachse und die Endigung des

Wiehengebirges liegen die Untersuchungen E. Haarmanns zugrunde.

[Sidenote: Eggegebirge. Lippische Keupermulde.]

Parallel zur Osningachse und südlich von ihr liegen nun im stark

gestörten Vorlande des Eggegebirges weitere Hebungslinien, und alle

diese verschwinden nach Westen unter der Kreide des Eggegebirges und

Lippischen Waldes (Abb. 10); an der Egge hat die Kreide keinen Anteil

an der Aufwölbung nach den Achsen, sondern legt sich diskordant über

die aufgefalteten und gegeneinander verschobenen Schollen hinweg.

Wir haben am Eggegebirge den infolge der Widerstandsfähigkeit der

Schichten als Gebirgswall aufragenden östlichen Denudationsrand der

westfälischen Kreide, die hier flach und ungestört liegt. Die Faltung

ist am Teutoburger Walde in vorcretacischer Zeit von Süden, dem Gebiete

der heutigen Egge, ausgegangen und in postcretacischer (tertiärer)

Zeit, teilweise vielleicht auch schon in spätcretacischer Zeit nach

Norden, zum Osning, vorgerückt.

[Illustration: Abb. 15. Das Wiehengebirge als Schichtstufe auf dem

Nordflügel des Osning-Sattels.

~Kr~ = Kreide. ~j_{3}~ = Malm. ~j_{2}~ = Dogger. ~j_{1}~ = Lias. ~Kp~ =

Keuper. ~m~ = Muschelkalk. ~bs~ = Buntsandstein. (Zu Seite 16.)]

Im Gegensatz zu der Gestörtheit der Schichten am Teutoburger Walde

haben wir in dem weiten Gebiete zwischen diesem Gebirge und der

Weser recht regelmäßige Lagerungsverhältnisse. Den Hauptteil nimmt

die Lippische Keupermulde ein, aus der sich der in seinem Kerne

aus Buntsandstein bestehende Pyrmonter Sattel herauswölbt. Die

Verwerfungen, die in der Tiefe des Pyrmonter Talkessels aufsetzen,

sind in bezug auf Sprunghöhe zwar nicht bedeutend, aber insofern

höchst bemerkenswert, als an ihnen die Heilquellen des Bades zur

Tagesoberfläche gelangen. Im herzynischen Fortstreichen des Pyrmonter

Sattels wölbt sich ein Muschelkalksattel südöstlich Vlotho aus dem

Keuper empor, und weiterhin entfällt in das System der Störungen

entlang der »Pyrmonter Achse« ein von Vlotho bis Oeynhausen

verfolgbarer Sprung, welcher der in tiefen Schichten der Erdkruste

beheimateten Thermalsole des Bades Oeynhausen den Weg in höhere öffnet,

aus denen sie durch Bohrlöcher gewonnen wird. 10 ~km~ südwestlich

davon verläuft der »Quellsprung« des Bades Salzuflen, der Nordabbruch

der Herforder Liasmulde. Die Pyrmonter Achse (Abb. 9) ist eine

Parallelachse zu derjenigen des Osnings, und es wird noch festzustellen

sein, ob sie als die Fortsetzung der Piesbergachse jenseits eines

Gebietes mehr schwebender Lagerung gelten darf. Den südlichen Teil der

Lippischen Keupermulde durchzieht in nordwest-südöstlicher Richtung

von Polle bis fast zur Egge eine Zone eingesunkener Liasschichten,

die Falkenhagener Grabenzone. Sie verläuft etwas nördlich des

Köterberges, der auf der Höhe aus Oberem Keuper (Rhät) besteht, den wir

am Falkenhagener Graben tief versenkt unter dem Lias zu suchen haben.

Treppenförmig erfolgt dabei der Abbruch, wie in Abbildung 14 in der

Höhenlage des Rhäts am Bentberge zum Ausdrucke kommt.

Nach Südosten folgen links der Weser zwischen Höxter und Holzminden

als Liegendes der sich allmählich heraushebenden Keupermulde die

Schichten des Muschelkalkes, die sich nach Westen in der Brakeler

Muschelkalkschwelle fortsetzen, und darunter endlich jenseits der

Weser die weit ausgedehnten Buntsandsteinschichten des Sollinger

Waldes, die hier vielfach durch grabenförmig versenkte Streifen von

Tertiärgebirge unterbrochen sind; an solche versenkten Streifen ist der

Braunkohlenbergbau des Sollings gebunden.

[Sidenote: Die Gebirge rechts der Weser.]

Das Weserbergland und der Teutoburger Wald · 第 1 / 11 段